Mehr europäische Verteidigung: Deutschland führt bei Sanität und Logistik

Mitte November hatten 23 EU-Staaten eine engere und bessere Zusammenarbeit in der Verteidigung in Angriff genommen; endgültig verabschiedet werden soll das Dokument für die Ständige Strukturierte Zusammenarbeit (nach dem englischen Begriff Permanent Structured Cooperation PESCO genannt) vom Europäischen Rat in der kommenden Woche. Dazu gehört auch eine Liste von Projekten, auf die sich die teilnehmenden EU-Länder verständigt haben.

Insgesamt ist von 47 Projekten die Rede, 15 davon wurden inzwischen von Arbeitsgruppen ausgesucht und quasi beschlossen. Offiziell veröffentlicht wird die Liste der ausgewählten Vorhaben erst kommende Woche, der Bloggerkollege von Bruxelles2 hat sie schon und auch veröffentlicht:

(Klick auf die Liste macht sie größer)

Deutschland ist, wie von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen bereits zuvor angedeutet und damit wenig überraschend, die Führungsnation bei drei Vorhaben: einem gemeinsamen europäischen Sanitätskommando,  einem European Logistic Hub sowie bei einem Center of Excellence für EU-Ausbildungsmissionen.

Darüber hinaus soll Deutschland zusammen mit Frankreich, Spanien und Italien als großen EU-Mitgliedsländern sowie Zypern und Portugal den Crisis Response Operations Core aufbauen, eine schnelle Reaktionsfähigkeit der Europäischen Union für Krisenfälle.

Das Ziel hatte von der Leyen im November so beschrieben:

Für uns ist in Deutschland vor allem die Zusammenarbeit wichtig, also dass wir eine Truppe aufstellen, die ‚Armee der Europäer‘, die, wenn es eine Krise gibt, wenn Europa gefragt ist, dann auch schnell einsatzfähig ist. Wenn wir in Zukunft eine gemeinsame Truppe haben, wenn wir ein verlegbares Krankenhaus haben, wenn wir die Transportmöglichkeiten haben, um schnell zu reagieren, dann sind wir auch in der Lage, die Verantwortung zu übernehmen, die Europa gerne in seiner Nachbarschaft auch tragen möchte.

(Archivbild: Ein NH-90-MedEvac-Hubschrauber startet in der Nähe von Gao/Mali bei einer Übung zum Retten und Evakuieren verwundeter Soldaten am 02.11.2017 – Bundeswehr/Johannes Müller)

70 Gedanken zu „Mehr europäische Verteidigung: Deutschland führt bei Sanität und Logistik

  1. Wenn ich das richtig lese, dann hat Frankreich sich die Lead-Funktion in „Software defined Radio“- Standards (SDR) und im Bereich „Energie“ gesichert.
    Beides sehr technologielastige Themen, bei denen die französische Industrie gesponsert werden soll.
    Dabei wird in Deutschland gerade ein militärisches SDR-Funkprogramm mit Rohde & Schwarz Standards und Normen aufgebaut. Dies wird höchstwahrscheinlich einen industriepolitischen Zusammenstoß bedeuten.
    Ob das die Bundesregierung bei ihrer Festlegung in Brüssel bewusst in Kauf nimmt ?

  2. @georg

    Wahrscheinlicher ist, dass man den Industrie-Elektronik und interessenpolitischen Kontext in Berlin Mal wieder komplett verschlafen hat und sich durch Paris zum wiederholten Male die Butter vom brot nehmen lässt.

    Diese Unfähigkeit französischer interessenpolitik unter dem Deckmantel „europäischer“ Initiativen Paroli zu bieten oder sie auch nur als solche zu erkennen ist doch mittlerweile Usus.

    Einfältig und schläfrig sind vermutlich die richtigen Attribute für deutsches gebahren bei institutioneller Realpolitik

  3. Ach kommt. Frankreich ist seit Jahren führend beim SDR Programm im Rahmen der OCCAR an dem Thema dran (http://www.occar.int/36). Jetzt kommt in Deutschland langsam Bewegung in das SDR Thema aber eben als prinzipiell nationales System. Da ergibt es doch Sinn, dass Frankreich sein bestehendes europäisches Projekt hier einbringt.

    Und zum Thema schlechte Industriepolitik. Das im Rahmen der Griechenlandrettung die Griechen dennoch unsere Uboote abgenommen haben oder wir jetzt Israel beim Kauf von zwei weiteren Ubooten unterstützen, obwohl diese weder von der meine noch dem Verteidigungsminister gewollt werden, spricht für sehr effektive Industriepolitik.

