Bundestag billigt „Neuen Wehrdienst“ – Bundesrat entscheidet am 19. Dezember
Der Bundestag hat die Neuregelung von freiwilligem Wehrdienst und die Voraussetzungen für eine mögliche Wehrpflicht gebilligt. Mit der fast vollständigen Mehrheit der Koalitionsfraktionen von Union und SPD stimmte die Mehrheit des Parlaments dem Gesetzespaket zu, dass zuletzt mit Verhandlungen innerhalb der Koalition noch einmal verändert worden war und unter anderem konkrete Vorgaben für die Größe der Bundeswehr in den kommenden Jahren vorsieht.
Für das Gesetz sprachen sich in der namentlichen Abstimmung am (heutigen) Freitag 323 Abgeordnete aus, damit übrigens mehr als bei der nachfolgenden Abstimmung über das umstrittene Rentenpaket:
Die beiden Koalitionsfraktionen stimmten bis auf den SPD-Abgeordneten Jan Dieren geschlossen zu. Die Oppositionsfraktionen von AfD, Grünen und Linke lehnten die Neuregelung – wenn auch aus unterschiedlichen Gründen – ebenso geschlossen ab. Am 19. Dezember wird der Bundesrat darüber abstimmen; erst nach dessen Zustimmung kann das Gesetz wie geplant zum 1. Januar kommenden Jahres in Kraft treten.
Das Wehrdienstmodernisierungsgesetz sieht im Wesentlichen vor, dass alle jungen Deutschen ab 18 Jahren mit Beginn des kommenden Jahres einen Fragebogen erhalten, in dem sie über ihre Bereitschaft zum Dienst in den Streitkräften, körperliche Fitness und Ausbildung Auskunft geben sollen. Männer müssen, Frauen können diesen Fragebogen ausfüllen. Bereits ab 2026 sollen Männer verpflichtend zur Musterung geladen werden. Der Dienst in der Bundeswehr bleibt aber vorerst freiwillig; erst wenn der geplante Zuwachs der Truppe in den kommenden Jahren unter der Zielplanung bleibt, soll eine Wehrpflicht nur für Männer per Gesetz wieder eingesetzt werden.
Das Verteidigungsministerium erläuterte nach der Zustimmung des Parlaments die wesentlichen Punkte aus seiner Sicht so:
Abgeleitet aus der Bedrohungslage und den NATO-Planungen zur Verteidigung des Bündnisses muss die Bundeswehr personell aufwachsen, die aktive Truppe und die Reserve. Das heute beschlossene Gesetz wird die personelle Einsatzbereitschaft der Bundeswehr stärken. Alle Neuen Wehrdienstleistenden sind Teil der aktiven Truppe bzw. nach dem Ende ihres Wehrdienstes Teil der Reserve.
Die persönliche Entscheidung für den Neuen Wehrdienst beruht dabei allein auf dem Prinzip der Freiwilligkeit. Es gibt derzeit keinen Automatismus oder ein Zufallsverfahren für Pflichtanteile. Wir werden mit einem attraktiven und sinnstiftenden Gesamtpaket überzeugen.
Dabei setzen wir auf eine hochmoderne Ausbildung auf Augenhöhe. Bereits in diesem Sommer haben wir unsere Strukturen angepasst und moderne Ausbildungsinhalte integriert. Der Dienst für unser Land wird interessant, sinnstiftend und attraktiv sein. Dazu gehört auch eine faire und anerkennende Besoldung. Bei einer Verpflichtungsdauer von sechs bis elf Monaten liegt das Anfangsgehalt für Freiwillig Wehrdienstleistende als besonderes staatsbürgerliches Engagement (FWDL) bei rund 2600 Euro brutto. Wer sich länger verpflichtet, erhält als Soldat auf Zeit/ Soldatin auf Zeit (SaZ) sogar noch etwas mehr. Daneben bieten wir aber auch viele nicht-monetäre Attraktivitätsfaktoren wie individuelle Fortbildungsmaßnahmen (beispielsweise Sprachkurse) oder den Umgang mit hochmodernen Technologien.
Die Einführung einer modernen Wehrerfassung und Wehrüberwachung ist ein für unsere Sicherheit besonders zentraler Bestandteil des Wehrdienst-Modernisierungsgesetz. Im Ernstfall müssen wir wissen, wer für die gesetzlich verankerte Wehrpflicht im Spannungs- oder Verteidigungsfall verfügbar ist, wo die Person wohnt und ob besondere Qualifikationen, z.B. durch eine vorherige Dienstzeit bestehen. Für die Wehrerfassung wird dies durch einen Online-Fragebogen an alle 18-Jährigen in Deutschland lebenden deutschen Staatsangehörigen erfolgen. Männer müssen, Frauen und Personen eines anderen Geschlechts können diesen ausfüllen. Mit Inkrafttreten des Gesetzes wird mit dem Jahrgang 2008 begonnen. Für die Wehrüberwachung werden die Daten nach einer Wehrdienstzeit regelmäßig aktualisiert.
Wichtiger Teil der Wehrerfassung ist die „Musterung“. Eine Musterung ist eine Untersuchung zur Feststellung der Wehrdienstfähigkeit und Verwendungsmöglichkeit. Der ärztlichen Untersuchung voraus geht immer eine Befragung (Anamnesebogen) über Erkrankungen und Symptome und die medizinische Vorgeschichte, wie auch bei einem regulären Arzttermin üblich. Dabei werden auch allgemeine Aspekte der persönlichen und charakterlichen Eignung betrachtet. Es ist vorgesehen, dass die Musterung innerhalb eines Tages abgeschlossen sein wird und das Musterungsergebnis feststeht.
