Neue Pläne für Reservisten: Beorderung jetzt bis zum 65. Lebensjahr möglich
Die grundsätzliche Einplanung früherer Soldatinnen und Soldaten für die Reserve der Bundeswehr soll künftig nicht mehr sechs Jahre gelten, sondern abhängig von Dienstgrad und Verpflichtungszeiten bis maximal zum 65. Lebensjahr. Dafür wird die derzeitige Grundbeorderung durch eine Regelung ersetzt, die sich an den inviduellen Merkmalen orientiert – und durchaus länger dauern kann.
Die Neuregelung machte die Bundeswehr am (heutigen) Dienstag auf ihrer Webseite bekannt. Die dort gewählte Formulierung ist allerdings recht bürokratisch abgefasst:
Die bisher grundsätzlich auf sechs Jahre begrenzte Grundbeorderung wird in eine amtsseitige Beorderung bis zum Ende der individuellen Dienstleistungspflicht überführt. Diese endet zwischen der Vollendung des 45. und des 65. Lebensjahres.
Bereits 2019 hatte das Verteidigungsmininisterium angekündigt, für alle ausscheidenden Soldaten und Soldatinnen nach einer Dienstzeit von mindestens zwei Jahren die auf sechs Jahre angelegte Grundbeorderung einzuführen:
Die Grundbeorderung (GBO) ist die grundsätzliche Einplanung (Beorderung im Ergänzungsumfang der Bundeswehr) aller wehrdienstfähig aus dem aktiven Dienst ausscheidenden Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr in die Reserve für einen Zeitraum von sechs Jahren.
Damit sollte die personelle Grundlage für den zügigen Aufwuchs in einem möglichen Bereitschafts-, Spannungs- oder Verteidigungsfall geschaffen werden. Diese Regelung trat 2021 in Kraft – und wird nun vom Ministerium per Verwaltungsakt neu geregelt und deutlich ausgeweitet:
Die Grundbeorderung war ein Kernelement der Strategie der Reserve 2019 und wurde zum 1. Oktober 2021 eingeführt. Sie galt erstmals für wehrdienstfähige Soldatinnen und Soldaten, die zum 30. September 2021 aus der Bundeswehr ausschieden. Sie wurden für bis zu sechs Jahre von Amts wegen eingeplant – vorrangig auf Dienstposten der Verstärkungsreserve. Voraussetzung war, dass sie das 57. Lebensjahr noch nicht überschritten hatten.
Diese feste Befristung entfällt. Künftig werden dienstleistungspflichtige Reservistinnen und Reservisten, soweit sie beorderungsfähig sind, bis zum Ende ihrer individuellen Dienstleistungspflicht beordert. Wann diese endet, hängt vom früheren Statusverhältnis, einer eingegangenen Verpflichtung und der Dienstgradgruppe ab. Sie endet zwischen der Vollendung des 45. und des 65. Lebensjahres.
Die Anpassung verlängert die gesetzliche Dienstleistungspflicht nicht. Sie verändert ausschließlich die Dauer der organisatorischen Einplanung. Am Ende der individuellen Dienstleistungspflicht muss die Beorderung nicht noch einmal gesondert aufgehoben werden.
Was das genau bedeutet, zeigt ein Blick ins Soldatengesetz, genauer in den Abschnitt Dienstleistungspflicht. Dort heißt es in Paragraf 59 und Paragraf 60, ein bisschen gestrafft:
Ein früherer Berufssoldat oder ein früherer Soldat auf Zeit, der mindestens zwei Jahre in einem Dienstverhältnis als Berufssoldat oder Soldat auf Zeit gestanden hat, kann
1. bis zum Ablauf des Monats, in dem er das 60. Lebensjahr vollendet hat,
2. außerhalb des Spannungs- und Verteidigungsfalles bis zum Ablauf des Monats, in dem er das 45. Lebensjahr vollendet hat, wenn er einen Mannschaftsdienstgrad führt, und
3. mit seiner freiwilligen schriftlichen Verpflichtung auch bis zum Ablauf des Monats, in dem er das 65. Lebensjahr vollendet hat,
zu den in § 60 genannten Dienstleistungen herangezogen werden. (…)
Dienstleistungen sind
1. Übungen (§ 61),
2. besondere Auslandsverwendungen (§ 62),
3. Hilfeleistungen im Innern (§ 63),
4. Hilfeleistungen im Ausland (§ 63a),
5. Wehrdienst zur temporären Verbesserung der personellen Einsatzbereitschaft (§ 63b) und
6. unbefristeter Wehrdienst im Spannungs- oder Verteidigungsfall.
Nun bedeutet diese neue Art der Beorderung nicht, das hebt das Verteidigungsministerium hervor, dass alle von der neuen Regelung Erfassten auch gleich herangezogen werden. Aber der Kreis der Reservisten und Reservistinnen wird damit zumindest langfristig deutlich ausgeweitet – auch wenn bislang noch keine Zahlen dafür zu bekommen sind.
Alle früheren Zeitsoldat*innen müssen sich damit im Klaren sein, dass nicht mehr wie bisher die Sechs-Jahres-Frist für ihre Beorderung gilt (genau genommen galt sie faktisch nie, weil seit Einführung im Oktober 2021 noch keine sechs Jahre vergangen sind). Sondern dass ihre Beorderung als Reservist*in bis zum Alter von 45 Jahren greift, wenn sie Mannschafter waren. Und für alle anderen mindestens bis 60.
Die entsprechende Webseite als Sicherungskopie:
20260915_Bundeswehr_Beorderung_Neuregelung
(Archivbild Juli 2026: Soldaten des Wachbataillons – Juliane Sonntag/photothek.de)
@Windlicht (17.09.2026 um 1:05 Uhr)
Natürlich gibt es Personaler die das Engagement für unser Land lediglich als einen unkalkulierbaren Faktor für die Verfügbarkeit eines Bewerbers ansehen. Das ist aber recht einfach gedacht.
Die Qualität eines Bewerbers ergibt sich ja nicht nur über Ausbildung und vorherige Verwendungen, sondern durchaus auch über andere Kompetenzen und Soft-Skills. Es ist ja nicht so, dass die Ausbildung bei der Bundeswehr einem zu nichts befähigt. Vieles davon kostet zivil viel Geld.
