Wehrressort stellt Grundlagendokumente vor: Planungen für schnelle Kriegstüchtigkeit
Strategische Grundlagendokumente sind, wenig überraschend, vor allem grundlegend und vergleichsweise wenig konkret. Deshalb ist es nicht so sinnvoll, aus den Grundlagendokumenten, die Verteidigungsminister Boris Pistorius mit der Leitung des Wehrressorts vorgestellt hat, krampfhaft konkrete Details ableiten zu wollen. Eine grobe Übersicht gibt’s natürlich dennoch:
Der Minister, Generalinspekteur Carsten Breuer und Staatssekretär Nils Hilmer äußerten sich am (heutigen) Mittwoch zur Gesamtkonzeption der Militärischen Verteidigung, der neuen Militärstrategie, der neuen Strategie der Reserve und der Aufwuchsplanung für die Bundeswehr. Das war nicht so einfach, weil ein Großteil dieser Planungsdokumente geheim ist und eben nicht öffentlich werden soll.
Was öffentlich werden soll, denn zugleich soll es ja auch Auskunft über den Kurs der Streitkräfte geben, sagte die Ministeriumsleitung in ihrer Pressekonferenz. Zum Nachhören:
Von der Gesamtkonzeption militärische Verteidigung gibt es eben auch eine – recht allgemein gehaltene – öffentliche Fassung.
(Die Sicherungskopie: 20260422_gesamtkonzeption_mil_Verteidigung)
Ein Bundeswehr-Interview mit dem Generalinspekteur dazu:
Die Erläuterungen auf der Webseite des Verteidigungsministeriums (mal dauerhaft archiviert):
Gesamtkonzeption für militärische Verteidigung aus einem Guss
Strategie der „Neuen Reserve“ trägt sicherheitspolitischer Lage Rechnung
… und, der Vollständigkeit halber, die
Entbürokratisierungs- und Modernisierungsagenda für den Geschäftsbereich des Bundesministeriums der Verteidigung
Viel wird davon abhängen, wie sich die in den Grundlagenpapieren angeschobenen Entwicklungen ganz konkret auswirken. Einen Punkt nannte Pistorius ja in seiner Pressekonferenz schon: für einen schnellen personellen Aufwuchs in den nächsten Jahren bis 2029 wolle die Bundeswehr für eine maximale Durchhalte- und Verteidigungsfähigkeit auch eine Überbuchung der Standorte zulassen. Also mehr Personal einstellen als Dienstposten vorhanden sind – um dann wirklich auch alle Posten besetzt zu haben. Ob das funktioniert, wird sich vermutlich recht schnell zeigen.
(Weil es ganz gut passt, an dieser Stelle auch der Hinweis auf die jüngste Folge des Podcasts Sicherheitshalber: Halbzeitbilanz – ist Deutschland bald wehrhaft?)
Habe mir alle Dok. durchgelesen und insbesondere der Teil zur „Entbürokrstisierung“ gefällt mir nicht.
Es sind weniger Absicht und Ziel, als die die tlw. „elaborierte Semantik einer involvierten Consulting und Coaching Industrie.“
Implementierungen bis zu 60 Monaten oder mehr und eine mutmassliche Veranstaltungs- und Abstimmungsorgie, die BMVg wie Truppe zunächst und vor allem um sich selbst drehen lässt.
Diese neue Art von Selbstoptimierung wird unzählige Workshops und Besprechungen nach sich ziehen. Externe „Profis“ werden hinzugezogen werden: es entsteht eine eigene Bürokratie zur Reduzierung derselben. Natürlich muss alles erfasst, konsolidiert, abgestimmt, entschieden und verhaltensändernd kommuniziert werden bevor ein Effekt erzielt sein wird.
Ist ein Ansatz tatsächlich alternativlos gewesen? Wem nützt er?
Der Erfüllungsaufwand (nicht das Ziel!) ist in meinen Augen diametral zum übergeordneten strat. Ziel „Kriegstüchtigkeit“ zu sehen.
Schade.
Papier ist ja bekanntlich geduldig und insb. die viel zu detaillerte Entbürokratisierungs- und Modernisierungsagenda klingt theoretisch vernünftig, alleine an der Umsetzung wird es hapern. Das wird man allerdings geschickt zu verschleiern wissen.
Ohne eine ABSCHAFFUNG der Soldatenarbeitszeitverordnung, ein drastische REDUKTION von Dienstposten der (meist nicht mehr einsatztauglichen!) Stabs- und Flaggoffiziere in der Etappe und endlich einen personellen AUFWUCHS einhergehend mit einer echten (12-monatigen!) Wehrpflicht, bleibt das hier alles „heiße Luft“.
Um es mit Prof. Sönke Neitzel zu sagen: Ohne einen radikalen Neuanfang bei der Aufstellung der Bundeswehr zu „wirkungsorientierten“ Streitkräften, kann das Ziel „Kriegstüchtigkeit“ absehbar (und schon gar nicht bis 2029!) überhaupt erreicht werden.
-„Weißbuch“
-„Konzeption der Bundeswehr (KdB)“
-„Nationale Sicherheitsstrategie“
-„Verteidigungspolitische Richtlinien (VPR)“
-…
Jetzt eine „Gesamtkonzeption militärische Verteidigung (=“Militärstrategie“)“.
Man verliert als an Sicherheits- und Verteidigungspolitik interessierter Bürger ja den Überblick.
Kommt denn auch bald eine neue Kästchenkunde? Wäre aus meiner Sicht informativer als die neuen Hochglanzbroschüren. Aber erst das Theoretische, dann das Konkrete.
EMA26: „153 Maßnahmen mit 580 konkreten Schritten.“ Massnahmen ist ein Euphemismus für grosse Projekte. 580 Schritte/Meilensteine im Jetzt/3/6/12/24+ Monate vorausgeplant. OKeeeeeee. ‚MicDrop‘. Ambitioniert ist hier ein Wort, was ich eher nicht wählen würde. Ich meine der US General in den Ardennen hat hier in WW2 ein anderes Wort gewählt. P.S: Ich bin mal gespannt wie zum Neitzel’schen 20 Jahres-Zyklus passt … erinnert mich sehr an Prof. Kruse „8 Todsünden im Unternehmen“ (Youtube)
Ich finde die Prioritätensetzung bei der Militärstrategie bemerkenswert:
„Militärstrategische Priorität 1: Abschreckung und Verteidigungsfähigkeit im Rahmen Landes- und Bündnisverteidigung sichergestellt
Militärstrategische Priorität 2: Wirkung hybrider Angriffe mitigiert.
