Von der Leyen: Bundeswehr soll Syrien-Flüchtlinge mit Ausbildung auf Rückkehr vorbereiten

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Die Bundeswehr wird zwar bis zum Sommer ihre Unterstützung anderer Behörden in der Bewältigung der hohen Flüchtlingszahlen einstellen, soll sich aber im zivilen Bereich auch künftig um Flüchtlinge vor allem aus Syrien kümmern. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen kündigte zur Eröffnung der Münchner Sicherheitskonferenz am (heutigen) Freitag an, ein ziviles Ausbildungsprogramm aufzulegen, mit dem Syrer auf den Wiederaufbau ihrer Heimat nach einem Ende des Bürgerkrieges vorbereitet werden sollen. Als nächster Schritt sei die Ausbildung von Sicherheitskräften denkbar.

Aus von der Leyens Eröffnungsrede dazu:

Eines Tages wird es dort [in Syrien, T.W.] Waffenstillstand und wieder Frieden geben. Von dieser Hoffnung lasse ich mich nicht abbringen. Und dann werden die Flüchtlinge in ihre Heimat zurückkehren. Weil sie dort gebraucht werden – für den schwierigen Wiederaufbau. Die Vereinten Nationen rechnen mit mindestens 10 Jahren. Es wäre deshalb gut, den Rückkehrern aber auch ihrer geschundenen Heimat eine Starthilfe für die Zukunft zu geben – in Form einer Hilfe zur Selbsthilfe.
Viele können dazu beitragen. Wir denken inzwischen, die Bundeswehr kann das auch. Wir könnten die ersten Schritte dazu tun mit einem zivilen Ausbildungsprogramm der Bundeswehr.

Die Bundeswehr ist einer der größten und vielseitigsten Arbeitgeber Deutschlands. Wir bilden über 100 Berufe selbstverständlich aus: vom Elektriker bis zum Feuerwehrmann, vom Maurer bis zum Wassertechniker, vom Minenräumer bis zum Sanitäter, vom Logistiker bis zum Verwaltungsexperten.
Wenn wir die unfassbare Zerstörung Aleppos sehen in diesen Tagen, dann wissen wir: Es wird für den Wiederaufbau nicht nur neue Steine brauchen, sondern vor allem Menschen mit Zuversicht, Leidenschaft im Herzen, aber auch ganz vielfältigen Fähigkeiten. Und auch andere europäische Nationen könnten zu dieser Ausbildung beitragen.
Denn wenn es als Folge des Wiener Prozesses eine anerkannte und legitime neue syrische Regierung geben wird, ginge es in einer zweiten Stufe auch um die Unterstützung beim Wiederaufbau der syrischen Sicherheitsstrukturen – Polizei und Militär. Das liegt noch in weiter Ferne.

Aus Regierungskreisen hieß es dazu ergänzend, in dem zerstörten Land würden vor allem Fachleute für sicheres Trinkwasser und für Kommunikation gebraucht, neben Handwerkern im Allgemeinen. Für Zahlen sei es aber noch zu früh. Die Planungen für eine solche Ausbildungsinitiative könnten erst jetzt beginnen, nachdem die Einigung der Syrien-Kontaktgruppe Perspektiven für eine Entwicklung zu einem Ende des Bürgerkrieges biete.

Zur Ergänzung: Die kompletten Eröffnungsreden von der Leyens und des französischen Verteidigungsministers Jean-Yves LeDrian dazu (LeDrian in der Simultanübersetzung der Sicherheitskonferenz):

 

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… und das Redemanuskript in der vom BMVg veröffentlichten Fassung.

(Da das Thema Flüchtlinge hier immer die Gefahr unsachlicher Debatten birgt, setze ich die Kommentare auf moderiert.)

