Heer führt Digitalfunk für erste Kampfbrigade ein
Nach jahrelangen Verzögerungen und technischen Problemen wird das Heer im kommenden Jahr eine erste Brigade mit digitaler Funkausstattung ausrüsten. Nach Abschluss der ersten Einsatzprüfung des Programms Digitalisierung Landbasierte Operationen (D-LBO) erklärten Verteidigungsministerium und Heer die Einsatzbereitschaft des Systems, mit dem zunächst die Panzergrenadierbrigade 37 ausgestattet werden soll. Allerdings wird dort ein Bataillon mit dem alten Schützenpanzer Marder wegen technischer Probleme bei Einrüstung des Digitalfunks durch einen Verband mit modernen Puma-Schützenpanzern ersetzt.
Die Entscheidung, den Digitalfunk für die der NATO zugesagte Forward Land Forces Brigade zu nutzen, im Konfliktfall der erste Verband im scharfen Einsatz, teilte das Verteidigungsministerium am (heutigen) Freitag mit:
Die Einsatzprüfung 1 des Rüstungsprogramms Digitalisierung Landbasierte Operationen (D-LBO) wurde Ende dieser Woche abgeschlossen. Gemeinsam mit der Industrie und dem Heer wurde das Gesamtsystem „D-LBO basic“ im realitätsnahen, taktischen Einsatz die letzten Wochen in Munster geprüft. In der vergangenen Woche wurde bei der Einsatzprüfung auch scharf geschossen. Die Grundfunktionalität des Systems ist gegeben.
Damit wird die der NATO zugesagte Forward Land Forces Brigade unter Führung der Panzergrenadierbrigade 37 mit Beginn des Auftrages im Januar 2027 digitalisiert führungsfähig sein.
Zur Entscheidung – der Inspekteur des Heeres, Generalleutnant Dr. Freuding:„Wir können mit D-LBO basic fahren, funken, schießen – digital, störungssicherer und mit gesteigerter Reichweite. Das ist gut!“
Die Digitalisierung der Landstreitkräfte – neben dem Heer auch Unterstützungs- und Versorgungseinheiten und nicht zuletzt die Sanität – ist ein Projekt, an dem Bundeswehr und Industrie schon seit Jahren arbeiten und das sich bislang immer wieder verzögert hat. Im Vergleich zu den Verbündeten auch in Europa ist die Bundeswehr in ihrer Ausstattung weit zurückgefallen, teilweise war Kommunikation mit NATO-Partnern nur unter Schwierigkeiten möglich.
Ein Hauptproblem waren dabei weniger die einzelnen Bestandteile des digitalen Funksystems – die Funkgeräte selbst sind schon lang entwickelt und werden ausgeliefert. Aber die Integration von Funkgeräten, Computern zur Venetzung und nicht zuletzt der Einbau in zum Teil Jahrzehnte alte Fahrzeuge mit analoger Kommunikationstechnik erwies sich als eine der größten Schwierigkeiten.
Das zeigte sich nach Angaben der Bundeswehr auch bei der aktuellen Einsatzprüfung beim Schützenpanzer Marder, dessen Grundmodell bereits in den 1970-er Jahren eingeführt wurde: Die digitale Funktechnik war mit der analogen Bordsprechanlage nicht kompatibel. Die Konsequenz: Aufgrund der Testergebnisse haben wir uns entschieden, dass beide Panzergrenadierbataillone durch Verbände gestellt werden, die mit dem neuen, modernen und kampfstarken Schützenpanzer Puma ausgestattet sind, sagte Heeresinspekteur Freuding.
Allerdings geht auch weiterhin nur um eine grundsätzliche Anfangsausstattung mit Digitalfunk – das System heißt nicht ohne Grund D-LBO Basic. Und ein Teil der Fahrzeuge der Brigade wird mit Geräten im so genannten Mischbetrieb ausgestattet: Ältere Panzer, Lastwagen und Führungsfahrzeuge erhalten statt des künftig vorgesehenen Funkgeräts digitale Handfunkgeräte, die mit einem Adapter an die Elektronik des Fahrzeuges für Stromversorgung und externe Antenne angeschlossen werden.
