Noch keine Entscheidung über F126 – aber schon mal „Projektstart“ MEKO200
Fakten schaffen noch ohne Waffen: Das Schicksal der Fregatte F126 der Deutschen Marine ist noch offen – aber das Konkurrenzprodukt, die MEKO200-Fregatte, läuft sich schon mehr als warm. Jedenfalls verkündete das Werftunternehmen TKMS (früher mal: Thyssen Krupp Marine Systems, so wollen sie aber nicht mehr genannt werden) den Projektstart für seine Kriegsschiff-Version für die Bundeswehr.
Aus der Mitteilung von TKMS vom (heutigen) Dienstag:
TKMS und das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) haben heute einen Vorvertrag für das Projekt MEKO A-200 DEU unterzeichnet. Der Vorvertrag dient dazu, die Ablieferung des ersten Schiffes bis Ende 2029 zu ermöglichen und zentrale vorbereitende Maßnahmen einzuleiten. Der Start der vorbereitenden Maßnahmen ist für Februar 2026 vorgesehen. (…)
Über den Vorvertrag sind zunächst Beschaffungen und Arbeiten mit einem Umfang von bis zu 50 Millionen Euro bis Ende März abgedeckt. Soweit erforderlich, besteht darüber hinaus die Möglichkeit, den Vertrag schrittweise zu verlängern.
Die Unterzeichnung des Vorvertrags markiert den offiziellen Projektstart der MEKO A-200 DEU. Damit ist noch kein offizieller Bauvertrag verbunden. Die
Entscheidung hierzu steht noch aus.
Das ist nur ein Zwischenstand im Hickhack um den Bau der neuen Fregatten für die Marine. Einst galt die F126 als Vorzeigeprojekt, weil europäisch ausgeschrieben – und dann an die niederländische Damen-Werft als Generalunternehmer vergeben. Die hielt allerdings etliche Meilensteine beim Bau nicht ein, das Vorhaben ist arg in Verzug. Und offen ist derzeit, ob es fortgeführt wird oder durch die Meko200-Fregatten ergänzt oder gar ersetzt werden könnte. Eine Entscheidung wird aber wohl noch in diesem Frühjahr fallen (müssen). Für die Fortführung ist NVL im Gespräch, einst der Kriegsschiff-Zweig der Lürssen-Werft und derzeit im Prozess der Übernahme durch Rheinmetall.
(Archivbild Mai 2022: Die für Ägypten bestimmte MEKO200-Fregatte Al-Aziz vor Indienststellung bei der magnetischen Vermessung an der Wilhelmshavener Wiesbadenbrücke – Ein Dahmer, AL-AZIZ 2651, CC BY-SA 4.0)
@ Nachhaltig
Aber nicht bei Neubauten.
Die sollten ja am Anfang ohne lange Lieferzeiten auskommen…
Können wir uns darauf einigen, dass alle (!) Phantasien a la „Europäisches Flottenprogramm“ Unsinn sind?
Jedes Land, das noch selbst Kriegsschiffe baut/bauen kann, wird den Teufel tun und Gefahr laufen, dass es wirklich mal Synergieeffekte gibt und ggf. der eigene Laden (örtlich) dicht gemacht wird?
Wie gut wäre es der deutschen Bevölkerung zu verkaufen, wenn eine deutscheche Werft schließen muss und Arbeit nach Polen oder Italien umgeleitet würde?
Alle europäischen Werften sind DIE Leuchttürme in infrastrukturell angespannten Gebieten. Deshalb werden eher die Fähigkeiten der Schiffe an die Produktionsfähigkeiten der Werften angepasst, als anders herum.
Wirtschaftlich würden 2-3 Werftgruppen und 10 verschieden Layout (vom Minenjäger bis zum Flugzeugträger) locker ausreichen, aber das will letztendlich niemand.
By the way: Wer hatte nochmals das Layout und den Preis über alles gestellt und wartet jetzt auf eine holländische (!) Werft?
Wer hatte denn begrüßt, dass endlich mal wirtschaftlich sinnvoll entschieden wird und nicht nach Kleinstaaterei-Gedanken?
Wer wartet jetzt auf Schiffe und diskutiert (veraltete) MEKO200(A)-Entwürfe als „beste Lösung“?
…vielleicht täte uns allen etwas mehr Demut gut.
@Der Realist @Nachhaltig
Grundsätzlich muß man Hin- und Rückmarsch ins bzw. vom Operationsgebiet auch betrachten, zumindest wenn dies keine reine Patrouillentätigkeit sondern Stehzeit vor Ort beinhaltet.