(Foto: Koerner/MSC)

76 Kommentare zu „Von der Leyen: Bundeswehr soll Syrien-Flüchtlinge mit Ausbildung auf Rückkehr vorbereiten“

  • audio001   |   13. Februar 2016 - 9:21

    Zitat: „Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen kündigte zur Eröffnung der Münchner Sicherheitskonferenz am (heutigen) Freitag an, ein ziviles Ausbildungsprogramm aufzulegen, mit dem Syrer auf den Wiederaufbau ihrer Heimat nach einem Ende des Bürgerkrieges vorbereitet werden sollen. Als nächster Schritt sei die Ausbildung von Sicherheitskräften denkbar.

    „Ein ziviles Ausbildungsprogramm“ ist sicherlich nicht schlecht, wenn damit tatsächlich die Pflicht zur Rückkehr verbunden ist! (Wer trägt eigentlich hierfür die Kosten?)

    Eine „Ausbildung von Sicherheitskräften“,- auch nicht schlecht!- Nur für wen sind diese ausgebildeten Sicherheitskräfte dann nach ihrer Rückkehr bestimmt?

    Für die jetzige (gewählte) Regierung der souveränen Republik Syrien, für irgendwelche (nach der syrischen Verfassung nicht legitimierten) „Rebellengruppen“,- oder für wen!?

    Und wer soll ausgebildet werden, wenn bei einem nicht geringen Teil der syrischen Flüchtlinge die Identität unbekannt oder nicht nachgewiesen ist;- und zweifelsfrei sich unter den Flüchtlingen sowohl Anhänger Assads, der Rebellengruppen als auch der IS befinden!? (von „Schläfern“ der IS mal ganz abgesehen!)

    Irgendwie scheint – zumindest mir – die letzte Idee wieder einer der typischen „vdL-Luftnummern“ zu sein!?- Irgendwie nicht ganz zu Ende gedacht.- Also so, wie üblich ….

  • Zimdarsen   |   13. Februar 2016 - 9:40

    @Thomas Melber

    Man muss da auf Details warten, denn durch Soldaten werden fast keine Handwerksberufe ausgebildet. Z.T. führt die eine oder andere fachliche Ausbildung in Teilen zu ziv Anerkennungen.

    Auch die Ausbildungswerkstätten werden durch ziv Pers geführt und unterrichtet.

  • JC   |   13. Februar 2016 - 9:58

    @ Thomas Melber
    Richtig. Und diese Kernkompetenz nennt sich (seit kurzem wieder) Landesverteidigung. Und da kann die Bw natürlich die Ausbildung syrischer Sicherheitskräfte unterstützen. Vorausgesetzt, man wird sich vorher über deren Auftrag und vor allem ihre Führung klar.

    Zum Thema zivile Ausbildung wurde ja schon viel gesagt – lehne ich ebenfalls ab. Die deutsche Wirtschaft ist weltberühmt und anerkannt für ihre Ausbildung (Meister, Gesellen, etc.), die Bw hat damit nichts tu tun. Bereits jetzt findet ein Großteil der „Errungenschaft“ ZAW in der zivilen Wirtschaft statt… Diese Aussage von Frau vdL erinnert stark an die Anfänge in AFG (Brunnen bohren…).

    Aber ich sage auch: die Bw ist in der Lage, jeden ihr gegebenen Auftrag umzusetzen, wenn diesen „Bedarfsträgerforderungen“ in der Umsetzung auch die entsprechenden Ressourcen beigestellt werden. Die Umsetzung erfordert allerdings mehrere Jahre, sofern Strukturänderungen notwendig werden – dies weiß die Politik (hoffentlich), will sie aber leider zu oft nicht wahrhaben. Leider. Dies ist das wahre Dilemma der Bw: Schieflage von Forderungen und Ressourcen, und immer zu wenig Zeit zur planbaren Umsetzung.

  • Berger   |   13. Februar 2016 - 10:10

    Martin | 12. Februar 2016 – 15:40:
    „Die Ministerin könnte durch ihre ungeschickte Wortwahl den den Eindruck erwecken, als kämen aus Syrien überwiegend Menschen mit nur geringen beruflichen Qualifikationen und nicht etwa ausgebildete Fachkräfte. Auch durch solche unvorsichtigen Äußerungen kann man dem Populismus Vorschub leisten!“

    Stark! So ungefähr stelle ich mir Kabarett in den 80er Jahren der DDR vor.

