Amsterdam oder Paris? Egal, Hauptsache Afrika!

MINUSMA_Bangladesh_feb2015

Als die Bundesregierung im August dieses Jahres, wie damals Augen geradeaus! enthüllte,  dem Parlament ankündigte, es könne einen Einsatz der Bundeswehr unter UN-Kommando im Norden des westafrikanischen Landes Mali geben, war die Zielsetzung eigentlich klar: mit dem Engagement der Bundeswehr sollte nicht nur die UN-Mission MINUSMA insgesamt, sondern vor allem der gute Partner Niederlande unterstützt werden.

Aus Sicht der Bundesregierung könnte eine Erweiterung der Beteiligung der Bundeswehr an der Mission MINUSMA einen sinnvollen Beitrag zur fortschreitenden Stabilisierung des Landes liefern.
Die Niederlande beteiligen sich seit 2014 substantiell mit einem Kontingent in Gao im Norden des Landes an MINUSMA. Gegenwärtig planen die Niederlande eine Einbindung von Kooperationspartnern im Kreise der Europäischen Union, die einzelne Module übernehmen könnten. Vor dem Hintergrund der engen deutsch-niederländischen Kooperation im Verteidigungsbereich haben die Niederlande besonderes Interesse an einer Zusammenarbeit mit Deutschland in Gao signalisiert.

Im Einvernehmen mit dem Auswärtigen Amt und abgestimmt mit dem niederländischen Partner, plant das Bundesministerium der Verteidigung daher eine Erkundungsmission nach Mali zu entsenden, die den genauen Bedarf und die Möglichkeit eines deutschen Beitrags ergebnisoffen prüfen soll.

schrieben Außen- und Verteidigungsministerium am 5. August an die Bundestagsausschüsse für Auswärtiges und Verteidigung.

Inzwischen ist einiges passiert. Und auch wenn es für den geplanten deutschen MINUSMA-Einsatz noch nicht mal die endgültige Formulierung des (nötigen) neuen Bundestagsmandats gibt: Welchem Ziel die Entsendung von – absehbar – fast 700 deutschen Soldaten nach Westafrika dient, hat sich in der politischen Aussage ziemlich gewandelt. Zwischendurch war es, angesichts der hohen Zahl von Flüchtlingen und Migranten in Deutschland, vor allem die Bekämpfung von Fluchtursachen in Afrika. Und seit den Terroranschlägen von Paris am 13. November ist es, auf einmal, insbesondere die Entlastung Frankreichs, die mit dem deutschen Einsatz erreicht werden soll.

bmvg_25nov2015_mali

Das BMVg-Video:

 

An dieser Stelle würde ich, das mache ich selten, mal eine begründete Vermutung äußern, auch wenn ich sie (noch?) nicht belegen kann: Die deutschen Pläne für den MINUSMA-Einsatz sahen vermutlich am 12. November nachmittags, also vor den Anschlägen in Paris, nicht so viel anders aus als am heutigen 25. November. Weil sie mit einer Entlastung Frankreichs nur sehr, sehr mittelbar zu tun haben.

Das Gleiche gilt übrigens auch für die angekündigte Aufstockung der Ausbildung kurdischer Kämpfer im Nordirak. Da ist jede Ausweitung des Kampfes gegen ISIS auch sehr mittelbar eine Unterstützung Frankreichs. Aber die wäre vermutlich auch ohne die Anschläge in Paris passiert.

Unterm Strich: Ob und in welcher Form es zu einer unmittelbaren – militärischen – deutschen Unterstützung für Frankreich als Folge der Anschläge des 13. November kommt, ist noch offen. Vielleicht nur bis zum Treffen des französischen Präsidenten François Hollande mit Bundeskanzlerin Angela Merkel am (heutigen) Mittwochabend in Paris.

(Archivbild Februar 2015: Soldaten aus Bangladesch in Mali – MINUSMA/Marco Dormino)

44 Kommentare zu „Amsterdam oder Paris? Egal, Hauptsache Afrika!“

  • BHorn   |   25. November 2015 - 13:08

    Mit den Anschlägen in Paris hat die Bundesregierung nun ja auch den perfekten Grund solch einen Einsatz der Bevölkerung besser zu verkaufen. Jetzt stellen wir uns mal vor, Paris wäre erst gar nicht passiert. Der Einsatz würde dann wahrscheinlich trotzdem und auch im gleichen Umfang kommen, nur halt mit einer anderen Begründung.

    Als geneigter Bürger der sich mit solchen Sachen beschäftigt kommt man sich dann ein wenig von der Regierung verarscht vor und zeigt auch wieder wie heuchlerisch die Regierung mit der Bevölkerung umgeht und auch mit den Partnern.

