Alternative für die zwei Prozent: Autobahnen statt Panzer

NobleJump_371_Verladung

Der Vorschlag ist nicht so ganz neu, aber kurz vor dem NATO-Gipfel scheint er noch mal auf den Tisch zu kommen: Um dem in der Allianz vereinbarten Ziel von zwei Prozent der Wirtschaftsleistung für Verteidigung näher zu kommen, sollte Deutschland nicht nur in zusätzliche militärische Fähigkeiten, sondern vor allem mehr in die Infrastruktur als wichtigstes Transitland in Europa investieren: Autobahnen, Brücken und Bahnverbindungen für eine schnelle Verlegung von Truppen.

Bereits der frühere Kommandeur der US-Armee in Europa, Ben Hodges, hatte diese Anregung im Mai in einen Gastbeitrag der Frankfurter Allgemeinen Zeitung* geschrieben:

Europa benötigt von Deutschland mehr als Panzer, es braucht dringend deutsche Logistik. Hier könnte die Bundesregierung mit gezielten Infrastrukturinvestitionen die Sicherheit Europas maßgeblich verbessern – und gleichzeitig die Lebensqualität der Bevölkerung erhöhen. Deutschland könnte ein Pionier der „Win-Win-Verteidigungsausgaben“ werden.

Großbritannien versucht nun eine ähnliche Anregung, wie die Londoner Times unter Berufung auf Kreise nahe dem Verteidigungsminister Gavin Williamson berichtet:

Mr Williamson regards investment by Germany in infrastructure — such as strengthened roads and railways to enable large numbers of Nato troops to cross Europe at speed — and transportation as a way to restore US faith in the utility of Nato, according to a source with knowledge of the defence secretary’s thinking.

Ob das beim Gipfel in dieser Woche so auf den Tisch kommt, ja ob ein solcher Vorschlag von Großbritannien überhaupt offiziell gemacht wird, ist vorerst offen. Allerdings hat sich schon die EU dieses Themas Military Mobility angenommen – Überlegungen gibt es also ohnehin. Ob das mit dem Zwei-Prozent-Ziel der NATO verbunden werden kann, ist dann noch eine weitere Frage.

*Deutsche Verlagswebseiten werden hier i.d.R. nicht verlinkt. In diesem Fall gibt es eine Ausnahme, weil es sich um einen Gastbeitrag handelt.

(Foto oben: Archivbild Juni 2015: Marder-Schützenpanzer des Panzergrenadierbataillons 371 beim Abladen in Karliki/Polen für die Übung ‚Noble Jump‘ – Foto Deutsch-Niederländisches Korps)