  4. Hat Portugal sich dann also mittlerweile auch bereit erklärt, offiziell an PESCO teilzunehmen? Das gehörte bislang doch noch nicht zu den 23 teilnehmenden Staaten.

  5. Es wäre interessant zu erfahren, wie diese Aufteilung zu Stande kam. Seit GB nicht mehr im erlauchten Kreise zugegen ist, wird die französische Sprache wieder mehr zu Geltung kommen – noch ein Problem :)
    Nach den „Erfolgen“ deutsch-französischer Zusammenarbeit im Bereich der Rüstungsaufgaben in der Vergangenheit, kommt eigentlich „Einfältichkeit“ oder „Schläftigkeit“ nicht mehr in Frage.
    Ich sehe hier eigentlich eher ein Programm, welches der wirtschaftlichen Lage der beiden Nationen geschuldtet ist. Die deutsche Politik überläßt der französischen absichtlich Felder, bei denen ein industriepolituscher oder strategischer Nutzen gezogen werden könnte. Die Weigerung deutscher Politiker, militärische Hochwertrüstung als Zeichen wirtschaftlicher Macht zu verstehen und zu nutzen, deutet mE in diese Richtung.
    Könnte man dies also als eine Art versteckter Subvention an Frankreich verstehen?

  6. Führungsnation bei drei Vorhaben:

    […] einem gemeinsamen europäischen Sanitätskommando.

    Hatte nicht vor wenigen Jahren der Wehrbeauftragte des deutschen Bundestages dem Zentralen Sanitätsdienst ein vernichtendes Zeugnis ausgestellt?

    Vermutlich sind wir über Nacht wieder „Weltklasse“ geworden, was m.E. fern der Realität ist.
    Es fehlt doch hinten und vorne an medizinischem Fachpersonal, vor allem Ärztinnen und Ärzte.

    @ wacaffe | 06. Dezember 2017 – 14:37

    Auf der einen Seite stimme ich Ihnen zu, auf der anderen Seite bin ich nicht davon überzeugt, dass Rhode & Schwarz + BAINBw etc. schon weiter sind als Thales und Co.

  7. Ich finde die Unterstellung einiger Kommentatoren, die BuReg und mil Fü seien zu doof, deutsche Interessen, auch wirtschaftliche, gegenüber den Verbündeten zu vertreten, für sehr arrogant.
    Die Unterstellung, die Franzosen seien nur auf ihren Vorteil aus und nichts anderes übrigens genauso.

    An allen diesen Projekten wird früher oder später ein Preisschild hängen, Details wird man dann erst wissen. Nur weil eine Nation das Projekt/die Arbeitsgruppe leitet heißt das noch lange nicht, das sie auch das Preisschild bestimmt.

    Und weil wir politisch nichts hinbekommen, deshalb sind wir die stärkste Wirtschaftsmacht in Europa?
    Da empfehle ich doch, mal die eine oder andere Vorlesung in Makroökonomie zu besuchen.

  8. „wenn wir ein verlegbares Krankenhaus haben, wenn wir die Transportmöglichkeiten haben, um schnell zu reagieren, dann sind wir auch in der Lage, die Verantwortung zu übernehmen“
    Wer stellt die zu transportierende und dann im Krankenhauis zu behandelnde Truppe? Und nach welchen Kriterien? Etwas die klein-klein multinationalen Battlegroups, die gegenüber jedem entschlossenen Gegner zerfallen werden? Oder geht es da nur um die üblichen bundesrepublikanischen Vorstellungen von „Bundeswehr ist nicht zum kämpfen da“?

  9. @ Pio-Fritz | 06. Dezember 2017 – 16:20

    „Und weil wir politisch nichts hinbekommen, deshalb sind wir die stärkste Wirtschaftsmacht in Europa?“

    Weil sich die etablierte Politik weitgehend aus der Wirtschaft heraushaelt. – das aendert sich aber demnaechst offensichtlich. Wir werden sehen…

  10. In den Rüstungsgebieten Funk speziell SDR muss noch sehr viel Überzeugungsarbeit in der Truppe geleistet werden.

    Angesprochene Projekte von deutschen Herstellern kommen da zu spät und sind nicht zu vergleichen mit den Produkten von Thales (die meines Wissens nach auch Produkte von Harris in Lizenz bauen).

