Sammler: Moorbrand in Meppen – Update 5. Oktober

Beim zeitweise außer Kontrolle geratenen Moorbrand auf dem Gelände der Wehrtechnischen Dienststelle (WTD) 91 im Emsland hat die Bundeswehr in den ersten Wochen nach Brandausbruch keine Luftmessungen vorgenommen. Das räumte der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Jens Flosdorff, am (heutigen) Freitag vor der Bundespressekonferenz ein. Allerdings seien zu einem späteren Zeitpunkt, als Feuer und Rauchentwicklung deutlich größer gewesen seien, keine Gesundheitsgefährdungen festgestellt worden. Flosdoerffwies zugleich die Befürchtung zurück, es gebe als Folge des Großfeuers eine Belastung mit Uran oder Quecksilber.

Die Neue Osnabrücker Zeitung (NOZ, s. unten) hatte zuvor von den fehlenden Messungen in der ersten Zeit des Brandes berichtet. Der Moorbrand auf dem Gelände der WTD91 war am 3. September bei Raketentests ausgebrochen und schwelt weiterhin unterirdisch. Darüber hinaus hatte die NOZ auf eine mögliche Gesundheitsgefährdung angesichts des Verdachts von verschossener uranhaltiger Munition berichtet.

Zu den fehlenden Messungen äußerte sich der Sprecher des Verteidigungsministeriums etwas gewunden, aber eindeutig:

Sie haben noch eine andere Frage angesprochen – Luftmessungen. Dazu habe ich ja schon, auch wiederholt von dieser Stelle, Stellung genommen. Die Ministerin war vor Ort. Wir sind nicht damit einverstanden, wie das in der ersten Zeit nach Ausbruch des Brandes dort gemanagt worden ist. Da ist sicherlich nicht alles glücklich gelaufen. Trotzdem stellt sich die Frage: Warum hat es dort keine Messungen gegeben? Weil sie dort nicht angefordert waren. Das ist ein 200 Quadratkilometer großes Gelände. Wir wären glücklicher gewesen, man hätte frühzeitiger auch die zivilen Kräfte alarmiert und eingebunden.
Trotzdem, wir haben Luftmessungen. Wir haben Schadstoffmessungen. Wir haben Gasmessungen aus der Zeit rund zwei Wochen nach Ausbruch des Brandes, also ab dem 18. September. Das war die Zeit der größten Belastung, auch der Luftbelastung. Da hatte man den meisten Rauch. Dort sind nach allen Erkenntnissen – das sind nicht nur Bundeswehrmessungen, sondern auch zivile Messungen anderer Behörden anderer Bundesländer – die Grenzwerte nicht überschritten worden. Also dass jetzt in der Zeit davor, als das Ausmaß des Brandes noch kleiner war, eine größere Gesundheitsgefährdung bestanden hat, dafür gibt es keine Anhaltspunkte.

Die Befürchtungen einer erhöhten Uranbelastung wurden sowohl von Flosdorff als auch von der WTD91 selbst zurückgewiesen, die in einer Pressemitteilung erklärte:

Erste aktuelle Messergebnisse zeigen keine Strahlenbelastung.
Es gibt nach wie vor keinerlei Hinweise darauf, dass in der Vergangenheit uranhaltige Munition auf dem Gelände der Wehrtechnischen Dienststelle 91 in Meppen verschossen wurde. Dass nunmehr Analysen von Boden- und Luftproben auf radioaktive Stoffe durch die Strahlenmessstelle Süd des Bundesamtes für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr stattfinden, geschieht rein vorsorglich, um Sorgen der Einsatzkräfte wie auch der lokalen Bevölkerung auszuräumen. Erste Ergebnisse dieser Tests zeigen erwartungsgemäß auch nach dem Brand keinerlei Hinweise auf mögliche Strahlenbelastungen durch Uran.

Inzwischen wird der Brand fast ausschließlich von Feuerwehrleuten der Bundeswehr und Soldaten bekämpft; am Freitag waren nach Bundeswehrangaben nur noch drei ehrenamtliche Helfer beteiligt.

Fürs Archiv:

Pressemitteilung der WTD91 vom 5. Oktober
(hier als pdf-Datei: 20181005_PM_Info_Moorbrand WTD91)

Info-Flyer vom 5. Oktober
(hier als pdf-Datei: 20181005_Bw-Moorbrand_InfoFlyer_15)

• Pressemitteilung NOZ: Moorbrand im Emsland: Bundeswehr und Landkreis verwiesen auf Messungen, die es nicht gab

