Helmut Schmidt und das Uniform-Bild: Uni-Präsident lädt zum Gespräch (Nachtrag)

Nachdem Augen geradeaus! am (gestrigen) Donnerstag als erstes Medium über die Entfernung eines Bildes an der Hamburger Bundeswehr-Universität berichtet hatte, das den Namensgeber Helmut Schmidt in Wehrmachtsuniform zeigt, haben am Freitag viele Medien nachgezogen – und das hat zu einer recht emotionalen, auch öffentlichen, Debatte geführt.

Der Präsident der Universität, Wilfried Seidel, reagierte darauf am Freitag mit zwei Rundschreiben an alle Angehörigen der Helmut-Schmidt-Universität, die Augen geradeaus! vorliegen. Darin wendet er sich dagegen, den späteren Verteidigungsminister und Bundeskanzler Helmut Schmidt auf seine Zeit in der Wehrmacht zu reduzieren und ihn in Wehrmachtsuniform als Vorbild zu sehen: Das Tragen der Uniform der Bundeswehr und der Uniform eines Unrechtsregimes bilden keine Gemeinsamkeit. Seidel bot zudem  allen Studierenden der Bundeswehr-Universität ein Gespräch an, auch um etwaige Missverständnisse auszuräumen.

Nachtrag: Das erste Rundschreiben liegt mir erst seit Samstag vor; hier zur Dokumentation beide Bulletins des Universitätspräsidenten:

• Erstes Bulletin

Sehr geehrte Damen und Herren,
im Zuge der Berichterstattung über den Fall des beschuldigten Oberleutnants Franco A. sind immer wieder auch die Universitäten der Bundeswehr erwähnt worden. Vor allem ist dabei auf eine Studie des Sozialwissenschaftlichen Instituts der Bundeswehr aus dem Jahr 2007 Bezug genommen worden, in der die politische Einstellung von Studierenden untersucht wurde.
Ein Ergebnis der Studie war auch, dass sich diese damals nicht signifikant vom Bevölkerungsdurchschnitt unterschieden hat. Einer Vorverurteilung oder gar einem Generalverdacht widerspreche ich entschieden.
Gleichwohl haben die Vorgänge rund um den Fall des beschuldigten Oberleutnants Franco A. eine so hohe Brisanz, dass es aus meiner Sicht erforderlich ist, genauer hinzuschauen. Entgegen der Äußerung eines früheren Universitätsmitgliedes hat Franco A. nicht an der HSU studiert. Das entbindet uns aber nicht von der Verpflichtung zum sorgfältigen Umgang mit diesem Thema.

Der Generalinspekteur der Bundeswehr hat in der vergangenen Woche alle Dienststellen der Bundeswehr angewiesen, ihre Liegenschaften auf Gegenstände zu überprüfen, die vom Traditionserlass der Bundeswehr berührt sein könnten. Diese Bestandsaufnahme, von der auch wir nicht ausgenommen sind, war bis heute abzuschließen. Die Disziplinarvorgesetzen, die alle Gemeinschaftsräume in den Wohnheimen der Studierenden besichtigt haben, fanden dabei keine Hinweise auf rechtsextreme Gesinnung.
Vor allem Online-Medien haben gestern und heute darüber berichtet, dass die Helmut-Schmidt-Universität angewiesen hätte, ein Foto zu entfernen, das unseren Namensgeber in Wehrmachtsuniform zeigt.
Das trifft zu. Der zuständige Disziplinarvorgesetze hat den Studierenden der fraglichen Wohnebene nahegelegt, eine weniger missverständliche Darstellung unseres Namensgebers zu wählen.
Es mag aus Sicht der studierenden Offizieranwärter und Offiziere gute Gründe für die gewählte Darstellung geben. Ich teile jedoch die Einschätzung des Disziplinarvorgesetzten, das Abhängen des Bildes zu veranlassen. Das Tragen der Uniform der Bundeswehr und der Uniform eines Unrechtsregimes bilden keine Gemeinsamkeit.
Die Tatsache, dass die aktuellen Bewohner dies Bild nicht selber aufgehängt, sondern von früheren Generationen übernommen haben, mag als bloße Gedankenlosigkeit gewertet werden. Diese halte ich aber – insbesondere vor dem Hintergrund der oben beschriebenen Geschehnisse – für gefährlich.
Ich habe daher den Leiter des Studierendenbereichs angewiesen, Gespräche zwischen Vorgesetzten und Studierenden zu initiieren, um die Motivationslage der Soldaten auszuloten.
Prof. Dr. Wilfried Seidel

• Das zweite Bulletin:

Liebe Kommilitoninnen und Kommilitonen,
sehr geehrte Damen und Herren,
es ist mir wichtig, hervorzuheben, dass sich die Universität in keiner Weise von ihrem politischen Gründungsvater und Namenspatron distanziert.
Wir alle schätzen Helmut Schmidt für seine politischen Leistungen als Hamburger Innensenator, Verteidigungs- und Finanzminister, Bundeskanzler und „Elder Statesman“. Dafür trägt die Universität seinen Namen, und darauf sind wir stolz.
Die vom zuständigen Disziplinarvorgesetzten verfügte Entfernung des Fotos, das Helmut Schmidt auf seine Zeit als Offizier der Wehrmacht reduziert, hat in der Studierendenschaft und in der öffentlichen Meinung ein geteiltes Echo gefunden.
Ich werde kurzfristig mit Vertretern der Studierendenschaft zu einem Round Table-Gespräch zusammenkommen, um im Dialog die Positionen auszutauschen und etwaige Missverständnisse auszuräumen.
Mit freundlichen Grüßen
Prof. Dr. Wilfried Seidel

Die Studierenden hatten auf die Anordnung des Leiters des Studienfachbereichs A, das Foto im Flur eines Wohngebäudes zu entfernen, mit der oben abgebildeten Notiz reagiert. Zuvor hatte an der Stelle dieses Bild gehangen:

Wie schon gestern stellen sich für mich bei diesem Vorgang zwei Fragen: Ist für die Bedeutung Helmut Schmidts für die Bundeswehr und Deutschland seine Zeit in der Wehrmacht das Maßgebliche? Und: Hat der Vorgesetzte, der die Entfernung dieses Bildes befohlen hat, vielleicht überlegt, genau diesen Punkt für eine Debatte zu nutzen und dabei auch die Frage zu stellen, ob nicht ein anderes Foto von Schmidt die Gemeinsamkeit zwischen dem Namensgeber und den studierenden Offizieren und Offiziersanwärtern besser zum Ausdruck gebracht hätte?

An dieser Stelle auch noch der Hinweis zu weiteren, in diesem Zusammenhang diskutierten Ereignissen oder Nicht-Ereignissen: Nein, es gibt keine Überlegungen, das Eiserne Kreuz der Bundeswehr als Hoheitszeichen abzuschaffen – ich habe eigens deswegen am Freitagabend beim diensthabenden Sprecher des Verteidigungsministeriums nachgefragt. Und der Vorgang Liederbuch der Bundeswehr: Da wurde bereits im Januar, wie auch Spiegel Online berichtet und vom Ministerium bestätigt wurde, der Auftrag zur Überarbeitung erteilt; das Buch wurde nicht verboten.

(Wie bei diesem Thema leider nötig, werden alle Kommentare moderiert.)

(Fotos: privat)

165 Gedanken zu „Helmut Schmidt und das Uniform-Bild: Uni-Präsident lädt zum Gespräch (Nachtrag)

  1. Der nächste Streich folgt ja schon. Jetzt möchte die Ministerin nach Wehrmachtsoffizieren benannte Kasernen umbenennen.

    Wenn mich umschaue, dann wären das bei uns die Mackensen Kaserne, die General Dr. Speidel Kaserne. Und was passiert dann mit der Graf Stauffenbergkaserne?

  2. @TobyR

    Das Problem bei Hammerstein ist nicht „Widerstand ja oder nein“, das Problem ist, dass er im höchsten Maße ein (partei)politisch aktiver General war. Nun kommen wir zurück zum Thema Tradition – Militärische Traditionen sollten (partei)politisch neutral sein und somit ist ein von 1918 bis zu seiner Kaltstellung aus Sicht der FDGO politisch aktiver General eben nicht „vorbildlich“. Andererseits hat Hammerstein zwar viel „geredet“, hat aber noch nicht einmal aktiven Widerstand gegen die nationalsozialistischen Generalskameraden geleistet. Man könnte auch sagen, er hat standesgemäß weggesehen und übersehen und sich in den Ruhestand abgesetzt.
    .

  3. @Wuehlmaus:
    Es geht wohl eher um eindeutige Fälle wie die Lent-Kaserne.
    Da ist es sicherlich überfällig diese klaren Fälle zu bereinigen.

    Hier hat vdL einen richtigen Punkt aufgebracht.
    Dabei dürfen auch Kommunen oder andere Überlegungen keine Rolle spielen. Aber such hier sollte die Idee dahinter erläutert werden und eine eigene Traditionsbildung befördert werden. Also nicht wieder eine unverfängliche und damit bequeme Bezeichnung nach einer Region oder ähnliches.

  4. „Nachtrag: auf ZEIT Online heute:

    „Von der Leyen will Kasernen umbenennen
    Nach Wehrmachtsoffizieren benannte Kasernen sollen neue Namen erhalten. Damit will die Verteidigungsministerin nach der Bundeswehr-Affäre ein Zeichen setzen.““

    Das hab ich mir schon gedacht. vdl scheint vollkommen außer Rand und Band zu sein.

    Bedauerlich ist das für die Diskussion innerhalb der BW, die sich, getragen durch das ZMSBw, in den letzten Jahren deutlich versachlicht hat und eine differenzierte Sicht auf die Namensgeber ermöglichte. Besonders leid tut mir das für die Soldaten der Lent Kaserne, da ein neueres Gutachten des ZMSBw ihn als distanziert gegenüber dem NS beschreibt.

  5. @T.Wiegold
    „…Service des Hauses: Der Wikipedia-Eintrag zu Hammerstein-Equord…“

    Sehr geehrter Herr Wiegold, herzlichen Dank für den Link. Ohne diesen Hinweis hätte ich vermutlich nie dort nachgeschaut. Ich habe den Eintrag über den General Hammerstein-Equord sehr aufmerksam und sehr gründlich gelesen und habe für mich sehr viel gelernt und verstanden.

