Fall Franco A: Gefundene Munition kam von der Bundeswehr – und weitere Konsequenzen

Der Fall des unter Terrorverdacht festgenommenen Oberleutnants Franco A. wird für die Bundeswehr immer unangenehmer – und führt zu weiteren Konsequenzen. Das Verteidigungsministerium informierte am (heutigen) Donnerstagabend die zuständigen Abgeordneten, dass die bei einem ebenfalls festgenommenen Studenten gefundene Munition zum überwiegenden Teil aus Bundeswehrbeständen stammt. Bereits am Vortag hatte Ministerin Ursula von der Leyen so genannte Verwaltungsermittlungen angeordnet, die klären sollen, ob es im Zusammenhang mit dem Extremismusverdacht gegen den Oberleutnant den Verdacht eines Dienstvergehens bei seinen früheren Vorgesetzten gibt. Darüber hinaus soll möglichst schnell die Wehrdisziplinarordnung der Truppe geändert werden – nicht nur wegen dieses Falles, sondern auch wegen früher bekanntgewordener Vorfälle wie in Pfullendorf.

Bereits am vergangenen Wochende hatten Ermittlungsteams der Bundeswehr an mindestens vier Standorten, darunter beim Jägerbataillon 291 in Illkirch bei Straßburg (Foto oben), die so genannten Schießkladden verschiedener Einheiten untersucht. Hintergrund ist der Verdacht, dass Franco A. und möglicherweise auch andere Soldaten bei Schießübungen Munition abgezweigt und gehortet haben. Unter anderem sollen in Illkirch bei einem Sonderschießen nach einer regulären Übung zusätzlich 90 Schuss Pistolenmunition ausgegeben worden sein – exakt der Inhalt von sechs Magazinen der Pistole P8.

Bei dem 24-jährigen Studenten (und Zivilisten), den die Staatsanwaltschaft zusammen mit dem Oberleutnant festgenommen hatte, wurden mehr als 1.000 Schuss Munition gefunden. Sie soll praktisch komplett aus Bundeswehrbeständen stammen – in den Kalibern 9mm (Pistole P8), 5,56mm (Gewehr G36) und 7,62mm (Gewehr G3). Darüber hinaus wurden Leucht- und Nebelmunition sowie Teile von Handgranaten sichergestellt. Aufgrund der Losnummern ist die Munition eindeutig zuzuordnen, allerdings muss dafür in den Depots erst ermittelt werden, wann sie an wen ausgegeben wurde. Waffen wurden allerdings nicht entdeckt.

Mit der am Donnerstag aus dem Ministerium bekannt gewordenen Entscheidung der Ministerin, die Akten zum militärischen Werdegang von Franco A. zentral überprüfen zu lassen und dabei auch zu klären, ob es Anzeichen für ein Dienstvergehen früherer Vorgesetzter gibt, ist zunächst keine förmliche Vorermittlung nach dem Disziplinarrecht verbunden. Das hat Gründe – denn die Regularien sehen solche Ermittlungen auf der Ebene des Ministeriums nicht vor. Mit einer Verwaltungsermittlung* unter Federführung der Rechtsabteilung im Ministerium soll dies dennoch ermöglicht werden.

Die Führungsspitze des Bendlerblocks will dabei vor allem der Frage nachgehen, warum sowohl die Deutsche Stabsgruppe Frankreich als auch die Spitze des Streitkräfteamtes nicht entsprechend den Vorschriften vorging, als ein möglicher rechtsextremistischer Hintergrund des Offiziers erkennbar war: Ein Gutachter des Zentrums für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr (ZMSBw) hatte den Entwurf der Masterarbeit von Franco A. an der französischen Militäruniversität Saint-Cyr als radikalnationalistischen, rassistischen Appell eingestuft, der keinen wissenschaftlichen Wert habe.

Sowohl die deutschen Vorgesetzten in Frankreich als auch als letzte Instanz der Chef des Streitkräfteamtes, Generalmajor Werner Weisenburger, hatten jedoch von einem Disziplinarverfahren abgesehen – erklärtermaßen, um die Übernahme als Berufssoldat nicht zu gefährden. Allerdings, so hieß es aus dem Ministerium, sei dabei auch gegen den geltenden Erlass verstoßen worden, der bei Extremismusverdacht zwingend vorsehe, den Militärischen Abschirmdienst einzuschalten. An dieser Stelle habe es auch keinen Ermessensspielraum gegeben.

Als weitere Konsequenz aus diesem Fall, aber auch aus Beschwerden über Schikanen in der Ausbildung, Herabwürdigung oder sexuelle Demütigung wie in Pfullendorf oder Bad Reichenhall ordnete von der Leyen zudem, wie bereits am Vortag angekündigt, eine Überarbeitung der Wehrdisziplinarordnung an. Unter anderem sollen Prüfschleifen eingezogen werden, die bei wesentlichen Vorfällen ein Mehr-Augen-Prinzip garantieren: Ein Kommandeur soll nicht eigenständig eine Entscheidung treffen können, die einer Überprüfung entzogen und außerhalb des eigenen Bereichs unbekannt bleibt – wie im Fall des Streitkräfteamtes bei Franco A.

Das Ziel, die seit 1957 geltende – und 2001 redaktionell überarbeitete – Regelung schneller, sicherer und transparenter zu machen, will das Ministerium zunächst vor allem durch Neufassungen unterhalb der Schwelle von Gesetzesänderungen erreichen. Auch in dem Bewusstsein, das bis zur Sommerpause und damit vor der Bundestagswahl eine Gesetzesänderung kaum machbar wäre. Für eine Neufassung auch auf gesetzlicher Basis sollen aber bis dahin Eckpunkte erarbeitet werden.

*Was eine Verwaltungsermittlung bedeutet und umfasst, scheint so einfach nicht zu klären – einen Hinweis gibt es hier.

(Aus gegebenem Anlass bleiben die Kommentare auf moderiert – und gerne der Hinweis: Die Ministerin ist nicht von Kritik ausgenommen hier; aber Pöbeleien lasse ich nicht zu.)

Eine Nachbemerkung, die mir derzeit unter fast jedem Eintrag nötig scheint: Augen geradeaus! ist ein journalistisches Projekt, das durch die freiwilligen Zuwendungen von Leserinnen und Lesern ermöglicht wird. Viele von ihnen beteiligen sich bereits finanziell, wofür ich sehr dankbar bin – doch nach wie vor reicht es nicht wirklich, die zeitaufwändige Arbeit zu finanzieren. Ich freue mich deshalb über jede Zuwendung: nicht viel, aber regelmäßig, das hilft. Wie ihr die Arbeit an diesem Blog unterstützen könnt, steht hier.

 

 

 

126 Kommentare zu „Fall Franco A: Gefundene Munition kam von der Bundeswehr – und weitere Konsequenzen“

  • Hans Dampf   |   05. Mai 2017 - 10:08

    @ W12:

    Danke für Ihren Einblick von „außen“, interessant! Ich möchte mal meinen bescheidenen, unmaßgeblichen Einblick von „innen“ wiedergeben:
    Der in meinen Augen idealtypische Weg, mit Skandalen umzugehen, wäre gewesen – übrigens auch für den Anteil BAMF:
    1. Das Problem wird bekannt und mit dem Stand der Dinge kommuniziert.
    2. Es wird gründlich geprüft, wer „gepennt hat“ (wie konnte das dazu kommen?).
    3. Es wird gründlich geprüft, in welchem Umfang das Ganze ggf. anderenorts der Fall ist (Einzelfall, oder systemisch).
    4. Bekanntgabe des Ergebnisses der Prüfung,
    5. Ablösung, Anschiss, öffentliche Missbilligung etc. pp

    Der Ablauf war/ist (aus meiner Wahrnehmung, für den Blick hinter die Kulissen bin ich ein zu kleines Licht):
    1. Das Problem wird in groben Zügen in der Presse bekannt und nahezu vollständig auf den Anteil der Bundeswehr verengt.
    2. Pauschalanschiss, Öffentliche Missbilligung durch die Ministerin, dadurch Anhebung auf eine völlig neue Stufe, nicht durch die Presse, sondern durch die Ministerin
    3. Es wird hastig öffentlichkeitswirksam geprüft, wie es dazu kommen konnte
    4. Es wird nunmehr ebenso hastig geprüft. in welchem Umfang das Ganze ggf. anderenorts der Fall ist. Prüfkriterium hierbei für rechtsextreme Gesinnung: Das Vorhandensein von Bildern etc. mit Wehrmachtsbezug in Diensträumen. (Ja, das ist nicht gewollt, keine Frage. Aber nicht jeder, der ein Bild von Rommel oder ein K98 im Dienstzimmer hängen hat, ist deswegen rechtsextrem; gleichwohl muss er sich fragen lassen, warum das da hängt und was er damit ausdrücken will, hierfür sollte eine gute Begründung vorliegen).
    5. (ausstehend) Bekanntgabe des Ergebnisses der Prüfung. Vermutlich in der schnelllebigen Zeit dann nur noch eine Randnotiz in der Presse wert.

    Dieses in groben Zügen (nunmehr wiederholt) exerzierte Vorgehen hat mit Führung, egal wie man sie nennt, gar nichts zu tun. Wenn die Prüfungen ergeben, dass die Bundeswehr ein systemisches Problem, im wesentlich über das in der Gesellschaft vorhandene „Normalmaß“ hinausgehenden Umfange mit Rechtsextremismus, Sexismus, Sadismus, etc. pp hat, dann stimme ich jedem zu: Dann muss mit eisernem Besen gekehrt werden, dann krankt es in der Bundeswehr gewaltig. Aber, dass in den genannten Punkten ein systematisches, groß angelegtes Problem vorliegt, dazu habe ich bislang noch nichts vernehmen können, was diese Hypothese belegt. Es wurden Einzelfälle, unterschiedlich gelagert, zu einem Brei zusammengerührt und daraus geschlossen, es läge systemisches Versagen vor. Das ist der Grund für meine „Widerwilligkeit“ bei dieser ganzen Geschichte – es werden Behauptungen, teilweise in ehrabschneidender Form, aufgestellt und dringender Handlungsbedarf suggeriert, bewährte Instrumente und Mechanismen als untauglich eingestuft. Das Ansehen der Bundeswehr wird einerseits – ohne mir bekannte solide Grundlage – nachhaltig beschädigt, gleichzeitig rühmt man sich, einer der besten Arbeitgeber der Republik zu sein mit dem Ziel, der beste zu werden!
    Die Bundeswehr ist Teil des demokratischen Rechtstaates, wir sind Staatsbürger in Uniform, wir leben in einer freiheitlichen, demokratischen Ordnung und das (kriminelle) Fehlverhalten einzelner ist ein Grundübel, mit dem wir unter Berücksichtigung der o.g. Prinzipien in dieser Gesellschaft leben müssen – auch in den Streitkräften. Wer Fehlverhalten ausschließen möchte, der muss sich der Instrumente von Staatsformen bedienen, die es schon mal auf deutschem Boden gab und die Gott sei Dank überwunden wurden. Das heißt nicht, dass man nicht alles tun muss, um derartiges Fehlverhalten auszuschließen oder zu sanktionieren, aber auch hierfür gibt es nunmal Grenzen.

