DroneWatch: Entscheidung über neues Drohnenmodell für die Bundeswehr gefallen

Heron_TP_Israel_AirForce

Die Entscheidung über ein neues unbemanntes Flugsystem für die Bundeswehr scheint gefallen. Nach einem Bericht des Kölner Stadt-Anzeigers soll, nicht ganz überraschend, das israelische Modell Heron TP (Foto oben) als künftige Drohne für mittlere Flughöhen (Medium Altitude, Long Endurance, MALE) für die Luftwaffe beschafft werden:

Die Bundeswehr soll mit israelischen Drohnen des Typs Heron TP ausgerüstet werden, die auch bewaffnet eingesetzt werden können. Wie der „Kölner Stadt-Anzeiger“ (Dienstagausgabe) berichtet, will die Luftwaffe diese Waffensysteme beschaffen, die vor allem zur Aufklärung eingesetzt werden sollen, aber auch Raketen auf Bodenziele abfeuern können.

Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Tobias Lindner bestätigte: „Ein Jahr nach der grundsätzlichen Entscheidung der Ministerin, bewaffnungsfähige Drohnen für die Bundeswehr zu beschaffen, wurde nun festgelegt, ein israelisches Modell zu beschaffen.“ Die israelische Heron TP soll als vorübergehende Lösung beschafft werden und später durch eine zusammen mit Frankreich und Italien derzeit entwickelte Drohne ersetzt werden, die etwa 2025 in die Produktion gehen soll und ebenfalls bewaffnet werden kann. Mit Heron TP hat sich das Verteidigungsministerium gegen das amerikanische Konkurrenzmodell des Typs Predator entschieden.

Möglicherweise hören wir noch am (heutigen) Dienstag von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen was dazu. Die Luftwaffe hatte bereits im vergangenen Jahr durchblicken lassen, dass sie den Heron von Israel Aircraft Industries bevorzugt, der dann für die Bundeswehr zusammen mit Airbus Defence&Space angeboten wird. Möglicherweise wird die neue Drohne auch geleast, wie bereits jetzt schon die in Afghanistan eingesetzten unbemannten Systeme des Typs Heron 1, die dort von Airbus betrieben werden und bei denen die Bundeswehr lediglich Flugstunden einkauft.

Mit den neuen Drohnen wird die Bundeswehr in die Nutzung bewaffneter unbemannter Systeme eintreten. Die öffentliche Debatte darüber ist im vergangenen Jahr ziemlich ruhig geworden und dürfte jetzt wieder aufflammen.

Nachtrag: Wie inzwischen auch hier aus einem Kommentar ersichtlich, waren die Abgeordneten bereits am Montag über diese Entscheidung informiert. Das muss auch so sein, weil die Parlamentarier kurz davor sind, Amok zu laufen, wenn sie es nicht als erste erfahren. Dann muss man allerdings nicht mit der Veröffentlichung einen Tag warten.

Nachtrag 2: Diese Tweets des CSU-Verteidigungspolitikers Florian Hahn darf man dann wohl als Bestätigung verstehen:

(Foto: UAV operator next to the „Heron TP“ – Hagar Amibar/Israeli AirForce)

 

7 Kommentare zu „DroneWatch: Entscheidung über neues Drohnenmodell für die Bundeswehr gefallen“

  • Zimdarsen   |   12. Januar 2016 - 10:14

    Ich hoffe, dass die Entscheidung über eine SAT Com Infra für das System auch gleich getroffen wurde ;-)

  • Memoria   |   12. Januar 2016 - 10:18

    Noch ist da ja viel unklar:
    Wann werden wieviele die Systeme zulaufen?
    Wie wird die „Bewaffnungsfähigkeit“ aussehen?
    Nur eine technisch mögliche Option?

  • Wadenbeiser   |   12. Januar 2016 - 11:17

    Schaut mal über Google nach: „Handelsblatt warum Heron gewann“ , aus dem Jahre 2009. Ist zwar der Heron 1 aber sagt vieles über die Beschaffung aus.

  • dallisfaction   |   12. Januar 2016 - 11:40

    Wie zeitnah wird eine solche Beschaffung durchgeführt werden (können)? Und in welcher Stückzahl wird beschafft?

  • Wacaffe   |   12. Januar 2016 - 12:45

    Wie sieht es denn bei diesen lfz mit den überflugmodalitäten aus.

    Stellen sich hier nicht die gleichen Probleme wie beim eurohawk? (Sense and avoid, Luftraum Sperrungen usw. )

    Irgendwo müssen die Vögel zwischen Einsätzen ja stationiert und beübt werden

  • Olmeca   |   12. Januar 2016 - 12:47

    @Wadenbeiser: Wenn man nur den Handelsblattartikel kennt, würde ich mich Ihrer offen gehaltenen Aussage hinsichtlich der Beschaffung anschließen.
    Letzlich war die Entscheidung für Heron 1 damals richtig, auch wenn der militärischen Bedarfsforderung scheinbar nicht gefolgt wurde. Aber wer sagt denn, ob eben diese Forderung nicht gezielt auf ein Produkt hin gestellt wurde? Somit hat die vermeintliche Einflussnahme aus dem parlamentarischen Raum womöglich in diesem Fall zur Gewährleistung eines fairen Wettbewerbs geführt… und alle hatten ihr Gesicht gewahrt.

  • T.Wiegold   |   12. Januar 2016 - 12:51

    @all

    Gibt eine Zusammenfassung dazu; die weitere Debatte bitte dort.