    Jetzt finde ich es erst recht bedauerlich, dass das Bild von General Hammerstein abgehängt wurde. Seine Biografie wäre hervorragend geeignet, um exemplarisch aufzuzeigen, wie diese Generation von Offizieren im Laufe eines Lebens in drei unterschiedlichen Staatssystemen hin- und hergerissen wurden zwischen soldatischer Pflichterfüllung und Treue gegenüber dem Soldateneid, Verantwortungsgefühl für die Gemeinschaft, Sorge um die Sicherheit der eigenen Familie und der Ablehnung einer faschistischen Bewegung, die aber von einem Großteil der Bevölkerung getragen wurde.

    Gerade durch die kritische die Auseinandesetzung mit einem Leben wie dem von General Hammerstein könnte man in Unterrichten einen Zugang zu den wesentlichen Kernfragen der Inneren Führung ermöglichen. Das wäre mal eine echte Herausforderung für Zentrum Innere Führung, Beirat Innere Führung und die Militärhistoriker der Bundeswehr.

    Ich stelle für mich fest:
    1. Ich fühle ein Gefühl der Trauer und auch des Verständnisses für Offziere wie Hammerstein die, soweit dies damals möglich war, „aufrecht“ durch ungeheuer schwierigere Zeiten gingen und heute einfach „von der Wand“ genommen werden. .
    2. Es ist nicht leicht zwischen „Mitläufer“ und „Widerstandskämpfer“ zu unterscheiden. Das folgende Zitat aus dem WikipediaEintrag macht das deutlich:

    „…Die Reichswehr war schon vor der Machtergreifung nicht mehr der monolithische Block wie einst unter Seeckt. Zwar stand die Führung den Nationalsozialisten weitgehend ablehnend gegenüber (neigte vereinzelt sogar wie etwa Papen und Fritsch zu monarchistischen Zielen), sie hatte aber das Offizierskorps nicht mehr geschlossen hinter sich, da vor allem unter den jüngeren Offizieren nationalsozialistische Ziele anfangs auf Zustimmung bis Begeisterung stießen, so etwa bei Claus von Stauffenberg und Henning von Tresckow, die später ihr Leben für den Widerstand einsetzten.[27]…“

    Die Deutsche (Militär)geschichte ist nun einmal so wie sie ist. Eine offene, ehrliche und an den historischen Fakten orientierte Auseinandersetzung mit dieser Geschichte und den handelnden Personen im Rahmen der Politischen Bildung muß sowohl die „Glorifizierung“ der Wehrmacht, aber auch eine „Dämonisierung“ jedes einzelnen Wehrmachtssoldaten verhindern.

    Noch einmal: Die Beschäftigung mit dem Leben des General Hammerstein bietet meines Erachtens den Zugang zu vielen aktuellen Fragestellungen der Inneren Führung. Der gerade stattfindende Aktionismus hingegen schafft lediglich neue Konflikte ohne alte auszuräumen. Dieser Aktionismus verhindert auch eine gründliche Auarbeitung des Themas.

    Fazit:
    Ich hoffe, dass die Bundeswehrführung sich die Zeit nimmt, die erforderlich ist, um einen neuen tragfähigen Traditionserlaß zu entwickeln. Die Ambition sollte nicht sein, dass diese Aufgabe unbedingt vor der Wahl abgeschlossen sein muss. Dann würde vermutlich mehr Schaden angerichtet werden als Probleme gelöst werden.

  6. @klabautermann:
    „Man könnte auch sagen, er hat standesgemäß weggesehen und übersehen und sich in den Ruhestand abgesetzt.“

    Damit wäre er ja eigentlich wieder wirklich traditionsstiftend für die Bundeswehr.

    Hammerstein-Eqourd ist sicherlich eine Persönlichkeit, die nicht in einfache Schubladen passt, aber gerade deswegen im Sinne der Inneren Führung ein lehrreicher „Fall“.

    Abseits davon wo welche Bilder hängen ist doch viel wichtiger welche Persönlichkeitsmerkmale heute gebraucht werden.

    Die Einlassungen der Generalität in den letzten Tagen haben bei mir den Eindruck hinterlassen, dass man sich wegduckt.

    Beispielsweise der InspH:
    http://augengeradeaus.net/2017/05/traditionserlass-wird-vor-der-wahl-ueberarbeitet-und-spd-geht-auf-konfrontationskurs/comment-page-5/#comment-268789

    An der MSM soll es ebenfalls zu umfassenden Maßnahmen gekommen sein – da haben sie ja sicher auch ihre Einblicke.

    Ich bin sehr gespannt wie das weitere Vorgehen nach der Vorlage des Berichtes nächste Woche aussehen wird.

    Sinnvoll ist zweifellos endlich die eindeutigen Fälle von nicht traditionswürdigen Kasernennamen zu ändern. Längst überfallig.

    Alles andere sollte mit einer klaren Vorstellung der Förderung einer echten Bundeswehrtradition verbunden werden.

  7. Die aktuell stattfindenden Aktionen bezüglich Bildern oder Ausrüstungsgegenständen aus dem Dritten Reich empfinde ich persönlich als eine dumme und in letzter Konsequenz schädliche Aktion.

    Jedem auch nur oberflächlich geschichtsinteressierten Menschen ist klar, dass alle Soldaten der Wehrmacht, egal ob irgendwann im Widerstand oder eben nicht, den Zugriff des NS Unrechtsstaats auf weiter Teile Europas ermöglichten. Die Konsequenzen dieses Zugriffs setze ich als bekannt voraus.

    Somit sind letztendlich alle Soldaten der Wehrmacht in die Untaten des Dritten Reiches mittelbar oder über Umwege verstrickt.

    Diese Erkenntnis schwingt immer mit, wenn man sich trotzdem in Form von Bildern oder Namensgebungen an einige Soldaten der Wehrmacht explizit erinnert.

    Viele dieser Soldaten hatten massive innere Kämpfe auszutragen weil es aus damaliger Sicht eben nicht so einfach war über das Dritte Reich zu urteilen, wie es heute für uns ist.
    Einige analytisch denkende Soldaten erkannten schon vor der Machtergreifung Hitler die daraus resultierenden Gefahren, andere liesen sich blenden und wurden erst durch persönliche Erfahrungen zum Umdenken bewegt.

    Die Person und Geschichte von Hans Oster ist ein Paradebeispiel dafür. Alleine auf der Zeitachse betrachtet und ohne das Wissen von heute schwankt man bei der Bewertung dieses visionärem Wiederstandskämpfer und Landesverräter. Hans Oster macht überdeutlich, dass man Geschichte nicht einfach lernen kann, sondern dass man sich aktiv und eben auch schmerzhaft mit ihr auseinandersetzen muss, damit man am Ende für sich eine persönliche Schlußfolgerung ziehen kann.

    Es mutet mir im aktuellen Zusammenhang schizophren an, wenn in der Ausbildung und im Selbstverständnis der Bundeswehr immer wieder der Wert und die Bedeutung eigener Lagebeurteilung und darauf aufbauender Entschlüsse hervorgehoben wird, wenn in der Realität der Armee dies faktisch aber immer weniger eine Rolle spielt.

    Während ich in meinem Zivilberuf den bei der Bundeswehr erlernten Grundsätzen gute Erfahrungen mache und mich damit von anderen Kollegen durchaus positiv abhebe, stelel ich fest, dass ich mit der Anwendung dieser Grundsätze im Rahmen von Reservedienstleistungen immer mehr bei den aktiven Kameraden anecke. Wenn Probleme nicht mehr angesprochen und abgestellt, sondern mit einem lapidaren ISSO abgebügel werden, dann geht gewaltig etwas schief in der Truppe. Bilder ohne Sinn und Verstand abzuhängen, nur weil Frau von der Leyen unter Beschuss steht schadet der Truppe. Welchen Widerstand soll man von Generälen und Offizieren in wichtigen und dramatischen Angelegenheiten erwarten, wenn diese nicht einmal den Mut finden in solch banalen Angelegenheiten wie der aktuellen Bilderstürmerei begründeten Einspruch zu erheben?

  8. @klabautermann

    „…Andererseits hat Hammerstein zwar viel „geredet“, hat aber noch nicht einmal aktiven Widerstand gegen die nationalsozialistischen Generalskameraden geleistet. Man könnte auch sagen, er hat standesgemäß weggesehen und übersehen und sich in den Ruhestand abgesetzt…“

    Ich habe nach Lesen des von T.W. geposteten Wikipediaeintrags über General Hammerstein eine ganz andere Bewertung zu dem Menschen und Offzier Hammerstein.

    Ich bin immer wieder erschrocken darüber, dass Menschen die selbst nie einer Diktatur leben mußten, wie selbstverständlich davon ausgehen, dass es ein Leichtes sei, sein Leben für seine Überzeugung zu opfern. Dazu sind immer nur ganz wenige Menschen bereit. Jeder von uns sollte sich die ehrliche Frage stellen, ob er/sie dazu selbst bereit gewesen wäre. Ich für mich glaube, ich hätte in einem ähnlichen Konflikt gestanden wie die damaligen Soldaten und bin absolut nicht sicher, ob ich diesen Mut gehabt hätte insbesondere wenn ich gleichzeitig meine Familie mit in den Tod gerissen hätte.

    Nur zur Erinnerung, die Frau von Hammerstein und zwei Kinder landeten später im KZ:
    „…Am 1. März 1945 wurden Mutter Maria, Franz und Hildur im Rahmen der Sippenhaftung zunächst von Berlin ins Konzentrationslager Buchenwald transportiert…“

  9. Dann sollten aus diesen Klabautergründen niemals deutsche Kasernen nach einem General der letzten 25 Jahre benannt werden aufgrund der gelieferten Gründe !
    Recht und richtig wäre es ob der stummen Erfüllungsmasse …

    Lassen wir den Mist und verteilen Nummern und Ziffern, die sind so schön neutral und korrekt wie Soldatenfriedhöfe ! Bitte keine Namen von Widerständlern, denn dann diskutiert man bald wieviel Widerstand hätte geleistet worden sein sollen u.ä. !

