Sicherheitshalber der Podcast #105 – Regime Change: Hat das je funktioniert? | Greift China jetzt bald Taiwan an?
Sicherheitshalber ist der Podcast zur sicherheitspolitischen Lage in Deutschland, Europa und der Welt. In Folge 105 diskutieren Ulrike Franke, Frank Sauer, Carlo Masala und ich über Regime Change. Der Anlass ist der Krieg gegen den Iran, die Thematik aber eine größere: hat der Versuch, politische Regime (gewaltsam) zu ändern, je wirklich funktioniert? Und ist das legitim?
Im zweiten Teil sprechen wir mit dem Politikwissenschaftler Andreas Fulda über China. Andreas beschreibt, was passiert, wenn China Taiwan angreift. Und wie China die aktuelle Weltlage beurteilt.
Abschließend dann wie immer der Sicherheitshinweis, der kurze Fingerzeig auf aktuelle, sicherheitspolitisch einschlägige Themen und Entwicklungen – diesmal mit dem Abzug der NATO-Trainingsmission aus dem Irak, der neuen amerikanischen LUCAS Drohne, dem Angriff auf RUBIKON und neuen Fregatten für die deutsche Marine.
Regime Change: 00:01:37
China mit Andreas Fulda: 00:58:35
Fazit: 01:42:40
Sicherheitshinweise: 01:44:02
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Finom
Thema 1: Regime Change
Yun Sun, How Does the Iran War Affect China’s Energy Security?, War on the Rocks, 19.03.2026
Jörg Lau, Ein entschiedenes Nein, Mister President, ZEIT, 16.03.2026
David Edelstein, Occupational Hazards: Success and Failure in Military Occupation (Cornell Studies in Security Affairs), Ithaca 2011
Thema 2: China
Unser Gast: Andreas Fulda, Associate Professor, Universität Nottingham
https://www.nottingham.ac.uk/politics/people/andreas.fulda
Interview im Spiegel , 12.3.2026
Wenn China angreift, C.H. Beck
Badiucao, Melissa Chan: You Must Take Part in Revolution: A Graphic Novel, 2025
Sicherheitshinweise:
Carlo: NATO Trainingsmission raus aus dem Irak
Rike: LUCAS Drohnen
Frank: Ukraine trifft Rubikon-Posten
Thomas: Neue Fregatten für die Marine
BlueSky:
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Carlo: @carlomasala1.bsky.social
Thomas: @wiegold.de
Begriff im Deutschen für Regieme Change: Begründen einer Satrapie (mit augenscheinlicher Selbstverwaltung)
Satrapie:
Eine Satrapie ist die Provinzverwaltung und das Herrschaftsgebiet eines Satrapen, des Statthalters im alten persischen Reich (Achämenidenreich). Als Teil der Verwaltungsstruktur unter Darius I. fungierte der Satrap als Gouverneur und Militärbefehlshaber, der oft weitreichende Befugnisse hatte, insbesondere in entlegenen Gebieten.
… fällt schon auf, dass der Regime Change 2014 in der Ukraine nicht als Beispiel aufgenommen wurde.
Effekt einer militaristischen Brille?
Auch fehlte der Regime Change in Libyen – der hätte bei militaristischer Brille aufgegriffen werden müssen.
Zur interessanten Anmerkung von Thomas Wiegold
zum „seltsamen“ Grenzverlauf der deutschen Grenze in den alten Direcke Schulatlanten. ( Und auch ganz allgemein zu Karten und politischen Grenzen ):
Das gab bei uns im Erdkunde-Leistungskurs ( 1980er im kalten Krieg ) Anlass zu Diskussionen. Gestrichelt und/oder gepunktet speziell in Polen entsprach nicht wirklich der jahrzehntelangen Realität seit dem zweiten Weltkrieg. Fanden wir trotz Erklärung seltsam… Geändert wurde das erst ab 1990 nach der Wende.
Und das kann ich noch toppen:
Bei mir zuhause hängt eine sehr grosse Welt-Schulwandkarte von 1952 oder 1953 ( mit der Angabe der Erdbevölkerung von 2,618 Milliarden ).
Die Karte ist also nach dem Ende von WW II und auch nach der Währungsunion 1949, aber noch vor der Aufstellung der Bundeswehr 1955 gedruckt worden.
Darauf aber Grenzen wie im 3. Reich mit Königsberg, Böhmen & Mähren etc.
Völlig durchgeknallt.
Ich lasse neue Besucher immer schätzen von wann die Karte denn sein könnte…. ;-)))
Die heutige Schulatlas-Situation in Europa hat sich immerhin entspannt So fette Klopper wie früher gibt es nicht mehr.
Naja, solche Sachen wie Zypern / Westbalkan dann doch noch…
Es kommt aber auch immer darauf an wo eine Karte erscheint und wer wie stark die Finger drauf hat. Beispielsweise “ Golf von Amerika „, auch in Google Maps. Und Grenzen u.a. der Krim sind in russischen Karten mit Sicherheit ganz speziell eingezeichnet.
Im Allgemeinen ist die Argumentation heute das „umstrittene“ Grenzverläufe gestrichelt eingezeichnet werden. Langjährige Beispiele sind Grenzregionen von China/Indien/Pakistan.
Beim angesprochenen Thema Taiwan allerdings sind sich zumindest westliche Karten einig: Die Hauptstadt Taipeh ist unterstrichen, d.h. es handelt sich um die Hauptstadt eines eigenständigen Landes. Wobei: Früher waren zuweilen um Taiwan ( im Meer ) keine Grenzlinien, weder durchgezogen noch teilweise, zu sehen…
Auf alten DDR-Karten wiederum war die Westgrenze um mehrere Kilometer nach Osten verlegt, Insider wissen warum…
( Man verzeihe mir als Landkartenfan den längeren Exkurs :-)
Erwähnenswert die Erläuterungen von Carlo Masala und Frank Sauer zu den völkerrechtlichen Voraussetzungen für rule to protect.
Solltrn sich alle Mitkommentatoren, mich eingeschlossen, hinter die Ohren schreiben und beachten.
Für jeden Deutschen gibt es ein klare gesetzliche Grenze des Handels.
Solange diese vom Gesetzgeber nicht aufgehoben bzw. geändert wird, erübrigt sich jede Fragestellung ob Deutschland selbst davon abweichende Kriegshandlungen durchführt, bzw. sich an solchen, wie aktuell Iran, beteiligt.
