Lesetipp: Kommentar zum Berliner Stromausfall
Nach dem nunmehr beendeten mehrtägigen großflächigen Berliner Stromausfall hat der Kollege Falk Steiner einen Kommentar geschrieben – da brauche ich das nicht mehr zu tun. Kernsatz: Während bei Fragen der Verteidigungsfähigkeit, bei Raketen, Panzern, Flugzeugen und Wehrpflicht längst eine Unzahl an Lösungen präsentiert und verkauft wird, ist im Zivil- und Bevölkerungsschutz auch drei Jahre nach der Zeitenwende-Rede von Olaf Scholz wenig passiert.
Der Text zum Nachlesen bei Heise:
Kommentar zum Berliner Stromausfall: Sind jetzt alle wach?
(Ich hab‘ nur ganz pragmatisch eine kleine Anleitung fürs Vorbereiten auch bei wenig Geld geschrieben; weil das in dieses Blog nicht so recht passt, fürs Techniktagebuch: Schöner preppen, billiger preppen)
Herr Trump verfügte den Rückzug aus 66 internationalen Organisationen, Behörden und Kommissionen.
Darunter auch:
European Centre of Excellence for Countering Hybrid Threats (Helsinki)
Global Community Engagement and Resilience Fund (Genf)
Das stärkt unsere Feinde im Bereich hybrider Bedrohungen, und schwächt unsere Resilienz und kaum vorhandene Redundanz.
Den ( wirklich guten ) Heise-Kommentar kannte ich schon :-)
Und auch der Mini-Prepper-Ansatz ist deshalb so gut weil er echt günstig ist, also für jeden umsetzbar.
Ein Kernsatz des Heise-Kommentars:
„…Nur inselfähige Systeme, die ohne externe Hilfe nach einem Herunterfahren neu starten können, konnten weiterlaufen…“
weist dagegen auf ein Problem hin das viele „Privat-Hausinfrastruktur-Investoren“ gar nicht glaubten zu haben. Ohne ins Detail zu gehen: Will man es im Berlin-Blackout ( 4 Tage ) warm haben, mit TV, mit Satelliten-Internet und Kühlschrank/Kühltruhe geht das nur mit inselfähigem System und massiv grossen Speicherakkus. Evtl. unterstützt vom Notstrom-Generator.
Funktioniert i.d.R. nur im Einfamilienhaus-Bereich. Und ist im Gegensatz zum Mini-Prepper-Ansatz irre teuer…
Dummerweise hat sich in der Stromkabel-Attentäter-Szene wohl rumgesprochen das es am effektivsten ist nicht unterirdisch verlegte 110.000 Volt Leitungen an strategischer Stelle im Bündel anzugreifen. Damit wird die Redundanz der üblichen Ringleitungen ausgehebelt. Und die Reparatur dauert lange.
Und auch dummerweise gibt es ( noch ) eine Veröffentlichungspflicht für Stromnetz-Infrastruktur und deren Planungen.
To be be continued…?
Das THW bekommt dieses Jahr tatsächlich substantiell mehr Mittel, z.B. über 2 Mrd. EUR auch für Infrastrukturmaßnahmen – die allerdings überfällig sind:
https://www.bundestag.de/presse/hib/kurzmeldungen-1126950
Davon ab: der Bevölkerungsschutz unterteilt sich in den Zivilschutz (also im SP das THW) und den Katastrophenschutz. Letzterer ist Aufgabe der Länder und wird über die Kreise bzw. die kreisfreien Städte erbracht, mit Ustg der Landesbehörden.
Der Bund stellt aber durchaus auch Mittel für die Länder zur Ertüchtigung des KatS zur Verfügung, insbesondere für die Beschaffung von Fahrzeugen. Diese sind dann auch mit dem dem ZivS-Zeichen versehen.
Originäre Aufgabe des THW ist übrigens der BevS im Kriegsfall (ZivS, s.o.), aber die hierfür vorgehaltenen Mittel werden natürlich im Rahmen der Amtshilfe auch jetzt eingesetzt.
Zu dem Kommentar des Kollegen Steiner ein paar Krtikpunkte und Anmerkungen. Da ich seit Jahrzehnten in einem Teilbereich der Energieindustrie arbeite sind mir ein paar Punkte aufgefallen:
– Der Speicherstand einer üblichen Haus- PV Anlage mit Speicher dürfte im betreffenden Winterwetter bei praktisch 0 bis max. 10% liegen. Damit betreiben sie einen Kühlschrank keine Stunde. Wobei das herangezogene Beispiel eines Kühlschrankes bei Minustemperaturen von wenig Überlegung des Kommentators zeugt. Vielleicht sollte man den Blick eher auf Beatmungsgeräte in Pflegeheimen oder nicht funktionierende Aufzugsanlagen in Hochäuser lenken. Was macht eine alternde Bevölkerung wenn man die mühsam ergatterten Lebensmittel in den 16. Stock schleppen muß? Im extremen Einzelfall auch mal verhungern!
Und bitte sollten sich alle Kommentatoren mal aus dem Hirn prügeln, das PV Anlagen im Krisenfall (Winter) irgendwie helfen würden (kann man gut beurteilen, wenn man selbst eine Anlage besitzt und die jeweilige App bedienen und auch verstehen kann).
– Was bitte hat der Bundesinnenminister oder gar das Bundes- Wirtschaftsministerium mit dem Fall in Berlin zu tun? Katastrophenbewältigung ist doch zunächst mal Ländersache, oder?
Die Energieinfrastruktur kann nicht vollständig redundant ausgeführt werden. Das gilt auch für die betreffende Kabelbrücke am KW Lichterfelde. Sie müssten die anschließende Verteilung ja dann auch zu großen Teilen redundant ausführen. Das wird sehr, sehr teuer und würde die Netzentgelte in die Höhe treiben (und wir haben schon mit die höchsten Stromkosten für Verbraucher und Industrie weltweit).