    EDIT: Peinlich würde es besser treffen

  • Memoria   |   25. November 2015 - 13:25

    @T.W.:
    Vielen Dank für diese klare Einordnung.
    Hoffentlich schaut man auch mal in anderen Medien hinter die Kulissen der Inszenierungen unserer sog. Sicherheitspolitik.
    Da muss man ja nicht mal was vom Thema verstehen. Es genügt schon die Anwendung reiner Logik – ohne viel Zeitwaufwand (ein Blick auf diese Seite würde ja genügen).

    Bin mal gespannt, ob es hier politisch und medial Nachfragen gibt.

  • politisch inkorrekt   |   25. November 2015 - 13:46

    Eine der besten Überschriften ever ;)

    Entlastung hiese ja, es würden Kräfte der Franzosen frei. Die möchte ich gern mal sehen! Da wäre sogar eine komplette Übernahme der Aufgaben der Franzosen im Kosovo sinnvoller.

    Richtige Unterstützung im Sinne von Terrorbekämpfung wäre eh eine direkte Beteiligung bei Op Barkhane, aber die kennt in Berlin wieder keiner.

    pi

  • Stranzky   |   25. November 2015 - 13:48

    Ich sehe hier durchaus ein stringentes Vorgehen:
    So hat man es ja mit der Standortentscheidung für Kunduz auch gemacht: Schnell als erster raus aus Kabul in den (vermeintlich sicheren) Norden.
    Mali wird sich zu einem ähnlichen Abenteuer entwickeln, nur diesmal ohne amerikanische Schutzmacht in der Luft.

    Wer berät VdL? Das kaufen uns die Franzosen doch niemals ab! Sehr peinlicher Fluchtversuch vor dem Hintergrund der großen Ankündigungen auf der Münchener Sicherheitskonferenz.

  • Uwe   |   25. November 2015 - 14:00

    Gut auf den Punkt gebracht, T.W.!
    Es bedarf eben immer eines etwas längeren Atems zur kontinuierlichen Beobachtung des politischen Handelns oder Kommunizierens, um die darin erkennbaren Widersprüche und die längst gewohnheitsmäßige Verschleierung von Umständen, die zu kritischen Nachfragen führen könnten, zu entlarven.

  • Jens Schneider   |   25. November 2015 - 14:22

    Damit dürften auch die letzten Befürworter der deutschen “ Sicherheitspolitik “ erkennen, dass Deutschland nur Symbolpolitik betreibt, was unsere “ Anstrengungen “ zum bekämpfen von IS und die “ Unterstützung “ Frankreichs angeht.

    @T.W.
    Danke für den Thread und die klare Einordnung!

    @ Bundesregierung:Einfach beschämend für Deutschland.

  • Bordschütze   |   25. November 2015 - 14:30

    @T.W.:

    Ich teile den Großteil der Einordnung. Bei der Einordnung des deutschen Engagements für Mali bin ich jedoch nicht komplett d’accord. Denn bis vor kurzem wollte vdL etwa eine Kompanie (~150 Mann) für MINUSMA bereit stellen; jetzt reden wir plötzlich von einem kleinen Bataillon (~650 Mann). Letzte Zahl geistert erst seit der Zeit nach Paris durch die Korridore. Ich kann mich irren, aber zumindest gibt es hier den Versuch für einen größeren Fußabtritt.

    Das ändert freilich nichts daran, dass Frankreich dadurch nur bedingt entlastet werden dürfte. Was sich die Franzosen da noch ausbitten werden, dürfte spannend werden.

  • AoR   |   25. November 2015 - 14:35

    Nur nicht so voreilig mit den Urteilen: Wenn Hollande alles richtig macht kriegen wir einen UNSR zusammen. Frankreich hat das Heft in der Hand, also eben das Land dessen Aufklärung so maßgeblich an der heute gültigen Weltordnung beteiligt ist.

  • Closius   |   25. November 2015 - 14:36

    Bin mal gespannt, ob die Franzosen sich diese Verarschung gefallen lassen oder konkrete weitere militärische Hilfe verlangen, weil was jetzt angeboten wird, war vor den Anschlägen von Paris so hier schon diskutiert und vorgesehen.

    Und wie soll mit Logistik und Aufklärung die ISIS oder die Fluchtursachen beseitigt werden? Das kämpfen will man wohl mal wieder anderen überlassen, aber übersieht, daß das Aufklären(Hinterhalt) gefährlicher sein kann das Angreifen des Gegners selbst Kampftruppen oder Reserven scheinen mal wieder nicht vorgesehen zu sein.