  11. Mir schwant nichts Gutes …
    Welches Projekt haben wir in den letzten Dekaden erfolgreich beendet unter Beteiligung von Staat / Politik ?
    Und die Beschaffung der Bw kommt jetzt noch erschwerend hinzu und dazu eine internationale Aufgabe wo wir hier alle wissen wie zäh diese Multinationalität ist …

    Ich denke über PESCO es ist ein Signal an die USA, daß Europa versucht selbständiger zu werden und seine Hausaufgaben zu machen. Bestimmt nicht mehr, und ob weniger werden wir sehen …

  12. Vielleicht habe ich was übersehen in AG, aber mir ist völlig unklar, was das Crisis Response Operation Core neu bringen soll, im Vergleich zum schon bestehenden Eurokorps oder den EB-Battlegroups?

    Noch weitere HQ, obwohl wir davon schon mehr als genug haben, wofür wir dann wieder keine Indianer oder keine einsatzbereiten Indianer haben?

  13. Im Bereich Funk SDR hat Frankreich definitiv die Nase vorne.
    Thales hat Funkgeräte in der Produktpalette die nicht nur mit den Wellenformen HQ2 oder Saturn arbeiten können …sie sind auch handlich und tragbar:-) und wiegen keine 40 kg wie so manch ein Projekte welches von einem deutschen Hersteller vorgestellt wurde.

  14. Auf dem Gebiet Funk SDR ist die Entscheidung Frankreich zu nehmen eine mehr als richtige.

    Wir können nur Analogfunk der auch noch unverschlüsselt ist.
    Beispiele sieht man in den aktuellen Reportagen mehr als genug. Solange dort SEM 52 genutzt werden und nicht beispielweise PRC 148 mit Wellenformen HQ2 oder Saturn sollten wir

  15. @SER

    „Welches Projekt haben wir in den letzten Dekaden erfolgreich beendet unter Beteiligung von Staat / Politik ?“

    Airbus, Tornado, viel im Bereich Munition, alle durchgebrachten Standardisierungsprojekte uvm

    Der Ansatz Leadnation soll verhindern, dass es uns so geht wie mit NH90.

    Was wäre die Alternative?

  16. @ Manu
    So ist es. Rohde und Schwarz basteln schon seit mehr als 15 Jahren an SVFuA herum und haben außer Preissteigerungen und irrwitzig schweren Geräten und wenigen Wellenformen nichts vernünftiges auf den Verkaufstisch gebracht, während man, so leid es mit tut, einsatzbereite Thalesprodukte im gesamten Spektrum vom Handheld bis zum KFz-FuGer seit geraumer Zeit hätte haben können. Hier jetzt zu beklagen, dass FRA den Lead übernimmt wo gerade R+S (im Bereich der Fernmelder auch mit Rost und Schrott übersetzt) mal nach unsäglich langer Entwicklungszeit mit einem noch nicht alle Forderungen erfüllenden Gerät auf den Markt kommt, ist etwas kurzsichtig.

  17. @ Elahan

    „Airbus, Tornado, viel im Bereich Munition, alle durchgebrachten Standardisierungsprojekte uvm “

    Ooooh bitte nicht … Airbus macht Tiger, NH90, A400M, Eurofighter, ich hoffe ich muß nicht weiter darauf eingehen …
    Panavia Tornado ist eine alte Möhre und war mit Verlaub auch sehr steinig auf seinem Weg …

    Munition ist nicht mein Bereich, vlt dort … Aber was sollen alle durchgebrachten Standardisierungsprojekte sein ???

  18. @Roman @T.W.
    Habe zu den Nicht-Teilnehmern keine gegenteiligen Aussagen gefunden. Korrektur zu Dänemark: der skandinavische Staat nimm traditionell nicht an Bündnissen außerhalb NATO teil, haushalterische Erwägungen gelten somit nur bei Irland, Malta und Portugal.
    Ziemlich aktuelle Zusammenfassung bei
    https://de.wikipedia.org/wiki/Pesco
    und
    https://de.wikipedia.org/wiki/Pesco#Teilnehmerstaaten
    Bemerkenswert und öffentlich kaum beachtet, die (NATO)-Neutralen Österreich und Schweden sind gleichfalls dabei.
    Da PESCO keine Konkurrenzveranstaltung zur NATO beinhaltet, ganz im Gegenteil, wird das externe, militärische Verhältnis zu GBR einer Klärung bedürfen denn, Standardisierung z.B. kann kaum am Ärmelkanal stoppen, siehe TORNADO, A 400 M usf.
    Ebensowenig wird z.B. die Zusammenarbeit innerhalb der Britisch-Niederländischen Battlegroup beendet werden, es sei denn, das BG-Konzept und damit das „European Headline Goal“ würde beerdigt werden.
    Der politische Anteil dürfte im Rahmen BREXIT zu klären sein.

