Umstrittener Sinnspruch ‚Treue um Treue‘ – jetzt im Museum

Karfreitagsgefecht_Dingo

Im Sommer vergangenen Jahres verbot der damalige Heeresinspekteur Bruno Kasdorf den Sinnspruch Treue um Treue, den sich Fallschirmjäger für ihren Einsatz in Afghanistan gewählt hatten. Das führte hier bei Augen geradeaus! zu einer der heftigsten, auf jeden Fall zur längsten Diskussion zu einem Eintrag. Nun wird dieser Aspekt auch historisch angegangen:

MHM_TreueumTreue_3_nov2015

Das Plakat, das die Fallschirmjäger im November 2010 vor den Vorresten eines beim Karfreitagsgefecht 2010 ausgebrannten Dingos aufhängten und das neben dem Spruch Treue um Treue die Namen der gefallenen Kameraden enthält, hängt jetzt im Museum. In der Sonderausstellung 60 Jahre Bundeswehr des Militärhistorischen Museums in Dresden, die am (morgigen) Montag eröffnet wird. Zusammen mit anderen Originalexponaten aus dem Afghanistaneinsatz gehört es zu dem Teil der Ausstellung, der das nicht zuletzt durch die Mission am Hindukusch gewandelte Bild des Bundeswehrsoldaten zeigt – verkürzt gesagt: Der deutsche Soldat als Kämpfer

Interessant wird ja, ob dieses Exponat die Debatte wieder anfacht.

MHM_TreueumTreue_2_nov2015

Nachtrag: Ein Foto mit diesem Exponat taucht auch im offiziellen Bericht auf der Bundeswehr-Webseite auf.

Nachtrag 4. November: Da hier (und vielleicht auch anderswo) das Gerücht aufkam, die Zelle des gesprengten Dingo stehe irgendwo in einer Garage des Militärhistorischen Museums, habe ich den Pressesprecher des Museums mal direkt gefragt.

Seine Antwort: Definitiv nicht. Wir haben keine Kenntnis, wo er gelandet ist und gehen davon aus, dass er in AFG verschrottet wurde.

(Weiterhin bin ich überwiegend außer Gefecht, nur punktuell online, deshalb auch weiterhin alle Kommentare auf moderiert.)

(Foto oben: Der beim Karfreitagsgefecht beschädigte, von der Bundeswehr gesprengte und später wieder sicher gestellte Dingo in Isa Kehl, mit Gedenken an die Gefallenen – via Johannes Clair/“Vier Tage im November“); Foto unten: Militärhistorisches Museum)

57 Gedanken zu „Umstrittener Sinnspruch ‚Treue um Treue‘ – jetzt im Museum

  1. Diesen Sinnspruch gab es doch schon vor dem 1.—– und im 1. Weltkrieg, War im Grabenkrieg für die im Gebrauch, die raus mussten z.B. Späh oder Kommandotrupp.
    Mein Großvater war Ulan, und sein Sinnspruch der Ulanen war „In Treue fest “
    Da kommen so ein paar linke Pazifisten und Dienungsscheue Politiker und nur an den nächsten Stern denkende höhere Offiziere und Generale zu dem Entschluss Treue um Treue verbieten zu müssen. Nur weil dieser Sinnspruch bei den Fallschirmjäger im dritten
    Reich den Zusammenhalt diente.
    Um so mehr freue ich mich das das Tuch auf dem Er steht in einen Museum ist, hoffentlich bleibt Es auch da.
    Die Herrn Generale sollten mal in den Spiegel schauen, dann würden Sie sehen, das Ihre Kragenspiegel genauso sind wie in der Wehrmacht. Noch Fragen????

  2. @Gebhardt Martin

    Die Verwendung im kaiserlichen Heer des obersten Kriegsherren erhöht diese Worte nun wirklich nicht.
    Dieses hat zurecht keine Tradition in der BW.

  3. @ThoDan
    Wenn alles, was es schon im Kaiserreich gegeben hat in unserer Armee keinen Platz hat, dann wird es eng… ich nenne da mal nur ein paar Beispiel: Dienstgrade, Formaldienst, Musik, Auftragstaktik, Befehlsgebung, Führungsprozess, noch mehr gefällig?

    Was Tradition ist und was nicht (im Rahmen der FDGO) entscheidet nebenbei die Truppe.

    Das ist Realität und gleichzeitig Erlasslage (siehe hierzu auch den Traditions-„Erlass“).

    Alles andere wäre übrigens ein Verstoß gegen die Innere Führung.

  4. @ ThoDan | 08. November 2015 – 19:38

    „Die Verwendung im kaiserlichen Heer des obersten Kriegsherren erhöht diese Worte nun wirklich nicht.“

    …referre annum….( Tacitus, Annalen)

    Derartiger Pathos war damals international ueblich.

    Wollen wir mal in 200 Jahren checken, wie man die Politiker unserer Zeit als ausweichend, diplomatisch, unentschlossen, politisch korrekt und nicht zielfuehrend beschreiben wird?

  5. @ThoDan und Koffer
    Ich möchte hinsichtlich Tag der Fallschirmjäger und Kreta-Gedenktag hier für etwas Klarheit sorgen.
    Der Kreta-Gedenktag wurde lange in der Luftlande-Lufttransportschule in Altenstadt mit Ehemaligen und aktiven Fallschirmjägern begangen, um der Gefallenen aller Beteiligten Nationen zu gedenken. Oft waren dabei auch Ehemalige anderer Nationen Teilnehmer des Gedenkens. Nie war dieser Tag Tag der Fallschirmjäger.
    Dieser wird regelmäßig Ende September gefeiert, am oder um den Michaeli-Tag, den Schutzpatron der Fallschirmjäger.

  6. @Bin_dabei | 08. November 2015 – 20:54
    Stimmt grundsätzlich, aber warum müssen Sie mir gegenüber für „Klarheit sorgen“?

    Hier noch einige Details präzisiert:
    1. am Kretatag wurde (und wird auch heute noch inoffiziell) nicht nur an der LL/LTS gedacht,
    2. der Tag Fallschirmjäger ist international schon immer um den Michaelistag herum,
    3. in Altenstadt allerdings erst seit (meiner Erinnerung nach, die Älteren mögen mich korrigieren) ca.12 Jahren. Das Zurückgehen der offiziellen Gedankveranstaltung um den Kretatag musste nämlich durch einen neuen Termin kompensiert werden und da bot sich der politisch unverfängliche Michaelistag an (da ja gerade bei den Franzosen auch schon sehr lange und sehr intensiv praktiziert).

  7. @MikeMolto

    Ich dachte da eigentlich an den Fetzen Papier der belgischen Neutalität und Yperit .

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