US-Truppenabzug aus Deutschland? Für die USA kein Thema

Vor dem NATO-Gipfel in der kommenden Woche haben die USA ein mögliches Streit-Thema schon mal abgeräumt: Ein Abzug der US-Truppen aus Deutschland, wie er vor knapp einer Woche durch die Medien geisterte, ist kein Thema. Das ist nun nicht so ganz überraschend, weil es nach Faktenlage ohnehin recht merkwürdig klang – aber fürs Gespräch der Staats- und Regierungschefs kommende Woche ist das erst mal eine positive Nachricht.

Die Klarstellung kam von der NATO-Botschafterin der USA, Kay Bailey Hutchison, am (gestrigen) Donnerstag (Ortszeit) bei einem der üblichen Briefings vor dem Gipfel für Journalisten in Washington. Eine offizielle Abschrift davon gibt es (noch) nicht, aber der Kollege von Defense One hat das protokolliert:

President Donald Trump is not planning to threaten to pull U.S. troops from Germany and Europe, despite reports he asked aides about that possibility.

(…)
“There is nothing being said at all about the troop alignment in Germany or anything that would change the 32,000 troop force that we have in Germany,” said U.S. Amb. to NATO Kay Bailey Hutchison, on a White House conference call with reporters Thursday organized to preview the July 11-12 summit. (…)
On any suggestion of pulling back forces, she said, “I’ve heard nothing different about that.”

Ähnlich auch der Bericht in der Washington Post, deren Reporterin ebenfalls bei diesem Briefing dabei war:

The Trump administration’s ambassador to NATO said Thursday that no discussions are underway regarding withdrawal of U.S. troops in Germany, which she said remain an integral part of U.S. and alliance security strategy.
“There is nothing being said at all about the troop alignment in Germany or anything that would change” the basing arrangements there, Ambassador Kay Bailey Hutchison told reporters in a briefing about next week’s NATO summit. “I’ve heard nothing on that score.”

Offizieller geht es vorerst kaum – auch wenn das natürlich noch wenig darüber aussagt, wie es auf diesem Gipfel läuft und wie andere Streittehmen, zum Beispiel die Verteidigungsausgaben der europäischen NATO-Mitglieder, die Debatte prägen werden.

Nachtrag: Und da ist es schon, Trumps Prä-Gipfel-Briefing auf eigene Art:

(Foto: Soldaten aus den USA, Deutschland, Frankreich und Schweden im Juni 2018 in Grafenwöhr  – U.S. Army Photo by Lacey Justinger, 7th Army Training Command)

17 Kommentare zu „US-Truppenabzug aus Deutschland? Für die USA kein Thema“

  • Pio-Fritz   |   06. Juli 2018 - 9:04

    Das der Abzug zeitlich langwierig ist und eigentlich keinen Sinn macht, weil eine Stationierung östlich DEU gegen die NATO-Russland- Grundakte verstößt, hatten wir hier schon diskutiert:

    https://augengeradeaus.net/2018/06/us-truppen-raus-aus-deutschland-ein-blick-auf-die-fakten/

    Vielleicht stellt man im Weißen Haus fest, das die Methode Trump, mit wilden Drohungen und Muskelspielen auf Freunde und Verbündete loszugehen nicht zum gewünschten Ziel führt. Der Handelsstreit zeigt gerade, wo die Grenzen der US-Weltmacht liegen.

  • Ehemaliger Grenadier   |   06. Juli 2018 - 9:37

    Ich weiß, das passt thematisch nicht zum Artikel und die Bildquelle stammt von den Amerikanern auf Flickr. Aber das sind doch niemals unser Panzermänner bei der European Tank Challenge, so viel verrät doch schon das Barrett.

    Weiß jemand, wo das Bild wirklich her stammt?

    [Oh weh, dieses Thema… Schon klar, dass es keine Panzermänner sind. Aber mehr als diese Bildunterschrift habe ich auch nicht… T.W.]

  • Gelber Reiter   |   06. Juli 2018 - 10:53

    Das sind PzGren vom Btl 112 aus Regen, die dürfen wie die Freyunger (ehem.Gebirgs-) Aufklärer 8 das Edelweiß am Barett tragen

  • T.Wiegold   |   06. Juli 2018 - 11:01

    Danke, und klare Ansage: Ich habe die Bildunterschrift oben geändert, damit niemand mehr der Versuchung erliegt, jetzt ausführlich über Uniformen, Barette etc. zu debattieren statt über das Thema.