  • Zyme   |   13. Februar 2016 - 10:50

    Als ich die Schlagzeite „Bundeswehr soll Flüchtlinge ausbilden“ gelesen hatte, fühlte ich mich wie vom Blitz getroffen. Sollte tatsächlich echte Realpolitik in die Köpfe unserer Entscheidungsträger zurückgekehrt sein?

    Natürlich nicht – stattdessen sollen die Streitkräfte für zivile Ausbildungsaufgaben zweckentfremdet werden. Darüber kann man doch nicht mal mehr lachen.

    Unter den Angekommenen in 2015 befinden sich Hundertausende mit passiver oder aktiver Kampferfahrung. Wenn ich darunter 250K an der Waffe ausbilde und (analog zur Zusammenarbeit mit dem osmanischen Reich im 1. Weltkrieg von deutschen Offizieren geführt) in einem gebündelten Kontingent wenige Monate später in Syrien anlanden und den Kampf für Assad zu Ende führen lasse, ist der Konflikt 3 Monate später vollständig entschieden. Alle Geflohenen können dann wieder nach Hause zurückkehren.

    Aber ich fürchte, so schnell möchte man die Probleme in der Region dann doch nicht lösen?

  • Memoria   |   13. Februar 2016 - 11:20

    Man kann nur hoffen, dass diese nun offensichtlich unsinnige Idee von der Opposition und Presse mal konsequent hinterfragt werden und anhand dieses Beispieles deutlich gemacht wird was für ein unsäglichen Aktionismus im BMVg herrscht.

    Es gab ja dafür schon viele Gelegenheiten, aber wenn man diese Steilvorlage (das BMVg gibt ja bereits zu, dass es noch keinerlei Planubgen gibt) nicht aufgreift, dann weiß ich auch nicht mehr für was es die parlamentarische Opposition und eine freie Presse gibt.

    Rein praktisch wird man bis vor der Wahl irgendwo einen Sonderlehrgang mit nem Dutzend Flüchtlingen machen.
    Dazu dann ein Ministerinnenbesuch mit Medienbegleitung.

    Bis dahin aber viel Ablenkung hoher Ebenen von wirklich wichtigen Themen.

  • Zimdarsen   |   13. Februar 2016 - 11:45

    Jetzt werden hier ein paar Dinge durcheinander geworfen:

    Es geht um zwei Schritte, welche noch nicht ausgeplant sind.

    1. Schritt

    „Wir denken inzwischen, die Bundeswehr kann das auch. Wir könnten die ersten Schritte dazu tun mit einem zivilen Ausbildungsprogramm der Bundeswehr.“

    2.Schritt

    „Denn wenn es als Folge des Wiener Prozesses eine anerkannte und legitime neue syrische Regierung geben wird, ginge es in einer zweiten Stufe auch um die Unterstützung beim Wiederaufbau der syrischen Sicherheitsstrukturen – Polizei und Militär. Das liegt noch in weiter Ferne.“

    1. Schritt

    Da sind wohl eher keine Soldaten gefragt.

    2. Schritt

    Wird wohl eher von den Russen und Assad geleistet ;-)

  • KeLaBe   |   13. Februar 2016 - 12:02

    @ Zyme

    Aha, Sie wollen also Syrer, die vor Krieg und der Assad’schen Zwangsrekrutierung geflohen sind, nun unsererseits zwangsrekrutieren und dann für Assad in den Krieg ziehen lassen? Vielleicht noch ne kleine Gehirnwäsche vorher, damit’s auch mit der richtigen Seite klappt? Ach, das ist also „echte Realpolitik“. Tolle Idee. Ich liebe die einfachen Lösungen.