  • Hans Dampf   |   05. Mai 2017 - 10:14

    @ Insider:

    Beim Schulschießen galt/gilt „fünf Schuss richtig übernommen“, daher auch die Schulschießkladde. Beim Gefechtsschießen mit der Einheitsschießkladde ist die Gefahr seit Jahr und Tag gegeben, dass sich jemand Munition abzwackt, weil da keiner nachzählen kann, wie viel tatsächlich verschossen wurde. Das ist kein neues Phänomen.

  • Wuehlmaus   |   05. Mai 2017 - 10:33

    Frage zu der Durchsuchung bei der 10. PzDiv

    Als ehemaliger Wehrpflichtiger, stationiert bei der 10. PzDiv in Sigmaringen, hatte ich es vor über 20 Jahren so kennengelernt, dass der Spieß am Freitag einen Rundgang durch das Kompaniegebäude durchführt. Bei dieser Besichtigung wurden unangemessene Bilder beanstandet und entfernt. Darunter fielen Nackedeis und auch Bilder mit Bezug zu NS Deutschland. Erlaubt waren Bundeswehrposter.

    Hat man von dieser Tradition mittlerweile Abstand genommen?

  • Wuehlmaus   |   05. Mai 2017 - 10:48

    @Sebastian

    Ich möchte das Thema Wehrmacht nicht unnötig vertiefen. Aber es ist schon seltsam, dass ausgerechnet die damaligen Feinde der Wehrmacht im allgemeinen hohen Respekt zollen, während sie hier verdammt wird.

    Selbst Israelis halten sie für die beste der damaligen Streitkräfte.

    Und Kriegsverbrechen haben alle Streitkräfte begangen, auch die Amerikaner und die Briten. Einigen wurde sogar ein Denkmal errichtet, z.B. Arthur Harris

  • Sensibelchen   |   05. Mai 2017 - 10:50

    @Insider
    Verstanden. Das entspricht ja auch den Darstellungen von Delta One (2. Absatz).
    Darf ich fragen wie der Verbrauch/Verbleib nachgehalten/dokumentiert erfolgt?

    @Tompai
    Auch ich sehe mich mit dem aktuellen Sachverhalt erstmalig in der Situation mich mit meinen Vorstellungen und Ansichten zumindest hier öffentlich zu beteiligen.
    Ausgehend von meinen hier gemachten Wahrnehmungen erweckt sich mit der Eindruck es bilden sich zwei Lager. Das der Fürsprecher/sogar Verfechter einer Tradition welche sich wenn auch nur in Teilen aus der WH ableitet und derjenigen welche sich dazu distanzieren.
    Dies deutet für mich auf einen dringend notwendigen Dialog hin.
    Für meinen Teil werfe ich als Argument „in den Ring“, dass ich der BRD geschworen habe treu zu dienen…

  • ThoDan   |   05. Mai 2017 - 10:54

    @Delta two  

    3 Warum eigentlich Clausewitz, er hat AFAIK ausdrücklich vor der Verwendung seines unvollendeten Werkes gewarnt?

    Härte ja, aber keine Schinderei um mal ganz frei einen Korpskommandeur der BW zu zitietren.
    Auch wenn unsere Schlachten blutige Übungen gleichen sollten und unsere Übungen unblutige Schlachten.
    Sehe ich es nicht als akzeptabel den Vitis als Verbrauchsmaterial zu benutzen.

    4 Einheitliches Auftreten mit Zweck, Sinn, Maß, Verstand und Kompetenz

    @Teute

    Die Wehrmacht trägt die Verantwortung dafür die Verbrechen der Nazis ermöglicht zu haben und nicht dagegen vorgegangen zu sein.
    Dazu trägt sie die Verantwortung für ihre Verbrechen.

    Macht das jedes Wehrmachtsmitglied zum Verbrecher?
    Ist jedes Mitglied der NSDAP oder der SS ein Verbrecher?
    Jon Rabe, Duckwitz(Gerechter unter den Völkern)

    @Sebastian

    Warum sollte man nicht die Bilder von Kielmannsegg, Baudoisin etc. in ihrer Wehrmachtsuniform haben?
    Warum ist das Kaiserliche Heer akzeptabel?
    Warum kann man bei Scharnhorst, Gneisenau und Blücher darüber hinwegsehen?

    Wieso delegitimiert es Stauffenberg nicht demokratisch motiviert gewesen zu sein?
    Warum sollte demokratisch motivierte Handlungen automatisch legitim sein?

  • Grautvornix   |   05. Mai 2017 - 11:01

    In einigen Kommentaren wurde vermerkt, dass in dem einen oder anderen Dienstzimmer Devotionalien der Wehrmacht widerrechtlich hängen oder liegen. Im Zusammenhang mit dem Unrechtsstaat, den das 3.Reich darstellte und dem Verständnis einer Armee eines demokratischen Landes verständlich.
    Völlig unverständlich ist es für mich aber, dass in den Dienstzimmern ohne jegliche Konsequenzen Devotionalien eines anderen deutschen Unrechtsstaates, der 1990 aufhörte zu existieren, hängen oder liegen dürfen. Und bevor jetzt das hohe Lied der Friedensarmee NVA gesungen wird, möchte ich nur auf die Grenztruppen hinweisen. Zumindest aber auf die Einstufung der DDR als Unrechtsstaat.

    [Sorry, aber diesen OT machen wir hier jetzt nicht auf. Danke. T.W.]

  • Stephan L.   |   05. Mai 2017 - 11:09

    Zum Fall 10. Panzerdivision: Ob eine unangekündigte Begehung angebracht war, nachdem vergleichbare Bilder jahrelang toleriert worden waren, kann man an anderer Stelle entscheiden. Meiner Meinung hätte es auch ein einfacher Befehl, derartiges Material bis … zu entfernen, auch getan. Ich denke auch nicht, dass jeder Soldat, der solche Bilder an der Stubentür hängen hat, gleich eine rechtsextreme Gesinnung offenbart.
    Gleichzeitig denke ich aber auch, dass es an der Zeit ist, derartige Material endgültig aus den Dienst- und Gemeinschaftsräumen der Liegenschaften zu entfernen. Wenn noch vor fünf Jahren Rekruten vom Zugführer den Auftrag erhalten, Porträts vom „Panzermeyer“ und andere Persönlichkeiten an die Wand zu malen, sollte jetzt endlich mal ein Bewusstsein entstehen, dass es auch andere Traditionsvorbilder gibt als nur den Zweiten Weltkrieg.
    Ein würdevolles Gedenken an die Gefallenen ist eine Sache – unreflektierte Verherrlichung eine andere.
    Haben wir nicht genügend Vorbilder in der deutschen Militärgeschichte? Die jüngste Geschichte unserer Einsatzarmee wurde hier ja bereits angesprochen. Mal ein Beispiel aus einer Kompanie, in der ich mehrere Jahre gedient habe: Der Kompaniefeldwebel wollte die kahlen Wände mit ein paar militärhistorischen Zeichnungen schmücken und hat dafür das Unteroffizierkorps beteiligt. Letztendlich prangten später zwei große Bilder an den Kompaniefluren: Im 1. Stock waren preußische Füsiliere aus den Befreiungskriegen zu sehen, und darüber sah man eine Befehlsausgabe aus der Zeit der frühen Bundeswehr, nur echt mit HS30 im Hintergrund. Die Soldaten hatten die Bilder per Overheadprojektor an die Wand geworfen und dann daraufgemalt. Ich habe mir beide immer wieder gerne angesehen.

  • Stiller Leser   |   05. Mai 2017 - 11:16

    „Und Kriegsverbrechen haben alle Streitkräfte begangen, auch die Amerikaner und die Briten. Einigen wurde sogar ein Denkmal errichtet, z.B. Arthur Harris“

    Sie wollen allen Ernstes die Verbrechen der Wehrmacht relativieren? Die wissenschaftliche Ausstellung darüber müsste mal an allen Standorten der Bundeswehr gezeigt werden, damit es auch der letzte kapiert, dass Völkermord und verbrecherischer Angriffskrieg für eine demokratische Armee keine Tradition sein dürfen, ganz im Gegenteil. Aber wenn die Umfragen stimmen und 20 Prozent der Offiziere solche Weltbilder teilen, muss man sich eben notfalls von diesem Potential kruder Dumpfheit trennen. Ich finde es aber gut, dass hier auch solche Kommentare freigeschaltet werden, denn das beweist wie groß die Probleme sind.

  • BlueLagoon   |   05. Mai 2017 - 11:25

    Ich denke, man darf nicht zwei Dinge in einen Topf werfen.

    Wer Wehrmacht = ( verbrecherischer ) Angriffskrieg und damit verbundene Greueltaten setzt, und kundtut, daß er gegen Krieg und Leid incl. KZ-Vernichtungslager ist, wird wohl – bis auf wenig Belehrbare/ Überzeugbare – keinen wesentlichen Widerspruch erhalten.

    Wer jedoch jeden Wehrmachtssoldaren incl. unserer Väter und Großväter- außer den Widerstandskämpfern – für Kriegsverbrecher, Vergewaltiger, Plünderer, Brandstifter und Mörder hält, pauschaliert m.E. ebenso wie die, die von „DER Bundeswehr“ reden.

    Vielleicht sollte man auch einmal einen Gedanken daran verschwenden, daß unsere Väter wohl – zumindest der allergrößte Teil – nicht wirklich freiwillig in den Krieg gezogen sind. Im Gegensatz zu heute gab es keine Freiwilligenarmee.

    Und daß Krieg „Sch…“ ist, dürfte auch der Dümmste unter der Sonne kapiert haben.

    Wenn ich allerdings höre, daß erwiesenermaßen Rechtsradikale ( Linksradikale würden eher weniger freiwillig zur Truppe gehen ), geduldet und gefördert werden, und dies z. T. mit „Personalmangel“ in Verbindung gebracht wird, so steigt mir die Zornesröte ins Gesicht…

  • BlueLagoon   |   05. Mai 2017 - 11:28

    @ Wuehlmaus | 05. Mai 2017 – 10:48

    „Und Kriegsverbrechen haben alle Streitkräfte begangen, auch die Amerikaner und die Briten.“

    Ja, und das waren beileibe nicht die Einzigen.

    Nur:
    Wenn ich bei Rot über die Ampel fahre und werde angehalten, nützt die Ausrede „Da drüben sind gerade drei bei Rot gefahren“, nicht wirklich viel.

