Bundeswehr sammelt für NATO-Speerspitze: Gib‘ deine Winterkleidung einem Kameraden!

[Ein Update zur neuen Entwicklung gibt es hier]

Die Bundeswehr, vor allem das Heer, bereitet sich darauf vor, im kommenden Jahr die Führung der NATO-Speerspitze, der Very High Readiness Joint Task Force (VJTF), zu stellen. Im Oktober und November wird es dazu die große Übung Trident Juncture in Norwegen geben – und wie schon beim ersten VJTF-Testlauf 2015 müssen sich die beteiligten Einheiten auch in diesem Jahr die Ausrüstung dazu bei ihren Kameraden zusammenleihen.

Der dabei offenkundig werdende Mangel selbst bei einfachsten Ausrüstungsgegenständen hat inzwischen einen neuen Höhepunkt erreicht. Schriftlich wurden alle Teilstreitkräfte und Organisationsbereiche angewiesen, bis Ende Mai von allen Soldaten, die nicht bei Trident Juncture üben, ein Ausrüstungsteil einzuziehen: den Kopf- und Gesichtsschutz, landläufig als Sturmhaube und international als Balaclava bezeichnet.

Augen geradeaus! liegt eine entsprechende Anweisung aus einer Teilstreitkraft schriftlich vor; nach meinen Informationen sind gleichlautende Schreiben in der ganzen Bundeswehr versandt worden:

Aufgrund der derzeitigen unbefriedigenden Bestandssituation bei einigen Bekleidungs- und Ausrüstungsgegenständen kann folgender Artikel nicht an die übenden Soldatinnen/Soldaten für „TRIDENT JUNCTURE 2018 – Zertifizierungsübung für NRF/VJTF ausgegeben werden:
Artikel: Kopf- und Gesichtsschutz, ASD 00530
Oben genannte Übung hat für die Bundeswehr eine außerordentliche Bedeutung und höchste Priorität. Ziel seitens BMVg/FüSK I ist es, alle teilnehmenden Soldatinnen und Soldaten für den Wintereinsatz in Norwegen „sollgerecht“ auszustatten.
Hierzu hat die Projektleitung Bekleidung des BAAINBw E3.4 Soldatinnen und Soldaten … identifiziert, die nicht für die Übung TRIDENT JUNCTURE 2018 vorgesehen sind und daher den vorhandenen Ausrüstungsgegenstand Kopf- und Gesichtsschutz an die jeweilige Servicestation (SVS) zurückgeben müssen.

Bereits zuvor waren Schutzwesten der Schutzklasse IV eingesammelt worden, an denen es offensichtlich auch einen Mangel gibt – das haben die Soldatinnen und Soldaten noch halbwegs verstanden. Wenn allerdings nach dem Motto Gib‘ deine Winterkleidung einem Kameraden! selbst die Ausrüstungsteile, die von Militärhändlern für knapp 40 Euro das Stück angeboten werden, wieder eingesammelt werden müssen…

Das hat allerdings Methode. Bei der VJTF 2015 war das Problem noch die Strickmütze. Zu den Ausrüstungsproblemen für die aktuelle VJTF-Beteiligung hatte sich auch schon die Bundeswehrspitze geäußert –  offensichtlich gehört die Sturmhaube zu der dort erwähnten Winterausrüstung, bei der es eine Ausstattungslücke gibt.

(Archivbild 2002: Soldat der U.S. Navy Seals mit Balaclava in Afghanistan – U.S. Navy Photo)

88 Kommentare zu „Bundeswehr sammelt für NATO-Speerspitze: Gib‘ deine Winterkleidung einem Kameraden!“

  • Mithos   |   07. Mai 2018 - 17:19

    „von Militärhändlern für knapp 40 Euro das Stück angeboten werden“

    Ich glaub, dir ist da eine 0 rein gerutscht, es sind tatsächlich eher 4€ pro Stück.

    [Nee, ich hab natürlich nach der Woolpower-Version geguckt… T.W.]

  • Memoria   |   07. Mai 2018 - 17:19

    Alle Jahre wieder.

    Aber offiziell ist doch alles im grünen Bereich: https://tinyurl.com/y7xnngs2

    Wer zwischen den Zeilen liest, erkennt selbst in diesem Artikel das Ausmaß des Problems.

    Da will man sich über Fahrzeuge, Funk, Waffen, Nachtsicht/ Nachtkampf usw. keine Gedanken mehr machen.