  • Edgar Lefgrün   |   13. Februar 2016 - 12:30

    @Memoria | 13. Februar 2016 – 11:20
    Man kann nur hoffen, dass diese nun offensichtlich unsinnige Idee von der Opposition und Presse mal konsequent hinterfragt werden…[…]

    Ob es bei Opposition und Presse Kompetenz für das Beurteilen von Ausbildung gibt? Jemanden, der zumindest einen ADA-Schein hat? Hoffentlich findet sich jemand, der es zum Thema macht.

    Ich frage mich, kann so etwas gelingen? Die von mir bisher beobachteten ZAW finden doch als Lehrgang statt, man könnte sagen, nur Berufsschule, kein betrieblicher Anteil. Und der Berufsschulunterricht auch noch ohne Labor. Und dann versuchen die Teillnehmer schon fast verzweifelt einen Praktikumsplatz zu bekommen. Manche dieser Praktika haben einen zweifelhaften Nutzen, hauptsache formal ein Praktikum und die schriftliche Arbeit erstellen, mit Praxis im Feldeinsatz beim Kunden hat es nicht wirklich etwas zu tun, dort spielt aber die Musik.

    Nun, schauen wir mal, was da wirklich geschehen wird.

    Bei der Ausbildung von potentiellen Rückkehrern käme wohl erschwerend ein Mangel an deutscher Sprachkenntnis hinzu.

  • Zyme   |   13. Februar 2016 - 13:52

    @KeLaBe

    Ich würde bei meinem Vorschlag nicht von einer einfachen Lösung sprechen. Die Identifikation geeigneter Kräfte, die Logistik für Ausbildung und gemeinschaftlichen Abtransport, nötige Absprachen mit Assad, ein damit einhergehendes Umsteuern weg von der aktuellen außenpolitischen Haltung – das wäre alles andere als einfach.
    Aber es wäre eine Lösung.

    Ihre Samthandschuhe sind für kleinere Probleme ja auch genau richtig. Wenn es aber etwas handfestes zu lösen gilt wie den Syrienkonflikt, hat man damit genau zwei Möglichkeiten:

    a) Samthandschuhe beibehalten, die Hände heben und betonen, dass ‚es keine einfache Lösung gibt‘.
    Stattdessen ‚müssen wir uns darauf einstellen, dass es auf Jahre hin diesen Konflikt geben wird und wir so gut es geht uns auf die Folgen vorbereiten müssen‘.
    Und Dutzende von Milliarden Euro für Neuankömmlinge zur Seite legen.

    b) Samthandschuhe ausziehen.

    „Vielleicht noch ne kleine Gehirnwäsche vorher, damit’s auch mit der richtigen Seite klappt?“

    Das wäre vollkommen unnötig. Die Aufgabe von Feldjägern würden Assads Truppen sicher ohne Überzeugungsaufwand bereitwillig übernehmen.

  • Memoria   |   13. Februar 2016 - 15:35

    Auszug aus einem Tagesschau.de-Interview mit der Ministerin:

    „tagesschau.de In ihrer Rede haben sie auch auf die Zeit nach dem Ende des Krieges geschaut. Sie wollen Flüchtlinge in Deutschland ausbilden für den Wiederaufbau. Wird die Bundeswehr nun zum Entwicklungshelfer?

    Von der Leyen: Die Bundeswehr ist in vielen Ländern unterwegs und bildet breitflächig aus. Dabei geht es nicht nur um militärische Fähigkeiten, sondern vor allem um handwerkliches Können, denn das wird in diesen Ländern gebraucht. Und der Gedanke für die syrischen Flüchtlinge ist, ihnen einerseits Fähigkeiten mit an die Hand zu geben, die sie im späteren Leben überall brauchen können.