Nach der Panzergrenadierbrigade 37 als der NATO zugesagte schnell einsetzbare Einheit soll im kommenden Jahr die neue Panzerbrigade 45 in Litauen mit der Digitaltechnik ausgerüstet werden. Anschließend ist die Ausstattung der übrigen Landstreitkräfte geplant.
Das Ministerium wehrte sich bei der Bekanntgabe der Entscheidung auch gegen Kritik an der Dauer der Umrüstung der Truppe auf das Digitalzeitalter:
Die Landstreitkräfte vollziehen einen technologischen Quantensprung von vier Jahrzehnten in das digitale Zeitalter. Eigentlich würde dieses Digitalisierungs-Mammutprojekt 10-15 Jahre dauern. Das ist auch die Erfahrung in anderen Ländern, die ihre Teilstreitkräfte digitalisieren. Angesichts der Bedrohungslage soll das Projekt in weniger als der Hälfte der Zeit umgesetzt werden.
Zur Ergänzung, ich habe mal nachgesehen: Das mag so stimmen, das mit dem Zeitrahmen für das Mammutprojekt. Allerdings hatte schon ein früherer Heeresinspekteur dringend die Entscheidung über diesen Einstieg in das digitale Zeitalter gefordert. Das war Jörg Vollmer im Jahr 2016 (kein Schreibfehler):
Gerade bei den Funkgeräten müsse die dringend notwendige Entscheidung für die Nachfolgegeneration getroffen werden, mahnte der Heeresinspekteur. Für die vorhandenen analogen Funksysteme seien ab 2020 und spätestens 2025 keine Ersatzteile mehr zu bekommen, außerdem würden neben Sprechfunk auch immer mehr (digitale) Kommunikationsmöglichkeiten zur Übertragung von Daten gebraucht. Die künftigen Systeme müssten auch mit denen der Verbündeten kompatibel sein. (…) Was am meisten drückt, ist das Thema Kommunikation.
Die Bundeswehr prüft seit längerem die Beschaffung von so genanntem Software Defined Radio, digitalen Funkgeräten (die in Deutschland unter der Bezeichnung Streitkräftegemeinsame Verbundfähige Funkgeräteausstattung, SVFuA, laufen). Neben der Beschaffung der Systeme wird die Einrüstung der Systeme in die zahlreichen verschiedenen Transport- und Gefechtsfahrzeuge des Heeres einen Großteil der Kosten ausmachen.
(wird ggf. ergänzt)
(Archivbild Juni 2026: Der Zugführer meldet die Lage über Funk während einer Übung des Panzergrenadierbataillons 33 auf dem Truppenübungsplatz Baumholder – Jana Neumann/Bundeswehr)
Irgendjemand im Heer hat einen Fehler gemacht, als die Panzergrenardierbrigade 37 als Speerspitze ausgesucht wurde. Denn die Planer müssten wissen, dass alle ostdeutschen Brigaden noch mit dem alten Marder Schützenpanzer ausgestattet sind und es noch Jahre dauern wird, bis die Puma Schützenpanzer für die Panzergrenadierbataillone 371 & 391 zulaufen würden. Aktuell sind die ersten Schützenpanzer Puma des 2. Loses serst bei den WTD 81 und 91. eingetroffenen. Deren Prüfung der Serienreife kann wieder lange dauern. D.h. die Kampfbrigade 37 wird jetzt auseinandergerissen und muss jetzt den Kampf mit fremden Panzergrenadierbataillonen üben. Ist denn bekannt, welche Westbataillone jetzt die Lücke bei der Brigade 37 stopfen sollen? Die Digitalisierung des Heeres war hier schon öfters Thema bei AG. Jetzt ist also die Integration des dt. Sonderwegs Digitalisierung in den Marder gescheitert. Ich verstehe bis heute nicht, wie die BW hier mehr als 10 Jahre mit dem dt. Sonderweg verschwenden könnte. Ich hätte einfach ein schon bewährtes Digitalfunksystem von einem anderen NATO Partner übernommen, wenn möglich mit Lizenzfertigung. Dann hätte es nur das Einbauproblem in ältere Fahrzeuge gegeben. Aber die BW hat ein dt. System auf dem Papier gekauft und vorher die Einbauprobleme in viele verschiedene Panzer & Fahrzeuge nicht bedacht. Hoffen wir, dass die Erfolgsmeldungen ansonsten stimmen und nicht nur Pistorius aus der Schusslinie bringen sollen.