  • Pio-Fritz   |   06. Juli 2018 - 11:43

    @T.W.

    Manche haben einen untrüglichen Blick für das Wesentliche. :-)

  • SER   |   06. Juli 2018 - 12:36

    @Pio-Fritz

    Schauen wir erstmal wohin der Handelsstreit führt, denn er beginnt erst und die nackten Defizit Zahlen sprechen für Donald … und wenn es anders ausgeht erkennt er seine Grenzen … aber ich halte etliche „wie kann er nur so vermessen sein“-Debatten für verfrüht und obendrein nicht zielführend ! Auch in punkto NATO oder Truppenabzug …

    Albert Einstein bemerkte: Die reinste Form des Wahnsinns ist es, alles beim Alten zu belassen und gleichzeitig zu hoffen, dass sich etwas ändert !

    In diesem Sinne könnte der unbeliebte POTUS dennoch weiter sein als von Vielen unterstellt … maybe thinking out of the box !

  • Pio-Fritz   |   06. Juli 2018 - 16:25

    @SER | 06. Juli 2018 – 12:36

    In diesem Sinne könnte der unbeliebte POTUS dennoch weiter sein als von Vielen unterstellt … maybe thinking out of the box !

    Da trauen Sie dem Mann Eigenschaften zu, die er bisher nicht gezeigt hat. Das beste Beispiel ist doch sein Korea-Deal mit Kim.
    Natürlich hat er recht, wenn er Europa zu mehr Anstrengungen in der Verteidigungs- und Sicherheitspolitik auffordert. Nur der Ton macht die Musik, und die ist ganz schön schräg.
    Schließlich will er auch Unterstützung für seine Auslandseinsätze.

  • klabautermann   |   06. Juli 2018 - 18:03

    Na ja, Nordkorea sitzt auf geschätzt 12 Billionen Marktwert Seltener Erden (größtes Vorkommen weltweit). Da läßt man sich als USA schon etwas einfallen, damit die Chinesen in der Ausbeutung/Vermarktung nicht den Reibach machen.
    Blöd bloß, dass Deutschland so wenig Seltene Erden hat ;-)

  • Ex-Kommandant   |   06. Juli 2018 - 18:15

    Ich bin mal gespannt, wann die Berater des US Präsidenten ihm erklären, dass er mit „Handelskrieg“ und Strafzöllen ggf die deutsche/europäische Wirtschaft schwächt und damit auch die jeweiligen BIP. Somit kann es im Bezug auf Verteidigungsausgaben gemessen am BIP zwar zu einer prozentualen Steigerung bei einer nominellen Reduzierung der tatsächlichen Ausgaben kommen….. thanks for making European Defence Spending great again, Mr. President.

  • Realist...   |   06. Juli 2018 - 19:22

    Na Jaa,
    um das Thema „US-Truppenabzug aus Deutschland“ ist es z.Z. auf der ganzen Linie ruhig, meiner persönlichen Meinung nach etwas zu ruhig, auch hier…

    https://www.whitehouse.gov/presidential-actions/
    https://www.whitehouse.gov/briefings-statements/

    denn schließlich könnte man es bei CIC Trump als Anzeichen von aufkommender Schwäche deuten, wenn er nicht noch eine Überraschung im Ärmel hätte und für etwas Aufregung sorgen würde…

  • SvD   |   06. Juli 2018 - 20:12

    @Ex-Kommandant

    Da seine Berater durchgeknallte Irre sind, wird das nicht passieren.

    Das Widerrufen des G7 Kommunique war da auch noch nicht alles.
    Seine Berater haben in TV Interviews vom Dolchstoß Kanadas gesprochen und darüber hinaus allen Gegner von Trump einen besonderen Platz in der Hölle versprochen.
    Warum? Weil Trudeau nach der Abreise von Trump noch eine Abschlusserklärung gegeben hat, die den USA nicht unterwürfig genug war.
    Vorher haben sie auch großkotzig gepoltert niemand würde es sich wagen Strafzölle gegen die USA zu verhängen.