    Andererseits soll es aber auch die Brücke zurück in die Heimat für den Wiederaufbau sein und ihnen zeigen: Wir glauben an die Zukunft Syriens, Die Bundeswehr ist breit aufgestellt. Wir sind einer der größten Arbeitgeber, wir sind geübt darin, in mehr als 100 Berufen auszubilden. Warum diese Kraft der Bundeswehr nicht auch im Inland nutzen? Denn damit helfen wir jungen Syrern, die eines Tages zurückkehren und ihr Land wieder aufbauen. Wir können ein Ausbildungsprogramm auflegen, damit sie die Fertigkeiten vom Maurer bis zum Elektriker oder für die Wasseraufbereitung auch tatsächlich erlernen.“
    http://www.tagesschau.de/inland/interview-vonderleyen-103.html

    Irgendwie scheint die Ministerin die Dimension der klassischen Ausbildungs- und Ausrüstungsshilfe in vorallem afrikanischen Staaten (in Kooperation mit dem AA) enirm zu überschätzen und die Realitäten der ZAW wurden wohl noch gar nicht zur Kenntnis genommen („…wir sind geübt darin, in mehr als 100 Berufen auszubilden…“).

    Das Ausmaß an Realitätsferne beunruhigt mich zutiefst.

    Wer berät diese Frau?

  • Andreas Poggendorf   |   13. Februar 2016 - 18:18

    @ Memoria | 13. Februar 2016 – 15:35

    Das Ausmaß an Realitätsferne beunruhigt mich zutiefst.
    Wer berät diese Frau?

    In der für Frau von der Leyen relevanten Realität könnte vdL sehr realitätsnah sein. Für die Wahl zur Bundeskanzlerin kommt es nicht auf die Realitäten dieser Welt an, sondern es geht darum, wer die meisten Stimmen auf sich vereinigen kann. Nehmen wir mal an, die Wahlkampfberater von Frau von der Leyen sind zu dem Ergebnis gekommen, dass man strukturell als treu dienende Verteidigungsministerin keine Chance hat, weiter Karriere zu machen. Zudem mag das Volk Menschen, von denen sie glauben, dass sie die Probleme lösen, die sie gerade interessieren. Zu unterscheiden ist dies von realer Problemlösung, darauf kommt nicht an. Glaube ist bei Wahlen in Deutschland einer realitätsbezogenen Wissensgesellschaft überlegen, also müssen die frommen Gefühle der postreligiösen Gesellschaft ersatzreligiös bedient werden. Im Meer der ungewissen Unsicherheit wirft Frau von der Leyen dem silvesterverunsicherten Bürger ihre Rettungsleine zur Erlösung vor der Flüchtlingslawine zu und ihr Bundeswehrministerium ist die Lösung… mit Ursula von der Leyen als Problemlösungsministerin!

    Als Kitas gerade talk oft the town waren, gab es deswegen Fotos mit Kitas, als Teddybär-Begrüßungskomitees für Flüchtlingsströme die Schlagzeilen beherrschen, verkündete Frau Ministerin die Flüchtlingshilfe zur Daueraufgabe (!!!) der Bundeswehr. Seit Silvester geht es medial nun darum, wie man die Flüchtlinge wieder los wird, also verkündet Frau Problemlösungsministerin, dass ihre Bundeswehr das Problem schon lösen wird.

    Dass das alles vollkommen von der Realität entkoppelt ist, interessiert im relevanten deutschen Medienzirkus nicht.
    Frau von der Leyens Realität dreht sich um Frau von der Leyens politische Zukunft. An diesen Realitäten ist sie doch offensichtlich nah dran.

  • Memoria   |   13. Februar 2016 - 18:44

    @Andreas Poggendorf:
    Das sind mit großer Wahrscheinlichkeit die Beweggründe.
    Nur leider vergessen all die spin doctors in der Polit- und Medienblase allzuoft, dass die Bevölkerung noch eine recht bodenständige (realitätsnahe) Sicht der Dinge hat.

    Eigentlich jeder weiß mittlerweile in welchem Zustand die Bw ist und versteht somit auch dass die Bw ganz andere Sorgen hat als ein Ausbildungsprogramm für Flüchtlinge.

    Der „Normalbürger“ hat ein gutes Gespür dafür, dass Polizei und Streitkräfte nicht in dem Zustand sind in dem sie sein sollten (diese Sichtweise zieht sich mittlerweile bis ins linksliberale Milieu). Gerade da könnte die CDU bei ihrer Stammwählerschaft punkten – und macht das Gegenteil.

