„Fursty“ bleibt und wird Standort für Luftwaffen-Ausbildungsbataillon: Haken vom Minister dran
Der frühere Fliegerhorst Fürstenfeldbruck soll Bundeswehr-Standort bleiben und künftig ein zweites Ausbildungsbataillon der Luftwaffe beherbergen. Verteidigungsminister Boris Pistorius traf diese bereits seit Monaten erwartete Entscheidung. Damit sollen zusätzliche Ausbildungsmöglichkeiten nahe am Ballungsraum München geschaffen werden, die für den erwarteten Personalaufwuchs im Rahmen des Neuen Wehrdiensts genutzt werden können.
Die geplante Aufstellung des Luftwaffenausbildungsbataillons 2 am Standort Fürstenfeldbruck hatte die Luftwaffe mehreren Medien bereits im Mai bestätigt. Darauf folgte nun die ministerielle Entscheidung, wie das Wehrressort am (heutigen) Montag mitteilte:
Der Bundesminister der Verteidigung, Boris Pistorius, hat entschieden, ein weiteres Ausbildungsbataillon der Luftwaffe aufzustellen und dieses in Fürstenfeldbruck zu stationieren. Mit dieser Entscheidung gehen wir einen weiteren Schritt für den kontinuierlichen Aufwuchs der Streitkräfte.
Mit der steigenden Anzahl von Rekrutinnen und Rekruten und der weiteren Umsetzung des Neuen Wehrdienstes steigt unser Bedarf an Ausbildungskapazitäten deutlich. Unser Ziel ist es, diesen unter Nutzung der bereits vorhandenen Potenziale kurzfristig zu decken. Nach der Entscheidung, nicht an der Aufgabe des Standortes Fürstenfeldbruck festzuhalten steht jetzt fest: Fürstenfeldbruck wird wieder zum Standort der Bundeswehr.
Mit der Stationierung des Luftwaffenausbildungsbataillon 2 (LwAusbBtl 2) in Fürstenfeldbruck stärken wir die Ausbildungsorganisation der Luftwaffe. Wir schaffen damit kurzfristig zusätzliche Ausbildungsmöglichkeiten in einem ballungsraumnahen Bereich und ermöglichen vielen potenziellen Wehrdienstleistenden einen möglichst heimatnahen Einstellungsort. Wir erhöhen damit unsere Präsenz in der Fläche und können uns gleichzeitig auf vorhandene Infrastruktur sowie Ausbildungs- und Übungsmöglichkeiten abstützen.
Der Flugbetrieb in Fürstenfeldbruck war bereits 2003 eingestellt worden. Größter Nutzer der Bundeswehr war dann die Offizierschule der Luftwaffe, die 2025 nach Roth verlegt wurde. Das Verteidigungsministerium hatte danach eine Aufgabe der Liegenschaft bis 2030 erwogen, im Rahmen eines Moratoriums im vergangenen Jahr die Abgabe jedoch vorerst gestoppt.
(Archivbild 2009 – Cholo Aleman, Fliegerhorst FFB, CC BY-SA 3.0)
Alles kommt wieder, mein Vater wurde schon in den 70ern da ausgebildet. Der Standort ist ja auch absolut sinnvoll für dieses Ziel.
Schade dass der Flugbetrieb nicht wieder kommt.
Mit der Entscheidung des Verteidigungsministers geht ein mehr als 15jähriger Kampf zu Ende. Denn mit der BW-Reform 2011 wurde sowohl die Verlegung der Luftwaffenschule von Fürstenfeldbruck nach Roth entschieden, wie auch die Schließung von Fursty beschlossen. Beides war von Anfang an umstritten. Mit dem Luftwaffenausbildungsbataillon 2 hat der Standort wieder eine Zukunft und bleibt die „Heimat“ der Luftwaffe. Zudem soll auch eine Kompanie des Luftwaffenausbildungsbataillons 2 in Lechfeld aufgestellt werden, was auch zur Sicherung des Standortes Lechfeld führt, welcher im Moment nur als Ausweichflughafen der Luftwaffe genutzt wird.
