Luftaufklärung für die Anti-IS-Koalition: Machen die Franzosen

Ende März beendete die Bundeswehr ihre Luftaufklärung für die Anti-IS-Koalition über Syrien und Irak. Ein Ersatz dieser Fähigkeit durch italienische Jets ist zwar geplant, findet aber nicht zuletzt aufgrund der Coronavirus-Pandemie bislang nicht statt. Macht nichts: Ebenfalls Ende März hat Frankreich seine Luftaufklärung für diese Mission deutlich ausgeweitet.

Der Einsatz von Tornado-Aufklärungsflugzeugen der Mission Counter Daesh war nach einer Auseinandersetzung innerhalb der Koalition von Union und SPD auf Druck der Sozialdemokraten beendet worden; das im März verabschiedete neue Mandat für die weitere deutsche Beteiligung an der internationalen Koalition sieht diese Fähigkeit nicht mehr vor. Das Verteidigungsministerium hatte zwar mit Italien grundsätzlich vereinbart, dass italienische Jets die Luftaufklärung übernehmen sollen; bislang ist das allerdings noch nicht geschehen.

Ob Zufall oder nicht: Zeitgleich mit dem Ende der deutschen Aufklärungsmission setzen die Franzosen erstmals einen neuen Aufklärungs-Pod unter ihren Rafale-Kampfjets in der, so die französische Bezeichnung, Operation Chammal ein. Details dazu nannten die französischen Streitkräfte allerdings erst Ende April.

Am (gestrigen) Sonntag griff die Operation Inherent Resolve (OIR), die internationale Anti-IS-Koalition, diese Nachricht auf; der besseren Verständlichkeit halber daraus in der englischen Fassung:

As of March 2020 [im französischen Original: seit Ende März], the French fighter detachment with “Operation Chammal,” French military support to Combined Joint Task Force – Operation Inherent Resolve, now flies with enhanced capabilities in the fight to defeat Daesh remnants in Iraq and Syria.
French Rafale aircraft are now equipped with a RECO-NG (new generation reconnaissance pod), giving the fighters more imagery collection capability and diversifying their air support to the international Coalition to defeat Daesh. The RECO-NG is a long range, high resolution reconnaissance pod designed to provide intelligence imagery installed onto fighter aircraft such as the Mirage 2000 and Rafale. It consists of two large size digital matrix arrays for visible and infrared detection.
„The RECO-NG makes our missions more flexible,” said French Air Force Col. Benjamin Souberbielle, commander of the deployed air base. “The two aircraft patrol with the ability to achieve three complementary effects: ground support, air defense and intelligence. The novelty consists in the use of this sensor almost daily over the theater, while carrying out our usual air defense and ground support missions.” (…)
„The photos are of excellent quality. The precise tracking and the high-performance zoom allow clear identification,“ explained the unit’s image interpreter. “This system is also very agile: once in flight, the pilot can decide to modify the shots according to the opportunities that arise during the mission.”
Thanks to this high-performance equipment, French air patrols adopt a new configuration. While the first aircraft retains its bomb load to provide lethal air support to ground security partners, the second is equipped with the RECO-NG to enable additional intelligence gathering.

Die Rafale sind für den Einsatz über Syrien und Irak in Jordanien stationiert – wo auch die deutschen Tornados ihre Basis hatten. Damit haben sie gegenüber den Italienern einen Vorteil: Die kommen nämlich, wenn sie denn mal kommen, voraussichtlich von ihrer Basis auf der arabischen Halbinsel und haben damit einen deutlich längeren Anflugweg. Allerdings sind auch weitere Nationen mit Aufklärungsfähigkeiten in dieser Region unterwegs.

Nachtrag: Die Franzosen sind allerdings auch bemüht, die Bedeutung der Bundeswehr für diesen Einsatz herauszustellen, und veröffentlichten am heutigen Montag dieses Video von der Luftbetankung einer Rafale in der Operation Chammal durch einen A400M der Luftwaffe:

(Foto oben: Rafale mit dem Reco-NG-Aufklärungspod; Foto unten: Nahaufnahme Reco-NG – Französisches Verteidigungsministerium)

9 Gedanken zu „Luftaufklärung für die Anti-IS-Koalition: Machen die Franzosen

  1. Peinlich mal wieder für Deutschland und zeigt, wie schlecht es um die deutsch-französische Freundschaft steht, wenn es um Militäreinsätze geht. Man zieht keine Aufklärungsflugzeuge ab, bevor nicht die Nachfolger da sind. Für den Abzug der Aufklärungstornados gab es keinen sachlichen Grund. Es war eben nur die erste Intrige von Herrn Mützenich gegen BW und Nato, daß dieser den Einsatz beendet haben wollte. Dass die Franzosen jetzt selbst aufklären zeigt, daß der Bedarf an Aufklärern weiter vorhanden ist.