    Aber vielleicht bekommt vdL ja auch von Schäuble ab nächstes Jahr zusätzliche Milliarden.

  • Insider   |   13. Februar 2016 - 19:14

    Ich wünsche dem AusbZPi in Ingolstadt schon mal viel Spass mit den neuen Handwerkerlehrgängen für Syrer ;-) Nach dem Motto: Wer Feldlagerbau kann, kann auch Aleppo wieder aufbauen.
    So oder etwas ähnliches wird man UvdL ins Ohr geflüstert haben…

  • Focusliner   |   14. Februar 2016 - 6:35

    @Insider
    Die Ausbildung soll in Deutschland erfolgen. Vielleicht meint Sie auch das die Ausbildung über das TGM der BwDLZ erfolgen kann. Also Zivil. Genügend Erfahrungen haben ja einige TGM’s.

  • Memoria   |   14. Februar 2016 - 9:26

    @Focusliner:
    Ich glaube sie gehen einfach von zu viel durchdachtem Vorgehen bei vdL aus. Es gibt dazu lt. BMVg keine Planung!

    Übrigens: Ingolstadt liegt in Deutschland und welche Ausbildungskapazitäten hat das techn. Gebäudemanagement (TGM)?

  • Hans-Joachim Zierke   |   14. Februar 2016 - 9:33

    Ich frage mich gerade, wer hier nicht realitätstüchtig ist, Frau vdL oder ein beträchtlicher Anteil der Kommentatoren.

    Wie wäre es, sich einmal zu vergewissern, wie so eine syrische Stadt heute aussieht – zumindest ein sehr beträchtlicher Teil dieser Städte? Das ist häufig nur noch ein großer Schutthaufen. Kleinstädte sind in Syrien meistens nicht von Zersiedelung umgeben, sondern – wie man sich jederzeit auf Satellitenbildern selbst ansehen kann – meistens kompakte Siedlungen, wobei hinter der Grenze dieser Siedlungen gleich die Felder beginnen.

    Wenn eine solche Ortschaft fast vollständig zerstört ist, und man dennoch möchte, daß Menschen zurückkehren und aufbauen, dann bleibt bittesehr nichts anderes als eine provisorische Infrastruktur zu errichten, Zeltlager, Trinkwasserversorgung, seuchenresistente Hygieneeinrichtungen undsoweiter.

    Nun haben wir das Glück, daß die ankommenden Syrer in der jüngeren Geschichte der Bundesrepublik diejenige Flüchtlingsgruppe ist, die (nach unseren Iranern) mit dem zweithöchsten Bildungsniveau aller Flüchtlingsgruppen hier ankommt. Wer aber nun vertreten möchte, daß sie deswegen auch bereits in der Lage sein müßten, eine provisorische Infrastruktur irgendwo in Syrien effizient begründen zu können, der möge dies einfach mal mit einer Gruppe dafür nicht ausgebildeter deutscher Abiturienten testen, wie gut das geht.

    Daß dies eigentlich THW- und nicht Kernfähigkeiten der Bundeswehr seien, das klingt schon weit plausibler. Aber es dauert durch die Freiwilligenstruktur des THW natürlich eine ganze Weile, bis die Leute so etwas können.

  • Klaus-Peter Kaikowsky   |   14. Februar 2016 - 10:00

    Turkey’s 2nd Army Positions on Syrian Border https://t.co/osQFG4zuUV
    Leider sind Div- und KorpsArt nicht gesondert benannt.

  • Andreas Poggendorf   |   14. Februar 2016 - 10:20

    @ Hans-Joachim Zierke | 14. Februar 2016 – 9:33

    Nehmen wir mal an, es gibt keine versteckten Interessen dabei, die Bundeswehr zum Ausbilder für Flüchtlinge zu machen.