Zitat:
„…Die Landstreitkräfte vollziehen einen technologischen Quantensprung von vier Jahrzehnten in das digitale Zeitalter…“
***********************************************************
Kenne ich aus eigener Erfahrung – Funker Stabskompanie Feldjäger als Wehrdienstleistender Mitte der 1980er bis in die 1990er mit den für uns damals verpflichtenden Wehrübungen bei den grossen Reforger-Manövern. Das war genau vor den angesprochenen vier Jahrzehnten.
Schon damals war die Verschlüsselung von Funksprüchen mit diesen Chiffriertafeln sehr umständlich. Wurde nie wirklich geübt, schon gar nicht im Manöver. Gleichwohl damals solide Technik, wirklich brauchbar. Und ja in grossen Teilen immer noch in ähnlicher Form im Einsatz.
Alleine diese Verschlüsselungsproblematik wäre ein Hauptgrund gewesen gewesen schon spätestens vor einem Jahrzehnt zu wechseln. Aber da war, zumindest gefühlt, noch tiefster Frieden. Stichwort Gaslieferungen, Reduzierung in den Streitkräften von allem und, ganz entscheidend, der Wehretat war völlig im Keller, man konnte super sparen und in andere Bereiche hinein Wahlversprechen tätigen.
Gerade der letzte Punkt war zeitgeistmässig nicht verhandelbar.
Wirklich aufgewacht war man erst 2022.
Ich auch, muss ich zugeben…
Apollo 11 sagt:
„Schon damals war die Verschlüsselung von Funksprüchen mit diesen Chiffriertafeln sehr umständlich.“
Als Funker sollte man eigentlich den Unterschied zwischen „verschlüsseln“ und „verschleiern“ kennen.
@Closius
Ihre Aussagen erscheinen mir zutreffend, leider.
Nicht aber:
„D.h. die Kampfbrigade 37 wird jetzt auseinandergerissen und muss jetzt den Kampf mit fremden Panzergrenadierbataillonen üben“
Die ausgewählten „fremden“ PzGrenBtl funktionieren IN SICH. Die Herausforderung besteht allein
– in der Gewöhnung an andere Verantwortliche der (Groß)Verbandsführung: BrigStb ↔️ BtlStb
und
– in anderen logistischen Herausforderungen durch den neuen SPz.
Überschaubar.
Naja, also „Digitized Battlefield“ und solch schöne Buzzwords war schon Thema auf Bundeswehr-Folien 1997 im Zuge von Heros, GefüSys und was weiß ich. Software Defined Radio ist ja jetzt auch nicht neu.
Aber schön, dass wir mal einen Schritt weiter zu sein scheinen.
Die VR500er von Rohde & Schwarz sind nicht nur m.E. feldunbrauchbar. Wohl gemerkt, nur „feldunbrauchbar“, Dies in erster Linie deshalb, weil ohne beständiges In-Übung-Halten (wie das ja den Entwicklern über ein halbes Jahrzehnt hindurch acht Stunden an fünf Wochentagen möglich war) und unter physischer und psychischer Belastung im Kampf nahezu jeder Fahrzeugführer/Truppführer/Kommandant damit überfordert ist. jedenfalls dann, wenn „nebenbei“ noch geführt oder gar gekämpft werden soll. Und da ist nix schönzureden oder schönzuschreiben. diese Karre steckt im Dreck und ist da auch nicht mehr rauszuziehen. Was da jetzt betrieben wird, ist reine Kosmetik.
Ist aber nicht das einzige Projekt, das die Truppe das Fürchten lehren wird. Der nächste Coup der militärischen und industriellen Gefechtsführungstheoretiker guckt schon über den Horizont in den (noch) blanken Fla-Himmel. Nur mal so.
@closius
Da muss ich als 37er freundlich dazwischen gehen.
Wir haben nicht nur analoge Marder in der 37. Es gibt auch II 212, welches zu PzGrenBrig 37 gehört.
Trennung.
Warum 37?
