Schnöggersburg: Erste Übung mit Kampftruppe

Im Oktober vergangenen Jahres hatte das Gefechtsübungszentrum des Heeres einen Teil der neuen Übungsstadt Schnöggersburg auf dem Truppenübungsplatz Altmark übernommen, in diesen Tagen wurde der urbane Ballungsraum erstmals mit einer Übung von Kampftruppen getestet: Eine Jäger- und eine verstärkte Panzergrenadierkompanie mit Kampfpanzern probierte die Eignung von Schnöggersburg ganz praktisch aus. weiterlesen

Neue leere Stadt: Schnöggersburg zum Teil übergeben (Neufassung)

 

Die Bundeswehr hat damit begonnen, eine vollständig neu gebaute Stadt zu übernehmen, in der nie ein Mensch wohnen wird. Die Altstadt von Schnöggersburg, einem ausschließlich zu Übungszwecken angelegten urbanen Ballungsraum auf dem Truppenübungsplatz Altmark nördlich von Magdeburg wurde am (heutigen) Donnerstag an das Heer übergeben. Vom kommenden Jahr an sollen dort Soldaten Einsätze in städtischen Gebieten üben – weil die möglichen künftigen Einsätze immer wahrscheinlicher nicht in unbewohntem Gebie, sondern in Städten stattfinden werden.

Schnöggersburg soll, wenn es in drei Jahren endgültig fertiggestellt ist, mehr als 500 Häuser unterschiedlicher Größe umfassen, von Reihenhäusern bis zum Hochhaus. Bereits jetzt gibt es ein Rathaus, einen so genannten Sakralbau, ein Polizeigebäude und ein Gefängnis, einen U-Bahn-Tunnel (ohne U-Bahn), 800 Meter Flusslauf, mehrere hundert Meter Kanalisation, 1,5 Kilometer Bahngleise mit Bahnhof, 300 zu Wohnzwecken aufgestellte Container als Elendsviertel, einen Flugplatz – und schon mehrere hundert Gebäude, von denen die Bundeswehr jetzt 240 übernahm. (Der Flugplatz mit seiner Behelfslandebahn wurde bereits im vergangenen Jahr in Betrieb genommen und auch schon mit Start und Landung ausprobiert. weiterlesen

Vögel statt Plattenbauten: Grünen-Umweltpolitiker will Bundeswehr-Übungsstadt stoppen


So soll Schnöggersburg einmal aussehen (Grafik mit freundlicher Genehmigung von Y- Das Magazin der Bundeswehr)

Das Projekt ist (mindestens) in Europa einmalig: Auf dem Truppenübungsplatz Altmark nördlich von Magdeburg baut die Bundeswehr die Übungsstadt Schnöggersburg – mit allen Elementen eines urbanen Ballungsraums wie Hochhaussiedlung mit Plattenbauten, U-Bahn, Fabrik- und Elendsviertel, ja sogar einem künstlichen Fluss. Das insgesamt mehr als sechs Quadratkilometer große Terrain für die Vorbereitung auf Einsätze im urbanen Umfeld stößt bislang schon vor allem bei Linken und Bundeswehrgegnern auf Kritik – nun aber auch bei einem Umweltpolitiker: Der grüne Landtagsabgeordnete Dietmar Weihrich aus Sachsen-Anhalt hat nach eigenen Angaben Ende vergangener Woche bei der EU-Kommission Beschwerde gegen Schnöggersburg eingelegt, weil mit dem Projekt wichtige Umweltschutzbestimmungen verletzt würden.

„Meine Triebfeder ist nicht, das Projekt zu verhindern“, sagte Weihrich am Montag im Gespräch mit Augen geradeaus! „Ich bin Umweltpolitiker, kein Verteidigungs- oder Friedenspolitiker“. Aber auch die Bundeswehr müsse die geltenden Vorschriften beachten: „Mir geht es erst mal darum, dass die Umweltschutzrichtlinien eingehalten werden.“

Ob die Bundeswehr mit ihrem Vorhaben tatsächlich gegen solche EU-Bestimmungen verstößt, ist eine komplizierte rechtliche Frage. Sowohl der Bund als auch das Land Sachsen-Anhalt räumen zwar ein, dass der Bau der Übungsstadt ein Eingriff in die Natur sei, sehen aber nicht zuletzt durch Ausgleichsmaßnahmen die Regelungen beachtet:

Das Bauvorhaben „Urbaner Ballungsraum“ stellt gemäß § 14 Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) einen Eingriff in Natur und Landschaft dar. Dieser ist durch den Verursacher gemäß § 15 Abs. 2 BNatSchG auszugleichen oder zu ersetzen. Verursacher von Eingriffen in die Natur auf dem Truppenübungsplatz Altmark ist der Bund als Eigentümer der Liegenschaft.
Mit Beginn der ersten Planungsschritte wurde mit der Erstellung eines Landschafts- pflegerischer Begleitplanes (LBP) begonnen, in dem alle Auswirkungen des Vorhabens und die erforderlichen Maßnahmen des Naturschutzes und der Landschaftspflege dargestellt wurden. Die Bewertung des Eingriffs und die Ermittlung des Umfangs von Kohärenzmaßnahmen erfolgte auf der Grundlage der Richtlinie über die Bewertung und Bilanzierung von Eingriffen im Land Sachsen-Anhalt (Bewertungsmodell Sachsen-Anhalt). Die ermittelten erforderlichen Kompensationsmaßnahmen für das Bauvorhaben liegen schwerpunktmäßig in der Neuanlage und Reaktivierung von Heide-Lebensräumen, in der Schaffung anderer Offenland-Lebensräume und in der Entsiegelung von bebauten Bodenflächen auf dem Truppenübungsplatz Altmark. weiterlesen

Demnächst im Programm: „Urban Warfare“ in der U-Bahn

Wegen anderer Verpflichtungen konnte ich mir das heute nicht anschauen, aber Andere waren da: Die Bundeswehr baut ein Trainingsgelände für Urban Warfare – den Kampf im städtischen, bewohnten Raum:

Spiegel Online* : Schöner schießen in „Schnöggersburg“

MDR*: Bundeswehr baut Kampfstadt in der Heide

Deutschlandradio*: Bundeswehr baut gigantische Übungsstadt

Von der Bundeswehr heißt es dazu:

Die Einsatzrealität der Bundeswehr zeigt, dass derzeitige und zukünftige Konflikte und Krisenherde dort entstehen, wo soziale und kulturelle Ballungsräume zu finden sind. Bereits heute kennzeichnen eine Vielzahl von unterschiedlichen Operationsarten die internationalen Missionen der Bundeswehr. (…) Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, hat das Bundesministerium der Verteidigung entschieden, einen „Urbanen Ballungsraum“ im Gefechtsübungszentrum Heer auf dem Truppenübungsplatz Altmark zu schaffen. Damit sollen zukünftige Einsatzverbände mit bis zu 1.500 Soldaten auf ihren Einsatz in Operationen in bebauten Gebieten bestmöglich vorbereitet werden. Der „Urbane Ballungsraum“ ist mit einer Gesamtgröße von 1,5 mal 2,5 Kilometer im nördlichen Teil des Übungsplatzes ausgeplant und umfasst 520 Gebäude sowie alle weiteren wichtigen Merkmale wie beispielsweise Straßen, Wege, Kanalisation, U-Bahn und Bahnhof.

(* Falls jemand fragt, warum ich trotz des Streits um das geplante Leistungsschutzrecht Spiegel Online und öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten verlinke: Hier steht die Erklärung.)