    Das Ausland lacht uns dummes Volk aus wie ich mitbekomme ..,

  10. „Kleine“ Ergänzung:

    Hammerstein stand nach 1918 in dem Zwiespalt zwischen seinen imperial-konstitutionell-monarchischischen Überzeugungen als deutscher Staatsdiener in Uniform und den republikanisch-semi-präsidialen-demokratischen Ansätzen der Weimarer Republik.
    Er hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass wenn das blöde Volk den Hitler legitimieren würde, dann wäre das blöde Volk eben selbst dran schuld. Na ja, für einen Reichsbürger in Uniform ist natürlich ein pseudo-demokratischer, imperialer Ethnokrat, der sich dann zum Diktator mausert, allemal ertraglicher als diese aufgeklärten, verfassungspatriotischen Republikaner mit ihren spinnerten, bürgerlichen Idealen aus der Zeit der französischen Revolution . Die Revolution von 1848/49 hatte man ja erfolgreich verhindert, also blieb nur der Weg in eine nationalsozialistische Ethnokratie.mit imperialen Ansprüchen. Bei Hammerstein lag also eine Tiefenindoktrination vor, die sich gegen die nationalsozialistische Aktualindoktrination gar nicht zur Wehr setzen konnte.Standeskameraden und das Vaterland verrät „man“ nicht. Und damit eine gewisse reichsbürgerlich-ethnokulturelle Tiefenindoktrination über sogenannte Traditionen nicht wieder Einzug hält in die Praxis der InFü muß nun ein wenig Reinschiff gemacht werden in den BW-Kasernen.

  11. @Wuehlmaus: Tresckow und Staufenberg werden bleiben, weil sie die Köpfe des Widerstandes waren. Aber bei allen anderen Widerständlern, wie z.B. Speidel, wird man suchen, ob man diese wg. Unterstützung Angriffskrieg usw. nicht auch umbenennen kann.

    Ich prophezeie, daß alle anderen BW Kasernen, die Namen von Offizieren aus dem ersten oder zweiten Weltkrieg tragen, und nicht Köpfe des Widerstandes waren, umbenannt werden. Der Widerstand in der Öffentlichkeit wird angesichts der Hexenjagd gering sein, auch beim Stern von Afrika, weil zu wenige diesen noch kennen in der breiten Öffentlichkeit, und nur um die Rommelkasernen wird ein erbitterter öffentlicher Streit ausbrechen. Denn bei Rommel wird seit langem gestritten, ob er für den Widerstand gewonnen worden ist(wovon ich ausgehe, weil ich nicht wüsste, warum Speidel gelogen haben sollte oder warum der Name Rommel sonst in Folterverhören gefallen sein sollte nachdem er als Nazi-Kriegsheld galt), oder nicht.

    Richtigerweise sollten alle seit 1990 umbenannten Kasernen wieder zurück benannt werden nach dem umstrittenen Namensgebern und dafür in jeder Kaserne ein Ausstellungsraum über die Leistungen und Verbrechen/Fehlleistungen des Namensgebers eingerichtet werden, damit sich jeder Soldat selbst ein Bild über den Namensgeber machen kann. So stelle ich mir einen Umgang mit mündigen Soldaten vor.

  12. Jetzt möchte ich mich auch einmal zur Ehrenrettung der Bundeswehr äußern !

    In München gibt es in der Sanitätsakademie der Bundewehr seit 2012 das Auditorium Maximum „Sanitätsfeldwebel-Hans-Scholl“.

    Ich hoffe sehr das dies so bleiben wird !

    Wir hatten damals sehr schwere Diskussionen betreffend der angedachten Umbenennung der Akademie und der getroffen Kompromiss war eben nicht die Akademie, sondern das AudiMax umzubenennen.

    Die Argumente damals waren die gleichen wie gerade jetzt,
    kann ein Soldat der Wehrmacht / aus dem Widerstand Vorbild für den Führer- und Unterführernachwuchs sein ?

    Diese Diskussion ist im Internet als Festrede unter der Adresse : http://hansschollsanak.blogspot.de/
    nachzulesen.
    Ich finde das im Moment äußerst aktuell !

    Und ja, die Innere Führung hat funktioniert und funktioniert, und ja, der Diskussion zu unserer Tradition stellen wir uns seit Jahren und andauernd, und ja, auch die Generalität ist bereit sich zu positionieren und zu diskutieren bevor entschieden wird, und nein, die jetzige Diskussion wird der Bundeswehr und ihren Menschen nicht gerecht !

    Anmerkung am Rande, was ich auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise 2015 im zivilen Umfeld hier in Niederbayern zu Ausländern allgemein und zu Flüchtlingen im besonderen (auch im Radio und auch von Politikern !) gehört und gelesen habe hat mich oft bestürzt, während die Bundeswehr hier in Bayern (mehr oder weniger klaglos) die verschiedenen „Auffanglager“ aus dem Boden gestampft hat.

    Im Jahr 2014 war auch Frau Ministerin in München und hat uns besucht und hat auch im AudiMax „Sanitätsfeldwebel-Hans-Scholl“ gesprochen und ich hatte nicht den Eindruck das sie sich dabei unwohl gefühlt hat.

    PS : Im Rahmen des Festaktes wurde in den Diskussionen festgestellt das die Deutschen im allgemeinen Probleme mit „Helden“ haben.
    Tenor : Ein deutscher Held muss tot sein, sonst ist er kein Held, die Überlebenden der „Weißen Rose“ kennt praktisch kein Mensch.

  13. @Pete | 14. Mai 2017 – 12:50
    „Ich hoffe, dass die Bundeswehrführung sich die Zeit nimmt, die erforderlich ist, um einen neuen tragfähigen Traditionserlaß zu entwickeln. Die Ambition sollte nicht sein, dass diese Aufgabe unbedingt vor der Wahl abgeschlossen sein muss.“

    Aber genau darum geht es doch. Noch vor der Wahl Zeichen setzen zu können… Es geht doch gar nicht um Inhalte :(

    @Pete | 14. Mai 2017 – 13:01
    „Ich bin immer wieder erschrocken darüber, dass Menschen die selbst nie einer Diktatur leben mußten, wie selbstverständlich davon ausgehen, dass es ein Leichtes sei, sein Leben für seine Überzeugung zu opfern.“

    Dem stimme ich durchaus zu.

    Zudem gibt es ja genügend Soldaten, die ohne Möglichkeit zum (zielführenden) Widerstand dennoch treu und tapfer dienten und in anderen (militärischen) Kategorien denn „Widerstand“ vorbildlich waren ohne sich nationalsozialistisch zu betätigen.

    Und gerade bei Hammerstein ist ja das Problem, das er durchaus alles (auch sein Leben) riskiert hat (denn nicht erst durch den sog. Rhöm-Putsch und die Handlungen gegen die Linken und Kommunisten wusste er natürlich, dass er für seine Beteiligung an einem Putschversuch mit dem Leben hätten zahlen müssen).

  14. @ klabautermann | 14. Mai 2017 – 13:59:

    Ich erlaube mir infolge Ihrer Ergänzung mal eine Frage: Ist Stauffenberg für Sie traditionsstiftend?

    Mir scheint nämlich, dass Sie in dieser Hinsicht nur ausgewiesene Demokraten (in Uniform?) gelten lassen wollen. Die wiederum kann man in der deutschen Geschichte aber mit der Lupe suchen – auch im Fall des 20. Juli 1944.

  15. Die Benennung von Kasernen bietet immer die Möglichkeit der Auseinandersetzung mit der Person, der Epoche und den Lehren, die die heutigen Soldaten daraus ziehen können. Historische Persönlichkeiten sind aber selten perfekte Menschen, sondern haben Brüche in ihren Biographien, die aber den Menschen geprägt haben und sein späteres Handeln mitbestimmten..

    Die Aussagen Frau von der Leyens fördern aber nicht die differenzierte Auseinandersetzung mit Namensgebern, sondern sie wirft die Debatte innerhalb und im Umfeld der Bundeswehr die Debatte um mindestens 20 Jahre zurück.

    @klabautermann

    Da ihnen die Gnade der späten Geburt zuteil wurde, spricht es sich natürlich aus heutiger Perspektive sehr leicht. Sie wären natürlich zur damaligen Zeit ein aktiver Widerstandskämpfer gewesen, der sich selbst geopfert hätte.

    @closius

    „Richtigerweise sollten alle seit 1990 umbenannten Kasernen wieder zurück benannt werden nach dem umstrittenen Namensgebern und dafür in jeder Kaserne ein Ausstellungsraum über die Leistungen und Verbrechen/Fehlleistungen des Namensgebers eingerichtet werden, damit sich jeder Soldat selbst ein Bild über den Namensgeber machen kann.“

    Es gab durchaus auch Umbenennungen wie zum Beispiel bei Dietl, die absolut gerechtfertigt waren. Daher halte ich ihre Forderung, mal abgesehen, dass sie unrealistisch ist, auch für grundlegend falsch.

  16. Dieses unerträgliche „Gerinnsel“ des Uni-Präs zeigt einmal mehr, wohin wir gekommen sind!
    Absolut peinlich und unwürdig!
    Das erinnert mich an einen Vorgang im mil. geführten Studentenbereich von vor gut 2 Jahren, wo ein Herr Oberst völlig danebengegriffen hatte.

    Helmut Schmidt (ich mag´mir nicht vorstellen, was wäre, lebte er noch) hat STETS, wenn es darum ging, „besonderen Situationen“ zu begegnen (insbes Sturmflut HH 1962) darauf hingewiesen, daß es in derlei Situationen darauf ankommt, die, mittlerweile D in einer Art und Weise durchwobenen Verwaltungsvorschriften nur insoweit zu berücksichtigen, als sie ein Handeln, daß JETZT zur Bewältigung einer AKUTEN Problematik, die nicht erst in Ausschüssen, die dann nach dem Wochenende einberufen werden können, angezeigt ist,nicht im Wege stehen!
    „Wie wir es als Leutnant im Krieg damals gelernt hatten“ hieß das sinngemäß.
    Ja, und leider ist das nun einmal so, daß Verwaltungsvorschriften für eine 70+ Jahre Friedensrepublik zwar hübsch sind, aber im täglichen Leben schon manchmal zu Kopfschütteln führen.
    Mein Vater (auch WehrmachtsOffz) handelte in einer Krisenlage Mitte der 70er auch weit abseits der Gesetze, als es – der zuständige Innenminister war gar nicht erreichbar – auf Bitten des Länderministerpräsidenten, der aber „nicht zuständig“ , da Land, war. Damals endete das aber auch immerhin noch so, daß der Minister hinterher „gehen mußte“, nicht der „vorschriftswidrig“ aber RICHTIG und der Situation begegnend handelnde.
    Waren andere Zeiten, solche Uniformierten gibt´s nicht mehr…

  17. In welcher Bundeswehr, ob der jetzigen Außendarstellung /-wahrnehmung, diene ich eigentlich? Totaler Trümmerladen, alles Zivilversager, „rechter“ Haufen?! Was ist seit 1990 an mir vorbei gelaufen? Was habe ich bis April 2017 nicht erkannt bzw. gerade auch im Ansatz nicht abzustellen vermocht? Bis zu jetzt habe ich „meine“ Bw immer als eine Armee erlebt, in der bei Dienstvergehen – sofern den Disziplinarvorgesetzten bekannt – den Vorschriften entsprechend ermittelt, zuständige Stellen beteiligt und diese anschließend angemessen gewürdigt wurden. Fühlte man sein Anliegen als nicht entsprechend behandelt, stand es jederzeit im Ermessen des Betroffenen sich an den Wehrbeauftragten zu wenden. Dieser Weg des Beschwers wurde uns bereits im „theoretischen“ Teil der Grundausbildung vermittelt und es wurde auch rege von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht.