@Nachhaltig sagt:
09.02.2026 um 7:00 Uhr
…@Der Realist: Für 2 Fregatten im Einsatz benötigt es nach der Logik der Marine aber insgesamt 6 Schiffe und nicht 4….
Das war in Zeiten von IKM (internationales Konfliktmanagement, früher sagte man auch Out of Area Einsätze dazu) richtig da man Einsatz und Ausbildung von einander trennen musste. Einheiten die in Neustadt waren oder bei den Engländern mit BIST und FOST gedrillt würden könnten nicht vor Somalia Piraten jagen. Daher die dreier Regel… ein Schiff ist im Einsatz oder steht dafür sofort zu Verfügung. Das zweite wird Ausgebildet oder ist in der Nachbereitung des Einsatzes und das dritte Schiff kann in der Werft oder dem Arsenal wieder frisch gemacht werden und die Besatzungen können Urlaub nehmen.
In der neuen/ganz alten Priorität LV/BV ist man digital… ein Schiff ist entweder Seeunklar in der Werft oder dem Arsenal und wird überholt oder es ist Seeklar im Hafen oder steht in See… den Einsatzraum erreicht man dann zwischen 1 Stunde und 2 Tagen aus vom Heimatstützpunkt. Solange Friedensbetrieb herrscht wird Ausgebildet und Flottenverbände in die man die Schiffe schickt können von Ausbildung auf Einsatz augenblicklich umschalten.
Daher kann man für so etwas immer problemlos 50% einer Schiffsklasse Seeklar halten..
Ich zitiere nur die Marine selber „Der Kurs für die Marine ab 2035“.
Gestaltungsprinzipien, 1. Maß matters
Neue Tests des David’s Sling-Systems. Laut unbestätigten Berichten könnte die MK41 verwendbar sein… https://youtu.be/cewKnKlhVfA
A Marinha do Brasil avançaria na construção de quatro fragatas classe Tamandaré adicionais
https://www.zona-militar.com/pt/2026/02/11/a-marinha-do-brasil-avancaria-na-construcao-de-quatro-fragatas-classe-tamandare-adicionais/
Vier weitere Fregatten für die brasilianische Marine. Vielleicht kann es sich die TKMS leisten, einen Schritt voraus zu sein…
[Den merkwürdigen Google-Link habe ich mal durch das Original ersetzt. Interessant ist ja darin (übersetzt mit deepl.com):
Das Tamandaré-Programm wurde ursprünglich im Jahr 2020 an das Konsortium Águas Azuis vergeben, das aus ThyssenKrupp Marine Systems (TKMS), Embraer Defesa e Segurança sowie verbundenen brasilianischen Unternehmen besteht. Basierend auf dem Projekt MEKO A-100 haben die Fregatten eine Verdrängung von etwa 3.500 Tonnen und verfügen über fortschrittliche Kampfsysteme, Sensoren der neuesten Generation und Multimissionsfähigkeit, die Luft-, U-Boot- und Oberflächenkriegsführung sowie Patrouillen-, Eskort- und Seeüberwachungsmissionen umfasst.
T.W.
(google) Danke! Ich habe etwas Schwierigkeiten mit dem neuen Tablet; es gibt so viel zu benutzen, ich werde keine Zeit haben, alles zu beherrschen (Smiley).
MEKO ist ein Konzept, bei dem der schiffbauliche Anteil weitestgehend feststeht und die Ausstattung aufgrund standardisierten Modulen vom Kunden festgelegt werden kann. Die hier laufende „Kaliberdiskussion“ anhand bereits gebauter Schiffe, erübrigt sich daher bis es offizielle Daten von Seiten TKMS bzw. BMVg veröffentlicht werden.
Viel spannender ist die Frage, wie die vom Marineinspekteur diese Woche erst eingeräumten Personalprobleme mit Beschaffung von 4 zusätzlichen Schiffen vereinbar sind.
Auch nach längerem Überlegen verstehe ich diese (mögliche) Beschaffung der A200 nicht:
Wie bereits vorher gesagt sind alle Beschaffungen der Marien mindestens 2 Jahre verspätet, gerade auch die Beschaffung des zweiten Loses der K130. Dieses zweite Los war mal als schnelle und risikoarme MOTS Beschaffung geplant (klingt doch bekannt, oder)..
Somit rescheint eine Auslieferung ab 2031/32 realistisch. Die F126 war für 2028 angedacht Nimmt man die 5 Jahre Verspätung der Indienststellung der 125 als Referenz kommt die F126 2033.
Braucht man eine (vermutlich teure) Übergangslösung for 1-2 Jahre?