  • Memoria   |   25. November 2015 - 14:39

    Stranzky | 25. November 2015 – 13:48:
    Genau so sehen das nicht nur sie. Das Kopfschütteln ist ja weitverbreitet – gerade wegen dieser offensichtlichen Parallelen. Wir gehen wieder den Weg des vermeintlich (!) geringsten Widerstandes.

    Die Folgen werden erheblich sein – wieder stoplert man planlos in einen Einsatz.
    Nur diesmal könnte man es besser wissen.

    Wer berät vdL?
    Entweder hört sie auf niemand oder es sind ihre Namensvettern…

  • T.Wiegold   |   25. November 2015 - 14:45

    @Bordschütze

    Sie irren. Nach meinem Kalender lag der 28. Oktober deutlich vor dem 13. November:

    http://augengeradeaus.net/2015/10/bundeswehr-einsatz-im-norden-malis-noch-vieles-offen/

  • politisch inkorrekt   |   25. November 2015 - 14:51

    @Closius

    Die gem.AufklKp steht ja schon länger. Deshalb wird in Eutin ja auch schon länger geübt. Hinter Logistik könnte sich eine geforderte LogKp für die MINUSMA verstecken.
    Da gab es hier im Blog mal eine Übersicht, was gefordert ist.
    Das kann auch schnell auf Konvoischutz für zivile LKWs hinauslaufen.

    pi

  • Peter Popel   |   25. November 2015 - 15:03

    Frau Minister erzählt etwas von Logistik und Aufklärung. Es soll also etwas für jemanden transportiert und aufgeklärt werden. Gemeinhin sind beide Tätigkeiten im Bereich der Unterstützung angesiedelt. Bin gespannt, wer da unterstützt wird. Kampftruppe ja nicht, da bei 650 „Mann“ der Schlüssel von 1 Kämpfer zu 9 Unterstützern nicht ganz aufgeht. Ausser wird unterstützen „Andere“.

  • Tluassa   |   25. November 2015 - 15:57

    „Das ändert freilich nichts daran, dass Frankreich dadurch nur bedingt entlastet werden dürfte. Was sich die Franzosen da noch ausbitten werden, dürfte spannend werden.“

    Ich finde man kann zumindest so argumentieren, das durch die Unterstützung der Peshmerga der IS militärisch ähnlich geschwächt wurde wie durch die Luftangriffe, und das mit ziemlich einfachen Mitteln, der Lieferung von Panzerabwehrraketen und Infanteriewaffen und die Ausbildung an diesen Waffen. Den Effekt können sie jetzt in Sindjar sehen. Ich bin ja kein großer Fan von recht einfach gestrickten VICE stories, aber dieser „Film“ aus dem Juni spricht Bände: https://www.youtube.com/watch?v=KbsesrAMjTw Der Reporter fährt an einer Stelle sogar selbst in einem Deutschen Dingo an die Front. (warscheinlich weil das so ziemlich das sicherste darstellt was die Kurden gegen IED’s haben) Man sieht das fast jeder dort mit G-36 oder G-3 rumläuft, und ich wage mal zu behaupten das sah 2013 und 2014 noch anders aus als sich die Kurden überall zurückziehe mussten. Natürlich muss man jetzt nach einer Politischen Lösung suchen um irgendwann wieder abziehen zu können, aber dort im Irak wird gegen den gleichen Feind gekämpft der Frankreich angegriffen hat, und so wie ich es sehe könnte man den Franzosen das durchaus vermitteln. Ich sehe auch nicht was gegen Luftaufklärung für die Kurden spricht oder sogar eine aktivere Rolle der Luftwaffe, wenn man schon nicht in Syrien eingreifen will.

  • PPT   |   25. November 2015 - 16:15

    Vllt ist die Frage zu früh, aber weiß man schon welche Truppen entsendet werden sollen?

  • LTC007   |   25. November 2015 - 16:17

    Oberst a.D. Kiesewetter hat als außenpolit. Sprecher der Union mehrfach die RECCE-Tornados ins Spiel gebracht. Das wäre mal eine Hausnummer gewesen, die Paris überzeugen würde. Nach dem ergebnislosen Gespräch von Hollande mit dem schwachen Obama wird sich Hollande zu Recht im Stich gelassen fühlen, wenn wir nur mit der Lachnummer Unterstützung Mali kommen.

