Merkposten: USA bestätigen erstmals Stationierung von Waffen im Weltraum
Die USA haben erstmals öffentlich bestätigt, Waffen im Weltraum stationiert zu haben. Über entsprechende Äußerungen des für die Luft- und Weltraumstreitkräfte zuständigen Staatssekretärs berichten mehrere US-Medien – die ursprüngliche Mitteilung der U.S. Air Force dazu scheint jedoch von der Webseite entfernt worden zu sein.
Über die Details der Aussagen von Air Force Secretary Troy E. Meink vom (gestrigen) Montag berichtet unter anderem die New York Times:
The United States has stationed weapons in Earth’s orbit, Air Force Secretary Troy E. Meink said on Monday, the first such public acknowledgment by a Pentagon official after years of preparations to counter potential deployments by Russia and China.
“We are increasing readiness against existing threats, and the United States has on-orbit space control weapons capable of defending the Joint Force against hostile adversary action,” he said at a convention in Maryland, according to a news release published on the Air Force’s website.
Nach einem Bericht der Military Times wollte Meink allerdings auch auf Nachfragen keine Einzelheiten mitteilen:
Meink offered no other details, saying only that the phrasing was “well thought out.” He said maintaining and being able to depend on U.S. space capabilities is necessary as adversaries develop their own capabilities to threaten them.
“It is critically important that we maintain our dominance not only in the air but in space, and so that we’ve had to take steps to make sure that when we’re threatened, we can take care of that,” he said during his speech.
During a media roundtable following the keynote, Meink declined to comment on the type of weapons or why the announcement was made now.
Die Pressemitteilung der U.S Air Force zu den Aussagen des Staatssekretärs scheint unterdessen gelöscht worden zu sein; der Link führt derzeit nur zu einer Fehlermeldung.
In dem Bericht der New York Times wird, wenn auch ohne konkrete Hinweise, über die mögliche Art der US-Weltraumwaffen spekuliert. Denn ein wesentliches Problem bleibt, in einer Umlaufbahn um die Erde Waffen vor allem gegen andere Satelliten einzusetzen – ohne die Funktionsfähigkeit der übrigen, auch eigenen Satelliten zu gefährden.
Tja, welch Überraschung. Es wäre fast schon ein Wunder, wenn es nur elektromagnetische Waffen sind, um andere Satelliten auszuschalten und keine Weltraumbasierten Nuklearsprengköpfe.
Letzteres würde ich Trump ohne weiteres zutrauen, aber wie mir scheint, gibt es zumindest die nicht kinetischen Waffen im All schon länger und zwar auch von der anderen Seite.
Laser funktioniert im Weltraum ohne bremsende Atmosphäre übrigens herrvorragend, ich kann mir nicht vorstellen, dass man hierauf verzichtet hat.
Und ansonsten ist grundsätzlich jedes Objekt im All, was man steuern kann und groß genug ist nicht komplett zu verglühen – eine mächige Waffe, die man gegen jeden Punkt auf der Erde zeitnah einsetzen kann.
@lukan: ‚…jedes Objekt im All, was man steuern kann, gegen jeden Punkt auf der Erde..‘ – ich fürchte, es ist nicht so leicht, aus dem stabilen Erdorbit heraus einen beliebigen Punkt zu treffen. Dazu benötigt man entweder sehr viel Antriebsenergie, um den Kurs weit genug zu ändern, oder aber sehr viele Objekte auf parallelen Bahnen, um eines mit günstiger Bahnlage auszuwählen. Oder aber viel Zeit, bis die Bahn + Erddrehung günstig zum Ziel liegt.
@lukan: Es ergibt wenig Sinn, Waffen zur Wirkung auf der Erde im Weltraum zu stationieren. Das wurde im Kalten Krieg alles durchgerechnet – die Orbitalmechanik macht dem ganzen einen kräftigen Strich durch die Rechnung.
Um was es hier wohl geht, sind „Satellitenkiller“, die feindliche Aufklärungs- und Kommunikationsmöglichkeiten ausschalten können. Doch wie erwähnt, drohen hier mitunter beträchtliche Kollateralschäden (s.a. Kessler-Effekt).