    Wenn es so weiter geht (Finanzen und vorallem auch langsame Verfahren) wird auch die VJTF 2023 nicht arg viel besser.

    Aber das scheint gar nicht mehr wirklich zu stören.

  • klabautermann   |   07. Mai 2018 - 17:32

    Da fällt mir nur noch „kafkaesk“ ein. Die unheimlichen, verborgenen, bürokratischen Kräfte des BW-Beschaffungswesens sind realsatirisch kaum zu überbieten.

    “ Männer, heute Wäschetausch ! Müller tauscht mit Schmitz, Karfunkel tauscht mit Simonis, Statler tauscht mit Waldorf,………..“

    ;-(

  • Das Meer   |   07. Mai 2018 - 17:33

    Was für eine Farce.

  • KaSiMir   |   07. Mai 2018 - 17:42

    Darf das Volk eigentlich auch spenden? Also zweckgebunden?
    Notfalls mal beim Roten Kreuz nachfragen ob diese was in ihrer Altkleidersammlung haben.
    Ja ich weiß Polemik und gewiss kätzerisch…

    Warum kann man das jetzt nicht bis dahin beschaffen? Bei so einem kleinen““ Posten sollte der „Sofortbedarf“ doch mal ohne Abschreibung möglich sein!

  • wacaffe   |   07. Mai 2018 - 17:49

    Nanana… ist die chronische Unterausstattung mit Winterbekleidung nicht im Widerspruch zum neuen Traditionserlass?

    ich meine mich erinnern zu können das ein derartiges Fehl Charakteristikum einer ganz und gar nicht traditionswürdigen Truppe war.

    manche Kontinuitäten sind wohl nicht auszumerzen…

    —————-

    ad rem: An grotesker Peinlichkeit nicht zu überbieten. Der ganze Apparat samt politscher Leitung ist scheinbar nur noch herzschläge vom völligen, bürokratieinduzierten, infarkt entfernt.

  • gk jürgen   |   07. Mai 2018 - 17:55

    mir fiel als erstes nach dem lesen der Begriff: „Winterhilfswerk“ dazu ein, bin dann aber gleich zusammen gezuckt und schüttel nur noch den Kopf über diesen Zustand

  • Schwermetaller   |   07. Mai 2018 - 17:58

    Ich schäme mich für den gesamten Verteidigungsapparat. Das ist beschämend und völlig unnötig. Mit dem logistischen Aufwand, den sie mit ihrem gut gemeinten Erlass jetzt in Gang setzen, könnte einer der Rahmenvertragslieferanten ausreichend Stück „mal eben“ besorgen. Es ist dermaßen peinlich, dass es soweit gekommen ist und es ist noch peinlicher, wenn wir in den nächsten Stunden und Tagen gerade Unionspolitiker im Abwiegeln erleben müssen. Haben die Herren Otte, Gädechens, Kiesewetter oder Hahn überhaupt keine Selbstachtung mehr? Falls doch, dann müssten sie einfach eingreifen und Mützen besorgen. Weil es „ihre“ Ministerin nämlich nicht hinbekommt.

  • Max   |   07. Mai 2018 - 17:59

    */(Sarkasmus) Falls BMVg die Bevölkerung zu Spenden aufrufen möchte, vom Begriff „Winterhilfswerk“ rate ich ab. /*

    Ich bin froh, die Bundeswehr verlassen zu haben. Wenn ich auch für sinnfreie Tätigkeiten hoch bezahlt wurde, möchte ich nicht mehr in so einem Klüngelladen arbeiten. Naja, vielleicht gibt es ja bald einen Tagesbefehl „Bald ist alles gut“.

  • Klauspeterkaikowsky   |   07. Mai 2018 - 18:00

    Kafkaesk = doch wohl rätselhaft, bedrohlich, unerklärlich.
    Solches trifft hier aber nicht zu, da der Zustand seit Jahren ein permanenter ist.
    Da die handelnden Personen nicht verändert und die Verfahren nicht geändert werden, über die Zeitachse, muss nämlich konstatiert werden
    a. Vorsatz oder
    b. Unfähigkeit.
    Dass die politisch und verfahrenstechnisch Verantwortlichen sich nicht entblöden in bisherigem Rhythmus vorzufahren, ist das eigentlich Tragische und Bedrohliche.