    Andere haben begriffen wie man mit Trump und seinen strunzdoofen Beratern umgeht.
    Es hat z.B. einen Grund warum die deutsche Automobilindustrie die Einfuhrzölle der EU für PKW abschaffen will. Die wissen genau das die US Modelle hier keine Chance haben, dafür aber die ganzen SUVs von BMW und Mercedes, die in den USA gebaut werden ohne 10% Zoll in die EU verschifft werden könnten. Umgekehrt wurden die Fahrzeuge aus der EU ohne die 2,5% Zoll in die USA gehen. Trump könnte sich zwar damit brüsten die Zölle niedergerissen zu haben, gewinnen würde er aber nichts. Im Gegenteil, im Ausland produzierte Fahrzeuge wurden in den USA billiger und deren Schrottschüsseln würde hier immer noch keiner kaufen.
    Würde man das auf Nutzfahrzeuge ausweiten und die 25% „Chicken Tax“ auf Pickups Trucks (und evtl. SUVs – nicht sicher ob die da greift) abschaffen, würden US Hersteller arge Probleme bekommen.

    Es ist übrigens nicht unser Problem das die neo-liberale Politik der Steuersenkungen, Deregulierungen, Privatisierungen und den exorbitant teuren Universitätsausbildung, neben dem Fehlen von Berufsabschlüssen die US Wirtschaft in einen Agrarstaat verwandelt hat. Viele Republikanische Wähler halten die Kirche für wichtiger als Universitäten…

  • Wait&C   |   07. Juli 2018 - 0:26

    @klabautermann

    Seltene Erden sind nicht regional selten sondern niedrig angereichert. Oder anders gesagt, prinzipiell findet man sie fast überall, lediglich die Konzentrationen unterscheiden. Die Anreicherung ist arbeitsaufwändig und dreckig und wird daher oft in Ländern mit niedrigen Löhnen und fehlenden teuren Umweltschutzvorschriften betriebent.

    Der Unterschied ob man Yttrium, Neodym usw. in der Eifel oder im Yalu-Tal fördert dürfte kaum mehr als die doppelte Zentrifugen- und Waschanlagenlaufzeiten ausmachen. Naja, und halt der Lohnunterschied.

    Und die meisten Geostrategen sind schlau genug keine Billion Euro für die Sicherung eines Marktes von zwei Milliarden Umsatz und 150 Millionen Gewinn zu riskieren bei dem es grundsätzlich weltweite Konkurrenz gibt Da würde es ja mehr Sinn machen den deutschen Bausand-Export unter Kontrolle zu bringen denn mit gutem Bausand lassen sich wirklich Milliarden verdienen und das ist ein Rohstoff bei dem Deutschland tatsächlich sehr grosse Reserven aufweist..

  • SER   |   07. Juli 2018 - 10:16

    @SvD

    Der Stern schreibt am 16.01.18 zum Thema Autos USA, da auch dieser Auszug:

    „Auf der Nummer drei der Beliebtheitsskala rangieren die Limousinen und die waren auf der NAIAS ebenfalls reichhaltig vertreten. Die meistverkauften Modelle machen ebenfalls einen Bogen um Europa.“

    Es ist zu kurz gesprungen in der Thematik Trump auf Autos zu springen etc … America first ist auf eine längere Sicht angelegt und nur vordergründig dem bösen Donald geschuldet !
    Ich wäre auch zurückhaltender mit Wertungen a la „durchgeknallte Irre“ oder „strunzdoofe Berater“ …

    Amerika tickt anders und hat eine deutlich andere Sicht auf die Welt, mit milliardenschweren Industriebossen/Börsengrößen die es genauso wünschen, sich aber sehr dezent im Hintergrund halten und auf längeren Atem setzen ! Ich würde mal mit dem kleindeutschen Geheule weniger machen … Donald ist nur Sprachrohr einer anderen Lobby von Interessenhabern …

    Man sollte sich daran gewöhnen, daß es eben manchmal Länder/Präsidenten gibt die einen anderen Kurs steuern weil sie a) überzeugt sind es dient ihrem Land b) sie es einfach können und tun (siehe auch Putin, Erdogan et alteri) …

    Die Trump-Analyse ist bei weitem noch nicht eingesetzt, vollständig und nachhaltig stichhaltig … dazu verdeckt er sein Blatt zu geschickt wie beim Poker, und das macht er sehr gut ;-) … to be continued …

  • T.Wiegold   |   07. Juli 2018 - 10:22

    … und damit beenden wir die Versuche, die Debatte auf die Handelskriege und die pro/vs-Trump (als Person)-Schiene zu setzen. Danke.