    Bestraft werde ich trotzdem…

  • Heiko Kamann   |   05. Mai 2017 - 11:29

    Wuehlmaus | 05. Mai 2017 – 10:48
    Einfach mal ein bischen Lektüre über die, ach so „traditionsstiftende Wehrmacht“.
    http://www.verbrechen-der-wehrmacht.de/pdf/vdw_de.pdf

  • Insider   |   05. Mai 2017 - 12:10

    @Sensibelchen
    Die Munition ( z.b. 1000 Schuss) werden an den Leitenden übergeben. Aus diesen 1000 Schuss füllen die Soldaten ihre Magazine auf und schießen die Übungen oder ihr Gefechtsschießen. Wer wieviel Schuss tatsächlich verschießt weiß keiner. In der Schießplatz werden die Übungen und die benötigten Patronen eingetragen. Am Ende geben die Soldaten nicht verschossen Patronen zurück (oder in diesem Fall auch nicht). Am Ende des Tages sind noch 200 Patronen über, also wurden 800 verschossen. Der Rest wird zurückgegeben. Vorher werden alle Soldaten befragt ob sie noch Munition oder Munitionsteile am Mann haben.

  • Insider   |   05. Mai 2017 - 12:12

    streiche Schießplatz = setze Schießkladde (schreibe vom Handy, sorry)

  • Arty1986   |   05. Mai 2017 - 12:17

    Munition
    Natuerlich ist es MOEGLICH, Munition zu entwenden!
    ABER/und – allen Traditionen, die „Erinnerungen“ an bestimmte, auch praegende Ereignisse im Leben eines Soldaten nun einmal mit sich bringen: „Primer“ des ersten abgefeuerten Schusses eines Kanoniers als nur ein Beispiel zum Trotz – SOBALD ein Soldat auch nur eine PatronenHUELSE, deren „Gefaehrdungspotential“ natuerlich noch darin besteht, Gehoerschaeden durch uebermaessig lautes Pfeifen damit zu provozieren, „mitgehen“ laesst, HAT er bereits ein Dienstvergehen begangen, das ganz einfach geahndet werden KANN!
    „Legalisieren“ kann man bestimmte Teile (zB 7,62-Huelsen mit abgetrenntem Boden, Geschosse, Splitter u.ae. nach Begutachtung durch Fachkundigen zum Zwecke der Ausbildung (Mehrzweckwerkzeug MG 3 – ich bin immer wieder erstaunt, wie „eingeschraenkt das Wissen um dieses „Tool“, auch bei Kampftruppe/Inf ist)), diese dann entsprechend nachweisen, lagern und fuer die Ausbildung nutzen oder zB auch im Unterkunftsgebaeude entsprechend beschriftet ausstellen als quasi „Dauerlehr-/anschaungsobjekt“.
    Tut der Soldat dies „einfach so“ – und sei es mit noch so ausschliesslich positivem Hintergrund – begibt er sich auf das vielzitierte (sehr) „duenne Eis“, kann er deshalb doch ohne Weiteres „diszipliniert“ werden.
    DENN: Nach JEDEM Schiessen muessen sich die daran Beteiligten die Frage nach „….Munition oder -teile am Mann…“ gefallen lassen.
    Und wer hier – trotz anderer „Raelitaet“ und auch ohne unmittelbar folgend (und rechtlich kaum haltbare) drohende „Filzung“ – die Klappe haelt, OBWOHL Mun oder -teile in seinen Besitz uebergingen, ist bereits in der – mindestens disziplinaren, bei Munition ist das ja regelmaessig ein Straftatbestand – Falle!
    Allein, und das wurde hier angedeutet: Wie will WER eine 100%-Prfg der bereitgestellten Munition, der gem. Papieren verschossenen und der TATSAECHLICH zureuckgegebenen Huelsen etc durchfuehren?
    Das ist bei Pz-/Art-/LFK sicher realisierbar, aber bei Handwaffenmunition, die beim angesprochenen Gefechtsschiessen auch einmal im Bereich mehrerer 100 (MG) oder auch tief 2 bis anfang 3-stellig ausgegeben und durchaus verbraucht werden kann, eigentlich nicht mehr durchfuehrbar.
    Wie schnell fallen Huelsen auf den Boden, werden in die Erde getreten/durch Kfz „vergraben“, evtl „mitgeschleift“ etc.
    Hier zu glauben, es koennten zB alle Huelsen zur Gegenkontrolle wieder eingesammelt und abgegeben werden, irrt schlichtweg!
    Deshalb ja ua auch die „Schlussfrage“!
    (Vielleicht kann ja im Zuge der Einfuehrung der neuen „Standardwaffe“ eine Moeglichkeit der automatischen Schusszaehlung, inkl Einlesen der LosNr und nach Verschuss automatischer „Buchung in SAP“ gefordert und umgesetzt werden, passte ins Bild ;-) ).
    Allein die zitierten Mengen lassen doch aufhorchen, 1000 Patronen sind ja nun auch nicht eben „in der Hosentasche“ verschwunden.
    In Zeiten des „dienstzeitgeregelten“ Dienstbetriebes stelle ich mir immer mehr die Frage, wie die ganzen „Nebenaufgaben“ (der „Chef“, um einmal bei der ENTSCHEIDENDEN und oftmals von der „Fhrg“ arg im Stich gelassenen Ebene (DiszStufe 1) zu bleiben, ist ja nicht NUR „Papiertiger“, sondern in ERSTER Linie „Fhr, Ausbilder u Erzieher“) angesichts 41h-Woche SOWIE eine sachgerechte und umfangreiche, stets den gerade geltenden „besonderen Anspruechen“ der ober(st)en Fhrg gerechtwerdende Dienstaufsicht geleistet werden sollen!
    Schon „damals“, als mich das unmittelbar betraf, blieb unter’m Strich nur festzustellen, dass einzig an der AUSBILDUNGSZEIT „gedreht“ werden kann, ggf die „Zielerreichung“ niedriger „gehaengt“ wird, da alles andere immer weiter detailliert vorgeschrieben und mittels entsprechender (zusaetzlich zu erstellender) zeitraubender Meldungen (unter Einfuehrung zusaetzlicher, „entlastender“ neuer EDV-„Hilfsmittel“)…
    Als Erinnerung fuer alle wild in die Gegend herumfordernden Kommentatoren: Auch im Falle „dieses OLt“ gilt solange die Umschuldsvermutung, bis er entsprechend verurteilt (oder „diszipliniert“, aber auch das ist an Regularien gebunden, die – wendet man die WDO konsequent an – durchaus gegeben sind und bereits nach aktuellem Stand einer ROUTINEMAESSIGEN Prfg unterliegen!) ist. Das muss man nicht „moegen“, IST aber so!
    Auch das beliebte „Vorgesetzenbashing“ mit dem Finger in Richtung „DDO“/Amtschef o.ae. ist JETZT aus dem bequemen Sitz vor’m Bildschirm immer ganz einfach und mit anderem Hintergrundwissen – wenn auch immer noch nicht „durchermittelt“ und entsprechend aufgearbeitet – natuerlich leicht ggue denjenigen, die den speziellen Fall unter entsprechenden „Rahmenbedingungen“ und mehr oder wenig glaubhafter Darstellung des OLt zu entscheiden hatten.

    Anlaesslich der „Schaedelfotos“ wurden auch Jahre spaeter, teils voellig „verbandsfremde“, aber eben waehrend des damaligen Einsatzes Vorgesetzte „befragt“ (man koennte auch „vernommen“ sagen…) und gezwungen, die Vorgesetzten dergestalt reinzuwaschen, als SIE versicherten, dass KEINERLEI derlei oder „aehnliche“ Vorgaenge in ihrem Verantwortungsbereich stattgefunden haetten.
    Ich erinnere mich an KEINEN „illustren“ Vorgesetzten, der auch nur ansatzweise gegen diesen, mEn mindestens „fragwuerdige“ (Innere Fhrg), rechtlich, kaeme es zu diesbezueglichen Verfahren, sicher kaum „verwertbare“ Massnahme HOERBAR „laut“ wurde! Nein, dieses „Papier“ wurde bis auf die unterste Ebene „durchgeschoben“, den „Kandidaten“ eine Unterschrift abgenoetigt, fertig. Auch das hat mit „Fhrg“ NICHTS zu tun, es passt aber wieder einmal ins Bild der „totalen Absicherung“!
    Und soweit sind wir ja nun leider mittlerweile gekommen: NICHTS, aber auch ueberhaupt nichts erreiche ich heutzutage noch mit „muendlichen“ Befehlen, Aussagen o. ae! Alles nicht „justitiabel“! „Das brauche ich dann mindestens noch per LoNo“… TOTALES „Asicherungsdenken“, willkommen im Totalitarismus, „Fuehren mit Auftrag“ ade. Aber das ist ja nicht erst seit der akteullen IBUK der Fall, vielleicht, weitere SP-Verlagerung auf „betriebswirtschaftlich-controlling“-gesteuerte Personen deutlich „ausgebaut“, aber nicht erfunden. Klingt schon fast nach „PO“…
    Wollen wir das? NEIN, SOWAS wollen wir GAR NICHT, auch wenn mit „Blauhemd“ und „DDR“-Fahne-Herumlaufen durchaus kommentarlos akzepteirt wird…
    Ein dreifach-Trulala den (Damen und) Herren „Rechtsverdrehern“!

    2 Wehrmacht
    Es gibt weder „DIE Wehrmacht“ noch „DIE Bundeswehr“ (wie auch nicht „DIE Ovalen, Gestreiften“…)!
    Beides Gruppen von Menschen, erstere vielleicht deutlich mehr individuell „durchmischt“, als die aktuelle Bw.
    Und ja, innerhalb dieser Gruppen gibt es mehr oder weniger „gute“ und „boese“ Individuen.
    Die simple Pauschalkriminalisierung „Der Wehrmacht“ weise ich, u.a. auch aus familiaeren Gruenden, zurueck.