Wir hatten in Deutschland mal eine hervorragend ausgestattete Netzinfrastruktur. In den letzten Jahren lag der Fokus aber auf Netzumbau. Die Erzeugerstruktur soll sich ja radikal ändern (Windenergie aus dem Norden statt Kohlestrom aus dem Ruhrggebiet oder der Lausitz bzw. aus süddeutschen KKW’s). Dieser Netzumbau frisst enorme finanzielle, personelle und materielle Ressourcen. Da sind für Instandhaltung bestehender Strukturen oder gar Redundanzbildung weder die Kapazitäten noch der politische Wille vorhanden.
Stattdessen investiert man lieber Unsummen in ein Wasserstoffnetz, durch das auch in 20 Jahren keine nennenswerten Mengen des „Champagners der Energiewende“ fließen werden.
Insofern zeigt der Kommentar wenig Sachverstand und lenkt von den eigentlichen Problemen ab.
Wären nicht bessere Absicherungsmaßnahmen der bestehenden Infrastruktur anzumahnen?
Haben unsere Ermittlungsbehörden alle Mittel in der Hand? Bei vereitelten Anschlägen wird oft auf den „Hinweis eines befreundeten Geheimdienstes“ verwiesen. Vielleicht sollten die Behörden in Deutschland auch diese Möglichkeiten bekommen?
Warum kommen solche Anschläge, Chaos in der Silvesternacht usw. immer in Berlin bzw. Umland vor? Nach meinem oberflächlicher Blick taucht der vergleichbare Großraum München seltener in solchen Schlagzeilen auf.
Woran liegt das?
Vielleicht sollten die Kommentatoren mal eher auf diese Unterschiede und Probleme hinweisen, anstatt sich bei Minustemperaturen Gedanken um erwärmende Kühlschränke zu machen.
@all:
Und dabei hat Albrecht Broemme, ehemals Chef der Berliner Feuerwehr und ehemals Präsident der Bundesanstalt THW, sich hierzu intern (Gutachten), aber auch öffentlich geäußert, vgl. sein herausragendes Buch „Deutschland in der Krise“ (https://www.m-vg.de/riva/shop/article/25268-deutschland-in-der-krise/).
@ Wehrpflichtiger_90: Wie man heute im Tagesspiegel lesen kann (Zitat: Große Abhängigkeit von USA: Nur zwei Prozent der Terror-Hinweise kommen offenbar vom BND selbst) haben wir anscheinend nicht viel in unserer Hand, sondern sind ohne befreundete Dienste quasi blind. Dafür können wir aber Datenschutz.
Ja, vollständig sichern lässt sich gar nichts. Aber gefährdete Stellen ließen sich durchaus härten. Wohlgemerkt härten und nicht nur Video-Überwachen. Schwachstellen sind low hanging fruits für Saboteure, leicht zugängig, schnell zerstörbar, weitreichende Störungen. Netzbetreibern sind solche Stellen bestens bekannt. Viele davon könnten baulich gehärtet werden, so dass Sabotage erschwert wird, aufwändiger wird, mehr Zeit kostet, idealerweise abschreckt.
Bauliche Härtung kostet, Schadenereignisse aber deutlich mehr. Durch Schaden wird man klug, sollte man meinen.
@Wehrpflichtiger_90
“ Und bitte sollten sich alle Kommentatoren mal aus dem Hirn prügeln, das PV Anlagen im Krisenfall (Winter) irgendwie helfen würden“
Alleine das Handy laden können, oder nicht, hilft gewaltig und macht schon einen gewaltigen Unterschied und das bekomme ich auch im Winter (bei etwas Sonne) mit meinen kleinen portablen outdoor panels hin. Hat man eine größere PV Anlage, dann kann man auch die Wärmepumpe einige Zeit betreiben. Und Licht haben ist auch etwas schönes und dank LED sehr gering Strom verbrauchendes.
Für den E-Herd und reine Elektroheizungen reicht es natürlich nicht. Aber etwas Strom und kein Strom ist buchstäblich ein Unterschied wie Licht und Dunkelheit.
Batteriespeicher fallen kontinuierlich weiter im Preis. Wären jetzt schon Flächendeckend mehr davon vorhanden, wäre alles leichter gewesen für die Betroffenen.
@Insider
„Dafür können wir aber Datenschutz.“
Können wir nicht, sonst wäre unsere IT nicht hochgradig von US Konzernen abhängig. Wir können Datenschutzbeauftragte, die Bedenken anmelden.
Bald fallen wir, wie eine reife Frucht vom Baum wenn nicht überall getan wird, was notwendig ist, um uns resilient zu machen. Dazu kann jeder beitragen und auch die Politik muss endlich die Realität akzeptieren und insoweit ihrer Pflicht nachkommen dem Volk zu dienen, was Vorsorge als eine Kernaufgabe einschliesst. Wie Soldaten haben die Regierungsmitglieder einen Amtseid geschworen. Ich würde mir an deren Stelle ungern mein Spiegelbild morgens anschauen.
Für eine gesteigerte Resilienz wäre es dringend erforderlich,
die Ausuferungen die Ressort-Prinzips und m.E. falsch verstandenen Föderalismus einzudämmen.
Hohe Stückzahlen, zügige Materialzuläufe und schnelle Entscheidungen erreicht man nicht dadurch,
dass je Bundesland, jede dritte Stadt- und Kreisfeuerwehr Fahrzeuge und Gerät, obschon zum gleichen Zweck, in unterschiedlicher Ausprägung beschafft, selbst bei simplen Fahrzeugen wie ein Feuerwehr-MTW oder ein Kommandowagen. Wohlgemerkt, im selben Bundesland, teilweise im gleichen Kreisgebiet. Sondern dadurch, dass man länderübergreifende Standards definiert, durchsetzt und hier an einer Stelle großvolumige Rahmenverträge, wegen mir in drei länderübergreifenden Regional-Losen aufgeteilt, über mehrere Jahre mit der Wirtschaft abschließt.