Ein guter Personaler erkennt auch das Mindset von Bewerbern. Man kann davon ausgehen, dass jeder der sich auf eine Stelle bewirbt mit Fachwissen gesegnet ist, aber was ist mit dem Rest der notwendig ist um eine Stelle erfolgreich und vor allem dauerhaft zu besetzen?
@Christian ( 17.09.2026 um 4:42 Uhr)
Die BW ist ein Großbetrieb und entsprechend Arbeitsteilig geht es dort zu. Durchaus arbeiten da auch Stellen gefühlt gegeneinander arbeiten oder schlicht und ergreifend nichts von den Bedürfnissen der anderen wissen.
Da wird dann schon mal Schlüsselpersonal mit Schreibtischjob gegroundet, weil der Reservist mit 55 eben gewisse Beschwerden hat. Zivil darf er an einem anderen Schreibtisch hingegen ohne Untersuchung bis 67 arbeiten. Manchmal hat auch die lokale Karriereberatung schlicht und ergreifend keine Ahnung von gewissen Strukturen der BW und vermittelt dementsprechend dorthin auch keine Reservisten.
Ohne Frage muss so etwas besser werden, aber in welchem Bereich auf diesem Planeten werden erst einmal alle bestehenden Probleme gelöst, bevor man sich an neue und wichtige Dinge heranwagt?
Wir haben ja auch nicht mit dem Atomausstieg und der Investition in erneuerbare Energien gewartet, bis das Problem eines Endlagers endlich gelöst wurde.
Mario sagt:
17.09.2026 um 11:13 Uhr
„ABER, wäre es denn wirklich so gewesen, dass im Spannungs- bzw. Kriegsfall Bürger, welche Zivildienst geleistet hatten nicht eingezogen worden wären (für eine Dienstleistung ohne Waffe)?“
Es gibt im Spannungsfall und Krisenfall verschiedene Regelungen, die greifen. Z.B. das Gesetz zur Sicherstellung von Arbeitsleistungen für Zwecke der Verteidigung einschließlich des Schutzes der Zivilbevölkerung (Arbeitssicherstellungsgesetz), hier § 2 Maßnahmen der Sicherstellung von Arbeitsleistungen https://www.gesetze-im-internet.de/asg/__2.html
oder
Gesetz über den Zivilschutz und die Katastrophenhilfe des Bundes (Zivilschutz- und Katastrophenhilfegesetz – ZSKG), hier § 28 Persönliche Hilfeleistung https://www.gesetze-im-internet.de/zsg/__28.html
Inwieweit man da auch auf „Zivis“ zurückgreift, vermag ich nicht zu sagen, jedoch sind die gesetzlichen Grundlagen da.
An die „Dann wander‘ ich aus!“-Fraktion die (bei mir seltene) Empfehlung, doch mal RTLII (III, IV, V …) anzumachen und sich alte Wiederholungen von „Goodbye Deutschland!“ anzugucken. Die Sorglosigkeit, mit der dort manche Menschen lachend ihre Vorstellung vom tollen Leben unter fremden Sternen begannen, blitzt einem auch hier in den Kommentaren entgegen, so scheint es.
Geschafft haben es nur wenige. Trotz der vergleichsweise guten Bedingungen. Frieden! Ausreichend Vorlauf und Vorbereitung. Und mit einigermaßen soliden finanziellen Grundlagen.
Ob Sie sich nun wirklich so wohl fühlen werden, wenn Sie dann dereinst mit einem Gürtel voll versteckter Krugerrands und dem alten Paar Stiefel auf die Flucht begeben? Und es Ihnen im fremden Land viel besser geht, als hierzulande aktuell lebenden Geflüchteten. Ich bin gespannt, wie dann die Lebensqualität ausfällt.
Gottseidank steht eines hoffentlich fest: Es wird hiervon keine Privatfernseh-Doku-Dramen geben.
[Danke – ich denke, diesen OT können wir mit diesen abschließenden Worten beenden… T.W.]
Ich finde den rhetorischen Be7ißreflex vieler Kommentatoren ehrlichgesagt etwas irritierend. Es kommt mir ja fast so vor, als würden die Proponenten einer „Wehrpflicht sofort“ gar nicht schnallen, daß es der Politik eben nicht um militärische Erfordernisse geht und daß am Ende dieses „Wehrpflicht-Prozesses“ auch gar nicht das Endziel „ausgebildeter Soldat und Reservist“ und damit „schlagkräftige Streitkräfte“ steht, sondern politischer Symbolismus gemixt mit der Minimierung politischer Kosten auf heimischem und internationalem Parkett. Klar verstehe ich den Frust über diese nachträgliche „Ätschebätsch! Reingefallen!“ Aktion und sage auch nix gegen die entnervten Reaktionen hierauf, aber bitte laßt die Kirche im Dorf und seht was das politische Berlin ist und tut, nicht was ihr alle gern hättet. Und da gibt es weit und breit kein einziges Anzeichen dafür, daß dort größere Mengen „echter“ ausgebildeter Soldaten und Reservisten gewollt werden, sondern bestenfalls hübsch aussehende Zahlen in irgendeiner Tabelle. Dementsprechend kann ich diese flapsige Insistenz auf „Wehrpflicht sofort“ nicht nachvollziehen, schon gar nicht wo infrastrukturell, personell und materiell keinerlei Voraussetzungen dafür vorhanden sind und auch absehbar nicht sein werden.
Wer, wie die demokratischen Parteien dieses Landes, schon vor der letzten Bundestagswahl zu feige war/ist dem Wähler die wirklichen Kosten der jetzigen „Wiederbewaffnung“ aufzuzeigen, zu erläutern und diesen Kurs auch offen zu vertreten (v.a. wenn es dann mal persönlich wehtut), der hat nicht die Absicht echte Veränderungen hin zu „schlagkräftige Streitkräften“ zu unternehmen. Er tut nur so …
[Genau, und die zur Verfügung stehenden Milliarden sind ja auch kein echtes Geld… Jedem seine Meinung, aber eine gewisse intellektuelle Bemühung wird hier schon erwartet. T.W ]
@ T.W.
Napoleon hat einst gesagt, daß das materielle im Verhältnis zum ideellen etwa 1:3 wiegt, d.h. man kann Probleme mit Moral (der Truppe) und Kultur (der Gesellschaft & der Politik) nicht mit Geld zuschütten und hoffen, daß diese darunter ersticken.
