Marke Bundeswehr: ‚Militärische Fachkraft für Frieden und Freiheit‘

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Werbekampagnen der Bundeswehr stoßen hier doch immer auf großes Interesse – deshalb kann ich natürlich auch der neuen Kampagne mit dem Slogan Mach, was wirklich zählt nicht vorbeigehen. Dass eine neue große Kampagne anstand, mit der die Bundeswehr sich als Marke und Arbeitgeber präsentieren will, war ja schon seit einiger Zeit klar.

Worum es inhaltlich geht, erläuterte die siegreiche Agentur im August so:

Die Bundeswehr will sich als attraktiver Arbeitgeber im Wettbewerb mit privatwirtschaftlichen Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen positionieren. Durch den Wegfall der Wehrpflicht und der von der Bundesministerin der Verteidigung Ursula von der Leyen geplanten und z.T. schon vollzogenen Umstrukturierungen, steht die Bundeswehr damit vor einer großen Herausforderung und einem immensen Personalbedarf in den nächsten Jahren.

Derzeit besteht die Bundeswehr insgesamt aus 277.000 Beschäftigen, davon 183.500 im militärischen und 93.500 im zivilen Bereich.

Wie die Bundeswehr selbst die Kampagne sieht, hat sie auf ihrer Webseite erläutert: Im Vordergrund stehen dabei der sinnstiftende Dienst an der Gesellschaft und die vielen qualifizierenden Ausbildungsmöglichkeiten. 

Also: es geht um den Arbeitgeber Streitkräfte und den gesellschaftlichen Wert des Dienstes. Aber offensichtlich nicht so sehr um das Militärische und das Soldatsein an sich. Konkret hört sich das bei der Berufsbeschreibung für den Bereich Soldat (M/W) so an:

Als Soldatin oder Soldat machen Sie zwei Karrieren in einer: Sie setzen sich als militärische Fachkraft international für den Frieden und die Freiheit ein und werden gleichzeitig zum Experten in einem von über 130 zivilen Berufen. Je nach Verpflichtungszeit – zwischen vier und zwölf Jahren – steht Ihnen auch eine Führungskarriere offen. Egal, wo Sie sich lieber engagieren, ob beim Heer, der Marine, in der Luftwaffe, der Streitkräftebasis oder beim Sanitätsdienst: Soldat sein ist immer eine persönliche und fachliche Herausforderung.

Militärische Fachkraft – klingt doch gut. Allerdings benutzen diese Fachkräfte überwiegend tödliche Waffen(systeme) und sind, das ist ja die Aufgabe von Streitkräften, dafür da, im Auftrag des Staates Gewalt anzuwenden. So richtig habe ich den Aspekt in der Kampagne nicht gefunden, vielleicht aber auch übersehen. Das ging dem Kollegen Bendlerblogger wohl ähnlich, der etwas spitz zur Kampagne anmerkte: Frieden schaffen – fast – ohne Waffen. Die neue ‪Bundeswehr‬-Werbekampagne ist der späte Sieg der Friedensbewegung.

(Weiterhin bin ich nur punktuell online, es bleibt bei moderierten Kommentaren – ich bitte um Verständnis.)

 

58 Kommentare zu „Marke Bundeswehr: ‚Militärische Fachkraft für Frieden und Freiheit‘“

  • Koffer   |   04. November 2015 - 19:03

    @Ich putz‘ hier nur | 03. November 2015 – 20:06
    „Die Einsätze der BW sind in den letzten Jahren gefährlicher geworden, gleichzeitig werden die Werbekampagnen immer zahnloser“

    Warum ist diese Kampagne Ihrer Meinung nach „zahnloser“ als frühere?