„Völkerstrafgesetzbuch (VStGB)
§ 13 Verbrechen der Aggression
(1) Wer einen Angriffskrieg führt oder eine sonstige Angriffshandlung begeht, die ihrer Art, ihrer Schwere und ihrem Umfang nach eine offenkundige Verletzung der Charta der Vereinten Nationen darstellt, wird mit lebenslanger Freiheitsstrafe bestraft….“
https://www.gesetze-im-internet.de/vstgb/__13.html
Der Maßstab ist somit ausschließlich die Charta der VN und nicht z.B. das Handeln und Lügen eines Despoten im Weißen Haus, bzw. im israelischen Kabinett.
„Artikel 51 Charta der VN
Diese Charta beeinträchtigt im Falle eines bewaffneten Angriffs gegen ein Mitglied der Vereinten Nationen keineswegs das naturgegebene Recht zur individuellen oder kollektiven Selbstverteidigung, bis der Sicherheitsrat die zur Wahrung des Weltfriedens und der internationalen Sicherheit erforderlichen Maßnahmen getroffen hat….“
Die USA wurde nicht vom Iran angegriffen und es bestand auch keine unmittelbare Gefahr dazu.
Genauso wie die Ukraine von Russland angegriffen wurde, ohne jede Berechtigung aus Artikel 51.
Damit sind USA und Russland Aggressoren, die es zu verurteilen gilt und denen jede Unterstützung zu entziehen ist.
Und für Diejenigen, die fordern das sich Deutschland aus diesen überholten Völkerrechtsnormen „verabschieden“ muss…, kann man machen, aber dann bitte mit der Konsequenz das man dieses Recht allen (!) Ländern der Welt einräumt!
Jeder darf Jeden angreifen…
Nur mit der Behauptung das der Andere ja kurz davor stand selbst loszuschlagen… (Wie bei den USA reichen ja Lügen als Begründung…
Spätere Entschuldigungen, wie im Irakkrieg durch Colin Powell: „Das war der Schandfleck meiner Karriere.“, ändern dann ja nichts mehr…)
@Ökonom
„… fällt schon auf, dass der Regime Change 2014 in der Ukraine nicht als Beispiel aufgenommen wurde.“
Vielleicht weil außerhalb von bestimmten Kreisen niemand der Meinung ist, dass das alles eine inszenierte Aktion von außen (vom Westen) war?
„Effekt einer militaristischen Brille?
Auch fehlte der Regime Change in Libyen – der hätte bei militaristischer Brille aufgegriffen werden müssen.“
Und der ist ja gescheitert und die Frage war mehr, gibt es erfolgreiche Regime Changes, nicht eine Auflistung aller Versuche.
@all
Aus Gründen: ein Kommentar in diesem Thread mit der Einleitung „Ich habe den Podcast nicht gehört, aber…“ ist ähnlich absurd wie einen Kommentar in anderen Fäden einzuleiten mit „Ich habe den Text oben nicht gelesen, aber…“ – ist schon klar, oder?
Frage von Frank Sauer an Andreas Fulda: „Es läuft auf China zu“? Träfe das zu, wäre der Umkehrschluss, „es läuft von den USA weg“? Fulda wies darauf hin, die „Pax Americana“ wird möglicherweise von der „Pax Senica“ abgelöst, also der hegemonialen Stellung Chinas im frühen Ostasien, jetzt global ausgeweitet?
Zur Beantwortung der Möglichkeiten des Handelns mag die Beachtung der
Thukydides-Falle beitragen.
„Die Thukydides-Falle beschreibt die hohe Wahrscheinlichkeit eines Krieges, wenn eine aufstrebende Macht (z.B. China) eine etablierte Großmacht (z.B. USA) als Hegemon zu verdrängen droht. Der vom Politikwissenschaftler Graham Allison geprägte Begriff basiert auf der Analyse des Peloponnesischen Krieges und warnt, dass Furcht vor Machtverlust Konflikte auslöst“ (Wikipedia).
Der antike Historiker Thukydides sah den Krieg zwischen Athen und Sparta als unvermeidlich an, weil Sparta den wachsenden Machtzuwachs Athens fürchtete.
Die Rüstungsanstrengungen, seit Xi unangefochten präsidiert, sind bekannt. Besonders bei der PLAN (People’s Liberation Army Navy) ist der Kräfteaufwuchs immens: Es sollen inzwischen 215.000 Soldaten auf ca 340 Schiffen sein, die nach Quantität umfangreichste Marine, erkennbar vor der U.S. Navy. Beachtenswert sind die Anstrengungen bei Flugzeugträgern, aktuell sind es deren drei, vergleichbar der U.S. Nimitz-Klasse. Für die Ausübung von Power Projection hat im pazifischen Raum Marineinfanterie Bedeutung: Das Marinekorps der
Volksbefreiungsarmee ( PLANMC) soll derzeit acht Brigaden ausmachen, zum Vgl., das U.S. Marine Corps hat ca. 172.000 Personalstärke.
Damit, mit CHN Navy und CHN Marinekorps, zurück zu Thukydides. Der Aufwuchs beider TSK verläuft anscheinend unbegrenzt, die ökonomische Lage und 1,5 Milliarden Einwohner garantieren die Umfangerweiterung. Im Verständnis von Sparta vs Athen muss sich Washington also fragen, wann Peking den alten Welthegemon uneinholbar überflügelt? Im Maßstab globaler Strategie wird Washington entscheiden, wann spätestens ist China zu schlagen (nicht zwangsläufig militärisch), bevor die dominante Stellung unwiederbringbar perdu geht.
Thukydides darf aber auch unter umgekehrten Vorzeichen interpretiert werden: Erfüllt das CHN Wirtschaftswachstum immer neu die Planvorgaben, oder werden Imponderabilien, gleich welche, zur Stagnation führen und den Kräfteaufwuchs einbremsen?
Sofern diese Lage eintritt, der Zenith des Wachstums droht, wird Clausewitz‘ Kulminationspunkt erreicht, nach dessen Überschreiten der Abstieg der aufsteigenden Macht einsetzt.
Um dies und die politischen Folgen auszuschließen, muss die Präsenzmacht USA geschlagen werden! Was also, Americana oder Senica?
@KPK
„Was also, Americana oder Senica?“
Oder ein Ausbrechen aus dem monolithischen Hegemonial Denken und stattdessen eine multipolare Weltordnung anstreben, mit so viel Internationaler Kooperation und Verträgen wie möglich?