  • politisch inkorrekt   |   07. Mai 2018 - 18:08

    Wenn die Sammelaktionen (da kommen sicher noch mehr) beendet sind bleibt für den Rest des Heeres nur noch Marsch mit Gesang und IGF.
    Drei Jahre lang…

    pi

  • KenAdams   |   07. Mai 2018 - 18:17

    Siebtes Kriegsjahr… unfassbar

    Wäre ich Minister hätte ich mich so geschämt, dass ich 50K selbst gespendet hätte und alle A-16 aufwärts besoldeten zu 5K each aufgefordert hätte und dann hätte ich die Dinger online selbst bestellt, Abfahrt.

  • Hanc   |   07. Mai 2018 - 18:19

    Das erinnert mich an eine Episode in der damals noch LHBw, als mir die Mitarbeiterin mitteilte, dass meinetwegen die Kameraden in den Einsätzen keine Ausrüstung hätten, weil ich die mir anvertraute aus ihrer Sicht nicht zeitgerecht zurückgegeben hätte.

    Es gab Zeiten, da hielt ich diese Reaktion für übertrieben, mittlerweile plagt mich immer wieder das schlechte Gewissen, dass es einen Kameraden gab, der seinen Einsatz wohl ohne adequate Bekleidung durchführen musste.

    Jetzt ähnliche Probleme mit der Winterbekleidung.

    Aber ich kann diese Ängste in den oberen Führungsriegen verstehen. Es gibt ja durchaus militärhistorische Beispiele in denen ganze Angriffsoperationen auf Grund mangelnder Winterbekleidung zum Stehen kamen.

  • JPW   |   07. Mai 2018 - 18:30

    Wenn die Privatisierung der Bekleidungsversorgung schon nicht funktionierte, warum glauben Berater, es würde mit Großprojekten besser funktionieren?

  • Pete   |   07. Mai 2018 - 18:34

    Erzähl mir bitte keiner dies liege daran, dass die Bundeswehr unterfinanziert ist.

    Immer mehr PolitikerInnen – ohne jegliche Erfahrung in und mit der Bundeswehr – durften und dürfen sich mal an der Bundeswehr „versuchen“, ein wenig Rumbasteln an der Armee. Warum hat z.B. die damals groß angekündigte Wunderheilerin Dr. Suder ein so simples Bekleidungsproblem in den letzten 4 Jahren nicht gebacken bekommen? Was hat sie eigentlich überhaupt verbessert?
    Wir sehen nun in immer mehr Bereichen das Ergebnis von 20 Jahren politischem „Rumbasteln“ und „Verschlimmbessern“ ohne Ziel und Orientierung. Hauptsache öffentlichkeitswirksame und in Papier gegoßene Reformen mit Pressekonferenzen, Neuaufstellungen mot großem Zapfenstreich, Transformationen und neuerdings die so genannten „Trendwenden“. So geht das seit 20 Jahren; politische Absichtserklärungen, große Reden und leider am Ende kein Effekt………Es haben nicht nur die aktuelle und vergangene Regierungen Schuld an dieser Misere. Auch die Mitglieder des Verteidigungsausschußes – und somit Vertreter aller Parteien- haben ihre Rolle für die Parlamentsarmee schlicht nicht verantwortungsbewußt ausgeübt. Warum nicht? Vielleicht einfach nur Desinteresse oder aber ein naiver Glaube in die Hochglanzbroschüren des BMVg.

    Das Ergebnis: .Die Bundeswehr ist eine ziel- und orientierungslose Armee, die, was die Ausagaben betrifft, zwar zu den teueresten Armeen Europas, aber sie kann offensichtlich ihre Soldaten nicht einmal einkleiden.

    Ein Offenbarungseid, der hoffentlich eine schonungslose Bestandsaufnahme zur Folge hat. Auch die Opposition im Parlament hat eine Aufgabe wahr zu nehmen. Hier gibt es nun wirklich mal ein paar kritische Fragen an die Regierungsparteien zu stellen.

  • jofi   |   07. Mai 2018 - 18:40

    Da entsprechende Ausrüstungsgegenstände in jedem vernünftigen Outdoor- / Wintersport- / Paddlershop zu realen Preisen in kurzer Zeit zu beschaffen sind, geht es meines Erachtens bei solchen Nachrichten nur darum, die Ministerin und das Ministerium zu beschädigen. Lernt man in jeder Vorlesung „Public Relation 1“. Man treibt halt jede Woche „eine neue Sau durch´s Dorf“ (man steigert sich von „Eurofighter-Teilen“ über „Wintermützen o.ä.“ und landet beim „EPA – Knäckebrot“ – kommt sicher nächste Woche) und nimmt dabei in Kauf, die Institution „Bundeswehr“ in ihrem Ruf tiefgreifend zu beschädigen. Haben die Militär-/ Wehrdienstgegner in vielen Jahren nicht geschafft. Die Langfristwirkung für die Bundeswehr nach innen und außen interessiert dabei offenbar die vdL-Gegner nicht!