Es ist geplant, zunächst diejenigen ärztlich zu untersuchen, die ihre Bereitschaft für eine freiwillige Wehrdienstleistung bekundet haben und die nach Auswertung der Fragebögen dazu geeignet erscheinen. Im Rahmen freier Kapazitäten werden wir folgend die Musterungszahlen schrittweise erhöhen und weitere Teile des Jahrgangs 2008 (und dann 2009) mustern. Ab Mitte 2027 werden wir die erforderlichen Kapazitäten soweit aufgebaut haben, dass die flächendeckende Musterung erfolgen kann. Dafür sind deutschlandweit 24 Musterungszentren vorgesehen. Unser Ziel ist es, neue, moderne Strukturen aufzubauen. Die genauen Planungen hierzu sind noch nicht abgeschlossen. Auskünfte zur regionalen Ausgestaltung können daher noch nicht getroffen werden.
Als Änderung im parlamentarischen Verfahren werden nun auch konkrete Aufwuchszahlen für den gesamten Personalstand der Bundeswehr bis 2035 gesetzlich festgehalten. Dies umfasst aktive Soldatinnen und Soldaten sowie nicht aktive Reservistinnen und Reservisten der Bundeswehr. Über die Entwicklung dieses Aufwuchses soll zukünftig halbjährig gegenüber dem Deutschen Bundestag berichtet werden. Sollte der festgeschriebene Aufwuchskorridor nicht eingehalten werden oder wenn es die verteidigungspolitische Lage erforderlich macht, kann der Deutsche Bundestag mit einem erneuten Gesetzgebungsverfahren weiterführende Maßnahmen für die personelle Einsatzbereitschaft der Bundeswehr beschließen.
Wichtig ist uns: Der Freiwillige Dienst in den Streitkräften steht gleichberechtigt neben den zivilen Diensten beispielsweise dem Bundesfreiwilligendienst oder dem freiwilligen sozialen Jahr. Hierzu wird es im Anschreiben zum Fragebogen und nach Abschluss der digitalen Beantwortung jeweils Hinweise auf das Angebot der Freiwilligen Dienste geben.
(Archivbild September 2025: Soldaten stehen gemeinsam, aufgenommen im temporaer errichteten Convoy Support Center auf dem Truppenuebungsplatz Oberlausitz bei Weisskeissel – Florian Gaertner/photothek.de)

Na ja… das Wehrdienstgesetz setzt ja keine Partei unter Zugzwang.
Mit der schönen Bezahlung werden bis 2028 ( d.h. vor der nächsten Wahl ) wohl die Zielpersonalzahlen erreicht werden.
Richtig lustig werden die,Diskussionen erst danach mit Festlegung der Dauer und der Bezahlung des,Ersatzdienstes. Und wer in den Lostopf kommt und wer eben nicht ( Verfassungsfeinde ? , Familienväter ? , Antragssteller eines Verweigerungsantrags ? )
Für mich bleibt dieser „neue“ Wehrdienst nichts weiter als eine Hintertür zur schrittweisen Wiedereinführung der Wehrpflicht. Die Bundesregierung kann es nennen, wie sie will, aber die politische Logik ist eindeutig: Man baut Strukturen auf, testet Abläufe, gewöhnt die Öffentlichkeit wieder an den Gedanken und schafft damit genau die Vorbedingungen, die man für eine spätere Wehrpflicht braucht.
Zudem zeigt die Geschichte klar: Freiwilligkeit hat noch nie ausreichend Soldaten hervorgebracht, weder in Deutschland noch in anderen europäischen Staaten. Die Bundeswehr kämpft seit Jahren mit massivem Personalmangel, trotz höherer Soldzahlungen, Werbekampagnen und vereinfachten Bewerbungsverfahren. Warum ausgerechnet dieses „neue“ Modell plötzlich Tausende neue Rekruten liefern soll, bleibt völlig unklar, es gibt keinerlei strukturellen Grund für diesen Optimismus.
Hinzu kommt die internationale Sicherheitslage, die seit Jahren als Begründung dient, die Truppe „stärker aufzustellen“. Genau deshalb wirkt dieser Wehrdienst weniger wie eine Lösung, sondern eher wie ein Zwischenschritt: Erst erweitert man die Freiwilligenangebote, dann stellt man fest, dass die Zahlen nicht reichen, und im nächsten Schritt wird die Rückkehr zur Wehrpflicht als „alternativlos“ präsentiert. Andere Länder haben genau diesen Weg bereits vorgemacht.
Kurz gesagt: Dieser neue Wehrdienst löst kein Problem – er bereitet nur die Bühne für die Wiedereinführung der Pflicht, die ohnehin kommen wird.
Tja, besser als nix. Mehr war politisch nicht drin. Das Gesetz spiegelt die Meinung unserer Gesellschaft.