  • Kai   |   04. November 2015 - 19:32

    Gute Werbung tut Not. Gerade in Zeiten, in denen der Nachwuchs Mangelware ist, nicht mehr durch eine Wehrpflicht frei Haus geliefert wird und man sich gegen zivile Konkurrenz durchsetzen muss.
    Medial hat sich die jetzt vorliegende Kampagne im Vergleich zu Vorgängern deutlich verbessert, allerdings erweckt sie bei mir eher den Eindruck, als ob hier ein Ausbildungsbetrieb für ungewöhnliche Berufsbilder und nicht eine „Armee im Einsatz“ wirbt. Für den Zeitgeist kritische Begriffe wie Kampf und Einsatz kommen allenfalls als beiläufige Bemerkung vor.
    Desweiteren finde ich die Benennung/Auswahl der Videos/Beispielkarrieren merkwürdig: Offizier (Dienstgradgruppe), freiwilliger Wehrdienstleistender (Status), Soldat (sind die vorgenannten keine Soldaten?), technischer Bereich (Verwendung), Azubi (Ausbildungsstand), Sanitätsdienst (Mil-Org Bereich), IT-Spezialist (wieder Verwendung), Verwaltung (zivil Beschäftigter/Verwendung).

  • Klaus-Peter Kaikowsky   |   04. November 2015 - 20:05

    @Harry, 17:40
    Ich fühle mich bestätigt.
    Das ist ja gerade Zeichen mangelnden politischen Willens und (ich schrieb: expeditonary) mindset, – dies „… verlassen, dass NRF oder auch EU-BG ohnehin nicht gezogen werden und gleichzeitig immer auf die anderen verwiesen, die ihre Aufgaben nicht erledigt haben“.
    Genau, Sie haben Recht.
    Führung (in Berlin) bedeutet, die Gefahren erkennen, schonungslos benennen und Folgerungen für Zustand der SK ziehen. Dazu bedarf es allerdings der Fähigkeit das Militärische als Währung des Politischen zu akzeptieren. Fehlt dies, wird der Staat mit seinen SK dafür bezahlen müssen.
    Sie sagen „… glaube ich nicht, dass es nur an politischem Willen und gesellschaftlichen Mindset mangelt“. Woran mangelt es dann? Der allenthalben zu beklagende Zustand, auch des Deutschen Heeres, ist ausschließlich der politischen Führung anzulasten.
    Gut, dass es im Heer stets genug „Anpacker“ gab/gibt, die die Kp und Btl in der Spur halten.

  • Wolfgang-2   |   05. November 2015 - 7:15

    Mal so von mir ein paar Kommentare dazu. Werbekampagnen nützen der BW meiner Meinung nach nichts. Das Problem der Bundeswehr ist der Zeitsoldat und damit der befristete Einsatz. Damals als ich bei der BW war gab es die Z-Auswahlen. Man konnte zwischen Z2 und Z12 verschiedene Verträge auswählen und damit verschiedene Laufbahnen. Mir hatte man Z4 angeboten und dabei hatte ich dann die Aussicht, das ich eine Berufsausbildung hätte machen können. Auf meine Bemerkung, dass ich doch eigentlich eine Berufsausbildung bereits habe meinte man nur dass diese bei der BW nicht gelten würde, ich müsste dann auch dort eine machen. Irgendwie nach verschiedenen Z-Verträgen wäre man dann an der Stelle angekommen, an der man Berufssoldat hätte werden können. Allerdings hatte die Sachen dann einen Haken. Die Entscheidung ob Berufssoldat oder nicht, die kann man nicht selbst treffen, sondern die wird im Wesentlichen von der Behörde getroffen – je nach Bedarfslage.

    Am Ende von x Z-Jahren steht man dann vor dem Problem, dass man eine Berufsausbildung hat aus der Wirtschaft, die einem in der BW nichts nützte und dessentwegen man in der BW eine Ausbildung hatte machen müssen, für die sich heute in der Wirtschaft nur noch ein paar chronisch klamme Verleiher interessieren.

    Vielleicht sollte man sich einmal das System in den USA ansehen. Dort kann man jederzeit mit unterschiedlichen in der Wirtschaft anerkannten Abschlüssen anfangen und dort kann man Kündigen und später – bei entsprechendem Bedarf – auch wieder anfangen.

    Oder anders: Vielleicht sollte man wegkommen von der Mentalität „Soldat = Beamtenkarriere“ hin zu dem Berufssoldaten, der ggf. auch mal wieder wechseln kann in die Industrie und umgekehrt.