Auf Grund VJTF sind wir die einsatzbereite Brigade des Heeres ;) Somit sind und bleiben wir Versuchskaninchen Nr Eins ;)
Eine Frage an die Profis hier im Blog:
„Wir können mit D-LBO basic fahren, funken, schießen – digital, störungssicherer und mit gesteigerter Reichweite.“
Nun mag die Aussage des Heeresinspekteurs ein operativ wertvoll erscheinender Einwurf sein; mir erschließt sich genau genommen nicht, was fahren und schießen mit dem Funkgerät zu tun hat. Interessant dabei: er spricht nicht von „führen“.
Nach meiner Kenntnis sollte doch D-LBO auch die digitale Lagekarte mit der Führung von Truppe beinhalten, oder irre ich da?
„Ältere Panzer, Lastwagen und Führungsfahrzeuge erhalten statt des künftig vorgesehenen Funkgeräts digitale Handfunkgeräte, die mit einem Adapter an die Elektronik des Fahrzeuges für Stromversorgung und externe Antenne angeschlossen werden.“
Welche Funktionalitäten können denn durch diese Übergangslösung nicht abgebildet werden? Das ist doch die ganz wichtige Frage nach der (ggf. „kriegsentscheidenden“) Fähigkeitslücke.
@RomeoVictor: Ich habe nichts gegen die Panzerbrigade 37 oder deren Auswahl als Speerspitze! Und natürlich ist mir bekannt, dass das Panzergrenadierbataillon 212 zur Brigade gehört und den Puma führt, den es als 2. Bataillon der BW erhalten hat. Aber ich sage, die BW hätte als Speerspitze entweder eine Brigade aussuchen müssen, die in allen Bataillonen den Puma führt oder die Bataillone 371 & 391 rechtzeitig auf Puma oder Schakal umrüsten müssen. Da 2. Los Puma & Schakal zu spät bestellt wurden, musste die Heeresführung damit rechnen, dass die Digitalisierung am Marder in der Brigade 37 scheitern könnte. Wissen Sie, welche beiden Panzergrenadierbataillone mit Puma aushelfen sollen? Ich würde auf die Panzergrenadierbataillone 33 und 112 tippen? Weil 112 gehört zur 10. Panzerdivision. Bei 33 oder 92 kann ich nur raten. 122 ist als Panzergrenadierbataillon der Litauen Brigade nicht verfügbar.
@Hans Schommer
Das ist leider ein roter Faden geworden – sie kennen sicher noch das alte B(ord)V(erständigung)-Bediengerät aus dem Leopard etc.? Im Grunde ein Hebel, drei Rasterstellungen für die beiden Funkgeräte SEM 70/80/90? Selbst über Luke zu bedienen? Ha, das kann man modernisieren, dachte sich der Ingenieur: Man kam vor ca. 10 Jahren mit der Umrüstung auf SOTAS-IP auf die begnadete Idee, man könne diese ja durch ein Tippfeld mit kleiner digitaler Anzeige und was weiß ich wievielen Tastern ersetzen. Man fragt sich manchmal, wer in der Industrie noch eine Fühlung zur Zielgruppe und zum Anwendungsszenario hat…
Wurde im Übrigen jetzt auf Wunsch wohl wieder auf Wahlhebel geändert, nachdem man festgestellt hat, dass die Bedienbarkeit weit hinter dem alten Konzept lag. Möchte nicht wissen, was das gekostet hat.
@Wa-Ge sagt:
„Als Funker sollte man eigentlich den Unterschied zwischen „verschlüsseln“ und „verschleiern“ kennen“
Spitzfindig…. aber natürlich korrekt.
Das damalige „Oskar-Verfahren“ war schon damals so untauglich das es in wirklich wichtigen Zusammenhängen ( ich vermute Geheim und Streng geheim ) nicht verwendet werden durfte. Im Gegensatz zu „Verschlüsselt“…
Wir bei den Feldjäger-Funkern waren ja im Nebeneffekt in den Reforger-Manövern der Ersatz für das was wir heute Mobilfunk nennen.
Gab es einen Unfall ( egal ob zivil oder militärisch, auch nicht manöverbedingt ) konnten alle BW-Fahrzeuge mit Funk, sowie Handfunkgeräte auf der Feldjägerfrequenz über unsere Relaistation im Gebiet ( bspw. das Feldberg-Plateau im Taunus ) die Zentrale erreichen die dann umgehend den Rettungsdienst losschickte. Nannte sich damals Blaulichtspruch, immer unverschlüsselt, äh, verschleiert natürlich :-)
Damals hat das auch den einen oder anderen Motorradfahrer was gebracht der im zivilen Strassenverkehr unterwegs war und ein BW-Funkgerät war in der Nähe…
Kann man sich heute bei nahe 100% Mobilfunkabdeckung nicht mehr vorstellen…
Wie macht das denn eig die Ukraine?