  • stefan85   |   07. Mai 2018 - 18:41

    was ich nicht verstehe:

    es ist doch noch „rellativ“ lange zeit (gewesen), seit bekannt wurde, dass noch viele ausrüstungsgegenstände fehlen. warum versucht man nicht frühzeitig den großteil der ausrüstung, welche marktverfügbar ist und regelmäßig nachgekauft wird, über den sofortigen bedarf anzuschaffen. damit hätte man zumindest die beteiligten truppenteile möglichst ausgestattet, ohne übermäßig peinlich von allen möglichen einheiten ausrüstung zusammen zu betteln.
    es wird doch immer öfter der privatwirtschaftliche ansatz gefordert, um effektiv und sicher agieren zu können. hier wird bei lieferschwierigkeiten von normteilen oder marktverfügbaren teilen auch sofort reagiert und diese schnellst möglich ohne ausschreibung angeschafft.

  • T.Wiegold   |   07. Mai 2018 - 18:44

    @jofi

    Diesen Angriff auf meine Berichterstattung finde ich etwas merkwürdig.

    Ich habe eine interne Anweisung der Bundeswehr aufgegriffen. Dieses übliche journalistische Vorgehen als Versuch zu bezeichnen, „die Institution Bundeswehr in ihrem Ruf tiefgreifend zu beschädigen“, ist schon böswillig. Ebenso, mich als „vdL-Gegner“ zu bezeichnen, weil ich sachlich zutreffend berichte.

    EPA hatten wir übrigens hier schon.

  • RolfD   |   07. Mai 2018 - 18:49

    Wird evtl noch eine Sachspende in Form von KK-Munition aus dem Schützenverein benötigt?

  • Pete   |   07. Mai 2018 - 18:59

    @Jofi

    Wenn die Bundeswehr jetzt immer noch nicht bereit zur Selbstkritik ist, dann geht der Laden unter.
    Es ist absurd Herrn Wiegold für die Kommunikation dieses katastrophalen Zustand zu rügen. ER hat alles richtig gemacht! Viele Würdenträger in der Bundeswehr nicht! Das Jammern aus der Bundeswehr heraus muß nun endlich mal aufhören. Die sollen endlich vernünftig planen im BMVg. Genügend Personal dafür wird jedenfalls beschäftigt. Vielleicht mal vernünftige Prioritäten setzen. Stichwort: Schwangerschaftsuniform!

  • Memoria   |   07. Mai 2018 - 19:01

    @stefan85:
    Zustimmung.
    Im Gegensatz zur QRF bei ISAF (2008) und der IVJTF (2015) hatte man dieses Mal mehr als 2 Jahre Vorlauf (http://augengeradeaus.net/2016/06/aufstocken-fuer-landes-und-buendnisverteidigung-heeresinspekteur-rechnet-mit-zehn-jahren-aufbauarbeit).

    Offenbar hat man sich erneut in dem Wirrwarr zersplitterter Zuständigkeiten und Prozesse verloren.

    Ob man für die VJTF 2023 etwas daraus lernt?
    Im BMVg wird man erneut eher mit der Formulierung von Ausreden beschäftigt sein. Parallel will man deutlich mehr Geld – gerade für die VJTF 2023.

    Trendwende Führung?

  • Smoky   |   07. Mai 2018 - 19:04

    Ähnlich schaut es auch bei Fliegerkombis und -Schuhen aus. Vielleicht ganz gut das so viele Lfz kaputt sind. Dann können die Piloten auch untereinander tauschen!

  • Shepard   |   07. Mai 2018 - 19:06

    Zeigt sich hier etwa die Kehrseite der dienstherrischen „Großzügigkeit“ mit der man Soldaten in Einsatzländern ihre persönliche Ausrüstung nach persönlichen Vorlieben zusammenstellen ließ? Warum „dürfen“ die Soldaten denn für die genannte Übung nicht einkaufen gehen?

    „Oben genannte Übung hat für die Bundeswehr eine außerordentliche Bedeutung und höchste Priorität.“

    Man kann da nicht schon wieder mit Besenstielen ankommen.