@lukan
Ihre beklagte, angeblich nicht bestehende multipolare Weltordnung bestand schon in den letzten zwei Dekaden des vergangenen 20. Jahrhunderts aus den USA, CHN, RUS, der EU und allmählich aufsteigend auch Indien. Bemerkenswert dabei, versteckt in dieser Fünfergruppierung, der Pentarchie der ersten Welt, ist die Fünfergruppe der Veto-Mächte des UNSR, FRA und GBR nicht aufgezählt, da in der Europäischen Union enthalten.
Im 21. Jahrhundert ist Indien inzwischen fester Teil der Multipolarität. Es kommen aber neue Bewerber um den Platz an der Sonne hinzu, dargestellt durch die BRICS (+) Gruppierung. Auffällig daran, zwei alte Teilhaber der Vielfalt strategischer Macht, RUS und CHN nämlich, begreifen sich nicht nur als Wortführer, als primus inter pares, sondern beanspruchen unzweideutig Führerschaft in den BRICS.
Weiterhin unter multiploarem Denkansatz von Bedeutung ist die Herausbildung von Bipolaritäten interessenähnlicher Gesellschaftsmodelle: RUS plus CHN gegen EU plus (noch) USA. Die BRICS nehme ich dabei ausdrücklich aus, da es eine lose Gruppe von Staaten in ausschließlicher Behauptungsabsicht gegen „den Westen“ ist, ohne einheitliche politische und schon gar nicht militärische Macht.
Viele der genannten Pole sind untereinander durch Verträge (Kooperationen) auf meist ökonomischem aber auch sicherheitspolitisch-militärischem Sektor verbunden.
Carlo Masala hat in seiner „Welt in Unordnung“ die aufstrebenden Mächte des 21. Jahrhunderts beschrieben, Herfried Münkler ähnlich in „Welt in Aufruhr“. Das Verbindende der alten und neuen Mächte, der vermeintlichen Auf- und/oder Absteiger ist, den jeweiligen Status Quo zu verbessern, wo nötig zu Lasten der Anderen: Es dominiert das „egoistische Gen“ der Selbstbehauptung. Das rein Interessen geleitete Machtkalkül zeigt, Monolithisches gibt es nicht. Multipolarität besteht und wird intensiviert.
Unter Verweis auf meinen vorherigen Eintrag bleibt die Beantwortung der Frage „Pax Americana“ oder „Pax Senica“ ungelöst. Ein Leugnen oder Ablehnen dieser Zwangsläufigkeit löst das Dilemma nicht.
@lukan
„Vielleicht weil außerhalb von bestimmten Kreisen niemand der Meinung ist, dass das alles eine inszenierte Aktion von außen (vom Westen) war?“
Wieso so zögerlich? Es war ein erfolgreicher Regime Change. Und er war von Westen intendiert. Also kann man an diesem Beispiel doch sehr gut Erfolgsbedingungen ablesen. Insbesondere kann man eine Alternative zum distanzierten Vorgehen aus der Luft nur ablesen, es braucht offenbar weniger Militär und mehr an Kooperation mit Kreisen der Zivilgesellschaft.
Dann, vor einem solchen Hintergrund, kann man dann auch gewisse Teile der Kooperation einordnen.
Zum Libyen-Fall: Ja, der intendierte Regime Change ist zwar destruktiv gelungen, ist dann aber übergegangen in einen Zerfall des Gewaltmonopols nach innen. Daraus kann man viel lernen, Insbesondere aber scheint mir wichtig einzugestehen, dass in diesem ersten Anwendungsfall von r2p die nur die vorgeschobene Intention der Initiatoren war, Regime Change aber das faktische Ziel der militärischen Operationen war.
@Ökonom
Ein bisschen irritiert bin ich schon über Ihre Narrativ-Nacherzählung. Ist das, was seit vier Jahren läuft, in der Sicht dann auch eine spezielle militärische Operation?
@Klaus-Peter Kaikowsky (KPK)
Apropos Thukydides: Der Attische Seebund war gewissermaßen die NATO der Antike. Doch die ursprünglich freiwillige Mitgliedschaft mutierte zum Zwang, Austritte verhinderten die Athener mit drakonischen Strafmaßnahmen. Vergeblich argumentierten die Abgesandten Mytilenes: „Wir wissen, dass weder Freundschaft unter Einzelnen noch Gemeinschaft zwischen Staaten auf Dauer bestehen kann, wenn sie nicht in offenkundiger Ehrenhaftigkeit zueinander finden und auch sonst gleich geartet sind. (…) Jedoch wurden wir nicht Bundesgenossen zur Unterwerfung der Hellenen zu Nutzen Athens, sondern zur Befreiung von den Persern zu Nutzen von Hellas.“ (Thukydides, Der Peloponnesische Krieg, Reclam-Ausgabe 2018, Seite 201) Der Rest ist bekannt: Athen verlor den Krieg gegen Sparta, die Demokratie verschwand, der Attische Seebund löste sich auf.
Wer Parallelen in der Behandlung der Verbündeten durch Donald Trump sieht, liegt nicht falsch: Die NATO gegründet als Bündnis unter formal Gleichen zur Abwehr der sowjetischen Invasionsgefahr, allerdings nicht gegründet zur Unterwerfung der Bündnispartner unter den völkerrechtswidrigen Willen der Trump-Administration. Die USA können gegen China nur bestehen, wenn sie Verbündete haben. Verbündete aufgrund gemeinsamer Interessen, keine widerwilligen Vasallen.
@T.Wiegold
nein, wieso? Verstehe ich in der Knappheit nicht, Ihre Irritation.
@Ökonom:
Was Sie vermutlich meinen ist „Transition“ im politikwissenschaftlichen Sinne. Das kann man vielleicht auf die Euromaidan-Proteste von 2013 gegen die zunehmenden autoritaristische Umformung des Staates und Korruption und auf die dann folgende Absetzung und Flucht von Präsident Janukowitsch beziehen, aber das ist nicht das, was hier mit „Regime Change“ als Ziel einer militärischen Intervention von außen gemeint ist.
Ich glaube, wir sollten uns schon darüber verständigen, wie wir Sprache nach Möglichkeit sinnvoll benutzen.
Sonst kommt womöglich noch einer auf den Gedanken, ein „Personalausweis“ habe etwas mit Angestellten zu tun, weil es Leute gibt, die zu doof sind, das Adjektiv „personal“ als „die Einzelperson betreffend“ als Wortbestandteil richtig zu deuten.