Die Milliarden die jetzt ins System gepumpt werden dienen in erster Linie dem Zweck die vorhandenen materiellen Löcher zu stopfen und die hohlen Strukturen zu beseitigen (und dafür sind sie absolut nötig), sie können nicht den Mangel an Freiwilligen aus der Bevölkerung heraus in Gänze beseitigen und sie sind auch nicht „auf ehrlichem Wege“ beschafft, sondern die anfallenden Kosten werden vor dem Wähler hinter neuen Schulden versteckt, so daß im Moment jedenfalls noch keine direkt spürbare persönliche Zusatzbelastung bei Hans Franz und Lieschen Müller zu spüren ist. Wenn dann dereinst die Schuldentilgung Opfer im Bereich sozialer Ausgaben erfordern mag, dann wird es (erfahrungsgemäß) wieder keiner vorher gewußt haben.
Oder, wie es diese olle doofe Fußballweisheit sagt: „Geld allein schießt eben keine Tore.“ ;)
Auch der Reservist hat Anspruch auf Wehrgerechtigkeit.
Und genau das ist mein großer Kritikpunkt an der „individuellen Dienstleistungspflicht“ im Rahmen des Reservestärkungsgesetzes.
Wie von @Mario richtig erkannt, hat der Dienstherr einige versteckte Stellschrauben eingefügt um ausserhalb des Wehrpflichtgesetzes die grundsätzliche Verfügbarkeit zahlreicher Reservisten bis ins Rentenalter auszudehnen.
Wohlgemerkt handelt sich hierbei um Pflichten ausserhalb eines Spannungs- und Verteidigungsfalls.
Manche Kommentatoren bedienen sich apokalyptischer Bilder vergangener Kriegsszenarien nach Art der „Massiven Vergeltung“, welche jedoch garnicht zutreffend sind.
In Zeiten hybrider Szenarien ist die regelmäßige und/oder langfristige Heranziehung beorderter Reservisten zur Unterstützung der aktiven Truppe gar nicht so unwahrscheinlich.
Verteidigung ist jedoch eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Eine echte Wehr- oder Dienstleistungspflicht für breite Teile der Bevölkerung ist nicht absehbar. Ein politischer und gesellschaftlicher Wille ist nicht erkennbar.
In diesem Sinne wird die unliebsame Aufgabe an jene Personengruppe abgetreten, welche bereits im Rahmen eines Wehrdienstverhältnisses seine Schuldigkeit getan hat.
@csThor( 18.09.2026 um 10:03 Uhr)
Entschuldigung, aber für mich betreiben sie lediglich Politikerbashing und ignorieren grundsätzliche Mechanismen der Demokratie.
Einer dieser Mechanismen ist, dass man lediglich in Regierungsverantwortung die Möglichkeiten hat Dinge wirklich aktiv zu gestalten. Ein weiterer Mechanismus ist, dass bei der Abstimmung vieler berechtigter Einzelinteressen in einer Demokratie meist ein Kompromiss eingegangen wird. Es ist also wenig zielführend auf biegen und brechen Dinge durchzusetzen, wenn das Ergebnis wäre, dass bei der nächsten Wahl dann eine Regierung an die Macht kommt, die überhaupt keine Notwendigkeit mehr in einsatzfähigen Streitkräften sieht, weil uns nach deren Lesart ja niemand wirklich bedroht.
Dass die Neuaufstellung schlagkräftiger Streitkräfte durchaus Zeit benötigt haben sie ja selbst mit dem Hinweis auf noch fehlende infrastrukturelle Voraussetzungen festgestellt. Gerne können sie in den Haushaltsplan schauen wo die entsprechenden Milliarden hinterlegt sind. Auch in der Fläche merkt man durchaus, dass ehemalige mil. Liegenschaften nicht mehr wie bisher einfach für zivile Konversionsprojekte zur Verfügung stehen.
„„Ätschebätsch! Reingefallen!““? Was meinen sie damit?
Nur weil manche Soldaten anscheinend verdrängt haben, dass sie auch nach dem Ausscheiden aus dem Dienstverhältnis weiterhin für die Landesverteidigung und in gewissem Umfang für Übungen zur Verfügung stehen müssen,wird daraus ja noch keine unanständige und überzogene Erwartung unseres Landes.
Der Dienst bei der Bundeswehr unterscheidet sich eben doch signifikant von einem Job bei einem anderen Arbeitgeber dem man einfach so den Rücken kehren kann und der Fall ist erledigt.
@FNU SNU sagt: 17.09.2026 um 12:18 Uhr
„Wenn im Rahmen der Grundbeorderung z.B. ExSoldaten auf KVK Dienstposten kommen (Kreisverbindungskommando), …“
Habe ich noch nicht erlebt, und ich war seit Gründung der Landeskommandos in einem KVK, davon 12 Jahre als Leiter. Die Soldaten, die dort Dienst tun wollten brauchen eine Einverständniserklärung ihres Arbeitgebers und erklären, dass sie da auch im Großschadensereignis/Katastrophenfall etc. zur Verfügung stehen.
Wenn dort jemand mit Grundbeorderung auftaucht, dann, weil er/sie es aktiv will.
Was Karteileichen angeht, gebe ich Ihnen recht, die hat man aber auch ohne Grundbeorderung. Das habe ich mir grundsätzlich eine Weile angeschaut, Gespräche geführt und dann, wenn jemand partout nicht auftauchte, in Zusammenarbeit mit S1 diejenige Person wieder ausplanen lassen. Lieber Lücke statt Krücke.
@csThor:
Ihre Einlassung hat – auch wenn sie teilweise etwas „speziell“ ist – einen Kern, der leider nicht von der Hand zu weisen ist:
Material ist Geld und Geld ist in Deutschland (noch) kein Problem.
Personal ist endlich und schon jetzt eine knappe Ressource.
Vor diesem Hintergrund will jeder Politiker – jedweden Geschlechts, oder auch nicht – einerseits Handlungsfähigkeit beweisen, aber niemals Pflöcke einschlagen, die im Zweifel zum Bungerang für die eigene Karriere werden könnte.
Wer nichts macht (oder nur konsensual), macht nichts falsch. wer nichts falsch macht, bleibt im Rennen um das nächste Amt, das nächste Pöstchen oder auch nur den sicheren Listenplatz der eigenen Partei.