    Neuerdings neige ich dazu anzunehmen, dass die Wand schon schon berührt wurde und wir den Aufprall wie in Zeitlupe erleben. Jede Tren- oder Tendenzwende kommt dann freilich zu spät, der Crash ist wortwörtlich unausweichlich. Ab jetzt kommt es nur noch darauf an, ob und mit welchen Folgeschäden die Insassen überleben. Die „Karre“ Bundeswehr hat lange im Dreck gesteckt, bald liegt sie mit Totalschaden auf dem Schrottplatz der deutschen Geschichte. Zeit, für ein neues Auto zu sparen.

  • Carsten   |   07. Mai 2018 - 19:11

    Gibt es denn auch eine Erklärung des BMVg o.ä.?
    Denn „normal“ ist das nicht, wenn man von 40€/Mütze ausgeht braucht man für 200 Stück gar nichts, kann man einfach so direkt kaufen. Bis über 10.000 Stück benötigt man nur ein einfaches nationales Ausschreibungsverfahren, das durch simple Kriterien („Preis“) auch nicht sonderlich komplex sein sollte (Zeitansatz: max. 3 Monate). Daran kann es also eigl. nicht liegen.

    Ist das wie beim Eurofighter-Teil eine Zertizierungssache? Aber selbst dann wäre das komisch.

  • Singulativ   |   07. Mai 2018 - 19:30

    Handelt es sich denn um marktverfügbare Produkte, oder sind vielleicht noch MIL-Standards z.B. zur IR-Tarnung zu berücksichtigen?

  • Wühlmaus   |   07. Mai 2018 - 19:35

    Jetzt bin ich baff. Vor 25 Jahren gab es den STAN (Stärke und AusrüstungsNachweis). Dort war festgelegt, welcher Soldat auf welcher Position welches Material benötigte.

    Im technischen Bereich nennt man so etwas Stückliste. Und gerade SAP glänzt darin, diese Stücklisten zu verwalten und bei absehbaren Mangelbedarf Bestellungen zu generieren.
    Wie kann es daher sein, dass heutzutage an der Ausrüstung ein Fehlbestand entsteht?

  • Stephan L.   |   07. Mai 2018 - 19:38

    Ich habe vor ein paar Jahren schon mal was vergleichbares erlebt. Damals wurden die Marineoffiziere und -offizieranwärter im Studium darum gebeten (befohlen wurde es nicht explizit), ihre Bordjacken abzugeben, damit der neu einzuschleusende Offizieranwärterjahrgang in Mürwick damit eingekleidet werden konnte. Die wenigen Leute, die diesem Aufruf gefolgt sind, waren ziemlich skeptisch, ob sie ihre Jacken je wiedersehen würden.

    Hat die Bundeswehr nicht für den UNOSOM-Einsatz 1993 in Somalia Uniformen der französischen Streitkräfte besorgt, um das Einsatzkontingent für den Einsatz in dieser damals ungewohnten Klimazone auszustatten? Warum ist sowas heutzutage eigentlich nicht mehr möglich?

    [Yep, 1993 gab es für den Einsatz bei UNOSOM II die einfarbigen französischen Uniformen. T.W.]

  • Tom   |   07. Mai 2018 - 19:48

    @T.Wiegold | 07. Mai 2018 – 18:44

    @jofi

    Diesen Angriff auf meine Berichterstattung finde ich etwas merkwürdig. […]

    Ich glaube dass @jofi nicht Sie und Ihre Meldung angreifen wollte. Sondern dass er vielmehr den bundeswehrinternen Kreisen unredliche Motive unterstellt.
    Denn tatsächlich wäre eine Neubeschaffung gegenüber dem angeordneten Tausch nicht nur finanziell und moralisch sinniger. Sondern auch aus PR-Sicht; was vor allem zu Lasten der Verteidigungsministerin geht.

    Da ist die Frage erlaubt, warum die Leitung/Führung/… die absehbare Blamage gewählt hat.

  • Ziethen   |   07. Mai 2018 - 19:59

    @Tom

    Oder man glaubt im BAAINBw nicht daran, dass man die fehlenden Sturmhauben (wahrscheinlich ein paar hundert Stück) bis Oktober (!!!) beschaffen und verteilen kann.

    Aber unter dem Strich bleibt: 3 Jahre Vorlauf >>> lessons learned = Null !

  • Personaler   |   07. Mai 2018 - 20:07

    @Jofi: Die Bundeswehr schadet sich hier selber…jeder der die Aufforderung erhalten hat, seine Sturmhaube abzugeben, ist kopgschüttelnd nach Hause gegangen. Dieses Schreiben gibt es wirklich und ich musste meine 1992 empfangene Sturmhaube beim S4 abliefern.
    @Singulativ: Handelsüblich, wie von verschiedenen Motorrad-Ausrüstern im Angebot. Nur zu Lagerzwecken Motten-und Käferecht imprägniert.