Sowohl die Bundeswehr als auch der Landkreis Emsland haben in den Tagen der größten Rauchentwicklung des Moorbrandes bei Meppen gesundheitliche Risiken für die Anlieger ihres Testgeländes und weit über 1000 Einsatzkräfte von Feuerwehr und Technischem Hilfswerk verneint. Dabei verwiesen sie auf Messungen, die es nie gab, wie Recherchen der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ belegen. Daten, die eine Entwarnung gerechtfertigt hätten, lagen Bundeswehr und Behörde zum Zeitpunkt ihrer entsprechenden Erklärungen nicht vor.
„Die in den vergangenen Tagen bereits durchgeführten Luftmessungen werden heute fortgesetzt, die Überwachung wird engmaschig durchgeführt“, heißt es etwa in einer Mitteilung der Wehrtechnischen Dienststelle für Waffen und Munition (WTD) vom 20. September. Mehrere Messungen hatte es bis zu diesem Zeitpunkt aber nicht gegeben, engmaschige und umfassende schon gar nicht.
Die Bundeswehr bestätigte in dieser Woche auf Nachfrage der NOZ einen detaillierten Ablaufplan der Messungen. Von Kohlenmonoxid abgesehen hat sie demnach erst ab dem 20. September Luftschadstoffe messen lassen – 17 Tage nach Ausbruch des Brandes, drei Tage nach der maximalen Rauchentwicklung und einen Tag nach einer pauschalen öffentlichen Feststellung der Bundeswehr vom 19. September, wonach, so wörtlich, „keine Gesundheitsgefährdung durch die Rauchentwicklung“ bestehe.
Die zitierte Aussage über die Vortage beziehe sich auf „Messungen des Landkreises Emsland, bei dem das Land NRW entsprechend unterstützt hat“, erklärte ein Sprecher der Bundeswehr gegenüber der NOZ. Das Landesamt für Natur,- Umwelt- und Verbraucherschutz NRW hatte in der Tat Messungen durchgeführt – aber erst ab dem 22. September, also zwei Tage nach der Unbedenklichkeitserklärung der Bundeswehr und fünf Tage, nachdem die Qualmwolke sich bereits zu verziehen begonnen hatte.
Die Konzentration anorganischer Gase, flüchtiger Kohlenwasserstoffe TVOC, polycyclisch aromatischer Kohlenwasserstoffe PAK sowie von Staub, Schwermetallen und sprengstofftypischen Verbindungen wurde durch die Gefahrstoffmessstelle Nord der Bundeswehr erst am 20. September ermittelt, ebenfalls also, als die Rauchentwicklung bereits deutlich abgeklungen war. Bevor der Landkreis Emsland die Messungen am 21. September übernahm, erfolgte nach Angaben der Bundeswehr ansonsten nur noch ein weiteres Mal die Messung von Kohlenstoffdioxid, Schwefeldioxid, Distickstoffmonoxid, Methan, Stickstoffdioxid und Stickstoffmonoxid, und zwar am 20. September durch die WTD selbst.
Treffen die Angaben der Bundeswehr zu, hat sie also einerseits am 19. September vorschnell Entwarnung gegeben, zudem ohne belastbaren Bezug auf die Tage mit der größten Rauchentwicklung. Andererseits wären Gerüchte über vorherige und bisher unveröffentlichte Messungen der Bundeswehr auf dem eigenen Gelände falsch. Beispielsweise hatten die Grünen die Herausgabe entsprechender Daten aus den ersten zwei Wochen des Brandes gefordert. Diese gibt es zumindest den jetzigen Angaben zufolge nicht.
Auch der Landkreis Emsland hat die Bevölkerung und die weit mehr als 1000 Einsatzkräfte von Feuerwehr und Technischem Hilfswerk mit Blick auf etwaige Gesundheitsgefahren durch den Moorbrand falsch informiert, berichtet die „Neue Osnabrücker Zeitung“ weiter. Am 19. September hatte der Landrat mitgeteilt, dass der Fachbereich Gesundheit „keine Gesundheitsgefährdung durch den Qualm“ erkennen könne und eine solche auch auf Basis von Messungen der Bundeswehr nicht gegeben sei. Belastbare Messungen hatte es zum Zeitpunkt der Entwarnung aber nun einmal nicht gegeben.
Lungenärzte werteten die Aussagen des Landkreises seinerzeit bereits umgehend als „Schutzbehauptung“. Rauchwolken wie die nach dem Großbrand infolge des Munitionstests auf dem Gelände der Wehrtechnischen Dienststelle könnten gar nichts anderes als gesundheitsgefährdend sein.
Pikant: Die mindestens vorschnelle, wenn nicht fehlerhafte Entwarnung des Landkreises, die am 19. September mit dem Untertitel „Keine Gesundheitsgefährdung durch Rauchentwicklung“ veröffentlicht wurde, ist von der Internetseite des Landkreises Emsland inzwischen verschwunden.

• Die Aussagen Flosdorffs vor der Bundespressekonferenz im Gesamtzusammenhang:

Frage: An Herrn Flosdorff die Frage: Wurde auf dem Moorbrand-Gebiet in Meppen uranhaltige Munition getestet? Welche Untersuchungen laufen gerade, und warum wurden erst zwei Wochen nach Ausbruch des Brandes Geologen hinzugezogen?

Flosdorff: Vielen Dank für die Frage. Das gibt mir Gelegenheit, das hier noch einmal klarzustellen.

Es gibt jetzt keine neuen Erkenntnisse oder Hinweise darauf, dass es dort eine erhöhte Quecksilberbelastung oder eine Uranbelastung gibt. Es gibt auf dem Gelände in Meppen jährlich intensive detaillierte Wasserproben. Es hat dort nie Hinweise auf Belastungen gegeben, wie Sie sie jetzt gerade angesprochen haben. Das ist eine rein vorsorgliche Maßnahme. Wir haben auch keine Hinweise darauf, dass jemals auf dem Gelände Uranmunition getestet worden ist. Das ist die Faktenlage. Also man sollte das einmal ins Verhältnis zu den Überschriften setzen, die dann mit einem Fragezeichen versehen werden. Sie beziehen sich auf rein vorsorgliche Messungen, die jetzt durchgeführt werden. Das ist nicht das erste Mal, dass sie durchgeführt werden. Jedes Jahr werden dort routinemäßig Messungen durchgeführt, und man schaut jetzt, ob sich nach dem Moorbrand – beziehungsweise es brennt ja noch etwas im Kleinen Umfang – dort irgendwelche Veränderungen ergeben haben. Das geschieht rein vorsorglich auf Wunsch des Landes Niedersachsen, um dort Sicherheit für die Bevölkerung zu schaffen und aktuelle Werte und Daten zu haben. Also wir haben keine Erkenntnisse, dass dort jemals Uranmunition verschossen worden ist.

Sie haben noch eine andere Frage angesprochen – Luftmessungen. Dazu habe ich ja schon, auch wiederholt von dieser Stelle, Stellung genommen. Die Ministerin war vor Ort. Wir sind nicht damit einverstanden, wie das in der ersten Zeit nach Ausbruch des Brandes dort gemanagt worden ist. Da ist sicherlich nicht alles glücklich gelaufen. Trotzdem stellt sich die Frage: Warum hat es dort keine Messungen gegeben? Weil sie dort nicht angefordert waren. Das ist ein 200 Quadratkilometer großes Gelände. Wir wären glücklicher gewesen, man hätte frühzeitiger auch die zivilen Kräfte alarmiert und eingebunden.

Trotzdem, wir haben Luftmessungen. Wir haben Schadstoffmessungen. Wir haben Gasmessungen aus der Zeit rund zwei Wochen nach Ausbruch des Brandes, also ab dem 18. September. Das war die Zeit der größten Belastung, auch der Luftbelastung. Da hatte man den meisten Rauch. Dort sind nach allen Erkenntnissen – das sind nicht nur Bundeswehrmessungen, sondern auch zivile Messungen anderer Behörden anderer Bundesländer – die Grenzwerte nicht überschritten worden. Also dass jetzt in der Zeit davor, als das Ausmaß des Brandes noch Kleiner war, eine größere Gesundheitsgefährdung bestanden hat, dafür gibt es keine Anhaltspunkte.

Frage: Sie haben gesagt, Sie hätten keine Hinweise auf uranhaltige Munition, die da getestet worden ist. Gilt das auch für quecksilberhaltige Sprengkörper?