Resilienz erreicht man auch nicht, in dem innerhalb eines Bundeslandes, unter dem Deckmantel des Ressortprinzips, jedes Ministerium die Netzersatzanlagen in den ihm zugehörigen Behörden nach eigenem Gusto verwaltet und betreut (oder eben gerade nicht). Es existieren hier bisweilen nichtmal Planungen, wie der Treibstoffnachschub bei andauernder Notlage laufen soll. Man ruht sich darauf aus, dass in Handreichungen des BBK, z.B. https://www.bbk.bund.de/SharedDocs/Downloads/DE/Mediathek/Publikationen/PiB/PiB-13-notstromversorgung-unternehmen-behoerden.pdf?__blob=publicationFile&v=10 eine Zahl von zu überbrückenden 72 Stunden gesprochen wird. Man ist dann vmtl. stolz, dass man diese (rechnerisch) irgendwie erreicht. Sofern eine Notlage länger dauert..tja, stand ja nicht dort geschrieben, Pech.
Solche, im Prinzip simplen organisatorischen Regelungen kosteten nichts (im Gegenteil, durch Standards ergäben sich Skaleneffekte, welche zu niedrigeren Beschaffungskosten und einer einfacheren Austauschbarkeit, sowie bezogen auf Themen wie Handling und Planung zu klareren Handlungssträngen führten), außer dem Willen zur Durchsetzung und Etablierung. Wie der Philosoph Oliver Kahn schon sagte: „Eier, wir brauchen Eier.“
Kleiner Hinweis: Esbit ist zwar günstig, aber sollte nicht in Innenräumen verwendet werden. Das ist ungesund. Es gibt Trockenbrennstoffe, da geht das. Ich habe eine Einraumwohnung und einen kleinen Keller. Ich kriege alles problemlos unter. Da ich eh drei Wochen im Jahr zelte, habe ich alles. Man sollte sich vielleicht auch informieren, wo der nächstgelegene Notbrunnen ist, wenn man denn diese Info von der Stadt kriegt. Bei uns ist das unter Verschluß. Zu empfehlen wären noch Wasserdesinfektionstabletten und vielleicht ein paar leere Glühweinkanister oder so etwas. Da kann man sich Wasser von einer Zapfstelle holen. Netzwerken ist auch nicht zu unterschätzen. Man braucht kein teures Zeug. Man muß sich nur zu helfen wissen. Ach, und eine Sache noch: Unterstützt die Alten, die Schwachen und die, die sich nicht zu helfen wissen. Manche hatten noch nie ein Beil in der Hand.
„Dazu kann jeder beitragen und auch die Politik muss endlich die Realität akzeptieren und insoweit ihrer Pflicht nachkommen…“
Das die Politiker das nicht machen, wissen wir doch schon lange. Verantwortlich ist der Wähler ! Jeder Wähler sollte sich eben genau überlegen, was oder wen er wählt ! Diese Politiker wurden von dem deutschen Volk gewählt, sie sind ja nicht vom Himmel gefallen. Also trägt der Wähler auch die Verantwortung.
@lukan
PV-Anlagen liefern/laufen bei Stromausfall nur dann, wenn sie schwarzstartfahig sind und das sind kaum welche. Also wird es auch nichts mit Wärme aus der Wärmepumpe.
Fürs Laden des Handy reichen autarke Balkonsolar- oder mobile Solarpanels… ☀️
lukan sagt: „Hat man eine größere PV Anlage, dann kann man auch die Wärmepumpe einige Zeit betreiben.“
Nein, ich muss nochmal PV Träumereien zerstören. Meine PV- Anlage (10 KW Peak) hat an diesem trüben Wintertag 2 – 3 Kw erzeugt. Der Speicher mit 12kw hat nie mehr als 7% angezeigt. Das verbraucht die Wärmepumpe in 30min oder sogar weniger. Handy laden geht preiswerter mit einer geladenen Powerbank.
Nichts gegen PV Anlagen (hab ja selber eine), aber bitte nicht auf Werbesprüche reinfallen, man wäre dann autark.
Im Podcast von Paul Ronzheimer wurde heute erwähnt, dass die Polizei nicht sofort einen Streifenwagen zur Verfügung hatte, als morgens die erste Meldung zur brennenden Stromtrasse einging. Die Feuerwehr war dann wohl ca. 25 min später da.
Vielleicht hätte man bei mehr Kapazitäten der Sicherheitskräfte Spuren oder gar Täter sichern können?
Das ist dann ein grundsätzliches Thema was in die Zuständigkeit des Landes Berlin gehört. Mehr Sicherheitskapazitäten und personelle Resourcen helfen auch nei niedriger schwelligen gesellschaftlichen Problemen.
Warum wird nicht jeder Punkt der kritischen Infrastruktur mit automatisierter Kamera und Bewegungsmelder ausgestattet? Das kombiniert mit einer KI die das relevante Bild den Sicherheitsbehörden sofort auf den Bildschirm schaltet. Das dann noch kombiniert mit einer Gesichtserkennung aus der Täterdatei…..
Aber ach ne, da könnten Persönlichkeitsrechte und der Datenschutz verletzt werden. Da lässt man sich lieber die Infrastruktur abfackeln, bevor man da was ändert.
In Berlin , und wohl auch sonst, werden private Feuerstellen, wie Öfen und Kamine, die es in diesen Vierteln durchaus gibt und das Holz dazu aus den Gärten, aus „Klimaschutzgründen“ immer weiter zurückgedrängt. Es sind immer strengere Gutachten durch die Schornsteinfeger beizubringen. M.W. dürfen oft nur noch gewisse Alt-Anlagen mit Bestandsschutz laufen, wohl auch nur übergangsweise? Neue werden nicht mehr genehmigt. Vielleicht sollte man den Leuten einfach wieder erlauben, eigenständig heizen zu können, nachdem man sie in Berlin erst weg von Ölheizungen und dann hin zu russischem Erdgas und nun zu Stromheizungen gedrängt hat? Meine sonst ganz entspannte Berliner Oma, mit Kriegs- und Blockadeerfahrungen, hatte im Keller ihrer Miet-Etagenwohnung einen alten Notofen aus Stahl, falls die Heizung ausgefallen wäre.