@Ökonom
Regime Change in diesem Kontext hier beschreibt eindeutig eine Veränderung der Regierung von außen her.
Nun waren beim Maidan westliche Dienste sicherlich vor Ort, aber vor Ort sein und Einfluss ausüben – oder einen Umsturz komplett inszenieren sind 2 verschiedene Dinge. Das russische Narrativ ist bekanntermaßen letztere, der böse Westen kam, um sich russisches Land einzuverleiben und unterdrückt mithilfe von Nazis die russiche Bevölkerung was Putin gezwungen hat mit Panzern zu intervenieren. Kurz gesagt, dieses Narrativ zu wiederholen, legitimiert die russische Intervention.
@KPK
Wenn sie schreiben, es gibt nur die Wahl zwischen Pax Americana und Pax Senica dann klingt das für mich so, dass wir nur die Wahl haben uns entweder unter den Herrschaftsbereich der USA oder den von China unterzuordnen. Und diese Interpretation lehne ich entschieden ab. Wenn sie das nicht so gemeint haben, dann war es ein Missverständnis.
@Lukan
Bei Entscheidung zwischen Pax Americana und Pax Senica ist Mittel der Wahl selbstverständlich die US Variante im Präsidentschaftsstil bis Obama.
Unterordnung sehe ich da keine, aber Zusammenarbeit auf Augehöhe EU – USA.
Da die UN über Mehrheitsentscheid und Vetorecht, Privilegierung der Pentarchie, notorisch machtlos bleiben, finanziell und militärisch zu 100% abhängig, dann die USA als kulturnaher Hegemon.
Einen Anspruch auf Unipolarität kann die UN nie umsetzen.
@lukan
„Regime Change in diesem Kontext hier beschreibt eindeutig eine Veränderung der Regierung von außen her.“
So ist es, wenn auch nicht ganz: Es geht nicht um eine andere Regierung im selben System, es geht um eine Systemänderung. Einfluss von außen zu nehmen, ist Teil üblicher Regierungspolitik – auch mit der Intention eines Systemwechsels. Das muss nicht via Militär oder Dienste laufen. Die EU hat im Vorfeld von 2014 massiv Einfluss auf die ukrainische Innenpolitik genommen. Russland hat vor den Wahlen 2016 Einfluss auf die Innenpolitik der USA genommen – vergeblich, der Regime Change dort ist erst 2024 eingetreten. etc, etc. Für eine begriffliche Verengung auf „Regime Change“ ist es nur, wenn durch Militär herbeizuführen gesucht, sehe ich keinen guten Anlass. Dieser begriffliche Definitionsvorschlag erscheint mir eher Ausdruck eines Militarismus im Denken zu sein.
Das Beispiel des Regime Changes in der Ukraine (2014) ist deswegen von besonderem Interesse, weil es Konstellationen gibt, wo Beeinflussung von Wahlen bzw. Wahlbedingungen, incl. Handelsbarrieren zur Delegitimierung der Regierung im Zielland, nicht ausreicht, wo sich das innerstaatliche Gewaltmonopol als zentrales Hindernis erweist. Diese Herausforderung ist in der Ukraine, in Kiew, von Gruppen angenommen und erfolgreich gelöst worden. Deshalb ist der Vorgang des Studiums wert. Das zu unterlassen aus Angst (Argument „Narrativnähe“), ist nicht klug.
@Apollo 11:
Bezüglich der 1980er-West-Schulatlanten und der gestrichelten Linie in Polen möchte ich den Wikipedia-Eintrag zur ‚Oder-Neisse-Grenze‘ empfehlen.
Die DDR hat schon 1950 einen Vertrag mit Polen über die aktuelle Grenze geschlossen.
Letztendlich wurde aber der Verzicht der Bundesrepublik (und der Westalliierten) auf die Grenzen von 1937 erst durch den 2+4-Vertrag 1990 endgültig juristisch festgeschrieben, Dagegen wurde dann nochmal durch die Vertriebenenverbände beim Bundesverfassungsgericht geklagt, mit Urteil sogar erst aus 1992.
Wiewohl unrealistisch, aber juristisch war der Diercke da korrekt.
Zu den beiden Haupt-Themen-Komplexen der Podcast-Folge:
.
1.) Regime-Change-Szenarien kann man seriös nicht wirklich planen. Bei grossen hochgerüsteten Ländern mit entschlossener Führung ist ein Gelingen dermassen unwahrscheinlich das man es wohl besser gleich bleiben lässt, zumindest wenn der „Regime-Change“-Gedanke das Hauptziel sein sollte.
Allerdings liegt ja schon im Namen „SUPER-Macht“ die Implikation das anders sehen zu können wenn ebendiese da was machen will…
2.) Ein mögliches Taiwan-Szenario bereitet derzeit wohl die meisten Sorgen. Wäre da nicht die Chip-Produktion mit weltweiten Abhängigkeiten könnte man das noch herunterspielen.
Aber alleine durch diese Verflechtung ist die Eskalations-Wahrscheinlichkeit selbst bei „nur“ Blockade- oder Sperrszenarien enorm hoch.
Und es stehen sich dann zwei Atommächte gegenüber.
Der Unterschied zum Iran, der ja (noch) nicht im Besitz der Bombe ist, liegt vor allem in der Transportfähigkeit. China hat Langstreckenraketen und Bomberflotten die hochwahrscheinlich auch zum Ziel durchkommen.
Weltweit.
Da wäre dann keiner mehr sicher.
Ich zitiere den weisen Spruch aus dem Kinofilm „Wargames“ von 1983:
„A strange game.
The only winning move ist not to play“.
