Helmut Schmidt und das Uniform-Bild: Uni-Präsident lädt zum Gespräch (Nachtrag)

Nachdem Augen geradeaus! am (gestrigen) Donnerstag als erstes Medium über die Entfernung eines Bildes an der Hamburger Bundeswehr-Universität berichtet hatte, das den Namensgeber Helmut Schmidt in Wehrmachtsuniform zeigt, haben am Freitag viele Medien nachgezogen – und das hat zu einer recht emotionalen, auch öffentlichen, Debatte geführt.

Der Präsident der Universität, Wilfried Seidel, reagierte darauf am Freitag mit zwei Rundschreiben an alle Angehörigen der Helmut-Schmidt-Universität, die Augen geradeaus! vorliegen. Darin wendet er sich dagegen, den späteren Verteidigungsminister und Bundeskanzler Helmut Schmidt auf seine Zeit in der Wehrmacht zu reduzieren und ihn in Wehrmachtsuniform als Vorbild zu sehen: Das Tragen der Uniform der Bundeswehr und der Uniform eines Unrechtsregimes bilden keine Gemeinsamkeit. Seidel bot zudem  allen Studierenden der Bundeswehr-Universität ein Gespräch an, auch um etwaige Missverständnisse auszuräumen.

Nachtrag: Das erste Rundschreiben liegt mir erst seit Samstag vor; hier zur Dokumentation beide Bulletins des Universitätspräsidenten:

• Erstes Bulletin

Sehr geehrte Damen und Herren,
im Zuge der Berichterstattung über den Fall des beschuldigten Oberleutnants Franco A. sind immer wieder auch die Universitäten der Bundeswehr erwähnt worden. Vor allem ist dabei auf eine Studie des Sozialwissenschaftlichen Instituts der Bundeswehr aus dem Jahr 2007 Bezug genommen worden, in der die politische Einstellung von Studierenden untersucht wurde.
Ein Ergebnis der Studie war auch, dass sich diese damals nicht signifikant vom Bevölkerungsdurchschnitt unterschieden hat. Einer Vorverurteilung oder gar einem Generalverdacht widerspreche ich entschieden.
Gleichwohl haben die Vorgänge rund um den Fall des beschuldigten Oberleutnants Franco A. eine so hohe Brisanz, dass es aus meiner Sicht erforderlich ist, genauer hinzuschauen. Entgegen der Äußerung eines früheren Universitätsmitgliedes hat Franco A. nicht an der HSU studiert. Das entbindet uns aber nicht von der Verpflichtung zum sorgfältigen Umgang mit diesem Thema.

Der Generalinspekteur der Bundeswehr hat in der vergangenen Woche alle Dienststellen der Bundeswehr angewiesen, ihre Liegenschaften auf Gegenstände zu überprüfen, die vom Traditionserlass der Bundeswehr berührt sein könnten. Diese Bestandsaufnahme, von der auch wir nicht ausgenommen sind, war bis heute abzuschließen. Die Disziplinarvorgesetzen, die alle Gemeinschaftsräume in den Wohnheimen der Studierenden besichtigt haben, fanden dabei keine Hinweise auf rechtsextreme Gesinnung.
Vor allem Online-Medien haben gestern und heute darüber berichtet, dass die Helmut-Schmidt-Universität angewiesen hätte, ein Foto zu entfernen, das unseren Namensgeber in Wehrmachtsuniform zeigt.
Das trifft zu. Der zuständige Disziplinarvorgesetze hat den Studierenden der fraglichen Wohnebene nahegelegt, eine weniger missverständliche Darstellung unseres Namensgebers zu wählen.
Es mag aus Sicht der studierenden Offizieranwärter und Offiziere gute Gründe für die gewählte Darstellung geben. Ich teile jedoch die Einschätzung des Disziplinarvorgesetzten, das Abhängen des Bildes zu veranlassen. Das Tragen der Uniform der Bundeswehr und der Uniform eines Unrechtsregimes bilden keine Gemeinsamkeit.
Die Tatsache, dass die aktuellen Bewohner dies Bild nicht selber aufgehängt, sondern von früheren Generationen übernommen haben, mag als bloße Gedankenlosigkeit gewertet werden. Diese halte ich aber – insbesondere vor dem Hintergrund der oben beschriebenen Geschehnisse – für gefährlich.
Ich habe daher den Leiter des Studierendenbereichs angewiesen, Gespräche zwischen Vorgesetzten und Studierenden zu initiieren, um die Motivationslage der Soldaten auszuloten.
Prof. Dr. Wilfried Seidel

• Das zweite Bulletin:

Liebe Kommilitoninnen und Kommilitonen,
sehr geehrte Damen und Herren,
es ist mir wichtig, hervorzuheben, dass sich die Universität in keiner Weise von ihrem politischen Gründungsvater und Namenspatron distanziert.
Wir alle schätzen Helmut Schmidt für seine politischen Leistungen als Hamburger Innensenator, Verteidigungs- und Finanzminister, Bundeskanzler und „Elder Statesman“. Dafür trägt die Universität seinen Namen, und darauf sind wir stolz.
Die vom zuständigen Disziplinarvorgesetzten verfügte Entfernung des Fotos, das Helmut Schmidt auf seine Zeit als Offizier der Wehrmacht reduziert, hat in der Studierendenschaft und in der öffentlichen Meinung ein geteiltes Echo gefunden.
Ich werde kurzfristig mit Vertretern der Studierendenschaft zu einem Round Table-Gespräch zusammenkommen, um im Dialog die Positionen auszutauschen und etwaige Missverständnisse auszuräumen.
Mit freundlichen Grüßen
Prof. Dr. Wilfried Seidel

Die Studierenden hatten auf die Anordnung des Leiters des Studienfachbereichs A, das Foto im Flur eines Wohngebäudes zu entfernen, mit der oben abgebildeten Notiz reagiert. Zuvor hatte an der Stelle dieses Bild gehangen:

Wie schon gestern stellen sich für mich bei diesem Vorgang zwei Fragen: Ist für die Bedeutung Helmut Schmidts für die Bundeswehr und Deutschland seine Zeit in der Wehrmacht das Maßgebliche? Und: Hat der Vorgesetzte, der die Entfernung dieses Bildes befohlen hat, vielleicht überlegt, genau diesen Punkt für eine Debatte zu nutzen und dabei auch die Frage zu stellen, ob nicht ein anderes Foto von Schmidt die Gemeinsamkeit zwischen dem Namensgeber und den studierenden Offizieren und Offiziersanwärtern besser zum Ausdruck gebracht hätte?