    Ich dachte wir wollten vor allem auch Frankreich im Kampf gegen den IS unterstützen. Stattdessen ein Abzug der Tornados nur aus dem Grunde, daß Herrn Mützenich „keinen Bock auf die BW hat“, um eine FDP-Verteidigungspolitikerin frei zu zitieren(welche, mit den keinen Bock den Wechsel des Wehrbeauftragten gemeint hatte). Leider wurde der Koalitionsstreit zum Tornado-Abzug nicht offen ausgetragen, was ein Fehler der Verteidigungsministerin und der Union war.

    Wenn zieht immer erst ab, wenn die Nachfolger da sind und richtigerweise hätten die Tornado Aufklärer höchstens durch Tornado oder EF-Jagdbomber ersetzt werden sollen, damit Deutschland sich nicht weiter ums Bomben abwerfen herumdrückt.

  2. Ob da auch noch Film entwickelt werden muss?

    [Text lesen hilft, einfach nach dem Wort „digital“ suchen. T.W.]

  3. @Closius sagt:04.05.2020 um 13:43 Uhr
    „Peinlich mal wieder für Deutschland und zeigt, wie schlecht es um die deutsch-französische Freundschaft steht, wenn es um Militäreinsätze geht.“

    Ihre Meinung ist halt Ihre Meinung. Aber was bitte ist peinlich für Deutschland? Das ist doch eher peinlich für Italien, das die ihre Zusage der Ablösung nicht hinbekommen. Der Abzug war lange genug bekannt, schließlich wurden die Aufklärer extra nach langer Diskussion in der Koalition nochmal um ein halbes Jahr verlängert. Was das mit deutsch-französischer Freundschaft zu tun hat erschließt sich wahrscheinlich nur Ihnen. Es ist doch positiv zu bewerten, das die Franzosen die italienische Lücke schließen.
    Zu dem Rest Ihres Wut-Posts erspare ich mir jeden Kommentar.

  4. @ Pio-Fritz

    Naja, so ganz von der Hand zu weisen ist das, was Closius sagt, ja nun nicht.
    Es hat schon ein Geschmäckle, wenn man ohne Nachfolger vor Ort abzieht und dadurch andere Nationen in Zugzwang bringt, um diese Lücke zu schließen, statt das ganze kommissarisch weiterzuführen. Dass Italien seine Zusagen nicht eingehalten hat, ist richtig und wohl auch peinlich, aber das ändert nichts an der Tatsache, dass man sich auch deutscher seits nicht mit Ruhm bekleckert hat.
    Und über den heldenhaften Beitrag Deutschlands in Form eines Tankflugzeuges kann man sicherlich auch geteilter Meinung sein.

  5. @Hans Dampf sagt: 05.05.2020 um 11:23 Uhr
    Es ist ja niemand in Zugzwang gebracht worden, ich finde sechs Monate Ankündigungszeitraum schon sehr komfortabel. Deutschland hat seine Zusagen erfüllt. Und wie wir alle wissen, ist kommissarisch eben nicht so einfach. Man bräuchte die Zustimmung des Bundestages und den ganzen damit zusammenhängenden Formalismus. das wir als Soldaten so erzogen sind, das man seinen Posten erst verlässt, wenn der Ersatz da ist, ist richtig. Hier geht es aber um Politik in internationalen Einsätzen, die nach etwas anderen Regeln agieren. Es hat sich auch niemand der Alliierten von OIR beklagt, nur wir selber finden unser Vorgehen zum selbstkasteien.
    „Und über den heldenhaften Beitrag Deutschlands…“
    Ich kann es schon nicht mehr hören. Für manche scheint ein Einsatz nur dann ein „richtiger Männereinsatz“ zu sein, wenn man selber Bomben schmeißt, schießend durch die Gegend rennt und böse Buben „neutralisiert“. Also so wie John Wayne, oder so. Alles andere ist „Mädchenkrams“. Dabei müssen diese Aufgaben auch erledigt werden. Auf Diskussionen auf diesem Niveau habe ich keine Bock mehr.

  6. @ Pio-Fritz

    Auch wenn Sie auf diese Diskussion keinen Bock mehr haben: Völlig losgelöst von allem gäbe ich Ihnen recht – aber insbesondere in Bezug auf Syrien war es schon reichlich bigott, einerseits die Luftschläge der Alliierten in den höchsten Tönen zu loben, aber selbst nicht mit von der Partie zu sein. Das schwang meinerseits beim „heldenhaft“ noch nach.

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