@Ökonom
Meine Brille ist nicht militaristisch, sondern mehr auf die Frage, ob etwas von außen aufgezwungen wird oder nicht, Und sicherlich hat die EU Einfluss genommen. Alleine mit der Aussicht auf Mitgliedschaft in der wohlhabenden EU, wo man im Gegensatz zur Russischen Föderation aber wieder einseitig austreten kann, wenn es nicht läuft. Aber es gab keinen Europäischen Zwang sich von Russland zu lösen – jedenfalls soweit mir bekannt. Alles weitere war Folge dass Russland das nicht akzeptiert und bereits 2014 militärisch Interveniert hat – Zwang von außen und versuchter militärischer Regime Change der auch für die Östlichen Gebiete teil erfolgreich war. Das Studieren in allen Details, ja sicher, aber es scheint mir schon als eine grundlegend andere Situation. (kein Imperialer Nachbar, Islamismus, Palästina/Israelkonflikt, Libanon, Involvierung des Iran in Terroranschläge, …)
Alleine das der Iran immer noch offen zum Mord an einem Schriftsteller (Salman Rushdi) aufruft, dessen „Verbrechen“ war ein Fantasybuch zu schreiben, macht dieses System eine völlig andere Nummer und grundlegend wäre hier für mich auch ein aufgezwungener Regime Change von außen legitimiert. Aber so eben nicht. Sondern es gibt ja eine Iranische Opposition, die man dabei unterstützen kann, eine legitime Exilregierung aufzubauen, mit echter Verbindung ins Land hinein. Und die könnte man, wenn es über Verhandlungen und Wirtschaftlichen Druck nicht geht auch bewaffnen. Und militärisch unterstützen. Aber das ist ja hier nicht der Plan. Wenn es überhaupt so etwas wie einen Plan gibt.
@Marc:
„Wiewohl unrealistisch, aber juristisch war der Diercke da korrekt.“
( Zur Situation der 1980er Schulatlanten in Westdeutschland ):
Sehr gut zusammengefasst.
In den Schul-Diskussionen damals auch genau so von den ( Geschichts- ) Lehrern dargestellt.
@Marc
„Letztendlich wurde aber der Verzicht der Bundesrepublik (und der Westalliierten) auf die Grenzen von 1937 erst durch den 2+4-Vertrag 1990 endgültig juristisch festgeschrieben,“
Das ist wohl auch der Grund für die Gestaltung der grossen Schul-Weltkarte von 1952/53 die ich ca. 1990 aus dem Fundus eines Mainzer Gymnasiums bekommen hatte.
Da waren die alten Grenzen noch eingezeichnet. Ich hab so eine Vermutung welche Gruppe damals im Schulamt noch federführend war…
Laut Donald Trump sind es nur die Demokraten, die ja eh an allem Schuld sind, die die Militäroperation Krieg nennen. Schließlich führt Donald Trump keine Kriege. Er beendet nur welche.
Lustig ist, dass die Iraner aus der Presse und aus dem Internet erfahren, dass mit ihnen verhandelt wird.
@lukan
ich danke für die Klarstellung. Der Sinn des Krieges ist, nach von Clausewitz, ja nicht, Gewalt anzuwenden sondern „dem Gegner seinen Willen AUFZUZWINGEN“ – da sind wir definitorisch einig.
Ihre Aussage, „es gab keinen Europäischen Zwang sich von Russland zu lösen“, können wir hier nicht abschließend klären ohne die Geduld des Hausherrn überzustrapazieren. Das Prinzip der europäischen Nachbarschaftspolitik war und ist aber bekanntlich das do-ut-des-Prinzip. Man bietet Vorzüge, damit der Nachbar etwas gibt. Und zwar auch zu Lasten etablierter Wirtschaftsbeziehungen mit Dritten. Ist das „Zwang“? Ich sage ja. Das mögen Sie anders klassifizieren. Aber da sind wir nicht weit auseinander.
@Marc & Apollo11: Neben der völkerrechtlich korrekten Darstellungsweise in Schulkarten, gab es noch zwei andere wichtige Faktoren: 1) Diese Form der Darstellung war viele Jahre lang ein Element der Integration der Vertriebenen, um zu verhindern, dass diese sich rechtsradikalen Parteien zuwandten. Weil der Verzicht auf die Ostgebiete – sogar in der CDU/CSU – stillschweigend Mehrheitsmeinung war, band man so revanchistische Kräfte in das demokratische Spektrum ein. 2) Dieser Umstand war den Regierungen in den Nachbarländern der Bundesrepublik klar und führte somit nicht zu großen Belastungen der Beziehungen, Ein aktueller Blick auf den Nahostkonflikt und China zeigt den gewaltigen Unterschied: Dort sind in Grenzen in Schulbüchern Ausdruck aktiver Ansprüche und dienen der entsprechenden Konditionierung der Schuljugend. Ein schönes Beispiel, dass die gedruckte Quelle alleine keine Interpretation zulässt. Der Kontext muss bekannt sein, ob eine Landkarte Nostalgie und Zugeständnis für eine aussterbende Zielgruppe oder Kriegsvorbereitung ist…
@Ökonom:
Man darf wohl sagen, dass die europäischen Staaten des ehemaligen Ostblocks, die sich nach dem Zusammenbruch des Warschauer Pakts und der Sowjetunion nahezu samt und sonders vom russischen Hegemonieanspruch befreit und sich dem Westen, einschließlich der NATO zugewandt haben keiner „gezwungen“ hat.
Der Zwang war zuvor. Stalin fokussierte alles auf ihn und den Moskauer Apparat. Nach Stalins Tod Arbeiteraufstände 1953 in der DDR und der ČSSR – niedergeschlagen mit russischen Panzern und Formierung der Breschnew-Doktrin einer „beschränkten Souveränität“ der sozialistischen Staaten. 1956 Arbeiteraufstand in Polen mit Solidaritätsdemonstrationen in Ungarn, deren Folgeentwicklungen im November wiederum mit dem Einmarsch der Roten Armee und gewaltsamen Niederschlagung. Der Prager Frühling mit wiederum Niederschlagung der Demokratiebewegung im August 1968 durch die UdSSR und andere Staaten der WVO.
Erst unter Gorbatschow und Glasnost und Perestroika wurde politisch eine Eigenständigkeit möglich. Und man mache sich nichts vor. Der mächtige sowjetische Bruder wankte bereits, weil Reagan ihn effektiv zu Tode gerüstet hatte. Der Krieg in Afghanistan war für die Rote Armee ein Fiasko, auch aufgrund Unterstützung der Mujaheddin durch die USA. Die hegemoniale Kontrolle über einen zu kleinen und zu rückständigen Wirtschaftsraum war für Moskau schlicht auch zu kostspielig geworden. Hinzu kamen Katastrophen wie Tschernobyl, die ebenfalls empfindliche Risse im Fundament des angeblich überlegenen sowjetischen Systems offenbarten. Fatal für alle Apparatchiks in den Satellitenstaaten, die mit Veränderung weder gerechnet hatten noch umgehen konnten. Zugleich fiel mit dem Tode Titos 1985 auch im formal blockfreien, sozialistischen Jugoslawien die zentrale Integrationsfigur weg und nahmen die Absetzbewegungen gegen die ähnlich strukturierte Dominanz Serbiens innerhalb des Staates zu.