  • Zivi a.D.   |   25. November 2015 - 16:43

    Ich würde gerne wieder mal naive Fragen stellen: Wenn ich rekapituliere, was die Fachleute & Insider hier zum Zustand und den Möglichkeiten der Truppe notiert haben, scheint es mir doch fraglich, ob die (heute in diesem unserem Lande real existierende) BW mehr leisten könnte. Irre ich mich da? Habe ich falsch verstanden, was die Experten für fliegendes, schwimmendes & rollendes Gerät samt Bedienungspersonal aufgeschrieben haben? Wenn ja, was wäre denn realistisch möglich? Ein Jäger- und/oder PzGrenadier-Bataillion nach Afrika? Ein letzter Versuch für die DF-Brigade (sofern sich F überhaupt noch auf so ein Abenteuer einließe?)

  • Memoria   |   25. November 2015 - 17:14

    @pi:
    Hier nochmal die Fähigkeitslücken mit Stand September 2015:
    https://cc.unlb.org/Uniformed%20Capability%20Requirement%20Paper/UN%20PK%20Capability%20Requirements%20Paper%20-%20Sept%202015.pdf

    Nach meinem Verständnis begrenzt sich der deutsche Beitrag auf einen Ersatz für niederländische Elemente (gemAufklKp), eventuell noch Lufttransport und nationale Elemente (Führung, FüUstg, San, Log (NSE), Sicherung).

    Zwischenzeitlich hatte Dänemark überlegt den Schutz für den Logistikverband zu übernhemen, dies ist aber mittlerweile verworfen worden.

    Die obige Liste zeigt, dass man schon jetzt sehr viel mehr im ganzen Spektrum machen könnte – vom Kampfhubschrauber bis zum Kriminalpolizei-Team. Zumal die Bedarfe nächstes Jahr noch steigen. Aber wir machen halt wieder irgendwas ohne zu wissen was wir damit erreichen wollen.

    Aber nach alldem Gerede wird es ja bald ein Mandat geben, dann wissen wir hoffentlich mehr.

  • Memoria   |   25. November 2015 - 17:19

    LTC007:
    Es gab heute wohl in den Debatten (Merkel, Steinmeier) und am Rande im Bundestag (von der Leyen, Sondersitzungen Verteidigungsausschuss und Auswärtiger Ausschuss) verschiedene Hinweise, dass man heute Abend von einer Anfrage der Franzosen nach Recce-Tornados ausgeht:
    http://www.tagesschau.de/multimedia/video/video-135795.html

    Besonders „aktiv“ war Steinmeier:
    „Wir müssen nur geben, was wir können und was wir verantworten können. Aber grundlos verweigern dürfen wir uns auch nicht. Sonst ist unser Versprechen, das wir gegenüber unserem engsten Nachbarn gegeben haben, nicht viel wert.“

    Mal sehen was man kann und was man verantworten kann…

    Aber selbst wenn es so kommt, dann ist es wieder typische Berliner Republik (reaktiv, planlos).

    War da nicht was mit vorausschauend, entschlossen und substantiell?

  • wacaffe   |   25. November 2015 - 17:35

    eingentlich muss man zu diesem absurden einsatzeskapismus nichts mehr sagen.

    es handelt sich schlicht um die x-te iteration des deutschen modus operandi blindlings irgendwelche vermeintlich unmiliträischen (isv. nichtkinetisch)einsatz angebote zu machen um irgendwie, irgendwas, irgendwo zu „machen“.

    das ganze ohne auch nur ein jota eigener interessenabwägung, risikoanalyse, realistischer planung und was sonst noch so zu rationalen entscheidungsprozessen gehören würde.

    es hätte so viele optionen gegeben:

    – substitution franazösischer truppen bei OP Barkhane (Mali)
    – JABO einsatz tornado zumindest im irak zwecks freisetzung UK für Syrien
    – SOF partnering für Peshmerga zwecks zielzuweisung im gefecht
    – und und und und……………

    planlos, willenlos, ziellos ist die trinität deutscher sicherheitspolitik und das nicht erst seit Paris.

    An Hollandes stelle würde ich einfach mal irgendwas substantielles von deutschland „anfragen“ und das auch vorher öffentlich kommunizieren.

    die panischen ausweichreaktionen die unsere politische klasse veranstalten würde hätten zumindest unterhaltungswert.

  • Zimdarsen   |   25. November 2015 - 18:00

    @Memoria

    ….und schon haben wir wieder unsere Probleme.
    Der Tornado ist mit hochauflösenden Kameras im Tiefflug gegen einen Gegner auf Augenhöhe ein wichtiges Instrument.
    In Syrien ein RecceLite in 6000m plus zu verwenden, ist ein Akt der Verzweiflung und hat nichts mit der richtigen Auswahl von Werkzeugen zu tun.
    Gerade hier wäre eine autonome/vernsteuerbare Plattform mit Kamera (zB in der Klasse Wescam Mx 20) einschl. SatCom genau richtig (so was wie Heron ;-))
    Aber wenn man nur einen Hammer hat…………
    Hoffentlich werden sie nicht in der Türkei stationiert.