Die neue Wehrpflicht, welche mehr eine Musterungspflicht für Männer ist, ist besser als nichts. Aber der neue Gesetzentwurf bringt keine wirklichen Verbesserungen, gegen den vorherigen Entwurf mit Losentscheid, welchen der Verteidigungsminister gestoppt hatte unnötiger Weise. Zwar sollen jetzt alle Männer gemustert werden, aber 2026 werden sicher die Kapazitäten nicht reichen, um alle Männer zu mustern tatsächlich. Das Gesetz ist ungerecht, weil Frauen nicht zur Beantwortung des Fragebogens & zur Musterung verpflichtet worden sind, denn solange der Wehrdienst freiwillig ist, dient die Musterung ja gerade dazu, daß jeder junge Mann automatisch in Kontakt mit der BW kommt, in der Hoffnung, daß sich dann mehr Bewerber freiwillig melden, wenn sie zwangsweise Kontakt zur Bundeswehr haben müssen.. Dieser Zweck würde auch für Frauen gelten, so daß es keiner GG Änderung benötigen würde, um auch Frauen der Musterung zu unterwerfen. Die Sollzahlen sind zwar eine kleine Verbesserung auf den ersten Blick, aber nachdem die neuen Sollzahlen unter der AKK Planung liegen, sollen die niedrigen Zahlen wohl vor allem verhindern, daß die Große Koalition in dieser Legislaturperiode über die Bedarfswehrpflicht abstimmen müsste. Und ein klarer Nachteil ist, daß die Bedarfs-Wehrpflicht wieder ein Gesetz zur Einführung benötigt, statt nur eine Regierungsverordnung mit Zustimmung des Bundestages, was nach dem alten Entwurf genügt hätte.
@ Closius sagt 05.12.2025 um 18:09 Uhr: „ Das Gesetz ist ungerecht, weil Frauen nicht zur Beantwortung des Fragebogens […] verpflichtet. […] Dieser Zweck würde auch für Frauen gelten, so daß es keiner GG Änderung benötigen würde, um auch Frauen der Musterung zu unterwerfen“
Das sieht die Rechtswissenschaft in über nahezu völliger Einheit anders. Zweck einer Wehrpflicjt ist immer grundsätzlich der verpflichtende Dienst an der Waffe (sonst bekommen sie ein Problem mit der Zwangsarbeitskonvention)
Das ist aber im Grundgesetz für Frauen ausdrücklich ausgeschlossen. Selsbt für die Ausnahme die sich in Art 12a IV vorgesehen ist, schließt das der Satz 2 aus
„…Sollte der festgeschriebene Aufwuchskorridor nicht eingehalten werden oder wenn es die verteidigungspolitische Lage erforderlich macht, kann der Deutsche Bundestag mit einem ***erneuten Gesetzgebungsverfahren*** weiterführende Maßnahmen für die personelle Einsatzbereitschaft der Bundeswehr beschließen….“
Sehr interessant vor allem:
1. Die Wehrpflicht kann auch wiedereingeführt werden trotz Erreichens der festgeschriebenen Personalziele.
2. Da dafür trotzdem ein erneutes Gesetzgebungsverfahren erforderlich ist hätte man sich diese Anmerkung auch sparen können. Klingt aber natürlich entschlossener….
3. Festgeschrieben wurde aber der verpflichtende Fragebogen und die verpflichtende Musterung. Aufwachsend ab Jahrgang 2008. Wer früher geboren ist oder weiblich ist raus.
4. Das diskutierte Losverfahren ist nicht zwingend Mittel der Wahl zur Rekrutierung. Kann, aber muss nicht…
Negativbeispiel beim Losverfahren wäre der Vietnamkrieg ( natütlich war hier die Situation viel brutaler, nach der Grundausbildung gings direkt in den Dschungel ). Entscheidend war damals nicht nur Glück, sondern vor allem wer NICHT im Lostopf landete. Man google nur mal Dick Cheney in der „Vietnam War Lottery“.
Anmerkung: In den USA besteht bis heute eine lebenslange Verfolgung von Fahnenflucht, einzige andere Delikte die nicht verjähren sind Mord und Spionage…
Das war während des Vietnamkriegs echt übel da es de facto nicht wirklich Kriegsdienstverweigerung gab ( in diesem Fall traf der Ausdruck semantisch vollumfänglich tatsächlich zu ).
All das wird der Nachfolgeregierung noch starke Kopfschmerzen bereiten wenn es um das WIE der Wehrpflichtseinführung geht… 2029 dann Wiedervorlage.
PS:
Bin vorhin an einer Demo in Mainz vorbei auf dem Weg zum Weihnachtsmarkt.
„Frieden schaffen ohne Waffen“.
Waren nicht die Grünen.
Sondern die Linke Partei.
Passte durchaus zum Weihnachtsmarkt, ob es zur aktuellen Situation passt ist diskutabel…
Ein cleverer Schachzug die geplanten Aufwuchszahlen in das Gesetz zu schreiben.
Denn es geht dann politisch nur noch um eine Frage: Wird im jeweiligen Jahr DIESE Zahl erreicht ?
Wenn ja… wird der Minister dies als großen Erfolg verkaufen.
Das das Dienstgrad-/Laufbahngefüge dabei aber nicht zum Auftrag passen wird… wird ggf. schlicht vergessen zu erwähnen… 😉
Und wie erreicht man diese Zahlenspiele?:
Soll-Stärke 2031 210.000 – 220.000
Im Jahr 2031 sollen davon 40.000 FWDL/SaZ-kurz sein.
D.h. man nimmt dann die untere Grenze von 210.000 minus 40.000 und kommt zu 170.000 SaZ-lang/BS.
