Gewalt in Mali: Angriffe breiten sich nach Süden aus

20160501_Mali_MINUSMA_Formation

Im westafrikanischen Staat Mali breitet sich die Gewalt durch terroristische Angriffe auch auf Blauhelm-Soldaten der Vereinten Nationen weiter nach Süden aus. Am (gestrigen) Sonntag starben in der zentralmalischen Region bei Sevaré fünf UN-Soldaten aus Togo:

Five United Nations peacekeepers from Togo were killed and one other was seriously injured in an ambush in central Mali on Sunday, the United Nations said.
The soldiers of the U.N. Multidimensional Integrated Stabilisation Mission in Mali (MINUSMA) were in a convoy which was attacked 30 kilometres (19 miles) west of Sevaré, the U.N. said.

(…)
It came 10 days after five MINUSMA peacekeepers from Chad were killed in an ambush in the northern region of Kidal. Two days ago five Malian soldiers were killed near the town of Gao.

berichtet Reuters.

Nach Angaben der UN-Mission MINUSMA geschah der Angriff auf der Strecke zwischen  Tenenkou und Sevaré:

Ce matin, à environ 11h00, un convoi de la Force de la MINUSMA a été pris dans une embuscade à 30km ouest de Sevaré, sur l’axe Tenenkou-Sevaré.

Auffällig ist dabei, dass es bislang keine Angaben zu den Angreifern gibt.

Bislang gilt vor allem der Norden des Landes, insbesondere in den Regionen um Gao, Timbuktu und Kidal, als Aufmarschgebiet auch islamistischer Milizen und damit als gefährlich. In der Mitte und im Süden des Landes gab es zwar in jüngster Zeit immer wieder einzelne Terrorangriffe, auch auf das Hauptquartier der EU-Trainingsmission in Mali, aber keine Hinterhalte im militärischen Sinn. Deshalb wird es interessant zu beobachten, ob das ein Einzelfall war oder eine Tendenz anzeigt.

Die Bundeswehr hat derzeit in Mali knapp 600 Soldaten im Einsatz. Fast 400 gehören zur UN-Mission und sind in Gao im Norden stationiert. Die knapp 200 deutschen Soldaten bei der EU-Trainingsmission sind vor allem in Koulikoro nördlich der Hauptstadt Bamako stationiert; die Ausbildungsmission soll langfristig aber Richtung Norden ausgeweitet werden.

Ergänzung: Die deutschen Soldaten sind, auch in der EU-Trainingsmission, offensichtlich im Visier von Terrororganisationen. In der vergangenen Woche warnte das Verteidigungsministerium in seiner Übersicht für den Bundestag erneut:

Es liegen unverändert Hinweise über mögliche Anschlagsplanungen gegen die im Einsatzland Mali eingesetzten deutschen Kräfte vor. Die Bedrohungslage für die in Koulikoro und Bamako eingesetzten deutschen Soldatinnen und Soldaten wird daher vorübergehend als erheblich bewertet.

(UN-Foto: Olivier Salgado)

 

 

20 Gedanken zu „Gewalt in Mali: Angriffe breiten sich nach Süden aus

  1. Die Folgen des Krieges gegen Libyen ,welches unter Gadaffi ein Stabilitätsanker in der Region war.Insbesondere der südliche Gürtel wurde durch die Politk dieses Staatsmannes befriedet und stabilisiert.Den Mächtigen im Westen hat dies nicht gefallen und so hat man sunnitische Dschihadisten aufgebaut,unterstützt und an die Macht gebombt.Man google nur mal Hasidi Hasadi Belhadj der von westlichen Politikern hofiert wurde und heute ein Funktionär des IS ist.Die Folgen werden uns noch lange begleiten.Nicht nur in Mali.Und ja man hat davor gewarnt und es besser wissen können.Zum Glück hat Russland im Fall Syrien anders regiert sonst wäre Syrien noch eine weitere „Erfolgsgeschichte“ zum Quadrat.

  2. „In Sévaré befindet sich der Flughafen Aéroport Mopti Ambodedjo (MZI), der die Region Mopti mit Verbindungen unter anderem nach Bamako, Timbuktu, Paris und Marseille versorgt. Der Ort hat im Gegensatz zum Mopti kaum Sehenswürdigkeiten, verfügt wegen seiner verkehrsgünstigen Lage jedoch über eine Reihe von Übernachtungsmöglichkeiten und Hotels.“ (Wiki)