  19. @Manu | 06. Dezember 2017 – 17:22
    „In den Rüstungsgebieten Funk speziell SDR muss noch sehr viel Überzeugungsarbeit in der Truppe geleistet werden.“

    Können Sie das etwas konkreter erklären oder begründen? Ich meine das die Truppe neuen Funkgeräten nicht ablehnend entgegensteht. Nur, diese Geräte müssen halt auch auf breiter Ebene eingeführt werden. Statt dessen wird immer noch mit Geräten der Generation 52/70/80/90 rumgedocktert.
    Von SDR und SVFUA wird ja gefühlt schon 5-10 Jahre geredet. Gekommen ist nichts.
    Die letzte Hochtechnologie stammt m.E. aus den USA….PRC 117, 148, 112G…und die Probleme sind bekannt.

  20. Fürwahr, eine Menge sehr ehrgeizige und ambitionierte Projekte.

    Ein paar weniger, dafür konsequent auf allen Ebenen bis zum Ende durchgebracht, reichen für den Anfang.

    Einer der Schwerpunkte muss auch Zwangsläufig das Logistik- Kommando werden. Mobilität ist der Schlüssel jeder Einsatzarmee, die für sich in Anspruch nimmt, die große internationale Bühne betreten zu wollen.
    Ob zu diesen Projekten auch der neu aufzustellende D/FRA- Transportverband in Evreux gezählt werden darf, muss sich erst noch zeigen. Zwar wird verspätet, aber doch heiß ersehnt, die „Fähigkeitslücke“ MilEvakOps und SpecOps von der Politik entsprechend gewürdigt. Ob die dafür avisierten -und wir erwarten im I./Quartal 2021 das erste Modell mit dt. Zulassung- Hercules C-130 J den Haushalt passieren dürfen, wäre zu wünschen.
    Immerhin sind bis dahin noch viele Hürden zu nehmen, schließlich ist es der erklärte politische Wille, die Einsatz- Lfz mit „Misch-Crews“ betreiben zu können.
    Wie bei so vielen Projekten bleibt uns nur der zuversichtliche Blick in die Zukunft.

  21. @Georg
    Initially, 50 command vehicles – PUMA infantry fighting vehicles (IFV) and BOXER armored transport vehicles (ATV) – will be equipped.
    Entschuldigung….was wollen wir mit nur 50 Systemen? Bis 2020? Interoperabilität mit wem? Schnittstelle digital /analogfunk? Handvermittelt? Der Rest muss ja auch geführt werden….“von oben nach unten, von links nach rechts… Ich bezweifle nicht das R&S nicht in der Lage wäre das zu produzieren…es kommt nur….10 Jahre zu spät.

  22. @Bin_dabei | 06. Dezember 2017 – 17:57

    Rost und Schrott?
    Als langjähriger Nutzer eines XK 405 kann ich dies NICHT bestätigen. Für den damaligen Zweck vollkommen ausreichend,zuverlässig und Robust!
    Unsere „Gegenstellen“ , meist auch mit R&S Technik bestückt, ließen bei “ Kirschroter Farbe“ selten Grund zum motzen.

  23. Vielleicht auch interessant:

    European Defence: What’s in the CARDs for PESCO? Sven Biscop

    EUFOR CROC geht wieder von einer Truppenstärke von 60.000 PAX aus.

  24. @Roman
    Ok, abwarten, was wirklich Sache ist.
    Malta vernachlässigbar, Irland mit seiner permanenten U.N. Tradition/Erfahrung kann viel Gutes beitragen. Nicht zuletzt täte EU-English-Speakern ein quasi native sicherlich gut.
    Portugal wird im Maritimen beitragen können.

  25. @SER

    „…. Airbus macht Tiger, NH90, A400M, Eurofighter, ich hoffe ich muß nicht weiter darauf eingehen“

    Gerne näher drauf eingehen.