Es grüßt das Kessler-Syndrom, das die Nutzung des Erdorbits und die bemannte Weltraumfahrt durch eine Vervielfachung des ohnehin bereits zahlreich vorhandenen Weltraumschrotts für lange Zeit verhindert. Die Menschheit schließt sich selbst auf der Erde ein, die Nutzung von Kommunikations- und Navigationssatelliten (GPS) würde abrupt enden. Stadtpläne von Falk könnten eine unerwartete Renaissance erleben, terrestrisches Fernsehen ebenfalls. Aber das sind im Ernstfall wohl unsere geringsten Probleme.
Wenn man einmal rational die aktuelle Lage durchdenkt erschliesste sich die Stationierung von Anti-Satellitenwaffen eher weniger.
Warum ?
Vor 10 Jahren konnte das noch irgendwie militärisch sinnvoll erscheinen.
Heute aber hat bereits die Musk-. äh, Starlink-Konstellation über 10.000 (!) Satelliten im LEO. Und das ist nur der Anfang…Wie sollte da ein sinnvoller Einsatz laufen ?
Man würde bei weitem zu wenig ausschalten können und zuden eigene Satelliten oder welche der Bündnispartner noch dazu…
Das kann es nicht sein.
Ich fürchte da zieht jemand die Nuklearkarte um aus der Triade ( Land, Ozean, Luft ) ein Quartett zu machen.
( Ich vermute die USA sind da nicht die Einzigen… )
# Schauder #
Nachtrag:
Eine „sinnvolle“ Stationierungsmöglichkeit von Anti-Satellitenwaffen ist dennoch vorstellbar:
Potentiell vermeintlich „leichtere Opfer“ mit nur sehr wenigen eigenen (Überwachungs-) Satelliten im Orbit. Da könnte man drüber nachdenken…
Wobei… Die Allianzen zeigen das evtl. Russland oder China das teilweise sehr gerne für die „Opfer“ der imperialistischen Aggression übernehmen..
( Und schon sind wir wieder beim Kalten-Kriegs-Sprech… )
@Pham Nuwen
„Die Orbitalmechanik macht dem ganzen einen kräftigen Strich durch die Rechnung. “
An welchem Punkt denn?
Alles was mit Weltraum zu tun hat, war einfach nur mega teuer gewesen mit 50 000€ pro kg in den LEO, das ist aber drastisch gefallen auf 3000€ pro kg. Ebenso hat sich die ganze Steuerung und Sensorik massiv verbessert. Also klar, man braucht etwas Treibstoff um die Richtung zu ändern – aber den Rest macht die Schwerkraft und hohe Geschwindigkeit.
@Apollo 11
Ich vermute es macht schon Sinn gezielt einzelne Sateliten ausschalten zu können. Starlinksateliten sind ja eher kleine billige Dinger. Die großen Spionagesateliten sind schon lohnendere Ziele. Und wenn man massenhaft Satelliten ausbringen kann, kann man auch massenhaft Antisatellitenwaffen ausbringen. Es war leider illusorisch den Weltraum Waffenfrei zu halten. Bald geht es wohl um Rohstoffe auf dem Mond und Asteroiden.
@lukan
Gegen Weltraumwaffen für Bodenziele sprechen:
– bekannte Flugbahnen durch bekannte Umlaufbahnen
– Zeitversatz, um ein bestimmtes Ziel treffen zu können
– hoher Treibstoffverbrauch für Bremsmanöver, wenn die Rakete nicht verglühen soll
All diese Nachteile haben erdgebundene Waffen nicht. Da ist jetzt noch gar nicht vom Aufwand die Rede, das Zeug da hoch zubekommen. Was sollte Ihrer Meinung nach also ein Grund dafür sein …?
Es gab eine Meldung bei Twitter, dass einer der chinesischen Erdbeobachtungssatellitten wohl ausser Betrieb gegangen ist, dessen Bilder dem Iran geholfen haben, US Militaer anzugreifen:
[Link entfernt – auf eine Webseite zu verlinken, die lt. Meldung beim Aufruf „suspended“ ist, ist nicht wirklich hilfreich? Der Eintrag, den Sie meinen, ist dann via X.com aufrufbar. Aber da sich die Angaben dort auf WSJ und SpaceNews beziehen, wäre der Link zu den Originalquellen hilfreich? So ist das alles recht dubios – es muss nicht falsch sein, aber anständige Quellenangabe würde ich schon erwarten. T.W.]
@Pham Nuwen, was für ein Bremsmanöver damit welche Rakete nicht verglüht?