    Die Region Mopti ist zugleich logistischer Flaschenhals und Luft/Land-Knotenpunkt zwischen dem Norden und dem Süden und luftseitig sogar nach Frankreich..
    Falls nun – durch wen auch immer – die Gefährdungslage in dieser Region steigt, dann erhöht das natürlich auch den Aufklärungs-und Sicherungsaufwand für Mali/VN-Sicherheitskräfte in dieser Region……bindet also Kräfte.
    Das könnte dazu führen, dass malische Kräfte aus dem Norden zur Sicherung der Region Mopti abgezogen werden „müssen“. Das hätte den „Vorteil“, dass der Mission Creep der EUTM (Ausweitung des EU-Mandates Richtung Norden) hin fällig wird, bzw. nur bis Mopti ausgeweitet wird.
    Tja, welcher strategisch denkende Schlauberger hat wohl diesen Anschlag organisiert /SCNR

  3. EUTM – bw in mali: 300 mann erlaubt, derzeit so um die 200 da ! bei verhältnis kämpfer zu support von 3 zu 1 ergibt das 50 mann kampf ! junge, junge > kleckern statt klotzen )
    1. 300 sind micro-management durch den bundestag – die generäle (=versager) müssen dem entgegenstehen !
    2. niemals komplett (op & tct) unterstellen, wie z b bei minusma – bringt nichts, ausser tote (siehe oben; rip)
    s f

  4. Insbesondere der südliche Gürtel wurde durch die Politk dieses Staatsmannes befriedet und stabilisiert.Den Mächtigen im Westen hat dies nicht gefallen…

    Ich hoffe,dass meinen sie nicht im Ernst. Die Intervention erfolgte in einer humanitären Kurzschlussreaktion des Westens um das drohende Massaker in Benghasi abzuwenden. Dabei wurde die R2P Klausel vorgeschoben (vorgeschoben es nicht ganz, aber die ist für mich zu sehr ein Feigenblatt um künftige Interventionen zu rechtfertigen) und Sakozy konnte innenpolitisch auftrumpfen. Da hat niemand an Auswirkungen im Subsahara Gürtel gedacht.

    pi

  5. „…Die Folgen des Krieges gegen Libyen ,welches unter Gadaffi ein Stabilitätsanker in der Region war. Insbesondere der südliche Gürtel wurde durch die Politk dieses Staatsmannes befriedet und stabilisiert….“

    Die einzige nenneswerte Aktivität dieses „Stabilitätsankers“ in diesem Gebiet war ein Angriffskrieg gegen den Tschad, dabei wurde den Libyern aber am Ende recht wirksam heimgeleuchtet. In den Neunzigern entschied der Internationale Gerichtshof fast einstimmig, das die durch Libyen okkupierten Gebiete an den Tschad zurück gegeben werden mussten.

    Es gibt also absolut keinen Grund, diesen unformierten Clown postum zum „Staatsmann“ und Friedensengel zu adeln. Auch nicht vor dem Hintergrund des strategischen Fiaskos, dass durch das wenig durchdachte Eingreifen von UK/FRA in den Bürgerkrieg von 2011 herbeigeführt wurde.

  6. Herr Wiegold, das Foto verlinkt zum Artikel „MNKdo Operative Führung: Auftrag erfüllt – Ulmer Kommando zurück von JODY 16“ auf german-defence-industry.com. Ist das Absicht?

  7. Noch etwas zum Friedensengel Gaddafi: Praktisch kein einziger seiner Nachbarn hatte freundschaftliche Beziehungen zu diesem Staat. Mal überfiel Gadaffi den Tschad, dann schlug er vor Niger zu zerschlagen, stellte Gebietsforderungen an Algerien, versauerte die tunesischen Beziehungen wegen Geldwäsche und Sanktionsunterlauf… oder um mal einen ägyptischen General zu zitieren, die gesamte Politik der Region zielt darauf Israel draussen und Libyen klein zu halten.

    Nur zu Mali, da waren seine Beziehungen eher gering, immerhin liegt das Land mindestens 1000km von Libyen entfernt, die Hauptstädte sogar fast 3000km.

  8. Na ja, als Stabilitätsanker der Sub-Sahara-Region würde ich den ollen libyschen Obristen auch nicht bezeichnen. Der hat den Deckel auf dem Dampfdrucktopf gehalten – das war schon alles. Nur leider haben diese „Humaninterventionisten“ nicht bedacht, was passiert, wenn jemand den Deckel ersatzlos vom Dampftopf sprengt ;-)
    Insbesondere dann nicht, wenn diese Sprengung“ nach der Zero Footprint Methode erfolgt:
    http://www.allenbwest.com/allen/operation-zero-footprint-bombshell-truth-benghazi
    https://theconservativetreehouse.com/2014/06/22/update-part-iii-what-we-know-about-the-benghazi-attack/
    Da gibt es dann eben „Secondary Explosions“ wie in Mali……oder Syrien…….oder auch Implusionen wie in Libyen, denn ein explosionsbedingtes Vakkum hat die fatale Eigenschaft sich irgendwie wieder zu füllen…./SCNR

    Dumm gelaufen, Herr James G. Stavridis ;-)

  9. @beobachter:
    Keine Sorge – beobachten ja nur ;-).