    Wer war in den Projekten Leadnation? Tiger wurde nicht von Airbus entwickelt und gebaut, Airbus hat das Projekt übernommen. NH90 ist gerade kein Airbusprodukt, sondern Airbus ist ein Produzent von vielen und die Probleme liegen nicht in Airbus begründet. A400M war und ist ein politisches Projekt und das erste Produkt von Airbus seiner Art, die Politik hat bekommen was es wollte, im Besonderen im Bereich TWK (kommt nicht von Airbus).
    Der EF ist ein super Jäger (Auch kein Airbusprodukt) und dass er in DEU Probleme hat ist nicht von Airbus verursacht, sondern von der deutschen Regierung und dem BMVg. In GB, SA fliegt er hervorragend.

    Wenn 28 Jahre das Militär reduziert wird, Stückzahlen permanent nach unten gingen, in die Entwicklung und Produktion durch Politik eingegriffen wurde uvm muss man sich nicht wundern. Europa und Kooperationen von Firmen haben damit nichts zu tun.

    Die Industrie und der Mittelstand kann liefern, man muss nur bestellen.

    Europa muss strategische Partnerschaften festigen. Japan, Südamerika und Indien sind schon jetzt Partner und werden evtl in den nächsten Jahrzehnten noch wichtiger.

  26. fürwahr: gerade im sandst sind für führend …..?

    es ist doch wohl inzwischen allen bekannt, dass wir den sandst an die wand gefahren haben. es gibt nicht erst seit gestern fachbereiche, in denen nicht mal 10% des vorhandenen personals (und von vollbesetzung der stellen brauchen wir nicht zu sprechen) einsatztauglich sind. und anfragen zur besetzung in afg oder auch aktuell in mali wurden mit fehl gemeldet. auch wurden nicht nur ausnahmsweise assistenzärzte in funktion von fachärzten nach afg oder in den kosovo entsandt.
    und dann wollen wir sowas stemmen …?

    da bin ich ja mal gespannt ….

    guest

  27. @Georg
    diese Pressemitteilung ist zwar nett aber was soll man nun mit 50 Geräten ausrichten?
    Natürlich baut R&S auch gute Funkgeräte keine Frage nur die verlinkten Geräte sind halt nur in einem Link auffindbar und nicht bei der Truppe:-)

    @0815
    Was ich mit Überzeugungsarbeit meine… so lange man bei diversen Ausbildungen gesagt bekommt: …“das SEM 90 kann Frequenzsprungbetrieb und warum sollte man andere Geräte nutzen die besagten funktionieren doch gut“…ist noch einiges zu tun.
    Es gibt einfach zu viele Festfrequenzdenker:-)

  28. @guest

    „… und dann wollen wir so was stemmen …?“

    Was müssen wir den stemmen? Wissen Sie da schon mehr?

    Ist es nicht gerade zwingend geboten unsere Kräfte abzustimmen und zu bündeln als dass jeder vor sich her wurschtelt?

  29. Sehr geehrter Manu,
    nennen Sie mir nur ein System, mit welchen man die Betriebsart FSB-ECCM der SEM-Produktreihe knacken könne….
    Ich denke das besagte System funktioniert gut – wirklich gut !

  30. @ Manu, @ 0815

    Das das BWB nur 50 Geräte bestellt hat, dafür kann R& S ja wohl nichts!

    Mag ja sein, dass Thales eine größere Produktpalette an Taktischen Funkgeräten auf SDR-Basis zu bieten hat, aber damit mehr Geräte von Deutschland produziert und entwickelt werden, muss der Staat einfach mehr Geräte kaufen.

    In dem oben verlinkten Augengeradeaus-Artikel wird von einem 5 Mrd Euro Markt zur Erneuerung der Funkgeräteausstattung der Bw gesprochen, aber leider hat das BAAINBw nur erstmal 7 Mitarbeiter, Aufwuchs auf 35 Mitarbeiter auf das Projekt angesetzt. Lt. obigen Artikel werden mindestens 70 Mitarbeiter benötigt um das Projekt einigermaßen im Zeitplan von ca. 10 Jahren zu realisieren.

    In einem anderen Beitrag hat ein Kommentator festgestellt, dass dem BAAINBw zwischen 1000 – 2000 Beamten im gehobenen nichttechnischen Dienst zur Vertragsbearbeitung fehlen (Ersatzteilproblematik). Dies kann durch niemanden kompensiert werden, außer durch neues Personal.