  • ari127mm   |   25. November 2015 - 19:49

    Besonders „aktiv“ war Steinmeier:
    „Wir müssen nur geben, was wir können und was wir verantworten können.“

    ….was können wir überhaupt „geben“….was können wir „überhaupt“ und was wollen wir überhaupt „verantworten“ ???? irgendwie ja nicht viel !!!

  • Hohenstaufen   |   25. November 2015 - 20:31

    Hoffentlich muss Deutschland in Zukunft nie Frankreich um militärische Hilfe bitten – wenn Frankreich dann so stark „hilft“ wie Deutschland jetzt Frankreich …
    Deutschland will militärisch nicht helfen und gestaltet die militärische Ausrüstung der Bundeswehr bewusst so, dass Deutschland auch nicht helfen kann – nicht mal sich selbst im Verteidigungs-Ernstfall.

  • Klaus-Peter Kaikowsky   |   25. November 2015 - 21:38

    Die Heeresaufklärungstruppe zählt zu den Einsatz- und Führungsunterstützungstruppen. Hauptaufgaben sind Aufklärung feindlicher Kräfte und Erkundung unbekannten Geländes.
    Sie betreibt taktische Gefechtsfeldaufklärung im Aufgabenbereich und operative Aufklärung in der Tiefe des Raumes (Interessenbereich), um so die Voraussetzung zur Erstellung eines möglichst realen, zeitnahen Lagebildes für Kampftruppe zu gewährleisten.
    Dies umfassende Lagebild bildet die Voraussetzung für den Kampf oder andere Entscheidungen der operativen und/oder strategischen Ebene.
    Aufklärung ist keine „Unterstützungsaufgabe“, sondern Führungsunterstützung, die unmittelbar zum Kampf führt. Der Einsatz von Aufklärung muss stets in Zusammenhang mit der Verwendung von Feldnachrichtentruppe betrachtet werden. Dabei kann die Kampftruppe in multinationalem Einsatz von anderen Nationen gestellt werden, es bedarf also keiner deutschen Panzertruppen und/oder Infanterie.
    Ohne 13/11-Paris wäre es zwar auch zu einem erweiterten Einsatz in Mali gekommen, aber nicht zu diesem, da ursprünglich lediglich der Entsatz der 450 Mann NLD Truppe ins Auge gefasst war. Sicherlich hätte die Truppe eine Stärke gehabt von – verschämt – erkennbar unter 450.
    Die nunmehr beabsichtigten Kräfte von offenbar 650 können wohl die Aufgaben der NLD abdecken, nicht aber die Fähigkeiten von zuletzt 1.800 Franzosen in Nordmali. Dazu bedarf es nicht einmal einer näheren Betrachtung der tatsächlichen Grundgliederung. Fairerweise bleibt jedoch der zu gebende Auftrag in Bezug zum Raum abzuwarten, denn derzeit ist noch unbekannt, welche sonstigen Nationen (afrikanische?) ggf. zur Ablösung in den weiten Nordmalis herangezogen werden.
    Was die Unterstellung und Zuordnung anbelangt hoffe ich sehr, dass es kein UN-Mandat wird. UN-Mandatierung hat in der Geschichte leider stets negativ bewertbare Merkmale: „schwaches“ Mandat in puncto „Kampf“, unzureichende Stärke (exotischer) Kräfte, schlechte Ausrüstung (exotischer) Kräfte, „operettenhafte“ Führung aus 3.-Welt-Staaten, strategische Entscheidungsebene in New York. Nicht umsonst unterstellen die USA den UN keine Truppe.
    Srebrenica lässt grüßen.
    Um nicht vorschnell zu urteilen sind der Auftrag, die tatsächliche Gliederung in definierter Raumordnung ( in der Reihenfolge) abzuwarten. Kritische Größen sind taktischer Lufttranssport, CSAR, JFS und CAS. Die Kernfähigkeit bodengebundene Aufklärung können wir und haben wir.
    PS: BK Merkel „… Wenn der französische Präsident uns bittet, was wir darüberhinaus (in Syrien) tun können, so ist dass für uns Aufgabe. Ich werde darüber nachdenken!
    – [Heute in Paris!] –

  • Thomas Melber   |   25. November 2015 - 22:01

    Sollten wir in MLI nicht die NLD ablösen / entlasten? Hr. Hollande scheint noch nicht ganz zufrieden mit unserem Engagement, Fr. Merkel ist aber bereit, nachzulegen.