Aber es gilt immer noch Helmut Schmidt, der sagte: „Jeder politischen Entscheidung muss ein mehrheitsbeschaffender Entscheidungsprozess vorweg gehen“.
Also muss man die Gesellschaft der Art „beharken“, dass sich die Erkenntnis der Notwendigkeit endlich durchsetzt oder nur so viele Zumutungen ansprechen wie wirklich nötig sind (also konsensual akzepiert sind).
Die Stimmung hin zu einer größeren Wehrhaftigkeit dreht sich seeeehr langsam, aber sie dreht sich.
Wie lange noch, weiß niemand. Und erst am Ende (!) dieser Drehung, wäre die Wiedereinsetzung eines Wehrdienstes gesellschaftspolitisch möglich.
Es kann aber auch sein, dass die Geschwindigkeit wieder abnimmt, weil man den Ukraine-Krieg mittlerweile nur noch als Hintergrundgeräusch wahrnimmt, dass irgendwie auch nur sehr geographisch begrenzt ist und für Deutschland keine weiteren fühlbaren Konsequenzen hat.
Parallel dazu tickt die Zeit. Mal für uns – mal gegen uns.
Zynisch gesagt, bringt uns jede Minute, die der Ukraine-Krieg tobt, einen Tag Aufschub in der Umsetzung unserer (wie auch immer gearteten) Aufrüstung, weil Putin personell und materiell gebunden wird und keine wirklichen Kapazitäten hat, um die NATO anzugreifen.
Die aktuellen Geplänkel in Rumänien und Nordix sind eher russische Nebelkerzen. Sie können entweder mit wenig Einsatz eigener Kräfte NATO-Kräfte binden oder – bei einer etwaigen (Über-) Reaktion eines NATO-Partners – der eigenen Propaganda dienen.
Eine Frage, die noch niemand hier offenbar gestellt hat: Was machen wir, wenn Putin irgendwann nicht mehr ist und Russland und nach einem irgendwie beendeten Ukraine-Krieg mit sich selbst beschäftigt ist und wirtschaftlich auch nicht mehr zu einer „Kriegswirtschaft“ fähig ist?
Unsere aktuelle Politik geht von einer „Unsterblichkeit“ Putins aus und/oder einer ewigen Forschreibung der aktuellen Politik mit den aktuellen Möglichkeiten. Also einer Konstanz auf der Zeitlinie.
Sollte aber Russland den Ukraine-Krieg nicht gewinnen (verlieren kann sie ja technisch nicht) oder Putin sterben und ein Machtvakuum hinterlassen, dass dieses riesige Land erst einmal mit sich selbst beschäftig, wird irgendwann wieder jemand die Frage stellen, ob die deutschen Wehrausgaben gerechtfertig sind (gerade vor dem Hintergrund der absehbar immer schneller wachsenden Haushaltslücken), wenn doch der putative Aggressor absehbar schwach ist und bleibt?
Im Zweifel haben wir dann wieder 20 Kasernen neu aufgebaut und die Wehrpflicht wiedereingeführt, aber mangels konkreter (!) Bedrohung, haben wir wieder eine Stimmungslage, wie Anfang der 2000er Jahre.
Dann geht das Spiel von Neuem los.
Denn auch wenn ich die Sanktionen ggü. Russland uneingeschränkt unterstütze, irgendwann wird der Punkt kommen, wo man mit Russland Geschäfte machen muss, um dieses Land ökonomisch nicht komplett China und den USA zu überlassen. China „besitzt“ jetzt schon große Teile der russischen Wirtschaft und die USA werden jede (!) Möglichkeit nutzen, Russland weiter zu schwächen.
Also versucht man die Eingriffe in die Gesellschaft so klein wie irgend möglich zu halten. Also so wenig Zwang, wie möglich. Eine (wahrscheinlich) faktisch folgenlose neue Reservistenbeorderungsreform (auch, wenn ich die Grundhaltung ablehne) führt zu einem gewissen Aufschrei bei den Betroffenen, macht aber der weniger informierten Öffentlichkeit eher klar, dass man handelt und die „Erfahrenen Köpfe“ weiter in der Rotation hält und halten kann. Der Aufbau von Heimatschutzregimentern macht sich medial gut und führt Menschen an die Bw heran, die für einen FWDL zu alt sind und eh nur wochends „kämpfen“ können. Auch der Begriff „Hobby-Soldaten“ soll schon mal gefallen sein…
Solange man keine dauerhafte und präsente Bedrohung hat, am besten noch durch persönliche schlechte Erlebnisse getragen, wird es keinen Verteidigungswillen in Deutschland geben, wie ihn z.B. Polen und Finnland haben, die sich an die Zeiten unter russischer Herrschaft noch allzu gut erinnern können. Die DDR hatte auch in der Sowietischen Einflusszone immer einen Sonderstatus, quasi als Brückenkopf zum Westen, so dass hier die Drangsalen – im Vergleich, nicht absolut – zu anderen Ländern doch geringer ausfielen und allein die Möglichkeiten der „westverwandtschaft“ hier einiges kaschierte. Anders ist diese AfD/BSW-Ostalgie nicht zu verstehen.
Solange wir strukturell noch keine wirklichen Konzepte haben, wie wir eine Aufwuchsfähigkeit in der Bw wiederherstellen, bleiben die ganzen Beschaffungen nur – teilweise sehr teure – Alibi-Veranstaltungen.
Ich wiederhole mich ungern, aber die Artillerie hat immer noch keinen wirklichen Plan, wie sie sich denn nun aufstellen will. Das sieht man daran, dass die Beschaffung der möglichen Muster (PULS, RCH155, PzH2000, MARS(?) ) nur sehr homöopathisch vonstatten geht, um wenigstens etwas zu haben, wenn man dann mal eine Entscheidung getroffen hat.
Bei der Logistik werden gerade große Mengen HX-LKW geordert, denn die sind vergleichsweise billig und schnell herzustellen. Hiermit kann man Zahlen und martialische Bilder liefern. Aber wer die wo fahren soll, weiß auch niemand.
Beim Thema SEAD sind wir immer noch keinen Schritt weiter, SAL läuft weiter auf einer Handvoll C5/C17 von NATO-Partnern oder zivil über Antonov (!) 224.
