Türkei und Russland: Erneut Streit um Luftraumverletzung

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An der Südostflanke der NATO droht erneut ein Streit um eine mögliche Luftraumverletzung durch Russland zu eskalieren: Die Türkei warf Russland am (heutigen) Samstag vor, ein Jagdbomber vom Typ Su-34 sei am Freitag in den türkischen Luftraum eingedrungen. Das Verteidigungsministerium in Moskau wies den Vorwurf zurück; die NATO verurteilte das russische Vorgehen. Im November vergangenen Jahres hatte die Türkei ein russisches Kampfflugzeug abgeschossen, das nach Angaben aus Ankara ebenfalls türkischen Luftraum verletzt haben soll.

Die Folgen dieses Zwischenfalls sind noch unklar; zur Dokumentation die Stellungnahmen im Original:

Pressemitteilung des türkischen Außenministeriums:

30 January 2016, Press Release Regarding the Violation of Turkish airspace on 29 January 2016 by a RF aircraft
Yesterday (29 January 2016) at 11.46 hours local time, a SU-34 type Russian aircraft violated Turkish airspace.
Before the violation actually took place, Russian plane was warned numerous times by Turkish air radar units, (through appropriate channels) both in English and Russian languages.
Despite several previous explicit staments of warnings by both Turkey and NATO, this new violation is yet another concrete example of Russian escalatory behavior.
We once again explicitly call on Russia, to act responsibly and not to violate Turkish Airspace, which is NATO airspace. We underline that such actions could lead to serious consequences, the responsibility of which will totally rest with the Russian Federation.
Russian Ambassador to Ankara has been summoned to the MFA yesterday evening. At the meeting we strongly protested and condemned this violation and reiterated, once again, aforementioned concerns as to the gravity of such violations.

Die Entgegnung des russischen Verteidigungsministeriums auf seiner Facebook-Seite:

Aircraft of the Russian air group in Syria have not breached the air space of Turkey
Russian Ministry of Defence comments on the declarations concerning alleged breach of the Turkish air space by the aircraft of the Russian air group in Syria.
“There have not been any violation of the air space of Turkey by the aircraft of the Russian air group in the Syrian Arab Republic.
Declarations of the Turkish party concerning the alleged fact of such breaching of the air space by a Russian Su-34 aircraft – is propaganda unsupported by evidence.
Even the Turkish air defence specialists know that radar stations, which control the air space, can register only altitude, heading and speed of an object in the air.
No one of such radars can define the type and the state affiliation of an air object to Russia or the so-called “anti-ISIS coalition” led by the USA”.
That is possible only by means of visual contact from another aircraft which was abcent.
It is flatly stated that neither Russian air defence means in Syria, nor the Syrian air traffic control radars have not registered breaching of the Syrian-Turkish border.”

Das Statement von NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg:

Statement by the NATO Secretary General on Russian air space violationA Russian combat aircraft violated Turkish airspace yesterday, despite repeated warnings by the Turkish authorities. Previous incidents have shown how dangerous such behaviour is.
I call on Russia to act responsibly and to fully respect NATO airspace. Russia must take all necessary measures to ensure that such violations do not happen again.
I welcome the direct contacts between Ankara and Moscow, and I call for calm and de-escalation.
NATO stands in solidarity with Turkey and supports the territorial integrity of our Ally, Turkey.
Allies agreed in December to increase the presence of AWACS early warning aircraft over Turkey, as we continue to augment Turkey’s air defences. This decision precedes yesterday’s incident.

Erst am Freitag hatten die USA und Russland erneut Gespräche über technische Maßnahmen geführt, die Zwischenfälle über Syrien bei der Luftraumnutzung durch Flugzeuge der russischen Streitkräfte und der US-geführten Anti-ISIS-Koalition Operation Inherent Resolve vermeiden sollen.

(Archivbild: Russische Su-34 auf dem syrischen Flugplatz Latakia – Russisches Verteidigungsministerium via Wikimedia Commons)

58 Gedanken zu „Türkei und Russland: Erneut Streit um Luftraumverletzung

  1. Das Domröse-Interview habe ich in einem neuen Thread zu NATO/Russland aufgegriffen, weil es ja in seinen Aussagen weit über ‚AWACS für Syrien‘ hinausgeht.

  2. Russland wirft der Türkei offiziell vor Kriegsvorbereitungen gegen Syrien zu unternehmen… bei Aleppo haben sich 60.000 Flüchtlinge auf den Weg gemacht… Die ersten Kurden und Palästinenser aus Syrien und der Türkei kommen im Moment an, der Strom lässt nicht nach… Ein wahrlich kalter Hauch: Gott Hilf!

  3. Ok, die Verhandlungen zur Weltordnung haben begonnen:

    http://nationalinterest.org/feature/kissingers-vision-us-russia-relations-15111

    Kurzer Focus in die Nahost Region: Die Türkei und Saudi Arabien ziehen Truppen zusammen um in Syrien gegen Daesh vorzugehen ( offizielle Version ). Die Kurden wollen die Grenze zur Türkei schließen, mithilfe der Russen. Das Regime von Damaskus gewinnt überhand. Jordanien hat begonnen mit Russland zu koordinieren (das müssten die Saudis durch).