  • klabautermann   |   07. Mai 2018 - 20:11

    Also nun mal Satire bei Seite:
    Diese Sturmhaube steht ja nun im Spannungsfeld zwischen Identitäts- und Wetterschutz.
    Frage ist doch, ob der Wetterschutz während einer Zert-Übung in Norwegen wirklich die flächendeckende Ausrüstung aller an der Übung teilnehmenden Soldaten mit der Sturmhaube rechtfertigt, denn das Teil ist afaik kein „strukturelles“ Ausrüstungsteil.
    Wer hat also die „StAN“ für die VJTF geschrieben und wie ist die Sturmhaube als Standard-VJTF-„Wetterschutz“ bitte schön begründet ?
    Abgesehen davon ist das Teil in „Eis und Schnee“ ja so was von tarneffektiv ;-)

    Also, bei näherer Betrachtung komm ich zu dem „Urteil“, dass hier einmal wieder eine Mediensau durchs Dorf getrieben wird, die man in der Tat nur als BMVg- bzw. UvdL-Bashing bezeichnen kann nach dem Motto: „die“ bekommt ja noch nicht einmal die Einsatzbekleidung geregelt, wat will die also mit mehr Geld für Großprojekte ?

    [Sorry, aber schon wieder: Der einzige, der es bislang aufgegriffen hat, bin ich – und ich lasse mir nicht nachsagen, dass ich eine Mediensau durchs Dorf treibe, um damit BMVg- oder vdL-Bashing zu betreiben. Wenn jemandem meine Berichterstattung nicht passt, kann er das ja sagen, aber mir auf diese Weise Kampagnenjournalismus zu unterstellen, halte ich für ziemlich übel. T.W.]

  • Napoleon   |   07. Mai 2018 - 20:28

    Da werden 650.000€ allein für das Testen (noch nicht die Beschaffung) von Schwangerschaftsbekleidung für durchschnittlich 400 Soldatinnen rausgehauen und die Kopf- und Gesichtsschutzmasken (früher ein Artikel ohne Rücklauf aus Hygienegründen) müssen in der Bundeswehr zusammengesammelt werden. Erinnerungen an die Aktion Besenstiel werden wach.

  • Mitleser27   |   07. Mai 2018 - 20:30

    Herr Wiegold, fragen Sie doch ganz offiziell nach der Liste „Engpass Artikel“ der BwBM. Da stehen keine Sturmhauben drauf, aber andere Dinge…

    [Hatte zunächst übersehen, dass es nicht der Kommentator war, der den Nick „Mitleser“ hier schon einige Zeit nutzt. Habe deshalb Ihren Nick geändert. T.W.]

  • brainstormer   |   07. Mai 2018 - 20:32

    Als ich 1998 die BW nach meinem GWD verlassen habe, wurde mir die (damals scheinbar standardmäßig mit ausgegebene) Sturmhaube bei der Auskleidung mit nach Hause gegeben [neben Socken, U-Wäsche und Kampfstiefeln].

    Vielleicht gibt’s ja noch einige weitere ehemalige GWDLer, die bereit sind sich von Ihrem guten Stück für die aktive Truppe zu trennen….

  • Pio-Fritz   |   07. Mai 2018 - 20:43

    UvdL-Bashing kann man definitiv ausschließen. Im 5.Jahr ihrer Amtszeit als IBUK solche Kinkerlitzchen nicht im Griff zu haben zeugt einfach nur von Unfähigkeit der Führung, des Ministeriums und der direkt nachgeordneten Ämter und Kommandobehörden.

    Da ist einfach nur Fremdschämen angesagt.

  • Pete   |   07. Mai 2018 - 20:47

    @Napoleon

    „…Da werden 650.000€ allein für das Testen (noch nicht die Beschaffung) von Schwangerschaftsbekleidung für durchschnittlich 400 Soldatinnen rausgehauen und die Kopf- und Gesichtsschutzmasken (früher ein Artikel ohne Rücklauf aus Hygienegründen) müssen in der Bundeswehr zusammengesammelt werden. Erinnerungen an die Aktion Besenstiee.
    l werden wach…“

    Sie haben es auf den Punkt gebracht.