    Hat die innere Führung also allerorts versagt? War ich also „blind auf allen Augen“ und wurde ich jetzt, durch die Presseveröffentlichungen meiner IBUK bzw. des GI, eines besseren belehrt? Nein! Dieses generelle Versagen streite ich für mich und mein bisheriges Erleben in den Streitkräften entschieden ab. Innere Führung gibt es und dies hat mich in meiner gesamten Verwendungszeit beeinflusst. Das Eintreten für die FDGO, verbunden mit gegenseitigem Respekt, Vertrauen, Kameradschaft und Loyalität haben meinen bisherigen Werdegang geprägt und diese Tugenden werde ich mir auch nicht in Abrede stellen lassen. Lassen sich zukünftig „Franko A“ Fälle vermeiden? Vermutlich nicht! Man kann schließlich nicht hinter die Stirn gucken. Wäre ein „Franko A“ anderswo zu vermeiden gewesen? Nicht wirklich!

    Wie verhält es sich denn eigentlich mit den Berichten des Wehrbeauftragten? Wird in diesen nicht regelmäßig die personelle / materielle Lage in den Streitkräften kritisch dokumentiert und seitens BMVg entsprechend („jupps, wir haben erkannt und stellen ab“) kommentiert? Welche gravierenden Verfehlungen waren also in der Vergangenheit, insbesondere auch seit Amtsantritt meiner IBUK und meines militärischen Führungspersonals, hinnehmbar bzw. als nicht wert erachtet, abgestellt zu werden? Was begründet, jetzt im Wahlkampfjahr, ein solches Vorgehen?

    Ich finde es außerdem äußerst bedenklich, wenn von Säuberungen gesprochen wird, Technische Anweisungen lediglich aufgrund „anrüchiger“ Schriftart verboten -was durch „Schwertfisch“ noch zu belegen wäre- (@TW vielleicht ein Punkt an geeigneter Stelle nachzufragen) und gestandene Persönlichkeiten lediglich auf deren Vergangenheit in der Wehrmacht reduziert werden.
    P.S.
    Entwürdigendes titulieren und ansprechen: Mein Sohn befindet sich derzeit in einer Ausbildung zum Tischler in einem „kleinen“ Handwerksbetrieb…Hossa die Waldfee, da musste ich den Ausbilder schon mehrmals zur Ordnung rufen….gibt halt keine „Handwerksbeauftragten“

  18. @klabautermann:
    „Na ja, für einen Reichsbürger in Uniform ist natürlich ein pseudo-demokratischer, imperialer Ethnokrat, der sich dann zum Diktator mausert, allemal ertraglicher als diese aufgeklärten, verfassungspatriotischen Republikaner mit ihren spinnerten, bürgerlichen Idealen aus der Zeit der französischen Revolution. “

    Welche Quellen haben Sie denn für diese Bewertung?

    Hammerstein-Eqourd galt ja bereits in der Weimarer Republik als“ roter General“.
    Seine Kinder orientierten sich teilweise deutlich links, was auch ihn in erhebliche Probleme brachte. Damit konfrontiert soll er gesagt haben:
    „Meine Kinder sind freie Republikaner. Sie können reden und machen, was sie wollen.“

    Irgendwie passt alldas nicht in das von Ihnen skizzierten Bild vom Gegner verfassungspatriotischen und republikanischen Ideen.

  19. @ klabautermann

    Also erst war Hammerstein-Equord für Sie ein Vertreter einer Traditionslinie zur Wehrmacht (obwohl seine militärische Tätigkeit bis auf eine zwei-Wochen-Reaktivierung vor Einrichtung derselben endete), ein „Mitläufer“, der keinen „Widerstand“ geleistet habe, (obwohl er an Verschwörungen zur Verhaftung oder Beseitigung Hitlers beteiligt war) und der den „Fahneneid“ auf den „Gröfaz“ geleistet hätte (was aufgrund der Tatsache, dass er seinen Abschied nahm, bevor dieser obligatorisch wurde, unwahrscheinlich ist.)

    Dann war er plötzlich kein Vorbild, weil er „(partei)politisch“ aktiv gewesen sein soll (wie alle Reichswehrsoldaten – und alle Wehrmachtssoldaten bis September 1944 – war er per Gesetz von politischer Tätigkeit und von der Mitgliedschaft in politischen Parteien ausgeschlossen) und „aus Sicht der FDGO“ ein solcher General nicht vorbildlich sein könne (obwohl in der Bundeswehr in gewollter Abgrenzung zur Reichswehr die politische Tätigkeit und Parteimitgliedschaft der Soldaten erlaubt und wünschenswert ist.)

    Und jetzt kommen Sie schließlich zu dem Urteil, Hammerstein-Equord als „Reichsbürger in Uniform“ (was offensichtlich für alle Soldaten der Reichswehr eine zutreffende Bezeichnung ist) habe Hitler als „allemal erträglicher“ als die Weimarer Republik betrachtet und rühren als Begründung Schlagwörter um 1848, die französische Revolution mit sinnleeren Phrasen wie „Tiefenindoktrination“ und „Aktualindoktrination“ zusammen? Obwohl Hammerstein aus seiner tiefen Abneigung gegen Hitler, wie in zahlreichen Quellen belegt ist, nie einen Hehl gemacht hat?

    Ist es wohl denkbar, dass Sie von Hammerstein-Equord sowie vom geschichtlichen Kontext schlicht überhaupt keine Ahnung, sondern nur eine „korrekte“ Meinung haben, zu der Sie sich wechselnde Argumentationslinien aus Wortbausteinen, die mir von der Jungle-World-Leser-Fraktion an der Uni sehr bekannt vorkommen, zusammenbasteln?

  20. Was mir bei der ganzen Debatte wundert, ist, dass fast ausschließlich Offiziere (Fw Scholl mal außen vor) als traditionsstiftend empfunden werden.

    Ich war selbst aktiver Offizier und nun aktiver Reserveoffizier von daher kann ich mich sehr gut mit Offizieren identifizieren. Aber was ist mit ca. 140.000 anderen Soldaten in der Bundeswehr? Muss ein Hauptgefreiter davon ausgehen, dass kein einziger Mannschaftsdienstgrad in der Wehrmacht als Vorbild für soldatische Tugenden gelten kann, nur weil er im Schützengraben damit beschäftigt war seine Kameraden zu flicken oder weil er im Heizraum mit Kohleschippen beschäftigt war und sich damit nicht aktiv in den Widerstand einbringen, geschweige denn diesen anführen konnte?

    Ich warne ausdrücklich davor wenn in Zukunft nur noch Bilder von Offizieren an die Wand gehangen/gemalt werden dürfen.

  21. @Insider | 14. Mai 2017 – 10:23
    Ihr Beitrag und insbesondere der letzte Teil.
    ..Ja, DITO. Hätte ich nie gedacht! +1

    @Memoria | 14. Mai 2017 – 12:53
    „Damit wäre er ja eigentlich wieder wirklich traditionsstiftend für die Bundeswehr. “
    Aber er hat zumindest die Leine gezogen und ist gegangen….da ist der große Unterschied!

    @Pete | 14. Mai 2017 – 13:01
    Richtig! Überleben war das Motto…das scheint aber dem ein oder anderen hier nicht ganz klar zu sein.
    Was der ein oder andere Führer derzeit macht ist im übrigen auch mehr blamabel als Ehrenhaft

    @Alter milFD | 14. Mai 2017 – 19:23
    „Wie verhält es sich denn eigentlich mit den Berichten des Wehrbeauftragten? Wird in diesen nicht regelmäßig die personelle / materielle Lage in den Streitkräften kritisch dokumentiert und seitens BMVg entsprechend („jupps, wir haben erkannt und stellen ab“) kommentiert? Welche gravierenden Verfehlungen waren also in der Vergangenheit, insbesondere auch seit Amtsantritt meiner IBUK und meines militärischen Führungspersonals, hinnehmbar bzw. als nicht wert erachtet, abgestellt zu werden? Was begründet, jetzt im Wahlkampfjahr, ein solches Vorgehen?“

    Volltreffer! Denn dies fällt auch unter „Wegschauen“…und wer den Mund auf macht kommt unter das „Fallbeil“.

    Ein kleines Beispiel aus der rein fiktiven Truppenpraxis:
    Da steht ein Inspektor vor seinen Kommandeuren und „keult“ sie gefühlte 45min lang nieder. Man entfernt sich, um dann in den letzten Minuten vor Ablegen der „Kähne“ wiederzukehren um Fragen zu beantworten. Die wenigen die noch was in der Hose haben, werden entweder zum „individuellen zielgerichteten“ Einzelgespräch gebeten, Mundtot gemacht oder einfach nicht weiter beachtet! Sieht so Innere Führung 2017 aus? Vermutlich ja, es wird ja so von einigen Vorbildhaft gelebt.
    Und da reden einige hier von Haltungsproblemen?

    Auch das Interview des GI wirft mehr Fragen auf als Antworten. Eindeutig Stellung bezogen hat er….nicht zur Truppe, wie in der Art und Weise der Frage geantwortet wurde.