Gefühlt dürfte auch ein alter Satellit mit ausreichender Masse im Zweifelsfall reichen. Wenn der mit ausreichender Restmasse und entsprechender Geschwindigkeit am Boden ankommt wird das auch entsprechend Schaden anrichten. Nix anderes als ein künstlicher Meteorit.
@Flo
Damit die Rakete nicht verglüht, braucht sie entweder eine extreme Masse, z.B. mit Wolfram oder Treibstoff zum Bremsen (den braucht sie für de-Orbit sowieso in Masse).
Ebenfalls eine enorme Masse/besonders hartes Material bräuchte ein Satellit. Ohne spezielle Behandlung zerbricht der sowieso und welchen Nutzen hätte eine orbitale Schrotflinte?
Der Sinn und Zweck bleibt also weiterhin offen. Eine popelige alte ICBM, Marschflugkörper oder Drohnen erfüllen, abseits von James Bond-Phantasien, die Kriegführung auf der Erde in jedem Aspekt besser.
PS: Wenn es irgendwann Stress mit der Mond-/Marskolonie gibt, sieht das Szenario wieder ganz anders aus. Dank der deutlich günstigeren Gravitationsverhältnisse wird es hier bedeutend leichter, z.B. ein paar Asteroiden die gravity well der Erde runterzuschicken …
@Flo: Damit z.B. eine Raumkapsel oder ein Sprengkopf mit Hitzeschild nicht gänzlich verglüht, muss die Flugbahn durch die Atmosphäre so gestreckt werden, dass die thermische Leistung gerade noch auszuhalten ist. Das bedingt einen relativ flachen Eintrittswinkel. Ohne Hitzeschild, und bei robusterem Wiedereintritt, alter Satelliten überlebten bislang nur die Triebwerke aus hitzebeständigen Legierungen, die aber aus Kostengründen kaum Masse mitbringen. Mit der übrigbleibenden rein kinetischen Energie eines alten z.B. Kommunikations-Satelliten kann man kaum mehr als ein unglücklich geparktes Auto zerstören.
@Pham Nuwen
Mein eigentlicher Punkt war, dass potentiell jedes Objekt im Weltraum das Steuerbar ist, eine potentielle Waffe darstellt. Dass also das Konzept den Weltraum Waffenfrei zu halten schon immer mehr Wunschdenken als Realität war. Nicht dass es jetzt ökonomischen Sinn macht, solche Kinetischen Waffen da zu platzieren (vlt macht es schon sinn, vmtl nicht, ich habe es nicht durchgerechnet, aber die Preise sind wie gesagt stark gefallen). Von der Physik spricht jedenfalls nichts dagegen. Und der Unterschied zu Erdgestützen Raketen wären wesentlich geringere Abfangmöglichkeiten, also es wäre ein gewisser taktischer und psychologischer Vorteil, den manche Individuen an der Macht vielleicht als nützlich empfinden.
Hinweis: Ich greife ungern in den Text eines Kommentars ein, dann entferne ich lieber den kompletten Kommentar angesichts des OT-Teils zur Historie von Twitter, die in demsachlichen Zusammenhang keine Rolle spielt.
@lukan
Falsch! Das Gegenteil ist der Fall. Siehe u.a. die Ausführungen von Marc zum flachen Winkel. Das kostet spürbar mehr Zeit, die dem Verteidiger zum berechnen und abfangen bleibt, als es bei einer ICBM der Fall ist.
#Pham Nuwen
#lukan
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Zum Thema „Vorteile“ von weltraumgestützten Nuklearwaffen:
ICBMs erreichen durchaus ähnliche Geschwindigkeiten wie Orbitalwaffen, d.h. irgendwo zwischen 25.000 und 30.000 km/h ( Orbitgeschwindigkeit LEO wären 28.000 km/h ).
Der grosse Vorteil von Orbitalwaffen:
– Die viel grösseren Möglichkeiten des Abschuss-Punktes ( und damit der Überwachungsaufwand )
– Die reine Laufzeit ist im Gegensatz zu ICBMs geringer, Auch wenn man den richtigen Abschusspunkt erst erreichen muss ( Ein Umlauf in 90 Minuten )
– Und ( ganz wichtig ) viel schwieriger zu detektieren. Es gibt ja keine Monsterstichflamme wie bei einem Raketenstart. Eine Detektierung ist deshalb sehr wahrscheinlich erst beim Wiedereintritt möglich.