Militärstrategische Priorität 3: Stabilität Europas und seiner südlichen Nachbarschaft gestärkt
Militärstrategische Priorität 4: Internationale Seeverbindungs- und Kommunikationslinien geschützt“
Insbesondere Priorität 3 ist für mich überraschend. Wenn man die Aussagen genauer liest, so „riecht“ da einiges nach Flüchtlingsprävention. Es wird beispielsweise explizit die Sahel-Zone erwähnt. Ein militärisches Risiko für Deutschland ist da nicht erkennbar. Dies ist insbesondere deshalb bemerkenswert, weil erst in Priorität 4 die Internationalen Seeverbindungen auftauchen. Man könnte die Prioritätensetzung stark vereinfacht auch so formulieren: Erstens Deutschland, dann Europa, dann das europäische Vorland und dann der Rest der Welt.
Damit kann ich persönlich gut leben. Konsequent angewendet würde dies allerdings auf eine Depriorisierung des indopazifischen Engagements hinauslaufen – was ich ehrlich gesagt so nicht erwartet hätte.
„Verantwortung für Europa“ ist der Titel. „konventionell-strategische Verantwortung in und für Europa“! „nationale und europäische Projektionsfähigkeit“. Der Anspruch ist nichts weniger als bis Ende der 30er Jahre zur führenden (echtes Leadership) konventionellen Militärmacht in Europa zu werden. Also nicht nur stärkste Militärmacht, nicht nur Anlehnungspartner sondern zentrale Kraft der europäischen Sicherheitsarchitektur (Ausnahme nukleare Abschreckung).
Kleine Nebenbemerkung: Die Projektionsfähigkeit passt wunderbar zur Reichweite der A400m und ist zudem ein klares Argument für die geplante substantielle Aufstellung der mittleren Kräfte.
„aus sich heraus einsatzbereit und gemeinsam mit den Verbündeten projektionssfähig werden“. „Fähigkeiten entwickeln und ausbauen, die militärstrategisch wesentlich für die Abschreckung und Verteidigung im Bündnis sind“. Die Bundeswehr macht sich auf den Weg, multidomain fähig Großoperationen in ganz Europa (an)führen zu können. Niemals zuvor hätte eine Regierung der Bundesrepublik Deutschland so einen Anspruch offen formulieren dürfen. Zeitenwende heißt eben nicht nur eine erneute Bedrohung aus dem Osten sondern zudem eine sich reduzierende Unterstützung aus dem Westen. Das führt jetzt sogar dazu, dass viele europäische Staaten sich die militärische und sicherheitspolitische Führungsrolle Deutschlands wünschen. Was für ein Anspruch, was für eine Verantwortung aber auch was für eine Chance! Wenn nicht jetzt wann dann gibt es die Möglichkeit, die Bundeswehr in Quantität und Qualität zunächst kriegstüchtig und dann auch zunehmend schlagkräftiger aufzustellen.
Es bleibt zu hoffen, dass das Motto: „Die Bundeswehr wird wachsen und gleichzeitig moderner; sie vermeidet den Aufbau der Armee von gestern für den Krieg von morgen.“ auch wirklich auf allen Ebenen verinnertlicht wird und die als geheim eingestuften Dokumente Ihrer Wirkung in den Köpfen der Entscheidungsträger hinterlassen.
Mit Blick auf das Papier steht beispielsweise bei der Reserve zusammengefasst im Grunde nur: „Wir haben ganz tolle Sachen vor, wissen aber im Detail noch nicht genau was und machen da erstmal ein Gesetz im Sommer… oder so…“
Ich habe das dumpfe Gefühl, dass hier die drölfzigste Reform im Keim ersticken (bzw. erstickt werden) wird.
Spannend ist was daraus jetzt für die einzelnen TSK abgeleitet wird?!
jeweiliger Umfang und materielle Ausstattung auf Grundlage dieser Planung…
vor allem das Heer wird/muss wohl deutlich wachsen um dem gerecht zu werden…
neue Divisionen, Brigaden, Bataillone…
Schwerpunkt beim Heer wird dann wohl auf Artillerie und Flugabwehr gelegt werden…
wir werden sehen…
Die Entbuerokratisierungs-Agenda ist ein ambitioniertes Vorhaben. Natuerlich sehr allgemein gehalten, auch einige Plattituden….,
Was mir fehlt, oder nur durchschimmert ist eine Vereinfachung und Verschlankung und damit Beschleunigung der Beschaffungsvorgaenge in der Zusammenarbeit zwischen der Truppe und dem wehrtechnischen Bereich.
Jetzt haben wir so einen Zettel. Und nun? Was passiert jetzt?
Zur Militärstrategie. Ich verstehe Folgendes im Verhältnis NATO / DEU nicht. Aufhänger ist dieser Satz:
„Das Fähigkeitsprofil der Bundeswehr … führt die NATO-Fähigkeitsziele mit Nationalen Fähigkeitszielen zusammen, priorisiert diese …“
Meine Fragen:
a) warum müssen da die Nationalen Fähigkeitszielen vor den (doch wohl ebenfalls nationalen) NATO-Fähigkeitszielen priorisiert werden?
b) Das klingt so, als wenn die BW deutlich mehr Fähigkeiten haben soll als in den NATO-Fähigkeitszielen bestimmt und (anteilig) DEU alliiert worden ist
c) Wenn das so richtig vermutet ist, dann gilt: Der 3,5%-Beschluss der NATO war ja, dem Vernehmen nach, von Rutte so kalkuliert, dass er den der NATO zugesagten Fähigkeitszielen entspricht. Wenn nun aber gilt Fähigkeiten BW > national der NATO zugesagte Fähigkeiten der BW, dann braucht die BW (deutlich?) mehr als 3,5%/BIP. Dann hätte diese schmale Bemerkung Haushaltsimplikationen im mehrstelligen Mrd.-Bereich.
Viel gutgemeinte Stabsarbeit, da hat wohl jeder Schreiberling sein Bestes gegeben – viel Text und Lyrik – wenig bis nichts Konkretes weil ja geheim.
Es geht dem Dokument wohl so wie vielen Weißbüchern. Ab in die Regale.
Beim Punkt Reservestrategie komme ich auch ins Stocken. Das Details der anderen Grundlagendokumente wahrscheinlich sensible Informationen enthalten kaufe ich gerne, aber gerade beim Punkt Reserve sollte man doch frühzeitig preisgeben was man dort plant. Dort könnten doch Pläne enthalten sein die wirklich die breite Masse der Bevölkerung etwas angehen. Neben vielen vielen Arbeitgebern spreche ich hier auch von aktiven, ausgeschiedenen oder auch zukünftigen Soldaten. Sollte man hier (wie aus Kreisen der Union gefordert) an das Prinzip der doppelten Freiwilligkeit ran gehen oder die Grundbeorderung entfristen wollen, dann ist das ein Thema für eine gesamtgesellschaftliche Debatte. Ein Gesetzentwurf der ähnliche Friktionen enthält wie das Wehrpflichtgesetz, wäre doch etwas was man jetzt tunlichst vermeiden sollte.
