Reaktivierung von Kasernen: Zum Beispiel Sigmaringen
Nach der Mitteilung des Verteidigungsministeriums in der vergangenen Woche, welche früheren Kasernengelände und -bauten für eine erneute Nutzung geprüft würden, hat sich ein Leser in der ehemaligen Graf-Stauffenberg-Kaserne in Sigmaringen umgeschaut.
Das Gelände, einschließlich des ehemaligen Standortübungsplatzes, wird als eine mögliche reaktivierte Liegenschaft betrachtet, besonders für die aufzubauenden Ausbildungskapazitäten des Neuen Wehrdienstes. Das wird, auch in Sigmaringen, eine Herausforderung, wie die Leser-Fotos (vielen Dank!) zeigen – zum Beispiel bei der Panzerwaschanlage, die heute ein Karpfenteich ist (s. Foto oben).
Allerdings, das gehört auch dazu: ein Teil der Gebäude ist durchaus in Schuss und wird genutzt. Auch, aber eben nicht nur, als Unterkunft für Geflüchtete.
Auch die Hochschule Albstadt-Sigmaringen hat einige Gebäude übernommen. Was zu der Frage führt, wie viel Gebäude und Gelände der Bund eigentlich noch in seiner Hoheit hat. Denn zumindest ein Teil, das zeigen die Schilder, ist inzwischen eben Eigentum des Landes Baden-Württemberg.
Aber vielleicht stimmt ja auch nicht, was das Land da behauptet. Laut Wikipedia soll es lediglich eine Vereinbarung über die Nutzung der ehemaligen Graf-Stauffenberg-Kaserne zwischen Stadt, Landkreis und Land geben.






Soweit ich weiß sind StOÜbPl und StOSchAnl nicht entwidmet und können ohne neue Genehmigung wieder in Betrieb genommen werden.
Es ist auch bekannt, daß die Stadt mit der LEA überhaupt nicht glücklich ist. Im Oktober hieß es in der Schwäbischen Zeitung:
„„Die Kaserne ist eindeutig wichtiger: Wenn die Bundeswehr nach Sigmaringen zurückkehrt, bringen wir die Flüchtlinge woanders unter. Das kriegen wir schon hin“, sagte der Ministerpräsident Winfried Kretschmann am Freitag bei einem Bürgerempfang in Sigmaringendorf.“
Das ist doch einmal eine Ansage, hoffen wir, daß das noch so steht.
Da hab ich 1976 als UA im FlaBtl 10 angefangen. Kurz vor der Aufgabe durch die Bw waren KasGel und der direkt dahinter liegende StOÜbPl noch gut in Schuss. Gleisanschluss ist m.W. im Lauchertal (fünf Pz-Min entfernt) auch noch vorhanden. Zur StOSchAnl kann ich nichts sagen – die war aber direkt an den StOÜbPl angeschlossen. M.E. in jeder Hinsicht als Heimstatt für ein Flugabwehrregiment neuen Zuschnittes (geschätzte DP 3.700 F+V!) geeignet. Da würde sogar noch eine Leichte mit reinpassen. Ein Träumchen – wenn man nur noch das Personal dafür hätte.
Möglicherweise nicht ohne Belang ist in dem Zusammenhang auch, dass in Sigmaringen eine große Lehranstalt der Deutschen Zollverwaltung ist. Diese Zollschule (offiziell Bildungs- und Wissenschaftszentrum der Bundesfinanzverwaltung) ist in die Jahre gekommen und sollte renoviert und ausgebaut werden. Diese Pläne wurden vor wenigen Monaten gekippt, stattdessen wird der Standort wohl geschlossen.
Nach den politischen Gepflogenheiten „schuldet“ der Bund der Stadt Sigmaringen dann eben eine andere große Bundeseinrichtung – zum Beispiel eine Kaserne.
https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/tuebingen/neubau-zollschule-sigmaringen-gestoppt-schon-millionen-investiert-100.html
Also wenn der Zoll nicht nur den Neubau, sondern den Standort aufgeben sollte: Da würde dann das Wohnheim in der Schmeisserstr. frei. Eine super Ledigenunterkunft!
Im Vergleich dazu ist die Kurpfalz-Kaserne in Speyer noch top in Schuss. Ich wohne in der Gegend und bin jede Woche mehrmals am Kasernengelände.
Die Unterkunftsgebäude wurden zwar im Zuge der Nutzung für Geflüchtete etwas umgerüstet, aber nichts was einer erneuten militärischen Nutzung im Wege stehen würde. Der T-Bereich wird nach wie vor von der Bundeswehr im Rahmen von Übungen genutzt. Letztens standen dort wieder Tonner und Zubehör abgestellt. Ebenso wird der nahgelegene Wasserübungsplatz noch genutzt.