  • Sascha Stoltenow   |   05. Mai 2017 - 12:43

    @MikeMolto: Sieht so aus, als läse man im Ministerium doch sehr aufmerksam dieses Blog und die Kommentare ;-)

  • Mackiavelli   |   05. Mai 2017 - 12:54

    Mir stellen sich hier die Nackenhaare auf, wenn ich lese, wie hier von einigen Kommentatoren pauschal und unreflektiert auf die Wehrmacht eingedroschen wird!
    Der allergrößte Teil der über 15 Millionen Wehrmachtssoldaten hat, ohne an Verbrechen beteiligt gewesen zu sein und ohne welche begangen zu haben, nach bestem damaligen Wissen seinen Dienst verrichtet.
    Die Gesamtheit aller damaligen Soldaten für die Verbrechen verantwortlich zu machen, ist in etwa so wie aus den derzeitigen Vorfällen auf die ganze Bundeswehr zu schließen! Das ist sachlich falsch und vor allem moralisch unter aller Kanone.
    Das die Wehrmacht als Organisation nicht traditionsstiftend sein kann, ist inzwischen wohl jedem klar – der Umkehrschluss, dass alles was damals an Leistungen erbracht wurde, wertlos ist, oder dass sogar alle Wehrmachtssoldaten Verbrecher waren ist aber in jedem Falle ehrabschneidend und eine Beleidigung!
    Darauf sollten wir hier lieber verzichten und das ist auch zu bedenken, bevor man beim Anblick eines Soldatengemäldes Schnappatmung bekommt, nur weil er anscheinend aus der „falschen“ Zeit kommt.
    Bei allem Respekt für die Leistungen unserer Soldaten im Einsatz hat die Bundeswehr noch nicht ansatzweise Kampfhandlungen bestritten, die von der Intensität her mit denen der Wehrmacht vergleichbar wären und so landet man zwangsläufig dort, wenn es um militärhistorische Beispiele geht. Damit die Gefechte in Afghanistan herunterzuspielen, hat sich die Bundeswehr am Ende auch keinen Gefallenen getan, denn dort hätten sich Möglichkeiten ergeben, tatsächliche Vorbilder im Gefecht für unsere jungen Kameraden aufzuzeigen. Das wurde versäumt und wenn die Bundeswehr es nicht zustande bekommt eigene Vorbilder zu liefern, dann suchen sich junge und motivierte Soldaten, die ein Interesse an ihrem Beruf haben und nicht wegen Flachbildschirm und frühem Dienstschluss dienen, eben selber welche – manche nehmen dann ausländische Spezialeinheiten und andere landen bei historischen „Vorbildern“. Rechtsextrem ist darum noch lange keiner.

  • Interessierter   |   05. Mai 2017 - 13:10

    Nun ja, das Thema Munition ist sicher ein besonders sensibles.

    Auch ich habe mitbekommen wie bei einem Gefechtsschießen „Schwarzbestand“ mit verschossen wurde. Da wurde nach dem Nachtschießen unmittelbar davor nicht sauber zurückgerechnet bzw. Abmunitioniert und schon waren ein paar hundert Schuss zu viel. Die hat man dann halt in die laufenden Rennen über die Gruppenführer „eingesteuert“. Passiert…und daran kann auch eine enge Dienstaufsicht nicht viel ändern.

    Das „Sonderschießen“ ist grundsätzlich auch keine Seltenheit. Wenn gegen Ende der Schießzeit noch 60 EA AD60 (9mmx19) übrig sind, kann man sich und dem Mun-Trupp bzw. Versorger (unnötige und unwirtschaftliche) Arbeit machen, oder man verschießt sie eben noch.

    Jetzt gibt es verschiedene Möglichkeiten: Ich schieße die Übung die auf dem Schießbefehl steht so lange bis „Mun-Ende“ oder ich wandle sie ab (die Freiheit lässt die Vorschrift dem Leitenden) und schieße zum Beispiel eine Übung mit 15 statt 5 Schuss. Die Abwandlungen mussten in der Kladde dokumentiert werden und der Drops war gelutscht.

    „Sonderübung“ oder „Sonderschießen“ durfte allerdings noch nie in der Kladde stehen. Zumindest nicht bei „regulären“ Truppenteilen. Und spätestens bei der Art der Dokumentation hätte der DiszVorges, der S4 oder allerspätestens der Prüftrupp §78 BHO mal dem Leitenden auf die Füsse treten müssen.

    Grundsätzlich ist halt auch das der Ausfluss der „Fehlerkultur“ der Bundeswehr. Wenn ich für einen Fehler in der Buchführung(!) Vernehmung, Diszi, ellenlangen Papierkram und möglicherweise Nachteilige Folgen für die Karriere befürchten muss, weil der als Schreiber eingesetzte HptGefr 10min unkonzentriert war, ist der Weg zur „Truppenlösung“ eben nicht mehr weit… Die sieht dann halt meist so aus, dass die Munition irgendwo „zwischengelagert“ wird, bis man sie im Rahmen des nächsten Schießens unauffälig mit „verbrauchen“ kann.

    Natürlich ist bei 1000 Schuss, die auch nicht mehr beim OLt in Verwahrung waren, von krimineller Energie auszugehen…

  • Heinrich von Senden   |   05. Mai 2017 - 13:18

    @ all
    Zum (Nicht-möglichen)Verhältnis der Bundeswehr zur Wehrmacht und zu deren nicht möglicher Bedeutung im Traditionsverständnis der Bundeswehr ist alles gesagt. Den Offizier- und Unteroffizieranwärtern werden sehr gute Bücher als Ausbildungsmittel an den Offizier- und Unteroffizierschulen kostenfrei übergeben. Wer sich mit der Rolle der Wehrmacht im „Dritten Reich“ befassen will und die Schriften des ehemaligen Militärgeschichtlichen Forschungsamtes und heutigen Zentrums für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr nicht kennt oder nicht zur Kenntnis nehmen will, dem ist einfach nicht zu helfen.
    Kurz: Zwischen Wehrmacht und Bundeswehr gibt es keinen Roten Faden, das muss jedem klar sein, der in der Bundeswehr dient! Wer es dennoch glaubt, muss mit Beschädigungen rechnen. Zu Recht!

    Bedauerlicherweise hat die Ministeriin mit ihrem „Anschiss“ in Berlin direkt am Sonntag viel Porzellan zerschlagen. Zwar hat sie, wie auf der Intranetseite nachzulesen ist, gestern bei den Generalen die Rolle rückwärts gemacht und bedauert, sich so ausgedrückt zu haben. Ich hätte erwartet, dass Sie diese Rede auch auf der Internetseite abgelegt hätte, damit es jeder lesen kann. Dann könnte jeder (aktive und ehemalige) Soldat (m/w) für sich überlegen, ob er diese Entschuldigung, die etwas schwammig formuliert ist – „Ich bedaure …“ – annimmt.

    Bedenklich stimmt mich folgendes: Ein Oberleutnant schreibt eine Masterarbeit, die
    1. in jeder Hinsicht Anlass zu Zweifeln an seiner Gesinnung und seiner Haltung zu Staat und Recht gibt, die
    2. die französische Schulleitung deswegen berechtigt in Frage stellt und
    3. um eine deutsche Bewertung bittet, die
    4. eindeutig ausfällt (Dank dem „unabhängigen Gutachter“ des ZMSBw für seine unzweideutige sprachliche Ausdrucksweise), aber
    5. von den damit betrauten Stellen, dem Rechtsberater des SKA und seinem Amtschef nicht als solche verstanden wird (oder wie muss ich mir das vorstellen? Das Gutachten war doch in deutsch verfasst und nicht in irgendeiner anderen Sprache) und deswegen
    6. zu einer haarsträubenden, glimpflichen Reaktion führt.

    Hier haben m.E. – jenseits der hier geführten Debatte über die WDO und sonstige Nebenkriegsschauplätze – der Rechtsberater und möglicherweise auch sein Amtschef versagt! Die Konsequenzen werden allenthalben diskutiert: nach verschiedenen Medienberichten kann Generalmajor Werner Weisenburger (*1954) mit der einstweiligen Zurruhesetzung nach § 50 Soldatengesetz rechnen. (Damit wird er ein wenig früher als vorgesehen nach Hause geschickt. mehr nicht.)
    Ich frage mich nur, ob hier nicht ein mögliches Dienstvergehen beim RB und AC zu untersuchen ist und wenn ja, welches.

    Den Schaden hat allenthalben die Bundeswehr. Die Einzelfälle werden hoch gebauscht, in Reihe gestellt, liefern selbst mandatslosen Kandidaten Munition für Angriffe gegen die IBUK, weil gerade Wahlkampf ist. Und selbst Herr Otte von der CDU konnte gestern Abend bei Phoenix in einer Runde mit Marc Wüstner, Harals Kujat und Reinhold Robbe nicht ganz überzeugen, weil er sich im Sprachduktus von UvdL verfing. Er hatte offensichtlich noch nicht den Redebeitrag bei der Generalstagung.

    Und bei allem bleibt es dabei: wo Menschen handeln geschehen Fehler und manche von diesen Fehlern sind zwischen Mishap, Unfug und grobem Schwachsinn usw., bei gleichzeitigem Rückschluss auf das intellektuelle Leistungsvermögen der Akteure, anzusiedeln. Die Highlights präsentiert jährlich der Wehrbeauftragte in seinem Bericht.

    Es bleibt die ständige Erziehungsaufgabe der Vorgesetzten. Nur sind von denen manche – durchaus in allen Dienstgraden – mit der eigenen Haltung und dem Vorbildsein sowie einer strengen Orientierung an der einschlägigen Rahmenlage (Soldatengesetz, GG, InFü) offensichtlich schon überfordert. Sonst würde es diese ganzen Fälle nicht geben.
    (Ich erspare den Lesern Beispiele aus meiner langjährigen Dienstzeit, die bis heute reichen.) Und immer, wenn was passiert, schlägt das Imperium zurück! Mal sehen, was noch kommt.

    Schönes WE und Dank an den Hausherren für seine Arbeit. Ich habe heute trotz Familie plus Hund ;-) überwiesen für Januar bis Mai. Rest folgt. Wenn es so i.O. ist, bitte ich um kurze Rückmeldung.

  • H.K.L.   |   05. Mai 2017 - 13:33

    @ Hans Dampf | 05. Mai 2017 – 10:08

    Vorzügliche Beschreibung der Abläufe! Sehe ich genauso.
    Wo bleiben die militärischen Vorgesetzten, die sich vor, nicht hinter ihre Soldatinnen und Soldaten stellen.
    Gestern noch Lobeshymnen für die tolle Truppe, heute müsen sie das relativieren, um der Ministerin nicht in den Rücken zu fallen, ohne dass sich die Lage geändert hätte. Dadurch beschädigen sie die Bundeswehr.

  • Koffer   |   05. Mai 2017 - 13:36

    @all
    Ich empfinde weit weite Teile der Kommentare als erstaunlich ungenau, denn es wird sehr häufig der Traditionswürdigkeit der Wehrmacht widersprochen und so getan, als stünde dies im Widerspruch zu aktuellen Erkenntnissen über das JgBtl 291.

    Meines Erachtens nach spricht sich niemand (oder zumindest kaum jemand) in der Bundeswehr für eine Traditionswürdigkeit der Wehrmacht aus.

    Auch übrigens vermutlich nicht die Maler der Bilder in ILLKIRCH.

    Denn eine positive Rezeption einzelner Personen und/oder typischer Handlungsweisen (Handgranatenwurf, MG-Stellungskampf, Soldat auf der Wacht) machen ja keinesfalls eine Aussage über die Traditionswürdigkeit der Wehrmacht aus.

    Vielmehr symbolisieren sie zumeist (zumindest in der Infanterie, denn über diese kann ich glaube ich ziemlich aussagekräftig sprechen nach 18 Jahren in diesem Truppengattungsverbund) eine allgemeine „Hommage“ an das Soldatentum und soldatischen Sekundärtugenden.

    Wenn man diese allgemeine Hommage nun an die FDGO bindet (wie es ja zu 99,9% erfolgt), dann ist doch alles gut…

    Jetzt kommt natürlich (wie häufig von Ausstehenden an dieser Stelle) die Frage, warum das nicht mit Bildern/Symbolen aus der Bw erfolgt.

