Heer führt Digitalfunk für erste Kampfbrigade ein
Nach jahrelangen Verzögerungen und technischen Problemen wird das Heer im kommenden Jahr eine erste Brigade mit digitaler Funkausstattung ausrüsten. Nach Abschluss der ersten Einsatzprüfung des Programms Digitalisierung Landbasierte Operationen (D-LBO) erklärten Verteidigungsministerium und Heer die Einsatzbereitschaft des Systems, mit dem zunächst die Panzergrenadierbrigade 37 ausgestattet werden soll. Allerdings wird dort ein Bataillon mit dem alten Schützenpanzer Marder wegen technischer Probleme bei Einrüstung des Digitalfunks durch einen Verband mit modernen Puma-Schützenpanzern ersetzt.
Die Entscheidung, den Digitalfunk für die der NATO zugesagte Forward Land Forces Brigade zu nutzen, im Konfliktfall der erste Verband im scharfen Einsatz, teilte das Verteidigungsministerium am (heutigen) Freitag mit:
Die Einsatzprüfung 1 des Rüstungsprogramms Digitalisierung Landbasierte Operationen (D-LBO) wurde Ende dieser Woche abgeschlossen. Gemeinsam mit der Industrie und dem Heer wurde das Gesamtsystem „D-LBO basic“ im realitätsnahen, taktischen Einsatz die letzten Wochen in Munster geprüft. In der vergangenen Woche wurde bei der Einsatzprüfung auch scharf geschossen. Die Grundfunktionalität des Systems ist gegeben.
Damit wird die der NATO zugesagte Forward Land Forces Brigade unter Führung der Panzergrenadierbrigade 37 mit Beginn des Auftrages im Januar 2027 digitalisiert führungsfähig sein.
Zur Entscheidung – der Inspekteur des Heeres, Generalleutnant Dr. Freuding:„Wir können mit D-LBO basic fahren, funken, schießen – digital, störungssicherer und mit gesteigerter Reichweite. Das ist gut!“
Die Digitalisierung der Landstreitkräfte – neben dem Heer auch Unterstützungs- und Versorgungseinheiten und nicht zuletzt die Sanität – ist ein Projekt, an dem Bundeswehr und Industrie schon seit Jahren arbeiten und das sich bislang immer wieder verzögert hat. Im Vergleich zu den Verbündeten auch in Europa ist die Bundeswehr in ihrer Ausstattung weit zurückgefallen, teilweise war Kommunikation mit NATO-Partnern nur unter Schwierigkeiten möglich.
Ein Hauptproblem waren dabei weniger die einzelnen Bestandteile des digitalen Funksystems – die Funkgeräte selbst sind schon lang entwickelt und werden ausgeliefert. Aber die Integration von Funkgeräten, Computern zur Venetzung und nicht zuletzt der Einbau in zum Teil Jahrzehnte alte Fahrzeuge mit analoger Kommunikationstechnik erwies sich als eine der größten Schwierigkeiten.
Das zeigte sich nach Angaben der Bundeswehr auch bei der aktuellen Einsatzprüfung beim Schützenpanzer Marder, dessen Grundmodell bereits in den 1970-er Jahren eingeführt wurde: Die digitale Funktechnik war mit der analogen Bordsprechanlage nicht kompatibel. Die Konsequenz: Aufgrund der Testergebnisse haben wir uns entschieden, dass beide Panzergrenadierbataillone durch Verbände gestellt werden, die mit dem neuen, modernen und kampfstarken Schützenpanzer Puma ausgestattet sind, sagte Heeresinspekteur Freuding.
Allerdings geht auch weiterhin nur um eine grundsätzliche Anfangsausstattung mit Digitalfunk – das System heißt nicht ohne Grund D-LBO Basic. Und ein Teil der Fahrzeuge der Brigade wird mit Geräten im so genannten Mischbetrieb ausgestattet: Ältere Panzer, Lastwagen und Führungsfahrzeuge erhalten statt des künftig vorgesehenen Funkgeräts digitale Handfunkgeräte, die mit einem Adapter an die Elektronik des Fahrzeuges für Stromversorgung und externe Antenne angeschlossen werden.
Nach der Panzergrenadierbrigade 37 als der NATO zugesagte schnell einsetzbare Einheit soll im kommenden Jahr die neue Panzerbrigade 45 in Litauen mit der Digitaltechnik ausgerüstet werden. Anschließend ist die Ausstattung der übrigen Landstreitkräfte geplant.
Das Ministerium wehrte sich bei der Bekanntgabe der Entscheidung auch gegen Kritik an der Dauer der Umrüstung der Truppe auf das Digitalzeitalter:
Die Landstreitkräfte vollziehen einen technologischen Quantensprung von vier Jahrzehnten in das digitale Zeitalter. Eigentlich würde dieses Digitalisierungs-Mammutprojekt 10-15 Jahre dauern. Das ist auch die Erfahrung in anderen Ländern, die ihre Teilstreitkräfte digitalisieren. Angesichts der Bedrohungslage soll das Projekt in weniger als der Hälfte der Zeit umgesetzt werden.
Zur Ergänzung, ich habe mal nachgesehen: Das mag so stimmen, das mit dem Zeitrahmen für das Mammutprojekt. Allerdings hatte schon ein früherer Heeresinspekteur dringend die Entscheidung über diesen Einstieg in das digitale Zeitalter gefordert. Das war Jörg Vollmer im Jahr 2016 (kein Schreibfehler):
Gerade bei den Funkgeräten müsse die dringend notwendige Entscheidung für die Nachfolgegeneration getroffen werden, mahnte der Heeresinspekteur. Für die vorhandenen analogen Funksysteme seien ab 2020 und spätestens 2025 keine Ersatzteile mehr zu bekommen, außerdem würden neben Sprechfunk auch immer mehr (digitale) Kommunikationsmöglichkeiten zur Übertragung von Daten gebraucht. Die künftigen Systeme müssten auch mit denen der Verbündeten kompatibel sein. (…) Was am meisten drückt, ist das Thema Kommunikation.
Die Bundeswehr prüft seit längerem die Beschaffung von so genanntem Software Defined Radio, digitalen Funkgeräten (die in Deutschland unter der Bezeichnung Streitkräftegemeinsame Verbundfähige Funkgeräteausstattung, SVFuA, laufen). Neben der Beschaffung der Systeme wird die Einrüstung der Systeme in die zahlreichen verschiedenen Transport- und Gefechtsfahrzeuge des Heeres einen Großteil der Kosten ausmachen.
(wird ggf. ergänzt)
(Archivbild Juni 2026: Der Zugführer meldet die Lage über Funk während einer Übung des Panzergrenadierbataillons 33 auf dem Truppenübungsplatz Baumholder – Jana Neumann/Bundeswehr)