An dieser Stelle auch noch der Hinweis zu weiteren, in diesem Zusammenhang diskutierten Ereignissen oder Nicht-Ereignissen: Nein, es gibt keine Überlegungen, das Eiserne Kreuz der Bundeswehr als Hoheitszeichen abzuschaffen – ich habe eigens deswegen am Freitagabend beim diensthabenden Sprecher des Verteidigungsministeriums nachgefragt. Und der Vorgang Liederbuch der Bundeswehr: Da wurde bereits im Januar, wie auch Spiegel Online berichtet und vom Ministerium bestätigt wurde, der Auftrag zur Überarbeitung erteilt; das Buch wurde nicht verboten.

(Wie bei diesem Thema leider nötig, werden alle Kommentare moderiert.)

(Fotos: privat)

165 Gedanken zu „Helmut Schmidt und das Uniform-Bild: Uni-Präsident lädt zum Gespräch (Nachtrag)

  1. Aaargh, den nächsten, der schreibt, das „jetzt das Liederbuch verboten wurde“ o.ä., den würfe ich am liebsten gleich achtkantig raus. Weil es nämlich nur zeigt, dass er entweder oben den Text nicht lesen konnte (da steht nämlich, dass die Überarbeitung im Januar angeordnet wurde, dass es nicht verboten wird, sondern vorerst in Gebrauch bleibt, und dass es zu den aktuellen Vorgängen keinend direkten Bezug hat) oder nicht lesen will. Und beides ist hier unpraktisch.

  2. @DIN A4 | 12. Mai 2017 – 23:38
    „Wer will es dem Leiter Studentenfachbereich verdenken hier genau so gehandelt zu haben weil die Führung es (offenbar!) so wünschte.“

    ICH! Ich will es ihm verdenken!

    Ich erwarte von einem Vorgesetzten, der jungen Offz/OA führt sowohl historische Bildung, als auch ein umfassendes Verständnis der Regeln der InFü.

    Junge Offz/OA muss man prägen, formen und zu Verantwortungsfreude erziehen. Sie zu Duckmäusern zu erziehen, die vor sich selbst und allem Angst haben ist ein Vergehen gegen die Zukunft unserer Armee!

    Wobei ich ehrlich gesagt zugeben muss, dass der Ltr StudFBer vermutlich auch eher der Getriebene ist. Der Ltr StudBer und/oder der Präsident dürften das ursprünglich verbockt haben :(

  3. @Michael H, @Oliver Petri „militärische Tugenden“:

    Wenn militärische Tugenden in den Dienst einer falschen Sache gestellt werden, dann entwertet das diese Tugenden.

    @Michael H „Sind Pflichtbewusstsein, Tapferkeit, taktische Raffinesse denn in der modernen Bundeswehr unerwünscht?“

    Blindes Pflichtbewusstsein und blinde Tapferkeit sind unerwünscht.
    Für einen Bundeswehrsoldaten genügt es nicht, einfach nur pflichtbewusst und tapfer zu sein und sein Handwerk zu beherrschen. Sondern er muss Verantwortung dafür mittragen, dass seine Tugenden nicht missbraucht werden.

    Gerade deswegen ist es aber kontraproduktiv, jetzt einfach alles abzuhängen, das irgendwie mit der Wehrmacht zu tun hat.
    Was die Bundeswehr leisten muss, ist, solche Erinnerungsstücke dazu zu nutzen, zum Nachdenken und Diskutieren anzuregen.

    Dieses Nachdenken ist anstrengend, weil es Spannungsverhältnisse offenbart, in denen ein Bundeswehrsoldat steht. Wie vieles, das anstrengend ist, ist es aber lohnend.

    Das Interessante ist nun, dass beide Seiten diese Anstrengung scheuen, die ist-doch-alles-ganz-normal-Fraktion genauso wie die wir-lassen-alles-verschwinden-Fraktion.

  4. @ Wuehlmaus | 13. Mai 2017 – 6:29

    Zugegeben, der Begriff war bewusst provokant gewählt, weist er doch allen Deutschen pauschal eine Kollektivschuld zu, methodisch ähnlich dem Generalverdacht, den Frau von der Leyen gegenüber allen Soldaten geäußert hat. Ein kritischer Blick auf diesen Begriff ist sehr angebracht.

    An der Person Helmut Schmidt kann man differenziert darüber diskutieren. Schmidt war als Wehrmachtsoffizier Teil des Apparates, der die NS-Verbrechen möglich gemacht hat. Er hätte sich dem entziehen können, z.B. durch Auswanderung. Hat er aber nicht getan. Somit hat Schmidt den Verbrechen Hitlers gedient, obwohl er selbst solche Verbrechen wohl nie begangen hätte. In diesem Kontext war Schmidt Teil eines Kollektivs, was sich schuldig gemacht hat, plakativ: Tätervolk.
    Trotzdem wurde aus Helmut Schmidt eine hoch geachtete Persönlichkeit. Nach heutigen Maßstäben hätte er das nie werden können.

    Hier wäre nun wieder ein Schwenk in die Gegenwart angebracht: Bei den Gedenkfeierlichkeiten zum 20. Juli überschlagen sich zivile und uniformierte Eliten immer darin, sich in die Tradition der Widerstandskämpfer zu stellen. Theoretisch ist man ach so ethisch moralisch gefestigt, hat einen funktionierenden Werte-Kompass und würde Unrecht nie zulassen. Die Entstehung von Unrecht ist aber ein schleichender Prozess und Widerstand dagegen beginnt nicht mit Bombenattentaten, sondern mit kuragierter Ausübung von Verantwortung im Alltag.

    Der aktuelle Bildersturm in der Bundeswehr ist ein Fall, in dem viele Politiker, Beamte und Offiziere Zivilcourage zeigen müssten. Natürlich ist es schwer, sich für etwas einzusetzen, was leicht in eine braune Nähe gerückt werden kann, insbesondere wenn öffentlich verkürzend diffamierend diskutiert wird. Es gibt gesellschaftlich aber keine Alternative dazu, weil sonst die Werte der Aufklärung erodieren.
    Da ist dann schnell jeder, der aus guten differenzierten Gründen das NS-Bild von Schmidt verteidigt, pauschal in der Naziecke. Selbst in einem Fachblog wird man aufgefordert, zu verschwinden und zu „Gesinnungsgenossen“ zu gehen – selbst da wird der Sachverhalt nicht durchdrungen.

    [Jetzt reicht’s langsam wirklich mit Ihrer selektiven Wahrnehmung. Sie wissen sehr wohl, warum ich Sie so angegangen bin: In einem Satz vom faschistischen Mittel des Bildersturms zu sprechen und im übernächsten Satz die Verteidigungsministerin an der Spitze der Bilderstürmer zu sehen, soll ganz klar insinuieren: Diese Ministerin bedient sich der Methoden der Faschisten. Diesen Quatsch lasse ich Ihnen nicht durchgehen, von wegen „selbst da wird der Sachverhalt nicht durchdrungen“. Sie haben sich damit endgültig disqualifiziert und werden hier nicht mehr posten. T.W.]