  • Jens Schneider   |   25. November 2015 - 22:03

    @ Hohenstaufen
    1a.Ihrem Statement kann ich mich zu 100% anschließen.

    Diese “ SIPO “ werden wir in Deutschland noch mal bitterst bereuen!

  • Usedom70   |   25. November 2015 - 22:44

    Na ja – man kann das auch positiv sehen: Ist doch alles besser als direkt in Syrien/Irak aktiv zu werden – denn was wollte man dort tun? Luftangriffe finden schon so lange statt – da gibt´s doch kaum noch „wertige“ Ziele – und die paar, die wohl am ehesten noch über Spione aufgeklärt werden, können wohl von den bereits „aktiven Nationen“ bekämpft werden. Beim Bombardieren längst verlassener Stellungen oder weit schlimmer von Wohnhäusern nach dem Motto „sind 10 Leute drin wird schon einer zum IS gehören“ wollen wir doch wohl nicht mitmachen – das stärkt doch im Endeffekt nur den IS. RECCE – bin kein Experte – aber bei all den Flugzeugen/Drohnen/Satelliten, die schon im Einsatz sind – hätte doch wohl nur minimalen Mehrwert. Bodentruppen bei einem großen multinationalen Einsatz – einen zweiten AFG-Einsatz wollen doch nicht mal die Franzosen/Russen/Amis…

  • Zimdarsen   |   25. November 2015 - 23:32

    @Hohenstaufen

    „Hoffentlich muss Deutschland in Zukunft nie Frankreich um militärische Hilfe bitten – wenn Frankreich dann so stark „hilft“ wie Deutschland jetzt Frankreich …“

    Bei was soll Deutschland helfen, beim Kampf gegen den Terrorismus in Frankreich?
    Wie, mit Polizei, Integrationskursen, beseitigung der Jugendarbeitslosigkeit, Folgen der kolonialen Erbens uem?
    Oder beim Beseitigen der Folgen von 40 Jahren Uranabbau in Niger?
    Beim Rachefeldzug ohne Plan in Syrien, bei welchem die Terroristen eher gestärkt werden?
    Ist die hunderttausendfache Hilfe der Flüchtlinge, keine Unterstützung?
    Einem Partner helfen bedeutet nicht das tun was er will, sonder jenes tun, was in der Sache hilft.

    „Deutschland will militärisch nicht helfen und gestaltet die militärische Ausrüstung der Bundeswehr bewusst so, dass Deutschland auch nicht helfen kann – nicht mal sich selbst im Verteidigungs-Ernstfall“

    Was hat die von TdM gemurgste Neuausrichtung mit einem Plan bezgl der Hilfe für Frankreich zu tun?

    Frankreich hat sich selbst mit Libyen und den Folgen übernommen und bekommt von uns schon lange „etwas“ Unterstützung.

    Woran liegt es, dass einige Deutsche so scharf auf heiße Einsätze der Bw in Syrien sind?

  • FK70   |   26. November 2015 - 0:18

    @T.W.: Danke. Da fällt mir nur eines ein:

    Es gibt kein größeres Theater als das Leben selbst ;-)

  • Langnase   |   26. November 2015 - 0:32

    Wäre es realistisch, im Norden von Mali ein Jägerbataillon wie z.B. das 291 einzusetzen?
    https://de.wikipedia.org/wiki/J%C3%A4gerbataillon_291

    Und wenn ja, welche weiteren Einheiten wären zur Unterstützung nötig
    – Drohnen- und Feldnachrichtenzug
    – Artillerie
    – Kampfhubschrauber?
    Und was davon hätte die Bundeswehr verfügbar?

  • Closius   |   26. November 2015 - 0:36

    @Wacaffe: Besser als sie kann man das deutsche Sicherheitspolitische Absurdistan nicht auf den Punkt bringen 1+.

    Mali ganz zu übernehmen und auch die 1.800 Franzosen zu ersetze wäre ein klares Zeichen gewesen und dafür sich aus Syrien raushalten.

    Jetzt werden aus lauter schlechtem politischen Gewissen gegenüber Frankreich 650 BW-Soldaten in Mali verheizt werden, die mit dieser geringen Stärke nichts wirkliches dort schaffen können und irgendwelche anderen BW-Soldatn werden als Feigenblatt des schlechten Gewissens in den Irak oder Syrien geschickt werden, aber zu wenige, um militärisch wirklich ins Gewicht fallen zu können und wenn jetzt wirklich Aufklärungstornados runtergeschickt werden, bin ich sicher, daß die Politik/BW-Führung vergisst, für einen Absturz oder Abschuß mit eigenen Rettungskräften und Hubschraubern Vorsorge zu treffen!