    Ganz einfach, weil die Bw sich hier noch keine „Glaubwürdigkeit“ ggü. ihren eigenen Soldaten erworben hat.

    Man muss ja einfach bedenken, dass wir erst seit 2008 an größeren Kampfhandlungen teilgenommen haben und auch diese nur punktuell „hoch-intensiv“ waren.

    Wenn man aber über soldatische sekundär-Tugenden (gerade ggü. jungen Soldaten in der Kampftruppe) „spricht“, dann muss man glaubwürdige Bilder nutzen.

    Merke also: Ein Landserbild auf Stube macht noch lange keinen Keitel-Verehrer aus :)

  • Soldat   |   05. Mai 2017 - 13:50

    1. Ich stehe hinter meiner Ministerin.
    Und ich bin mehr als befremdet wie aktive Soldaten, die selber von sich behaupten werte wie Loyalität zu schätzen, sich hier über ihren höchsten Vorgesetzten in Friedenszeiten äußern.

    2. Die WDO darf nicht angefasst werden? Eine 70ig Jahre alte Vorschrift anzurühren „zerstört“ quasi die Bundeswehr? @Koffer & Fans. Ernsthaft? Das Franco N. bald selbst Disziplinargewalt gehabt hätte, bzw sie als Vertreter wahrscheinlich sogar schon hatte stört niemanden?
    DAS alleine wäre schon Grund genug sie zu ändern.
    Es ist doch jetzt schon nicht mehr tragbar was sich teile der DV herausnehmen. Alleine das Prinzip der einzelfallprüfung und des Verbots Diesziplinarmaßnahmen pauschal anzudrohen überfordert doch schon einen signifikanten Anteil an DV.
    Und nein, das liegt nicht an der SAZV.
    Aleine die anhebung auf Major gleicht das mehr als aus, aber in Verbindung mit einem Hauptmann als KEO und Zugführern im Dg OLt, gibt es da leider keine ausrede.
    Sie kommen ihrer Verantwortung einfach nicht nach.

    3.Ob einem die Wehrmacht passt oder nicht, es ist seit Jahrzehnten befohlen. Wer sich dennoch nicht an die geltenden Befehle halten kann, soll sich entweder auf dem Dienstweg beschweren, einen Antrag schreiben oder gehen!
    Es steht jedem Soldaten frei sich zu beschweren oder Anträge zu stellen, aber es steht ihnen nicht zu sich eigenmächtig über Befehle wegzusetzen oder zu entscheiden welche GESETZTE er befolgt und welche nicht!

    Trennung

    Ich bin wirklich erschrocken über den Tenor einiger Beiträge hier. Bedauere das Abschweifen ins OT und danke dem Hausherren für seine Mühe.

    Und als Schluss: Ich bin von der neuen Ausbildung für Offiziere und Unteroffiziere wahrlich nicht begeistert. Aber zu behaupten das hätte keinen Einfluss auf den Mann gehabt ist mehr als lächerlich.
    Ich war in den 90er an der USH in Münster, AK I 1.Grp…3 Monate…die Zeit hat mich nicht nur geprägt, sie beeinflusst mein Denken und handeln bis heute.

  • Georg   |   05. Mai 2017 - 14:02

    Hauptsache man hat für jedes Landserbild an der Wand eine plausible Erklärung.
    So haben sich die Fallschirmjäger in Altenstadt 1998 bei ihrer Kretafeier auch gerechtfertigt.

  • Melli   |   05. Mai 2017 - 14:07

    @ Stephan L. | 05. Mai 2017 – 11:09
    „Ich denke auch nicht, dass jeder Soldat, der solche Bilder an der Stubentür hängen hat, gleich eine rechtsextreme Gesinnung offenbart.“

    Wieso hängt er sie dann überhaupt auf? Verstehe ich nicht wirklich. Überlegungen sind:
    – aus Unwissenheit oder gar Dummheit? („keine Ahnung wer/was das ist, aber sieht voll cool aus …)
    – oder weil es doch keine echte Trennung zwischen Wehrmacht und BW gibt – eben mit dem schon des öfters gesagten Argument „es waren ja nicht alle schlecht, die mussten ja mitlaufen“ welches mMn keinesfalls solche Bilder und Heldentum rechtfertigt.
    – oder auch einfach nur als Mitläufer („die anderen haben ja auch so coole Bilder“)?

    Wie auch von anderen schon angesprochen bin ich auf die BRD mit ihren Grundwerten vereidigt worden und genau diese zählen für mich.
    Inzwischen haben wir auch eine ganze Reihe von Einsätzen geleistet, sowohl im Inland als auch erst recht im Ausland. Selbst von Aufenthalten auf Truppenübungsplätzen wird es doch sicher das ein oder andere Foto geben mit dem sich die Kameradschaft, die Einheit, die (Waffen-)technik im Bw-traditionellen Sinne darstellen läßt.

  • H.K.L.   |   05. Mai 2017 - 14:20

    @ Heinrich von Senden | 05. Mai 2017 – 13:18

    Mit einigen Ihrer Ausführungen stimme ich durchaus überein, aber wie können Sie sich, ohne wirklich die Fakten zu kennen, lediglich anhand von einigen oberflächlichen Medienberichten, ein Urteil über einen verdienten Offizier anmaßen? Kennen Sie die Textpassagen der Masterarbeit des OLt A. und wissen, wie er sich gegenüber dem AC dazu eingelassen hat?
    Ich habe in einem anderen Beitrag geschrieben:
    „Der GI zerlegt vor den versammelten Kameras aller deutschen Sender einen Untergenen, den AC des SKA. Der hat – wie man im Nachhinein weiß – eine Fehlentscheidung getroffen. Aufgrund welcher konkreten Fakten wissen wir alle nicht. Aber eines weiß ich aufgrund der Kenntnis der untadeligen Persönlichkeit dieses Generals gewiss, dass er nämlich OLt A. damals nicht als rechtsextremistisch eingeschätzt hat; denn sonst hätte er anders reagiert. Und auch sein WDA hatte ganz offenkundig eine solche Einschätzung nicht.“

  • grond   |   05. Mai 2017 - 14:21

    @Koffer:

    Das finde ich etwas blauäugig gedacht.

    „Meines Erachtens nach spricht sich niemand (oder zumindest kaum jemand) in der Bundeswehr für eine Traditionswürdigkeit der Wehrmacht aus.“

    Warum werden dann Wehrmachtslandserbildchen an Wände gemalt?

    „Denn eine positive Rezeption einzelner Personen und/oder typischer Handlungsweisen (Handgranatenwurf, MG-Stellungskampf, Soldat auf der Wacht) machen ja keinesfalls eine Aussage über die Traditionswürdigkeit der Wehrmacht aus.“

    Diese handwerkliche/soldatischen Fertigkeiten kann man auch mit einer BW-Ikonographie darstellen. Das Verwenden von Wehrmachtssoldaten für solche Darstellungen zieht auch ganz klar Traditionslinien dort hin. Machen Sie mir nichts vor.

    „Vielmehr symbolisieren sie zumeist (zumindest in der Infanterie, denn über diese kann ich glaube ich ziemlich aussagekräftig sprechen nach 18 Jahren in diesem Truppengattungsverbund) eine allgemeine „Hommage“ an das Soldatentum und soldatischen Sekundärtugenden.“

    Das die Kameraden diese Hommage an das Soldatentum scheinbar nur über Darstellungen der Wehrmacht hinbekommen spricht eigentlich sich für sich lässt mich nur mit dem Kopf schütteln.

    „Wenn man diese allgemeine Hommage nun an die FDGO bindet (wie es ja zu 99,9% erfolgt), dann ist doch alles gut…“

    Wie bitte?

    „Ganz einfach, weil die Bw sich hier noch keine „Glaubwürdigkeit“ ggü. ihren eigenen Soldaten erworben hat.

    Man muss ja einfach bedenken, dass wir erst seit 2008 an größeren Kampfhandlungen teilgenommen haben und auch diese nur punktuell „hoch-intensiv“ waren.

    Wenn man aber über soldatische sekundär-Tugenden (gerade ggü. jungen Soldaten in der Kampftruppe) „spricht“, dann muss man glaubwürdige Bilder nutzen.“

    Sie sagen also ernsthaft, dass man jungen Soldaten mangels Gefechtserfahrung der BW soldatische „Sekundärtugenden“ anhand der Wehrmacht beibringen soll, weil alles andere nicht glaubwürdig ist? Wenn diese Sichtweise in der Infanterie weit verbreitet sein sollte, wundert es mich nicht, dass der aktuelle Fall so passieren konnte, wie er passiert ist.

    „Merke also: Ein Landserbild auf Stube macht noch lange keinen Keitel-Verehrer aus :)“

    Merke also: Ein Landserbild auf Stube reicht für OG Dosenkohl (der Keitel nicht mal kennt) aus um Wehrmacht „irgendwie geil“ zu finden weil Damals alle noch richtig krass waren…

  • Koffer   |   05. Mai 2017 - 14:34

    @all
    Ich bin erstaunt, wie sehr hier einige ihre eigene Erinnerungswelt für „die Bundeswehr“ halten.

    Natürlich ist es bei vorliegenden von echter kriminellen Munition zu unterschlagen.

    Beim klassischen Schulschießübungen (also dem, was hier die Masse der Kommentatoren unter „Schießen“ zu verstehen scheinen) ist es zwar schwieriger, aber auch möglich.

    Leichter wird es dann beim nSAK Schießen, aber auch hier könnte es noch (mit großem Aufwand) unterbunden werden, dazu müsste ich aber alle meine Soldaten unter Kontrollvorbehalt stellen.

    Beim Gefechtsschießen in der Infanterie und infanterieähnlichen Truppengattungen aber ist es fast unmöglich den MunDiebstahl auszuschließen.

    Alleine die Munitionsansätze liegen ja bei einem vernünftigen Angriffsschießen bereits pro Rennen und pro Person bereits über 100 Schuß. Dadurch, dass Sicherheitsgehilfen auch nur vereinzelt eingesetzt werden müssen und/oder Gefechtsschießen bei Nacht statt finden ist auch keine 100% Begleitung der Schützen möglich… etc. etc. etc.

    Also: WENN kriminelle Energie vorliegt ist es (und war es noch nie) ein Problem Munition zu stehlen.

    @Interessierter | 05. Mai 2017 – 13:10
    Natürlich gehören Sonderübungen in die Schießklade! Sie sind der Vermerk über die (zulässige!) Abänderung einer Schulschießübung, z.B. durch die Art der Ziele oder den Umfang der körperlichen Belastung oder die Anzahl der Schuß.

    @Heinrich von Senden | 05. Mai 2017 – 13:18
    „Ich frage mich nur, ob hier nicht ein mögliches Dienstvergehen beim RB und AC zu untersuchen ist und wenn ja, welches.“

    Ich hoffe nicht!!! Das würde mich dann wirklich zutiefst erschüttern und wenn darauf folgend auch noch eine Diszplinarmaßnahme verhängt würde, müsste ich an unserem Rechtsstaat zweifeln.