  5. Der Mensch Helmut Schmidt wird in diesem Blog offensichtlich von niemandem in Frage gestellt.

    Daher mag es in der Debatte helfen, Helmut Schmidt zu Wort kommen zu lassen. Anbei einige Auszüge aus einem Interview mit Helmut Schmidt von 2012 im ZeitMagazin:

    1.“…ZEITmagazin: Hatte Ihre Generation nach dem Krieg das Gefühl, etwas wiedergutmachen zu müssen?

    Schmidt: Der Ausdruck „etwas wiedergutmachen“ ist ein bisschen schwierig. Aber viele ehemalige Kriegsteilnehmer haben es aufgrund ihrer Erfahrungen als ihre Pflicht angesehen, sich für den Frieden einzusetzen.

    ZEITmagazin: Waren sie erfolgreich?

    Schmidt: Kann man so sagen; jedenfalls haben die großen europäischen Staaten es mithilfe der Amerikaner geschafft, seit mehr als sechzig Jahren keinen Krieg mehr gegeneinander zu führen. Das ist ein Novum.

    ZEITmagazin: Würden Sie sagen, dass die Deutschen zu einem friedfertigen Volk geworden sind?

    Schmidt: Ja, wir sind ein teilweise sogar pazifistisches Volk geworden.

    ZEITmagazin: Erfüllt Sie das mit Genugtuung?

    Schmidt: Ja….“

    2. „….ZEITmagazin: Seit wann wussten Sie Bescheid?

    Schmidt: Nach dem Krieg erfuhr ich von der Ermordung von sechs Millionen Juden. 1966 bin ich zum ersten Mal nach Israel und nach Jad Vaschem gegangen. Ich war auch der erste Bundeskanzler, der nach Auschwitz gegangen ist. Ich habe dort eine Rede gehalten, die mit den Worten anfing: „Eigentlich gebietet dieser Ort zu schweigen. Aber ich bin sicher, dass der deutsche Bundeskanzler hier nicht schweigen darf.“ Ich war sehr bewegt…“

    3. „…ZEITmagazin: Hat sich der deutsche Bundeskanzler geschämt?

    Schmidt: Nein, ich war ein Betroffener. Mein Vater war ein sogenannter Halbjude, ich war ein sogenannter Vierteljude; das ist der Wortgebrauch, den die Nazis eingeführt haben.

    ZEITmagazin: Haben Sie sich damals nicht als Vertreter des Volks der Täter gefühlt?

    Schmidt: Nein. Ich bin auch dagegen, die Deutschen schlechthin als ein Tätervolk zu bezeichnen…“

  6. Eigentlich doch eine glasklare Sache: die Art und Weise der Darstellung des Bildes entspricht nicht den Vorgaben des Traditionserlasses und ist damit zu unterlassen.

    Der gute Grund, weshalb man nicht einfach umkommentiert und ohne historischen Gesamtzusammenhang Helmut Schmidt in Wehrmachtsuniform auf dem Flur einer Bundeswehruniversität drapieren sollte, wurde dann ja von den studierenden Offizieren per Bild gleich nachgeliefert. Diese wollen dann nämlich Gemeinsamkeiten zwischen sich und Helmut Schmidt erkennen und herausstellen: das Tragen der Uniform. Die Unterschiede rücken dann ins zweite Glied. Heißt also, ob Wehrmachts- oder Bundeswehruniform ist dabei nicht so wichtig – Offiziersein ist überzeitlich. Und ob man als Offizier im NS-Vernichtungskrieg gekämpft hat, oder für Demokratie, Menschenrechte, Frieden und Freiheit, ist bei der Gemeinsamkeit des Uniformtragens auch zweitrangig. Solch ein verqueres Denken entsteht, wenn man Geschichte nicht kritisch reflektiert, sondern zusammenhanglos idealisiert.

  7. @Ein Leser

    „…Blindes Pflichtbewusstsein und blinde Tapferkeit sind unerwünscht.
    Für einen Bundeswehrsoldaten genügt es nicht, einfach nur pflichtbewusst und tapfer zu sein und sein Handwerk zu beherrschen. Sondern er muss Verantwortung dafür mittragen, dass seine Tugenden nicht missbraucht werden…“

    1. Sie haben zu 100 Prozent Recht!
    2. Es ist nicht so einfach sich als einfacher Soldat nicht mißbrauchen zu lassen bei der Unübersichtlichkeit der Kriege und deren Begründungen.
    3. Auch die politische Klasse trägt eine extrem große Verantwortung dafür, dass deutsche Soldaten nicht mißbraucht werden. Zwei Beispiele aus den letzten Jahren, die nachdenklich machen können, wenn man (die politische Führung) ehrlich mit sich selbst ist:

    a. Der Kosovokrieg wurde ohne UN-Mandat geführt. Nach Ansicht vieler Völkerrechtler war dieser Krieg daher völkerrechtswidrig. Selbst der ehemalige Kanzler Gerhard Schröder hat in einem Interview später gesagt, dass der Krieg völkerrechtswidrig war. (Kann man leicht googeln)
    Wie sollte der einzelne Soldat in so einer Situation besser wissen als Völkerrechtler was Recht und Unrecht ist?

    b. Die Beteiligung der Bundeswehr am Krieg in Syrien. Das folgende Zitat ist aus Spiegel-online:
    „…Ist der deutsche Anti-IS-Einsatz juristisch in Ordnung? Der Völkerrechtler Daniel-Erasmus Khan hegt große Zweifel. Der Professor der Münchner Bundeswehr-Uni wirft der Politik mangelnde Sorgfalt und Verantwortung vor…“

    Dieser Völkerrechtsprofessor, der sogar an der Universität der Bundeswehr lehrt, „hegt große Zweifel“ an der juristischen Zulässigkeit des Syrieneinsatzes. Wie soll der Soldat es besser wissen?

    c. Ich stelle noch eine Frage: In Saudi-Arabien werden Frauen nach wie vor gesteinigt wegen Ehebruchs. Menschen werden hingereichtet weil sie sich vom Islam abwenden. Wie kann es sein, dass wir mit einem solchen Koalitionspartner in einem gemeinsamen Krieg kein Problem haben? Und die Ministerin wird in Saudi-Arabien mit militärischen Ehren empfangen, von der Armee, die dieses Regime schützt. Alles Fragen, die auch mit der Inneren Führung zu tun haben.

    Unter dem Strich:
    Innere Führung ist weit mehr als die Verurteilung der „taktischen“ Zwischenfälle auf der Truppenebene, die wir zur Zeit debatieren. Innere Führung ist in zuerst eine politische Verantwortung und sie beginnt mit der zweifelsfreien rechtlichen und ethischen Legitimation eines jeden Einsatzes. Ansonsten kann der Soldat seinen potenziellen „Mißbrauch“ nicht erkennen.
    Vielleicht haben die Bundeswehr und das Parlament auch bei diesem grundsätzlichen Thema der Inneren Führung Nachholbedarf?