Die Folge: Solidarnosc, samtene Revolution, Zerfall Jugoslawiens, Revolution in Rumänien, Unabhängigkeitserklärungen der baltischen Staaten mit noch 1991 unternommenen Versuchen, die Entwicklung gewaltsam zu stoppen, die indes scheiterten und auch in Russland schließlich Reformbewegungen erstarkten. 1991 dann Putsch in Moskau, Rücktritt Gorbatschows und Transformation der UdSSR zur GUS.
Die UdSSR setzte die jahrhundertelange Geschichte eines kontinentalen Kolonialreiches, welches von Russland dominiert und durch militärische Gewalt über beherrscht wurde, mit anderen Vorzeichen, vor allem der Lüge der Selbstbestimmung und Freiheit des Menschen, über lange Jahre fort. Diese Geschichte ist in den ehemaligen Satelliten und Sowjetrepubliken nicht vergessen.
Demokratie und freie Wirtschaft haben mitunter schmerzhafte Transformationsprozesse ausgelöst, vor allem, weil die gesamte Wirtschaft der UdSSR und der Comecon-Staaten auf Russland und seine Wirtschaft ausgerichtet war. Aber letztlich kann man durchaus sehen, dass die Staaten, die sich dem Westen zugewendet haben, nahezu durch die Bank davon unterm Strich wirtschaftlich und gesellschaftlich enorm profitiert haben.
Das ist jedoch kein „Zwang“. Es war ein Angebot, welches sich am Ende für alle Seiten lohnte. Im Gegensatz dazu bringt Moskau nur Angebote auf den Tisch, die sich vor allem für Russland und dort und in den jeweiligen Staaten für wenige Eliten lohnen.
Man mag darüber denken, was man will, aber es vollzog sich mit der EU- und NATO-Osterweiterung lediglich ein Prozess, dessen Ursprünge schon kurz nach dem II. Weltkrieg lagen. Bereits 1953 hatten die ersten vom Sozialismus schon so die Schnauze voll, dass es kontinuierliche Waffengewalt, Bespitzelung und Drohung mit Repressalien brauchte, um einen möglichen Regimewechsel zu verhindern. Immer und immer wieder.
Moskau führt das aktuell in der Ukraine nur fort. Die KPC tut das nach dem Platz des Himmlischen Friedens auch nicht minder brutal mit den Uiguren, Tibetern, Hong Kong und wird auch irgendwann in Taiwan nicht anders vorgehen. Trump agiert auf der Weltbühne mit der größten Militärmacht der Welt wie ein Vierjähriger, der an der Kasse bei REWE seinen Lutscher will und überlässt im Innern die USA mit demontierten demokratischen Institutionen und erodierter Kontrollmechanismen fundamentalistisch-konservativen Gestalten, die im Stande wären, die einstige Weltmacht in eine puritanisch-plutokratische Diktatur zu verwandeln, wenn man sie denn ließe…
Den Amerikanern ist innenpolitisch vielleicht noch zu helfen. Bei China und Russland wird vermutlich nur der nächste Zusammenbruch eine Änderung zeitigen.
@Windlicht:
Und wieder eine sehr gute Erklärung für die eingezeichnete deutsche Grenze auf Schulwandkarten der 1950er Jahre.
Also die von 1937 wie bei meiner.
Ich hatte in der Schule die ( naive ? ) Vorstellung das deutsche Reich hat den Krieg verloren. Und das endete mit einer bedingungslosen Kapitulation.
Und doch druckte im Anschluß Deutschland Karten mit den Grenzen von 1937 für den Unterricht.
Da kann man schon irritiert sein…
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Beim Thema IRAN & CHINA/TAIWAN könnte das auch interessant sein.
Wie ist Israel auf iranischen Schul-Wandkarten verzeichnet ?
Und wie sieht die Grenzregion China / Pakistan / Indien oder auch Taiwan auf chinesischen Schulkarten aus ?
Und hat sich das im Laufe der Zeit ( wie genau ) verändert ?
Ich vermute einfach mal die Darstellung von Israel auf iranischen Karten zur Schah-Zeit war eine andere als heute.
Interessant wäre auch die Veränderung von Grenzen auf chinesischen Karten im chinesischen Meer ( “ 7 Striche Linie “ ) sowie Taiwans im Laufe der Jahrzehnte.
Im Falle der Nachkriegs-Karten von Deutschland hat sich die unsägliche Darstellung der Grenzen von 1937 ja auch geändert. Allerspätestens mit der 68er Revolution und den Entspannungsbemühungen von Willi Brandt.
Toller Podcast, mal wieder, vielen Dank!
Er lässt mich (Laien) allerdings mit der Frage zurück, wie eine Blockade der Strasse von Taiwan diese als exorbitant geschilderten Konsequenzen für den Welthandel haben kann. Taiwan ist ja eine Insel, wo man aussen rum fahren kann. Ja, schlechtere Wetterverhältnisse, ein wenig längere Strecke, aber Südkorea und Japan können doch mit wenig Mehrkosten ihre Güter weiter verschiffen. Taiwan kann seine Halbleiter auch über die Insel karren und von der anderen Seite verschiffen.
Und dazu stellt sich mir ohnehin immer die Frage, wie die tatsächlichen wirtschaftlichen Konsequenzen aussehen, die da bei mir am Frühstückstisch auftauchen.
Wenn eine Halbleiterkrise die technischen Entwicklungen auf dem Planeten etwas verlangsamt, würde das der Menschheit ja auch nicht schaden, eher im Gegenteil.
@Apollo 11
Die NZZ hat zu Chinas Karten ‚mal einen Artikel gebracht, der kann aber hinter der Zahlschranke sein:
„Kartenkrieg – wie China mit Weltkarten Tatsachen schafft
Auf Globen, in Schulbüchern oder Trickfilmen: Die chinesische Regierung führt die Auseinandersetzung um ihre Auffassung von «richtigen» Karten kompromisslos und versessen. Warum?“
https://www.nzz.ch/international/kartenkrieg-china-diktiert-der-welt-mit-karten-seine-grenzen-ld.1634486
@andreas
Ich habe gerade mal einen Blick auf das Relief Taiwans geworfen und würde die Behauptung in den Raum stellen, dass Häfen auf der Ostseite der Insel und entsprechende Transportwege zu den Häfen schlicht nicht (wirtschaftlich) darstellbar sind.