  • Memoria   |   26. November 2015 - 1:12

    @Zimdarsen:
    Richtig, wenn man nur einen Hammer hat.
    MALE Brückenlösung kommt weiterhin nicht voran.
    Aber MX-20 und der RecceLite spielen grundsätzlich in der gleichen Liga.
    Da liegen die Franzosen mit Reco NG (AREOS) in einer andren Liga.

    Vielleicht soviel zu unseren heraausragenden Fähigkeiten im Bereich Aufklärung.

  • Memoria   |   26. November 2015 - 2:25

    BK’in Merkel beim Besuch des franzöischen Staatspräsidenten:
    „Der Islamische Staat muss mit militärischen Mitteln bekämpft werden. (…) Wenn der französische Präsident mich bittet, darüber nachzudenken, was wir mehr tun können, dann ist das Aufgabe für uns, darüber nachzudenken.“

    Es gab mal Zeiten, da wurden Treffen auf dieser Ebene entscheidungsreif (!) vorbereitet.
    Zeit genug gab es mittlerweile.
    Wenn man den ersten Satz des Zitates ehrlich meine würde, dann hätten die Beteiligten heute Grundsatzentscheidungen getroffen.

  • Frank Nagel   |   26. November 2015 - 8:38

    Die Entscheidung, sich logistisch und milNW-mäßig verstärkt in Mali zu engagieren ist in der Tat bereits Mitte September gefallen. Soweit ich noch erinnere, wurde eine erste Abfrage, zusätzliches LOG und milNW Personal für der Entsatz der Niederländer (damalige Begründung) zu stellen, bereits im Oktober an die Kommandobehörden gestellt.
    Dass das Verteidigungsministerium dies nun als „Unterstützung“ Frankreichs verkauft hat bestimmt auch damit zu tun, dass „wir“ gar nicht mehr über ausreichend Munition für einen Luftkrieg verfügen. Die Tornados können ihre alten Henkel-Bomben abwerfen, beim Einsatz der vorhandenen „highly-sophisticated“ Bombem, werden wir zu wenig geeignete Systeme bereitstellen können und nach nur wenigen Minuten „verschossen“ melden. Wie bei vielen anderen Waffensystemen wurde einfach nicht ausreichend Munition gekauft – da entsenden wir nun lieber ungeschützte Spezialisten in ein heisser werdendes Krisengebiet, um die Offensichtlichkeiten der Mangelwirtschaft „Material und Munition“ nicht zugeben zu müssen.
    Schade – und da wundern wir uns, dass es immer noch keine „Vereinigten Streitkräfte Europas“ gibt. So wie es aussieht, sind die anderen Staaten Europas auch heute noch besser dran, wenn sie sich nicht zu sehr auf unsere schimmernde Wehr verlassen.

  • Memoria   |   26. November 2015 - 9:43

    @Frank Nagel:
    Im Januar diesen Jahres wurden fast 400 GBU-54-Kits bestellt:
    http://ausschreibungen-deutschland.de/206309_Herstellung_und_Lieferung_von_375_EA_MK-82_Guidance_Kits_und_381_EA_Laser-Suchkoepfe_im_Rahmen_2015_Koblenz

    Inwiefern schon geliefert ist, kann ich nicht sagen.
    Davor gab es jedoch schon einen Mindestbedarf.

    Wenn man wöllte, dann könnte man.

  • MBehringer   |   26. November 2015 - 10:29

    @Langnase
    Von den Gegebenheiten in Mali wäre ein Jg bzw. GebJg Bataillon bzw Gefechtsverband sicher geeignet. 291 ist aber lediglich ein „halbes“ JgBtl mit einer integrierten AufklKp (die im Einsatz als selbständige AufklKp der Brigade vorgesehen ist). Damit wäre 291 zwar gut geeignet, die Aufgabe AufklKp + Sicherung zu übernehmen, für einen Einsatz als JgBtl fehlt aber eine JgKp und insbesondere die sJgKp.

  • csThor   |   26. November 2015 - 10:48

    @ Memoria

    Es gab mal Zeiten, da wurden Treffen auf dieser Ebene entscheidungsreif (!) vorbereitet.
    Zeit genug gab es mittlerweile.
    Wenn man den ersten Satz des Zitates ehrlich meine würde, dann hätten die Beteiligten heute Grundsatzentscheidungen getroffen.