Die andere Frage ist: Habe ich das jetzt richtig verstanden, dass Sie auch nach Strahlenbelastung messen? Das war ja so der Berichterstattung zu entnehmen.

Flosdorff: Das ist die Berichterstattung darüber. Da hat man gefragt, ob Messungen durchgeführt werden. Ja, dafür werden Messungen durchgeführt.

Zusatzfrage: Also Strahlenbelastungen?

Flosdorff: Das heißt aber nicht, dass wir Hinweise darauf haben, dass es dort eine Strahlenbelastung gibt. Diese Messungen werden jetzt umfassend nach der Hochphase des Brandes durchgeführt, um festzustellen, ob dort irgendetwas freigesetzt worden ist.

Noch einmal: Wir machen jährlich detaillierte Wasser- und Bodenanalysen in Meppen. Da wird auf alle möglichen Schadstoffe getestet. Es hat keine Hinweise darauf gegeben, dass wir dort zu normalen Zeiten eine erhöhte Belastung haben. Es wird ja auch das Wasser ausgewaschen. Da müsste man in den Wasserproben eigentlich etwas finden.

Jetzt schauen wir noch einmal nach dem Brand, ob sich da irgendetwas geändert hat. Das heißt aber nicht, dass wir jetzt irgendeinen akuten Hinweis darauf haben, dass dort eine bestimmte Munition verschossen worden ist und sich dort Werte erhöht haben könnten.

Wir wollen aber trotzdem, dass man das macht. Wenn es zur Aufklärung und zur Transparenz beiträgt, dann ist es gut, dass man diese Messungen jetzt durchführt. Ich bitte einfach, den Umstand – da appelliere ich auch ein bisschen an Ihre Verantwortung -, dass Messungen durchgeführt werden, jetzt nicht mit einem Fragezeichen zu versehen und zu fragen: Gibt es da jetzt eine erhöhte Strahlenbelastung? Ist da jetzt plötzlich Uran verschossen worden?

Wir haben auch vorher schon wiederholt gegenüber Medien vor Ort geäußert, dass wir keine Hinweise darauf haben, dass dort jemals während der vielen Jahrzehnte der über 100 Jahre alten Geschichte dieses Testgeländes Uran-Munition verschossen worden ist. Ich appelliere an Sie, jetzt sorgfältig mit diesen Informationen umzugehen, das zu gewichten und die Berichterstattung danach zu gestalten.

Zusatzfrage: Wann werden denn die Ergebnisse dieser Messungen vorliegen?

Flosdorff: Diese Ergebnisse werden veröffentlicht, wenn sie vorliegen. Sie werden konsolidiert. Auch vorher können Sie sich auf den Seiten des Landkreises informieren. Wir tauschen diese Informationen aus. Sie werden gesichert, und dann werden sie veröffentlicht.

Noch einmal: Diese Messungen, die jetzt hier eingestellt werden – das sage ich noch einmal ganz deutlich -, sind nicht auf akute Hinweise zurückzuführen, sondern darauf, dass wir vorsorglich wissen wollen, ob sich die Messergebnisse mit dem decken, was wir in den ganzen Jahren zuvor auf diesem Platz gemessen haben.

Zusatzfrage: Was war mit den quecksilberhaltigen Sprengkörpern? Können Sie das auch ausschließen?

Flosdorff: Dazu kann ich Ihnen jetzt keine Details sagen.

Ich kann Ihnen nur sagen: Bei Messungen von Wasserproben in den vergangenen Jahren, die immer wieder detailliert durchgeführt worden sind, hat es keine Auffälligkeiten gegeben. Wir schauen jetzt, ob sich nach dem Brand an diesen Werten irgendetwas ändert. Die Messergebnisse werden zur Verfügung gestellt, wenn es dort Hinweise gibt.

Wir gehen sehenden Auges kein Risiko ein – das dürfen Sie uns glauben -, weder für die eigenen Kräfte noch für die Unterstützungskräfte der Feuerwehren oder der Anwohner dort in der Gegend.

Frage: Trotzdem noch einmal die Nachfrage: Wie muss man sich das vorstellen? Dauert das einen Tag? Da geht jemand hin, misst und wertet das dann aus? Oder dauert das eine Woche, bis man alle Proben genommen hat? Es geht mir darum, dass man ein Kleines bisschen den Zeithorizont einschätzen kann.

Flosdorff: Sehen Sie es mir nach. Ich bin kein Experte für solche Prüfungen. Das werden sorgfältige Prüfungen sein. Das sind Experten, die dort am Werk sind. Wir berichten jeden Tag mit einem technischen Bulletin darüber, wie der Stand in Meppen ist. Da können Sie sich gern eintragen. Dann bekommen Sie täglich brandaktuell die Ergebnisse und neuen Erkenntnisse, die man dort hat.

(Archivbild 29. September: Ein Spezialpionier schaltet die Ansaugpumpe zur Bekämpfung des Moorbrandes an – Bundeswehr/Michael Schmidt)

 

28 Kommentare zu „Sammler: Moorbrand in Meppen – Update 5. Oktober“

  • Bimberle   |   05. Oktober 2018 - 17:52

    Hat Herr Florsdorff im letzten Satz wirklich „brandaktuell“ gesagt?

    [Das ist das offizielle Transkript der Bundespressekonferenz – also: ja. T.W.]

  • samy   |   05. Oktober 2018 - 20:24

    Danke für die interessante Zusammenfassung.

    Eine Frage in die Runde, welchen Sinn macht Quecksilber in Munition? Was ist eingentlich die erhoffte Wirkung?

  • Tellurium   |   05. Oktober 2018 - 22:34

    @samy: Da man ja auf dem Gelände schon seit über 100 Jahren Waffentests durchführt dürfte vorhandenes Quecksilber durch die Verwendung von Knallquecksilber als Initialsprengstoff kommen.

  • Benno   |   05. Oktober 2018 - 23:16

    @Samy:
    Quecksilberfulminat oder auch Knallquecksilber genannt war lange Zeit ein gängiger Initialsprengstoff in Zündern, Zündkapseln etc. Diese Verbindung ist besonders explosionsempfindlich bei Schlag, Reibung, Hitze und kann dann mit ihrer Explosion weniger empfindliche Sprengstoffe als Hauptladung zünden.
    Als chemischer Vorgang zerfällt dabei das Quecksilberfuminat als Molekül, und man erhält neben Stickstoff und Kohlenstoffdioxid das elementare Quecksilber als Reaktionsprodukt.