    Die Bundeswehr kauft (Aus-)Bildungsdienstleistungen extern ein, was in der Natur der Sache einer Armee liegt. Was genau sollte nun diese Organisation dazu prädestinieren, zum Ausbilder für weitere Bevölkerungsgruppen zu werden?

    Wenn es darum geht, Flüchtlinge als Personal für Auslandseinsätze der Bundeswehr in Syrien zu werben, dann macht das Sinn. Eine reine allgemeine Fortbildung kann von anderen billiger und besser erbracht werden.

    Das Thema Trinkwasserversorgung ist ein gutes Beispiel. Der technisierte Ansatz hierzu innerhalb der Bundeswehr wird ohne Befehlsgewalt und Ersatzteillogistik nicht funktionieren (siehe Feldlager in Kunduz). Man wird auch Syrien nicht unser Denken und unsere Technik überstülpen können, man wird auch dort lokale Strukturen, Mentalitäten und Fazilitäten in ein Lösungsmodell mit einbeziehen müssen. Ändern wird man dies nur in kleinsten Schritten und mit viel Zeit.

  • Memoria   |   14. Februar 2016 - 10:23

    @Hans-Joachim Zierke:
    Befürworten sie also die Idee der Ministerin?
    Und weil es das THW nicht kann, macht es die Bundeswehr?
    Inwiefern hat die Bw aus Ihrer Sicht quantitativ und qualitativ die richtigen Ausbildungskapazitäten für ein von der Ministerin vollmundig in München angekündigtes Ausbildungsprogramm?

    Und warum soll dies nicht das BMAS und/ oder BMZ gemeinsam mit freien Trägern realisieren?

  • politisch inkorrekt   |   14. Februar 2016 - 10:37

    @Hans-Joachim Zierke

    Ob man in diese Städte zurückkehren kann oder nicht ist in erster Linie eine Frage der Einstellung, ohne ihre ganz realen praktischen Forderungen nach grundsätzlichen Dingen des Überlebens negieren zu wollen. Schauen sie sich an, wie die Kurden wieder in ihre Städte zurückkehren. Die sind auch nur noch Schutt und Asche.

    https://www.youtube.com/watch?v=v7Hb7b5hYzI

    Das THW ist ganz im Gegenteil bereits sehr viel weiter in der Ausbildung von Flüchtlingen als sie denken. Für mich ist es auch das deutlich geeignetere Instrument zur Ausbildung der Flüchtlinge mit ganz praktischen Fähigkeiten, die die Flüchtlinge nach Rückkehr in ihre
    Heimat einbringen können.

    https://www.thw.de/SharedDocs/Meldungen/DE/Meldungen/national/2015/12/meldung_001_syrien_projekt.html?nn=924200

    https://www.youtube.com/watch?v=OABC9WKAguE

    Ich hoffe die Links gehen i.O.?

    pi

  • Memoria   |   14. Februar 2016 - 19:07

    @pi:
    Vielen Dank für den Hinweis auf das THW – verdeutlicht sehr gut wie unkoordiniert die Idee von VdL ist.

    Aber das Strohfeuer ist ja eigentlich schon abgebrannt und der Zirkus zieht weiter.

  • politisch inkorrekt   |   14. Februar 2016 - 20:59

    @ Memoria

    Ist auch meine Wahrnehmung. VdL musste irgendetwas sagen (hätte sie mal lieber zu den 130 Mrd, Re-Assurance, Lybien, Mali und/oder Counter-Daesh vorgetragen) – der Ball wurde von niemanden aufgenommen, ganz im Gegenteil gab es von FRA direkt im Anschluss ne schöne Klatsche.

    Das Thema ist hoffentlich tot bevor es beginnt, irgendwelche Planungsresourcen im BMVg zu binden. Falls nicht, wird sich hoffentlich jemand finden, der eine kurze AdA zu den Möglichkeiten der Bundeswehr, hier tätig zu werden, vorträgt.

    pi

  • Hans-Joachim Zierke   |   15. Februar 2016 - 13:41

    @Memoria
    „Befürworten sie also die Idee der Ministerin?“

    Ich halte es für richtig, eine gewisse Zahl von Flüchtlingen aus Syrien, die voraussichtlich zurückgehen wollen werden, für solche Aufgaben auszubilden.