    (Ich weis. Ich kann jetzt schon Wetten abgeben wer dazu wieder was schreiben wird!)
    Leider scheint mir dabei auch, das diverse Herren hier einfach zu lange von der Sache weg sind, nie richtig dabei waren, oder einfach nur das hören wollen was sie ohnehin hören wollen.
    Und so nebenbei bemerkt. Wer nie mit der Truppe im Einsatz war (und ich rede nicht von Einsätzen die sich für den ein oder anderen nur im inneren des Feldlager XY abgespielt haben) kann einfach nicht mitreden. Da zu fällt mir nur der Eintrag eines Mitbloggers der letzten Tage ein, der sehr realitätsnah dargestellt hat welche kleinen Dinge da so anfallen und das Frontschwein (dieser Begriff stammt nicht von mir, benutze ihn aber !) im Kopf beschäftigen.

    Wer nicht weis, was „wahrer Luxus“ im Gefecht, am OP, auf Patrouille bedeutet, wird sich weiterhin mit wichtigen Dingen wie Strassennamen, Bingo-Turnieren, Marathonläufen in der Dienstzeit sowie vollkommen sinnfreien Handtuch Tragebefehlen und sonstigem Etappenscheiß beschäftigen.

    Vielleicht sollte sich der ein oder andere die Rede eines Herrn Christian Lindner anhören, der so deutliche Worte findet wie bisher kein anderer…auch sein Vergleich mit den „BOS“ ist vorzüglich getroffen.

    „Standeskameraden und das Vaterland verrät „man“ nicht. Und damit eine gewisse reichsbürgerlich-ethnokulturelle Tiefenindoktrination über sogenannte Traditionen nicht wieder Einzug hält in die Praxis der InFü muß nun ein wenig Reinschiff gemacht werden in den BW-Kasernen.“

    Tja, auch dies spiegelt eine Art Indoktrination wieder…

    Reinschiff = Säuberung also…oder Meinungsgleichschaltung?

    Der Schaden ist da, das Ausland schüttelt auch nur den Kopf und fragt ob wir denn keine anderen Probleme haben.

  22. Ich bin schon beeindruckt, wie einige hier die Sitzordnung des Orchesters auf der Titanic neu regeln wollen…

    Wer nie mit der Truppe im Einsatz war (und ich rede nicht von Einsätzen die sich für den ein oder anderen nur im inneren des Feldlager XY abgespielt haben) kann einfach nicht mitreden.

    Genau, was geht die anderen an, wie wir das sehen!

    Wer mit diesem Ansatz auftritt, sollte sich nicht besonders wundern, wenn die öffentliche Reaktion so richtig frontal von vorne kommt. Von all denen, die „einfach nicht mitreden können“ bei den Herren der Elite.

    Und während die Debatte heißläuft über die Frage, ob und wenn ja wer aus der Wehrmacht als Vorbild dienen kann… stellt hier jemand die Frage, ob man dabei nicht bitte auch dringend an die Nicht-Offiziere denken könnte.

    Die Beispiele sind nicht abschließend.

    Meine Herren, ich möchte gerne vermeiden, dass dieses Blog als Fachmedium für irrelevante Debatten angesehen wird, und wäre dankbar, wen diese Art der Diskussion hier nicht geführt würde.

  23. Herr Wiegold. Danke für die Elite, zu denen ich mich nicht zählen möchte.
    [ eine Auslese darstellende Gruppe von Menschen mit besonderer Befähigung, besonderen Qualitäten; die Besten, Führenden; Führungsschicht, -mannschaft ]
    Bescheidenheit steht mir besser!
    Zudem verzichte ich auf einen Sitzplatz an Bord der Titanic. Werde schnell Seekrank und beteilige mich deshalb auch nicht an Marinethemen aufgrund von nicht vorhandener Erfahrung und deshalb dazu Funkstille meinerseits.

  24. Geschätzter Herr Wiegold, ich vermute Sie verkennen die Lage und vor allem die Stimmung in der Truppe. Es gibt nicht viele Kasernen die nach Feldwebeln benannt wurden. Und diese eine die ich meine wurde nach einem Feldwebel benannt, der nicht im Widerstand war, der sich aber sprichwörtlich auf die Granate geworfen hat um seine Kameraden zu retten.

    Nach derzeitigem Diskussionsstand ist dieser Mann nicht mehr tranditionswürdig. Eine Umbenennung dieser Kaserne, bzw. der Befehl Bilder dieses Mannes abzuhängen wird unnötigerweise einen tiefen Keil in die Bundeswehr treiben. Der Mann kann ja wenig dafür nicht zum Kreis des 20 Juli gehört zu haben.

    Das Unteroffiziercorps wird sowas der militärischen und der politischen Führung nicht verzeihen. Denn de facto funktioniert die Bundeswehr nur so gut wie sie eben funktioniert, weil sehr viele Soldaten mehr machen als sie es müssen und andere Soldaten dies mittragen und sich dem nicht widersetzten, obwohl sie es ohne weitere könnten und qua Vorschriftenlage auch könnten.

    Die Ministerin ist mit Ihrer Forderung nach gründlicher Säuberung nicht bedacht welchen Rattenschwanz ihre Forderung mit sich zieht. Kann Ihr ja auch egal sein, sie muss die Entscheidung ja auch nicht durchsetzen, sie ist am Ende des Jahres ja eh mit anderen Dingen betraut. Die Bundeswehrmaschinerie bestehend aus den Zahnrädern Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften muss sich weiterdrehen, was aber schwer wird wenn einzelne Zahnräder nicht mehr wollen.

    Man darf nicht vergessen, man kann treu dienen und trotzdem alles lähmen. Dienst nach Vorachrift als Ultimo Ratio reicht da vollkommen aus.

  25. 1. Wehrmacht hat in der Bw bezgl Tradition nichts verloren
    2. Stubendurchgang und Spindkontrolle (einschl Wertfach) ohne begründeten Verdacht,auf einen Befehl des GI Gemeinschaftsräume zu prüfen, hat nichts mit guter InFü zu tun.
    3. Man kann im Umgang mit Vorgängen ohne strafrechtliche Relevanz und ohne Gefährdung der Verteidigungsfähigkeit der Bw, entspannt und besonnen handeln.
    4. Man in AG mind genauso entspannt und ohne Schärfe Positionen zum Thema austauschen (im Sinn von AG/T.W.).
    5. …….und Tradition ist nicht Geschichte.

  26. @Zimdarsen:
    „Stubendurchgang und Spindkontrolle (einschl Wertfach) ohne begründeten Verdacht,auf einen Befehl des GI Gemeinschaftsräume zu prüfen, hat nichts mit guter InFü zu tun.

    Gab es denn wirklich Fälle in den letzten Tagen in denen dies erfolgt ist? Insbesondere das Wertfach? Zudem ist auch die Weisung des GI noch nicht bekannt.

    Die Durchsuchung des Wertfaches wäre rechtlich fragwürdig (Rechtsgrundlage?) und inhaltlich merkwürdig (Aussenwirkung möglicher „Devotionalien“).

  27. @ alter MilFD:
    „Technische Anweisungen lediglich aufgrund „anrüchiger“ Schriftart verboten -was durch „Schwertfisch“ noch zu belegen wäre- (@TW vielleicht ein Punkt an geeigneter Stelle nachzufragen) “
    Sehr gerne.
    Ironischerweise fand dieses sogar innerhalb der „Henning von Tresckow-Kaserne“ statt.
    Wo übrigens (noch???) verdammt viele Bilder von HvT in Wehrmachtsuniform hängen.
    Wahrscheinlich heisst es demnächst:“ GM Henning von Tresckow trägt als.Seiteneinsteiger im rahmen eines Attraktivitätsprogrammes in die Wehrmacht als GM ein, schloss sich direkt dem Widerstandan und schied per Selbsttötung aus dem leben“.
    Übrigens, die obige Formelsammlung ist wirklich eine Petitesse im vergleich zum Bundeskanzler a.D. Schmidt…
    By the way, gestern verteilte im Heimathafendes Schwertfischs die örtliche MdB Rosen zum Muttertag.
    Die Rosen lehnte ich aufgrund öfterer Änderung des Familienstandes dankend ab, konnte aber einem Gespräch mit der MdB nicht widerstehen.
    Angesprochen auf die Äußerungen der Ministerin im ZDF mit der Pauschalverurteilung der Soldaten und dem nun erfolgten Bildersturm erfolgten interessante Aussagen:
    1. Schuld habe die Presse (das Wort der Lü…Presse unterdrückte sie spontan)
    2. Der Koalitionspartner habe Schuld
    3. Sie selbst als MdB habe keinerlei Verantwortung für die Bundeswehr. Das Wort Parlamentsarmee gelte doch nur für die Abstimmungen über Auslandseinsätze.

    Tja, und ansonsten könne sie ja auch nichts dazu sagen. Die Ministerin würde aber in der Fraktionssitzung sicher Auskunft geben. Das es Unmut in der Truppe bei 350000 Soldaten (!!!) gäbe, könne sie nicht beurteilen. Das sei ja auch ein Bundeswehr-internes Ding…

    Herzlich Willkommen im Wahlkampf 2017.

    Übrigens… Die MdB gehört dem gleichen Landesverband wie die Ministerin an…

    Manchmal wünsche ich mir spontanes Aufwachen, und der Traum wäre vorbei…

  28. @Wa-Ge:
    Ein ähnlicher Fall ist auch mit einem Bundeswehr Angehörigen, Feldwebel Boldt, verbunden und eine Kaserne nach ihm benannt.
    Hier findet sich mehr:
    https://de.m.wikipedia.org/wiki/Erich_Boldt

    Eine Persönlichkeit, die in der Bundeswehrtradition eine oftmals zu geringe Rolle spielt.

    Ich stimme Ihnen nämlich zu, dass es wichtig ist dass Unteroffiziere und Mannschaften „lebensnahe“ Bezugspunkte in der Tradition haben – sonst blicken sie eben auf (Ur-)Opa.

    Durch die Einsätze gibt es auch eine Vielzahl an Mannschaften, die durch besondere Leistungen „traditionswürdig“ sind.

  29. @Zimdarsen | 14. Mai 2017 – 22:23
    „1. Wehrmacht hat in der Bw bezgl Tradition nichts verloren“

    Aber das ist doch (weitestgehend) heutzutage Konsens! Die Wehrmacht als ganzes ist nicht traditionswürdig. Das ist seit spätestens seit 1982 eindeutig festgelegt und wurde durch zahlreiche Minister bekräftigt

    In der aktuellen Diskussion geht es doch gar nicht um die Traditionswürdigkeit der Wehrmacht ansich, sondern darum, ob jedermann automatisch traditionsunwürdig ist, nur weil er in der Wehrmacht gedient hat (und nicht dem Widerstand angehörte).