  • Klaus Trophobie   |   06. Oktober 2018 - 0:16

    Zündhütchen enthielten früher Quecksilber.

  • Ökonom   |   06. Oktober 2018 - 8:16

    Der Knackpunkt scheint mir zu sein: Wenn die örtlichen Regierungsstellen und die Bundeswehr bei einem solchen Kleinereignis bereits Entwarnung mit Hinweis auf Messergebnisse geben, die nicht erhoben wurden, was ist dann für den Fall einer ernsthaften gesundheitsgefährdenden Belastung zu erwarten?
    Wie will das Land Niedersachsen und wie will das Verteidigungsministerium es schaffen, dass nach diesen worst case in Vertrauensdestruktion sie wieder glaubwürdig werden für ernstliche Fälle?
    Erste Bedingung scheint mir Klartext zu sein. Da ist mit Glaubwürdigkeitsbeschädigung weit Schlimmeres passiert als der Brand selbst es ist. Und die Positionierung des Ressorts durch seinen Sprecher zeigt, dass diese Sicht im Ressort noch nicht angekommen ist. Dessen Narrativ ist lediglich: Es ist ja nichts Gesundheitsgefährdendes passiert – dass die methodische Glaubwürdigkeitsbeschädigung passiert und ein Problem ist, wird weggedrückt. Sehr bedenklich.

  • Arty1986   |   06. Oktober 2018 - 12:07

    Quecksilber in Zündhütchen war GANZ früher, bei der Knappheit an entsprechender Mun kann das „eigentlich“ kein Thema mehr sein!

    So ganz grundsätzlich stelle ich mir bzgl dieses „Ereignisses“ allerdings die Frage, was die Platzkommandantur angesichts der ja nun für JEDEN offensichtlichen, allgemeinen Brandgefahr (auch in „normalen“ Wäldern) bewogen hat, ein solches Schießen zu genehmigen! Wenn es denn unbedingt notwendig wäre, HÄTTE man das vielleicht unter entsprechender Präparation (Wässerung) eines eingeschränkten und wenigst gefährdeten Platzteils und „(str)enger Begleitung“ durch Kdtr und ggf Feuerwehr durchführen lassen können. Aber das, was „die Bw“ da „geboten“ hat, ist nicht nur HÖCHST peinlich, das ist mEn am Rande einer Straftat!

  • samy   |   06. Oktober 2018 - 13:21

    Danke für die Antworten bzgl. Quecksilber.

    Ist jetzt vielleicht ein wengig off-topic, aber ich habe in den letzten Tagen selbst mal gegoogelt und bin immer wieder auf eine berühmte Filmszene aus „Der Schakal“ (1973) gestossen. In der Szene werden Hohlmantelgeschosse (?) mit Quecksilber präpariert. Die Szene wird allgemein als ein Fehler im Film angesehen, dessen Romanvorlage eigentlich gut recherchiert sein soll. Daher meine Neugierde. Aber vielleicht hat die NVA denn Roman ja auch gelesen und … :-)

    (https://www.fehler-im-film.de/forum/threads/18934-Der-Schakal-(1973)-Gewehr
    Hieraus ein Kommentar: “ … Dabei Verwendet er Munition vom Kaliber .22 Winchester Magnum, die angeblich mit Quecksilber Geschoßen bestückt sein sollen. … Darüber hinaus: Quecksilber Geschoße bewirken nur unter besonderen Bedingungen einen Explosionseffekt, der unter Verwendung von Subsonic Munition , wie sie bei Verwendung von Schalldämpfern notwendig ist, mit Sicherheit nicht eintreten wird. …“)

  • ThoDan   |   06. Oktober 2018 - 16:09

    IIEC sollte im Roman das Quecksilber den Effekt des Hohlspitzgeschosses verstärken

  • butzelwutz   |   06. Oktober 2018 - 16:15

    Das Anzündhütchen bleibt in der Feuerstellung und sollte nicht im Zielgebiet herumliegen. Ich kann mir eher Vorstellen, dass bei der NVA Quecksilber als Fliehkraftschalter im Zünder verbaut war.

  • Roland09   |   06. Oktober 2018 - 17:15

    Äh, wieso NVA? Mir wäre jetzt nicht bekannt dass die NVA jemals irgendwann in Meppen aktiv war, aber vielleicht wissen die Foren-Experten mehr?

  • samy   |   06. Oktober 2018 - 18:12

    @roland09

    Gemäß Nachrichtenlage sollen entsprechende quecksilberhaltige Sprengkörper aus alten NVA-Bestände dort getestet worden sein.

  • Benno   |   06. Oktober 2018 - 18:50

    Irgendwie kam NDR? NOZ? im Quecksilber-kontext damit an, dass dort NVA-Munition verschossen worden sei. Ist auch naheleigend, die werden natürlich alles was sie an Ost-Waffentechnik kriegen konnten auf ihre tatsächliche Leistungsfähigkeit getestet haben. Fliehkraftschalter oder Lage-Schalter oder prinzipiell auch elektrischer Aufschlagkontakt auf Quecksilberbasis in irgendwelchen LFKs oder dergleichen ist da ebenso denkbar. Oder möglicherweise aus enthaltenen Batterien. Quecksilberoxid-Zink-Knopfzellen…

  • Dude   |   06. Oktober 2018 - 23:28

    Wie sieht es eigentlich mit den Luftmessungen bei den Bränden im Osten aus? Die Lieberoser Heide hat ja oft gebrannt und das Feuer bei Treuenbrietzen war ja auch recht prominent in den Medien vertreten. Wurde hier auch so ein Aufwand betrieben und das ist in den Medien untergegangen oder hat das da keinen interessiert?

  • Alpha November   |   07. Oktober 2018 - 12:01

    Frage in die Runde: Quecksilber hin oder her, wie viel wollen Sie denn davon in der Landschaft verteilen, dass es bei einem Brand in eine ernsthafte Gefährdung von weiter entfernten Bereichen entsteht?
    Der Siedepunkt ist bei bummelig 350°C. Das heisst am Brandherd könnte es verdampfen. Die Rauchgase dürften dabei so schnell wieder kalt werden, dass es wieder verflüssigt. Kurzum: Das Stützfeuer will ich sehen, damit Quecksilber überhaupt nennenswert das Areal verlassen können soll.