Fehlen bei den 40.000 Freiwillige…
Rufe ich die vom Gesetz geforderte schlechte Personallage aus… und fülle über ein entsprechendes Gesetz das Fehl zu 40.000 mit Wehrpflichtigen auf.
Bei den SaZ-lang/BS muss ich dann bis 2031 kein bisschen aufwachsen… wenn es eben nur um die Kopfzahl 210.000 geht.
Perfekt! 😉
Trotz und alledem verstehe ich nicht, warum nicht ein verpflichtendes Jahr für einen sozialen oder militärischen Dienst für ALLE eingeführt worden ist. Nach meinen Erfahrungen mit jungen Leuten beiderlei Gechlechts täte ALLEN ein Jahr Engagement im sozialen oder militärischen (und das ist in Friedenszeiten „Geländespiel Plus“) Bereich zur Selbstfindung ausgesprochen gut.
Die blödsinnigen Schülerstreiks gegen die Wehrpflicht basieren übrigens, da gibt es bei der FAZ einen hervorragenden Kommentar, auf grundlegenden Denkfehlern und einer von woher auch immer stammenden bösartigen Propaganda. Eine vorsorgliche Ausbildung für eine Parlamentsarmee und einen Krieg, der, Gott behüte, nicht kommen wird, hat mit „Kanonenfutter“ inhaltlich nicht das Geringste zu tun. Aber wir sehen wieder einmal, wie Denkfehler und Propaganda in den sozialen Medien viral gehen, ohne hinterfragt zu werden. DAS lässt Böses für die Zukunft diese Landes befürchten.
@OFA d.Res. , das hatten wir doch schon zur genüge in dem Zusammenhang warum jetzt nur die Wehrpflicht für Männer kommt und nicht für alle oder sonst ein Dienst für alle.
Weil es schlicht so im Grundgesetz steht und eine Mehrheit das zu ändern nicht in Sicht ist bzw man dann mit Parteien zusammen arbeiten müsste mit denen man es nicht will.
Pio Fritz sagt…. „““Das Gesetz spiegelt die Meinung unserer Gesellschaft.“““
Das kann nicht stimmen weil sämtliche Umfragen für eine klare Wehrpflicht sind. Ich denke es ist derzeit politisch nicht mehr rauszuholen. das weiss auch Pistorius.
Apollo11 sagt „““All das wird der Nachfolgeregierung noch starke Kopfschmerzen bereiten wenn es um das WIE der Wehrpflichtseinführung geht… „““
Es geht nicht um eine Wiedereinführung weil sie ja schon da ist. Sie ruht und kann kjederzeit mit ner einfachen Mehrheit aktiviert werden. Die Frage ist jedoch: Was passiert dann?
@OFA d.Res.
Vielen Dank für die unfreiwillige Ironie in Ihrem Kommentar.
Sie fordern in Ihrem ersten Satz ein verpflichtendes Jahr für sozialen oder militärischen Dienst für alle, um dann in der Folge die Schülerstreiks dafür zu kritisieren auf Denkfehlern zu beruhen. Ihre Forderung etwa nicht?
Ein sozialer Pflichtdienst, der nicht Ersatzdienst für den Wehrdienst ist, ist rechtlich nicht umsetzbar, selbst wenn es dafür parlamentarische Mehrheiten gäbe.
Sie argumentieren völlig zu recht das die Argumente bei den Schülerstreiks am Thema vorbei gehen, dann bleiben Sie bei Ihren Argumenten doch bitte auch im Rahmen des rechtlich möglichen.
Und ob ein Jahr Pflichtdienst allen gut tun würde (da bin ich sogar bei Ihnen) ist in diesem Zusammenhang völlig irrelevant. Wir reden hier von erwachsenen Bürgern und für die hat der Staat nunmal keinen Erziehungsauftrag.
Können wir diesem Zombie „Dienstpflicht“ jetzt bitte seine wohlverdiente Totenruhe gönnen?
Gerade die Demos zeigen ja, dass eine schrittweise Vorgehensweise notwendig ist, um die Gesellschaft mitzunehmen. Die Fragebögen für Männer kommen verpflichtend: Sehr gut!
Die Musterung wird priorisiert auf die Interessierten und Qualifizierten: Sehr gut!
Wer aus dem freiwilligen Wehrdienst ausscheidet geht direkt in die Reserve: Sehr gut!
Dann mal ran an die Umsetzung mit den Fragebögen und der Wiedereinführung der Musterung.
Ich bin im Augenblick recht zuversichtlich, dass der Aufwuchs der Bundeswehr auf freiwilliger Basis gelingen kann.
Ich weise übrigens darauf hin, dass ein Nicht-Erreichen des Korridors nicht automatisch die Einführung der Wehrpflicht nach sich zieht. Das bleibt im Ermessen des Bundestages, der jetzt ja regelmäßig informiert werden wird und auch Zielgrößen genannt bekommen hat.
@Felix2, mit den Rechenspielen zur Stärke und wo muss man wie wachsen.
Die Frage ist ja dabei, müssen es wirklich auch mehr SaZ lang/BS werden um die Bundeswehr einsatzbereit auf die gewünschte Stärke zu bringen oder reicht es innerhalb der aktuellen Zahl SaZ lang/BS nur Stellen aus warmen Büros und Ämtern raus ins Feld zu verschieben?
@Flo sagt:
06.12.2025 um 19:22 Uhr
Auch Sie verkürzen das Personalproblem der Bundeswehr auf die reine Stärke. Genauso wie die Politik und die Führung des BMVg.