    Schaun wir mal ob die Politik auch ihre Verantwortung im Bereich Innere Führung überprüft und ggfs. klarstellt.

  8. Leider kommt in dieser Bulletin nicht vor, dass der Präsident und der Vorgesetzte angeboten haben ein anderes Foto von unserem Namensgeber aufzuhängen. Dies stand nämlich in einer vorherigen Rundmail. Solche inneruniversitären Inhalte verkürzt an die Öffentlichkeit zu lancieren finde ich völlig unangebracht. Sehr schade, wie so etwas dem guten Ruf der HSU schadet.

  9. @India Romeo

    Ehe Sie hier das Gerücht in die Welt setzen mit Ihrer Behauptung, ich würde „inneruniversitäre Inhalte verkürzt an die Öffentlichkeit bringen“: Ich habe die komplette E-Mail, wie Sie mir vorliegt, hier veröffentlicht. Wenn die gegenüber einer früheren Rundmail verkürzt wurde, bitte ich das nicht mir anzulasten. Das wäre nämlich sehr schade, wie das dem guten Ruf der HSU schaden würde.

    Wenn jemand diese vorherige Rundmal hat: Immer gerne.

  10. @T.Wiegolf
    Das ist nicht gegen sie gerichtet, sondern gegen diejenigen, die ihnen nur einen Teil der Inhalte zugespielt haben. Die Mail, die ihnen vorliegt, ist die zweite Mail des Präsidenten. Mir liegt die erste Mail vor, jedoch werde ich mich nicht an der Weitergabe dieser Inhalte beteiligen.

  11. @JPG | 13. Mai 2017 – 11:36
    „Eigentlich doch eine glasklare Sache: die Art und Weise der Darstellung des Bildes entspricht nicht den Vorgaben des Traditionserlasses und ist damit zu unterlassen.“

    Ich habe noch nicht einmal ansatzweise eine Ahnung, wie Sie zu dieser Bewertung kommen.

    Ob es geschmackvoll und klug war oder nicht, darüber kann man ja unterschiedlicher Meinung sein (ich z.B. bin es), aber natürlich war das Aufhängen im Rahmen der Vorgaben des Traditionserlasses zulässig!

    @India Romeo | 13. Mai 2017 – 12:08
    „Leider kommt in dieser Bulletin nicht vor, dass der Präsident und der Vorgesetzte angeboten haben ein anderes Foto von unserem Namensgeber aufzuhängen.“

    Entschuldigen Sie, aber das macht es nur wenig besser!

    1. Hier ging es um eine Wohnebene, also ein zwar dienstlicher Bereich, aber einer der auch (!) dem persönlichen Umfeld zuzurechnen ist, deren Ausgestaltung also ausdrücklich (so sieht es u.a. die Vorschriftenlage vor) unter Beteiligung und der (angemessenen) Berücksichtigung der Wünsche der „Nutzer“ erfolgt.

    2. Daraus resultiert natürlich NICHT, dass die studOffz/OA da machen können was sie wollen, aber solange es im Rahmen der Vorschriftenlage zulässig ist (und das ist es zweifelsohne), wäre es ein seltsames Verständnis von Innerer Führung, wenn man ihnen ihren Geschmack „befehlen“ könnte.

    3. Darüber hinaus: selbst wenn wir die Maßstäbe des Traditionserlasses vollumfänglich anwenden (und es nicht unter die Maßgabe „Verschönerung“ mit weiteren Parametern einordnen), selbst dann soll Tradition ja ausdrücklich „aus der Truppe heraus erfolgen.

    Es ist also gar nicht Aufgabe des Präsidenten und/oder des Ltr StudBer hier verengende Vorgaben zu machen.

    Zudem finde ich es inhaltlich auch falsch. Welche bessere Möglichkeit gibt es einem jungen studOffz/OA einen Traditionsgeber in seinem persönlichem („Wohn“-)Umfeld darzustellen, als in einer vergleichbaren Lebenslage?!

    „Sehr schade, wie so etwas dem guten Ruf der HSU schadet.“

    Die UniBwH/HSU hat sich hier sicherlich selbst geschadet (und m.E.n. nicht nur nach außen, sondern vermutlich auch in der Innenwirkung ggü. ihren studOffz/OA)!

  12. Guten Morgen!
    Dank für die angeregte Diskussion an alle!
    Dieser Blog ist wirklich jeden € wert.

  13. Ich bin erschrocken über das mangelnde Geschichts- und Politikbewusstsein, das einige Kommentatoren hier an den Tag legen. Da wird teilweise relativiert, fein ziseliert unterschieden zwischen der Wehrmacht als Institution und den Taten Einzelner. Da werden Dinge aus dem Zusammenhang gerissen und nicht historisch und politisch eingeordnet.

    Wer hier von einem „Bildersturm“ spricht, verkennt schlicht, worum es bei dem Vorgehen des BMVg eigentlich geht: Das Bild der Bundeswehr als Armee in einem demokratischen Rechtsstaat – auch im internationalen Kontext – zu konkretisieren und wenn nötig zurechtzurücken.
    Die Vorgänge in den letzten Monaten, auch schon vor der Causa Franco A., zeigen, dass da offensichtlich Handlungsbedarf in Sachen Abgrenzung nach Rechts, völkischem Gedankengut und schlicht kriminellen Handlungen gibt. Es sind gerade solche (Einzel-)Fälle und der falsche Umgang mit ihnen innerhalb der Truppe, die deutlich zeigen, dass etwas im Argen liegt.

    Ich empfehle hier einen Kommentar von Torsten Krauel auf Welt online am 12.05.2017 und seiner Schlussfolgerung der ich mich nur anschließen kann:

    „Joachim Gauck ist erstmals nach Oradour-sur-Glane gefahren, als erster Bundespräsident überhaupt, noch gerade rechtzeitig, um den letzten Überlebenden des SS-Massakers dort die Hand zu reichen. Das ist die offizielle Haltung des Staates und seiner Armee. Wer eine andere hat, kann vieles werden, aber nicht Soldat. Die Bundeswehr ist kein alternativer Geschichtsklub.“

    PS
    Die Schlussfolgerung gilt nicht nur für den konkreten Einzelfall Oradour-sur-Glane und Waffen-SS, sondern auch für die Wehrmacht. Komme mir jetzt bitte keiner mit einer Differenzierung zwischen Waffen-SS und Wehrmacht. Das würde nur meinen Vorwurf der Relativierung stützen!