Als (mit Familie) persönlich Betroffener des Blackouts (ich habe am Anfang meines Berufslebens das Thema Zivil- und Katastrophenschutz als kleiner Referent auf Bundesebene auch für einige Jahre beruflich bearbeitet) habe ich im Nachgang zu diesem Vorfall noch immer „weiche Knie“ und mir zittert beim schreiben sprichwörtlich die Unterlippe bzw. der Blutdruck steigt deutlich.
Ich habe früher Katastrophen ausgewertet (Oder-Hochwasser, Elb-Hochwasser, Kirchbach Kommission etc.) und gemeinsam mit vielen anderen Lösungsvorschläge (Gesetzgebung, Planung, Beschaffung, Schaffung gemeinsamer behördenübergreifender Führungsmöglichkeiten/ Führungsmittel) erarbeitet, die trotz klarer Erkenntnisse, im parteipolitischen Prozess sofort verwässert, zerredet, verschoben, unterfinanziert und sinnentleert wurden. Schon lange bevor irgendwelche Papiere zur Innenministerkonferenz gingen war der Drops meist gelutscht und die ganze Arbeit war im Grunde für die Rundablage. Zivil- und Katastrophenschutz hat keine Lobby und ist in der Politik irgendwie nicht „sexy“. Das strukturelle Kompetenzwirrwar ist bekannt – wird aber nicht abgestellt. Im Ahrtal wiederholte sich dann ja auch alles, was hinreichend als dysfunktional bekannt war.
Für den Blackout in Berlin fehlen mir für eine echte Analyse die Fakten, denn ich habe ihn aus der Froschperspektive als „Opfer“ erlebt.
Trotzdem ein erster Eindruck ohne Einordnung (Ich stehe und stand mit Familie und Freunden im gesamten Bezirk in Kontakt):
-> Totalausfall von Mobilfunk, Festnetzt und Internet – fast im gesamten Gebiet – macht Radio-Hinweise wie z.B. „Informationen finden Sie auf folgender Webseite“ komplett sinnlos. Stattdessen müssen wichtige Informationen konkret und unmittelbar im Radio genannt werden. Anlaufpunkte, Hinweise, Warnungen etc. . Das Ganze muss regelmäßig und konkret wiederholt werden! Ohne die einschlägigen GEZ-Sender zu nennen …. Das war ausbaufähig!
-> Allein die Telekom war mit ihrem Mobilnetz einigermaßen schnell wieder in manchen Teilen des Bezirks verfügbar andere Netzbetreiber waren hier eher ein Totalausfall (z.B. Vodafone).
-> Kein Strom = keine Heizung. Im Winter kann das ganz schnell gefährlich werden. Heute hat außer im EFH-Bereich kaum jemand alternative Heizmöglichkeiten. (EFH= Einfamilienhäuschen)
-> Großschadenslagen müssen schnell und entschieden erklärt werden, um die Entscheidungen und Hilfsmöglichkeiten auf die richtige Ebene zu bringen. Das ist in Berlin viel zu spät erfolgt. Die grüne Bezirksbürgermeisterin hat hier, nach allem was ich höre und lese, viel zu lange im Weg gestanden und die Innensenatorin war zu zögerlich (die höhere Führung spielte Tennis). Angeblich wollte die Bezirksbürgermeisterin Schellenberg aus ideologischen Gründen auch Hilfsleistungen durch die Bundeswehr verhindern. Damit stünde sie in einer längeren „Traditionslinie“ der Berliner Grünen.
-> Berlin hat selber ganz offenkundig zu wenig große Notstromer. Diese Lage (in einem einzelnen Teilbezirk) hätte Berlin im Grunde alleine (!) schaffen müssen. Erst mit Eintreffen und Einsatz der Großagregate aus NRW, Sachsen und anderen Bundesländern (Die meisten an Tag drei! Einige wenige bereits am Sonntagabend nach 36 Stunden) war erstmals wirklich Hoffnung in Sicht. Bei einer im gesamten Bundesgebiet koordinierter Netz-Sabotage durch staatliche Akteure, hätte diese Hilfe überhaupt nicht zur Verfügung gestanden. (Zeitenwende?! Jedenfalls nicht in Berlin)
-> Eine Steigerung der Redundanz der Netzabschnitte ist in Berlin angesichts der Bedrohungslage zwingend erforderlich. Das war schon bei den Vorfällen in Köpenick, in Adlershof und nun auch in Steglitz-Zehlendorf eklatant zu sehen. Ein vollständiger Schutz des Netzes wird niemals möglich sein. Um so wichtiger sind optionale Querverbindungen und Umschaltmöglichkeiten für den Notfall. Nennen wir es meinetwegen „Smart-Grid“ o.ä. …(Kommt gut auf der Powerpoint Folie). Dafür (und für genügend große Notstromer) ließen sich gut die 2 Milliarden aus der seltsamen Baumpflanzungsidee des Herrn Bürgermeisters priorisieren.
-> Auch die Aufstockung des Notfallpersonals beim Netzbetreiber, falls erforderlich zusätzliche Maschinen und Spezialgeräte und kritische Ersatzteile (teuer!) sollten unbedingt eingeplant werden. Stichwort „Resilienz“.
-> Polizei, THW, Wasserbetriebe, Feuerwehr, etc. – und viele spontane Ehrenamtler haben einen super Job gemacht. Das Problem lag nach dem ersten Eindruck – wie immer – auf der Ebene der kommunalen Politik (den Egos der kleinen Kommunal-Könige) und an den Schnittstellen zum Land. Die Bundesebene war hier eigentlich nur für Amtshilfe und über das BBK für Materialanfragen gefragt. Warum der Heise-Artikel hier Herrn Dobrindt angreift verstehe ich nicht.
-> Ein fachliche Auswertung – mit besserem Kenntnisstand – wird es sicherlich irgendwann geben. Ich hoffe sehr, dass angesichts der ernsten Weltlage nicht wieder für die Rundablage gearbeitet wird.