Interessant ist noch die Frage, ob es bei der Entwidmung des Flughafens Fursty bleiben wird oder nicht? Denn der Flugplatz Jever, wo jetzt das Objektschutzregiment der Luftwaffe stationiert ist, wurde 2013 auch entwidmet, aber im Dezember 2025 wurde entschieden, daß der Flugplatz Jever wieder entwidmet werden soll aufgrund der sicherheitspolitischen Lage. Es würde sich also auch anbieten, auch den Flugplatz Fursty wieder zu entwidmen und für Flugzeuge nutzbar zu machen.
In der obigen Erklärung des Ministers ist nichts dazu zu lesen, ob Rewidmung oder nicht? Aber vielleicht weiß sonst jemand hier was dazu?
@Closius:
„Es würde sich also auch anbieten, auch den Flugplatz Fursty wieder zu entwidmen und für Flugzeuge nutzbar zu machen.“
Das würde mich auch rein privat interessieren.
In meinem alten Flugbuch steht noch ein Start und eine Landung vor ca. 30 Jahren drin.
Damals Motorsegler Grob 109 B, hinter dem Follow me her damals neben den Alphajets geparkt und nach Toweraufenthalt ( Landegebühr waren damals um die 15 DM, Voranmeldung erforderlich ) zum Ausgang an S-Bahnstation chauffiert worden zwecks München-Besuch.
Toller Service damals…
Hab gerade mal auf die Karte von Deutschland geschaut. Sowohl Fürstenfeldbruck, als auch Germersheim sehe ich jetzt nicht zentral, sondern eher am Rand. Frankfurt, Kassel oder Hannover wären aus meiner Sicht zentrale Standorte.
Ist vielleicht das Gegengewicht zur Marine, die auch keinen Stützpunkt in Düsseldorf oder Nürnberg hat, obwohl doch beide Städte große Häfen haben.
Naja zwei Battalione rechtfertigen eigentlich schon wieder die Aufstellung eines Luftwaffenausbildungsregiments. Kann man ja noch ein drittes Battalion in den Westdeutschen Ballungszentren aufstellen.
Die Luftwaffe muss ja eh noch weitere Bodengebundene Verbände aufstellen… angefangen bei neuen FlaRak Gruppen und den dazugehörigen Sicherungs Battalionen. Braucht es auch ordentlich Ausbildungskapazität… und die Arrow 3 Verbände werden ja bestimmt auch irgendwann auf ein eigenes FlaRak Geschwader umgestellt. Nicht zu vergessen all die nicht- & Teilaktiven Sicherungsstaffeln die wieder aufgebaut werden müssen
Die Tage von Fursty als Flugplatz sind vorbei, da ist auch schon Zuviel Infrastruktur zerschlagen und eine Kreisstraße führt mitten durch den ehemaligen Flugbetriebsbereich. In diesem dicht besiedelten Gebiet muss das auch nicht mehr wirklich sein. Was allenfalls denkbar wäre ist eine Art Stillstandswartung der Bahn und sonstigen verbliebenen Bewegungslflächen für eine mögliche Reserve zur ausschließlichen Reaktivierung im V-Fall. Aber von derartigen Plänen habe ich bisher nichts gehört.
Gibt es den Status „inaktiver Flugplatz“ bzw. Landeplatz, außer Betrieb ? Sonst müßte man ja u.a. Tower und Feuerwehr in Betrieb halten.
Das rechnet sich nur bei konstanter Nutzung, z.B. durch BPol, Rettungsdienst oder die Pol BY oder eine Werft.
@Alfred Maynard, 13.07.2026, 16:53 Uhr:
„…Frankfurt, Kassel oder Hannover…“
Frankfurt und Hannover gehe ich mit. Kassel wäre sinnvoll jawohl, aber der damalige kasseler OB Wolfram Bremeier (SPD) hat den Abzug der Bw aus Kassel vehement vorangetrieben, dafür gehören die Genossen heute noch geohrfeigt. Allein aus diesem Grund sehe ich Kassel nicht.