  14. Hier besteht die Gefahr, jetzt das Kind mit dem Bade auszuschütten. Wenn das Abhängen des Bildes von Helmut Schmidt den studierenden Offizieren und Anwärtern einen richtigen Weg zeigen soll, frage ich mich, was das für Studierende sein sollen? Die haben doch alle Abitur, sind volljährig, dürfen mit Wahlen die Parlamente bestimmen, usw. Aber sie sollen sich nicht mit einem Soldatenbild in Wehrmachtsuniform beeinflussen lassen. Oh je! Wenn hier eine Krümelpickerei in Wehrmachtsvermächtnissen, 72 Jahre nach deren Ende, angeschoben wird, dann aber richtig: Weg mit dem Gleichschritt, weg mit Dienstgraden, weg mit dem milit. Gruß (der heute teilweise lächerlich auch von Generalen dargeboten wird) und auch weg mit dem Essbesteck, denn auch das benutzte die Wehrmacht.

  15. Schade finde ich diese Art von „Bilderstürmerei“. Gerade wenn es sich um offenkundige Vorbilder handelt, wie es der Mensch und Politiker Helmut Schmidt war und ist. Und er war nun auch in seinem Leben LwFlak-Oberleutnant… gehört dazu, finde ich. Das ist ein Teil seines Lebens, ähnlich wie beim Oberleutnant (Heeresflak) Franz Josef Strauß.
    Und wenn im heutigen SPIEGEL zu lesen ist, dass auch das Bild des Generals Kurt von Hammerstein-Equord, einem erwiesenen NS-Gegner, aus dem Offizierskasino der Panzerlehrbrigade 9 in Munster entfernt wurde, dann stellen sich mir Fragen nach der militärischen Haltung, der menschlichen Kompetenz und dem denkbefreiten Opportunismus der dortigen Einheitsführer.

  16. @all

    In den Kommentaren wurde darauf hingewiesen, dass es vom Präsidenten der Helmut-Schmidt-Universität zwei Rundschreiben zu diesem Thema gab. Inzwischen habe ich auch das andere, erste Rundschreiben vorliegen und oben als Nachtrag eingefügt.

  17. @Andreas Wolf | 13. Mai 2017 – 13:54
    „Und wenn im heutigen SPIEGEL zu lesen ist, dass auch das Bild des Generals Kurt von Hammerstein-Equord, einem erwiesenen NS-Gegner, aus dem Offizierskasino der Panzerlehrbrigade 9 in Munster entfernt wurde, dann stellen sich mir Fragen nach der militärischen Haltung, der menschlichen Kompetenz und dem denkbefreiten Opportunismus der dortigen Einheitsführer.“

    Detailskorrektur: ich vermute es war nicht die Ebene der Einheitsführer, die dies veranlasst hat.

    Inhaltlich: Erschütternd, aber nicht unerwartet.

    Die IBuK löst Angst und Schrecken aus… Das war schon seit Beginn ihrer Amtszeit auf oberen Ebenen so und jetzt kommt es in der Truppe an :(

    Ich kann ein solches Verhalten zwar persönlich nicht billigen, aber unerwartet ist es leider nicht. Angst essen Seelen auf…

  18. @ Roccy | 13. Mai 2017 – 7:45:

    Mein Wissen diesbezüglich könnte zwar auch schon etwas veraltet sein, aber wenn ich richtig informiert bin, ist die Wahl eines Namenspatrons immer noch Usus. Allerdings muss der oder die Betreffende nicht zwangsläufig dem Widerstand angehört haben.

    Der 82. OAJ beispielsweise hat sich für den im Dritten Reich relativ unauffällig gebliebenen Theodor Blank entschieden: https://www.reservistenverband.de/custom/download/Downloads_2015/DeutschesHeer_Leutnantsbuch_82_Offiziersanwaerterjahrgang.pdf

    (S. 366 ff.)

  19. Die erste Mail (herzlichen Dank für den Nachtrag) macht die ganze Sache in meinen Augen nicht besser. Es ist mir beim besten Willen nicht begreiflich, was an dem Bild „mißverständlich“ sein soll. Ein „Mißverständnis“ kann doch wohl bestenfalls entstehen, wenn sich irgendwer vorgaukeln ließe, Helmut Schmidt sei primär als Wehrmachtsoffizier bekannt gewesen, und den Studenten eine derartige Dummheit zu unterstellen, ist völlig abwegig.

    Anders gesagt könnte man vielleicht schelmisch formulieren, es ginge dem Präsidenten selber gerade darum, ein Mißverständnis zu erzeugen, nämlich das Mißverständnis, Helmut Schmidt hätte mit der Wehrmacht gar nichts zu tun gehabt. Hatte er aber nun mal, und nicht nur als eingezogener Muschkote. Von daher geht auch der Vorschlag eines Ersatzbildes intellektuell ins Leere: Entweder ist der Mensch Helmut Schmidt als Vorbild geeignet – dann kann sich das wohl kaum dadurch ändern, dass er einst in Wehrmachtsuniform abgebildet wurde. Oder er ist durch seinen Dienst in der Wehrmacht unrettbar kompromittiert, dann gehört die Universität umbenannt und die Vorbildfunktion Schmidts gestrichen. Ich denke nicht, dass das so ist.

    Bleibt der Einwand, das Zeigen dieses Bildes ohne entsprechenden Kontext sei eine unzulässige Verkürzung. Ich habe da immer noch Zweifel, die ich ja oben anhand einer Analogie dargelegt habe, aber wie wäre es mit folgendem Vorschlag zur Güte (abhängig von den räumlichen Gegebenheiten, die ich nicht vor Augen habe):
    Das Bild von Schmidt in Wehrmachtsuniform wird wieder aufgehängt, aber innerhalb einer Reihe von 5-6 Bildern, die den Lebensweg des Mannes mit besonderem Bezug zur deutschen Militärgeschichte beleuchten.
    Beispielsweise: Schmidt als Wehrmachtssoldat – Schmidt als Reservist der Bundeswehr – Schmidt mit Soldaten nach der Sturmflut 1962 – Schmidt als Verteidigungsminister – Altkanzler Schmidt hält eine Rede vor Rekruten. Alles mit erklärenden Texttafeln zur biographischen Einordnung. Das wäre ein schönes Projekt für Studenten, das von Vorgesetzten und akademischen Lehrkräften vorgeschlagen und begleitet werden könnte.

  20. @TobyR | 13. Mai 2017 – 17:44
    „Schmidt als Wehrmachtssoldat – Schmidt als Reservist der Bundeswehr – Schmidt mit Soldaten nach der Sturmflut 1962 – Schmidt als Verteidigungsminister – Altkanzler Schmidt hält eine Rede vor Rekruten. Alles mit erklärenden Texttafeln zur biographischen Einordnung.“

    Das wäre sicherlich eine Möglichkeit (die einzige vermutlich) für die UniBwH sich gesichtswahrend aus der Geschichte heraus zuziehen.

    Allerdings verkennt diese Lösung ein Detail: es geht bei der Verschönerung der Wohnebenen nicht um den Ersatz für eine Lehrsammlung.