Die wirtschaftlichen Konsequenzen lassen sich glaube ich an der „Chipkrise“ ganz gut erkennen bzw. an den Lieferkettenstörungen, die wir zu Covid-Zeiten schon gesehen haben: Der Ausfall von hochspezialisierten Gütern wie Halbleitern führt zu Ausfällen in den Produktionen vor Ort, daraus resultierend fehlende Umsätze, Kurzarbeit/Entlassungen, niedrigere Steueraufkommen, Haushaltslöcher in den Kommunen, etc. Leider sind unsere verzweigten Lieferketten nicht ganz so robust, wie man sich das wünschen würde.
Und wie in Folge 103 (?) diskutiert wurde, speist sich „unsere“ Macht in erster Linie aus wirtschaftlicher Stärke, welche als Hochindustrieland von einer Taiwan-Blockade unmittelbar beeinträchtigt werden würde.
Gerne korrigieren, falls ich in einer Annahme falsch liege.
Zum Thema Kriegsgefahr Taiwan / China:
Selbst „nur“ eine Blockade der Insel durch China erscheint sehr unwahrscheinlich. Was wollen die denn machen ? Friedliche Handelsschiffe entern, beschiessen, versenken ?
Dummerweise sahen das noch einige Tage vor dem Ukrainekrieg 2022 selbst beim massiven Aufmarsch die Experten auch nicht voraus…
Ablaufplan:
„Die neuesten Provokationen durch Taiwan sind für China nicht mehr hinnehmbar. Unsere „Fischerei“-Flotte steht bereit. Wir müssen jetzt handeln.“
Ich wage nicht vorauszusagen was genau die wirklich machen müssen damit sich die Schiffsversicherungen weigern die Passage um Taiwan abzudecken. Und damit eine Blockade real werden zu lassen….
Bei der aktuellen Polit-Rhetorik, der Einschüchterung von Ländern die Taiwan anerkennen, der massiven Aufrüstung, dem Umgang mit Hongkong und auch den „neuen“ Ländergrenzen in chinesischen Karten steigen wohl die Wettquoten auf eine echte Eskalation.
Die Frage ist wohl nicht ob, sondern wann und wie genau.
Das ist wirklich sehr schade, die Entwicklung von einem Entwicklungsland zu prosperierendem Staat ist ja eigentlich herausragend für ein kommunistisches Land.
Man könnte gut auch ohne Taiwan einzugemeinden auskommen.,,
@troik
Der größere Teil der Halbleiterindustrie befindet sich in maximal 50-100km vom z.b. Tofu Cape entfernt, maximal 200 ungefähr ist es zu den am weitesten entfernten Werken. Auf die Strasse müssen sie nach der Fabrikation eh, die Distanz kann da m.E. keine große Rolle spielen.
Und was die Strasse von Taiwan angeht, können Japan und Korea auch größere Umwege nehmen. Natürlich könnte China solche Schiffe auch sonstwo angreifen und so die Versicherungen verteuern, aber eine Blockade der Taiwanstrasse wie im Podcast beschrieben ist ja was anderes als Schiffe angreifen.
Ich verstehe nicht, was die Folgen einer Blockade so drastisch machen würde.
Wie kam der Spagat zwischen „Regime Change als Kolonialismus“, „Uns wollten die Amis Demokratie bringen“ und „Die Iraner sind aber destruktiv, weil sie ausländische Proxys finanzieren/bewaffnen“ zustande?
Zum aktuellen ( Iran- ) Krieg. Neueste, verstörende Fakten:
1.) Auf dem Flugplatz Teruel in Spanien werden lt. Berichten aufgrund neuesten Satellitenbildern vom 23.03.2026 zunehmend Flugzeuge von betroffenen Airlines abgestellt und eingemottet. Nachdem u.a. ein A380 in Dubai getroffen wurde explodieren die Versicherungsprämien selbst für abgestellte und ausser Dienst genommene Flieger wenn sie dort geparkt werden.
2.) Raketenangriff auf den Militärstützpunkt Diego Garcia in einer Entfernung von über 3800 km vom Iran aus.
Die Experten rätseln ( zumindest öffentlich ) über die Art und Weise wie das denn der Iran hinbekommen hat. Bisher ging man von max. 2000 km aus.
Exkurs: Sämtliche, komplexe Raketentechnik bzw. Baupläne die der Iran verwendet kommen urspr. aus Russland, wurde an Nordkorea weitergegeben und landete schliesslich auch im Iran.
Bei den wohl verwendeten einstufigen Flüssigkeitsraketen die auf Diego Garcia abgefeuert wurden, wurde wahrscheinlich komplett die Nutzlast ( 1,5 bis 2 t ) weggelassen um auf die Reichweite von über 3800 km zu kommen.
Dummerweise schlagen dann aber immer noch ca. 1 bis 2t Restmasse ( Startmasse des vermuteten Typs sind knapp 20t ) mit hoher Geschwindigkeit ein.
Mit entsprechenden Artikeln in Bezug auch auf Deutschland ( das dann auch in Reichweite liegt ) ist zu rechnen…
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Nachzulesen incl. ausführlicher Beschreibung des Raketenarsenals in diesem langen, sehr langen, Dokument ( verlinkt in Wikipedia ):
https://www.iiss.org/globalassets/media-library—content–migration/files/research-papers/open-source-analysis-of-irans-missile-and-uav-capabilities-and-proliferation.pdf
( Am Ende gibts sogar lange Tabellen mit Produktionsstätten und metergenauen „Zieldaten“ )…
Das einzige, was man dauerthaft machen könnte, ist, die Fabriken für Halbleiterproduktion woandershin auszulagern, wo China nicht drankommt. Wenn Taiwan irgendwann ausfällt, wird man die Chipproduktion wohl oder übel dorthin holen müssen, wo es sicherer ist. Die USA haben das schon unter Präsident Biden in die Wege geleitet. Bei den schieren Massen, die in Taiwan hergestellt werden, wird dies allerdings eine ziemliche Kärrnerarbeit mit enormem Zeitansatz.
Außerdem dürfte die Herstellung in westlichen Ländern aus Gründen strengerer Umweltstandards sehr viel teurer ausfallen, als in Taiwan. Die Ökobilanz ist in Taiwan durchaus nicht rosig.
@ Apollo 11 Hat die NATO nicht extra wegen der möglichen Bedrohung aus dem Iran jeweils eine Raketenabwehranlage in Polen und Rumänien errichtet? Oder etwa doch nicht?
@Y-998201:
Seit 2012 gibt es die grosse Radarstation in Kürecik, Türkei.
