Die vorerst letzten deutschen Waffen für Kurdistan (Neufassung)

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Die Bundeswehr hat in dieser Woche eine weitere Waffenlieferung für die kurdischen-Peshmerga-Kämpfer im Einsatz gegen die ISIS-Terrormilizen in den Nordirak gebracht – die vorerst letzte Unterstützung mit deutschen Waffen. Die aktuelle Tranche bestand im Wesentlichen aus Sturmgewehren des Typs G36 und Munition, wie die Bundeswehr am (heutigen) Donnerstag mitteilte:

Die Unterstützung der nordirakischen Sicherheitskräfte mit Waffen und Munition wird weiter fortgesetzt. In den Abendstunden des 15. Novembers 2016 brachte eine Transportmaschine vom Typ Antonov 1.000 Gewehre G36 und fast 2,5 Millionen Schuss Munition nach Erbil.

Das Flugzeug war am Mittag vom Flughafen Leipzig/Halle gestartet und nach einem geplanten Zwischenstopp in Bagdad nach Erbil weitergeflogen, wo es in den Abendstunden entladen wurde. Bestandteile dieser Lieferung waren:
• 1.000 Gewehre G36
• 2.480.000 Patronen Kaliber 7,62mm x 51
Die Inhalte der Lieferung wurden – wie gewohnt – mit einer Endverbleibserklärung an die Vertreter der kurdischen Regionalregierung übergeben. In ihr verpflichtet sich die kurdische Seite, die gelieferten Waffen, Ausrüstungsgüter und die Munition nicht an Dritte weiterzugeben. Der Gesamtumfang der Lieferungen militärischen Materials an die Peschmerga umfasst seit Beginn der Unterstützung im Jahr 2014 bislang annähernd 2.400 Tonnen.

Die Bundesregierung hatte im Dezember vergangenen Jahres ihren bislang letzten Beschluss zu diesen Waffenlieferungen gefasst. Zu dem Paket gehörten unter anderem 4.000 Sturmgewehre G36, sechs Millionen Schuss im Kaliber 5,56 für G36, 200 Milan-Panzerabwehrraketen plus Material für die Ausbildung und fünf gepanzerte Fahrzeuge Dingo 1 sowie 15 Feldlafetten für das Maschinengewehr MG3.

Anfang September war eine Tranche mit den letzten zugesagten Milan-Panzerabwehrlenkflugkörpern geliefert worden. Die Lieferung in dieser Woche enthielt die letzten zugesagten Gewehre. Damit steht nur noch Munition aus: Auf weitere zwei Millionen Schuss im Kaliber 5,56mm für das G36 sowie zusätzliche Munition für G3 und MG3 im Kaliber 7,62mm können die Peshmerga noch rechnen.

Nachtrag: Eine weitere Lieferung von Munition und Ersatzteilen gab es Anfang Dezember:

Ein Transportflugzeug vom Typ Antonov AN-124 hat am 6. Dezember erneut Munition und Ersatzteile in den Nordirak transportiert. Zuletzt waren Mitte November 1000 Gewehre G36 an die Sicherheitskräfte der kurdischen Regionalregierung übergeben worden. (…)
Im Einzelnen wurden am 6. Dezember 2016 geliefert:

2.520.000 Patronen Kaliber 7,62 x 51 mm
Ersatzteilpakete für bereits gelieferte Waffen (Pistole P1; Gewehr G36; Maschinengewehr MG3; Panzerfaust 3)

(Foto: Bundeswehr/D.Richter)

19 Kommentare zu „Die vorerst letzten deutschen Waffen für Kurdistan (Neufassung)“

  • Klaus-Peter Kaikowsky   |   17. November 2016 - 17:09

    Das bedeutet, angesichts des Kalibers durch EinsFüKdo mit 7,62mm x 51 angegeben, dass für die G36 (5,56mm x 45) ausreichend Mun bei den Peschmerga verfügbar ist?
    Den Verbrauch durch Verwendung der MG 3 berücksichtigt, erscheint die „Nach“Lieferung im Kal. 7,62 logisch. Wohl kaum zu bekommen, eine Angabe zu Leuchtspur ja/nein/gemischt gegurtet? Leuchtspur, am besten als AB-23 im Verhältnis 3:2 gegurtet, erleichtert Zielbekämpfung um ein Wesentliches!
    Bei den Kämpfen in Mossul / um Raqqa wird sich der Einsatz der MILAN als schwieriger erweisen. Urban Operations , in der Endphase Häuserkampf, fordern schnelle Reaktionsfähigkeit. MILAN kann das nicht leisten.
    Mittel der Stunde dazu ist PzFst-3/Bunkerfaust! Angaben zu (Peschmerga) Forderungen dazu wären nicht ungewöhnlich.