    Ich habe nur (auf der Basis der bisher veröffentlichten Informationen) erhebliche Zweifel an der Richtigkeit der Entscheidung des Herrn AC.

    Aber durch eine falsche Ermessensentscheidung entsteht ja noch lange (!) kein Dienstvergehen!

    @Soldat | 05. Mai 2017 – 13:50
    „2. Die WDO darf nicht angefasst werden? Eine 70ig Jahre alte Vorschrift anzurühren „zerstört“ quasi die Bundeswehr? @Koffer & Fans. Ernsthaft?“

    Je nachdem wie sie angefasst wird beschädigt eine Änderung nachhaltig das innere Gefüge der Streitkräfte. Hier geht es um Vertrauen, Führungsfähigkeit, Erziehungsgedanken, Verantwortung etc. etc.

    „Das Franco N. bald selbst Disziplinargewalt gehabt hätte, bzw sie als Vertreter wahrscheinlich sogar schon hatte stört niemanden?
    DAS alleine wäre schon Grund genug sie zu ändern.“

    Ne klar, weil es einen Terroristen in der Bw, ändern wir unseren Verständnis von Wehrrecht sofort?!

    „Und als Schluss: Ich bin von der neuen Ausbildung für Offiziere und Unteroffiziere wahrlich nicht begeistert. Aber zu behaupten das hätte keinen Einfluss auf den Mann gehabt ist mehr als lächerlich.“

    Wie glauben Sie denn, dass ein zielführender, strukturierter und nachhaltiger Einfluss möglich ist, wenn die OA alle im Abstand von 6, 3, 3, 3 neue Vorgesetzte bekommen, dann 4 Jahre faktisch keine prägenden Vorgesetzte mehr haben (dafür ist die Uni nach eigener Bewertung nicht da) und in den folgenden 18 Monaten (am Beispiel der Infanterie) den Vorgesetzten in folgendem Abstand wechseln 3, 7, 1, 3, 1, 1, 2?!

    „Ich war in den 90er an der USH in Münster, AK I 1.Grp…3 Monate…die Zeit hat mich nicht nur geprägt, sie beeinflusst mein Denken und handeln bis heute.“

    Tja, seit dem hat sich in der Führerausbildung halt nahezu alles verändert…

    @Georg | 05. Mai 2017 – 14:02
    „Hauptsache man hat für jedes Landserbild an der Wand eine plausible Erklärung.
    So haben sich die Fallschirmjäger in Altenstadt 1998 bei ihrer Kretafeier auch gerechtfertigt.“

    Und es geht schon wieder los :(

  • H.K.L.   |   05. Mai 2017 - 14:40

    @ Soldat | 05. Mai 2017 – 13:50

    Ich finde es nett, dass Sie hinter Ihrer Ministerin stehen; dann muss sie nicht so allein stehen. Aber überlegen Sie sich mal, ob Sie mit Ihrer Einstellung, die Sie hier kundtun, nicht auch ein guter Soldat in der Wehrmacht gewesen wären. In der Bundeswehr wird man nicht auf eine Person vereidigt, sondern auf die Bundesrepublik Deutschland. Und als Staatsbürger darf sich jeder auch eine eigene Meinung über die Politiker machen, die dieses Land als Regierungsmitglieder führen. Das ist nicht verboten.

    Und was Ihre Bemerkungen zur Wehrmacht anbetrifft, empfielt es sich, den Traditionserlass einfach mal zu lesen. Darin steht u.a. „In den Nationalsozialismus waren Streitkräfte teils schuldhaft verstrickt, teils wurden sie schuldlos mißbraucht“. das ist der Grund, warum die Wehrmacht (zu Recht) als Institution nicht traditionsstiftend für die Bw sein kann. Dass einzelne soldatische Leistungen oder einzelne Persönlichkeiten das sehr wohl sein können, ist zumindest durch den Traditionserlass nicht ausgeschlossen. Unsere Väter oder Großväter waren nicht alle Verbrecher, wie das einige hier in diesem Blog anzunehmen scheinen.
    Also bitte etwas mehr Differenzierung, wenn es möglich wäre.

    [Das geht in eine Richtung persönlicher Kritik an anderen Kommentatoren, die ich nicht mehr hinnehmbar finde. Ich bitte das als Warnschuss zu betrachten. T.W.]

  • KeLaBe   |   05. Mai 2017 - 14:41

    Kaum jemand ist glücklich, wie Frau von der Leyen in den vergangenen Tagen mit dem Thema umgegangen ist. Sie selbst im Nachhinein vermutlich auch nicht. Aber wir sollten die Kirche auch im Dorf lassen bei unserer Kritik – und schon gar nicht hypersensibel reagieren. Von einer Ministerin darf man zurecht erwarten, dass sie das, was sie für richtig und falsch hält, auch ungeschminkt und ohne übertriebene Rücksichtnahme ausdrückt. Und zwar klar und verständlich. Denn nur so hat sie eine Chance, etwas in ihrem Sinne zu bewegen. Schließlich ist es sie und niemand anderes, der den Oberbefehl hat. Sie muss nach meiner Auffassung auch nicht jede ihrer kritischen Äußerungen mit dem Hinweis einleiten, wie toll doch eigentlich alle sind. Und entschuldigen muss sie sich schon gar nicht. Ich wünsche mir auf allen Ebenen etwas mehr Selbstbewusstsein und etwas weniger Wehleidigkeit. Also Ärmel hoch und nach vorne schauen.

  • Wa-Ge   |   05. Mai 2017 - 14:44

    @ Soldat | 05. Mai 2017 – 13:50

    „Ob einem die Wehrmacht passt oder nicht, es ist seit Jahrzehnten befohlen. Wer sich dennoch nicht an die geltenden Befehle halten kann, soll sich entweder auf dem Dienstweg beschweren, einen Antrag schreiben oder gehen!
    Es steht jedem Soldaten frei sich zu beschweren oder Anträge zu stellen, aber es steht ihnen nicht zu sich eigenmächtig über Befehle wegzusetzen oder zu entscheiden welche GESETZTE er befolgt und welche nicht!“

    Was Sie hier behaupten stimmt einfach nicht, es ist weder gesetzlich verboten Bilder mit Motiven des WK II aufzuhängen, noch existieren Befehle die dieses untersagen.
    Es gibt jedoch Gesetze und Befehle, welche regeln was auf den Motiven zu sehen sein darf bzw. nicht darf. Und die in der Tageschau gezeigten Bilder sind explizit nicht verboten. Noch verstoßen sie gegen Befehle zumindest bis zum gestrigen Tag nicht, erst dort wurde angeornet solche Bilder zu entfernen.

    Solche Bilder mögen vielleicht Ihnen persönlich nicht gefallen, aber aus Ihrem persönlichen Empfinden sollten Sie nicht unbedingt auf geltende Gesetze schließen. In der Debatte wird sehr viel Halbwissen, verbunden mit persönlicher Moralwahrnehmung bei gleichzeitiger Ausblendung der realen Gesetzes- / Vorschriftenlage vermengt und sich darüber öffentlich aufgeregt.

    Ich empfehle Empörung zurücknehmen, sich in geltendes Recht und Vorschriftenlage einlesen und dann erst mit Verurteilung beginnen.

  • Koffer   |   05. Mai 2017 - 14:45

    @grond | 05. Mai 2017 – 14:21
    „Diese handwerkliche/soldatischen Fertigkeiten kann man auch mit einer BW-Ikonographie darstellen.“

    Sachlich stimmt das, aber emotional klappt es halt nicht.

    Man kann halt hundertmal sagen, aber ich will es so, Emotionen sind nicht immer rational erfassbar.

    Wenn die Bw bei den Landsern und jungen Unteroffizieren und jungen Offizieren keine Glaubwürdigkeit in diesem Bereich hat, dann hat sie halt keine…

    Zudem hat es die Bw-Führung und die politische Leitung über Jahre ja auch gar nicht interessiert eine echte Bundeswehrtradition aufzubauen und zu unterstützen.

    Aus Effizienzgründen und wegen Desinteresse an dem Thema ist diese Frage bei Verbandsstrukturen überhaupt niemals berücksichtigt worden.

    Auch haushalterisch musste man sich immer eine Abbrechen um Tradition überhaupt unterstützen zu können.

    „Sie sagen also ernsthaft, dass man jungen Soldaten mangels Gefechtserfahrung der BW soldatische „Sekundärtugenden“ anhand der Wehrmacht beibringen soll, weil alles andere nicht glaubwürdig ist?“

    Wieso denn beibringen? Ich unterrichte doch Tugenden im Regelfall nicht am Beispiel der Wehrmacht (Widerstand und einige wenige ausgewählte Gefechtshandlungen mal ausgenommen).

    Hier geht es doch darum, wie sich Menschen ihre Umfeld gestalten, damit sie sich darin „wohlfühlen“. Diese Devotionalien und Wandmalereien stammen ja normalerweise aus der Feder von Landsern und jungen Uffz/Fw/Offz… und dienen der Verschönerung des Blocks, aber doch nicht als Lehrsammlung!

    Abschließender formaler Hinweis:
    „Das Verwenden von Wehrmachtssoldaten für solche Darstellungen zieht auch ganz klar Traditionslinien dort hin.“

    Nope, da ist die Weisungslage klar und eindeutig. Das Traditionspflege hat nichts mit Geschichte und/oder Brauchtum zu tun.

  • Hans Schommer   |   05. Mai 2017 - 14:51

    @ Melli | 05. Mai 2017 – 14:07:
    Nur mal am Rande – weil ja auch jeder mit seinen Beiträgen hier ein Bild seiner selbst zeichnet: Sie sind ganz sicher nicht auf die „BRD“ vereidigt worden. Und weil Sie diesen Hinweis meinerseits nicht verstehen werden, stellen sich manchen Zeitgenossen Ihrer Generation auch die oben aufgeworfenen Fragen.
    Hans Schommer

  • Klaus-Peter Kaikowsky   |   05. Mai 2017 - 14:53

    @Koffer
    Kann Ihnen nur vorbehaltlos zustimmen, besonders auch , samt smiley.