Die wurde schon damals auch aufgrund der iranischen Raketen errichtet wenn ich das richtig verstanden habe.
Weitere Infos zu Mittelstreckenraketen des Irans:
– Hochreichweitige Versionen sind hochkomplex ( Flüssigkeitstriebwerk, aggresive, hochgiftige Treibstoffe )
– Sehr ungenau, angegeben wird oft ein CEP ( Streukreisradius ) von 500 bis 1500 km.
– Produktion sehr eingeschränkt, man vermutet nur einige wenige pro Jahr
– Zuverlässigkeit zweifelhaft.
– Würde eine solche Rakete in Westeuropa einschlagen, also ohne Sprengkopf um auf die Reichweite zu kommen, entpricht das aber immer noch über 200 kg TNT ( bei 1,5 Restmasse und 4000 km/h beim Auftreffen ).
– Da sehr ungenau militärisch ohne Nuklearsprengkopf sinnlos, als Terrorwaffe aber durchaus geeignet. Das ist auch der Grund warum Israel seit 30 Jahren mantraartig den alten Cato-Spruch wiederholt:
„Ceterum censeo Carthaginem esse delendam“ – Im Übrigen bin ich der Meinung das Karthago ( Iran ) zerstört werden muss…
@Metallkopf 25.03.2026 um 8:44 Uhr:
Das ist als ob der Iran durch die arabische Wüste einen Kanal für Hochseeschiffe bauen würde. Man würde einen Faustpfand aufgeben.
In der aktuellen Situation haben alle auf der Welt ein Interesse an Frieden in Taiwan. Und solange TSMC und die Regierung klarmachen, daß die Fabriken an strategischen Stellen zerstört werden, wenn die VR China angreift, kümmert man sich um Taiwan. Ohne die Fabriken ist Taiwan nur eine Insel irgendwo mit 24 Mio Menschen, die endlich Ruhe geben sollen, damit China uns weiter Dinge liefert.
Im Grunde ist die Iran-Situation der Strasse von Hormuz jetzt noch schlimmer als gedacht, es gibt ein Mautsystrm des Iran der im Grunde jetzt die volle Kontrolle hat. Wer wie und wann durchkommt und für wieviel…
Diese Möglichkeit hat sonst keiner..
https://www.handelsblatt.com/politik/international/iran-krieg-iran-kontrolliert-strasse-von-hormus-offenbar-mit-mautstellen-system/100212094.html
Wie konnte das denn passieren, wo sich doch laut der Sprecherin, Hause, Karoline Leavitt, das Pentagon seit Jahrzehnten auf diese Situation vorbereitet hat? Was haben die da gemacht? Däumchen gedreht? Jetzt, wo es richtig übel läuft, wird auf die Verbündeten rumgehackt. Chaos anrichten und denn Rachen aufreißen. Na Hauptsache, das Porträt des Gottgesalbten kommt auf Gedenkmünzen und die Unterschrift auf Dollarnoten.
@Apollo 11: Und genau da sitzt der Druckpunkt gegenüber den USA. Diese werden gerade vor den arabischen Verbündeten/Partnern/Abhängigen/was-auch-immer vorgeführt weil sie mit ihrer Kampagne gegen den Iran es geschafft haben, die wirtschaftliche Lebensader der Golf-Staaten quasi dichtzumachen. Es ist derzeit genau das Gegenteil des erhofften Effektes eingetreten. Aus dieser Nummer einen für die USA noch irgendwie gesichtswahrenden Weg zu finden, gleichzeitig einen Sieg proklamieren zu können und auch noch Israel zufriedenstellen zu können, wird einer Quadratur des Kreises nahe kommen. Da hilft auch kein Rumdreschen auf den ach so faulen und unwilligen NATO-Partnern.
Vermutlich wird man in irgendeiner Art und Weise zum Status Quo Ante zurückkehren (müssen) und versuchen, eine dauerhafte Verhandlungslösung finden zu können. Ob der Iran aber das Vertrauen gegenüber einem schießwütigen Israel und einer „vertragsflexiblen“ USA hat, bleibt dahingestellt. Ich hätte es derzeit nicht. Da müssen Israel und die USA erst einmal viel Vertrauen aufbauen, dass man ihnen als Vertragspartner Glauben schenkt und nicht die Erwartung haben muss, bei nächster Gelegenheit wieder beschossen zu werden.
Zu einer etwas anderen „Begründung“ der Trump-Entscheidung im Iran loszuschlagen:
Ein befreundeter Psychiater ( das sind die mit dem Rezeptblock, im Gegensatz zu den Psychologen, das sind die mit der Couch ;-) wagte gestern die These das bei stark narzistischen Persönlichkeiten, zuden mit Trauma als Kind / Teenager, in oberster Machtposition sich folgende Geschichte abspielen könnte:
– Ich kann jetzt alleine mit meiner Meinung Börsenkurse bestimmen
– Mir hört jeder zu, alle tanzen nach meiner Pfeife, Widerworte gibt es nicht
– Ich bin der Chef der allerbesten Streitmacht
– Unfairerweise bin ich aber ab jetzt nicht mal mehr drei Jahre am Ruder
Diese Zeit muss genutzt werden. Ich bin auf dem Gipfel meiner Macht. Nutze den Tag !
Wenn man ihm zuhört, wie er bspw. vor kurzem die britischen Flugzeugträger als “ Spielzeug“ bezeichnet hatte, da könnte was dran sein..
Bemerkenswerter Zweifel:
Der finnische Verteidikungsminister Häkkänen findet es angebracht nachzuprüfen, ob die von der NATO bezahlten Waffen auch tatsächlich die UKR erreichen.
https://www.euronews.com/my-europe/2026/03/27/the-us-must-not-divert-weapons-for-ukraine-to-iran-finnish-defence-minister-tells-euronews
Ich kann es den geneigten Lesern hier leider nicht ersparen:
Huthi-Miliz greift erstmals in Iran-Krieg ein:
„Die Vorfälle schüren die Sorge vor einer Ausweitung des Konflikts in der Nahost-Region. Das Rote Meer und der Golf von Aden gelten als eine der wichtigsten Handelsrouten der Welt.“
Jetzt ist auch die andere Meerenge ( zum roten Meer ) gefährdet. Es droht ein weiteres „Mautsystem“ wie in der Strasse von Trump, äh, Hormuz ( das passiert schon mal wenn man zuviel White-house-Pressekonferrnzen schaut ;-)