    Das kann man im Bereich der Universitätsleitung oder auf dem „roten Platz“ der UniBwH/HSU oder wo auch immer machen. Dann ist es auch eine „offizielle“ Ausstellung.

    Für den Bereich der Wohnebenen sollte es eine Entscheidung der studOffz/OA sein, solange sie in Übereinstimmung mit den Vorgaben handeln. Was sie aber ja getan haben, von daher kann das Bild einfach wieder dorthin zurück wo es vorher hing :)

    UND eine solche Bilderfolge sollte man zusätzlich an prominenter Stelle aufhängen (denn bisher ist das trotz der Namensgebung ja nicht der Fall)…

  21. Das Abhängen von Bildern und anderen Gegenständen scheint mir zu kurz zu greifen. Wesentlich zielführender dürfte es sein diese durchgehend mit Erläuterungen – und ggfs. auch „Kontrast-Material“ wie der Darstellung von Unrechtstaten – zu versehen.Dies würde den Kontext zum demokratischen Selbstverständnis der Bundeswehr herstellen. Wenn diese Erläuterungen dann auch noch von den jeweiligen Einheiten selbst erarbeitet werden würden, wäre dies ein ganz praktischer Ansatz für die notwendige Auseinandersetzung mit unserer Geschichte. Dies würde dann auch den Intentionen des Traditionserlasses Rechnung tragen.

  22. In Munster wurde – so ist zu hören – das Bild von Hammerstein-Eqourd abgehangen.

    Es gibt halt doch 4 Arten von Offizieren.
    Nur leider haben offenbar mittlerweile genau die Verantwortung in der Bundeswehr vor denen Hammerstein-Eqourd so eindringlich gewarnt hat… 🤔

  23. Zum Vergleich mit der gegenwärtigen Debatte der Mitschnitt des ZDF Heute Journal 06.01.1981 zur Beerdigung Großadmiral Dönitz

    https://www.youtube.com/watch?v=GMYURCiX0KI

    Bemerkenswert mMn der Umgang mit den Themen „Tradition“, „Ansehen beim ehem. Gegner“ und nicht zuletzt der Stil des ZDF zu jener Zeit.

    PS: „Treue um Treue“ findet sich ebenfalls ..

  24. @ TobyR | 13. Mai 2017 – 17:44

    „Das wäre ein schönes Projekt für Studenten, das von Vorgesetzten und akademischen Lehrkräften vorgeschlagen und begleitet werden könnte.“

    Ich habe hervorragende Techniker als Absolventen der BWHS kennengelernt. Und in der Technik zaehlen Fakten und nicht Meinungen. –
    Koennte es sein, dass die ‚geisteswissenschaftlichen‘ Fakultaeten ( auch der ‚militaerische‘ Teil) ein inhaltliches Problem haben?

  25. @Andreas Wolf | 13. Mai 2017 – 13:54
    „Und wenn im heutigen SPIEGEL zu lesen ist, dass auch das Bild des Generals Kurt von Hammerstein-Equord, einem erwiesenen NS-Gegner, aus dem Offizierskasino der Panzerlehrbrigade 9 in Munster entfernt wurde, dann stellen sich mir Fragen nach der militärischen Haltung, der menschlichen Kompetenz und dem denkbefreiten Opportunismus der dortigen Einheitsführer.“

    Es war zu erwarten, dass die „Säuberungen“ auch vor Widerstandskämpfern nicht halt machen werden. Wenn ein Bild Helmut Schmidts in Wehrmachtsuniform, laut Pressesprecher der Uni, eine unzulässige Traditionslinie zur Wehrmacht darstellt, dann gilt das natürlich auch für Bilder von Stauffenberg, Tresckow und Hoepner.

  26. Nochmal eine ganz allgemeine Anmerkung zum Verhältnis der Bundeswehr gegenüber dem militärischen Widerstand im Nationalsozialismus: Meiner Meinung nach hängt sich die Truppe zu sehr am 20. Juli 1944 auf, obwohl es in der Wehrmacht durchaus auch Helden – ja, Helden – gab, die mit der Stauffenberg- bzw. Tresckow-Gruppe mal so überhaupt nichts zu tun hatten.

    Ich werfe einfach mal ein paar Namen in den Raum: Oberleutnant Heinz Droßel, Oberleutnant/Hauptmann (?) Albert Battel, Hauptmann Hans Hartmann, Hauptmann Wilhelm „Wilm“ Hosenfeld, Major Max Liedtke, Major Eduard Rügemer.

    Und für die Freunde der marinierten Kost: Kapitän zur See Hans Langsdorff.

  27. Ich bin seit einer Weile nur Mitleser, da seit 19 Jahren nicht mehr aktiv. Mich erschuettert jedoch die Hysterie, mit der nun alles, was an die unselige Zeit des 3. Reiches erinnert, ausgetilgt werden soll. Es stellen sich viele Fragen: Spricht man “ Wehrmachtsdevotionalien“ magische Kraefte zu? Verwandelt der Anblick eines Stahlhelms der Wehrmacht unschuldige Bundeswehrsoldaten in Rechtsradikale? Meint man, dass Bundeswehrsoldaten innerlich so ungefestigte Menschen sind, dass es starken Drucks der Hierarchie braucht um zu verhindern dass sie in den Faschismus abgleiten?
    Was sagt diese Hysterie in der obersten Fuehrung ueber das eigene Menschenbild und ueber das Vertrauen in die Faehigkeiten der Soldaten aus?
    Was sagt das wortlose abducken des Offizierskorps ueber das Rueckgrat dieser militaerischen Fuehrer aus? Wie ist diese Abwesenheit von Mut und von unabhaengigem Denken zu erklaeren?
    Wenn „Innere Fuehrung“ im Sinne von De Maiziere noch gelebt und gewuenscht werden wuerde, dann gaebe es jetzt deutliche Worte, auch von den Inspekteuren. Oder freiwilliges Ausscheiden aus dem Dienst.
    Es mutet seltsam an, dass allenthalben und zu recht die Maenner des 20. Juli gepriesen werden, aber gleichzeitig die absurdesten und abwegigsten Zumutungen der derzeitigen politischen Fuehrung untertaenigst und widersprichslos ertragen werden.
    DAS gibt mir zu denken.

  28. @ TobyR | 13. Mai 2017 – 17:44

    1+ Danke!

    Oder unter das Bild des Altbundeskanzlers in Uniform die rede die er anlässlich eines Gelöbnis vor vielen Jahren gehalten hat. Aber dafür müsste die Militär/Politische Führung differenzieren können. Eben das was sie derzeit anderen vorwirft, nicht zu können.

  29. What is psyops?

    The term is used „to denote any action which is practiced mainly by psychological methods with the aim of evoking a planned psychological reaction in other people.

    It is used to induce confessions or reinforce attitudes and behaviors favorable to the originator’s objectives.