Ich meine die haben ja in relativ kurzer Zeit es hinbekommen vermutlich unterschiedlichste Kommunikationstechnik zu kombinieren und das scheinbar sogar halbwegs sicher (verschlüsselt, verschleiert what ever). Oder überschätze ich da jetzt die Fähigkeiten dort und unterschätze das Schutzlevel, das D-LBO zukünftig bietet?
@Voodoo
bisher habe ich noch keiner Sotas mit Wahlhebel, ähnlich einer BV25 gesehen……
Es gibt bereits >10 Jahre eine Fernbedienung / einen Brustschaltkasten unterhalb der Hörsprechgarnitur für die Bedienung.
@Bongo
die Ukraine wird einsatzerprobte Systeme verwenden, die Kriegstauglich von den Soldaten eingesetzt werden können.
@Bongo:
Das ist eine sehr spannende Frage. Auch was die andere Seite der Medaille in Sachen Aufklärung/operative Sicherheit betrifft. Es sind ja auch zig Russen gestorben, weil sie in der chaotischeren Phase (ist die mittlerweile abgeschlossen?) private Mobilfunkgeräte verwendet haben bzw. unachtsame Social Media-Posts abgesetzt haben, die recht genaue Lokalisierungen ermöglichten …
Wie lange dauert es dann eigentlich, bis die gesamte Bundeswehr-Kommunikation digitalisiert ist? Und sind die digitalisierten Einheiten rückwärtskompatibel mit dem Altbestand?
„Wie lange dauert es dann eigentlich, bis die gesamte Bundeswehr-Kommunikation digitalisiert ist? Und sind die digitalisierten Einheiten rückwärtskompatibel mit dem Altbestand?“
In der Digitalwüste Deutschland sicher 20 Jahre.
„Kann man sich heute bei nahe 100% Mobilfunkabdeckung nicht mehr vorstellen…“
Die wäre im Ernstfall bei „Volleinsatz“ hybrider Kriegsführung schnell halbiert.
@ kurma
Um 2017 konnten wir mit dem Nutzungsleiter Leopard 2 sprechen, der sehr offen über Sinn und Unsinn in der Beschaffung der neuen Varianten (A6M A2, A7V und die damalige Zukunft) sprach. Ihm war dabei bewusst, dass einzelne Aspekte (beispielsweise eben Sotas und die Implementation in die BV) teils suboptimal wären, er diese „Kröte“ jedoch hätte schlucken müssen, weil sich eine Ersatzbeschaffung ansonsten erheblich verzögert hätte.
Interessanterweise hätten sich damals die meisten Nutzer zwei Sachen bei Sotas gewünscht:
– den alten Wahlschalter BV zurück, Taster in die Hölle und
– Bügel für die Bose-Kopfhörer, damit man die Hauben loswerden konnte.
Den Wahlschalter habe ich tatsächlich auf einer Folie schon gesehen, aber offensichtlich exisitiert er noch nicht in der Truppe, wie Sie bemerkt hatten. Hey, ist ja erst knapp 10 Jahre her… ;-)
@ORR bei der Einsatzbereitschaft von Fahrzeugen gibt es Abstufungen. Die Einsatzbereitschaft für den V-Fall wird an fahren funken schießen festgemacht. Eine abgelaufene Frist oder TMP interessiert bspw. im V-Fall keinen, im Friedensbetrieb ist das Fahrzeug aber damit als nicht einsatzfähig eingestuft. Deshalb hat der Inspekteur genau diese angesprochen. Durch funktionierenden Funk kann das Fahrzeug geführt werden oder von diesem Fahrzeug aus geführt werden.
Zeit wurde es der Funkumrüstung Geschwindigkeit aufzunehmen. Schön, dass es nun Schwung aufnimmt und wir dann ohne krude Bastellösungen mit unseren NATO Partnern funken können.