Wenn man dann komplett konzeptionell blank ist, wird wieder eine „Evaluation mit unseren europäischen/NATO-Partnern…“ in den Ring geworfen, um wenigstens Bewegung zu suggerieren, wo doch Stillstand vorherrscht. Wo sowas endet sieht man ja bei FCAS, MCGS…
Von der Sinnlosigkeit der 28 (?) Rüstungsvorhaben unter PESCO, die Deutschland seit Jahren begleitet, beobachtet oder vorsitzt, möchte ich gar nicht anfangen.
Kurz: Mit den 100 Mrd. Zusatzschulden wird gerade die Materiallage aufgefüllt. Mal sinnvoller – mal fragwürdiger.
Gleichzeitig hat niemand ein wirkliches Intersse daran, den Ukraine-Krieg zu beenden, da er uns aus der Schusslinie nimmt, die Möglichkeit gibt unter Realbedingungen Material zu testen und zu entwickeln und die Wahrscheinlichkeit einer direkten Bedrohung Russlands mindert.
In der Hoffnung, dass das Ende der Zusatzschulden mit dem Ende des Ukraine-Kriegs hinlänglich zusammenfällt, könnte man dann die Rüstungsbeschaffungen wieder ausphasen, die Kosten relativ klein halten und die Bevölkerung beruhigt weiter in Ruhe lassen.
Vor diesem Hintergrund ist die Reform der Reservistenbeorderung nur eine formaljuristische Finte in einem viel größeren Spiel.
[Bei allem Verständnis für das Bedürfnis, seine Argumentation möglichst klar zu erläutern: Es wäre schon gut, das im Umfang nicht so ausufern zu lassen; im Interesse aller anderen Leser*innen. T.W.]
@ Mediator
Guten Tag! :)
Ich gebe freimütig zu, daß ich von Politikern insgesamt keine besonders hohe Meinung habe (dazu haben diese Damen und Herren mir aber auch keinerlei Anlaß gegeben). Das mag meine Posts „einfärben“.
Das ist alles richtig, aber es blendet auch einen Teil der real existierenden Wahrheit aus. Nehmen wir als Beispiel die Person des IBUK und die Partei, der er angehört. Nehme ich Herrn Pistorius den Willen zum Aufbau und Unterhaltung einsatzbereiter und schlagkräftiger Streitkräfte ab? Ja, das tue ich. Glaube ich der SPD in ihrer Gesamtheit, daß sie dieses Ziel verfolgt? Im Leben nicht! Dazu haben die Herren Mützenich und Stegner zu lange das politische Leben in der Partei mit beeinflußt und ihr langer Schatten liegt immer noch über gehörigen Teilen der Parteibasis. Oder will sich keiner mehr an das Schmierentheater um „bewaffnete Drohnen“ erinnern, daß u.a. Herr Mützenich immer wieder ins Endlose zu verschleppen suchte? Weil man nach 10 Jahren „Debatte“ noch weiteren „Gesprächsbedarf“ habe? Oder wie war das mit dem JuSo-Antrag auf dem Bundesparteitag der SPD nach der Wahl, wo schärfstens eine kategorische Absage an jedwede Wehrpflicht verlangt wurde?
Ja, echte „aktive Gestaltung“ bedingt Regierungsverantwortung, aber sie bedingt auch den Willen etwas aktiv gestalten zu wollen. Und dieser Wille, so behaupte ich Kraft meiner Wassersuppe einmal, geht Teilen des politischen Betriebs ab.
Ja, Kompromisse als Ausdruck verschiedener Partikularinteressen sind usus in unserem politischen System und ich glaube niemand würde etwas anderes erwarten als besagten Kompromiß. Aber es gibt Kompromisse, die auf die Lösung eines Problems hin ausgerichtet sind und es gibt faule Kompromisse, wo eine Seite an einer Lösung eben kein Interesse hat. Um nicht schon wieder die alte „Drohnendebatte“ hervorkramen zu müssen sei hier auf die jahrelange Verschleppung der Ersatzbeschaffung Tornado verwiesen, wo erst der Schock des russischen Angriffs auf die Ukraine die Blockadehaltung vieler (auch und erneut in der SPD) aufzubrechen vermochte.
Der Eindruck nicht weniger „reichlich angepißter“ Betroffener in diesem Thread ist eben eine post-faktische Benachteiligung „Altgedienter“ und nicht wenige Reaktionen beinhalteten zumindest unterschwellig den Eindruck eben „der Dumme“ in diesem Spiel zu sein. Daraus habe ich etwas despiktierlich besagte Formel gebastelt. Ist eben ein persönlicher Eindruck.
@ Bow
Karrieredenken einerseits mag allzu verständlich sein, aber als Mandatsträger, als gewählter Volksvertreter … da erwarte ich ein wenig mehr als „CYA“ in Reinform.
Wenn eines in der bundesdeutschen Politik seit Jahrzehnten augenfällig ist, dann das eklatante Defizit an Ehrlichkeit gegenüber dem Wähler/Souverän (egal zu welchem Thema! Rentenreform anyone?), an klarer ungekünstelter Sprache und und offener Kommunikation ohne Bevormundung. Auch im „Zeitenwendenzeitalter“ sehe ich da keine Änderung des bekannten modus operandi in Berlin – man redet immer noch viel ohne wirklich etwas zu sagen, man versteckt unangenehme Dinge hinter Fassaden (Stichwort Finanzierung!!!!!), man nutzt im Großen und Ganzen immer noch die gleiche Beliebigkeitsrhetorik, die einerseits den jeweiligen Politiker nicht der Verlegenheit aussetzt mal an dieser oder jenen Aussage gemessen werden zu können und andererseits viele Otto Normalos schon von vorneherein zum Abschalten bringt. Ich persönlich nehme abseits vereinzelter Wortmeldungen (u.a. des IBUK) keine wirklich ehrliche Kommunikation zwischen dem politischen Berlin und dem Souverän wahr. Vielmehr habe ich den – vermutlich subjektiv gefärbten – Eindruck, daß sich viele im besagten politischen Berlin lieber wegducken und „jemand anderen“ ehrlich sein lassen, weil – wie Sie so richtig sagten – das eigene Mandat und die eigene Karriere wichtiger als das Stellen und Beantworten unangenehmer Fragen sind. Und das parteiübergreifend. Unterm Strich ist das für mich faktisch Unehrlichkeit, Unterlassung durch Verschweigen. Und das kann ja nun wirklich nicht Kern eines Mandats in den Kreisen höchster deutscher Politik sein, oder?