    @Memoria | 14. Mai 2017 – 22:42
    „Die Durchsuchung des Wertfaches wäre rechtlich fragwürdig (Rechtsgrundlage?) und inhaltlich merkwürdig (Aussenwirkung möglicher „Devotionalien“).“

    Zu 1: Nein. Der Disziplinarvorgesetzte kann jederzeit und ohne Begründung das Wertfach im Rahmen von Stubendurchgängen prüfen. Die Vorschrift ist da eindeutig (ausgenommen ist hier interessanterweise allerdings bis zu einem Gewissen Grade die verdachtsabhängige Kontrolle im Rahmen der Aufklärung eines Dienstvergehens, hier muss je nach Lage der Dinge zuvor der Richter zustimmen, aber da es ja nicht um die Aufklärung von Dienstvergehen geht, ist diese Einschränkung nicht einschlägig).

    Zu 2: Absolut. Sollte das erfolgt sein, wäre es inhaltlich nicht begründbar und der Chef hätte dem Inneren Gefüge seiner Kompanie keinen Gefallen getan.

    @Wa-Ge | 14. Mai 2017 – 22:21
    „Es gibt nicht viele Kasernen die nach Feldwebeln benannt wurden. Und diese eine die ich meine wurde nach einem Feldwebel benannt, der nicht im Widerstand war, der sich aber sprichwörtlich auf die Granate geworfen hat um seine Kameraden zu retten.“

    In der Tat. Diese Kasernenbenennung sollte unbedingt erhalten bleiben!

    „Nach derzeitigem Diskussionsstand ist dieser Mann nicht mehr tranditionswürdig.“

    Da würde ich zurückhaltender formulieren. Nach aktuellen Presseverlautbarungen in einer engen Auslegung. Warten wir mal ab, was am Ende dabei rauskommt ;)

  30. @Memoria | 14. Mai 2017 – 22:49
    „Durch die Einsätze gibt es auch eine Vielzahl an Mannschaften, die durch besondere Leistungen „traditionswürdig“ sind.“

    Das möchte ich etwas einschränkend kommentieren. Angesichts der überwiegend geringen Intensität der bisherigen Bundeswehreinsätze werden Sie kaum einen Bundeswehrsoldaten finden (Landser oder nicht), der ausreichend „heldenhaft“ gehandelt hat um für eine Kasernenbenennung herzuhalten.

    Vorbildhaftes Verhalten? Ja. „Ausreichend“ heldenhaft und so traditionsstiftend, so das jemand als Beispiel für spätere Generationen dienen kann? Eher (sehr) wenige.

    Zudem haben wir ja auch überwiegend gar nicht die notwendige „Papierlage“ erzeugt um hier Geschichten, Bilder u.ä. zu besitzen. Wir sind ja heutzutage äußerst zurückhaltend in diesen Dingen. Ich erinnere nur an die halbherzige Stiftung des Ehrenkreuzes für Tapferkeit (in Form lieblos und in der Umsetzung nahezu bedeutungslos für die Truppe).

    Trotzdem heisst das aber beim besten Willen nicht, dass wir nicht mehr tun können (und müssen) als bisher um den Leistungen (und teilweise ja auch Lebensopfer) der Kameraden zu gedenken…

    Ich warne nur davor zu denken man könne die unzähligen deutschen Gefechtshandlungen vor ’55 mit den wenigen Einsätzen seit ’90 umfassend substituieren um genügend Beispiele zu finden.

  31. Für mich jedenfalls scheint klar: Dadurch, dass ohne irgend einen rationalen Grund (denn für den Fall Franco A. ist mit Sicherheit nicht ein Helmut-Schmidt-Bild oder sonst eine bildliche Darstellung verantwortlich) jetzt die Sau „Wehrmachtsdevotionalien!!!“ durchs Dorf getrieben wird, wurden drei Dinge erreicht:

    – Die eigentlichen Probleme inner- und erst recht außerhalb der Bundeswehr, die durch diesen Fall sichtbar geworden sind, treten völlig in den Hintergrund.
    – Das Ansehen der Truppe wurde durch die Art der Diskussion in den Medien, die von der Führung der Bundeswehr selber forciert wurde, weit gründlicher geschädigt, als es eine sachliche Auseinandersetzung mit dem eigentlichen Fall jemals vermocht hätte.
    – Gleiches gilt in noch höherem Maße für das Vertrauensverhältnis zwischen Führung und Truppe.

    Mich erinnert das in frappierender Weise an den G36-„Skandal“: Ungetrübt von sachlichen Erkenntnissen, bewusst die Eingaben aus der Truppe ignorierend und dabei die Soldaten bevormundend, sich aber der Rückendeckung der Medien gegen den bösen Kleinwaffenhersteller gewiss, zum Angriff losgegangen. Der letzten Endes mit einer Niederlage und (ganz besonders nach dem HK-Großauftrag durch F) in einer veritablen Blamage endete.
    Und dies wiederum erinnerte mich an frühere Versuche in anderen Ministerämtern, sich als harte Durchgreiferein zu gerieren: Ob nun beim Thema ALG-Sanktionen oder bei Internetsperren. Hat mir damals nicht gefallen. Gefällt mir heute immer noch nicht.

  32. Ich möchte einen anderen Aspekt zu bedenken geben: Die Bundeswehr hat inzwischen eine über sechzigjährige Geschichte. Sich bei der Benennung z.B. von Kasernen auf eine gerade mal zehnjährige und alles in allem unrühmliche Epoche der deutschen Geschichte zu fixieren, tut auch all den Soldaten seit dem Unrecht. Wäre es nicht ohnehin angezeigt, Kasernen nach aktuelleren Vorbildern zu benennen, wie zum Beispiel den Gefallenen des Karfreitagsgefechts von 2010?

  33. Warum muss man Kasernen, Straßen und Verbände nach Menschen benennen?
    Warum muss man dienstlich Personen huldigen?
    Woher kommt dieser Drang jemanden anzuhimmeln und ist es gut sich diesem Drang hinzugeben?

    Ja, man sollte sich manches Verhalten von Menschen zum Beispiel nehmen, aber muss es dann gleich ein Überhöhen oder Vergöttern sein?

  34. Nichts für ungut, aber hier geht es doch um ein viel grundlegenderes Problem. Diese Gesellschaft – oder die Teile davon, die sich als geistige Elite derselben verstehen – hat mittlerweile ein Maß an moralischer Überlegenheit entwickelt, das es offenbar zur Forderung erhoben hat, zum Vorbild tauge nur noch der, der gewissermaßen vollumfänglich moralisch integer ist „eine reine Weste“ trägt – und dies natürlich gemessen an den heutigen Maßstäben. Ich weiß nicht, wer diesem Kriterium überhaupt entsprechen kann? Stauffenberg war kein Demokrat; kann er also überhaupt zum Vorbild in einem demokratischen Staat taugen? Selbst Namensgeber aus dem 1. Weltkrieg sind heute nicht mehr unumstritten – bzw. entsprechende Kasernennamen wurden bereits geändert. Ja, man kann sich fragen, ob Kasernen der Bundeswehr nach Soldaten der Wehrmacht, der kaiserlichen Armee, oder der Freikorps der Befreiungskriege benannt sein müssen – und man dies auf den Prüfstand stellt. Um ganz sicher zu gehen, sollte man Kasernen nur noch nach Orten oder Landstrichen benennen, dann ist alles in Butter.
    Der Anlass für diese Überprüfung, bzw. die Verknüpfung, die hergestellt wird, ist abstrus. Einerseits wird suggeriert, dass die Benennung von Kasernen in einem Zusammenhang mit rechten Umtrieben steht, ja sie sogar noch befeuert. Und wenn die Bundeswehr wirklich ein „brauner Haufen“ wäre, dann würde sich dieser Umstand durch Umbenennungen verändern?
    Mit dieser ganzen Geschichte hat man der Bundeswehr einen Bärendienst erwiesen – hat Frau Ministerin nicht Deutschland darauf eingeschworen, dass noch vieles ans Licht käme? Ich bin offen gestanden gespannt darauf, was das sein wird – und auch auf das Gedächtnis der Presse und der Öffentlichkeit. Es wurde bereits angesprochen: Was in Erinnerung bleibt, war, dass das G36 Sch**** ist. Das Ergebnis des Prozesses, der sich mit diesem Sachverhalt befasste, war dann nur noch eine Randnotiz wert. Ich wäre überrascht, wenn es hier anders wäre.

    P.S. Ja, für die „schlechte Presse“ waren die beiden OLt aus Illkirch ursächlich, das steht außer Frage. Dass man dann aber gewissermaßen „vom Hölzken aufs Stöksken“ gekommen ist und sogar von einem „rechten Netzwerk“ sprach, das ist hausgemacht!

  35. @Zimdarsen
    „… Verhalten von Menschen zum Beispiel …“
    Beispielgebend quasi Vorbild, bezogen auf das aktuelle Thema, ist eine Person, die als richtungsanzeigend und idealisierend betrachtet wird. Im engeren Sinne ist ein Vorbild eine Person, mit der ein – generell – junger Mensch sucht: Personen und Verhaltensmuster, die er als nachahmenswert erachtet.
    Wiki / Sigmund Freud: „Identifizierung“ mit einem Vorbild sei ein psychodynamischer Prozess, der eine Angleichung des eigenen Ich zu dem zum Vorbild genommenen Ich zum Ziel hat.
    Vorausgesetzt, diese Annahme träfe zu, wird auch nach Ende von Umbenennungen und Bilderentfernungen sich am Gesamtverhalten junger Erwachsener mit
    – überraschenderweiser – immer noch Affinität zu den Streitkräften wenig ändern.
    Wobei ich unterstelle, solch eine Person hat Bilder vom Kampf, kriegerischem soldatischem Einsatz und Verteidigung Deutschlands vor seinem geistigen Auge, sofern soziale Versorgungsgründe nicht den Ausschlag geben.
    Wer wie angerissen aufgestellt ist, sucht sich Vorbilder in Erfahrungen, die Deutsche Soldaten im Kampf sehen.
    Bilder, Berichte von Oderflut, Schnee“Katastrophe“ und Brunnenbohren usw, geben in diesen Kontext rein gar nichts her. „Bewaffnete Entwicklungshelfer“, so bei einigen Alliierten die Auffassung unseres Tuns out-of-area, wirkt nicht nachahmenswert.
    Wem Deutsches dabei genommen wird, sucht Ersatz. Wer mit offenen Augen durch unsere Landser- und Feldwebelstuben schaut erkennt rasch, dieser Prozess zeigt sich schon ziemlich weit entwickelt: Die Fremdenlegion, der einzelne (deutsche) Légion(naire) Étrangère mit Kepi Blanc genießt hohe Anerkennung.
    Demnächst also auch die Legion verbieten, in Bildern, Liedern?