    Reeeeeeeeeeeeeeeeeee macht der (mittlerweile wassergekühlte) Verfassungsalarm.

  30. @Patrick Horstmann | 13. Mai 2017 – 13:31

    Der Spiegel vermeldete, dass Kurt von Hammerstein-Equord abgehangen wurde. Kurt von Hammerstein-Equord.

    Mehr gibt es zu den Geschehnissen nicht mehr zu sagen.

  31. Bei FJS kommt hinzu, daß er NSFO (Nationalsozialistischer Führungsoffizier)) war. Otto Graf Lambsdorff war noch im Frühjahr 1944 OA.

    Zum Eid auf den Führer: für uns heute undenkbar war wie Vereidigung auf eine Person (Landesfürst) damals durchaus nicht ungewöhnlich.

  32. Nachtrag: auf ZEIT Online heute:

    „Von der Leyen will Kasernen umbenennen
    Nach Wehrmachtsoffizieren benannte Kasernen sollen neue Namen erhalten. Damit will die Verteidigungsministerin nach der Bundeswehr-Affäre ein Zeichen setzen.“

    Die UniBw sind zwar keine Kasernen aber dennoch Einrichtungen der Bw mit starker Außenwirkung. Beide Namenspatrone waren Offiziere in der Wehrmacht, einer sogar mit einer fragwürdigen Nebenfunktion (s.o.). Was nun?

  33. @Sachlicher:
    Das ist für mich auch der Gipfel.
    Zumal es in sich nicht ohne Ironie ist, da Hammerstein-Eqourd ja stets vor der Kombination aus Dummheit und Fleiß gewarnt hat.

  34. @Memoria | 14. Mai 2017 – 9:33 u. @Sachlicher | 14. Mai 2017 – 1:02
    „Zumal es in sich nicht ohne Ironie ist, da Hammerstein-Eqourd ja stets vor der Kombination aus Dummheit und Fleiß gewarnt hat.“

    Langsam frage ich mich, ob die IBuK mit ihrer Pauschal-Kritik an uns Vorgesetzten vielleicht (unbeabsichtigt) nicht doch recht hatte.

    Wie kann man denn ein deutscher Offizier so geschichts- und traditionsvergessen sein, dass er Hammerstein-Eqourd abhängt?!?!

  35. @Koffer:
    Richtig.

    Vielleicht hilft die Kategorisierung in 4 Arten von Offizieren auch weitaus mehr als die „Rechtsextremen-These“ einige Dinge zu erklären. Dazu noch die Nullfehlerkultur.
    Somit wäre beispielsweise auch die Nichtabgabe der Abschlussarbeit an den MAD gut erklärbar.

    Bin mal gespannt wer das Entfernen seines Bildes veranlasst hat und mit welcher Begründung.

    Es zeigt wie groß die Panik der Zwischenebenen mal wieder ist. Ebenfalls das Entfernen von Sinnsprüchen aus Kompaniefahnen.

    Hier zeigt sich eben doch das echte Problem:
    Kernelemente der Innen Führung werden nicht gelebt.
    Es wird von „oben“ nicht sinnvoll geführt und kommuniziert und die Zwischenebenen sind mehrheitlich geprägt von opprtunistischem Karrieredenken.

    Anders kann ich mir diese Vorgänge nicht erklären.

    Die Bundeswehr hat im Kern schon ein Haltungsproblem, aber dieses wird dieser Tage von der Ministerin noch verschärft.

  36. „Es war zu erwarten, dass die „Säuberungen“ auch vor Widerstandskämpfern nicht halt machen werden. Wenn ein Bild Helmut Schmidts in Wehrmachtsuniform, laut Pressesprecher der Uni, eine unzulässige Traditionslinie zur Wehrmacht darstellt, dann gilt das natürlich auch für Bilder von Stauffenberg, Tresckow und Hoepner.“

    Natürlich ist ein Bild von Schmidt oder Hammerstein in Uniform eine „unzulässige“ Traditionslinie zur Wehrmacht, denn diese Herren haben keinen aktiven oder passiven Widerstand geleistet, sondern waren allenfalls politisch kritische „Mitläufer.“ in einer Armee, die einen Fahneneid auf den GröFaZ geleistet hatte, Sie haben eben nicht ihren Eid gebrochen, um die größte Bedrohung für Deutschland aus dem Weg zu räumen. Nationalsozialistisches Mitläufertum kann ja wohl kaum als „vorbildlich“ gelten in der Bundeswehr., die eben einen Eid auf „Freiheit und Recht“ abgelegt hat.
    Und auf die Beachtung dieses kleinen, feinen Unterschiedes muß man wohl einige InFührer der BW mit der Nase drauf schubsen. Verhaltensökonomisch nennt man das „nudging“. Frau Merkel und UvdL kennen sich damit ganz gut aus, sozusagen eine best practice soft power governance technique. Kritiker von Nudging halten das für eine hinterhältige Form von Gängelei, das mag ja sein, es funktioniert aber ;-)

  37. Es ist einfach Angst des oder der Vorgesetzten, jetzt einen Fehler zu machen und selber in die Schusslinie (böses Wort) zu geraten.
    Lieber ein Bild zuviel abgehangen, als eins zu wenig. Um eine differenzierte Auseiandersetzung mit dem Thema innerhalb der Bundeswehr geht es nicht mehr. Wenn man heute morgen liest das jetzt auch wieder Kasernen umbenannt werden sollen, frage ich mich warum das bis vorletzte Woche wirklich niemanden interessiert hat. Eigentlich müsste Frau v.d.L. ja jetzt selber um gerechte Bestrafung bitte.
    Für mich persönlich kann ich nur sagen: Sollen sie doch machen.
    Für mich steht fest, wenn ich in drei Jahren die Uniform ausziehe, dann wird nichts mehr, was mit der Bundeswehr zu tun hatte, den Weg zu mir nach Hause finden. Das hätte ich mir vor einigen Jahren nicht im Traum vorstellen können.

  38. Zum Thema „Umbenennungen“:

    „…, für die Namen von Kasernen sei die Ministerin nicht zuständig. Geschichtsverständnis könne nicht von oben diktiert werden. Die jeweilige Kasernenbelegschaft könne jeweils autark über den Namen in den Grenzen des Rechts entscheiden.“

    http://www.taz.de/!320197/ (Artikel ist von 2014)

  39. @Koffer

    Na ja, wenn man in der Zeit nicht nur stehen bleiben will, sondern sogar versucht die Uhr ein wenig zurück zu drehen, dann läßt man den Herrn General natürlich hängen und friert das Tradistionsverständnis bei1982 ein. Im Facebook-Zeitalter kann das dann aber in unzulässiger Weise politisch mißbraucht werden. Also bekommen InFührer, die nicht ganz auf der Höhe der Zeit sind inSachen Smart Power Subversion eine kleine Führungshilfe insofern, dass nun all diese zeitlosen „Vorbildchen“ aus den Kasernen verschwinden.