Rechnen Sie einmal zusammen wieviele neue und vor allem zusätzliche (!!) Waffensysteme bis 2035 beschafft werden sollen…
Dies bedeutet 1000de (!!) neue Dienstposten in den Laufbahnen der Uffz/Fw/Offz.
Da nützen Mannschaften nichts….
Und … aus der Gruppe der Mannschaften wird die Bw maximal, wie zu Zeiten des alten Grundwehrdienstes, ca. 30 % für einen längeren Dienst und (!!) Laufbahnaufstieg gewinnen können.
Und jetzt stellen Sie sich einmal die Frage welchen Kampfwert eine moderne Armee hat, die zwar bei den Mannschaften ggf. voll besetzt ist…
Aber z.B. keine Panzerkommandanten, Feuerleitoffiziere, Wartungsfeldwebel, Piloten, Techniker auf Schiffen/Booten/U-Booten, etc. etc. hat … ??
Nein.
Natürlich können Sie die Strukturen überarbeiten und Dienstposten in den Ämtern/Behörden streichen … um sie z.B. in der Kampftruppe auszubringen…
Aber … wie o.g. … was nützen z.B. 1000 neue Dienstposten Panzerkommandant (Laufbahn Feldwebel) … wenn Sie davon aus neu Eingestellten, Laufbahnwechslern und ggf. Umschülern nur 400 besetzen können… Dann bleiben trotzdem 600 Panzer in der Halle stehen…
Eine Armee die im Krieg siegen (!!) will, benötigt alle (!!) seine Zahnräder die perfekt ineinander greifen müssen.
Erst dies führt zu einem hohen Kampfwert.
Nur mit Mannschaften, bzw. mit unbesetzten Dienstposten werden Sie keinen Krieg gewinnen.
Ich glaube nicht, dass die Bundeswehr strategisch auf dem richtigen Weg ist. Polen und Frankreich führen die (allgemeine) Wehrpflicht auch nicht wieder ein.
Aus meiner Sicht sind Lagedarstellung und die Lagefeststellung einfach falsch. Der Ukraine-Krieg rechtfertigt nicht den gesamten Aufwand, den wir betreiben. Ich bin immer noch kein Putin-Freund oder Russland-Fan!
Es hätte noch andere Möglichkeiten gegeben:
– Aufbau einer wirkungsvollen Reserve
– Binnenoptimierung: Soldaten aus den Verwaltungsbüros in die Kampftruppe
Es ist und bleibt ein Narrativ, dass Russland die NATO angreifen will. Nur auf Basis dieser Erzählung will die Bundeswehr zur konventionell stärksten Armee werden. Alles irre.
@Felix2, keine Frage. Die reine Kopfzahl an Soldaten sagt wenig aus.
Die politische Vorgabe ist aber im Jahr X wollen wir die Zahl Y an Soldaten haben. Und dem Ziel ist egal wie sich die Soldaten auf einzelnen Gruppen verteilt.
Für eine wirksame Abschreckung muss ich die Soldaten natürlich sinnvoll verteilen, 200.000 Sanitäter dürften da wenig Wirkung haben. Und ja wenn ich die stärkste konventionelle Armee Europas haben will und der Nato x Bataillone Kampftruppen zusage, muss ich ggf nachrechnen ob ich das auch mit meiner Zielgröße Y Soldaten erreichen kann.
@Felix2: Im Augenblick sehe ich noch keine leeren Panzer in den Kasernen auf uns zukommen. Allerdings sollte allen klar sein, dass ein schneller Aufwuchsbedarf überall zu Problemen führt: beim Personal, beim Material und bei dem Liegenschaften. Das das nicht vollständig synchronisiert erfolgen wird ist klar. Wichtig ist das Loslegen in der breiten Front und das Zusammenführen und Beüben, wo dies möglich ist.
@Nachhaltig sagt:
07.12.2025 um 16:51 Uhr
„@Felix2: Im Augenblick sehe ich noch keine leeren Panzer in den Kasernen auf uns zukommen.“
Habe ich von „im Augenblick“ gesprochen ? Nein !
Es geht um den sachgerechten (!) Aufwuchs zu einer kriegstüchtigen Armee – am besten bis 2029 … spätestens 2035.
Und dies wird nicht gelingen … wenn das benötigte Personal nicht da ist !
Da nützt kein Material und auch keine noch so tolle Infrastruktur !
z.B. einen Feuerleitoffizier Patriot auszubilden… dauert gut 7 Jahre ! (und dann ist er immer noch ein Anfänger…)
Das bedeutet die Einstellung hätte schon 2023 erfolgen müssen… wenn ich ihn 2030 benötige…
Denn wir bekommen ja nicht nur Ersatz für die an die UKR abgegebenen Systeme… sondern zusätzliche…
Ggf. mit der Aufstellung eines zusätzlichen FlaRak-Geschwaders.
Und auch bei anspruchsvollen Verwendungen bei den Feldwebeln muss man als Personalplaner mit
Jahren an Vorlauf arbeiten…
Sie können „loslegen in der breiten Front“ wie Sie wollen…
Wenn es der Bundeswehr ab 2026 nicht gelingt den deutlich steigenden Bedarf an Uffz/Fw/Offz
zu decken … wird dies nichts mit kriegstüchtig bis 2029 … und auch nicht 2035 …
Denn diese Personengruppe bekomme ich ausschließlich (!!) über Freiwillige.