Den Rest Ihres Posts würde ich so absolut unterschreiben, auch um den Hausherren nicht weiter zu reizen. ;) Schönes Wochenende!
@Bow 18.09.2026 12:12
Zunächst der unbestritten wertvollste Teil Ihrer Ausführungen:
Ich vermag da keinerlei Zynismus zu erkennen. Das ist Realität. RUS muss weiterhin möglichst effizient in der UKR abgenutzt werden, möglichst auf schon durch RUS verwüstetem Gebiet. Sollte es notwendig werden, die UKR auch personell zu unterstützen, so werden wir irgendwann schließlich doch Personal entsenden müssen. An diesen Gedanken sollten wir uns schon jetzt gewöhnen, und gleichzeitig stärker versuchen, das Ende des Kreml-Regimes zu beschleunigen.
Ja, RUS ist groß, erscheint aber nur auf der Mercator-Projektion übergroß. Die ethnischen Russen sind im asiatischen Teil von RUS nicht sehr beliebt. Darauf dürften auch die Chinesen schielen. Wenn RUS zerfällt, dann wäre das ein kleineres Übel.
Anstatt zu überlegen, ab wann die deutschen Wehrausgaben mal überflüssig sein könnten und wann man wieder mit dem „Wandel durch Handel“ anfangen soll, sollten wir uns auf das konzentrieren, was jetzt angesagt ist:
Glaubhafte Abschreckung, 100 Prozent Verteidigungsfähigkeit. Schwächung des Aggressors wo und wie auch immer.
Rückblickend müssen wir sagen können, das war gut investiertes Geld zu unserem eigenen Schutz, und im Rahmen unserer Bündnisverpflichtungen.
@ csThor sagt: 18.09.2026 um 13:33 Uhr
Aus der Sicht eines Mariners der 60er Jahre:
Hervorragend und treffend beobachtet und formuliert.
Die Ursache, warum die meisten der derzeitigen Aktiven mit Freude auf ihre Pensionierung warten, (was ich von juengeren Kameraden immer wieder hoere) haben Sie klar dargelegt.
Cheers
@ csThor sagt: (18.09.2026 um 13:33 Uhr)
Man sollte die Repräsentanz übellauniger Kommentare in so einem Forum nicht überschätzen.
Ich gehe mal davon aus, dass die Mehrheit ehemaliger Soldaten durchaus die Bedrohung für unser Land zur Kenntnis genommen hat und für sich entsprechende Schlüsse daraus gezogen hat.
Weiterhin wird wie überall im Land auch hier gerne auf hohem Niveau gejammert. Da fühlt sich die theoretische Möglichkeit zu einer Reserveübung gegen seinen Willen herangezogen werden zu können schon fast wie 2 Jahre nordkoreanisches Arbeitslager für manche an.
Und während die einen noch jammern planen die anderen schon längst das Jahr 2027 und die Zeiträume für ihre Reserveübungen.
@Mediator sagt:
18.09.2026 um 22:20 Uhr
…Ich gehe mal davon aus, dass die Mehrheit ehemaliger Soldaten durchaus die Bedrohung für unser Land zur Kenntnis genommen hat und für sich entsprechende Schlüsse daraus gezogen hat…
Na dann brauchen wir ja keine GBO und Änderung der Gesetze weil sich ja von den knapp 1.000.000 noch wehrfähigen ehemaligen Soldaten in diesem Land alle um eine Beförderung prügeln und die personaler hochgradig selektieren müssten weil man fast 80% der Bewerber nach Hause schicken müsste.
Ich bin der Bundeswehr sehr dankbar. Als Berufsoffizier der NVA wurde ich nach der Wende in die Bundeswehr als Oberfeldwebel mit einem SAZ 12 (?) Vertrag übernommen. Nicht in meinem Fachgebiet, das gab und gibt es in der BW nicht. Aber es erleichterte mir sehr stark den Übergang in die neue Ordnung. Was ich sehr schnell bemerkte, beide Armeen waren sich ähnlicher als man glauben würde. Natürlich, innere Führung usw. gab es bei der NVA nicht. So kleine Details fielen mir schon auf: Was soll ein G3 als Ordonanzwaffe? Schwer, von der Munition her als Schützenwaffe überdimensioniert. Dagegen kam ich mit der Pistole (P1 ?) sehr gut zurecht, Welten besser als die gewohnte Makarov.
Durch die vielen Lehrgänge, in denen ich die Struktur und Ordnung der BW verinnerlichen konnte, wurde ich auch zum BRD-Staatsbürger.
Ich habe dann 1992 bei der BW aus mehreren Gründen gekündigt: Erstens, mir fehlte mein gelerntes Fachgebiet (Flugsicherungstechnik). Zweitens, im Gegensatz zu den in Westdeutschland kennen gelernten Vorgesetzten gab es im Osten eigentlich hauptsächlich Nieten. Drittens und entscheidend: Es gab einen Job in meinem Fachgebiet.
Ich bin mit der BW im Guten auseinander gegangen und habe natürlich auch als Reservist unterschrieben. Wie ist es heute? Nie wurde ich auch nur mal angefragt. Die Bundeswehr beauftragt zum Teil zivile Firmen mit der Wartung ihrer Navigationsanlagen und diese sind bei einigen Typen eigentlich schon tot (TACAN).
Ich habe schon vor etwa zwanzig Jahren TACAN im Ausland mit aufgebaut, welches zwei Generationen weiter war als die gegenwärtig in der BW genutzten. Ich versuchte, mich als Zivilist bei der Bundeswehr einzubringen. Das einzige Angebot war mal die RADAR-Werft in Neubrandenburg. Aber schon zu der Zeit als klar war, die wird geschlossen. Jetzt bin ich Ü60 und rein körperlich nicht mehr fit für das Militär. Also viel Erfolg beim Finden von guten Leuten.
@Mediator 17.09.2026 um 13:32 Uhr
weißte, ich würde ja nix sagen wenn man sehen würde wie es voran geht, wie es besser wird … aber das ständige Geschwätz z.b. „im Zielkorridor“ oder Vertröstungen.