    @Shepard

    Subversive PsyOps kann man mit Soft Power Nudging ziemlich schnell und effektiv kontern ;-)

  40. @ MikeMolto
    Könnten Sie mir wohl verraten, was genau Sie mit dieser doch recht abgedroschenen Schelte der Geisteswissenschaften sagen wollen?
    Die Studenten dieses Fachbereichs sind angehende Ingenieure verschiedener Coleur. Der Leiter des Studienfachbereichs A ist (möchte ich zumindest stark annehmen) ebenfalls Ingenieurwissenschaftler. Wilfried Seidel, der Präsident der Universität, ist Mathematiker. Also sehe ich in diesem Zusammenhang auf weiter Flur keinen Geisteswissenschaftler, der ein „Problem“ haben oder verursachen könnte.

  41. @ klabautermann
    Nein, Hammerstein-Equord stellt überhaupt keine Traditionslinie zur Wehrmacht dar, weil er bereits vor Schaffung derselben seinen Abschied genommen hat. Als Reservist und in den zwei Wochen, die er zu Beginn des Krieges reaktiviert wurde, hat er sich im Gegensatz zu dem, was Sie anscheinend glauben, sehr wohl am militärischen Widerstand beteiligt.

  42. FAZ.net setzt sich sehr kritisch mit dem Thema HSU und dem Bild des Lt Helmut Schmidt auseinander.
    Motto: Das muss die Bundeswehr aushalten
    “ …Das Foto von Helmut Schmidt ist unbequem.
    Es zeigt einen der wichtigsten und geachtetsten Politiker unserer Demokratie als Offizier des Dritten Reiches.
    Aber diese Unbequemlichkeit muss die Bundeswehr aushalten können. Die Universität sollte das Foto wieder aufhängen, so wie es ist, ohne jeden Kommentar. Die Offiziere müssen sich mit ihm auseinandersetzen können. Alles andere wäre falsch verstandene Geschichtsbereinigung. …“
    Der rechtswidrige Rückgriff auf Heeresflieger bei der Flutkatastrophe 1962 blieb ohne Folgen, es wurde ihm nachgesehen, zurecht.
    Sei Weg vom Saulus zum Paulus bleibt ohne Anerkennung?

  43. @T.W. ich glaube da hat jemand versehentlich meinen Nick „gekapert“ (14. Mai 2017 – 9:58)

    [Das war Memoria, der offensichtlich im Tran „Koffer“ als Nick eingegeben hatte; und ich, ebenso im Tran, habe das freigeschaltet…. sorry. Ist jetzt korrigiert. T.W.]

    @Koffer (anderer Koffer) | 14. Mai 2017 – 9:58
    „Vielleicht hilft die Kategorisierung in 4 Arten von Offizieren auch weitaus mehr als die „Rechtsextremen-These“ einige Dinge zu erklären. Dazu noch die Nullfehlerkultur.“

    „Es wird von „oben“ nicht sinnvoll geführt und kommuniziert und die Zwischenebenen sind mehrheitlich geprägt von opprtunistischem Karrieredenken.“

    Ich befürchte, dass Sie inhaltlich vielleicht sogar recht haben. Ich wäre sehr betrübt darüber, aber die Indizien mehren sich :(

    Aber ich hoffe auch hier, dass dies lediglich eine auf bestimmte Personen und die aktuellen ungewöhnlichen Rahmenbedingungen, beschränkte Situation ist. Ich hoffe nicht, dass dies auf eine große Zahl (oder gar die Mehrheit) unserer militärischen Führer zutrifft!

    @klabautermann | 14. Mai 2017 – 10:13
    „Natürlich ist ein Bild von Schmidt oder Hammerstein in Uniform eine „unzulässige“ Traditionslinie zur Wehrmacht, denn diese Herren haben keinen aktiven oder passiven Widerstand geleistet,“

    Das ist bisher auch nicht notwendig (gewesen)! Die drei „Haupttraditionslinien“ der Bundeswehr sind durch Entscheidung Rühe und Scharping geschaffen und weiter entwickelnd wurden, aber ausdrücklich nicht exklusiv, sondern vielmehr nur „schwerpunktbildend“.

    Auch seit Rühe hat es zahlreiche eindeutige Erklärungen diverser Minister und sogar des Bundespräsidenten hierzu gegeben. Alle haben gemein, dass die Wehrmacht als ganzes keine Tradition bildet, sehr wohl aber einzelne Wehrmachtsangehörige es können. Auch wenn diese nicht im Widerstand waren, aber sie in einer Gesamtwürdigung ihres Lebens und Wirkens dennoch als vorbildhaft bewertet werden können.

    @klabautermann | 14. Mai 2017 – 10:30
    „Na ja, wenn man in der Zeit nicht nur stehen bleiben will, sondern sogar versucht die Uhr ein wenig zurück zu drehen, dann läßt man den Herrn General natürlich hängen und friert das Tradistionsverständnis bei1982 ein.“

    Auf keinen Fall! Innere Führung verlangt ein regelmäßiges Hinterfragen und wo notwendig Anpassen unser Helden und Vorbilder.

    Aber wo es keine Veränderung im Sachstand gibt, da muss man auch nichts anpassen…

  44. @klabautermann:
    Hammerstein-Eqourd wurde – nach seiner Reaktivierung zu Kriegsbeginn am 24. September 1939 auf persönliche Weisung Hitlers „wegen seiner negativen Einstellung gegenüber dem Nationalsozialismus“ endgültig in den Ruhestand versetzt.

    Es sind genau solche Persönlichkeiten mit denen eine echte Auseinandersetzung sich lohnt. Das bedeutet das Bild sollte hängen bleiben mit einer Erläuterung (wenn ich mich richtig erinnere gibt es diese in Munster sogar).

    Der Übereifer und Furor, der nun durch die Einheiten und Verbände geht ist unnötig und schädlich.

    Wenn InFü wirklich die Bw prägen würde, dann wären die letzten 10 Tage anders verlaufen.

  45. @TobyR | 14. Mai 2017 – 10:45
    „@ klabautermann
    Nein, Hammerstein-Equord stellt überhaupt keine Traditionslinie zur Wehrmacht dar, weil er bereits vor Schaffung derselben seinen Abschied genommen hat. Als Reservist und in den zwei Wochen, die er zu Beginn des Krieges reaktiviert wurde, hat er sich im Gegensatz zu dem, was Sie anscheinend glauben, sehr wohl am militärischen Widerstand beteiligt.“

    Aua, wer wird denn hier mit Fakten arbeiten wollen ;)

  46. Und, 1999 – 2001 war der Oberst von Hammerstein-Equord G1 Heeresführungskommando, Koblenz.
    Er durfte dienen.

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