…und bin ich der einzige der die KI generierten Bilder im Dokument zur Entbürokratisierung peinlich findet?
„Einen Punkt nannte Pistorius ja in seiner Pressekonferenz schon: für einen schnellen personellen Aufwuchs in den nächsten Jahren bis 2029 wolle die Bundeswehr für eine maximale Durchhalte- und Verteidigungsfähigkeit auch eine Überbuchung der Standorte zulassen. Also mehr Personal einstellen als Dienstposten vorhanden sind – um dann wirklich auch alle Posten besetzt zu haben. Ob das funktioniert, wird sich vermutlich recht schnell zeigen.“
Das ist doch nichts Neues…
Wird schon seit einiger Zeit praktiziert.
Unter dem Stichwort: 130%-Regel
Bzw. nichts anderes als die schon seit
vielen Jahren praktizierte Einstellung auf sog. „Wolke-Dienstposten“ bzw.
„struktureller Ergänzungsbedarf“.
Immer wird der Betroffene dabei nicht
auf einem konkreten Dienstposten geführt, sondern außerhalb – sog. „DPäK“.
Hat für die Betroffenen nur eine entscheidende „Stolperfalle“…
Spätestens wenn die Ausbildung abgeschlossen ist… muss – nach aktueller Vorgabe – die Versetzung auf einen konkreten Dienstposten erfolgen.
Dies KANN am Standort sein, dem man während der 130-%-Zeit zugeordnet war… und dies war ggf. heimatnah…
Ist aber an diesem Standort kein Dienstposten in der ausgebildeten Verwendung verfügbar… IST der Soldat zu versetzen !! Und dies bundesweit !!
Bsp.:
Ausbildung zum PzGrenFw
Heimatnaher Ausbildungsverband in Augustdorf
Dort aber nach der Ausbildung kein Dienstposten frei
Nächster freier Dienstposten nur frei in Hagenow…
Augustdorf Hagenow ca. 350 km …
Und … zu diesem Zeitpunkt kommt der SaZ nicht mehr ohne Weiteres aus seiner Dienstverpflichtung über z.B. 12 Jahre…
Wer sich darauf einlässt … muss sich darüber im klaren sein !
Ein dürftig dünner Text mit ganzseitigen Bildern auf jeder 2. Seite, ganz wie eine Hochglanz-Image-Broschüre eines DAX-Konzerns.
Da frage ich mich, wer ist die Zielgruppe, die sich davon beeindrucken lässt?
Wer braucht so was wofür?
Beim Personal ist die Entlastung für mich schon absehbar: In wenigen Jahren sind die HuRo‘s (Humanoide Roboter) für jeden Job ausentwickelt und serienreif. Die können dann eine ganze Menge an Aufgaben übernehmen, die heute noch den Menschen erfordern. Mir fällt da sofort der Einsatz in den Feldküchentrupps ein. Damit wäre endlich mal ein durchgängig hochklassiger, von der Tagesform des „Küchenbullen“ unabhängiger Verpflegungsstandard zu erreichen. Sicher gäb es da auch noch andere Einsatzmöglichkeiten. Und das Überalterungsproblem bei den Reservisten wäre auch vom Tisch. Wenn sich ein HuRo im Leasing-Zeitraum bewährt und es – sagen wir mal – bis mindestens zum Obergefreiten gebracht hat, wird er gegen Kostenerstattung an den Hersteller in die Reserve überführt. Das brächte auch wieder „frischen Wind“ in die RK’s. Nur mal so.
[Hm, wenn schon Satire dann auch richtig – die Rezepte werden natürlich von einer KI entwickelt und abgeschmeckt… T.W.]
Kommentar zur „Reichweite“ von Militärtransportern / @Nachhaltig:
„Kleine Nebenbemerkung: Die Projektionsfähigkeit passt wunderbar zur Reichweite der A400m und ist zudem ein klares Argument für die geplante substantielle Aufstellung der mittleren Kräfte.“
Angegeben bei Wikipedia:
3300 km (bei max. Nutzlast, d.h. 37 t)
4535 km (bei 30 t Zuladung)
6390 km (bei 20 t Zuladung)
Das klingt erst mal viel. In der Militärfliegerei gibt es aber gewisse Gefahren denen man evtl. ausweichen muss. D.h. Umwege und ( extrem spritfressend ) High-Low-High Flugmanöver. Ausserdem ist damit zu rechnen am Zielort nicht auftanken zu können, sei es aus Zeitgründen oder schlicht durch Nicht-Verfügbarkeit.
Im Einsatzfall nimmt man häufig die maximale Nutzlast mit und kalkuliert etliche Maximalmanöver bei Hin- und Rückflug. Das bekannteste ist wohl der Sarajewo-Approach.
Dann sieht die Reichweite des A400M von Deutschland als Startort bspw. ins Baltikum in der Tat gut aus.
Von südlichen Ländern wie Spanien aus aber eher nicht…
Trotzdem sehr brauchbare Transportmaschine.
Die Riesenreichweite mit Riesenzuladung von bspw. zwei Kampfpanzern einer amerikanischen C5 Super-Galaxy braucht man nur als „Supermacht“, wäre als NATO-Partner aber auch ganz nett…
EMA := Entbürokratisierungs- und Modernisierungsagenda
Wenn das mal kein bürokratischer Begriff ist…
@Ökonom
Ich verstehe den Schachtelsatz so, dass im ersten Schritt die nationalen und NATO Fähigkeitszielenzusammengeführt werden (man schreibt eine große Excel-Tabelle und löst Doppelungen auf). Im zweiten Schritt nimmt man diese Liste und priorisiert die einzelnen Zeilen.
Das heißt also nicht national vor NATO, sondern beides gemeinsam priorisieren.
Das wäre zumindest meine Interpretation.
Die Geheimhaltung in Bezug zur Reserve ist teilweise lächerlich. Die wesentlichen notwendigen Regeln müssen so breit kommuniziert werden, dass Arbeitgeber, Familien, Versorgungsbehörden und Reservisten Handlungssicherheit haben. Dass Soll/Ist Abgleich, Ausstattung und Gliederung von Reserveverbänden vielleicht nicht ins Internet gestellt werden – ok. Aber alle Fragen der Einberufung, Ausbildung, Personalplanung und -führung von Reservisten lassen sich per se nicht geheimhalten, weil eigentlich nötige gesellschaftliche Allgemeinbildung.. Und ein wesentlicher strategischer Punkt spricht gegen eine zu starke Geheimhaltung in der Reserve: Eine SICHTBAR schlagkräftige Reserve ist ein wesentlicher Faktor der Abschreckung, weil er Durchhaltefähigkeit signalisiert.