Das hat „den Laden“ schon sehr viele sehr gut qualifizierte BundeswehrsoldatInnen in Spe gekostet – weil irgendwann hat man keinen Bock mehr oder man überspringt die – alberne – Marke von 50 Lebensjahren.
Ich kenne Mediziner zw. 46 und 54 Jahre, Oberärzte, Doktortitel, Mastertitel, Fachärzte in HNO, Anästhesie und innere Medizin die würden zur Bundeswehr, sowohl Aktiv als auch Reservisten … Absage, sie sind zu alt oder sie hören gar nichts mehr von der Bundeswehr außer nen Zwischenbescheid.
Ich kenne Volljuristen, Doktortitel, eigene Kanzlei und angestellt, Fachanwälte für Strafrecht,
Ich kenne Programmierer – ähnlich … Absage oder kein Muh, kein Mäh.
Keine Ansprechpartner, jedesmal hat jeder von denen einen anderen Ansprechpartner dran. Heillos überfordert, wie schon gesagt .. kopflos, ziellos, planlos.
Ich für meinen Teil engagiere mich, neben meinem Beruf als IT-Projektleiter SAP (inkl. PM und SAP-Zertifikaten) und meinem Hobby Fliegen (PPl-A und PPL-H) seit mittlerweile 7 Jahren bei der freiwilligen Feuerwehr (Aktive (~150 Einsätze p.A.), ABC-Zug (~25 Einsätze p.A. im CSA) und Höhenrettung – als Zugführer und Maschinist (FS BCE).
Und jetzt kommen die Menschen in Flecktarn wieder an und wollen meine Daten überprüfen – als Kanonenfutter für den Schützengraben bin ich mir mittlerweile zu alt (wie die Bundeswehr ja selber schon festgestellt hat).
ach so … btw, jeder von den hier genannten (inkl. mir) lief in den letzten Jahren regelmässig beim 4daagse mit und wunderte sich … „… früher gabs doch noch n Haar- und Barterlass. Tattoos durften nicht offen getragen werden“ … tja, wenn das das Bild des Soldaten der Bundeswehr ist weiß ich warum keiner von uns bei der Bundeswehr eine Chance bekommt :D
@Küstengang:
Was stört sie an der Grundbeorderung bzw. welche Verpflichtungen ergeben sich aus dieser? Lange Zeit hat man SaZ einfach entlassen und tat sich schwer nach lange abgebrochenem Kontakt und beruflicher Etabllierung dieser Menschen wieder Kontakt aufzunehmen. Die reine Zuweisung an einen bestimmten Truppenteil ist ja nun nicht wirklich irgend ein Zwang oder gar eine Verpflichtung. Die BW braucht vor allem junge Reservisten die noch aktuelle Expertisen besitzen.
@Kuno
Eigentlich lernt man doch bei der Bundeswehr auch, dass man Dinge die man will selbst in die Hand nehmen muss. Wenn mich keiner zu einer Übung einlädt, dann muss ich halt mal proaktiv tätig werden. Ist doch zivil auch nicht anders wenn ich was erreichen möchte.
@Christian:
Keine Frage die Responsezeit der Bundeswehr bei Bewerbungen ist unterirdisch und selbst wenn man da noch nicht aufgibt ist die Bundeswehr oft nicht in der Lage die eigenen Verfahren für Zivilisten verständlich aufzubereiten und verprellt diese.
Zivile Expertise ist für die Bundeswehr meist nicht direkt verwertbar. Volljuristen als Reservisten brauchen schon sehr spezielle Verwendungen um sie wirklich fachgerecht einsetzen zu können.
zu Windlicht sagt:
17.09.2026 um 1:05 Uhr: „…Aus dem öffentlichen Dienst kenne ich ähnliche Aussagen seit vielen Jahren.“
Kann ich aus eigener Erfahrung aktuell so nicht bestätigen, im Gegenteil: Ein maßvolles Engagement (3 Wochen in zwei Jahren ausserhalb Urlaub) im Rahmen einer Beorderung wird in dieser oberen Behörde akzeptiert!!
@Mediator 19.09.2026 um 23:30 Uhr
Erklären Sie mir bitte den Unterschied.
1. Ich habe im Zivilleben top ausgebildete ehemalige Soldaten (Mannschaften, Uffze oP, Uffze mP) die bereit wären sich für den aktiven Dienst aber auch für den Dienst als Reservist (ResFW, ResOffz – Ausbildung müsste noch erfolgen, aber im Zivilleben gelten diese als Leistungsträger und stecken jeden StabsOffz locker in die Tasche, einer ist sogar im Gemeinderat und unseren Eurowings-Piloten und den Journalisten habe ich total unterschlagen) zu verpflichten. Die Bundeswehr will nicht („zu alt“) oder verschleppt den Bewerbungsprozess.
2. Abiturienten verpflichten sich mit 18 Jahren jetzt für 12 Jahre bei der Bundeswehr, Gehen 3-5 Jahren zum studieren und die letzten 2 Jahre ihrer Verpflichtungszeit sind se beim BFD. Sie stehen also effektiv 5-7 Jahr für den Wehrdienst zur Verfügung – müssen aber noch ausgebildet werden, soldatisch, aber auch fachlich. Und ob diese dann noch als Reservisten nach ihrer aktiven Dienstzeit zur Verfügung stehen, steht auf einem anderen Blattl Papier. Demgegenüber stehen die Menschen aus Punkt 1.
3. Und nun will man noch Zwangs-Musterungen einführen. Mit Zwang hat noch nie etwas geklappt.
Finde den Fehler …!
Ach so … die Reservisten aus Punkt 1 sind im übrigem viele Väter darunter, deren Kinder nun 15-28 Jahre alt sind und sich überlegen wie sie ihr Berufsleben beginnen – was werden die verschmähten Reservisten ihren Kindern wohl raten?!
Und wie werden sich die verschmähten Reservisten die sich gerne bei der Bundeswehr engagieren würden und im bestens im berufs-/gesellschaftlichen Leben stehen, wohl zukünftig über die Bundeswehr äußern?!
Aber jetzt warten wir mal ab … die politische Landschaft ist gerade massiv im Umbruch, manch einer mag wohl von politischer Zeitenwende sprechen.