  • Zimdarsen   |   05. November 2015 - 8:40

    @Wolfgang-2

    Sie Fordern etwas, was es lange gibt.
    Es gibt unzählige Eingangsberufe und SaZ welche mit höherem Dienstgrad eingestellt werden und nach ihrer Dienstzeit mit BFD unterstützung in die Wirtschaft wechseln.
    Unser Problem ist die fehlende Durchlässigkeit in die unterschiedliche Laufbahngruppen und die fehlende Planungssicherheit.

  • NMWC   |   05. November 2015 - 9:16

    @Zimdarsen
    Das ist aber jetzt schon ein wenig arg idealisiert und nur für Einzelfälle zutreffend. Diesen großen Austausch wie von @Wolfgang2 angedacht gibt es so nicht.
    Und dann sollte man gaaaanz genau aufpassen in welchem Bereich von Industrie man schauen möchte. Da kann es nämlich ganz schnell zu einer genauen Betrachtung durch ein gewisses Referat kommen. Inklusive einer 5jährigen Karenzzeit, die weiterhin gültig ist. Und dann noch diese Interessenskonflikte an allen Ecken, die ein BAPers BW bspw jetzt schon im Rahmen von Reservedienstleistungen mit Freude konstruiert. Und da ist es den Damen und Herren im Amt vollkommen egal in welchem Bereich der Reservist übt. Der Aufwand für die aufnehmenden Truppenteile ist entsprechend.
    Netter Gedanke…aber die Realität…uiuiuiuiuiuiuiuiiiii…ich sag Ihnen.

  • J-P-W   |   05. November 2015 - 9:50

    Harry, natürlich gehört es nach meinem Verständnis zur Aufgabe des militärischen Führers zu führen, auszubilden und zu erziehen. So wie übrigens der längst vergessene Sinn der Inneren Führung ein Erziehungsauftrag ist – nämlich den Staatsbürger zum einsatzbereiten Soldaten zu erziehen. Wie sehr dieses ursprüngliche Verständnis von Innerer Führung erodiert ist, zeigt beispielsweise der Sammelband „Armee im Aufbruch“. Aber so weit wollte ich mit meiner Anmerkung gar nicht vom Ursprungsthema weg. Ich vermisste in der Stellenausschreibung der „militärischen Fachkraft“ lediglich die Tätigkeit insbesondere der Landesverteidigung. Die wird allerdings in der Kampagne aufgegriffen. So gefällt mir der ebenfalls zugehörige Spruch „Wir kämpfen auch dafür, dass Du gegen uns sein kannst“ richtig gut!

  • Edgar Lefgrün   |   05. November 2015 - 9:59

    Wolfgang-2 | 05. November 2015 – 7:15

    Mal so von mir ein paar Kommentare dazu. Werbekampagnen nützen der BW meiner Meinung nach nichts. […]

    Gibt es dafür Belege, Erfahrungen?

    Unsicherheit der Berufsplanung für SaZ? Natürlich geht das auch schon mal schief, man lebt in den Tag hinein, hat seinen Spass und hat am Ende der Dienstzeit nichts brauchbares vorzuweisen, da der bei der Bw erlernte Beruf wie Bürokaufmann sich als unbrauchbar erweist.

    @Zimdarsen
    Es ist bei mir schon llänger her, der BFD finanzierte die Ausbildung, hatte aber mit einem Wechsel in die Wirtschaft nichts zu tun. Hat der BFD einen Jobvorrat, eine Stellenbörse, einen Einfluss auf die Wirtschaft für seine Klienten? Wahrscheinlich interpretiere ich Sie falsch und zähle Erbsen.

    Zu meiner Zeit gab es den Eingliederungsschein und den Zulassungsschein, damit konnte man schon in den öffentlichen Dienst. Wem es als junger Mensch von vornerein um Planungssicherheit geht, der sollte gleich nach der Schule den Weg dafür wählen: Justizvollzug, Polizei, Feuerwehr etc.