@Florian Staudte:
Das „Narrativ“ ist aber beileibe von anderer Qualität als das Ammenmärchen der russischen Freundschaft. Zur Erinnerung:
Russland hat 2014 völkerrechtswidrig die Krim besetzt und unterstützt seitdem aktiv Separatisten im russischsprachigen Donbass mit Mensch und Material.
Die russischen Vordenker, denen der Kreml augenscheinlich ideologisch am nächsten folgt haben öffentlich nachlesbar die Wiederherstellung der sowjetischen Grenzen – teilweise darüber hinaus – gefordert und diese Überlegungen finden regelmäßig auch Eingang in die Rhetorik von Kreml-Verantwortlichen und werden im russischen Staatsfernsehen nicht nur geduldet, sondern auffällig markant verbreitet. Das Baltikum, Weißrussland und Karelien stehen demnach ebenso auf der Speisekarte wie der Kaukasus und die zentralasiatischen Republiken. Mit (neuerdings) Finnland, Polen, den baltischen Staaten und der mit Aserbaidschan eng verbündeten Türkei betrifft dies allein sechs NATO-Mitgliedstaaten, davon vor allem die Baltischen Staaten unmittelbar in ihrer souveränen Existenz.
Russland hat den Syrienkonflikt durch Auslösen von Flüchtlingswellen und Unterstützung für das Assad-Regime verschärft und Flüchtlingsströme dabei auch aktiv über Russland und Weißrussland laufen lassen, um die EU und europäische Staaten zu destabilisieren.
Russland unterstützt aktiv rechtsradikale bis -extreme Bewegungen in europäischen Ländern, finanziell sowie durch ideologische Aufwertung, Propaganda, usw.
Russland hat seit 2022 mit dem völkerrechtswidrigen Angriff auf die Ukraine, der Putin in Reden ihre staatliche Souveränität und eigenständige Existenzberechtigung abspricht, aktive Schritte in diese Richtung unternommen, die Wirtschaft auf Krieg umgestellt und setzt seine Interessen inzwischen auch gegen andere Staaten aggressiv und mit militärischen Mitteln durch. Dabei wurden von Beginn an Zivilisten zum Ziel und Instrument russischer Angriffe.
Dabei sind die zahlreichen hybriden Angriffe aus Russland, die vermutliche Sabotage von Infrastruktur, das auffällige Drohnenfliegen im Umkreis europäischer Flughäfen, usw. noch gar nicht eingepreist!
Was brauchen Sie denn noch, um aus einem „Narrativ“ ein offensichtlich planhaftes Vorgehen Russlands zu erkennen. Wenn einer bei Ihnen am Haus Benzin aus einem Kanister verschüttet, denken Sie dann auch: „Och, wie lieb, der will mir ja bestimmt bloß helfen, die Flecken an der Fassade rauszukriegen!“? Wenn ja, dann kriegen Sie von mir den“Neville-Chamberlain-Preis für Frieden für Unsere Zeit“! Leider nicht dotiert.
@ Felix 2: „z.B. einen Feuerleitoffizier Patriot auszubilden… dauert gut 7 Jahre ! (und dann ist er immer noch ein Anfänger…)“
Da zeigen Sie bereits eins unserer Grundprobleme auf. Braucht der ein Studium um Raketen in den Himmel zu schicken? Ich denke eine KI braucht dafür keine 7 Jahre.
@ Florian Staudtke :Es ist und bleibt ein Narrativ, dass Russland die NATO angreifen will. Nur auf Basis dieser Erzählung will die Bundeswehr zur konventionell stärksten Armee werden. Alles irre.“
Russland will nicht die NATO angreifen, aber moeglicherqweise Teile der NATO und da sind Polen , das Bakltikum und die Bundesrepublik relativ vorne.
Ein verantwortungsvoller Stratege bewertet Faehigkeiten und bisheriges Verhalten eines Staates und handelt nach dem bewaehten Motto:
Si vis pacem para bellum.
Cheers
@Felix 2: Ich denke, dass sie meinen Satz „Im Augenblick sehe ich noch keine leeren Panzer in den Kasernen auf uns zukommen.“ missverstanden habe. Damit meinte ich nicht, dass wir im Augenblick leere Panzer hätten.“ Damit meinte ich, dass meine heutige Einschätzung ist, dass der Materialaufwuchs nicht schneller gehen wird als der Personalaufwuchs. Ich gehe von weniger als 100 Panzern Zulauf im kommenden Jahr, d.h. 2027 aus. Ich denke doch, dass wir einen adäquaten Personalaufwuchs dafür hinbekommen.
Ich bin bei Ihnen, dass die Ausbildung von sehr hochwertigen Verwendungsprofilen viele Jahre dauert und dass wir mit den neuen Wehrdienstleistenden dies nicht bis 2029 hinbekommen werden. Da hilft aber auch keine sofortige Wehrpflicht.
Ich habe Ihren Punkt der „langjährigen Ausbildung“ verstanden. Allerdings habe ich Ihren Beiträgen hier nicht entnehmen können, was denn Ihr Vorschlag für eine sinnvolle Vorgehensweise ist.
Wenn man den Eindruck hat, dass eine Ausbildung „frisch von der Schule weg“ nicht ausreicht, um zügig genuf die hochqualifizierten Posten zu besetzen, dass muss man den Zugang und die Attraktivität für Quereinsteiger öffnen und fördern. Techniker und Ingenieure aus der Industrie.