    Davon ab zur Frage ob und wie man denn bei ernsthaften Bedrohungen Luftbelastungen messen will:
    Dafür gibt es Einheiten des Zivilschutzes – früher hieß sowas oft ABC-Zug, bei uns in SH heisst das heute LZ-G (Löschzug Gefahrgut).
    Jeder Landkreis hat dabei einen LZ-G und einen sogenannten CBRN-Erkunder vom Bund zzgl eigener Messkomponenten nach Bedarf. Zugriff hat unmittelbar die Leitstelle der Feuerwehr – d.h. es Bedarf keiner KatS-Feststellung dazu.
    Reaktionszeit ist nach Vorschrift bei uns 40 Minuten. Das bedeutet, Sie können nach Freisetzung von ‚Luftverschmutzungen‘ nach etwa 1h die ersten Messergebnisse mit GPS-genauem Protokoll haben.
    Da jeder Landkreis so ein Fahrzeug hat können Sie das nach kurzer Zeit an mehreren Stellen haben. Da es auch noch weitere Messkomponenten gibt (je nach Kreiseigener Ausstattung) nochmals spezieller usw…

    Hinweis dazu: Ein Moor (selbst mit Munitionsresten) wird nicht in der Lage sein eine nennenswerte Überschreitung von Grenzwerten einzelner Gefahrstoffe im sogenannten Brandgas zu schaffen (außer man würde direkt über dem Feuer messen). Die Verdünnung durch die Luft ist so enorm, dass in einiger Entfernung nur noch geringe Werte festgestellt werden können.
    Selbst ganze Industriehallen mit all ihren Kunststoffen usw oder auch besondere chemische Freisetzungen sind zwar messbar (auch deutlich messbar), aber in ein paar hundert Meter Entfernung in der Regel weit unter allen Grenzwerten.
    Eine Silvesternacht in der Innenstadt um sagen wir 0015 dürfte sowohl vom Feinstaub als auch von der Schadstoffbelastung deutlich oberhalb dessen liegen was mit einem weit außerhalb liegenden Feuer eines Moores überhaupt leistbar wäre.

    Solche Messungen sind also nett, jedoch bei Nicht-Chemie-Unglücken an sich auch überflüssig. Sie ändern nichts und beweisen und wiederlegen nichts. Mal ganz davon abgesehen, dass oft in der Nähe gemessen wird (wenige km Radius), wobei die Thermik die Hauptlast vielleicht 25km weiter trägt und dort erst zu messen wäre… wenn auch mit entsprechend niedrigem Ergebnis…

  • Hans-Joachim Zierke   |   07. Oktober 2018 - 15:52

    Daß beim Sonderfall eines stationären Vegetationsbrandes mit starker Rauchentwicklung über viele Tage hinweg keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen zu befürchten sind, diese These auf Grundlage nicht durchgeführter Messungen ohne Erröten vorzutragen, qualifiziert für den besser bezahlten Pressesprecherposten bei British American Tobacco.

  • Hans-Joachim Zierke   |   07. Oktober 2018 - 16:44

    (Ich komme nur selten dazu, hier mitzulesen, sorry für die späte Antwort.)

    @EssenER | 02. Oktober 2018 – 8:53

    „Ist das wirklich so gewesen bzw. ist das so? Hätte erwartet, die Smokeys würden bei den Hubschraubergeschwadern gelagert und dann als Innenlast zum Einsatzort geflogen.“

    Das war so
    https://www.youtube.com/watch?v=SA-HxRVHS8Q
    in Niedersachsen, und ist das auch noch so in mehreren Bundesländern.

    In Niedersachsen sah das so
    https://bos-fahrzeuge.info/einsatzfahrzeuge/73188/Florian_Celle_12Anhaenger_Aussenlastbehaelter
    aus.

    Die Standorte in Bayern finden Sie in dieser Übersicht:
    https://www.lfv-bayern.de/media/filer_public/f0/f9/f0f92f37-a825-4c4b-bfa4-f1c078ed34ab/1-fachinfo_standorte_flughelfer_2016.pdf

    Zu einem Feuerwehr-Standort mit Außenlastbehältern gehören normalerweise auch ausgebildete Flughelfer der Feuerwehr.

    Wie Sie der bayerischen Übersicht entnehmen können, gibt es natürlich weitaus mehr Standorte mit Behältern für kleinere Helikopter verschiedenster Organisationen und Firmen.

    Wie lange es dauert, einen 5000l-Behälter plus Longline als Innenlast zu verladen und zu sichern, ist mir nicht bekannt. Der Grundgedanke bei der dezentralen Vorhaltung basiert darauf, daß ein Helikoptereinsatz um so erfolgversprechender ist, je früher er (nach Feststellen der Notwendigkeit durch den Einsatzleiter) erfolgt. Im Optimalfall sprintet die Besatzung zu ihrem Quirl, Abflugkontrolle, Go. Am Einsatzort sollte dann das Zubehör bereits warten, zusammen mit Leuten, die daran ausgebildet sind.

    Daß die Realität eine Tendenz zur Abweichung vom Optimalfall aufweist, ist mir bekannt.

  • Hans-Joachim Zierke   |   07. Oktober 2018 - 18:08

    @Dude | 06. Oktober 2018 – 23:28

    Luftgütemessungen werden in Deutschland bei fast jedem „richtigen“ Großbrand mit starker Rauchentwicklung von der Einsatzleitung angeordnet.

    Beim Brand in Meppen haben wir die Sondersituation eines Peaks in der Rauchentwicklung am 18., woraufhin beispielsweise im Landkreis Verden die Bevölkerung über das Katwarn-System aufgefordert wurde, die Fenster zu schließen und Lüftungsanlagen abzuschalten. Verden liegt ungefähr 100km entfernt, Brandrauch kommt dort erheblich verdünnt an.

    Warnung für Landkreis Verden
    18.09.2018 22:48

    Entwarnung
    19.09.2018 07:35

    Am 19. versicherte dann ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums, daß ihm keine Erkenntnisse über eine mögliche gesundheitliche Gefährdung der Bevölkerung vorlägen, und am 20. begannen die Messungen.

  • Hans-Joachim Zierke   |   07. Oktober 2018 - 21:45

    @justanick | 30. September 2018 – 18:26
    (auch hier: Sorry für die späte Antwort.)

    „Es ist hier klar, dass der Moorbrand am Lagg (Randbereich) des Moores zum Stehen kommt, da dort normalerweise die Nässe aus dem Moorkörper austritt.“

    Das ist nur ein geringer Trost, weil ein entwässertes Moor sehr viel Brennstoff enthält. (Ein naturbelassenes … emmh … sagen wir: ein wiedervernäßtes Moor brennt nur in der Oberflächenschicht, aber das gilt eben nicht für entwässerte.