    Bin mir aber sicher, mir der Einstellung haben Sie jede Chance auf der „Schwarzen Liste“ 10. PD einen der vorderen Plätze zu belegen.
    Ihr Stichwort „.. positive Rezeption einzelner Personen …“ fand sogar einmal hoch offiziell Anwendung. Dazu etwas ausschweifend in die Panzerei, …

    PzTrS Munster, Sommer 1997:
    1. Der „Bildersturm“ brach quasi über Nacht auf LGrp, Insp und Hörsäle herein. Ich war zu der Zeit HsLtr für KpChef VerwendungsLg PzJgTr. In der VII./- hingen gegenüber meinem Dienstzimmer in trauter Dreieinigkeit Rommel-Guderian-von Manstein in Wehrmachtsuniform mit uniformtypischem Adler auf der Brust, einschließlich Hakenkreuz.
    Am Folgetag ging der Schule das Schusspflaster aus, alle Hakenkreuze wurden per Schulbefehl abgeklebt, isso. HsFw fuhren raus zur StOSchAnl um Nachschub zu organisieren. Das Pflaster wurde regelmäßig erneuert, …!
    2. In den Hörsälen wurden die Traditionshinweise zu Großverbänden WH übermalt, EIGENLEISTUNG (!) StOV hatte nicht Farbe, nicht Zeit, nicht Geld,… isso.
    Ich war verantwortlich für 23./24. PzDiv eingesetzt im Südabschnitt bis zum Kaukasus. Im Auftrag SKdr wurde letzte Ehemalige eingeladen. Es flossen Tränen, die HsLtr gaben den „Erklär-Bär“.
    Ein Herrenabend in Anwesenheit GenPzTr im Casino Kornett sollte die Wogen bei Ehemaligen glätten, ohne Erfolg
    3. Der seit Aufstellung der Schule bestehende Ehrenhain wurde „geschleift“. Alle Findlinge mit den Emblemen der Pz/PzGrenDiv und der schweren Panzer-Abteilungen (sPzAbt) mit Tiger II (Königstiger) wurden entsorgt. Es folgte angepasste Bepflanzung.
    4. ad infinitum: … die Divisionen blieben künftig ungenannt; herausragende Einzeltaten junger Führer der Divisionen, angepasst an das jeweilige Ausbildungsniveau des betreffenden Hörsaals, wurde (wird?) tradiert. Die LT durften ihre Wände mit Eigenmitteln neu historisch bereichern. In die TaktikAusb wurden (schwierig wegen Quellenlage), beispielhafte Entschlusslagen aufgenommen,
    Warum diese sehr kurze, geraffte dann doch im blog lange Darstellung?
    Mit der damaligen Lösung lässt sich’s m.E. leben. Auf soldatische Einzelleistung auf Basis unverbrüchlicher soldatischer Primärtugenden muss sich berufen werden können.
    PS: Waffen-SS war NIE an PzTrS tradierend präsent.

  • Karl Mohr   |   05. Mai 2017 - 14:55

    „Veteranen, die von Sedan träumen“ ist deutsches Liedgut (Kleinstadtsonntag).
    aber lesen Sie mal den „treuen Kameraden“ aus Bayern. Revisionismus par excellence.
    Entwicklungslinien und Kontinuitäten werden da deutlich.

    Zwei Beobachtungen aus der jüngeren Vergangenheit:

    Ein inzwischen pensionierter Inspekteur des Heeres (!) fordert den „archaischen Kämpfer“ und relativiert zugleich den Wert der „Inneren Führung“.
    Junge Studenten an der UniBw in HH, die im Verlag der Ehefrau ihres Leiters Studentenbereich (Oberst Disziplinarstufe 3) antidemokratisches und rechtes Gedankengut offenbaren.
    Was passiert? Die beste Erwiderung kommt vom Militärgeistlichen (!).
    Anschließend rauscht es ein wenig in „IF“ und Ende.
    Wen wundert da die jetzige Entwicklung?
    Da werden Stoltenows „verschiedene Bundeswehren“ deutlich. Der gemeinsame Wertekanon geht verloren, ist verloren.

  • T.Wiegold   |   05. Mai 2017 - 14:55

    @all

    Es gibt einen neuen Eintrag mit der Dokumentation der Rede der Ministerin.

    Und generell rufe ich erneut dazu auf, im persönlichen Umgang den Ton zu mäßigen.

    Diese leicht herabwürdigenden Töne nach dem Muster junger Mann, lesen Sie erstmal die Vorschriften und sagen Sie nicht BRD, kommen offensichtlich überwiegend aus einer Richtung. Die sich grundsätzlich im Recht fühlt und andere auch im Ton abwatscht. Das machen wir hier nicht so.

  • Koffer   |   05. Mai 2017 - 15:30

    @KeLaBe | 05. Mai 2017 – 14:41
    „Kaum jemand ist glücklich, wie Frau von der Leyen in den vergangenen Tagen mit dem Thema umgegangen ist. Sie selbst im Nachhinein vermutlich auch nicht. Aber wir sollten die Kirche auch im Dorf lassen bei unserer Kritik – und schon gar nicht hypersensibel reagieren.“

    Ich diene treu (und hoffentlich wenn es soweit kommen sollte) auch tapfer und ich habe ein Recht darauf, dass mir meine oberste Vorgesetzte den Respekt entgegen bringt, der mir als Mensch und als langjähriger Staatsdiener zusteht.

    Wenn Sie das nicht tut und meinen Kameraden und mir die Ehre abschneidet und durch eigenes Handeln unser Ansehen in der Öffentlichkeit beschädigt, dann darf ich glaube ich „sensibel“ reagieren!

    „Ich wünsche mir auf allen Ebenen etwas mehr Selbstbewusstsein und etwas weniger Wehleidigkeit.“

    Ja, weil die IBuK ja in den letzten Jahren auch so viel Toleranz ggü. soldatischem Selbstbewusstsein bewiesen hat…

    @Wa-Ge | 05. Mai 2017 – 14:44
    Wie so häufig kann ich Ihnen (im Tenor) nur zustimmen.

    Sowohl in der öffentlichen Debatte, als auch hier von einigen Kommentatoren wird die eigene politische oder geschichtliche Wahrnehmung als „die richtige“ wahrgenommen und alle anderen dadurch direkt oder indirekt als „falsch“ oder gar „FDGO-widrig“ abgelehnt. In machen Kommentaren möchte ich fast von „verdammen“ sprechen :(

    @Klaus-Peter Kaikowsky | 05. Mai 2017 – 14:53
    „Bin mir aber sicher, mir der Einstellung haben Sie jede Chance auf der „Schwarzen Liste“ 10. PD einen der vorderen Plätze zu belegen.“

    Schlimm wäre es wirklich, wenn wir in der Bw mit „schwarzen Listen“ beginnen würden. Allerdings darf ich Sie in ihrer Vermutung bestätigen, dass in meinem Dienstzimmer auch Bilder von vor 1945 hängen ;)

    (Beck, Moltke, d.Ä. und Rommel, ich hoffe die drei sind gem. Bewertung der 10. PzDiv noch i.O. ;) ).

    @Karl Mohr | 05. Mai 2017 – 14:55
    „Ein inzwischen pensionierter Inspekteur des Heeres (!) fordert den „archaischen Kämpfer“ und relativiert zugleich den Wert der „Inneren Führung“.“

    Warum verkürzen Sie die Aussagen so stark, dass sie sinnentstellend wird?!?!?

    GenLt Budde hat niemals die Innere Führung relativiert! Er hat lediglich eine (behutsame) Weiterentwicklung unter Berücksichtigung der geänderten Rahmenbedingungen gefordert.

    Das ist aber doch geradezu das Gegenteil von Relativierung. Es war vielmehr der Versuch die Innere Führung dadurch zu bewahren in dem man sie „modernisiert“ (ohne jedoch in irgendeiner Weise an ihrem Kern zu rütteln).

    „Junge Studenten an der UniBw in HH, die im Verlag der Ehefrau ihres Leiters Studentenbereich (Oberst Disziplinarstufe 3) antidemokratisches und rechtes Gedankengut offenbaren.“

    Das ist NICHT richtig. Noch nicht einmal im Ansatz! Ich bitte Sie solche üble Nachrede gegenüber jungen Kameraden, die lediglich von ihrem Recht auf Meinungsäußerung im Sinne des Konzept des Staatsbürgers in Uniform gebrauch gemacht haben zu unterlassen.

    Ganz im Gegenteil, Sie sollten vielleicht wertschätzen, dass sich jungen OA/Lt trauen eigene Gedanken öffentlich auszusprechen und versuchen eine Diskussion anzuregen.

    Die Generalität (und die politische Leitung) hat nichts zu dieser Diskussion beigetragen.

    Nur der Vollständigkeit halber: Ich stimme beim besten willen nicht allen Gedanken der jungen Kameraden zu. Sie waren teilweise sowohl akademisch, als auch inhaltlich kritikwürdig.

    Aber bei dieser einer Aufsatzsammlung ging es um den Versuch eine wichtige Diskussion zu beginnen, dass schätze ich höher als Perfektion in Stil und Inhalt (vor allem unter Berücksichtigung des jungen Alters und der geringen Erfahrung, akademisch wie militärische).

  • Melli   |   05. Mai 2017 - 16:28

    Hans Schommer | 05. Mai 2017 – 14:51
    Danke, daß Sie mich darauf aufmerksam, daß ich mich in der Eile unklar ausgedrückt habe. Natürlich habe ich geschworen der Bundesrepublik Deutschland treu zu dienen und das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen … Was Sie mit der Unterstellung meinen, ich würde ihren Einwand nicht verstehen ist mir allerdings unklar … aber anscheinend kennen sie mich persönlich gut genug, um das beurteilen zu können?

    @ TW: sorry für das off topic, wenn es stört einfach nicht freischalten. VG und danke für den Aufwand mit den ganzen Einträgen und Kommentaren!

  • KeLaBe   |   05. Mai 2017 - 17:19

    @ Koffer

    Respekt muss man sich persönlich erarbeiten, und zwar immer aufs Neue. Das hat mit langjährigem Dasein als Staatsdiener zunächst wenig zu tun. Man sollte sich auch selbst nie zu ernst nehmen oder gar überhöhen. Niemand schneidet Ihnen die Ehre ab, bloß weil ein Vorgesetzter einen allgemeinen Missstand (oder das, was er für einen solchen hält) anspricht. Das ist übrigens nicht nur sein Recht, sondern auch seine Pflicht. Und das zu respektieren, gehört auch zum Grundverständnis eines Soldaten – und leider zu den langjährigen Mängeln in der Bundeswehr, in der auf Kritik viel zu oft beleidigt reagiert wird und diese daher fast ebenso oft unterbleibt. Stichwort Fehlerkultur.

    Der einzige Punkt, den Sie aus meiner Sicht haben, ist der: Kritik muss primär nach innen wirken. Dazu ist aber schon alles gesagt.