    @Klabautermann
    „…Also, bei näherer Betrachtung komm ich zu dem „Urteil“, dass hier einmal wieder eine Mediensau durchs Dorf getrieben wird, die man in der Tat nur als BMVg- bzw. UvdL-Bashing bezeichnen kann…“

    Fakt ist, dass die Teile von aktiven Soldaten abgefordert wurden. Das muß man nicht schönreden und hat nichts mit einer „Mediensau“ zu tun, sondern nur mit grottenschlechter Planung!

  • Elahan   |   07. Mai 2018 - 20:56

    Ich stelle fest, wir sollten einen sehr großen militärischen Beitrag in dieser Welt leisten und mit den forschesten Partnern immer ganz vorne dabei sein ……….. aber erst wenn das mit der Unterwäsche geregelt ist.

    Wer es jetzt noch nicht gemerkt hat, dass die Karre unten an der Wand in Trümmern liegt.

  • Grashüpfer   |   07. Mai 2018 - 20:59

    Ich habe leider auch keine Erklärung parat. Sehr befremdlich dieser Vorgang. Da muss mehr dahinter stecken ….

  • klabautermann   |   07. Mai 2018 - 21:01

    @T.W.

    Ach, Thomas, ich unterstelle dir goar nix. Aber auch Du bist nicht zu 100% immun gegen den „Erster-und Einziger“-Virus der „Influencer“……..

    Aufgestoßen ist mir der FüSK I-Satz. „….BMVg/FüSK I ist es, alle teilnehmenden Soldatinnen und Soldaten für den Wintereinsatz in Norwegen „sollgerecht“ (sic) auszustatten…….“ Allein schon die Tatsache, dass sich FüSK I um Sturmhauben „kümmert“ ist für mich Beleg dafür, dass diese ganze „Nummer“ ein erhebliches Kampagnen-Potenzial besitzt.

    Nix für ungut ;-)

    [Leider doch. Der Satz ist ein Zitat aus der schriftlichen Weisung. Wenn jetzt natürlich die Befehle der Streitkräfte als Kampagnen-Nummer entlarvt werden, horche ich auf: Hast du Belege oder auch nur Grund zu der Annahme, dass dieser Satz bewusst so formuliert wurde, um eine Kampagne loszutreten? Ist das Kommando einer TSK jetzt aktiv an einer solchen Kampagne beteiligt? Ich wäre für Aufklärung dankbar. T.W.]

  • chris   |   07. Mai 2018 - 21:08

    Wenn man als Kampftruppe auch keinen Bergahaus (der ja nicht sehr ungewöhnlich ist) für den Einzelkämpfer bekommt weil Mali, wundert es mich auch nicht dass solche Raritäten wie Sturmhauben von den priviligierten Teilen die welche haben wieder einzieht.

  • klabautermann   |   07. Mai 2018 - 21:13

    Ich hab jetzt mal eine „ganz einfache “ Frage an die Planungs-Fetichisten hier:

    Kann mir einmal jemand sagen, wieviel Kosten und Aufwand es erfordern würde für ca. 185 000 Soldatinnen und Soldaten pass-, wetter- und funktionsgerechte persönliche Ausstattung für Einsätze vom Nordkap bis zum Äquator innerhalb von wenigen Tagen bereit, verfügbar und einsatzklar zu (er)halten – von der Verteilug ganz zu schweigen.
    Pöse Frage, ich weiß…..aber ich habe den Eindruck, dass der eine oder andere Kommentator genau das von den „Planern“ der BW erwartet – da kann ich nur sagen: einfach einmal die eigenen Reflexe reflektieren ;-)

  • T.Wiegold   |   07. Mai 2018 - 21:15

    @all

    Nachdem hier gleich zwei Mal der Vorwurf einer (Medien)Kampagne erhoben und mir u.a. vorgeworfen wurde, der Bundeswehr und/oder dem Ministerium und der Ministerin zu schaden bzw. schaden zu wollen, ein paar Hinweise:

    – die oben zitierte Weisung wurde so in einer TSK verbreitet, sie liegt mir schriftlich vor

    – aus anderen TSK/OrgBereichen habe ich erfahren, dass dort inhaltlich gleichlautende Weisungen erlassen wurden

    – wenn es eine „Kampagne“ geben sollte, dann läge sie im internen Verhalten innerhalb der TSK/OrgBereiche

    – wer einen Beleg oder auch nur einen begründbaren Hinweis darauf hat, dass es sich um eine Kampagne handelt, möge mir das bitte mitteilen, gerne auch persönlich per E-Mail.