Kleine Neben-Bemerkung meinerseits zu den 7 Jahren Ausbildung für einen Feuerleitoffizier Patriot: In derselben Zeit kann man ein Bachelor-Studium daran anschließend ein Masterstudium und daran anschließend fast eine Doktorarbeit anfertigen. Mir war nicht bekannt, dass die Feuerleitung eines Patriot-Systems einen ähnlichen Lernumfang erfasst.
@Nachhaltig sagt:
08.12.2025 um 13:29 Uhr
„@Felix 2: Ich habe Ihren Punkt der „langjährigen Ausbildung“ verstanden.
Allerdings habe ich Ihren Beiträgen hier nicht entnehmen können,
was denn Ihr Vorschlag für eine sinnvolle Vorgehensweise ist.“
Genau dies ist das Problem! Es gibt keinen sachgerechten Plan!
Die Maßnahmen der „Trendwende Personal“ ab 2016 und später der „TaskForce Personal“
haben nicht die durchschlagenden (!!) Effekte erzielt … wie erhofft.
Zur Erinnerung … der Aufwuchs auf 203.000 sollte ursprünglich in 2025 (!) abgeschlossen sein.
Wurde dann auf 2031 „gestreckt“… Und nun sollen es 2035 sogar 255.000 bis 270.000 sein…
Und auch ich sehe nicht DEN Ansatz wie dies für die Gruppe der Uffz/Fw/Offz gelingen soll…
Die Demographie ist wie sie ist. Das Mindset der GenZ und GenA ist anders als vor 20 Jahren…
Und zu diesem Punkt:
„7 Jahren Ausbildung für einen Feuerleitoffizier Patriot“
+ Allgemeinmilitärische Ausbildung
+ vollwertiges Studium
+ Militärfachliche Ausbildung (hier z.T. in den USA)
+ Praktika in der Truppe
und schon sind in dieser Verwendung gut 7 Jahre rum…
@ Metallkopf
Alles, was Sie aufschreiben, ist richtig. Und der russische Angriffskrieg ist durch nichts zu rechtfertigen.
Aber:
1. Die aktuelle Bedrohungslage rechtfertigt m.E. nicht die Wehrpflicht.
2. Qualitativ bringt die Wehrpflicht m.E. der Bundeswehr keinen Mehrwert.
3. Durch die Wiedereinführung der Wehrpflicht wird der Druck aus dem Kessel genommen, die Bundeswehr zu reformieren.
4. Russland wäre aktuell und auf absehbare Zeit nicht in der Lage, eine Auseinandersetzung mit der NATO zu führen.
5. Durch die Wehrpflicht werden jetzt fragwürdige Ressourcen gebunden.
Man hätte auch:
– eine vernünftige Depotlandschaft mit 60 Tage Vorrat aufbauen können
– in den Verbänden eine stärkere materielle Umlaufreserve aufbauen können
– den SaZ neu definieren können: nach dem Ausscheiden verpflichtende Inübunghaltung über min. 10 Jahre
– einen Rechtsanspruch auf Wehrübungen schaffen können
– einen Rechtsanspruch auf Kasernenunterbringung definieren können
– usw.
Der Krieg in der Ukraine geht schon viel zu lange. Es ist anzunehmen, dass es kein zweiter dreißigjähriger Krieg wird. Daher machen wir gerade aus Aktionismus und Geltungsdrang (größte konventionelle Armee) einen großen strategischen Fehler durch die Wiedereinführung der Wehrpflicht !!!! in der aktuellen Form.
Bei einem Gesellschaftsjahr oder Wehrpflicht für Männer und Frauen würde die Bewertung anders aussehen.
@Florian Staudte
Bei 5% Verlustrate / Tag an Sdt nutzen Ihnen die 60 Tage Kampfvorrat auch nicht viel wenn dann das Personal ausgeht. Deswegen heißt es ja auch: Feldersatz.
Bei den angedachten 200k Reservisten sollte man auch festlegen, ob diese im Fall des Falles im Heimatschutz oder an der Kontaktlinie (vulgo: bei den kämpfenden Einheiten an der Front) eingesetzt werden sollen.
@Florian Staudte:
Ich bin anderer Meinung in fast allen Punkten.
1. Die Lage zeigt, wie trügerisch Frieden sein kann, und wie unvorbereitet man ist, wenn man jahrzehntelang so tut, als könne man das Thema Verteidigung vernachlässigen.
2. Die Bundeswehr wird durch einen allgemeinen Wehrdienst, dem grundsätzlich jeder unterliegt, wieder in die Mitte der Gesellschaft gerückt, anstatt als ungeliebtes Stiefkind am Rand vernachlässigt zu werden. Das ist sicher kein Primärzweck der Wehrpflicht, aber ein sehr nützlicher Nebeneffekt und definitiv ein qualitativer Mehrwert. Die Bundeswehr wird hierdurch perspektivisch auch resilienter gegen Extreme.
3. Das sehe ich dezidiert anders. Wenn überhaupt, kriegt man durch eine allgemeine Wehrpflicht eine Menge Feedback dahingehend, von welchen alten Zöpfen man sich trennen muss. Und: Je mehr Leute den Laden von innen kennen, umso mehr Leute haben hierzu auch eine politische Meinung, die auf eigenen Erfahrungen beruht, statt auf Hörensagen.