  36. @Koffer | 14. Mai 2017 – 23:12:
    Natürlich sind das deutlich weniger Fälle als zu WK II, aber bei genauerem Hinsehen gibt es ausreichend Fälle (seien es nur 10), die gerade als Mannschafter beispielgebend waren.

    Die Papierlage müsste es zumindest teilweise geben.

    Die Umsetzung ist auch aus meiner Sicht das Problem – das Ehrenkreuz für Tapferkeit hatten wir Ja schon mal als Beispiel wie es nicht gehen sollte.

    Fazit: Es gibt ausreichend Fälle – man muss diese nur in eine neue Traditionspflege integrieren wollen. Gilt natürlich auch für UoP/ UmP.

  37. @Zimdarsen | 15. Mai 2017 – 10:13
    „Ja, man sollte sich manches Verhalten von Menschen zum Beispiel nehmen, aber muss es dann gleich ein Überhöhen oder Vergöttern sein?“

    Das hat nichts mit Überhöhen oder Vergöttern zu tun. Es hat etwas mit Erinnerung zu tun, wenn jemand eine Leistung erbracht hat, die es wert ist im Gedächtnis behalten zu werden, dann kann man auch eine Kaserne, ein Gebäude, eine Straße… nach ihm benennen um diese Tat für die „Ewigkeit“ festzuhalten. Dies trifft auch ausserhalb des Militärs zu.

    Ich z.B. , wenn ich Zeit habe, google sehr oft aus Interesse Straßennahmen in denen ich gerade privat oder geschäftlich verweile, und lese sehr gerne welchen Hintergrund es hat, dass das Gebäude oder die Straße nach dieser Person benannt wurde. So erfahre ich von Taten und Menschen von denen ich nie etwas gehört hätte, wenn nicht etwas nach diesen Personen benannt worden wäre.

    Wie hat mal der Truppengachlehrer Geschichte an der Offizierschule gesagt: „Geschichte ist Bildung“ und diese schadet niemandem.

  38. @ Zimdarsen

    Durch den Ausdruck „Devotionalien“, mit dem in den Medien ja um sich geworfen wird, mag ja der Eindruck entstehen, dass es hier um „Huldigung“ gehe oder es hier eine Art Personenkult gebe. Meiner natürlich begrenzten Erfahrung nach ist das aber nicht der Fall.

    Wie ich schon anderenorts geschrieben habe, fehlt einfach die Trennschärfe zwischen den Fragen:
    – Wo kommen wir her?
    – Was können wir lernen?
    – Wie wollen wir sein?
    Bei allen drei Fragen kann man durch Rückgriff auf frühere deutsche Streitkräfte Gewinn herausholen, aber natürlich jeweils mit unterschiedlichen Zugängen. Dass in Bezug auf die dritte Frage Soldaten der Wehrmacht nur in sehr begrenztem Maße Teil der Antwort sein können, ist wohl jedem klar.

    Aber für die Soldaten, die ihre Gemeinschafts- oder Wohnräume mit Bildern, demilitarisierten alten Waffen und ähnlichem (die ja nicht nur der Wehrmacht entstammen) schmücken, nehme ich an, dass es auf einer sehr grundlegenden Ebene eher um die ersten beiden Fragen geht. Viele Soldaten (und viele nicht-Soldaten) interessieren sich nun einmal für vergangene Militärtechnik und Kampfweisen und möchten etwas darüber lernen. Gleichzeitig ist da einfach der Respekt vor der Vergangenheit; das Alte trägt nun mal (da gibt es zahllose Beispiele außerhalb des Militärs) für viele Menschen Halt und Sinn in sich. Daraus entstehen meiner Beobachtung nach solche museal-folkloristischen Zugänge. Wenn irgendwo eine Burg restauriert wird oder mittelalterliche Waffen ausgestellt werden, erschließt sich das praktisch jedem Beobachter von alleine, ohne dass irgendwer anmerkt, dass die lange verstorbenen Besitzer dieser Stücke wohl nicht als Vorbilder für aufrechte Demokraten taugen…

    Also kurz gesagt: Aus solchen „Ausstellungen“ kann man genau so wenig auf eine „Huldigung“ oder ein bewußtes Nacheifern schließen, wie man das beispielsweise aus dem „Hetzers gonna hetz“-T-Shirt eines jungen Computerspielers könnte. Nur leider würden das die großen Medien, die nicht gerade zur reflektierten Durchdringung eines Themas neigen und ironischerweise den in diesem Land weit verbreiteten Drang, textlichen oder bildlichen Darstellungen geradezu magische böse Kraft zu unterstellen, teilen, in beiden Fällen so machen…

  39. @TobyR

    Wenn das Alte Halt und Sinn gibt, man aber im falschen Alten diesen findet, dann haben wir ein massives Problem.

    Evtl verwechseln viele Geschichte mit Tradition.
    Dass jetzt viele DV über das Ziel hinausschießen und historische Gemälde zerstören und Stuben durchsucht werden zeigt weitere Defizite in der charakterlichen Eignung oder fehlendem Grundverständnis der InFü.

    Wenn weniger gebildete Soldaten diesem Drang nach WKII Nippes erliegen, muss man ihnen eben einen Bw Ersatz bieten (sehe ich kein Problem), leider nimmt man ihnen ja auch gerade das. Wenn BS sich hinreißen lassen liegt da einiges im Argen.

    Wird Zeit, dass die Bw bis hin zur Uniform entrümpelt wird und der Kampf um die Freiheit vieler unserer Vorfahren angemessene Würdigung, ohne Personenkult, findet.

  40. @TobyR

    „Aber für die Soldaten, die ihre Gemeinschafts- oder Wohnräume mit Bildern, demilitarisierten alten Waffen und ähnlichem (die ja nicht nur der Wehrmacht entstammen) schmücken, nehme ich an, dass es auf einer sehr grundlegenden Ebene eher um die ersten beiden Fragen geht. Viele Soldaten (und viele nicht-Soldaten) interessieren sich nun einmal für vergangene Militärtechnik und Kampfweisen und möchten etwas darüber lernen. Gleichzeitig ist da einfach der Respekt vor der Vergangenheit; das Alte trägt nun mal (da gibt es zahllose Beispiele außerhalb des Militärs) für viele Menschen Halt und Sinn in sich. Daraus entstehen meiner Beobachtung nach solche museal-folkloristischen Zugänge. Wenn irgendwo eine Burg restauriert wird oder mittelalterliche Waffen ausgestellt werden, erschließt sich das praktisch jedem Beobachter von alleine, ohne dass irgendwer anmerkt, dass die lange verstorbenen Besitzer dieser Stücke wohl nicht als Vorbilder für aufrechte Demokraten taugen…“

    Ich war selbst Soldat und bin Historiker und muss leider sagen, dass ich die Ausschmückung von Aufenthaltsräumen mit Objekten aus dem Dritten Reich nicht so unkritisch sehe.

    Generell sollte man immer vom DAS, dem Dümmsten Annehmbaren Soldaten ausgehen. Bei den Mitforisten hier gehe ich, aufgrund von der Art und Weise des Schreibens sowie der Fähigkeit zur Diskussion von einem durchaus hohen Bildungsstand aus. Allerdings kann man das nicht immer und überall voraussetzen und auch die Annahme das sich jeder aus Eigenmotivation mit dem was er sieht kritisch auseinandersetzt ist reichlich naiv.

    Natürlich ist nicht jedes aufgehängte Bild eines Wehrmachtsangehörigen in einer Kaserne gleichbedeutend mit der Huldigung der Wehrmacht. Aber selbst wenn das 99% der vorbeilaufenden Soldaten klar ist – was ist mit dem einen Prozent das, nun sagen wir mal rechts außen steht? Fühlt es sich bestärkt? Sieht es sich dadurch vielleicht vollumfänglich in der Tradition von Opis Wehrmacht?

    Es dreht sich finde ich auch weniger um die Frage der Tradition sondern ehr um die Frage danach was ein Vorbild ist. Das Problem begegnet einem ja immer wieder. Vorbilder sind immer Menschen und als solchen taugen sie nur bedingt als „vollumfängliches“ Vorbild. Als Beispiel kann man sich Sportler, Schauspieler oder halt auch Soldaten angucken – das Prinzip ist gleich. Nur weil jemand seinen Beruf herausragend ausführt heißt das noch nicht, dass er als Vorbild taugt – und wenn, dann vielleicht nur für den konkreten Punkt. Um das heraus zu stellen bedarf es aber einer kritischen Auseinandersetzung mit der jeweiligen Person und, wenn ich etwas der betreffenden Person irgendwo ausstelle auch der Erklärung, denn ich kann nicht voraussetzen das sich jeder das Wissen in Eigenleistung aneignet. Vor allem dann nicht wenn es wie bei Rommel immer noch unterschiedliche Auffassungen in der Geschichtsschreibung gibt.

    Die aktuellen Vorgänge innerhalb der Bundeswehr bezüglich der Entfernung von Bildern etc. finde ich allerdings bedauerlich. Es ist genau der Gegenentwurf zu einem kritischen Umgang mit Geschichte und zur politischen Bildung. Sinnvoller wäre meines Erachtens eine Inventur zu machen und dann die „Urheber“ oder Bewohner / Benutzer der jeweiligen Räumlichkeit dazu aufzufordern mal zu recherchieren was sie da überhaupt sehen und danach abzuklären ob sie selbst noch der Ansicht sind das es bleiben soll oder nicht.
    Das würde meines Erachtens auch ehr dem Wesen des Staatsbürgers in Uniform und des mündigen Soldaten, nicht zuletzt der Tradition der Aufklärung und ihres Wahlspruch Sapere aude entsprechen.

