„Keine deutschen Soldaten an Kampfhandlungen in Kundus beteiligt“

Weil in den Berichten über die Auseinandersetzungen in Kundus seit Tagen immer wieder vom Einsatz von Spezialkräften der NATO die Rede ist und in einer Meldung auch Deutsche erwähnt wurden, war es Zeit für eine erneute, ganz konkrete Nachfrage. Und die offizielle Antwort von einem Sprecher des Verteidigungsministeriums am (heutigen) Donnerstagnachmittag: An den Kampfhandlungen in Kundus sind keine deutschen Soldaten beteiligt.

Nun waren, das hatte das Ministerium ja auch offiziell mitgeteilt, am Dienstag Soldaten der NATO-geführten Mission Resolute Support zu Abstimmungsgesprächen in Kundus, allerdings nur für einige Stunden. Als danach Berichte über auch deutsche Spezialkräfte aufkamen, war bei der gezielten Frage danach immer die Standardantwort, dass es zu Einsätzen von Spezialkräften keine Aussagen gebe… mit der jetzt vorliegenden Erklärung des Ministeriums beinhaltet jetzt die offizielle Auskunft, dass keine Kräfte des Bundeswehr-Kommandos Spezialkräfte (KSK) an der Seite von US Special Forces oder Afghanen in Kundus aktiv sind.

Das wäre, darauf weist das Ministerium auch hin, ohnehin nach dem Bundestagsmandat nicht möglich. Denn darin ist der Auftrag recht eindeutig abgegrenzt:

Auftrag der Resolute Support Mission (RSM) ist es, nach der Übernahme der vollständigen Sicherheitsverantwortung durch die afghanische Regierung bis Ende 2014 und dem Abschluss der ISAF-Mission die afghanischen nationalen Sicherheitskräfte auch weiterhin und darüber hinaus zu befähigen, ihrer Sicherheitsverantwortung nachzukommen. Dazu sollen sie vorrangig auf der ministeriellen und der nationalen institutionellen Ebene ausgebildet, beraten und unterstützt werden.
Neben der Ausbildung, Beratung und Unterstützung der afghanischen nationalen Sicherheitskräfte im Rahmen der Resolute Support Mission hat die Bundeswehr den Auftrag, über die Sicherung des von der NATO eingesetzten Personals hinaus, auch im zivilen Wiederaufbau eingesetztes Personal der internationalen Gemeinschaft im Notfall zu unterstützen (sogenannter „in extremis support“). Dieser Auftrag ist begrenzt. Er kann nur in Abstimmung mit der afghanischen Regierung, in der Regel unter Einbindung afghanischer Sicherheitskräfte und mit den in den Koordinationszentren der Speichen vorhandenen Kräften und Fähigkeiten durchgeführt werden.

Eine Unterstützung von afghanischen Sicherheitskräften in ihrem Kampf gegen die Taliban wäre damit nicht zulässig.

Nachtrag: Ein Leser weist mich auf zwei Fotos hin, die deutsche Soldaten am (heutigen) 1. Oktober in Kundus zeigen. Allerdings belegen auch diese Fotos eher die heutige BMVg-Information, dass es erneut Abstimmungsgespräche in Kundus gegeben habe (siehe dazu auch in den Kommentaren):

Ein AP-Foto – offensichtlich mit falscher Bildunterschrift: Afghanistan’s security forces guard the highway between Balkh province to Kunduz city, north of Kabul, Afghanistan, Thursday, Sept. 1, 2015. (Diese Bildunterschrift findet sich auch in der AP-Datenbank, obwohl das Foto ganz offensichtlich nicht am Highway in Balkh entstanden ist.) Auf diesem Bild ist in der Vergrößerung auch ein Deutscher zweifelsfrei erkennbar.

Ein Reuters-Foto, NATO troops drive past in a military vehicle in Kunduz city, Afghanistan October 1, 2015. Ein Soldat ist, nicht zweifelsfrei aber sehr wahrscheinlich, als Bundeswehrsoldat zu erkennen.

Beide Bilder widersprechen erst mal nicht der BMVg-Aussage.

14 Gedanken zu „„Keine deutschen Soldaten an Kampfhandlungen in Kundus beteiligt“

  1. Regierung prüft Mandatsverlängerung für RSM in Abhängigkeit von U.S. Entscheidung (n-tv)

  2. „Eine Unterstützung von afghanischen Sicherheitskräften in ihrem Kampf gegen die Taliban wäre damit nicht zulässig.“

    Soviel zum Thema robustes Mandat. Im konkreten Fall würde ich eine offene Beteiligung von deutschen Soldaten an Kampfhandlungen zwar für falsch halten, trotzdem sollte der örtliche Kommandeur lageabhängig einen solchen Kräfteeinsatz befehligen können. Mir fallen einige Situationen ein, wo das sinnvoll sein könnte.

  3. Heute.de Newsticker – 18:42
    Die Bundeswehr hat am Donnerstag Soldaten in die nordafghanische Stadt Kundus geschickt, um die afghanische Armee im Kampf gegen die Taliban zu beraten. Das Verteidigungsministerium erklärte, dass 34 deutsche Soldaten mit Hubschraubern nach Kundus geflogen seien. […]

    Die werden sich über die Beratung bestimmt richtig dolle freuen! /sarcasm

    Ganz im Ernst: Diese Farce bitte schnellstmöglichst beenden und ab nach Hause. Das tut ja schon fast körperlich weh, dieses Rumgeeiere zu lesen…

  4. welchen effekt es für die Ausbildungsmotivation haben dürfte wenn die führungsnation des TAAC North zuerst bei der feindaufklärung komplett versagt und dann offenbar auch bei einem kompletten fall von kundus passiv zu jedweder „unterstützung“(so steht es ja im mandat) außerstande gewesen wäre dürfte jedem klar sein.

    wie man ein derart restriktives mandat ohne jegliche flexibilität für lagebezogenes reagieren formuliereun kann ist rätselhaft.