    Sagen Sie es doch so wie es ist: Frau Merkel will ums Verrecken nicht mit irgendwas militärischem in Verbindung gebracht werden. Und jedem, der 1 und 1 zusammenzählen kann war schon vorher klar, daß da nichts als Ersatzhandlungen auf dem kleinstmöglichen Level rauskommen würden. Wer eine Debatte mit dem eigenen Souverän (eigentlich eine der Kernkompetenzen einer jeden demokratischen Regierung) scheut wie der Teufel das Weihwasser, der wird sich erst recht nicht hinstellen und solche Maßnahmen öffentlich erklären, begründen und sich dafür einsetzen. Und irgendwas „entscheidungsreif vorzubereiten“, wo doch die ganze Hoffnung am „möge der Kelch doch bitte an mir vorbeigehen“ hängt, das wäre dann doch zuviel verlangt.

  • klabautermann   |   28. November 2015 - 13:00

    „Zwei Soldaten und ein Zivilist sind bei einem Raketenangriff auf ein Uno-Lager im Nordosten von Mali getötet worden. Der Stützpunkt der Minusma-Mission in Kidal sei am Samstagmorgen „von Terroristen“ mit Raketen angegriffen worden, sagte ein Uno-Vertreter. Die getöteten Blauhelmsoldaten seien aus Guinea gekommen. 14 Menschen seien verletzt worden, teilte ein weiterer Uno-Mitarbeiter mit…“ SPON

    Raketenangriff ???

  • T.Wiegold   |   28. November 2015 - 14:56

    Hier die Reuters-Meldung zum Angriff in Kidal:

    Suspected jihadists kill three at U.N. base in north Mali

  • Closius   |   28. November 2015 - 19:03

    Ich hoffe die BW plant bzw. rechnet jetzt auch mit Raketenangriffen auf BW Lager in Mali, insbesondere wenn die Truppe aufgestockt wird.

    Vielleicht sollte man das Verteidigungsministerium mal fragen, ob beabsichtigt ist das stationäre Flugabwehrsystem nach Mali zu bringen, welches einst für AFG beschafft wurde zum Schutz der dortigen Feldlager, aber dann nie nach AFG geschafft und installiert wurde?

  • Memoria   |   28. November 2015 - 21:08

    @klabautermann:
    Warum die Fragezeichen?
    Ist doch ein übliches Vorgehen in vielen Konflikten.

    In amerikanischen Studien (http://csbaonline.org/publications/2012/03/the-road-ahead-future-challenges-and-their-implications-for-ground-vehicle-modernization/) geht man sogar davon aus, dass potentielle Gegner durch verbesserte Fähigkeiten in diesem bereich (Präzision und Reichweite) eine A2/AD-Befähigung entwicklen und u.a. deswegen westliche Interventionen nicht mehr durchführbar sind.

  • Thomas Melber   |   28. November 2015 - 22:23

    @MBehringer
    292 könnte ja auch mit gehen … Davon ab braucht die DFX ein vollständiges AufklBtl, die FRA Husaren sind gut, aber zur Erstellung eines umfänglichen Lagebildes nicht ganz ausreichend.

  • Klaus-Peter Kaikowsky   |   30. November 2015 - 20:03

    Besorgnis erweckender Bericht aus der https://www.washingtonpost.com/news/monkey-cage/wp/2015/11/30/after-this-months-attack-in-bamako-what-do-we-know-about-fundamentalist-islam-in-mali/
    zur Lage in Mali. Demnach findet eine langsame Unterwanderung der politischen Eliten durch fundamentalistische Muslime statt.
    Demnach versucht der politische Salafismus einen fundamentalitischen Islam durchzudrücken.
    Bleibt zu hoffen, die Intelligence Community von Pullach über Grafschaft bis Potsdam hat das im Blick, für die 650 bei MINUSMA.

  • Diebels   |   30. November 2015 - 20:47

    @Klaus-Peter Kaikowsky
    Die zuständigen Dienststellen können sich noch so sehr mit der Problematik auseinandersetzen: Wenn die politische Führung sich nicht dafür interessiert, bleibt die Arbeit umsonst. Und diese Führung ist leider nun einmal weitestgehend beratungsresistent und schon aus zweckoptimistischen Gründen der Ansicht, dass Salafisten eine winzige und vollkommen isolierte Minderheit unter Muslimen darstellen, und Anzeichen dafür, dass Salafisten Deutschland zum Transit nach Europa nutzen, gibt es laut offizieller Aussage ja auch nicht, also alles im grünen Bereich…