Hier sollte eine mögliche Reaktivierung schnell gehen können.
@Salbey
Die Liegenschaft des Zolls war „früher“ eine Bundeswehrliegenschaft, in der u.a. der damalige Berufsförderungsdienst Sigmaringen beheimatet war.
Moin,
da werden Erinnerungen wach… Die Panzerwaschanlage war aber schon Jahre vor der Stilllegung eher ein Karpfenteich. ;-) Wie schon geschrieben: StOÜbPl da, StOSchA da, Bahnanschluss da, weitere Bw-eigene Liegenschaften da, Stetten am karibischen Meer (akM) nebenan; die Bevölkerung ist der Bw wohl gesonnen. Die Landschaft ist wunderschön, wobei etwas weniger Landschaft und etwas mehr Autobahnanschluss noch schöner wäre… Was ist eigentlich mit dem benachbarten Mengen-Hohentengen, wo ein ganzes LAR lag und mit Meßstetten?
Winfried Kretschmann hat übrigens gedient und mit Sigmaringen über Jahrzehnte hinweg eng verbunden.
@Stubenvieh: Mengen & Meßstetten sind Opfer der Schlafmützigkeit der Bundeswehr. Mengen Kasernengeländer soll großteils bereits privatisiert sein. Auch der Flugplatz ist längst zivil. Die Flüchtlingsunterkunft soll Ende 2025 geschlossen worden sein. Zur Nachnutzung habe ich noch nichts gefunden. Meßstetten noch schlimmer, auch großteils privatisiert & die Kasernengebäude sollen dieses Jahr abgerissen werden bzw sind vielleicht schon abgerissen worden, da ist Internet nicht präzise. Ich habe die Kasernengebäude vor ein paar Jahren gesehen, als noch Flüchtlingsunterkunft. Deshalb ist der Abriss für mich ein Schildbürgerstreich. Hier hätte man noch jahrelang Wehrpflichtige ausbilden können. Stetten am kalten Markt ist meines Wissens die einzige Gemeinde, die auf ihrer HP damit wirbt, dass sie Platz für 1.000 Soldaten hätte, und um die Stationierung eines weiteren Bataillons wirbt! Von der BW seit 10 Jahren nicht erhört! Da Truppenübungsplatz Heuberg dort, ist es unverständlich, dass die BW nicht längst entweder neue Wehrpflichtige dort unterbringt oder ein neues Bataillon dort aufstellt!
@Closius
Dann muß in jedem Fall in Stetten a.k.M. in Unterkünfte investiert werden, die Kaserne platzt aus allen Nähten.
@Stubenviech @Closius: Ja, die Landschaft ist wunderschön und ja die (sehr wenigen und sehr eigenwilligen) Ureinwohner sind der Bundeswehr äusserst wohl gesonnen. Und das hängt sicherlich nicht nur damit zusammen, das das Heer der mit Abstand größte Arbeitgeber der sehr lândlichen Region ist. Jedoch ist dies genau solch ein Standort, der äusserst unattraktiv ist: extrem weit draußen, extrem schlecht zu erreichen (Stichwort Autobahnanschluss), etwas spezieller Bevölkerung mit einem noch speziellerem Dialekt und quasi ohne Freizeitmöglichkeiten. Dazu kommt eine krass komprimierte Bebauung mit sehr hoher Truppendichte und vielen Reibungspunkten der teilweise sehr unterschiedlichen Truppengattungen dort. (Stichwort MannHeim etc). Das ist sowohl für FWDL / SAZ kurz als auch Langdiener alles andere als ein Traumstandort, auch wenn dort militärisch betrachtet sehr vielseitige Ausbildungsmöglichkeiten bestehen und genutzt werden können. Ich weiss das weil ich 1996 den (echt heftigen) Winter (AGA) und öden heißen Sommer (SGA und DP Ausbildung) als WDL bei den Grünmützen verbringen durfte. Meine Einzige Chance dort schnell wegzukommen war als SaZ zu unterschreiben und in eine Location weiter nördlich zu verlegen. Das war meine Rettung, auch wenn der neue Standort im Nachbargebirge nicht wirklich attraktiver war. Aber wenigstens waren die dort lebenden Einheimischen zu verstehen (sage ich als gebürtiger Oberschwaben :-) ).
Moin,
danke @Closius und @Thomas Melber für die Hintergründe. „Aus dem Bauch raus“ hätte ich gesagt, dass man dort einen Cluster für die Erprobung von Drohnen / Heeresflugabwehr errichten könnte. Um München herum gibt es doch viele Stakeholder zum Thema und der schwäbische Erfindergeist ist legendär. Dort gibt es den Platz und in Stetten kann man alle klimatischen Bedingungen der Welt innerhalb einer Stunde unter Realbedingungen erleben… ;-)