@Voodoo
die Sotas selbst dürfte bereit ca. 15 Jahre in Nutzung sein.
Die BV25 ist immer noch allseits beliebt und teils des Alltags in den Fahrzeugen.
Der beliebte Wahlschalter finde ich auch super. Hier wurde leider nur mit ,,Fernbedienung,, unzureichend Abhilfe geschaffen. Dies wird jedoch nicht nur in Deutschland entsprechend gehandhabt.
Zu den Bügeln: hier habe ich für diverse Sprechsätze auf den Fahrzeugen bereits die Bügelvarianten öfter Wahrgenommen. Auch für den hier genannten ,,BOSE,, Kopfhörer.
Dieser Kopfhörer kam mit der Sotas BV zu damaliger Zeit in die Truppe.
@Pham Nuwen: Es war noch schlimmer. Ukrainerinnen mit Tinder-Profil konnten zu Beginn quasi in Echtzeit in der App beobachten, wie russische Männer, die auf der App unterwegs waren, mit ihrem Standort sukzessive immer näher angezeigt wurden.
Man braucht nicht viel Vorstellungskraft um drauf zu kommen, dass das ukrainische Militär vielleicht auch ein paar besonders hübsche Catfishing-Profile gehabt haben könnte und somit über den russischen Auf- und Vormarsch anhand solcher Indiziendaten recht genau Bescheid wusste.
Tücken der Informationsgesellschaft und der Datenflut.
@ORR
> Welche Funktionalitäten können denn durch diese Übergangslösung nicht abgebildet werden? Das ist doch die ganz wichtige Frage nach der (ggf. „kriegsentscheidenden“) Fähigkeitslücke.
Die meisten Situationen können damit abgebildet werden und es ist _eigentlich_ eine gute Idee. Antennen, Spannung, etc. ändern sich selten. Da kann man auch das alte Zeug weiter benutzen, kein Problem. Wo es zu Problemen kommen _könnte_ ist bei der Leistung. eine Handquäke hat, egal wie groß die Antenne, nunmal nicht die Leistung eines SEM 90.
Zum Vergleich, das SEM 52SL funkt mit max. 2W, das SEM 90 fängt bei 4W an und geht bis 40W. WLAN ist bis max 1W Sendeleistung (in Europa) erlaubt. Das betrifft aber hauptsächlich die Reichweite.
Ansonsten fällt mir nur ein, dass die Handfunken nicht die Prozessorleistung haben um größere Datenmengen zu verarbeiten. Für Sprache ist das kein Problem, weil moderne Codecs und Chiffren effizient und schnell genug sind um auch auf keinen Prozessoren zu laufen.
Kann man mit umgehen, ist aber natürlich nicht so ganz sauber.
[Hm, ich würde da noch mal genauer hinschauen – was als „Handquäke“ bezeichnet wird, hat schon bisschen mehr Leistung als die SEM-Ziegelsteine. Nur zum Vergleich, mein ziviles digitales Amateur-Handfunkgerät hat 9 Watt Sendeleistung schon im mobilen Betrieb; mit zusätzlichen Tricks lässt sich das steigern. Insofern sind die Geräte noch ein bisschen anders zu bewerten. T.W.]
@Ruhrpottpatriot, 21.10.2026 um 17:20 Uhr:
Zunächst einmal danke für Ihre Antwort.
Ich lese heraus, dass die Reichweite reduziert dein dürfte und die digitale Lagekarte aufgrund zu großer Datenmengen nicht verfügbar sein wird.
Sprache sollte funktionieren, ggf. mit Qualitätseinbußen.
Nachtrag:
Meines Wissens haben die Bundeswehrhandfunkgeräte alle eine ( angegebene ) maximale Sendeleistung von 2 Watt. Und die Fahrzeughalter sind nur zur mechanischen Befestigung gedacht mit Verbindung zum Headset oder Lautsprecher. Es erfolgt keine Leistungsverstärkung. Dank grösserer Antennen und deren Position im Gegensatz zur „Handgurke“ aber dennoch besser.
Die 2 Watt sind deutlich weniger als bspw. zivile ( in Deutschland zugelassene ) Handfunkgeräte für Flugfunk oder Seefunk ( 6 Watt ) leisten.
Warum dies so ist entzieht sich meiner Kenntnis.