Persönliches Fazit:
Schon dieser kleine und räumlich begrenzte Blackout war für die Betroffenen ein krasser und heftiger Einschnitt. In unserem abgelegenen Ortsteil des Blackout-Gebietes gab es keinen Strom, keine normale Heizung, kein Abwasser (da elektrische Druckentwässerung der Straßenzüge), kein Festnetz/Internet – und Mobilfunk nur, weil der nächste Potsdamer Mast in Reichweite steht. Dafür bei uns fast keine Polizeipräsenz (trotz Einbruchserie in der Gegend), während im Großteil des Bezirkes wirklich deutlich und präsent Polizei im Einsatz war (bzw. immer noch ist, da viele Häuser noch unbewohnt sind).
-> Das Buch „Blackout“ lesen und ernst nehmen. Wer die BBK Ratschläge befolgt ist noch lange kein verrückter „Prepper“.
-> Haus nie ohne Feuerstätte bauen (Kamin, Ofen o.ä.), wenn Wärmepumpe, dann auf jeden Fall Notstrom für einige Tage einplanen. Die hälfte unseres Straßenzuges (Wärmepumpe + kein Kamin) musste aufgrund der Kälte ausziehen.
-> Wenn Solaranlage, dann auf jeden Fall einen Wechselrichter mit Notstrom-Funktion und ausreichendem Speicher einplanen. Die meisten Wechselrichter sind bei Stromausfall komplett nutzlos und sind auch nicht für einen begrenzten Notstrom-Ausgang oder eine echte Insellösung nachrüstbar, (Wir haben einen nachrüstbaren Wechselrichter mit Notstromdose und einen großen Speicher. Leider auch 10 cm Schnee auf den Solarpanelen… Beim Nachbarn mit stärkerer Dachneigung und gleicher Ausstattung funktionierte diese Dose sehr gut.) Wir werden unsere Anlage nach diesem Erlebnis für den vollständigen Inselbetrieb nachrüsten, Das kam uns beim Einbau noch übertrieben vor…
-> Notstromerzeuger: Ein kompakter ordentlichen Stromerzeuger ist bezahlbar. Wir hatten seit Tag 4 ein geborgtes Notstromgerät im Einsatz und haben damit unser Haus und das Haus unseres Nachbarn mit Strom für die Gasheizung und Lademöglichkeit für alle Handys, Powerbanks und LED-Lampen versorgt. Wichtig: Beim Hausbau gleich einen Einspeisepunkt für Notstrom am Haus planen und die Stromverteilung entsprechend auslegen, dann lässt sich alles außer elektr. Herd und Backofen ganz normal betreiben. Ohne Einspeisepunkt (mit Notstromumschaltung vor dem Sicherungskasten) bekommt man den Notstromerzeuger nicht sauber angeschlossen. Wir hatten Glück und ein Elektriker aus Potsdam hat unsere Heizungen fachgerecht angeschlossen. (Einspeisepunkt etc. steht jetzt auf unserer „Prepperliste“)
-> Wenn es mit dem Stromausfall jemals ernster wird, muss sich auch jeder die Frage stellen, wie er mit dem Problem von Einbrechern/ Plünderern umgehen will. Einbrüche und Kabeldiebstahl durch osteuropäische Banden sind bei uns Dauerthema. Beim Blackout ist man hier draußen (ggf. ohne Kommunikation) ziemlich alleine. Ich habe mich vor dieser Frage bisher gedrückt, auch wenn ich bei der Bundeswehr hinreichend Erfahrung sammeln durfte, hat mich ein Waffenschein nie gereizt. Ein befreundeter Kollege hat nach drei Einbrüchen in Folge (er hat drei kleine Töchter) massiv in die Sicherheitstechnik investiert und einen Waffenschrank im Schlafzimmer… Da bin ich irgendwie noch nicht.
Angriff auf Hauptstromtrassen war schon probates Mittel der Südtiroler Separatisten im den 1960ern, für die dann u.a. Heiner Geissler Sprengstoff für die Anschläge auf Hochspannungsmasten transportierte….
In Berlin ist das ja noch gut ausgegangen (Gut heisst für KatSchutz: Zahl der Toten und Invaliden sowie Vernichtung von Sachwerten niedrig, Komforteinschränkungen sind hinzunehmen. Ähnlich wie „Jede Landung die man unverletzt überlebt ist gute Landung“) und bei KatSchutz-Einheiten in Länderregie ist DEU sehr gut aufgestellt, nicht schlechter als damals als im kalten Krieg. Da steckt „die Politik“ schon sehr viel rein. Es fehlt an:
– Beüben unter Einbindung der Bevölkerung. Im Katastrophen- oder Grossschadensfall darf der Staat gem. den KatSchutz-Landesgesetzen auf jeden und alles zugreifen, das weiss bloss kaum jemand, auch nicht bei den Behörden. Einquartierung in Privathaushalten oder Beherbergungsbetrieben, Verpflegung in requirierten Gastronomiebetrieben inkl deren verpflichtetem Personal, alles unverzüglich möglich. Man muss es nur tun und der Wirtschaft und den Privatleuten die entspr. Verpflichtungen bewusst machen. Hier ist die Lücke idR nicht bei „der Politik“, sondern auf Verwaltungsebene.
– Resilienz der Versorgungsnetze hins. Redundanz, Provisorien und Schnell-Instandsetzung. Hier kommen vielfach weder die öffentlichen noch die privaten Netzbetreiber entsprechen Pflichten ausreichend nach, Vorgaben sind viel zu lasch, geübt wird zu wenig.
– Dem Willen und der Fähigkeit der oberen Führungsebene zum schnellen und effektiven Handeln. Die zuständige Berliner Innensenatorin gab kein gutes Bild ab, es dauerte (mal wieder..) unverständlich lange bis zur Ausrufung der Grosschadenslage, Einheiten und Mittel wurden zu spät und in zu geringem Ausmass herangezogen, Die Präsenz auf den Strassen war viel zu gering, es hätte viel mehr simple Anlaufstellen und Flutlicht gebraucht, Einsatzmittel dafür hätte man organisieren können. Einige Massnahmen waren nahezu bekloppt, insbesondere das Vorgehen zur City-Tax-Steuer-befreiten aber kostenpflichtigen Hotelunterbringung.