    Fazit: Der Kreml ist wieder Weltmacht, die Erben der Zaren füllen das Vakuum Nahost. Der neue Sheriff lässt nur eine Rechnung zu: Daesh wird am Boden im Irak von Kurden und Schiiten besiegt, in Syrien von der Armee Assads. Die SCC-Presse feiert bereits die „Golden Triangle“ RU-CHN-IRN.

  4. @AoR

    Tja, interessanter Artikel von Herrn Kissinger. Mich treibt seit einiger Zeit die Frage um, ob Washington für den Kreml weltpolitisch noch wirklich relevant ist – militärstrategisch sicherlich, aber weltordungspolitisch ? Vielleicht kommen Kissinger’s Einsichten zu spät – die SCO läßt grüßen.

  5. Ja definitiv relevant, dennoch bedeutet die multipolare Ordnung, dass sich Handelsblöcke herausbilden. Handel heißt immer Vertrauen, und in Moskau, Peking, Teheran ist bekannt wo man dem Westen nicht mehr vertraut (übrigens selbst verschuldet s. Kolonialismus, Algerien-Krieg, Iran Kontra, Nahost Konflikt, Kurden Konflikt, Vietnam, Latein Amerika etc….

    Dort werden wir nun auch zunehmend raus geschmissen werden. Außer wir schaffen Vertrauen. Am besten per Netanjahu, Erdogan und Al-Saud. / SCNR

    Wichtiger Faktor: Der Shanghai Cooperation Council oder Shanghai Cooperation Organisation (?) imitiert die westlichen Institutionen ala WTO/World Bank /NATO/BIS…, neue Ideen sind rar. Und dies in einer Zeit, in der selbst diese Institutionen gegeben des Paradigma unendlicher natürlicher Ressourcen zu hinterfragen sind. Eigentlich blöd, oder?

    Denn das Versprechen hinter der Kohärenz der turbo-kapitalistischen/neo-liberalen Demokratie ist zunehmender Wohlstand. Aber woher nehmen? Über meinen Migrationshintergrund weiß ich, meine sekundär-Schicksalsgemeinschaften halten zusammen, weil man so viel gemeinsam durchgemacht hat. Übrigens jeweils in Konflikte verstrickt die Anspruch auf Weltkulturerbe haben. / SARC

    Ironie ist/ bleibt Off: Ich halte diese künstliche Sonne die hier in Deutschland erforscht wird für vielversprechend. Was halten Sie von einer Stromrechnung von 20€ im Jahr und Batteriebetriebenen Transport und Transrapid von A nach B?

    · Cicero: 10 Jahre Merkel – Wohlstandsvernichtung wohin man blickt

    P.S: Das verlangte nennt sich polit-ökonomischer Strukturalismus. Innenpolitik wird Außenpolitik! Und der SCC/SCO weiß das. Die Briten haben es verstanden und sich kaufen lassen, hier träumt man immer noch von protestantischer NWO. / SARC

  6. @AoR

    Ja. die „marktkonforme Demokratie“ könnte sich als historischer Megaflopp erweisen. Selbst Goldmann-Sachs äußert ja öffentlich Zweifel an der Selbstregulierung der Märkte ;-)
    Dem Turbokapitalismus fliegen zZt die Turbolader um die Ohren ……….

  7. Für einen Syrien Einmarsch brauchen die Türken oder die Saudis sicher die Billigung der USA. Priorität für die USA in Syrien hat jetzt die IS Führungsstrukturen komplett zu zerstören und nicht mehr das Assad weg muss. Die Frage ist, warum die USA so etwas billigen sollen, da der IS sich weiterhin über die Türkei versorgen kann und dank der Saudi Intervention in den Jemen kann sich der IS und Al Qaeda dort enorm ausbreiten. Mit beiden Partner kommen die USA nicht weiter gegen den IS. Dazu dürften beide auch bei Etlichen Sunni Stämme wegen deren Unterstützung von Kopfabschneider Rebellen verbrannt sein. Der IS Koordiniert aus Syrien weltweit Terrorakte auch gegen Freunde der USA. Daher haben die USA keine andere Wahl als selbst ernannter Weltpolizist, alles zu tun um den IS zu stoppen.

    Die USA müssen sich z.B. in Sachen Ukraine auch mal bewegen. Die haben dort mit den Putsch ein Desaster angerichtet. Die alten Kleptokratischen Strukturen haben den Putsch schadlos überlebt und es haben sich danach noch mehr Kleptorkatrische Strukturen gebildet. Die Kleptokratische Strukturen arbeitet jetzt gegen äußere Gefahren aus den Westen und Osten vereint eng zusammen und verhindern damit jegliche Notwendige Veränderungen um zu verhindern dass die Ukraine ein Failed Staat wird. EU Länder haben in der Ukraine Mrd. im Feuer stehen und was bei Verlusten sicherlich das Verhältnis zu der USA schädigen würde.

  8. @Bennedikt: VP Biden hat dem im Falle eines Scheiterns in Genf bereits zugesagt. Sollte das passieren bekommen wir ein wahabbitisch-islamofaschistisches Regime von Ankara bis Mekka. Im Zweifrontenkrieg mit den Persern und den Hebräern.

    Darauf hin haben die Russen Extremisten unter der Oppositionsdelegation zugestimmt. Kurden sind immer noch nicht drin. Die machen im Moment die Türkisch-Syrische Grenze dicht.

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