    Aber meiner Meinung nach überlässt man einen 5 Mrd Euro Beschaffungsmarkt nicht einfach Frankreich und Thales und zweitens hat die oben geäußerte Kritik an R & S nichts mit der tatsächlichen Leistungsfähigkeit und der Qualität der Produkte von Rohde & Schwarz zu tun.
    In jedem deutschen militärischen Flugzeug, in jeder Bodenstation, auf jedem zivilen deutschen Flughafen, auf jeden Schiff und Boot der Marine, in jeder deutschen Botschaft, beim BND und auf den Flottendienstbooten finden man die Kommunikationsausstattung von R & S vor. Und sie funktioniert dort hervorragend und zuverlässig.

  31. Ähem….kann es sein, dass es bei ESSOR gar nicht um Gerätebeschaffung geht, sondern um die Schaffung eines EU-SDR-Standards um Hersteller-spezifische, proprietäre Implementierungen weitestgehend auszuschließen ?

  32. @schlammzone
    FSB ECCM geht nur mit dem SEM 93!
    SEM 52/70/80/90 kann das nicht.

    Aber ob ECCM leicht zu knacken ist…da müssen sie schon einen aus der EloKa fragen.

  33. Wie @Klabautermann schon anmerkt: ESSOR ist eine europäische Initiative für einen Standard für Software Defined Radio

    http://www.occar.int/36

    Deutschland ist bislang an diesem Programm nicht beteiligt, will aber meines Wissens möglichst bald beitreten.

    (Das ist bei Gelegenheit mal eine gesonderte Geschichte wert, wenn’s auch sehr technisch ist…)

  34. @ klabautermann

    „Code is Law“ ! Das wissen wir seit Apple und andere Softwaregiganten mit dem europäischen Datenschutz streiten. Letztendlich beruht auch der Dieselskandal auf diesem Grundsatz, da das aufsichtsführende Kraftfahrbundesamt nie den Quellcode der verwendeten Motorsteuerprogramme überprüft hat vor der Zulassung.

    Das Deutschland bis jetzt bei ESSOR nicht vertreten ist, sondern unter der Führung von Frankreich europäisch verbindliche Standards, Normen aufgebaut werden sollen, sollte jeden deutschen Politikvertreter zu denken geben.

    Meiner Erinnerung nach gab es bei dem Vertrag über die 50 SDR-Radios für Puma und Konsorten, die Rückfrage des Haushaltsausschusses ob die R & S Geräte auch andere, nicht proprietäre Wellenformen verarbeiten können. Dies ist wohl kurzfristig von der Firma bejaht worden, damit die Beschaffung anlaufen konnte. Anscheinend hat R & S ein Verfahren entwickelt womit man fremde Wellenformen in die SDR-Funkgeräte aufnehmen kann, ohne eigene Firmengeheimnisse bei den eigen entwickelten Wellenformen preisgeben zu müssen.

  35. @Georg | 07. Dezember 2017 – 13:55

    Na ja, dieses Streben bei informationssicherheitsrelevanter Hart-und Weichware bis auf die Quellcode-Ebene „behördlichen“ Einblick zu erhalten ist imho ein Relikt aus dem analogen Postzeitalte/IRONIC- Wenn das BAAINBw noch nicht einmal genügend „Vertragsbeamte“ hat, dann kann man davon ausgehen, dass diese Behörde ganz bestimmt nicht über genügend Quellcode-Programmierer und SW-Architektur-Ingenieure verfügt, um all diese wundervollen SW-Defined Gerätschaften der Hersteller gütezuprüfen – nach welchem Standard bitte ? Das BAAINBw kann also gar nicht die Funktion einer militärischen Sicherheitszertifikatsbehörde wahrnehmen – da ist eine europäische Lösung doch wohl das naheliegenste, wenn man endlich gemeinsam voran kommen will.
    Ein alter Spruch lautet: 100 % security means 0 % action flexibility………wobei das „Sicherheitsdenken“ .deutscher Beamter m:A.n oftmals nichts anderes ist als Absicherungsdenken mit Blick auf den eigenen Achtersteven – sorry for my french. ;-)

  36. @Manu

    Obwohl es in Deutschland mehrere potentielle Partner und Hersteller für SDR gibt, sollten wir vielleicht nicht nur auf einzelne Funkgeräte etc. werfen. Frankreich wuppt der Zeit im Rahmen des Scorpion Programms einen ganzheitlichen Ansatz mit Fahrzeugen, Funk- und Führungslösungen und noch einiges mehr. In Deutschland denkt man noch zu sehr in einzelnen Fahrzeugen und Geräten…

  37. @ klabautermann

    Da haben Sie mich aber gehörig missinterpretiert !