Christian sagt:
21.09.2026 um 12:58 Uhr:
„2. Abiturienten verpflichten sich mit 18 Jahren jetzt für 12 Jahre bei der Bundeswehr, Gehen 3-5 Jahren zum studieren und die letzten 2 Jahre ihrer Verpflichtungszeit sind se beim BFD. Sie stehen also effektiv 5-7 Jahr für den Wehrdienst zur Verfügung“
Das man beim Thema Reservedienst wohl eher auf „Altgediente“ trifft war mir irgendwie klar, aber Ihre Information sind ja schon fast biblisch. Für 12 Jahre unterschreiben heutzutage Unteroffiziere ohne Portepee im Fachdienst. Feldwebel ab 15 Jahre + und Offze können mit 17 Jahre + froh sein. Wie gesagt alles im Fachdienst.
3-5 Jahre studieren sind wohl eher 3 als 5 Jahre und bei alle ohne Studium (mittlere Dienst) dreht man gerade an der Stellschraube ZAW, die es künftig nicht mehr geben soll. Zuletzt: BFD während der Dienstzeit gibt es seit über 12 Jahren nicht mehr. Alle Maßnahmen sind mittlerweile nach dem DZE zu machen oder mit dem eigenen EU während der Dienstzeit.
Ich bin immer wieder überrascht wer hier über welche Bundeswehr diskutiert. Das Bild was hier in großen Teilen gezeichnet wird es wirklich überaltert
@Kay Trieglaff: Die Unterschiede im Öffentlichen Dienst sind sehr, sehr unterschiedlich. Ich hatte einen Reservisten in meinem Bereich, zivil A8,dem eine politisch besetzte Behördenleitung die Alternativen nannte, Bundeswehr-Hobby oder Beförderung zur Teamleitung. Die zivile A15 Hürde war in einer bestimmten Landesbehörde für Reservisten nur zu schaffen, wenn man RDL mit Urlaub oder Überstunden abdeckte und ansonsten unter dem Schirm damit blieb… Ein Kommandeur Landeskommando nannte mir mal – vor der „Zeitenwende“ eine nennenswerte Zahl von Fällen, (hier keine Statistik..) grober Benachteiligung / Behinderung von Reservisten im ÖD in seinem AoR, was in „einigen“ Fällen zur Ausplanung führen musste, obwohl er sogar zuständige MInister ansprach… Meiner Beobachtung nach gibt es Besserung seit 2022, aber keine wesentliche.
@Christian:
Gerne versuche ich eine Erklärung, ohne Fachmann für Personalangelegenheiten zu sein:
1. Grundsätzlich gibt es KEINE Hindernisse, dass ihre „top ausgebildete ehemalige Soldaten (Mannschaften, Uffze oP, Uffze mP)“ in der Reserve einen Platz finden. Alter und damit einhergehende Gebrechen sind natürlich ein Problem. Ich diene auf einem Dienstposten, bei dem, warum auch immer, regelmäßige Musterungen angesetzt sind und viele ältere Kameraden daran durchaus zu beißen haben.
Bei einer Bewerbung kommt es immer darauf an wohin man die schickt und ob man jemanden hat der sich darum kümmert. Die Karriereberatungen sind wohl eher für aktive Soldaten. Der FwRes vor Ort kennt i.d.R entsprechende Personalbearbeiter und wenn man einen Truppenteil im Auge hat, sich dort vorgestellt hat, dann kriegt man vielleicht sogar Flankendeckung. Was nicht geschieht ist, dass irgendwann ein goldgeprägtes Kärtchen mit einer Einladung zum Reservedienst ins Haus flattert.
2. Auf die Verwendung kommt es an:
Je nachdem wie lange man schon aus der Truppe ist haben die eigenen ATNs oft nur noch historischen Wert weil eben das dazugehörige Gerät nicht mehr existiert. Meine Erfahrung ist, dass man sich irgendwann davon verabschieden muss als Reservist ein Spezialist zu sein, denn so viel kann man i.d.R. gar nicht üben um auf dem Laufenden zu bleiben.
Jeder muss sich selbst fragen, ob er in der Reserve eines aktiven Truppenverbandes üben will oder doch eher in einer Einheit der Reserve wie z.B. dem Heimatschutz oder in der ZMZ Struktur. Ob ein Ingenieur noch mal als „Schütze Arsch“ dienen will wage ich zu bezweifeln.
Ich empfehle die ZMZ Struktur oder wer fit und geil auf „Abenteuer“ ist den Heimatschutz.
Dort wird man sicher gebraucht, findet eine mil. Heimat und eine Kameradschaft, wo durchaus die Lebenserfahrung des Kameraden zählt, auch wenn er wenig auf den Schultern hat. Diese Einheiten finden sich flächendeckend im Land und sie suchen händeringend nach Leuten die eigenständig denken und handeln können.
3. Was sucht die Bundeswehr?
Ich möchte behaupten in der Reserve durchaus Soldaten jedes Alters. Natürlich wird geschaut wie lange man noch von einer Ausbildug profitieren kann die man in den Reservisten erst mal reinstecken muss.
Für den aktiven Dienst sind es wohl vor allem junge Menschen oder ehemalige Soldaten die noch nicht zu lange aus der Truppe raus sind. Bei der Berechnung der Erfahrungsstufen, die ja sehr wichtig für das Gehalt sind, steckt der Teufel aber im Detail, denn welche Erfahrung will man einem Wiedereinsteller der ein Radargerät bedient anrechnen, wenn er zivil Versicherungskaufmann gelernt hat?
4. Was raten „verschmähte“ Reservisten?
Tja das hängt davon ab ob man seine Kinder objektiv berät oder noch im Schmollmodus ist.
Ich würde raten, dass man sich den Landen erst mal anschaut ob er zu einem passt. (z.B. FDWL).
Dann würde ich anführen, dass man durchaus gutes Geld verdient, woanders aber mehr verdienen könnte.
Auch dass die Arbeit bei der Bw abwechslungsreich ist, von viel Verantwortung in jungen Jahren geprägt und es sich um keinen Job wie jeden anderen handelt. Auch die Gefahr eines Einsatzes würde ich nicht totschweigen, Ich würde aber auch anführen, dass wenn es zum Schwur kommt vermutlich das ganze Land betroffen wäre.
Auch den Zusammenhalt würde eich anführen und das Menschen die oft nur wenige Jahre aktiv waren anschließen dem Landen Jahrzehnte die Treue halten und das es sowas zivil kaum zu finden gibt.