4. Das muss Russland auch nicht. Genügend Leute fallen hierzulande auf die nukleare Drohgebärden herein und machen sich vor Angst in die Hosen, wenn man auch nur ein böses Wörtchen Richtung Putin sagen möchte. Und es gibt jene, die es vertretbar fänden wenn man Narva und den Suwałki-Korridor oder gar alle baltischen NATO-Staaten opferte, um nicht antreten zu müssen, und dazu benötigt Russland keine funktionsfähige Armee, sondern lediglich genug Kräfte, um kurzfristig unangenehme Fakten zu schaffen, Den Rest erledigt dann die „pourquoi mourir pour …?“-Truppe hierzulande oder im Weißen Haus. Zudem vergessen Sie, dass Weißrussland mit seiner Armee bislang kaum mitgemacht hat.
5. Welche Ressourcen sind denn das? Und warum sind die fragwürdig? Die Voraussetzungen für einen schnellen personellen Aufwuchs im Verteidigungsfall zu schaffen, halte ich nicht für „fragwürdig“, eher im Gegenteil. Ich halt es für höchst fragwürdig, dass man dies so lange unterlassen und die gesamte Wehrverwaltungsstrukturen zerschlagen hat. Und noch fragwürdiger wäre es, es nun zu unterlassen.
Alle Ihre Vorschläge kann man ja trotzdem überlegen und das, was sinnvoll ist, dann auch umsetzen. Aber das reicht beileibe nicht, um ggf. einen Krieg zu führen, der der NATO aufgezwungen wird. Russland stellt sich immer als Opfer dar, das von der NATO umzingelt werde. Und sieht als probate Lösung einen Angriff auf ein Nachbarland an, dem man zuvor die territoriale Integrität garantiert hatte, welches man aber seither immer wieder mit Gasabdrehen, Drohungen und interner Destabilisierung traktiert hat.
Vielleicht sollte sich Russland mal fragen, wieso sich eigentlich jedes seiner Nachbarländer sich in die NATO geflüchtet hat, sobald es konnte… Nämlich genau deshalb, weil man russischer Geltungssucht und Großspurigkeit anders scheinbar nicht entkommt.
Musterung.
„Ab Mitte 2027 soll ein ganzer Jahrgang junger Männer gemustert werden. Doch dazu braucht es dringend mehr Ressourcen.
Bisher nutzt die Bundeswehr ihre 15 Karrierecenter für Eignungstests. Für das geplante Mehr an Rekruten sollen nun 24 Musterungszentren hinzukommen. Diese sollen bis Ende 2026 eingerichtet werden, so eine Sprecherin des Verteidigungsministeriums zu loyal“.
Gemäß neuer „Loyal“.
Besonders für die medizinische Untersuchung werden Ärzte/Arzthelfer unterschiedlicher Fachrichtungen gebraucht. Details dazu, auch nicht zu geografischer Verteilung der Zentren, zum organisatorischen Überbau, teilte BMVg nicht mit.
Bedeutsam wird auch sein, ob Vertragsärzte temporär bemüht werden sollen, oder ggf Mediziner fest eingestellt und z.B. bei den BwKrankenhäusern angehängt werden.
[Die Lachnummer dabei haben Sie nicht erwähnt:
Welche Anzahl weiterer Ärzte und Ärztinnen die Militärplaner für nötig erachten, und wie jene gewonnen werden sollen, möchte das Wehrressort mit Verweis auf die „Militärische Sicherheit“ nicht mitteilen.
https://bsky.app/profile/loyalmagazin.bsky.social/post/3m7mlsix46c2l
T.W.]
@ Metallkopf
Ich würde wirklich anfangen, mir Sorgen zu machen, wenn Polen die Wehrpflicht wieder einführt.
In Deutschland ist das alles Aktionismus. Von der Musterung bis zur Unterbringung. Als Angehöriger der Bundeswehr bekomme ich mehr mit als vielleicht manch anderer. Es handelt sich um meine Bewertung, die von älteren Kolleginnen und Kollegen geteilt wird.
Wir Deutschen stehen im Verdacht, alles sehr gründlich zu machen. Sogar den größten Unfug.
@Florian Staudte: Deutschland hat die Wehrpflicht ja bisher auch nicht eingeführt. Man versucht aber zumindest einmal zu erfassen, wer überhaupt bereit und tauglich wäre im Bedarfsfall Deutschland zu verteidigen.
Dass das im Extremfall noch nicht ausreicht, dürfte auch jedem klar sein.
Allerdings halte ich auch Aussagen wie „den SaZ neu definieren können: nach dem Ausscheiden verpflichtende Inübunghaltung über min. 10 Jahre“ für nur schwer durchführbar. Mit solchen Regeln dürfte die Attraktivität von ehemaligen Zeitsoldaten auf dem Arbeitsmarkt deutlich sinken, was dann auf kurz oder lang auch wieder Einfluss auf die Attraktivität des Soldaten auf Zeit insgesamt haben dürfte. Denn wer verpflichtet sich irgendwo, wenn er nach seiner Dienstzeit im Folgeberuf immer wieder zu Wehrübungen gerufen wird (und wlecher Arbeitgeber findet das toll)?
Grundsätzlich haben wir angesichts der derzeitigen Mehrheitsverhältnisse das bekommen, was derzeit durchsetzbar ist. Ob das schön ist, ob das ausreicht, wird die Zukunft zeigen.