@Ökonom
zu den bisher zugesagten Fähigkeiten muss man anmerken, dass eben bis 2022 auch nicht genau geschaut wurde. das KSK und die Fallschirmjägee ubd Gebirgsjägee mögen Brigadestatus haben, sind aber eben keine Mech/Pz Brigade.
Weiterhin gab es ja nicht umsonst Artillerie und Logistik auf Divisions- und Korpsebene. und zwar viel davon. Es gab Logistikbatallione für Korpsbewegungen, die z.B. die Ach so neuen Convoy Support Center mit einer Kompanie gestellt haben…
Oder eigene Logistikbrigaden…
Da hatte man lange nicht so genau hingesehen, weil es eben der Zeitgeist war…
Jetzt ist das Ziel, dass alle „Kästchen“ auf den Bildern eben echt hinterlegt sind und auch materiell&personell tatsächlich vollausgestattet…
Dynamisches Verfügbarkeitsmanagement ist vorbei, man möchte auch wieder Umlaufreserven schaffen. also nicht 100% Material sondern eben mehr…
Man könnte meinen, dass Hanwha Aerospace an dem Dokument mitgeschrieben hat. Das ist als Aussage von mir nicht wörtlich zu nehmen. Die Gründung einer Niederlassung in Berlin. Dann der Hinweis auf die kurzfristige Lieferfähigkeit der L-SAM Flugabwehrrakete in die Fähigkeitslücke zwischen Patriot und Arrow 3. Dann der Hinweis auf drei unterschiedliche Artillerieraketen von 150km bis 3000km Reichtweite…..
„Wirkung und Schutz auf Abstand“ um „den Gegner auf Abstand zu halten“ ist ja eine der Hauptstoßrichtungen des Fähigkeitsaufwuchs. Und wenn man erklärtermaßen zudem schnell aus sich heraus kriegsfähig werden will, müssten wir eigentlich genau diese Fähigkeiten bei Hanwha jetzt mit Beginn der Auslieferung in 2028 einkaufen. Es ist sicher nicht das Ziel, sich da dauerhaft an Hanwha zu binden – als Brückenlösung bis zum Aufbau europäischer Lösungen aus meiner Sicht aber sehr wohl denkbar und sogar geraten.
@Lehrer sagt: 22.04.2026 um 16:17 Uhr
Guter Punkt. Dazu habe ich bis jetzt keine Einordnung gefunden.
Ansonsten finde ich das öffentliche Dokument eher enttäuschend. Viele Allgemeinplätze, alles Konkrete bleibt geheim. Keine Ahnung, wie das Dokument damit Wirkung entfalten soll.
Zudem setzt sich die unschöne Entwicklung der zunehmenden Intransparenz fort. Die Bundeswehr bekommt immer mehr Geld, der Bürger erfährt aber immer weniger, wie erfolgreich es eingesetzt wurde und wofür es in Zukunft eingesetzt werden soll.
Berichte zur materiellen Einsatzbereitschaft und Rüstungsbericht sind bereits abgeschafft. Und jetzt werden zentrale Dokumente gar nicht erst veröffentlicht.
Die interessierte Öffentlichkeit nimmt man damit IMHO nicht mit – von der Ermöglichung demokratischer Kontrolle ganz zu schweigen.
(Wenn man nach Norwegen oder in die Niederlande schaut, kann man feststellen, dass in deren Planungsdokumenten durchaus inhaltliche Ziele und konkrete Fähigkeiten genannt werden. Man muss das nicht alles GEHEIM einstufen.)
BTW: Kann es sein, dass die „Strategie der „Neuen Reserve““ nicht auf der aktuellen BMVg-Seite zum Thema verlinkt ist?
Fyi:
Gutes Interview zur Ostsee.
https://balticsentinel.eu/8357358/german-maritime-expert-russia-would-fight-in-the-baltic-sea-like-ukraine-does-in-the-black-sea
Nebenbei, Formosa ist eigentlich eh‘ total egal, wen die Chipfabriken von Tsmc erstmal in den USA und Deutschland etabliert sind
(Ich verliere besser mal kein Wort über Herrn Fulda.)
Aber die Masche, Seewege zu blockieren, ist das Mittel der Schwächeren nicht der Stärkeren. Taiwan würde im Zweifel die Taiwanstraße zumachen. Nicht China.
https://asia.nikkei.com/opinion/taiwan-can-learn-from-iran-s-horizontal-escalation-of-the-war-with-the-us
Und superwichtig, was erstmal bei allen Taurusfans erstmal einsickern muss:
And we’re used to this kind of conflicts, where we actually don’t lose any hardware besides some Humvees. Or we lose a couple of soldiers, yes, it’s tragic, but we don’t lose any high-value assets. There’s no threat. We can set up a base almost everywhere and there’s no immediate threat to the base. That’s something which will not be the case when we will actually have a major conflict.
Then we will lose assets. We will lose expensive assets. We will lose aircraft, ships, tanks. Significantly, probably. And that’s something we have to be prepared for. Not only when it comes to maintenance capacities, but also psychologically.
Das ist kein Scheiß-Fußballspiel, wo man mal ein bisschen jubelt und wen es nicht klappt, ist es auch nicht schlimm. Diese Entscheidungen haben unwiderrufliche Konsequenzen. Man ist verwundbar, egal wieviel man ausgibt. Man wird wird verwundbar bleiben bei ernsten Gegnern. Ich wünshte mir ein wenig mehr Ernsthaftigkeit in der allgemeinen Diskussion und weniger Rambo-Fantasien.
[Wenn Sie meinen, einen Kommentar auf zwei Teile aufteilen zu müssen, dann aber auch konsequent – d.h. das Zitat oben kennzeichen und Quelle angeben. Ein bisschen mehr Ernshaftigkeit halt. T.W.]
Niemand, nicht mal die USA, fliegt Kampfpanzer per Transportflugzeug ein. Wenn man so dringend Kampfpanzer an einem Ort braucht, an dem eine Logistikkette nur per Luftfracht machbar ist hat man eigentlich eh schon verloren. Es ist nice to have aber sehr theoretisch.