[Woher stammt die Info dass die neuen digitalen Handfunkgeräte 2 Watt haben? T.W.]
@T.W. zur Leistung habe ich auf die Schnelle leider nichts „offenes“ gefunden, aber man könnte bei Airbus ein Datenblatt anfragen. Vielleicht hilfreich. :-)
Zwei oder fünf Watt machen in realitas ja allenfalls 10-20% Reichweite aus. Wenn deine Position und deine Antenne schlecht sind, helfen dir die Watt auch nicht mehr.
1. Position (auf dem Münchner Olympiaturm oder im Tretboot davor?)
2. Antenne: Knubbel oder Riesending (what she said..)
3. Danach, ganz weit abgeschlagen, kommt die Sendeleistung.
Mit ner 500mW Handquatsche und ner geilen Antenne kommt man vom Olympiaturm aus bis nach Neubiberg. Mit dem selben Setup und 500W kommste vom Tretboot-Schwan auf dem Teich darunter vielleicht bis zu BMW.
@ Stöber:
Da war doch hier im Mai mal ein leider wohl zu wenig beachteter Bericht:
https://augengeradeaus.net/2026/05/erste-bundeswehr-brigade-soll-ab-anfang-2027-digital-funken-mischbetrieb-mit-handfunkgeraeten/
Der aktuelle Stand wird gerade auf heise-online diskutiert:
https://www.heise.de/news/Bundeswehr-Digitalfunk-Test-bestanden-aber-der-Marder-faellt-durch-11499229.html
„…Nach der Digitalisierung der Panzergrenadierbrigade 37 gilt das nächste Etappenziel der Panzerbrigade 45 in Litauen, die bis Mitte 2027 digital funken können soll. Anschließend wird das System dem Plan nach schrittweise auf die gesamten Landstreitkräfte ausgerollt…“
Das Grundproblem liegt in diesem Satz ( Zitat ):
„…Es gehe etwa um Probleme mit Adapterplatten, zu geringe Batteriekapazitäten und zu kleine Kühl- sowie Lichtmaschinen..“
Der zweite Teil des Satzes ist das Hauptproblem.
Es kommt nicht nur eine neue Gerätegeration zum Einbau. Die Auslegung der Fahrzeuge ist ja auf den ( wohl viel geringeren ) Stromverbrauch der alten Analog-Geräte ausgelegt. Ergo: Es bräuchte neue Lichtmaschinen sowie grössere Batterien. Ein Blick in den Motorraum von Militärgerät offenbart fast immer ein Platzproblem will man etwas Grösseres einbauen…
Diese Probleme mit dem Riesensprung der Technik spiegeln sich auch in der Aussage „einsatzbereit, aber nicht gefechtsbereit“. Was immer dies auch genau bedeuten soll…
@Apollo11
… Was immer dies auch genau bedeuten soll …
„Einsatzbereit: Personal, Fahrzeuge oder Material sind grundsätzlich funktionstüchtig und für den regulären Dienst verfügbar, den Friedensbetrieb also.
Gefechtsbereit: Ist eine Steigerung der Einsatzbereitschaft. Es bedeutet, dass alle Vorbereitungen für unmittelbares (!) Gefecht getroffen wurden. Ausgedrückt über die Bereitschaftsstufe „Klar zum Gefecht“.
(KI gestützt angepasst).
@ KPK:
KI murkst teilweise ganz heftig Wir kennen in der Bw ja wohl die (je nach Funktion des Einzelschützen, der Kampfgemeinschaft, der Fahrzeugbesatzung oder des WaSys dezidiert in den Regelungen definierten) Bereitschaftsstufen/-grade „Gefechtsbereitschaft“ und „Klar zum Gefecht“. Oder „Marschbereitschaft“, „Aufklärungsbereitschaft“ und, und, und …
Nur mal so.
@Hans Schommer
Klar, ist so.
Für PzGenTr, PzJgTr, PzTr wo ich bis stvBtlKdr überall gedient hatte, sogar noch 2 Jahre JgTr (alles Dank beständiger Strukturwechsel), steht „Klar zum Gefecht“ über allem.
Insofern bleibt für mich das angefragte „gefechtsbereit“ unverrückbar damit verbunden.
Mich wundert eher, dass überhaupt danach gefragt wird.