  • Christian S.   |   17. November 2016 - 17:49

    Es gibt ja reichlich Videos auf Youtube von Peschmerga-Soldaten, die die Bunkerfaust im Rahmen der Offensive auf Mossul einsetzen.

  • dallisfaction   |   17. November 2016 - 18:06

    Oh nein, Herr Wiegold. „Kurdistan“? Das ist zumindest sehr undiplomatisch, wenn nicht sogar tendenziös. Oder ist die Überschrift übernommen?

  • AoR   |   17. November 2016 - 18:11

    Ich finde es gut … Kurdistan :)

  • Closius   |   17. November 2016 - 19:45

    Kurdistan, alter Karl May Titel „Im wilden Kurdistan“ ;).

  • Gfm.Lupus   |   17. November 2016 - 19:54

    Und wieder ein Stoss in die Rippenflanke von Herrn Erdogan. Wir warten auf die erste Offensive der Türkischen Armee gegen die Kurdischen Peschmerga, wenn der Großmogul beginnt das Neue Osmanische Reich in die Realität umzusetzen.

  • Walter Mol   |   17. November 2016 - 20:26

    Durch den Vormarsch werden jetzt eh genug Waffen erbeutet.Und nicht vergessen,die Peshemrga sind genauso feige abgehauen wie die Irakische Armee vorher haben sie aber nich Jesiden und Christen entwaffnet.
    Auch haben sie sich vorher wie der IS Jesidische Mädchen geholt um sie zu „Heiraten“.
    Könnt ihr alles hier nachlesen:
    http://ezidipress.com/

    Nach der Wahl hat Obama aus welchem Grund auch immer eine Kehrtwende gemacht und beliefert die YPG.
    Half a dozen long convoys of trucks carrying US arms, hurriedly put together by US military headquarters in Baghdad, have crossed the border in the last three days on their way to the Syrian Kurdish PYD-YPG militia, debkafile military and intelligence sources report exclusively Monday, Nov. 14. The deliveries were expressly ordered by President Barack Obama in a radical turnaround from his five-year refusal to supply Kurdish fighters with American weaponry, least of all anti-air and anti-tank missiles.

    More arms convoys are being organized for the same destination.
    https://www.debka.com/article/25776/Obama-hits-Trump-tie-with-Putin-Erdogan-on-Syria

    YPG waren zwar nicht so feige wie die Peshmerga sind aber auch keine Friedenengel sondern Marxistische verblendete.Es ginbt Zwangsrekrutierungen-auch von Jugendlichen.In Shingal kam es einmal fast zum Krieg zw., YPG,Peshmerga und Jesiden weil jeder auf seiner FAHNE bestand.Auch will die YPG sich überall im Jesiden Gebiet festsetzen obwohl das jetzt für die Jesiden heisst das sie dann auch von den Türken bombardiert werden.

    [Das ist vom Ton her an der Grenze… Mir ist schon ein möglichst sachlicher Umgang mit den Themen hier wichtig. Auch wenn das nicht immer klappt. T.W.]

  • es-will-merr-net-in-mei-Kopp-enei   |   17. November 2016 - 20:29

    Da die Waffen- und Munitionslieferung in die Autonome Region Kurdistan des Iraks (kurz Kurdistan genannt) geht, ist die gewählte Bezeichnung korrekt, wenn auch vielleicht etwas ungenau und aus Erdogans Sicht mindestens provokant wirkt.

  • AoR   |   17. November 2016 - 21:19

    Selbst Türken sprechen mit Bezug auf kurdisch bediedelte Gebiete von Kurdistan. Das ist ein Volk von 30 millionen Menschen, einer eigenen Sprache sowie 12.000 Jahre Geschichte unter den Fußsohlen.

    Politische Agitation mit Ziel unabhängiger Staat hat sich auch beruhigt mal abgesehen von der KRG… therefore, no offense.