Was auch fehlt sind frühere Möglichkeiten der Bundeswehr zur Amtshilfe, das ist aber ein anderes Spielfeld.
Ich hoffe auf Lessons Learned. Die Aufgabenstellung „Szenario: Für viele Leute fällt der Strom im Winter aus“ sollte jetzt jedem Landrat und den Krisenstäben klar sein.
@Thelamon:
Vielen Dank, dass Sie mit den [auch mir bekannten] Mythen um PV, Wechselrichter, Batterie aufräumen.
Man spricht es immer wieder klar, deutlich, faktenbasiert an und wird dafür diffamiert. Ich muss immer wieder bei Null anfangen.
Bleibt die Frage:
Wer hat diese Mythen [Fake news] warum über Jahre in die Köpfe der Leute gedrückt, die selbst keine Eigenerfahrung mit diesen Technologien haben?
@Wehrpflichtiger_90:
Das ist hier kein Heimenergie- oder PV-Forum, aber die Falschaussagen, mag ich trotzdem nicht uneingeordnet stehen lassen.
„Der Speicherstand einer üblichen Haus- PV Anlage mit Speicher dürfte im betreffenden Winterwetter bei praktisch 0 bis max. 10% liegen.“
Der Speicherstand (SoC) einer Haus-Energierversorgung liegt niemals bei 0 %. Dann ist die Anlage kaputt. Im Winter sollte ist es die sinnvollste Lösung den MinSOC (Minimum State of Charge auf deutlich über 80 % zu stellen, und zur Not mit Graustrom zu beladen)
„Damit betreiben sie einen Kühlschrank keine Stunde.“
Das ist natürlich Quatsch. Ein mäßig effizienter Kühschrank braucht zum Halten der Temperatur etwas 20 watt pro Stunde. Selbst eine kleine Hausbatterie hat mindesten 5.000 Watt Kapazität. Kann jetzt jeder selber ausrechnen.
Viele der durch Sie getroffenen Aussagen sind davon abhänig, wie die Infrastruktur im Haus ist. Hat man eine Full-Backup-Lösung oder eine Notfalls-Ladestation. Wie groß ist der Speicher? Was sind die großen Verbraucher (E-Auto? Wärmepumpe?). Hat man einen statischen oder einen dynamsischen Tarif? Hat man einen IP-fähigen SmartMeter …
Das einzig Richtige, was ich bei Ihnen raus lese, ist, dass im Winter wenig Sonne scheint. Ja. Aber der Rest ist einfach nicht so.
Das Thema Notfallenergieversorgung für Privathaushalte ist komplex und definitiv nicht so wie sie es darstellen. Mehr dazu kann der geneigte Leser in den dafür relevanten Foren nachlesen. Oder eben einen Fachberater fragen.
@TW: Sorry für offtopic, aber das konnte ich so nicht stehen lassen.
Ich warne an dieser Stelle, trotz der emotionalen und vielleicht auch realen persönlichen Verwundbarkeit, vor dem Nationaltrainersymptom.
Berlin.als Stadtstaat hat 24/7 eine extrem hohe Polizeidichte. Nach mehr Polizei auf den Straßen zu rufen, ist aber in Anbetracht der Kosten und Personal-, bzw
Nachwuchssituation unrealistisch.
Redundanzen im Allgemeinen klingen super, sind aber neben den Kosten in organisch gewachsenen Systemen auch unrealistisch. Die bauliche Härtung ist sinnvoll, stößt aber auch wieder an bestehende städtebauliche Grenzen.
Jenseits von jeder Diskussion über „die da oben“, muss man sich einfach bewusst sein, dass wir verwundbar sind. Das sind aber alle Systeme.l, sei es in Russland, der Ukraine, den USA oder China.
Ich möchte aber auch inhaltlich etwas beitragen: In vielen Bereichen, in denen ich micj bewege wird das Thema zivile Verteidigung immer wichtiger, teilweise auch ein Verkaufsargument. Die berliner Krankenhäuser sind mMn da (gedanklich) weit vorne. Da werden die Mitarbeitenden auf eventuelle Notfälle vorbereitet und in der Diskussion mitgenommen. Sicherheitsdienstleister überlegen ihre Mitarbeitenden notfallmedizinisch auszubilden.
Ich behaupte, der Wandel kommt. Die Gesellschaft ist ein gewaltiger Koloss und Wandel braucht Zeit und Geduld. Ja, „die Politik“ muss mehr kommunizieren, ja auch gesellschaftlich muss sich noch Vieles ändern. Aber wir sind auf dem Weg und der Anschlag wird einige Stellen (mehr) motivieren.
@Thelamon
Interessanter Beitrag, Danke ! Nur eine kleine Korrektur: bitte sprechen Sie von einer Waffenbesitzkarte (WBK), nicht von einem Waffenschein 😇
@all
Als Nicht-Fachmann sehe ich mit gewissem Erstaunen, dass selbst die physikalischen Angaben zu Photovoltaik-Anlagen usw. eine, sagen wir gewisse Interpretationsbreite haben… So spannend ich das finde, ich fürchte, das sprengt hier schlicht den Rahmen, und ich würde es gerne bei den beiden sehr gegensätzlichen Aussagen dazu belassen. Auflösen werden wir das hier nicht können.