Mal ehrlich: Manche Vorgänge laufen in der Verteidigungsbürokratie heute noch im Wesentlichen so wie 1980 und 1990. Formulare bei der Einschleusung, Formulare bei der Ausschleusung. Wenn der Perser nicht schon vorsorgt und die Ausschleusung quasi mit bei der Einschleusung schonmal vorbereitet… Reisekosten sind auch ein stetiger Quell der Freude. Kennen wir alle noch, oder? Das gemeinsame Ausfüllen am Ende des Lehrgangs?
Ein Bekannter wurde neulich auch lustig von BAPers nach einer Wehrübung, die krankheitsbedingt gar nicht angetreten wurde, irgendwie zwar trotzdem ein- aber nicht wieder ausgesteuert und erhielt zwei Monate lang Wehrsold. Ba-dum-Tss!
Thema Ausrüstung: Man bekommt jedes Mal bei Aushändigung oder Tausch entsprechende Nachweise ausgehändigt, aber irgendwie kriegt keiner zentral auf den Schirm, was man eigentlich an Gerödel hat und woher man es bekam?
Inzwischen gibt es ja für einige S1-Angelegenheiten auch schon eine App. Bravissimi! Nach wie vielen Jahren, in denen quasi jeder Soldat mit Smartphone durch Kasernen läuft?
Klar, im Fall der Fälle heißt es wieder: „Bleistift und Meldeblock“, aber wenigstens, wenn die K…e gerade nicht in Richtung Ventilator fliegt, muss man es ja allen Beteiligten nicht schwerer machen, als es unbedingt sein muss.
Selbst wenn nur diese Sachen künftig mal effektiv angegangen werden können, wird sich schon viel Friktion, die bei den Willigen zu Frust führt, in Luft auflösen.
Wenn die Deadline immer näher rückt und derselbe Troß Ja-Sager Im Ministerium keine Ideen mehr hat wird mittels KI das ganze mit Füllwörtern und Konjunktiven aufgebläht. Das Konzept der Reserve ist erbärmlich und wird auch konsequent in der Truppe gelebt, nämlich gar nicht. Und wieder ist sinnlos Zeit verstrichen, der Kreml lässt die Korken knallen.
@Metallkopf sagt: 23.04.2026 um 8:16 Uhr
„Ein Bekannter wurde neulich auch lustig von BAPers nach einer Wehrübung, die krankheitsbedingt gar nicht angetreten wurde, irgendwie zwar trotzdem ein- aber nicht wieder ausgesteuert und erhielt zwei Monate lang Wehrsold. Ba-dum-Tss!“
Wenn Ihr Bekannter nicht beim BAPers geübt hat, dann hat der Truppenteil versagt, bei dem Ihr Bekannter geübt hat/haben sollte. Dieser muss Beginn und Ende der RDL in SASPF einpflegen, er hat auch für die Aufhebung der Einberufung zu sorgen, wenn die RDL aus Gründen nicht angetreten wird.
Nicht für alles ist das BAPers verantwortlich. Oftmals hat man in den S1-Abteilungen Fehlercode 50. Das Problem sitzt 50 cm vor dem Bildschirm.
„Thema Ausrüstung: Man bekommt jedes Mal bei Aushändigung oder Tausch entsprechende Nachweise ausgehändigt, aber irgendwie kriegt keiner zentral auf den Schirm, was man eigentlich an Gerödel hat und woher man es bekam?“
Aber sicher weiß man das. Mit Ihrer Personalnummer, oder hilfsweise PK, kann jeder Mitarbeiter der BwBekleidungsmanagement GmbH in den Servicepunkten Ihre „elektronische Bekleidungsstammkarte“ abfragen. Es wird alles erfasst, was Sie jemals empfangen haben, funktioniert wie an der Supermarktkasse per Strichcode.
„Formulare bei der Einschleusung, Formulare bei der Ausschleusung.“
Ja, es werden die Unterschriften benötigt, ganz simples Verwaltungsrecht. Wenn Sie keinen Bw-IT-Zugang haben, können Sie die eben nicht mit dem Truppenausweis elektronisch freizeichnen, das wäre die Alternative. Die BwVerwaltung ist da auch nicht wild drauf, angeblich wird an Lösungen gearbeitet.
Es geht schon eine ganze Menge digital in der Bundeswehr. Es wird nur nicht konsequent genutzt und angewendet. Über die IT zu meckern ist viel bequemer.
Nach Reform, Transformation, Trendwende und Neuausrichtung hat man dieses Mal wohl das Marketingschlagwort vergessen? Oder habe ich es nur übersehen? Was ist der Oberbegriff, um das alles griffig nach innen und außen zu verkaufen?
@Pio-Fritz
„Über die IT zu meckern ist viel bequemer.“
Als ITler würde ich einwerfen, das stimmt, aber gute IT bedeutet auch, dass es den nicht IT Menschen leicht gemacht wird, mit den Systemen zu arbeiten so dass keine Leichtsinnsfehler passieren können und ich kenne zwar nicht die BW Systeme, aber ich kenne ganz gut Informatiker aller Art und da muss ich leider schon sagen, dass es einen Hang zu komplizierten Lösungen gibt und dann Naserümpfen über die Idiotischen Anwender, die es nicht richtig bedienen können.
Ich vermute jedenfalls stark, dass hier viel Potential ist und auch ganz ohne KI hier viel Zeitaufwand eingespaart werden könnte, wenn man es denn ernst meint mit Zeitenwende und bereit ist, neue Wege zu gehen. (Unsere Europäischen Nachbarn scheinen da teils weiter zu sein. Ich hoffe stark, dass der Anspruch größte Militärmacht Europas werden zu wollen, nicht Stolzblockaden verfestigt, etwa auch vom kleinen Estland lernen zu können. Digitalisierung der Verwaltung ist ja aber ein weites Feld).
Ist er nicht, heißt übersetzt und im Immobilienbereich schon länger „Einbruchmeldeanlage“… :-)
Der Verband deutscher Büchsenmacher äußert sich kritisch zur „neuen Strategie der Reserve“.
Ob der Link zulässig ist, weiß ich nicht.
https://www.vdb-waffen.de/de/service/nachrichten/aktuelle/23042026_neue_reserve_das_ziel_ist_klar_der_weg_jedoch_nicht.html
Aus dem Text:
.
Klug erkannt, das „neue Formulierungen“.
Alljährlich schickt die FüAkBw eine neue Generation ehrgeiziger junger Maj i.G. an die Fronten der Ämter und ins BMVg – hier gehen die Spitzen zu Werke.
Mangels „Hurra“ unterstellter Einheiten im vordersten Kampfgraben belohnt erfolgreiche Bedienung der Tastatur mit Avancement.