    Ich kann mich noch erinnern, daß Moorbrände völlig normal waren in meiner Kindheit, weil die Moore damals noch abgetorft und dafür entwässert wurden. Das große Moor bei Hille im nordöstlichen Zipfel Nordrhein-Westfalens hat eigentlich spätestens alle 5 Jahre gebrannt, und das dauerte dann eben auch Wochen, das auszukriegen. Nach Wiedervernässung kann es immer noch Feuer geben, aber eben nur in der Oberflächenschicht. Die Bundeswehr hat bei Meppen zwar nicht so stark entwässert wie ein Industriebetrieb, aber den Wasserpegel eben doch niedrig genug gehalten, damit dort ein absolut riesiger Haufen trockenen Brennstoffs in der Gegend herumliegt.

    Sie schrieben
    „Man hat also in dem konkreten Fall einen etwa 1,5 km breiten Torfstreifen, den man nicht befahren kann und den es zu löschen gilt. (Das Problem: auf trockenem Torf kann man fahren, auf nassem nicht, wenn man sich also vom Rand aus ins Moor reinlöscht, dann kommt man trotzdem nicht weiter, bevor man den gelöschten Tof nicht trockengebügelt hat.) Wie weit kann mit dem gängingen oder mit speziellem Feuerlöschgerät denn vom Rand aus Wasser in den Zentralbereich verbringen?“

    Geprägt durch Erfahrungen im 2. Weltkrieg sind deutsche Feuerwehren auf Fahrzeuge deutlich weniger angewiesen als eigentlich alle anderen Feuerwehren. Das Löschmittel der Wahl bei kleineren Feuerwehren ist oder war in Deutschland die Tragkraftspritze. In dem Maße, in dem die Leute wegsterben, die sich noch erinnern konnten, warum das so ist, hat sich das ein großes Stück weit verschoben in Richtung fahrzeugbasierter Pumpen wie in anderen Ländern, aber auch heute noch könnten Sie Dutzende TSF nachalarmieren, wenn das wirklich notwendig sein sollte. Und auf den KatS-Schlauchwagen finden Sie kilometerweise Schlauch zum Durch-die-Gegend-tragen.

    Das alles hilft nicht, wenn der Boden auch von Fußgängern nicht betreten werden darf, aus welchem Grund auch immer. Dann gilt genau wie im Steilhang, daß die Bekämpfung aus der Luft erfolgen muß. In optimaler Form sähe das ähnlich aus wie in folgendem Video:
    https://www.youtube.com/watch?v=C4Usp52r7P0

    Man stellt einen 50000l-Eimer in einem sinnvollen Abstand zum Feuer hin (möglichst dicht, aber nicht so dicht, daß das Feuer zu Besuch kommen kann), pumpt das Wasser zu diesem Eimer, und nimmt Helikopter nur für die letzten Meter zum Feuer. Damit kann man richtig ernstzunehmende Wassermengen schaufeln.

    Im Video ebenfalls zu sehen: Die Longline. Wäre ja blöd, das Feuer einerseits mit dem Wasser aus dem Außenlastbehälter bekämpfen zu wollen, und andererseits mit dem Downwash anzufachen. Macht BESTIMMT niemand so, deshalb: Longline.

    Wenn’s etwas windig ist, haben Longline und Eimer für die Bundeswehr auch noch den Vorteil, daß die Piloten in der feinfühligen Bedienung des Fluggeräts trainiert werden.

    Die Eimer gibt’s vom Hersteller der Bambi Buckets.
    https://i2.wp.com/www.sei-ind.com/wp-content/uploads/2009/04/Heliwell_inside.jpg?fit=850%2C350&ssl=1
    Alu-Segmente verspannen, Sack einhängen, Prallkissen in den Sack, damit er heile bleibt, Schutzkanten für die Oberkante gibt’s als Zubehör. Der Hersteller gibt weniger als 2 Stunden mit 3 Leuten an, aber wenn eine Feuerwehr dafür so trainierte wie für Kreiseimerspiele, sollte ein kleiner Teil der Zeit reichen.

    Dies als meine Auffassung davon, wie man das machen SOLLTE.

    Kleiner Nachteil meiner Beschreibung: Niemand in Deutschland verfügt meines Wissens über solche Behälter in einer Ausführung, die ein CH-53 für’s Eintunken nehmen könnte. Für kleinere Drehflügler haben mehrere Bundesländer etwas geeignetes beschafft.

    Sie schrieben:
    „Wenn nicht, und wenn der Schwelbrand hier an die Oberfläche kommt, und durch die Verbrennungsgase (Funkenflug) und ungeeignete Windrichtung etwa Gefahr für Dörfer besteht, wäre m.E. dennoch ein Luftunterstützung erforderlich/wünschenswert.“

    Sie hätten mich völlig mißverstanden, wenn Sie glauben, daß ich generell gegen Luftunterstützung bin … in jenen Fällen, in denen sie taktisch sinnvoll ist. Im Gegenteil: Ich bin der Meinung, daß es viel schneller und unbürokratischer möglich sein müßte, Luftunterstützung zu erhalten. Für manche Fälle gibt es nichts Besseres.

    – Entstehungsbrand an einem Ort, den nur Alpinisten erreichen? Am besten ein Schlapp Wasser drauf von oben.

    – Das Feuer überspringt den mühsam planierten Brandriegel (oder mal eben die Baustelle des Elbe-Seitenkanals, wie 1975) und bildet neue Entstehungsbrände dort, wo niemand damit gerechnet hat? Schlapp Wasser drauf. So lange das Feuer noch jung ist, funktioniert das prima! Man muß nur schnell genug da sein.

    Sie schrieben:
    „Und man darf vermutlich den moralischen Wert von Hubschraubereinsätzen nicht unterschätzen. Nicht alle können Mathematik, und das vermittelt doch für die Anwohner, wir kümmern uns richtig dolle drum, oder?“

    Löschen aus der Luft ist superklasse als Aktivitätssimulation! Überhaupt keine Frage!

    Aktivität statt Aktivitätssimulation wäre es gewesen, die Helikopter in den ersten Stunden nach Ausbruch des Brandes herbeizuholen. Das hätte das Problem lösen oder zumindest kleinhalten können.

    Wenn ich die Abläufe richtig verstanden habe, dann konnte man die Helikopter deshalb nicht zu sinnvoller Aktivität mit großer Zielerreichungswahrscheinlichkeit herbeiholen, weil keine Gefahr für Leib und Leben bestand. Nun, die besteht für die Aktivitätssimulation erst recht nicht, also ABGELEHNT.