    Mir dem Spruch „Code is Law“, wollte ich ausdrücken, wer die Standards und Normen für SDR federführend festlegt, hat natürlich den Entwicklungsstand der jeweiligen nationalen Industrie im Hinterkopf und versucht natürlich aus wirtschaftlichen Vorteil heraus die eigenen Standards für Alle Marktteilnehmer durchzudrücken.

    Es geht nicht um 100 % Sicherheit sondern darum keine europäische Normen festzuschreiben, die eine nationale Industrie einseitig bevorzugen.

    Im Übrigen zu der Quellcodeproblematik. Wenn eine Genehmigungsbehörde keine eigenen Fachleute hat, das Produkt zu überprüfen, dann kann man sich auch auf freie Gutachter abstützen und / oder die Strafen bei vorsätzlicher Täuschung der Aufsichtsbehörde so hoch setzen, dass es wirklich weh tut ! (Bei VW in USA 25 Mrd $ und in DEU ?)

  38. @Georg | 07. Dezember 2017 – 15:51

    Nun, da habe ich mich wohl nicht deutlich genug ausgedrückt. Wer heutzutage als Staat im Bereich Digitalisierung aus nationalen, industrieprotektionistischen Gründen die Etablierung/Einhaltung von insbesondere europäischen Standards nur reaktiv betreibt (bzw. hintertreibt), der schadet heutzutage eher der eigenen Industrie. Da wird eben aus einem vermeintlichen, technologisch-industriellen Wettbewerbs-/Standortvorteil ganz schnell ein Nachteil. So rum wird ein Schuh draus.“Wer zu spät…….“
    Man kann doch Frankreich nicht vorwerfen „nationale, industriepolitische“ Vorteile aus seiner ESSOR-Lead zu ziehen, wennn man sich jahrelang an der Teilnhme an diesem Standardisierungsprozess verweigert hat. Im übrigen bin ich der Auffassung, dass eine EU-ESSOR-Zertifizierungsagentur irgendwelchen „freien Gutachtern“ vorzuziehen ist.

  39. Ich finde zwar Artillerie (Combat indirect au feut) vermisse allerdings
    – Kampf (combat)
    – Kampf (Einsatz) unterstützung (soutien au combat)
    KpfUstg ist mehr als Art allein, PiTr und HFlgTr sind wesentlich, die sicherlich in der Liste 16 (+) zu finden sein werden.

    Im Vorgängerfaden war PESCO durchaus intensiv besprochen, dennoch hier nochmals die offizielle EU Sicht
    https://ec.europa.eu/epsc/publications/strategic-notes/defence-europe_en
    Rasch sind Fähigkeiten erforderlich bei:
    European Operational Headquarters
    The EU’s operational footprint is only likely to increase as Europe is called upon to respond to more crises in its neighbourhood.
    Yet, the EU still lacks crucial capacity to do contingency planning, as well as the appropriate command-and-control framework to plan and run operations, relying instead on ad hoc or NATO structures.
    Ich vermisse Hinweise zum „political decision making process“ und Verfahren zur Herbeiführung der „mission order“.
    Der Europäische Rat in der kommenden Woche wird dazu hoffentlich Klarheit herstellen können.

  40. @ Georg | 07. Dezember 2017 – 15:51
    „[D]ie Strafen bei vorsätzlicher Täuschung der Aufsichtsbehörde so hoch setzen, dass es wirklich weh tut ! (Bei VW in USA 25 Mrd $ und in DEU ?)“

    Erinnert so ein bisschen an den Festpreisvertrag beim A400M…

    Wenn Deutschland schon nicht gewillt ist, gegenüber einem multinationalen Konzern Verträge hart durchzuziehen, warum dann gegen einen (den?) wichtigsten Anbieter einer „nationalen verteidigungsindustriellen Schlüsseltechnologie“?

    Wenn ich die Rüstungsdiskussionen der letzten Jahre richtig verstanden habe, funktionieren Projekte immer dann gut, wenn auf allen Seiten (Bw, BAIIN, Industrie) kompetente Partner sitzen, die auf Augenhöhe miteinander reden. Probleme gibt´s dann, wenn man die Industrie mal machen lässt und sich am Ende überraschen lässt, was bei rausgekommen ist.
    Und wenn Deutschland offensichtlich nicht in der Lage ist, sein Beschaffungswesen in einem bestimmten Bereich halbwegs ordentlich aufzustellen, ist es am Ende des Tages vielleicht zielführender (im Sinne von Einsatzbereitschaft, Leistungsfähigkeit und Kosten) sich auf europäische Partner abzustützen.