Wir reden da von zwei oder drei Minuten !
Eine Vorwarnzeit die diesen Ausdruck auch verdient gibt es dann nicht.
Sprich: Ein Schuß, ein Treffer.
Im Grunde keine Wunder das vermutlich die „Skrupellosen Drei“ ( RUS, China, USA ) in Zukunft alle im Orbit stationieren werden…
Ernstzunehmende Weltmacht ist man demnächst nur noch wenn man das vollständige Quartett hat. Sprich U-Boote, Abschussbasen, Bomber UND Orbitalwaffen ).
“ Im Nebel die Zukunft liegt “
( YODA – Krieg der Sterne )
# schauder #
.
Nachtrag:
Durch den flacheren Winkel dauert die Wiedereintrittsphase bei Orbitalwaffen etwas länger als bei ICBMs ( da sind es 2 bis 3 Minuten ).
Aber dennoch…
@Apollo 11:
Nee, nicht überzeugend.
Genau der Abschusspunkt ist doch ein großes Manko! Der Satellit hat seine feste Umlaufbahn und die hält er gnadenlos ein. Wenn der wilde Kurskorrekturen vornimmt, geht da mehr als eine Alarmglocke an.
+90 Minuten (klassische Bahnverspätung) gehört auf die Einsatzzeit drauf. Ein ICBM-Satellit kann vielleicht noch unbemerkt ins All verbracht werden – dort wird er dann aber innerhalb einer nicht allzu langen Zeitspanne aufgeklärt werden. Ein Wetersatellit hat nunmal einen anderen physikalischen Kern, als ein als Wettersatellit verkleideter Atomsprenkopf. Soweit wie unsere heutige Sensortechnik entwickelt ist, ist das nicht eine Frage des „ob“, sonder „wie lang“.
Und natürlich bekommt so ein identifiziertes Gerät dann die „Premiumbehandlung“, was Überwachung betrifft. Nichts mit gemütlich 90 Minuten lang anschleichen … Zumal jeder dann weiß, wem der Apparat gehört. Wenn irgendwo ein U-Boot was hochgehen lässt, ist da erstmal nicht unbedingt eine Attribution möglich, um sofort einen Gegenschlag auf den Weg zu bringen.
Die Wartung und Instandhaltung von im Orbit stationierten Kernwaffen dürfte dann aber prohibitive Kosten verursachen.
Außerdem sind solche Waffen – sofern ihre Position aufklärbar ist, und das dürfte sie durchaus mit ein bißchen Aufwand sein – primäre Ziele für kinetische Einwirkung.
Ich gehe stark davon aus dass mit „on-orbit space control weapons“ exakt solche kinetischen Wirkmittel gegen gegnerische Satelliten gemeint sein dürften, und gerade keine Kernwaffen oder „Rods from God“.
@Pham Nuwen:
Alle Einwände grundsätzlich nicht falsch.
Betrachtet man eine einzelne Orbital-Nuklearwaffe ist der mögliche Treffer-Bereich natürlich eingeschränkt. Die Festlegung der Satellitenbahn im Vorhinein bringt aber gewünschte Ziele ins Visier.
„Wilde Positionierungsmanöver“ sind genau dafür dann nicht nötig. Und für den kinomässigen Erstschlag würde damit die Erfolgschance massiv steigen. Das wäre im wahrsten Sinne des Wortes “ out of the blue… „.
Und alleine diese Möglichkeit ist eindeutig eine massive Verschlechterung der Situation .
Die zu verhindern man glaubte sich geeinigt zu haben…
Und ja, wer “ House of Dynamite“ gesehen hat kann sich auch die Frage stellen wer denn da zum Teufel eine Atomrakete aus einem U-Boot abgefeuert hat.
Im Gegensatz zu Orbitalwaffen ( deren Start man ja zu einem Land zurückverfolgen kann ) ist das in diesem Fall völlig unklar. Eine direkte Reaktion gegen genau wen denn dann ?
Da nutzt auch der nette Atomkoffer nichts…
( Durch die Analyse der Spaltprodukte NACH dem Einschlag ist sehr wahrscheinlich aber dann doch eine Zuordung des bösen Feindes möglich. Ein wenig zu spät… )