  • Ein Leser   |   17. November 2016 - 21:41

    @Gfm.Lupus „Wir warten auf die erste Offensive der Türkischen Armee gegen die Kurdischen Peschmerga […]“:

    Die Erdogan-Regierung und die Barzani-Regierung verstehen sich ganz gut und arbeiten zusammen. Die türkische Armee hat auf Einladung der Regionalregierung (Bagdad ist nicht so begeistert) Soldaten im Nordirak stationiert (Artikel bei Hürriyete) und bildet dort Peschmerga aus. Böse Zungen sagen, dass auch das Demokratie- und Gesellschaftsverständnis von Erdogan und Barzani ganz kompatibel sei.

    Das Verhältnis ist völlig anders als das zu den Kurden in Rojava/Syrien. In der YPG sieht die Türkei eine Zweigstelle der PKK.

    In der Rojava sieht es auch politisch/gesellschaftlich deutlich anders aus als im Nordirak. Man ist stark links orientiert (Demokratischer Konföderalismus), macht Basis-Demokratie-Experimente, betont die Rechte der Frauen, usw. Da läuft derzeit ein großes Gesellschaftsexperiment.

  • AoR   |   17. November 2016 - 22:47

    @Walter Mol:

    Und was ist jetzt ihr Problem?

    YPG: Livre en Masse da Genozid droht? Defensive und Training der Minderheiten und Daesh weiter zurückschlagen?
    Peshmerga: Ja die sind gerannt wie die Hasen, hatten auch keine Kampferfahrung mehr.

    Und was ist das für eine Debka-Story … sorry, aber ein Trump wird bestimmt nicht die laufende Strategie des Präsidenten torpedieren. Sollte sich herausstellen, dass er Allierte der USA „bombardieren lässt“ … naja das wird dem Electoral College schmecken.

  • Hans Schommer   |   18. November 2016 - 2:25

    @ Klaus-Peter Kaikowsky | 17. November 2016 – 17:09
    Nur zur Ergänzung: Im Orts- und Häuserkampf braucht es Handgranaten, Handgranaten und nochmal Handgranaten! Davon kann man mit Blick auf die in Mossul vorgefundenen Verteidigungs- und Rückzugsstrategien des IS nicht genug haben. Handgranaten sind auch geeignet, versteckte Ladungen auszulösen.
    Bilden wir die Peshmerga auch im Einsatz von Handgranaten beim Orts- und Häuserkampf aus?
    Hans Schommer

  • Hans Dampf   |   18. November 2016 - 8:14

    @ AoR:

    Sie meinen vermutlich „Levée en masse“, wa?

  • MK   |   18. November 2016 - 9:38

    Sofern es weitere Meldungen darüber gibt, dass Peshmerga Dörfer um Mossul herum dem Erdboden gleichmachen und möglicherweise noch andere „Verfehlungen“ begehen, dürfte es nochmal eine Diskussion um die Auslieferung der restlichen Munition geben.

  • AoR   |   18. November 2016 - 10:47

    @Hans Dampf: Jawohl, hab’s große Latinum…

    @MK: Zustimmung, da muss man mit Argusaugen dran bleiben.

  • ONA   |   18. November 2016 - 12:01

    @ Walter Mol

    Aus jahrelanger Beobachtung: Bevor mir eine Meldung von debka(file) glaubwürdig erscheint, bedarf es mindestens zweier unabhängiger, seriöser Bestätigungen. Meist erweist sich diese Seite bei Überprüfung ihrer Meldungen als überwiegend schlechte „Gerüchteschleuder“.

  • joey   |   18. November 2016 - 15:06

    solche Flugzeuge wie das da im Bild… kaufen…da weiß man, was man hat…

  • Paule66   |   19. November 2016 - 21:59

    Das ist nagelneue Munition für das MG, Baujahr Februar 2016, krass.
    Und hier fehlt sie als zu oft, naja dafür gibt es bestimmt auch tolle Begründungen.

    Kopfschütteln, echt traurig.

  • AoR   |   23. November 2016 - 12:14

    Die IBuK hat ihre Ankündigung / das Versprechen vom letzten Jahr eingelöst, den Peshmerga bei der medizinischen Versorgung zu helfen.

    Kurdistan
    Germany builds medicine storage for Peshmerga
    http://www.kurdistan24.net/en/news/0a15997f-ccd3-47a5-a874-871b35ec5242/Germany-builds-medicine-storage-for-Peshmerga-