Soll die A200 der vorzeitige Ersatz des ersten Loses der K130 sein?
Will man sich Zeit erkaufen um den Entwurf der F126 anzupassen (glaube ich eher nicht)?
Dient der Vorvertrag nur als „Druckmittel“ damit der Bau der F126 sich nicht noch weiter verzögert?
Will man die Gunst der Stunde = Geld für Verteidigung nutzen weil man fürchtet, dass dieses Geld in naher Zukunft doch nicht mehr so vorhanden ist?
Das man die F126 Beschaffung einstellt glaube ich eher nicht. Dafür ist bisher zuviel Geld geflossen und die Auslösung der Option auf 2 weitere Schiffe zeigt dass man mit den vorgesehen Fähigkeiten tendenziell zufrieden ist.
Bedauerlich: In den 3 Jahrzehnten seit meines Ausstieges aus der Marine hat sich kaum etwas zum Positiven veraendert. (pun intended)
Die politischen Vorgaben (Lobby), die Arbeitsweise des BAAN…. und die Meinungsaenderung der „Flotte“ nach jedem Inspekteurwechsel zusammen bewirken eine Kursaenderung in der Ruestung , der die Technik nicht folgen kann.
Und dazu aktuell noch die sprunghaftre Entwicklung der Drohnen und politischen Allianzen..
Die Loesung muesste eigentlich ein modules, schnelles Schiff sein, dass auf komplizierte technische Finessen verzichtet aber im Waffen/Ortungsbereich optimal flexibel ausgestattet und nachgeruestet werden kann. – Aber dann wuerde es vielleicht nicht „schiffig“ genug aussehen?
@ Oleg Olkha sagt:
12.02.2026 um 20:40 Uhr
Die Tamandaré als TKMS Meko A-100 sind ja die kleinen Schwestern der A-200.
@ Hier und da sagt:
14.02.2026 um 7:53 Uhr
Wir brauchen dringend U-Jagd-und Begleitschutz-Fähigkeiten, klassische Fregattenaufgaben. Das hat DEU auch der Nato zugesagt. Die F126 ist als Entwurf für U-Jagd eigentlich viel zu gross, ohne organische U-Jagd-Fähigkeit und immer noch mit grossen Terminrisiken behaftet, weil Neuentwicklung. Sie ist bestellt, aber vom Konzept her wäre sie besser als „Auslandskreuzer“ denn für die ASW-Rolle im Nordatlantik geeignet. Die A-200 könnte ASW und Eskorte als MOTS preiswert und schnell liefern, wenn man nicht daran herumdoktert. Deren Wasserstrahlantrieb wäre wegen geringer Störung des eigenen Sonars für U-Jagd eigentlich sehr geeignet, die Klasse kann dann die klassischen Fregattenaufgaben im Nordatlantik übernehmen.
Und wir bräuchten eigentlich deutlich mehr als die aktuell von DEU der Nato zugesagten 6 ASW-Einheiten. Von denen die F126 real nur 2 wären.
Früher mal konnten wir uns für Abdeckung der GIUK-Gap zum Grossteil auf 2. Flotte der USA mit GBR und NDL verlassen, diese hatten zu Beginn der 1990er ca. 100 für Eskorte und U-Jagd im Nordatlantik vernünftig einsetzbare Fregatten verfügbar. Heute sind es 8 (in Worten: acht), nämlich die verbliebenen 7 Type 22 der Royal Navy, die auf homöopathische Grösse geschrumpft wurde, und die letzte NDL Karel-Doormans. Bei der USN ausser der Allzweck-Klasse Arleigh Burke, die man zu absurden Kosten von mittlerweile 2,7 Mrd $ pro Pott und eigentlich viel zu langsam weiterbaut, nichts mehr verwendbares vorhanden, und mit sowas teurem U-Jagd zu machen ist nicht schlau. Alle USN-Programme nach der Burke waren Murks bzw sind gescheitert, und selbst wenn das DDG(x) Programm als Nachfolger der uralten Ticonderogas (7 noch im Dienst, im nächsten Jahr ist auch für die Schluss) beibehalten werden wird, wird das mit mindestens 4,5 Mrd. $, realistisch eher 5-6 Mrd. Pro Einheit für U-Jagd viel zu teuer.
@ Mike Molto sagt:
15.02.2026 um 14:24 Uhr
„ Die Loesung muesste eigentlich ein modules, schnelles Schiff sein…“
Tja hm, das trifft auf die A-200 ja alles zu, und schiffig aussehen tut sie auch…
@Landmatrose3000
Danke!