    Schlußbemerkung: Wenn eine Organisation über die eigenen Regeln stolpert und in ein tiefes Loch fällt, könnte man sich diese Regeln mal kritisch ansehen. Es wurde hier schön beschrieben, daß der zuständige Offizier lügen und die Regeln hätte brechen müssen, um ein sinnvolles Vorgehen zu erreichen.

    Keine exotische Situation. In der „freien“ Wirtschaft ist es allgemein üblich, Arbeitsanweisungen so zu verfassen, daß die Arbeit nur unter Mißachtung der Arbeitsanweisungen getan werden kann. Das dient dazu, die Verantwortung für Probleme oder Unfälle von denen, die für’s Verantwortungtragen bezahlt werden, auf jene zu verlagern, die dafür nicht bezahlt werden.

    Das Prinzip funktioniert absolut prima. Ich habe amüsiert zur Kenntnis genommen, wie selbstverständlich einige der hier Mitdiskutierenden davon ausgehen, daß es die Aufgabe des lokalen Kommandanten ist, die Regeln zu brechen oder zu umgehen, damit die Organisation Bundeswehr funktionieren kann.

    Und ich bin sicher: Derjenige, der in Stein gemeißelt hat, daß Helikopter nur bei Gefahr für Leib und Leben angefordert werden dürfen, derjenige muß in der bevorstehenden Untersuchung nichts befürchten!

  • Benno   |   08. Oktober 2018 - 1:36

    Moin,
    die HAZ berichtete am Wochenende von uranhaltiger Munition, die dort in den 70ern gelagert, aber nicht verschossen worden sein soll.
    Ist dazu irgendwas Näheres bekannt? Munitionstyp?
    Welchen Sinn macht das Verbringen dort hin, aber nicht zu erproben? Hatte die Bw zu irgendeiner Zeit KE auf DU-Basis erwogen oder DU-Munition im Bestand? Interoperabilitätsstest mit US-Munition? Relikte vom Kpz70-Programm? Industrieversuche zur Übernahme der Rh120 in den Abrams?

    [Ehe auch hier Spekulationen die Grundlage der Debatte werden: Es war die NOZ, und ergänzend dazu:

    (Angesichts des Wirrwarrs dann doch mal ausnahmsweise hier ein Verlags-Link.
    T.W.]

  • Dude   |   08. Oktober 2018 - 16:26

    Ich findes es nur auffällig, dass immer, wenn man auf die Bundeswehr einschlagen kann wie in diesem Fall das Thema Luftgütemessung etc. jede Gelegenheit dazu genutzt wird. Meine Frage zu den Luftmessungen im Osten zielten darauf ab, ob es da denn auch andere Erkenntnisse egeben hat, ob überhaupt was gessen wurde oder nicht. Bei dem was da an Altmunition herum liegt sollte man eine ähnliche Besorgnis erwarten wie in Meppen. Was da von den Russen denn verschossen wurde, kann heute überhaupt keiner mehr sagen. Was da aus dem 2. WK noch liegt, weiß man auch nicht 100%-ig. Aber man kann da ja auch keinen so richtig fassen, den man deswegen angehen kann. Ob überhaupt gemessen wurde möchte ich mal bezeifeln.

    In Meppen hat man den Bösen Buben allerdings gleich wieder parat also mal immer schön drauf…

  • T.Wiegold   |   08. Oktober 2018 - 18:21

    @Dude

    (Ist ja Ihr Nick, aber auch ne gute Anrede…)

    Soso, alle wollen auf die Bundeswehr einschlagen. Ihnen ist schon bewusst, dass wir hier über ein Großschadensereignis reden, das die Bundeswehr selbst verschuldet hat und nach allen bisher bekannten Fakten zumindest zu Beginn schlampig angegangen ist?

    Es wirkt schlicht lächerlich, gerade diesen Katastrophenfall als Beispiel dafür heranzuziehen, „dass immer, wenn man auf die Bundeswehr einschlagen kann … jede Gelegenheit dazu genutzt wird.“ Ein bisschen Realitätsabgleich wäre gut.

  • butzelwutz   |   08. Oktober 2018 - 21:26

    Sicherlich handelt es sich bei der Bewältigung des Moorbrandes um einen großen finananziellen Schaden. Der Einsatz wird wird teuer. Es gibt Schadenersatzforderungen z.B. durch Landwirte und ja, es gab Fehleinschätzungen.
    Aber bis jetzt wurde niemand verletzt und niemand hat Haus und Hof verloren. Vor diesem Hintergrund wirkt die Berichterstattung durch NDR und NOZ nicht neutral. Es werden Schlagzeilen mit Fragezeichen in den Zusammenhang mit dem Moorbrand gebracht, die sich meiner Ansicht nach als haltlos erweisen. Stichworte Uranmunition und Quecksilber. Über die angesprochenen Grenzwerte bei der CO-Konzentration kann man auch geteilter Meinung sein.
    Die einseitige und negative Berichterstattung des NDR war bereits 2015 zum Tag der offenen Tür der WTD auffällig.

  • Dude   |   09. Oktober 2018 - 16:11

    Sehr geehrter Herr Wiegeld,

    es zieht sich halt seit Jahren durcht die Medien, dass sich reißerische Schlagzeilen, die im Zusammenhang mit der Bundeswehr geschrieben werden, im Nachhinein häufig als haltlos erweisen. Seien es „Foltervorwürfe“, „Rechte Terror- oder Extremismusbewegungen in der Bundeswehr“, „Gesundheitsgefährdung durch Uranmunition“ etc. Sicherlich hat die Bundeswehr genug schwarze Schafe in ihren Reihen, aber das ist kein Alleinstellungsmerkmal unserer Streitkräfte.

    Ich finde, dass diese Art von Berichterstattungen unseriös und gegenüber den für den Staat dienenden Soldaten unfair ist, wenn deren Arbeit in dieser Art und Weise regelmäßig in Misskredit gebracht wird. Als harmloses Beispiel sei hier angeführt, WER denn den Moorbrand verursacht hat, BW vs. AHD.

    Dieses Problem wird durch unsere Medien erzeugt, bei denen es immer mehr darum geht, wer zuerst eine Meldung bringt anstatt die Richtigkeit in den Vordergrund zu stellen. Unter anderem wird die BW immer wieder gerne dafür genommen. Letzten Endes leidet auch die Glaubwürdigkeit unserer Medien unter dieser Art von Arbeit.