    Man rutscht immer weiter hinein in eine Stabilisierungsoperation mit einem offenbar entschlossenen und gut organisierten, dezentralen Gegner. Dazu noch politische Legitimitätsdefizite der unterstützten Regierung, eine zersplitterte militärische Führungsstruktur, unzureichendes Verständnis für die Gegebenheiten vor Ort, zu geringe Ressourcen für Polizei und zivile Projekte, nationale Beschränkungen, etc.

    Ein déja-vu.

    And this is just the beginning…

  10. @Memoria
    Und wieder freue ich mich auf „Geseibere“ bei der BPK, hat man ja sooo nicht voraussehen können oder ähnlich.
    Viele in DEU sind nur noch müde, aber das ist wohl der Plan.

  11. Der als Experte für Konflikte in Afrika weithin anerkannte Ulrich Dellus fand heute mit Blick auf Mali sehr deutliche Worte:
    „Es ist nur eine Frage der Zeit, wann auch deutsche Bundeswehrsoldaten unmittelbar von dieser ständig steigenden Eskalation der Gewalt betroffen sein werden“, sagte der GfbV-Afrikareferent Ulrich Delius am Montag in Göttingen. „Die deutsche Bundesregierung muss sich dringend intensiver mit dieser explosiven Lage beschäftigen und mehr politische Initiativen für eine Befriedung von Nord-Mali entwickeln.“
    https://www.gfbv.de/de/news/mali-fuenf-un-friedenssoldaten-sterben-am-internationalen-tag-der-blauhelme-8042/

    Nun muss man ja nicht alle Ansichten der GfbV teilen, aber es sollte aufhorchen lassen, wenn von dieser Organisation ein so deutlicher Hinweis erfolgt.

    Auch der obige Nachtrag bzgl. EUTM zeigt:
    Da braut sich etwas zusammen – und zwar immer schneller.

  12. @memoria – wollte nur deutlich unterstreichen dass sich ein -jeder !- bundestagsbeschluss unter 1000 mann verbietet, weil militärischer UNSINN !
    @gaddafi – problem waren weniger seine clownereien in sachen uniform, als in sachen geld ! die abkoppelung vom dollar und die bedrohung des africa – franc brachten paris und usa gegen ihn auf , das war sein eigenes todesurteil, und leider auch das vom botschafter in benghasi :( rip

    https://ellenbrown.com/2016/03/13/exposing-the-libyan-agenda-a-closer-look-at-hillarys-emails/
    s f

    [Hm. Die verlinkte Webseite sieht mir aber schwer nach verschwörungstheoretischem Gedöns aus. Nicht ganz so gern gesehen hier. T.W.]

  13. Befriedung? Pazifizierung? Pacification Program?

    Das schmeckt so nach Vietnam, da ist die Bundesrepublik Deutschland bestimmt nicht dabei ;)

  14. Warum sind wir dort? Ach ja, wegen den Franzosen. Die ganze Aktion wird in einem Desaster enden.

  15. @TomCat: Genau genommen sind wir zur Unterstützung/ Entlastung der Niederländer in Mali. Nach den Attentaten in Paris hat man das- auf Sprach-, nicht auf Arbeitsebene- nur ein bisschen uminterpretiert.

  16. GAO, 12:30 Ortszeit, KAMP Castor
    Übergabe der Aufklärungsverantwortung von NLD an DEU Heeresaufklärungstruppe.
    @defensie.online und http://www.defensie-nl/Schule/nieuws/20#6/06/01/inlichtingeneenheid-maakt-in-maliplaats-voor-duitse
    Auftrag, Sicherstellung der Aufklärungs- und MilNW-Leistung im Raum GAO.
    NLD hatte den Auftrag zwei Jahre lang ausgeführt. Wesentliche NEUERUNG dabei die Aufstellung der ASIFU, all sources information unit, eigentlich auf skandinavische Initiative hin. Finnen, Schweden, Norweger und schließlich auch Niederländer stellten die Zelle auf die Füße. Alles in allem waren (sind?) 12 Nationen an ASIFU beteiligt.
    Die Kommandoübergabe im Kamp Castor sah weitere interne Änderungen.
    – Das NLD Joint Support Detachement wurde zum Combined Joint Support Detachement.
    – Das DEU Kontingent erhielt einen neuen Für
    NLD bleibt , vorläufig bis 31.12.16 mit 4 Apache, 3 Chinook, SOF und EOD sowie San- und VerbPers präsent.

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