  • klabautermann   |   07. Juli 2018 - 10:37

    @Wait&C | 07. Juli 2018 – 0:26

    Ein Geostratege wird sich allerdings Gedanken machen über die gesicherte, langfristige und kostengünstige Deckung des industriellen Eigenbedarfs an dieser strategischen Ressource, deren Bedarf im „digitalen“ Zeitalter weltweit weiter zunehmen wird.
    Und da hat Nordkorea mit den angeblich mehr als 200 Mio Tonnen einen echten bargaining chip im eigenen Boden – zumal angeblich im Tagbau zugänglich und aufgrund der „Gesetzeslage“ in Nordkorea extrem preiswert und quasi vor Ort raffinierbar (sofern jemand den Nordkoreanern die nötige Technologie verkauft, bzw. an die Grube stellt). Und je knapper die Reserven bei den großen Bedarfsträgern werden – insbesonder natürlich China – desto größer die Verlockung mit den Nordkoreanern ins Geschäft zu kommen – und wer weiß schon, was die „Kims“ dann mit den Erträgen anstellen.

  • Blackbox   |   07. Juli 2018 - 14:19

    Dieses „Schimpfen wie die Rohrspatzen“ war schon während des US Wahlkampfs peinlich und ist es immer noch.

    Fakt ist:

    – Trump IST Präsident, nicht HRC

    – USA agiert gemäß IHREN Interessen, nicht derer europäischer Klein- und Mittelmächte oder NGOs etc

    – „Wer anschafft, schafft an“ und wer nicht genug zum „in die Milch brocken“ hat hat auch nichts zu melden

    Donald wird auf dem NATO-Gipfel den versammelten Allies zeigen wo der Bartel den Most holt.

    Die NATO wird sich ändern und zwar drastisch. Und ich freu mich drauf …

  • SvD   |   07. Juli 2018 - 20:13

    Peinlich ist allenfalls die Lobhudelei auf einen Pleitegeier, der sich weder zu benehmen weiß, noch die Muße zeigt sich zu informieren bevor er los brabbelt. Einen Mann der politisch nichts zu Stande gebracht hat.

    Trump erzählt immer noch das Lügenmärchen von der Nato Finanzierung. Mag mir mal einer erklären wo da die große Strategie zu finden sein soll?

    Das er den Truppenabzug aus Deutschland ins Spiel gebracht haben soll, zeigt doch das er ahnungslos ist und das als „Commander in Chief“. Wie genau will er uns damit drohen? Er kann ja gerne versuchen Deutschland/Europa damit zu drohen das neue US Krankenhaus aufzugeben. Das US Militär, was hier stationiert ist, hat nur regionale wirtschaftliche Bedeutung. Man würde damit lediglich die medizinische Versorgung und die Logistik für alle Militärbasen in Afrika und dem Nahen/Mittleren Osten zerschlagen. Wo ist da der großartige Stratege?

    Das ist wie bei den Strafzöllen auf Stahl und Aluminiumprodukte, die die USA gar nicht selbst herstellen können aber dringend benötigen. Damit hat er es allen gezeigt. Selektive Zölle, die sich nur gegen bestimmte Länder richten, verstoßen übrigens gegen WTO Richtlinien. Berater und Minister die sowas nicht wissen aber eine Dose Tomatensuppe bei Interviews in die Kamera halten und ausrechnen, das die Dose durch die Zölle kaum teurer würde ticken nicht richtig.

    Trump handelt nicht im Interesse der USA. Trump und seine Berater sind stupide Nationalisten. Die USA handeln dadurch extrem destruktiv, darauf muss man sich einstellen. Es gibt keinen Grund davor zu kuschen.

    Ich bin daher auch gespannt wie der Nato Gipfel verlaufen wird.