  5. @ Voodoo

    „Das Verteidigungsministerium erklärte, dass 34 deutsche Soldaten mit Hubschraubern nach Kundus geflogen seien.“

    Das ist doch bestimmt nur eine bewaffnete Dienstreise. Als nächstes erfindet ein Pressesprecher bestimmt die Sprachregelung der kinetischen Beratung, die nicht mandatspflichtig sei …

  6. Geht ja noch weiter, so wie von T.W. weiter oben gemeldet:

    Ausdrücklich wurde betont, dass die Bundeswehr nicht an den Kämpfen beteiligt sei, sondern sich vor Ort über die Lage informiere. Dies wiederum solle eine Beratung der afghanischen Armee ermöglichen, die die Kämpfe führe.

    Gemeinhin hieß das bei uns „Gefechtsfeldtourismus“ – zumal bestimmt schon andere Nationen vorher „beratend tätig“ gewesen sind…

    Wichtig ist für das Parlament ohnehin nur der abschließende Satz: Mission accomplished, alle zurück in MeS.

  7. Da fragt man sich dann endgültig was das BMVg dann unter „assist“ versteht.

    Aber genau wegen diesem erfolgreichen Ansatz müssen wir unbedingt über 2016 hinweg in MeS bleiben.

    Denn was wir bisher nicht geschafft haben, schaffen wir dann irgendwann.

    Aber auf politischer Ebene sind wir mal wieder die Wortführer – auch ggü. dem US-Präsidenten.

  8. @T.W.:
    Die Antwort de BMVg („An den Kampfhandlungen in Kundus sind keine deutschen Soldaten beteiligt.“) kann man jedoch auch anders deuten. Ich finde die Einschränkung „an den Kampfhandlungen“ interessant.

    War dies bereits Teil der Frage?

    Ich sehe zwischen der Antwort und ihrer Schlussfolgerung („mit der jetzt vorliegenden Erklärung des Ministeriums beinhaltet jetzt die offizielle Auskunft, dass keine Kräfte des Bundeswehr-Kommandos Spezialkräfte (KSK) an der Seite von US Special Forces oder Afghanen in Kundus aktiv sind.“) eine logische Lücke.

    Oder wurde schon in der konkreten Frage die Verbindung zu den Kampfhandlungen hergestellt?

    Es wäre beispielsweise möglich, dass deutsche Soldaten (einschl. KSK) dauerhaft vor Ort sind, aber nicht an Kampfhandlungen beteiligt sind. Jedoch an der Seite der Afghanen und Amerikaner u.a. bei der Missionsplanung und in Stabsfunktionen „aktiv sind“.

    Ich weise – ohne Kenntnis der Lage vor Ort – nur daraufhin, da das BMVg ja sehr gerne mißverständlich formuliert. Und das nur selten ohne Grund.

  9. @all

    Ein Nachtrag oben zu heutigen Fotos aus Kundus, die deutsche Soldaten zeigen.

    @Memoria

    Meine Frage war ursprünglich, ob deutsche Spezialkräfte in Kundus aktiv sind. Und das war die offizielle Antwort. Mein Eindruck nach div. Gesprächen heute ist aber, dass es tatsächlich keine dauerhafte deutsche Präsenz dort gibt – ich lasse mich ggf. gerne von Fakten belehren.

  10. @Zimdarsen
    bisschen am thema vorbei.

    es st doch so dass erstmal nur die normale beratung ausgeführt wird, und falls man dann selber uter feuer gerät, dies nur zum selbstschutz ist. quasi wie mit unserer brunnenbau mission.

    aber kintetische beratung……musste schnaufen, wird nen patch draus.

  11. @Flow

    Stimmt, sollte auch in den Thread „Afghanische Armee erobert Kundus zurück, Taliban erfolgreich im Umland“

    Ein Versehen doch Korrekturfunktion ließ kein leeren Kommentar zu ;-)

  12. Bei aller Besorgnis über die steigende Zahl afghanischer Flüchtlinge, die hier ankommen und vor allem in leergezogenen Kasernen unterkommen, ist es der Mehrheit der deutschen Bevölkerung nicht zu vermitteln, dass der Einsatz länger dauern und robuster sein soll, zumal auch Steinmeier eine Lösung mit den Taliban anregt.
    Und was genau sollen ein paar mehr Einsatzkräfte jetzt wuppen, was viel mehr und besser ausgerüstete Truppen 13 Jahre lang auch nicht auf die Reihe gebracht haben?

  13. Zur deutschen Beteiligung mal Uniformierung und Bewaffnung der beiden Soldaten ganz rechts und links betrachten: http://abload.de/img/afg28fhst2.jpg

    NATO troops drive past in a military vehicle in Kunduz city, Afghanistan October 1, 2015. Afghan troops recaptured the centre of the strategic northern city of Kunduz on Thursday after fierce clashes with Taliban militants, three days after losing the provincial capital in a humbling defeat for Kabul and its U.S. allies. REUTERS/Stringer

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