    Wer das wie macht, darüber kann man diskutieren, was mich aber enorm störte, war die Behauptung, daß Kompetenzen wie Feldlagerbau, mobile Infrastruktur und die dazugehörige Lögistik nicht gefragt seien. Das hat mich heftigst den Kopf schütteln lassen.

    Natürlich bildet die Bundeswehr keine Bauingenieure aus, aber das ist bittesehr nicht das Problem. Syrische Studenten auf dem Weg zur Uni traf ich gerade heute morgen in der U-Bahn, auf diesem Feld passiert ja glücklicherweise bereits ziemlich viel, und niemand ruft dabei nach der Bundeswehr.

  • Hans-Joachim Zierke   |   15. Februar 2016 - 14:35

    @Andreas Poggendorf

    „Nehmen wir mal an, es gibt keine versteckten Interessen dabei, die Bundeswehr zum Ausbilder für Flüchtlinge zu machen.

    Die Bundeswehr kauft (Aus-)Bildungsdienstleistungen extern ein, was in der Natur der Sache einer Armee liegt. Was genau sollte nun diese Organisation dazu prädestinieren, zum Ausbilder für weitere Bevölkerungsgruppen zu werden?

    Wenn es darum geht, Flüchtlinge als Personal für Auslandseinsätze der Bundeswehr in Syrien zu werben, dann macht das Sinn.“

    Ich gehe davon aus, daß mit dem Vorschlag mindestens die Vorstellung verbunden ist, ein anderes Bild von Armee vermitteln zu wollen.
    Eine hiesige Ärztin berichtet, daß es eigentlich nur eine spezielle Krankheit syrischer Flüchtlinge gebe, nämlich die zahlreichen Brandmale auf großen Körperflächen ausgedrückter Zigarettenstummel. Diese Behandlung gehört zum Repertoire für diejenigen, denen nicht gefällt, was so alles dazugehört zur Tätigkeit eines Soldaten der syrischen Armee. Außerdem erklärt sich der überraschend hohe Bildungsstand ankommender Syrer unter anderem dadurch, daß auch regimetreue wohlsituierte Familien uns diejenigen ihrer Söhne gesandt haben, von denen sie vermuten, daß sie sich nicht so ohne weiteres einfügen werden in die syrische Armee und deren speziellen Charakter.

    Wenn jemand nach Wegen suchte, Bundeswehrrekruten aus der Menge syrischer Flüchttlinge gewinnen zu wollen, dann wäre eine vorsichtige … nennen wir es mal Abstandsverminderung … sicherlich eine notwendige Voraussetzung angesichts der Vorgeschichte, die sich mit vielen (aber keineswegs allen) Flüchtlingsschicksalen verbindet.

    Ob das so ist? Frau vdL hat mich leider nicht konsultiert.

    Persönlich wäre ich allerdings strikt gegen einen Bundeswehreinsatz in Syrien jenseits der Recce-Tornados. Deutschland hat zahlreiche Nachbarländer, die ebenfalls die Genfer Flüchtlingskonvention unterzeichnet haben, dies aber nicht damit verbinden, irgendeine Handlung in Richtung des Unterschriebenen folgen lassen zu müssen. Ich halte es für angezeigt, daß Deutschland, falls die Notwendigkeit für friedenserhaltende Maßnahmen nach einem Waffenstillstand irgendwann sichtbar werden sollte, diesen Ländern mit einer großen Verbeugung den Vortritt läßt.

  • Memoria   |   16. Februar 2016 - 23:54

    @Hans-Joachim Zierke:
    Zustimmung.

    Niemand ruft nach der Bundeswehr – nur die Ministerin bietet es an.

    @pi:
    Zustimmung. Es bleibt – wie gesagt – nur die Hoffnung, dass im BMVg deswegen kein Aktionismus ausbricht.

    Hoffnung eben.