  • Hans Dampf   |   05. Mai 2017 - 17:44

    Da man es ja hier öfters lesen konnte: „WH“ war das Kfz-Kennzeichen des Heeres (Wehrmacht Heer), „WL“ der Luftwaffe und „WM“ der Marine. Die Abkürzung „WH“ für „Wehrmacht“ ist also Unsinn – wenn auch gern genommen, wie der nicht tot zu kriegende „HFw“…

  • Wa-Ge   |   05. Mai 2017 - 17:48

    @ KaLeBa

    Nein Kritik muss primär die richtigen Treffen. Und was Ihre Ausführungen zum Thema Respekt erarbeiten angeht:
    Nicht wenige Soldaten, darunter auch unter anderem der von Ihnen angesprochene setzt Monat für Monat sein Leib und Leben aufs Spiel um der Bundesrepublik Deutschland treu zu Dienen. Egal ob auf Patrouille im Ausland, beim Klettern im Hochgebirge, beim oder beim Sprungdienst, (ich zähle jetzt mal nur die Infanterie auf, da ich Infanterist bin) Soldaten nehmen selbstverständlich gefährliche Aufträge und Handlungen in Kauf um sich für den Fall dass diese Fähigkeiten mal im Dienst für die Bundesrepublik gebraucht werden, diese auch abrufen zu können. Dazu leisten viele von Ihnen unbezahlte Überstunden opfern viel Freizeit und setzen Ihre Familien der Gefahr aus, dass diese Sie als Krüppel oder Leiche in Empfang nehmen dürfen. Dafür gehört Ihnen Respekt gezollt! Das hat, sogar die Ministerin eingesehen (siehe Rechtferigungsversuche)

  • KeLaBe   |   05. Mai 2017 - 19:22

    @ Wa-Ge

    Was erzählen Sie mir da eigentlich? Die Risiken des Soldatenberufs kenne ich mindestens so gut wie Sie. Afghanistan ist mir persönlich durchaus bekannt, das Hochgebirge gehörte schon immer zu meinen Leidenschaften und gesprungen bin ich auch. Trotzdem bilde ich mir deshalb nicht ein, etwas ganz besonderes oder gar unfehlbar zu sein. Wie gesagt: Es gibt kein automatisches Recht auf Respekt. Das gilt für alle, unabhängig von Aufgabe und Dienstgrad. (Und wer Namen offenbar absichtlich falsch schreibt, sollte mal besonders über Respekt nachdenken. Sorry, aber das ist mir jetzt so rausgerutscht.)

  • Koffer   |   05. Mai 2017 - 19:50

    @KeLaBe | 05. Mai 2017 – 17:19
    „Respekt muss man sich persönlich erarbeiten,“

    Das haben über 250.000 Soldaten und zivilen Mitarbeiter jahrelang getan.

    Darüber hinaus gebührt ihnen Respekt für die Treue die sich tagtäglich aufbringen und die Opfer die sie tagtäglich im Dienste für Deutschland erbringen.

    „Man sollte sich auch selbst nie zu ernst nehmen oder gar überhöhen.“

    Mit solchen Aussagen können man übrigens das schlechte Verhalten so manchen Vorgesetzten rechtfertigen :(

    „Niemand schneidet Ihnen die Ehre ab, bloß weil ein Vorgesetzter einen allgemeinen Missstand (oder das, was er für einen solchen hält) anspricht.“

    Doch, wenn der Misstand SO gar nicht besteht und er aber behauptet er bestünde.

    „Und das zu respektieren, gehört auch zum Grundverständnis eines Soldaten“

    Ja genau, das JAWOLL Sagen hat sich ja auch bewährt :(

    „Stichwort Fehlerkultur.“

    Ist das jetzt Ironie?

    Denn wenn ich irgendjemanden NICHT mit Fehlerkultur identifiziere, dann ist es die aktuelle IBuK. Da sehe ich ja sogar mehr Fehlerkultur bei der militärischen Führung…

  • Peter Popel   |   05. Mai 2017 - 19:58

    @Koffer
    Beim Thema Tradition gehe ich jetzt auf Nummer sicher: gleich am Montag hänge ich mir ein Bild eines entscheidungsfreudigen deutschen Offiziers auf, der im Einsatz einen Entschluss fasste – Oberst Klein. Er beeindruckt mich nach wie vor.

  • mietsch   |   05. Mai 2017 - 20:46

    @P.Popel
    Sie treffen den Nagel auf den Kopf. An diesem modernen Beispiel kann man jedem, der jetzt die Wände mit Wehrmachtsbildern ausnahmslos überstreichen lassen will, den Zahn ziehen.

  • Soldat   |   05. Mai 2017 - 21:07

    Irgendwie werden hier ständig die Fakten verdreht. Auch wenn es formal richtig ist Franco N. immer als „mutmaßlichen“ „Straf“-täter zu bezeichnen.
    Er hat sich als Asylbewerber registriert und über ein Jahr Leistungen bezogen.
    Er wurde mit einer Waffe aufgegriffen, die unrechtmäßig in seinem Besitz war.
    Er hat eine Arbeit eingereicht die von allen beteiligten Stellen als deutlich zu weit rechts eingestuft wurde (ja, von allen. Lediglich seine Einlassungen dazu wurden entlastend gewertet).
    Es wurde nicht an den MAD gemeldet, obwohl meldepflichtig.

    Was inwieweit tatsächlich strafbewehrt ist, wird sich zeigen. Aber diese Fakten auszublenden und sich stattdessen über die Wortwahl der IBuK aufzuregen finde ich grundlegend falsch.
    Zumal sie alle bekannten Fakten kennt und nicht nur Auszüge aus der Presse.

    Trennung

    Dies ist ein Blog und kein Diskusionsforum.
    Aber ich finde es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, das genau diejenigen die auf Respekt, Loyalität und Tradition soviel wert legen, genau dies in ihren Beiträgen vermissen lassen.
    Einige übrigens während ihrer Dienstzeit. In ihrem Dienstzimmer. In Uniform. Öffentlich.
    Es tut mir leid, aber was ich nicht „von Mann zu Mann“ sagen kann, schreibe ich auch nicht anonym.
    Aber ich trete für die FDGO ein. Im Zweifel auch mit meinem Leben und meiner körperlichen Unversehrtheit. Leider habe ich auch die Auszeichnung die den teil meiner Einstellungen belegen. Und nein, ich trage sie nicht mit Freude.

    und @Wa-Ge

    Lesen alleine reicht nicht, man muss auch verstehen was man liest. Eine Palme ist in 1000en fällen kein Problem, nicht verboten und schon gar nicht strafrechtlich relevant.
    Eine Palme auf einem Gefecht-fahrzeug- in Afghanistan ist aber durchaus etwas anderes und daher auch Verboten.
    Gleiches gilt für Dinge wie „Klagt nicht, Kämpft“, oder „Ich war weiter im Osten als mein Großvater“.
    Es kommt auf den Kontext an in dem es steht.
    Nicht alles was nicht explizit verboten ist, ist auch erlaubt.

    und damit nehme ich mich aus der OT diskussion auch raus

  • Tom   |   05. Mai 2017 - 21:29

    Als Außenstehender möchte ich Ihnen alle Ihre Wertschätzung für diese hochinteressante Diskussion ausdrücken. Und Herrn Wienholdt für seine Moderation. Ich habe zwei Gedanken mitgenommen:
    1. Treue gegen Treue. Ich habe damals nicht und werde nie verstehen, warum man sich so aufgeregt hat. Junge Menschen riskieren ihr Leben, weil sie auf diesen Staat geschworen haben und im Namen dieser Gemeinschaft kämpfen. Entweder man schickt sie in den möglichen Tod und dann man muss man ihnen die „Treue“ halten oder aber man schickt sie in den möglichen Tod, weil sie sich „verkauft“ haben. Söldner eben, die gefälligst nicht zu denken haben, weil sie gut bezahlt werden. Ich denke, die Richtung Bundeswehr geht de facto dahin. Dazu passen das Überhandnehmen von betriebwirtschaftlichem Denken, der Einsatz von McKinsey usw. Da stören Traditionen und innere Führung nur.
    2. Die ganze Sache ist mir immer noch unklar. Geht es wirklich nur um Franco A? So weit ich die Diskussion verfolgt habe, ist er bis auf weiteres ein Einzelfall. Warum also das weite Ausholen, wenn die Sache noch überhaupt nicht auch nur ansatzweise geklärt ist? Gut, wenn es erwiesenermaßen eine rechtsradikale Verschwörung bis in höchste Ränge gegeben hätte, die Franco absichtlich schützten, dann wäre es richtig gewesen, an die Öffentlichkeit zu gehen. So aber bekommt man den Eindruck dass entweder vdL unfähig ist, oder aber aber nach einem Vorwand gesucht wurde richtig durchzugreifen.

  • Wa-Ge   |   05. Mai 2017 - 21:39

    @ KeLaBe

    Das mit dem Namen bitte ich zu entschuldigen, es war ein ehrliches Versehen.

    „Die Risiken des Soldatenberufs kenne ich mindestens so gut wie Sie. Afghanistan ist mir persönlich durchaus bekannt, das Hochgebirge gehörte schon immer zu meinen Leidenschaften und gesprungen bin ich auch. Trotzdem bilde ich mir deshalb nicht ein, etwas ganz besonderes oder gar unfehlbar zu sein.“

    1. Es hat niemand behauptet, dass man dadurch was besseres oder unfehlbar ist, es wurde lediglich Respekt verlangt, den diesen verdienen sich die Soldaten Tag täglich aufs neue.

    2. Anhand Ihrer eigenen Erfahrung sollten Sie ja also um so besser wissen, welche Härten der Dienst mit sich bringt und dass dafür auch Respekt gezollt werden muss.

    3. Die Diskussion erübrigt sich IMHO, da die Ministerin nach der medialen Schelte wohl eingesehen hat was für ein Ei Sie sich mit dem Interview gelegt hat und wohl auch eingesehen, dass Sie sich dafür zu entschuldigen hat. Ob man Ihr die Entschuldigung abnimmt muss jeder betroffene Soldat selbst entscheiden.

  • Insider   |   05. Mai 2017 - 21:49

    Ich bin ja Mal gespannt was dann Montag an der Kasernenzufahrt in Bad Reichenhall passiert.
    Hat sich da jahrelang jemand drüber empört?

  • Auslandsdiener   |   05. Mai 2017 - 22:01

    Solange es uns nicht gelingt, die Deutsche Militärgeschichte zu „umarmen“, wird die Diskussion um Tradition nie enden. Weder Verbote noch eigene Tradition werden die Suche in der Vergangenheit beenden. Wie ein Sohn, der seinen leiblichen Vater nicht kennt – er wird immer suchen, und auch das Verbot, den Vater zu kennen, wird ihn nicht davon abbringen, ihn kennenlernen zu wollen (sinngemäß auch für Frauen und Töchter). Wenn er herausfindet, dass der Vater ein Verbrecher war, muss er es verarbeiten – nicht verdrängen. Denn der Vater ist und bleibt der Vater. Und der hatte auch Eltern!
    Daher wird auch Überstreichen von Wänden nichts bringen. Man muss sich seiner Geschichte stellen, auch wenn es schmerzt und lange dauert.
    Und zum Thema Kontrolle nur noch kurz: erst sollen wir gem. Prinzipien der Inneren Führung nach Dienst auf Kontrolle verzichten, da alle Erwachsen sind. Und alle Dienstgradgruppen am besten zusammen wohnen, damit keine Hierarchie mehr gelten muss. Und nun wundert man sich, warum nicht besser kontrolliert wird – dies sei doch Innere Führung.