In der Folge wird alt Bekanntes neu verpackt, denn erkenntnistheoretisch ändert sich umständehalber nichts, die Lagefeststellung bleibt stets unverändert: So geht’s nicht weiter!
Die Ziffer 3a wird also nur umformuliert. Na immerhin.
VDB: „Gleichzeitig wollen wir betonen, dass die Debatte nicht an der Oberfläche stehen bleiben darf.“
Amen.
[Haha, man muss ja nicht auf jeden Lobbysprech reinfallen. Was dahinter steckt, wird in der Überschrift des Positionspapiers klar: „Der beorderten Reserve ein
Grundkontingent ziviler Waffen für den privaten Übungsgebrauch zugestehen“ – das kann man als Büchsenmacherverband natürlich fordern, aber hier muss das jetzt nicht propagiert werden. T.W.]
@T.W.
Logisch hat der VDB Lobbyinteressen.
An der Bewertung, aka Lagefeststellung, erkenne ich dennoch keinen Fehler.
Der lebensgefährliche Ruf des Boten, der lediglich schlechte Nachrichten überbringt, ist hier unangebracht.
@JCR: Ihr Kommentar trifft eine ganz interessante Frage. Es wird lauthals rumposaunt, dass man u.a. im Bereich der strategischen Lufttransportfähigkeit ganz viel Aufwuchs benötige um die Abhängigkeit von den USA, sprich C-17 und C-5, zu reduzieren. Und dann wird schnell sehr viel Geld für eine Eigenentwicklung gefordert.
Ich sehe fundamental keine Notwendigkeit dafür. Mit um die 150 A400M plus weitere C-130 plus einige AN-124 plus einigen KC-390 haben wir eine ziemlich solide Transporterflotte für rollende Ladung im Zugriff in Europa. Plus diverse große Luftfrachtcarrier in Europa, die über massive Transportkapazitäten mindestens für containerisierte Ladung verfügen (Lufthansa Cargo, Aerologic, KLM Cargo, EAF, Swiftair, Cargolux etc) und eben auch in Europa beheimatet und registriert sind.
Der Kernauftrag ist Bündnisverteidigung an der Ostflanke. Was dort benötigt wird, kann auch zügig auf der Bahn rollen oder – wenn es ganz schnell gehen muss – eben auch auf den Tieflader und 24/7 durchfahren. Das klingt eher wie ein „will auch haben“, ohne dass sich der strategische Ansatz tatsächlich erschließt. Lieber sollte die A400M in ihrer Leistungsfähigkeit aufgepumpt werden und zusätzliche Missionsmodule erhalten, da haben wir in Europa mehr von. Plus ein weiterer Aufwuchs der Flotte, gerne analog zur MRTT-Flotte als multinationale Einheit. Primär müssen aber die terrestrischen Transportwege modernisiert und verstärkt werden, diese haben die Hauptlast zu tragen.
Denn: auch hier zeigt uns der Ukrainekrieg einiges: Kampfzonentransport wie die AN-26 oder IL-76 waren zu Beginn frontnah im Einsatz. Inzwischen scheinen die nur noch in der Nachschubrolle weit weg von der Front zu agieren. Zu groß ist das Risiko, dass diese durh SAM oder Drohnen runtergeholt werden. Diese Lektion gilt genauso für die NATO.
@Klaus-Peter Kaikowsky (KPK) und @TW: Fakt ist, dass seit zwei Jahrzehnten der Dienstherr den allermeisten Reservisten nicht die Trainingsmöglichkeiten zur Verfügung stellt, die eigentlich zum Erhalt der vom Dienstherren selbst geforderten jährlichen Schießleistungen zwingend erforderlich wären…Besonders betrifft dies Feldwebel/Offiziere, die in Stäben Btl aufwärts beordert sind und nicht in Kampf-/Sicherungseinheiten eingebunden sind…. aber auch viele Reservisten in Einheiten sind „unterversorgt“. Bleiben drei Optionen: A) Dramatischer Ausbau der dienstlichen Schießangebote B) Ausbau ziviler dezentraler Trainingsmöglichkeiten i.S. VDB C) Hinnehmen, dass Anspruch, Forderung und Wirklichkeit einfach nicht zueinander passen.
@Vodoo: Die Bedeutung der Abkürzung EMA ist mir auch gleich aufgefallen. Das hätte eigentlich jedem ausgebildeten S2 Offizier im BMVg sofort auffallen müssen :-)))
Was ist nun wirklich neu?
Auch nach Durchsicht der Kommentare.
Das Zieldatum 2039 – aber weiterhin unklar was bis dahin wirklich anders sein soll. Abseits von Schlagworten.
Bis 2029 noch viel verändern ist materiell unwahrscheinlich.
Fast Begeisterung im Pentagon.
Under Secretary of War Elbridge Colby
@USWPColby
Berlin’s new Military Strategy shows a clear path forward and we look forward to collaborating closely with the FRG to implement this.
Germany is now taking the leading role in this. After years of disarmament, Berlin is stepping up. The DOW is already working closely with European allies, especially Germany, to accelerate this transition to NATO 3.0.
Germany is taking on a historically unprecedented amount of responsibility for Europe, and will continue to build on this basis. NATO must become more European to remain transatlantic
Und so geht das weiter, insgesamt 10 Einträge.
Im weiteren Verlauf und den Drukos wird die Erwartung für mehr deutsche Verantwortungsübernahme im Euro-Atlantischen Raum deutlich, da die USA im Indo-Pazifik gebunden sein werden.
Der in den Berliner Papieren betonte „one-theater approach“, also NATO, Nah/Mittelost und Indo-Pazifik als einheitlicher 🇩🇪 Einsatzraum kommt der U.S. Erwartung sicherlich entgegen.
Wobei anzumerken ist, es muss zwischen Verantwortungsbereich und Interessenbereich differenzierter sicherheitspolitischer Aufgabenwahrnehmung und militärischer Präsenz unterschieden werden: NATO-Europa und Nordatlantik zuerst, übrige Regionen abgestuft folgend.
Dass Kanzleramt, Außenamt und BMVg einen Erfolg für das Verhältnis Berlin-Washington verbuchen können, wird überdeutlich.
@Memoria: Man könnte noch für 2029 weiteres Material bekommen, wenn man z.B. bei Hanwha kaufen würde. Auch bei bestimmten Drohnentypen bzw. deren Startplattformen liesse sich auch noch was machen. Ansonsten stimme ich Ihnen aber zu, dass bei den Hauptwaffensystem vertragstechnisch dort nichts mehr für weiteren Zulauf bis 2029 zu erreichen ist.