Kommentar (Schuss-)Waffen & Blackout:
Bitte nicht auf die Propaganda bestimmter Quellen hereinfallen. Da gibt es u.a. einen deutschsprachigen Youtuber und Waffenhändler mit 5 Mio. Followern…
Kommentar Strom-Insellösung Einfamilienhaus:
Viele Solarzellenbesitzer schrecken in der Tat vor den Zusatzkosten dieser Lösung zurück auch da starke Verbraucher trotzdem nicht abgedeckt sind wie Herd /Backofen. Meine neue Nachbarin hat u.a. eine Poolheizung, man kann sich ausmalen wieviel da die Wärmepumpe schluckt…
Und ja, Stromgenerator als Insellösung braucht einen Einspeisepunkt. Mein ( betagter) Nachbar hat den nach dem Ukraine-Angriff 2022 einrichten lassen und nen Generator geshopt…
@Landmazrose3000:
„Angriff auf Hauptstromtrassen war schon probates Mittel der Südtiroler Separatisten im den 1960ern, für die dann u.a. Heiner Geissler Sprengstoff für die Anschläge auf Hochspannungsmasten transportierte….“
Grundsätzlich nicht falsch.
Ich kenne allerdings die Familie und hab mit einem seiner drei Söhne Abi gemacht.
Der spätere CDU-Generalsekretär wusste nicht was er da transportierte. Wer ihn persönlich kannte der konnte eine Absicht nie glauben…
Warum liest man eigentlich nie vom privaten Kraftfahrzeug als kombinierte Wärmestube, Handyaufladestation, und Lichtquelle mit eingebautem Radio? Ich selber halte für solche Überlegungen immer den Tank möglichst voll, um notfalls eine Winternacht mit der ganzen Familie im Auto überbrücken zu können. Im Leerlauf sollte der Tank für eine Nacht reichen – Umweltbelastung und Abnutzung wären natürlich horrend.
Das Problem bei der Verbesserung der Resilienz/ der Vorhaltung im Katastrophen-/ Bevölkerungs-/ Zivilschutz, liegt doch bei folgenden Punkten:
Verbesserung der Resilienz im Stromnetz kollidiert zum Einen mit den Ausbauerfordernissen aufgrund der zunehmenden Elektrifizierung der Heizsysteme (Wärmepumpen), der Elektromobilität, der Rechenzentren. Hier gilt es zu priorisieren, ob die Härtung der bestehenden Infrastruktur Vorrang hat, oder der weitere Ausbau der Kapazitäten. Und hier muss man sowohl das Thema Hardware als auch die Personalkapzitäten betrachten. Grundsätzlich heisst es ja immer, dass das deutsche Stromnetz recht ausfallsicher sei. Vermutlich ist dann sogar der mehrtägige Ausfall in Berlin statistisch vernachlässigbar.
Zum Anderen ist die Verbesserung der Resilienz auch kostenintensiv ohne einen direkten Mehrwert für die Stromverbraucher zu erzeugen. Und da die Energieversorger Wirtschaftsunternehmen sind, düfte die Härtung der Netze zu einer Erhöhung der Netzentgelte führen. Hier kommen wir schnell in einen Zielkonfklikt mit dem Ziel der Senkung der Stromkosten im eropäischen Vergleich.
Auch die Verbesserung der Materialvorhaltung (Stromerzeuger etc) für den Zivil-/ Katastrophenschutz führt doch regelmässig mit dann zu Diskussionen mit Rechnungshöfen/ der Presse ob und in welchem Umfang da Hardware vorgehalten werden soll und im besten Fall nie zum Einsatz kommen wird (was ja die Hoffnung aller ist). Auf Bundesebene (Bundeswehr) ist das sicher leichter auszuhalten wie auf Landesebene (die Länder sind ja für den Kat-Schutz zuständig) wo die Verteilungskämpfe im Angesicht knapper Kassen und nahender Landtagswahlen sicher noch härter sind.
@Marc:
2 Liter Sprit mit dem Strom-Aggregat ohne Abgasreinigung je Stunde verbrennen, ist ja nun nicht umweltfreundlicher als 2 Liter mit dem abgasgereinigten Verbrenner an der Straße pro Stunde zum wärmen der Familie zu verbrennen.
Der Verschleiß ist nach überwundener Kaltlaufphase auch nicht herausgehoben dramatisch. Die nächsten n Stunden ist der Motor ja auf Standard-Betriebstemperatur. In anderen Ländern werden (auch deutsche) Autos mit Fernstart-Option verkauft, statt mit Standheizung…
Das wäre mein Gewissen auch völlig rein, die Idee eines kranken Hirns zur Zerstörung des Netzes ist ja ursächlich, nicht mein Streben nach erträglichen Temperaturen bei Minusgraden.
Bei den privaten Strom-Aggregaten sollte man sich auch Gedanken machen, wie man die mit Kraftstoff versorgt bekommt. Diesel muss nach Norm nur wenige Monate haltbar sein, Heizöl vertragen nicht alle Aggregate (offiziell), 4T Sonderkraftstoff (Alkylatbenzin) wäre dagegen z.B. 5 Jahre lagerfähig. Die Pumpen an Tankstellen und teilweise auch an Mineralöl-Lagern sind nicht mit Netzersatz-Anlagen versehen. Von daher evtl. den Treibstoff des eigenen Fahrzeugs mit bedenken. In der Regel stehen einem bei gefüllten Tank je KFZ dann nochmals 40-70 Liter zur Verfügung, die man einfach per Schlauch oder fahrzeugeigener Spritpumpe aus dessen Tank bekommt. Wenn man einen Benziner fährt. kann das Benzin-Aggregat so trotz etwas Mehrverbrauch die bessere Wahl sein,
@Marc,
wenn Sie beim Blackout Ihre Wohnung nicht mehr beheizt kriegen und noch eine Tankfüllung im Auto haben, sollten sie Ihre Familie einpacken und mit dem Auto das Gebiet verlassen.
-> Im worst case stehen sie sonst morgens mit leerem Tank vor dem kalten Haus und können sich zu Fuß evakuieren.
@SanHG93
Ihre Überlegungen sind genau der Grund warum Zivil-/Katastrophenschutz ständig auf allen Ebenen unterfinanziert ist!!
-> Unter dem Gesichtspunkt der Landesverteidigung ist die Resilienz des Stromnetzes und der Stromversorgung unerlässlich. Sonst sind wir noch in der Hybriden Phase (vor dem Spannungsfall) reif für die Kapitualtion weil die Zivilbevölkerung durch die Folgen eines großflächigen Blackouts am Ende mit den Nerven und der Belastbarkeit ist.