[Wenn jetzt jeder seine parteipolitischen Vorlieben hier raushängen möchte, greife ich ein und schmeiße raus. T.W.]
Die Einrichtungen des Fliegerhorsts – soweit vorhanden – dürfte man aber für das Beüben des Objektschutzes durchaus noch verwenden können. Dazu muss kein Flugbetrieb stattfinden.
Wenn man (auch als Luftwaffe) sinnvoll infanteristische Grundfähigkeiten üben will, führt nichts daran vorbei, auch mal einen Spaten in die Erde stecken zu müssen und Stellungsbau zu betreiben. Halt jetzt auch mit der Dimension Drohne im Hinterkopf.
Auf nichtsachlicher Ebene freut mich der Erhalt und die Wiederbelebung von Fursty einfach, es ist ein traditionsreicher und schön gelegener Standort mit vielen Möglichkeiten in- und außerhalb des Zauns, die Nähe zu München empfand ich zu meiner Zeit auch als Vorteil.
Mit den Einrichtungen in Puch und den Flugbetriebsflächen/Shelterschleifen dürfte auch die Infrastruktur für die Ausbildung der Rekruten ohne große Anpassungen gegeben sein, das war vor einiger Zeit in Roth zumindest noch nicht der Fall.
Weiß jemand ob die Teile des LwAusbBtl, die noch in Roth sind, nach Fursty umgezugen werden sollen um in Roth Kapazitäten für die OSLw zu erweitern?
@einStudent: Die Luftwaffenausbildungskompanien in Roth bleiben, sollen aber dann dem Luftwaffenausbildungsbataillon 2 in Fursty unterstehen. Bayern hat dann 3 Standorte zur Luftwaffenausbildung, in Roth, Lechfeld und Fursty!
Metallkopf sagt am 14.07.2026 um 9:10 Uhr:
“ … enn man (auch als Luftwaffe) sinnvoll infanteristische Grundfähigkeiten üben will, führt nichts daran vorbei, auch mal einen Spaten in die Erde stecken zu müssen und Stellungsbau zu betreiben. …“
Werter Metallkopf, die Uffz u. Offz der Luftwaffensicherungskräfte wurden und werden in Hammelburg ausgebildet. Das sind quasi vollwertige Jäger – nur mal für Sie.
@Hans Schommer,
hmh, mal sehen, ob dass so bleibt. Laut dem stellv. Kommodore werden im Augenblick durch die Geschwader wieder eigene Luftwaffensicherungsstaffeln aufgebaut. Im HSG 64 in Laupheim und Holzdorf sind dafür je sechs Züge vorgesehen. Zwei Züge sind bereits aufgestellt und sollen als Multiplikator dienen. Die weiteren Züge sollen aus Heimatschützern bestehen und regelmäßig beübt werden. Im Prinzip soll es laufen wie bei den ehemaligen Bodenverteidigern mit FK 20 mm und Sprudellaster. Nur bleibt derzeit das Problem, wie und mit was diese Züge ausgestattet werden sollen. Stichwort Drohnen und hybride Gefährdungen. Der Prozess läuft derzeit. Insgesamt ist da die Nähe von Füstry und Lechfeld fast optimal. Stichwort Heimatnah
@Hans Schommer: Ist zwar bekannt, aber trotzdem danke.
zulu1975 sagt: am 14.07.2026 um 21:49 Uhr:
„hmh, mal sehen, ob dass so bleibt. …“
In diesem Zusammenhang: Wir unterscheiden ja in der Bw u.a. zwischen Führerausbildung und Truppenausbildung. Das wird daher absehbar so bleiben, denn es gibt in der Lw keine Institution, welche infanteristische Führerausbildung – das sind im Wesentlichen Laufbahnlehrgänge – durchführen kann.