Deutschland soll also die konventionell stärkste Armee Europas bekommen (RU? Europa? Geographische Präzision?) Die Amis freuen sich. Klar, würde ich an ihrer Stelle auch: Wir kaufen deren Waffen ohne Ende und gewinnen – eine Rolle aus hervorgehobener Vasall ohne Souveränität, Handlungsfähigkeit, da ohne gesicherte Zweitschlagfähigkeit und Abschreckung. Und sowieso soll diese tolle BW dann irgendwie perspektivisch „europäisch“ eingeordnet werden (das „Erfolgsmodell“ Euro lässt grüßen).
Strategisch ist das alles so komplett unsinnig, man kann es nicht fassen. Hunderte Mrd. für nix. Damit ein paar sitting ducks mehr über Land und Wasser und durch die Luft fahren, die im Ernstfall überhaupt keine Rolle spielen werden, weil es keinen großen konventionellen Krieg mit RU geben wird. Keine Autonomie für D, weder politisch, noch technologisch, noch militärisch. Die nächste gnadenlose Ruinierung des Landes für wen auch immer.
@Nachhaltig
Man könnte sich aber auch verstärkt an die Vollausstattung der Reserve/ HSchDiv machen, das sind oft eher unkritische Ausrüstungsgegenstände (z.B. Fahrzeuge, pers Ausstattung).
@BS: Waffen ohne Ende werden wir in dann in den USA eben nicht mehr kaufen. Der Anteil wird schon geringer. Bei einer Reihe von Entwicklungen, z.B. den weitreichenden Waffen der Flugabwehr und der Deep Strike Fähigkeit werden wir uns komplett unabhängig machen. In den kommenden 10 Jahren werden wir allerdings in der Tat recht viele Lieferungen aus den USA erhalten.
@Pio-Fritz: Hinsichtlich BAPersBw haben Sie recht. Die können natürlich nur umsetzen, was von unten gemeldet wurde. In diesem Fall war das aber wohl gleich in dreifacher Hinsicht falsch. Einmal den (nicht erfolgten) Beginn der WÜ. Dann die offenbar nicht gemeldete Dauer der WÜ (2 Tage) und drittens die nicht mitgeteilte Beendigung der schon gar nicht angetretenen WÜ.
Ich hätte ja Verständnis, wenn dann für 2 Tage irrtümlich bezahlt würde, aber für zwei Monate? Fällt das keinem mehr auf?
Hinsichtlich Fehler 50, auch bekannt im englischsprachigen Raum als PEBCAK (problem exists between chair and keyboard) gehe ich auch konform. Aber für so etwas gibt es eigentlich Kontrollmechanismen.
Mit „MeineReserve“ gibt’s ja jetzt immerhin auch eine App, mittels derer man die vor jeder Übung neu erforderlichen Einverständniserklärungen (nebst Anlage) inzwischen augenscheinlich digital abgeben konnte. Auch das war immer ein Quell nicht enden wollender Freude. Denn gibt man die zu früh ab, könnte es ja sein, dass sich zwischenzeitlich die Version des Formulars ändert und es ist anscheinend auch im dritten Jahrtausend der modernen Zeitrechnung von überragender Wichtigkeit, dass man die aktuelle Version eines seit Jahrzehnten im Wesentlichen kaum veränderten Schriftstücks benutzt.
Dass gewisse Formalitäten erfüllt und gewisse Geßlerhüte gegrüßt sein wollen, weiß ich. Ich arbeite selbst im richtigen Beruf in einer Verwaltung. Indes: Man kann sich in Zeiten knapper Kassen halt auch überlegen, ob man sich primär selbst verwaltet, oder ob man Wege findet, mehr PS auf die Straße zu kriegen, als dafür draufgehen, Bürokratie zu navigieren. Stichpunkt: „Wirkung vor Deckung“.
Clausewitz wäre verwundert, was so alles an Friktionen noch im Frieden produziert werden kann…
@Metallkopf sagt: 27.04.2026 um 7:57 Uhr
„Fällt das keinem mehr auf?“
Diejenigen, denen es hätte auffallen müssen, ist es offensichtlich ja nicht aufgefallen. Und mit dem falschgemeldeten RDL-Beginn beginnt die Vergütung zu laufen. Und bei der Abrechnung wird auf die Daten zurückgegriffen, die hinterlegt sind.
Mich wundert das passierte nicht, schließlich gibt es ein „Heer“ an Langzeit-RDL´ern, die ihren Lebensunterhalt damit bestreiten. Da sind zwei Monate nix.
Wie wollen Sie das verhindern, wenn die Maxime Entbürokratisierung und Verschlankung der Strukturen ist? Da ist dann für doppelte/dreifache/vierfache Kontrollen kein Platz mehr, die sonst an der Tagesordnung sind/waren.
Da hilft nur, mit dem sog. „eisernen Besen“ durchkehren, Luschen und Non-Performer von ihren Dienstposten ablösen und anderweitig beschäftigen, wenn man sie nicht freisetzen kann. Das gilt auch und insbesondere für die Wehrverwaltung. Aber dafür braucht man unabdingbar den Willen zur Veränderung. Den sehe ich im Bereich der Verwaltung nicht.
Ich bleibe dabei, die „Gesamtkonzeption militärische Verteidigung“ ist ein schlechter Witz! Für dessen Erstellung hat man mehr als 4 Monate gebraucht und den Termin Ostern nicht einhalten können, obwohl der russische Angriffskrieg seit mehr als 4 Jahren tobt und die neue Nato Verteidigungsplanung dem Ministerium seit mindestens einem Jahr bekannt ist. Diesen unkonkreten Flyer voller Worthülsen schreibt man an einem Tag!
Ich will hier Herrn Wiegold entschieden widersprechen! Strategische Grundlagendokumente müssen nicht unkonkret sein! Wenn die Bundeswehr historisch fit wäre, dann hätte die Bundeswehr nur die Himmeroder Denkschrift nehmen und etwas umschreiben müssen, um einen Vernünftige Verteidigungskonzeption mit konkreten Zahlen vorlegen zu können.
Schon das Bedrohungsumfeld ist völlig falsch beschrieben. Es wird nur Russland als möglicher Feind genannt, aber damit fehlen viele mögliche konkrete Feinde wie Jemen, Iran und vor allem China. Durch die russische Pazifikflotte fühle ich mich Null bedroht(mag Japan anders sehen), aber durch die ständigen Provokationen der Chinesischen Flotte im südchinesischen Meer gegen diverse Nachbarstaaten fühle ich mich bedroht, weil dies ständig Kriege auslösen kann, die unseren Handel bedrohen. Die BW ignoriert die große Bedrohung durch China und damit auch das Risiko, daß China und Russland parallel angreifen könnten! Oder China auch nur einen russischen Angriff auf das Baltikum durch einen Exportstopp von Seltenen Erden decken könnte. Oder Russland Narva angreift, um eine chinesische Invasion gegen Taiwan zu decken.