-> Netzausbau (günstig und ohne Redundanz) für immer mehr Verbraucher (Wärmepumpen und E-Autos) wäre der beste Weg in die Falle.
-> Es ist unter sicherheitspolitischen Gesichtspunkten auch fragwürdig, ob wir wirklich alle Kohlekraftwerke endgültig vom Netzten nehmen (und Rückbauen) sollten, solange wir noch keine funktionierenden Alternativen haben (genügend neue Gaskraftwerke als Ersatz + Speichermöglichkeiten für die Alternativen Energien). Ganz abgesehen davon, das Gas als künftig einzige grundlastfähige Energiequelle uns extrem erpresspar macht.
-> Nationale Sicherheit und Klimaprojekte haben hier einen klaren Zielkonflikt.
@Thelamon: Guten Kommentare. An einer Stelle möchte ich aber widersprechen: Nationale Sicherheit und Klimaprojekte haben keinen Zielkonflikt, sie haben eher eine Übereinstimmung. Jede neue Windkraft-, PV-, Biogas- oder Speicheranlage reduziert die Unabhängigkeit in der Energieproduktion von zunehmend unsicheren Marktteilnehmern und fördert den Klimaschutz. Dies erfordert zwar hohe Investitionskosten, insbesondere gekoppelt mit dem Netzausbau, dafür sind nach hinten raus die operativen Kosten (OPEX) schlicht erheblich niedriger da die Brennstoffe nicht gekauft / importiert werden müssen. Ergänzend dazu der Hinweis, dass der gerne als „so teuer“ benannte Netzausbau eh im Zuge einer Modernisierung des Netzes in vielen Fällen notwendig gewesen wäre.
Viele von den Kohlekraftwerken, die vom Netz genommen worden sind, sind nicht in den Abbruch gegangen sondern stehen den Netzbetreibern als Redispatchkapazität und Verfügungsreserve zur Verfügung. Diese nehmen nicht aktiv am Marktgeschehen teil, sondern sind reine Back-Up-Kapazität, die im Notfall einspringt. Die notwendige Kapazitätsreserve ermittelt die BNetzA und gibt diese auch vor.
Noch ein Hinweis: momentan leisten wir uns beim Biogas (zugegeben teuer in der Produktion – wer aber mal genau hinschaut wird feststellen, dass wir damit eine sehr hohe, lokale Wertschöpfungsquote haben) den Luxus, dieses direkt zu verstromen. Es wäre eleganter, eine Vielzahl von Anlagen auf eine Netzeinspeisung von Gas umzurüsten und Biomethan an Stelle von importierten Biogas zu verstromen. Wir haben hier in nennenswerter Größenordnung Erzeugungskapazität verfügbar, und könnten noch erheblich mehr an Biogas generieren, ohne dass es zu Flächenkonflikten mit der Nahrungsmittelproduktion kommt.
Für mich ist die in vollem Schwung laufende Energiewende ein ganz wesentlicher Baustein in der Schaffung von mehr Resilienz in der Energieversorgung Deutschlands. Die dezentrale Natur der Erzeugung reduziert schlicht Risiken bei Angriffen. Wo sicherlich noch Verbesserungsbedarf besteht, ist beim Schutz und der Redundanz wesentlicher Netzanschlussknoten. Aber auch daran wird gearbeitet. Und ganz wichtig: je mehr Speicher wir haben, desto mehr Spielraum und Handlungsfähigkeit haben wir im Falle von Angriffen. Insgesamt machen wir in diesem Bereich schon viel richtig: Ausbau der Erzeugungskapazität, Ausbau der Netze und in Summe sinkende Stromkosten. Die Energiewende zu beschleunigen, würde uns sogar noch deutlich helfen.
Wo ich allerdings einen Blick drauf werfen würde: wie sicher sind die Wechselrichter [im privaten PV-Bereich] aus asiatischer Produktion? Gibt es dort Back-Doors, die es zu schließen gilt? Oder ggfs. sogar die Notwendigkeit, diese gegen europäische und abgesicherte Produkte auf Sicht auszutauschen?
Ja, wir sind kein Fachforum.
Trotzdem:
Nur um die Verhältnisse einzuschätzen:
Meine 8Kw PV mit 7,7kwh Batterie hat im Januar bisher 6,85Kwh erzeugt. Verbraucht habe ich 77,55kwh.
Lage Nordseeküste.
Ich habe keine Wärmepumpe!
Grundrauschen nachts Fernseher/Licht aus 200w. Aktuell mit Glotze, Licht und Laptop 400w.
Wann ist noch mal das Buch bzw. der Roman von Marc Elsberg veröffentlicht worden, daß genau dieses Szenario behandelt? Wollte man das damals nicht als Anlass nehmen, sich auf so etwas vorzubereiten?
@Trevor Faith
Der Roman war nicht der Anlass für die Ankündigung von Maßnahmen, sondern eine Studie, auf der auch der Inhalt des Romans beruht: https://publikationen.bibliothek.kit.edu/1000103291
Es gibt eine Reihe weiterer Untersuchungen zu dem Thema, die für den Fall eines großflächigen und langanhaltenden Stromausfalls meist Auswirkungen beschreiben, die drastischer sind als die im Roman dargestellten. Nur das KKW-Problem ist zwischenzeitlich entfallen.
Luxus-Prepper-Abschluß:
Die einzig coole Möglichkeit länger mit TV / Sat-Internet / Heizung zu „überleben“ mit Einspeisemöglichkeit im Eigenheim:
Grosser Elekro-SUV mit Monster-Akku.
Und der Möglichkeit noch nachzuladen durch kurze Ausflugsfahrt :-)
Das geht aktuell bis 200 kWh.
@all
Mit einigen Kommentaren, die ich nicht freischalte, sind wir jetzt auf der Ebene der persönlichen Auseinandersetzung angelangt.
Ich mache die Kommentare zu.