  41. @Koffer | 14. Mai 2017 – 23:05

    „In der aktuellen Diskussion geht es doch gar nicht um die Traditionswürdigkeit der Wehrmacht ansich, sondern darum, ob jedermann automatisch traditionsunwürdig ist, nur weil er in der Wehrmacht gedient hat (und nicht dem Widerstand angehörte).“

    Hat irgendjemand behauptet, Helmut Schmidt sei traditionsunwürdig, weil er Offizier der Wehrmacht war? Nein! In der Diskussion geht es darum, ob die unkontextualisierte Darstellung Helmut Schmidts als Leutnant der Wehrmacht
    1.) im Einklang mit dem Traditionserlass ist,
    2.) eine angemessene Würdigung der gesamten Person Helmut Schmidts darstellt.

    Ich bin der Überzeugung, dass beides zu verneinen ist. Der Traditionserlass (von mir bereits mehrfach hier zitiert) ist da eindeutig.
    Das Problematische an der Sache haben die studierenden Offz/OA ja schon gleich dokumentiert. Sie wollen eine Gemeinsamkeit postulieren (Tragen einer Uniform), wo keine ist. Der Präsident hat dies ja in seinem ersten Bulletin sehr richtig dargestellt.
    Es macht einen unüberwindbaren Unterschied, ob man die Uniform zur Verteidigung von Einigkeit und Recht und Freiheit trägt, oder um diese Werte zu beseitigen! Vor diesem Hintergrund ist es schon sehr fragwürdig, mit welchen Begründungen Wehrmachtsutensilien aller Art ohne geschichtlichen Zusammenhang in Aufenthaltsräumen der Bundeswehr drapiert werden.

  42. @ Zimdarsen:

    Wieso gibt es denn Plätze und Straßen, die nach berühmten Persönlichkeiten der (Zeit-) Geschichte benannt sind – oder z.B. nach Städten, die in den deutschen Ostgebieten liegen, also gar nicht mehr deutsch sind und demnach auch heute anders heißen? Revanchismus? Oder doch als Erinnerung daran, dass es Mitmenschen gibt, die schlichtweg dorther stammen? Wieso überhaupt noch an vergangenes erinnern? Tut mir leid, mit dieser nüchtern-sterilen Sichtweise kann ich wenig anfangen.
    Übrigens sei daran erinnert, dass ähnliches bereits vor 60 Jahren diskutiert wurde. Auf der einen Seite diejenigen, welche die Armee rein auf Funktionalität reduzierten – ohne freilich Technokraten haben zu wollen – und die das „Militärische“ auf das niedrigste nur mögliche Maß reduzierten. Später kam es dann doch anders: Truppenfahnen, vier-Taschen-Rock statt „Affen-Jacke“ – oder Adenauers „vergesst mir die Musik nicht!“.
    Ich bin wirklich gespannt, wie das ganze z.B. hinsichtlich K98k, Knobelbecher und Weißzeug beim Wachbataillon ausgehen wird. Ich finde, Frau Ministerin hat sich in eine Situation gebracht, die man als verfahren ansehen muss und bei der es nur Verlierer geben wird.

  43. @Hans Dampf | 15. Mai 2017 – 12:57
    “ Ich finde, Frau Ministerin hat sich in eine Situation gebracht, die man als verfahren ansehen muss und bei der es nur Verlierer geben wird.“

    +1

    Dazu muss man noch leider sagen, dass ihr viele auf den Leim gegangen sind und die Situation aus welchen Gründen auch immer höher gekocht haben als es notwendig wäre.

    Der Hausherr kann ja als Zeitzeuge und dirket Anwesender über die Gestaltung des Bunkers aus erster Hand berichten. Mich persönlich hat es schon gewundert, wieso nicht die ganze Gestaltung des Bunkers im Fernsehen gezeigt wurde, sondern nur ein spezieller Ausschnitt. Erst Tage nach der ersten Berichterstattung sind auch Bilder/Videoausschnitte von Vorkeiserlichen Soldaten etc. aufgetaucht.

    Insbesondere beim öffentlich rechtlichen Rundfunk hätte ich mir eine umfassende Berichterstattung gewünscht, so dass jeder Zuschauer sich selbst seine Meinung zu dem Ganzen hätte bilden können. Aber nein dem Zuschauer wurde eine Meinung vorgegeben.

    Zwischen Berichterstattung und Meinungsjournalismus gibt es einen deutlichen Unterschied, in diesem speziellen Fall hat ARD/ZDF leider eher das letztere Betrieben.

  44. Um die Sache rabulistisch auf die Spitze zu bringen:
    In der Fruehzeit der InFue ca ’58 bis ’80 war der Begriff ‚Vorbild‘ verpoent, (poena) weil er mit NAZI-Spruechen in Verbindung gebracht wurde.
    Deshalb wurde der Begriff ‚Beispiel‘ in den Pflichtenkodex aufgenommen …..

  45. Nach der Diskussion um K98k, Knobelbecher und Weißzeug beim Wachbataillon (und ja dann konsequenterweise auch bei den Feldjägern, die den 2. DS der IBUK bewachen und für sie Eskorte fahren) sollte dann aber schleunigst über die Umbenennung der Panzergrenadiertruppe diskutiert werden, denn diese wurde ja schließlich im 2. WK von Guderian geschaffen…
    ***Sarkasmus aus***

  46. @all

    Drehen wir uns langsam im Kreise hier? Wirkt schon ziemlich so. Oder ist noch nicht von allen was gesagt?

    @ Wa-Ge

    Na, wieder ein Vorwand fürs beliebte Medienbashing… Also, ich habe dort auch einen Biertresen gesehen, und auch paar Exponate, die eher in WK I-Richtung gingen. Daraus zu konstruieren, die Medien hätten vorsätzlich nur einen Teil gezeigt, ist ja ein wenig Spiegelfechterei. Oder hätte jemand die Großaufnahme vom Biertresen sehen wollen?

    Natürlich haben alle, da bin ich keine Ausnahme, sich auf das konzentriert, was zur Debatte stand, und diese Beispiele gezeigt. Dass das keine umfassende Berichterstattung wäre, ist nahe an der Aussage, dass mehr als 100.000 Soldaten einen einwandfreien Dienst machen, aber keiner schildert den Hauptgefreiten Dosenkohl, wie er vorbildlich seinen Schützenpanzer wartet!

  47. @Golf Echo 83

    Zustimmung

    @Hans Dampf

    Warum die Dinge so sind wie sie sind, kann man erklären, doch müssen sie in unserem Bereich (Bw) so bleiben.

    Auch sie verwechseln anscheinend Geschichte mit traditionswürdig.
    Gerade weil ich nicht geschichtsbergessend bin, würde ich mich freuen wenn wir eine positive, der Freiheit wertschätzende Tradition bekämen.

    Deutschland ist es wert verteidigt zu werden, wegen seiner jetzt lebenden Menschen und Werte, in Recht und Freiheit.

  48. @Klaus-Peter Kaikowsky  

    Wären die Ratten von Tobruk kein Vorbild?

    Wo liegt das Problem an Blücher spez InFü, Scharnhorst, Gneisenau?

    Ich habe ein Problem mit dem handwerklichen Helden ohne Kontext das ist mir zu Nahe an Nur Befehle befolgt.

    Helmut Schmidt abzuhängen weil Wehrmachtsuniform, ist IMNSHO nahe an die Geschichte wird umgeschrieben.
    Gerade in seiner Wehrmachtsuniform und als Hamburger Senator sollte Helmut Schmidt dort hängen.
    Im einen Fall weil er es war, im anderen Fall weil er den Mut besaß das Grundgesetz nicht zu öffnen, um zu tun was notwendig war um Menschen zu retten.

  49. @Frodo | 12. Mai 2017 – 21:26

    +1!

    Das Ganze ist so dermaßen lächerlich. Sollen wir glauben, dass Helmut Schmidt nur zum Namensgeber einer Bundeswehr-Einrichtung wurde, weil er so ein toller Zivilist war? Dass hier die Verbindung zur Bundeswehr und der Vorbildcharakter für junge Soldaten (!) nicht erst daraus entsteht, dass Schmidt selbst ein junger Offizier gewesen war, bevor er zum Politiker wurde?

    Ich bin sicher, dass auch den Studenten der HSU nicht entgehen kann, dass sie hier für dumm verkauft werden.

    [Wer will jetzt wen für dumm verkaufen? Wurde Helmut Schmidt zum Namensgeber einer Bundeswehr-Einrichtung, weil er Soldat in der Wehrmacht war? Ihnen ist bekannt, dass er auch Verteidigungsminister war? T.W.]

  50. @ Zimdarsen

    Das Alte ist in diesem Zusammenhang nicht richtig oder falsch, sondern erstmal einfach nur alt. Ein Artefakt aus der Vergangenheit ist ein symbolhafter Zugang zu dieser, und zwar für die meisten Menschen ein sehr wirkmächtiger. Das funktioniert in jedem Bereich so, egal welche Wertung Sie da anschließend aufsetzen. Beispiele: Museen, Gedenkstätten, Oldtimer.

    @ Golf Echo 83

    Ich halte wenig davon, die Soldaten zu unterschätzen, aber gehen wir mal davon aus, es gebe eine gewisse, geringe Zahl von Leuten, die in diesen „Museumsstücken“ tatsächlich unreflektiert eine Tradition zum „Dritten Reich“ erblicken und diese womöglich bejahen, selbst wenn – und das ist ja eine Maßnahme, die durchaus erwägenswert ist – mehr als bisher auf die Darstellung des historischen Kontext geachtet wird. Was ist dann der Schaden? Dass diese Leute dann offenen Visiers agieren? Daran kann ich nicht das Problem sehen, denn dadurch kann man sich mit ihnen auseinandersetzen.

    „Die aktuellen Vorgänge innerhalb der Bundeswehr bezüglich der Entfernung von Bildern etc. finde ich allerdings bedauerlich.[…] Sinnvoller wäre meines Erachtens eine Inventur zu machen und dann die „Urheber“ oder Bewohner / Benutzer der jeweiligen Räumlichkeit dazu aufzufordern mal zu recherchieren was sie da überhaupt sehen und danach abzuklären ob sie selbst noch der Ansicht sind das es bleiben soll oder nicht.“

    Absolut, aber genau das geschieht doch eben nicht. Und wie angedeutet, es ist auch einfach weltfremd, so zu tun, als hätte man hier einen Skandal aufgedeckt. Wehrmachtsdarstellungen gehören international mittlerweile zum Symbolschatz der Popkultur, besonders bei (in der Regel männlichen) jungen und weniger jungen Gamern. Da ist ein unbefangener Umgang, bei dem man meiner Erfahrung nach nicht befürchten muss, dass sich die Gehirne mit Ewiggestrigem infizieren.

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