Wenn ich Russland abschrecken will, dann müssen konkrete Zahlen genannt werden und dürfen nicht in einer Demokratie nicht verantwortungslos dem Volk verschwiegen werden! Zudem ignoriert die neue Militärstrategie den Ausfall der USA, die unter Trump nicht mehr zur Nato steht und seine Truppen aus Deutschland abziehen bzw. reduzieren will. Die einzige mögliche Antwort auf den Abzug der USA bzw. die Nichterfüllung von Art. 5 Nato-Vertrag ist die Einführung der Wehrpflicht und eine aktive Truppe von mehr als 300.000 Soldaten, um die 35.000 US Soldaten in BRD zu ersetzen.
Wir sollen der Nato 5 – 7 zusätzliche Brigaden versprochen haben. Das Heer fordert 151.000 Soldaten(statt bisher 63.000 Soldaten). Das Heer soll also nach deren Vorstellung mehr als verdoppelt werden. Da die neue Militärstrategie bei 260.000 aktiven Soldaten stehen bleiben will in Zukunft, ist klar, daß bei einem Aufwuchs von 180.000 auf 260.000 Soldaten, was nur ca. 80.000 Soldaten mehr sind, das Heer nicht um 88.000 Soldaten wachsen kann, weil ja auch Marine, Luftwaffe und Unterstützungskräfte wachsen müssen.
Da sollte eine neue Militärstrategie schon wenigstens sagen können, wie viele neue Felddivisionen denn aufgestellt werden sollen? Die Himmeroder Denkschrift hat auf jeden Fall genau die 12 Divisionen gefordert, die die alte BW dann auch aufgestellt und unterhalten hat bis zur dt. Einheit. Auch die Zahl der U-Boote in der Denkschrift mit 24 hat die alte Bundesmarine exakt aufgestellt.
Ich vermute eher, daß gar keine neue Militärkonzeption bis jetzt existiert, weil sich die Teilstreitkräfte nicht auf die Verteilung der zusätzlichen ca. 80.000 geplanten Soldaten einigen können. Zudem fürchte ich, daß die BW die zusätzlichen Truppen wieder vor allem in Stäbe und Kommandos steckt, und nur wenig zusätzliche Bataillone tatsächlich aufgestellt werden. Wir sehen die Probleme der BW bei der Aufstellung der Litauen Brigade, die zum Großteil zusammengeklaut wird aus Bataillonen anderen Brigaden. Jetzt sind aber keine Bataillone mehr vorhanden, die man wo anders klauen könnte, so daß man jetzt jede Brigade oder Division tatsächlich neu aufstellen müsste.
Bei echten Zahlen hätten wir schnell eine neue Wehrpflichtdiskussion, dies dürfe ein wichtiger Grund sein, daß keine Zahlen genannt werden. Aber Abschreckung von Russland geht nicht, ohne konkrete Truppenstärke und Angaben zu zusätzlichen Divisionen oder Panzerzahlen.
‚ist zwar etwas OT, aber hierauf muß sich die Bw auch einstellen:
„Estonian government approves NATO allies‘ role in ‚little green men‘ threats“
https://news.err.ee/1610011810/estonian-government-approves-nato-allies-role-in-little-green-men-threats
Ich nehme an, daß LTU etwas ähnliches plant oder bereits umgesetzt hat und hoffentlich unsere ROE entsprechend angepaßt werden. Zumindest ist die PzBrig 45 nicht in die LTU SK integriert, wie belastbar die Planungen für den Fall des Falles dann sind wird man hoffentlich nie testen müssen.
Übrigens arbeitet die EU nun auch an den Prozessen zur Umsetzung des Art. 42,7 EUV berichtet WELT Online (leider Zahlschranke):
„Begrenztes Zeitfenster“ – Jetzt probt Europa den Ernstfall
„Wird ein EU-Land militärisch angegriffen, müssen die anderen Mitglieder „alle in ihrer Macht stehende Hilfe“ leisten. Aber wie das genau ablaufen soll, ist bisher völlig unklar. Nun ist ein erster Testlauf geplant – einige Details sind bereits durchgesickert.“
https://www.intellinews.com/euro-nato-plans-and-article-42-7-438206/
https://www.aljazeera.com/news/2026/4/30/can-the-eus-article-42-7-offer-europe-nato-like-collective-defence
@Closius: Mit vergleichendem Blick auf die Militärgeschichte drängt sich der Eindruck auf, dass die Führung der Bundeswehr den Überblick zwischen Geheimhaltung und Öffentlichkeit und den Erfordernissen der militärischen Führungsebenen ziemlich verloren ist. Die Aufstellung von ganzen Brigaden und Bataillonen kann ich nicht geheim halten. Sogar im Königreich Preußen war im Konflikt über die Heeresreform 1859 – 1862 die Anzahl der neu aufzustellenden Regimenter exakt aufgeschlüsselt im Parlament in der Debatte. Glaubt denn die Bw-Führung, dass sich die Existenz von Brigaden, Regimentern, Bataillonen und Kompanien geheim halten ließe? Ich kann mich nur der Theorie anschließen, dass man intern zerstritten ist und zusätzlich keine Argumente für die Wehrpflicht liefern möchte…
Wie Deutschlands Streitkräfte künftig aufgestellt sein sollen, bleibt für die Öffentlichkeit weitgehend unklar, intensive Detailbeschäftigung wird dem einzelnen abverlangt. Da die Aussagen zur Militärstrategie samt Planung dazu vielfach als geheim eingestuft sind, bleiben eben auch Fragen offen. Zum Hintergrund sei Dr. Peter Taubner auf YT gemeinsam mit Prof Carlo Masala im „Defense Talk“ empfohlen.
Erfreulicherweise hat „Loyal“ jetzt Erklärendes samt Kästchenkunde für das Heer im Angebot:
Die neue Gliederung des Feldheeres einschließlich Heimatschutz-Korps (!) und dann insgesamt fünf Divisionen. Alle Brigaden, einschließlich des Heimatschutzes, künftig mit einem Drohnen-Aufklärungsbataillon, die Feld-Divisionen mit eigenem Flugabwehrregiment, die Brigaden mit Flugabwehrkompanie. – Nur noch Machen -.
https://www.reservistenverband.de/magazin-loyal/zielvorstellung-heer-2035/
Bei Auswertung der Chart zuvor besser die Legende in Augenschein nehmen.