    Ich würde mich auch mal über seriöse Recherchen und Berichterstattungen der Medien über Medien freuen. Skandalöse und fehlerbehaftete Reportagen gibt es ja genug. Aber die eine Krähe hackt der anderen ja kein Auge aus…..

  • T.Wiegold   |   09. Oktober 2018 - 16:24

    @Dude

    Ich antworte Ihnen jetzt mal sehr zurückhaltend: Die Bundeswehr hat ein Großschadensereignis ausgelöst, und Ihr größtes Problem dabei ist, dass es doch andere Fälle gegeben hat, in denen es zunächst überzogene Vorwürfe gab. Daraus leiten Sie ab, dass es keine seriöse Berichterstattung gewesen wäre.

    In diesem Fall vermag ich nicht zu sehen, dass der Bundeswehr hier zu Unrecht etwas angehängt würde, wie Sie behaupten. Im Gegenteil. Ich vermag mir sehr gut vorzustellen, wie die Bevölkerung vor Ort und die Öffentlichkeit darauf reagiert hätten, wenn ein Industrieunternehmen in vergleichbarer Weise gehandelt hätte, wochenlang nicht nach außen kommuniziert und bei erkennbarer Gefahr von Luftverschmutzung und Gesundheitsbelastung zwei Wochen lang keine Messungen vorgenommen hätte. Die Bundeswehr ist da noch sehr, sehr gut weggekommen.

    Ihr Vorwurf „aber die eine Krähe hackt der anderen ja kein Auge aus“ scheint diesem Fall also eher auf die Streitkräfte zu passen.

  • Alpha November   |   11. Oktober 2018 - 17:42

    @ T.Wiegold | 09. Oktober 2018 – 16:24

    Erschwerend dürfte in diesem Fall auch dazu kommen, dass es nur einer Intitution wie der BW überhaupt möglich ist so zu handeln. Ein Industrieunternehmen hätte mindestens eine anerkannte Werkfeuerwehr haben müssen um eine Reaktion mit Eingriff von außen – sagen wir – „bremsen“ oder verhindern/hinhalten zu können.
    Eine solche Feuerwehr haben nur sehr sehr große Betriebe, oft sind es auch Störfallbetriebe. Das ist dann natürlich regional und vor allem in den Leitstellen bekannt.

    Bei allen Fällen wo so eine Werkfeuerwehr nicht vorhanden ist würde jeder Anruf bzgl. Ereignisse in Richtung Rauch, Feuer immer zu einem Einsatz einer öffentlichen Feuerwehr führen, sowie auch der Polizei. Die Einsatzleitung läge dann bei der Feuerwehr und geht mit recht hohen Rechten einher (auch wenn das als Ländersache hier und da abweichen kann). Und als Industrie-Chef werden Sie eine solche Feuerwehr am Tor nicht aufhalten und nicht los, so lange die erkennbare Gefahr nicht angegangen und abgewendet wurde.
    Da wird Ihnen schlicht der Betrieb untersagt und weg genommen bis das geklärt ist und Sie selbst werden so lange in Sicherheit gebracht.

    Als Werkfeuerwehr – vor allem auf Bundeseigentum – können Sie genau das allerdings machen. Hier wird ein Einsatz auch kaum, bzw. nur schwerlich ausgelöst werden. Anrufer: Es brennt im Moor bei WTD. LEitstelle: Alles klar. Dann wird die LEitstelle erst mal bei WTD anrufen und Fragen ob die was am laufen haben, was von außen wahrnehmbar ist. Das bejahen die und dann ist die Klappe zu. Da fährt gar nicht erst einer los. Wenn wieder einer anruft sagen die, ja das wissen wir, die WTD ist dran.

    Es muss halt schon sehr eskalieren bis das durchbrochen wird. Und solche Möglichkeiten bestehen nur für Betriebe mit eigener Werkfeuerwehr oder welchen, die eben Besonderheiten darstellen wie eben Sperrgebiete des Bundes usw (wo die Landeshoheit einfach nicht greift). Jeder andere Betrieb hätte so nicht handeln können!

  • ede144   |   11. Oktober 2018 - 19:30

    @Alpha November

    Es gibt noch einen weiteren Unterschied: Bei der anerkannten Werkfeuerwehr eines Betriebs ist der Wehrführer der Einsatzleiter und wird den Teufel tun die örtliche Feuerwehr an der Pforte stehen lassen. Auch wenn es da in Köln z. B. schon Problem gegeben haben soll.
    In Meppen scheint das ja nicht der Fall gewesen zu sein, sonst wären so Fragen ob Überstunden genehmigt werden nicht aufgetreten.

  • Alpha November   |   12. Oktober 2018 - 11:34

    @ ede144 | 11. Oktober 2018 – 19:30

    Das ist natürlich richtig, dass die Werkfeuerwehren sich normaler Weise nicht so verhalten würden gerade aus von @TW genannten Gründen.
    Aber das die Führung der Werkfeuerwehr immer die Einsatzleitung hat, wie Sie ja richtig schreiben, ist ja eben genau die Grundvoraussetzung dafür sich so verhalten zu können, wenn man denn wollte und wie man es hier tat.
    Zumindest ist auch in SH der Leiter einer anerkannten WF in der Regel a) höher ausgebildet als der der FF und b) auch aus Fachgründen in seinem Werk immer der Einsatzleiter (bis zum Zaun und auch für Immissionen darüber hinaus). Und daher hat er die Hoheit am Zaun halt zu sagen – aus Sicherheitsgründen auch mitunter angeraten (wie bei einer WTD sicher auch gerechtfertigt), in der Regel aber natürlich von Zusammenarbeit geprägt: Bei größeren Sachen braucht ja auch jede WF Hilfe von außen und der größte Faktor für ein Werk ist eben auch die Außenwirkung, genau wie @TW zuvor sagte, ein Industrieunternehmen könne es sich einfach nicht erlauben so zu agieren wie das hier an der WTD wohl erfolgte. Das ist eindeutig so.

    Der Kernpunkt bei Werkfeuerwehren ist aber, dass es, so lange die sagen sie kümmern sich selbst, in der Regel gar nicht zu einem Einsatz der öffentlichen Gefahrenabwehr kommt. Weil die Leitstelle die Notrufe quasi aufnimmt aber daraus nichts erwächst – zumindest so lange bis es absolut unhaltbar würde und einer den Mut aufbringt mal eine Feuerwehr zur Erkundung der Lage raus zu schicken.

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