  • O.Punkt   |   07. Mai 2018 - 21:19

    Es gab da mal einen Verteidigungsminister, der flog nach Afghanistan 🇦🇫 und wurde kurz nachdem er den dortigen Einsatz als Krieg bezeichnete, gefragt, ob er getragene Unterwäsche tragen würde. Und schwupps gab es Wirkplüsch in ausreichender Zahl.

  • Mediator   |   07. Mai 2018 - 21:24

    Wenn man so eine Meldung liest, dann fragt man sich spontan ob schon wieder der erste April ist, ob man hier einfach einen „Mangel“ im Kampf um weitere Rüstungsmilliarden plakativ darstellt, oder ob die Bundeswehr inzwischen durch ihre eigene Regulierungswut unfähig ist sich das Nötigste zu beschaffen.

    Als Reservist tut es mir herzlich leid, dass sich die Nation nun wieder auf Kosten der aktiven Kameraden das Maul über die Bundeswehr zerreist. Vermutlich wird durch so ein Image nicht bei jedem Reservisten die Überzeugung geschürt, dass er in der ‚Stunde der Not‘ weiter treu zu dienen hat. Einige Alte Hasen und junge Aspiranten wird so eine PR wohl eher abschrecken.

    Trauriger Nebeneffekt: Solche Ausrüstung vergammelt bei hunderttausenden Soldaten daheim im Keller. Anziehen tut das Zeugs keiner, denn es ist schwer, kratzig und schlicht nicht funktional.

  • Stephan L.   |   07. Mai 2018 - 21:25

    @ chris

    Ich habe neulich gehört, dass der Vertrag für die Lieferung von Berghausrucksäcken kürzlich ausgelaufen ist und es daher erstmal keine Rucksäcke (mit Ausnahme des hochwertigen Kampfrucksacks) geben wird.

  • Singulativ   |   07. Mai 2018 - 21:28

    Da werden 650.000€ allein für das Testen (noch nicht die Beschaffung) von Schwangerschaftsbekleidung für durchschnittlich 400 Soldatinnen rausgehauen

    Weil eine der betroffenen Soldatinnen übrigens auf den Anspruch geklagt hat, nicht auf Initiative der Bw hin.
    Vielleicht hilft das hier auch (gem. Arbeitsschutzverordnung o.ä.)?

  • Ralla   |   07. Mai 2018 - 21:31

    Also Herr Wiegold ich glaube auch an eine Medienkampagne aber anders.
    Das ist ein Coup der IBUK. Soviel Unfähigkeit kann ich mir einfach nicht vorstellen. Für die Nachverhandlungen des Haushalts ist sicherlich jede Schlagzeile wertvoll.
    Es sind 60 Milliarden zu verteilen.
    Hoffen wir es mal!

  • Mitleser   |   07. Mai 2018 - 21:38

    Technischer Hinweis:

    Mitleser | 07. Mai 2018 – 20:30

    Herr Wiegold, fragen Sie doch ganz offiziell nach der Liste „Engpass Artikel“ der BwBM. Da stehen keine Sturmhauben drauf, aber andere Dinge…

    Um Verwechslungen vorzubeugen – nicht mein Account. Kein Problem, ist nur fürs Protokoll.

    Ich werde mir mal einen neuen Nick zulegen. Der anscheinend sehr belibete Mitleser war auch weiland nur eine Verlegenheitslösung…

    [Pardon, habe ich übersehen. Ich ändere den anderen Nick. T.W.]

  • klabautermann   |   07. Mai 2018 - 21:44

    @T.W

    also sorry, aber FüSK I und eine ministerielle Weisung in Sachen „Wollmützen“ ist doch noch nicht einmal Micro- sondern bereits Nano-Management. Da muß man als Fach-Journalist doch „stutzig“ werden. Die Weisung an sich und die Tatsache, dass sie von allen TSK ohne „wenn und aber“ einfach umgesetzt wurde ist für mich „Beleg“ genug für einen fishy smell. Du hast da aufgesattelt, also „life with the consequences“ und dazu gehört eben auch, dass man im Rahmen die Meinungsfreheit nicht unbedingt immer mit „gerichtsfesten“ Belegen hier auftreten muß.

  • T.Wiegold   |   07. Mai 2018 - 21:46

    @klabautermann

    Nur zur Klarstellung: Gehst du davon aus, dass mir eine gefälschte Weisung zugespielt wurde, oder ist deine Annahme, dass diese TSK bewusst was Falsches in die Weisung reingeschrieben hat?