RC N Watch: Ein Großteil des Nordens geht in afghanische Verantwortung

Die afghanische Regierung, genauer: Präsident Hamid Karzai, hat heute die Liste der Provinzen, Distrikte und Städte gebilligt, die in der zweiten Stufe der Transition in die Sicherheitsverantwortung der Sicherheitskräfte Afghanistans übergeben werden sollen. Davon ist das – deutsch geführte – ISAF-Regionalkommando Nord recht stark betroffen; viele Regionen, in denen die internationalen Truppen im Norden bislang für die Sicherheit zuständig sind, finden sich auf dieser Liste für die (wie es in Deutschland immer heißt) Übergabe in Verantwortung wieder.

Dann gleichen wir mal ab: Zum ISAF-Regionalkommando Nord gehören die Provinzen

Badakhshan
Baghlan
Balkh
Faryab
Jowzjan
Kunduz
Samangan
Sar-e Pul
Takhar

Bereits in der ersten Stufe der Transition übergeben wurde die Sicherheitsverantwortung für die Stadt Masar-i-Scharif (Mazar-e-Sharif) in der Provinz Balkh.

Jetzt folgen aus dem RC North:

als komplette Provinzen: Balkh, Takhar, Samangan

in der Provinz Badakshan als Distrikte Shahr Buzurg, Yaftal Sufla, Arghanj, Baharak, Tashkan, Kishm und  Argo, außerdem die Stadt Faizabad;

alle Distrikte außer Sayaad in der Provinz Sar-e-Pul;

die Stadt Shebergan (Shibergan) in der Provinz Jowzjan (Jauzan).

Wie sich das konkret auf die ISAF-Aktivitäten und damit auch auf den deutschen Truppenansatz in der Region auswirkt, wird man abwarten müssen. Die Übergabe des PRT Faizabad in die zivile Führung des deutschen Auswärtigen Amtes ist ja bereits bestätigt; jetzt stellt sich noch die Frage nach dem Status/der Aufgabe des Provincial Advisory Team (PAT) in Taloqan in der Provinz Takhar. Das türkisch geführte PRT in Shibergan hat ohnehin schon, wenn ich richtig informiert bin, einen zivilen Schwerpunkt.

 

RC N Watch: Das steckt hinter der Übergabe im Norden

Enteqal heißt die Transition (deutsch: die Übergabe in Verantwortung) in Afghanistan, und das Afghan Analysts Network hat alle sieben Städte und Regionen, in denen bislang die Verantwortung an die Afghanen übergeben wurde, genauer unter die Lupe genommen.

Masar-i-Scharif ist die letzte Stadt in dieser Serie der Enteqal Seven, und für einen Blick auf diese Stadt, Sitz des (deutsch geführten) ISAF-Regionalkommandos Nord, aber auch für die weiteren Übergabe-Aussichten im Norden, ist der Beitrag lesenswert:

The Enteqal Seven (7): Opportunities and Concerns in the North

Dabei haben übrigens auch die Arbaki, dieMilizen mit ihrer dubiosen Rolle, eine gewisse Bedeutung.

Verantwortung für Herat an die Afghanen übergeben

Angesichts der laufenden Berichterstattung aus Norwegen geht es fast unter, aber als Merkposten: Heute ist die Sicherheitsverantwortung für Herat an die Afghanen übergeben worden.

Die Vermutung liegt nahe, dass Masar-i-Scharif vielleicht morgen oder am Sonntag die nächste Stadt ist, die übergeben wird (wobei man daran erinnern muss, dass das für die Deutschen nichts ändert: Der Stab des RC North mit seinem deutschen Kommandeur ist zwar in MeS stationiert; aber für ISAF nehmen derzeit die Schweden aus ihrem PRT die Sicherheitsverantwortung wahr).

(U.S. Air Force photo by Senior Airman Kat Lynn Justen)

Afghanistan: Die Übergabe hat begonnen

Möglichst unauffällig, möglichst an einem – relativ – friedlichen Ort: Die Transition der Verantwortung an die Afghanen, deutsch als Übergabe in Verantwortung bezeichnet, hat begonnen. In Bamiyan, wie Reuters berichtet:

Ministers flew to central Bamiyan province, one of the most peaceful places in Afghanistan, for a ceremony that was not announced in advance, did not run live on any TV channel and to which only a small number of media outlets were invited.

(Die Chinesen, sonst mit ihrer Berichterstattung aus Afghanistan recht akkurat, verlegen den Beginn der Übergabe in die Provinz Baghlan. Aber da dort keine Neuseeländer stationiert sind, vermute ich stark, dass es einfach ein redaktioneller Irrtum in Peking war…)

Nachtrag: Der afghanische Sender TOLONews titelt: Afghan Security Transition Begins as Planned. Eine Frage der Perspektive…

RC N Watch: Wünsch dir was, Faisabad und der Abzug

Unbestreitbar, die Kollegen vom Spiegel haben eine neuen Fakt recherchiert: ISAF-Kommandeur David Petraeus sieht für drei Provinzen im – aus Gesamt-ISAF-Sicht – ruhigen Norden Afghanistans für das kommende Jahr die ersten Kandidaten für die Übergabe der Sicherheitsverantwortung an die Afghanen. Aber ob das einen Teilrückzug der Bundeswehr aus Afghanistan schon im kommenden Frühjahr bedeutet, darf man doch sehr bezweifeln – ein Blick auf die Fakten:

Die Provinzen Sar-i-Pol, Samangan und (mit Abstrichen) Badakhshan sind die mit der besten Sicherheitssituation, was sie als wahrscheinliche Kandidaten für die so genannte Transition erscheinen lässt. ISAF ist jedoch nur in einer dieser drei Provinzen mit einem Provincial Reconstruction Team vertreten, nämlich mit dem deutschen PRT in Faisabad/Badakshan. Eine Übergabe an die afghanischen Sicherheitsbehörden würde sich damit, wenn überhaupt, nur dort für ISAF auswirken.

Allerdings ist es auch Petraeus‘ Credo, dass die Übergabe der Sicherheitsverantwortung für einzelne Provinzen noch längst nicht den Abzug der internationalen Truppen bedeutet. Thin out, don’t hand off, nennt das der amerikanische General – langsam die Präsenz verrringern, nicht schlagartig rausgehen. Also: selbst wenn die afghanischen Sicherheitskräfte schon im Sommer 2011 für Badakshan verantwortlich sein sollten (was unter anderem auch von der Lageeinschätzung von ISAF und afghanischer Regierung abhängt), wird das deutsche PRT nicht im kommenden Sommer zugemacht.

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Archivbild: Der deutsche Hauptmann Siegmar Jessulat von einem Operations Mentoring and Liaison Team (OMLT) mit einem afghanischen Soldaten in Faisabad (Photo by U.S. Marine Cpl. John Scott Rafoss via ISAFmedia/flickr)

Ein bisschen irreführend ist auch der Hinweis, dass Faisabad ein Feldlager für maximal 500 Soldaten sei. weiterlesen

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