  41. @ K.B.

    Zustimmung ! Deshalb funktionierte ja das CPM-Projekt bei den Korvetten im letzten Jahrzehnt nicht, weil man meinte man kann ein Schiff (Boot) wie ein Fertighaus bestellen und muss sich um die Details während des Baus nicht weiter kümmern. Dies hat man mittlerweile gelernt, das Rüstungsprojekte durch Fachleute der Truppe und vom BAINBw während der Realisierung begleitet werden müssen.

    Der A400M ist wohl ein Sonderfall, weil ein Festpreisvertrag inkl. Entwicklung mit politischer Entscheidung über die Zulieferer wird es in der Geschichte wohl nicht mehr geben.

    Das Beschaffungswesen halbwegs ordentlich aufzustellen setzt voraus, dass man das BAAINBw nach jahrerlanger Personalreduktion personell wieder ordentlich hoch fährt (ca. 1000 Beamten in den Vertragsabteilungen fehlen). Bis dahin ist es aber auch egal ob man Verträge mit europäischen oder deutschen Industriefirmen abschließen will, ohne Vertragsabteilung keine Neubeschaffung und keine Ersatzteilversorgung für bestehende Systeme.

  42. @K.B.

    So war es und wird es hoffentlich nicht mehr.

    Zu oft waren die Plätze der Deutschen bei internationalen Besprechungen leer (zB bei A400M)

    Es darf jedoch nicht vergessen werden, dass sich die Rahmenbedingungen seit der Idee ein europäischen Nachfolger der Trall zu beschaffen, ständig änderten.

    Zu Beginn des Projektes standen die Erfahrungen aus Ex-Jugoslawien und die Weiterentwicklung der Europäischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik auch mit der Bildung einer kohärenten und gemeinsamen europäischen Lufttransportflotte im Vordergrund. Die Entwicklung des Airbus A380 und der Aufbau eines europäischen satellitengestützten Aufklärungsverbundes (SAR-Lupe/Helios) standen an und das ist ja sehr erfolgreich.

    Hätte man gewußt,was alles geschieht, hätte man bestimmt anders gehandelt aber man war ja erst knapp nach dem Ende der Geschichte und viele glaubten bis vor wenigen Monaten noch, nicht wenige Bürger glauben es noch immer, dass es keine militärische weltpolitischen Herausforderungen mehr geben würde.

  43. @Georg | 07. Dezember 2017 – 12:22
    @Manu | 07. Dezember 2017 – 13:06

    „Das das BWB nur 50 Geräte bestellt hat, dafür kann R& S ja wohl nichts!“
    In der Tat…das ist der Fa. nicht vorzuwerfen. Warum aber dann die 50 Geräte/Systeme wenn der Rest, wie bereits erwähnt noch im Stand der Technik vor 25 Jahren funkt. Das will mir nicht klar werden.
    Zudem ist es vollkommen verständnislos das die Beschaffung der Geräte im BAAIN, total unterbesetzt und nicht ausgelagert an der Truppenschule (für angewandte Drahtlose Kommunikation) vor Ort beim Nutzer ist ? Da sollten doch entsprechende Personen sitzen um die Sache in die Hand zu nehmen. Nicht 600km weit weg von der Truppenschule.
    Zum Thema ECCM….in der Tat kann dies nur die Generation der 93er…jedoch ist der Betrieb m.W.n. in DEU verboten bzw untersagt. Und ob das schon einmal ausserhalb des Lehrsaales in der Truppe genutzt wurde? Und „leider“ ist auch in diesem Segment Thales mit dem TRC 9110 weiter als wir…
    Zurück an die Generation 70/80/90/93 gedacht waren diese Geräte auch durch die Truppe instandsetzbar. Ich bezweifle das die neue Generation dies sein wird. Wir haben ja auch keine Großartige EloMech/FuMech mehr….alles kaputt-„outgesourced“.
    An EMP Schutz möchte ich gar nicht ansatzweise denken.

    @schlammzone | 07. Dezember 2017 – 12:15
    Sicherlich ist die letzte SEM Generation zuverlässig und gut. Nur technisch veraltet und schon seit Jahren nicht mehr zukunftsfähig .

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