Arctic Watch: USA und Verbündete nehmen den Nordpol ins Visier

f22_Alaska

Mal wieder ein Blick in die Arktis: Schon in den vergangenen Monaten hatten dort sowohl Russland als auch die USA und mit ihr verbündete Länder zunehmend militärische Stärke demonstriert. Inzwischen hat auch China dort schon mal Präsenz gezeigt, und der Westen nimmt das Gebiet um den Nordpol genauer in den Blick, wie die Los Angeles Times berichtet:

As China and Russia boost their military presence in the resource-rich far north, U.S. intelligence agencies are scrambling to study potential threats in the Arctic for the first time since the Cold War, a sign of the region’s growing strategic importance.
Over the last 14 months, most of the 16 U.S. intelligence agencies have assigned analysts to work full time on the Arctic. (…)
In addition to relying on U.S. spy satellites orbiting overhead and Navy sensors deep in the frigid waters, the analysts process raw intelligence from a recently overhauled Canadian listening post near the North Pole and a Norwegian surveillance ship called the Marjata, which is now being upgraded at a U.S. Navy shipyard in southern Virginia.

Die ganze Geschichte: U.S. builds up Arctic spy network as Russia and China increase presence

(Foto: A crew chief walks past two F-22 Raptors parked on Joint Base Elmendorf-Richardson, Alaska, April 8, 2015 – U.S. Air Force photo by Justin Connaher)

22 Gedanken zu „Arctic Watch: USA und Verbündete nehmen den Nordpol ins Visier

  1. Nun dass überrascht nicht wirklich, angesichts der vielen (neu-)gierigen Gäste, die sich da im vermeintlichen „US-Vorgarten“ herumtreiben, um mal einen historischen Begriff zu verwenden.

    Nur der Absatz bezüglich des norwegischen Schiffes verwirrt mich: NOR Schiff, welches jetzt tatsächlich in den USA neu ausgerüstet wird oder ehemals NOR Aufklärungsschiff, welches jetzt für die USN segelt und neu ausgerüstet wird?!

  2. Ich habe so meine Bauchschmerzen bei Wiki, daher meine Frage… ;-)

    […] The new ship, which will be the fourth Marjata, has been docked at the Naval Weapons Station on the York River in the United States for the summer of 2015.

    Dies lässt dann wohl darauf schließen, dass die Amerikaner tatsächlich die Technik liefern oder (Achtung, Ironie!) zumindest absegnen…^^

  3. „Norway also cooperates closely with U.S. intelligence agencies.

    The Marjata, an advanced spy ship specifically built to collect electronic intelligence, has been getting new equipment and systems since April at U.S. Naval Weapons Station Yorktown in the Hampton Roads area of Virginia. Camp Peary, the CIA’s training base for clandestine operatives, is adjacent to the facility.“

    http://www.latimes.com/world/europe/la-fg-arctic-spy-20150907-story.html

  4. @TM

    Ach wie schön, die oben zitierte und verlinkte Geschichte noch mal zitiert und verlinkt ;-)

  5. Die Russen kümmern sich um die Nordostpassage mit Schwerpunkt Murmansk, die US/CA um die Nordwestpassage und beide Passagen treffen sich: in der Beringstrasse….und da kann man dann schon ganz gute Intelligence abgreifen. Und die Norweger kümmern sich liebevoll um den westlichen Teil der Nordostpassage….und die Chinesen um den westlichen Teil der Nordwestpassage……echte Arbeitsteilung ;-)
    Braucht jemand einen Kompass ?

  6. @klabautermann | 07. September 2015 – 17:30

    Die Russen sind am Pol sehr aktiv, sie versuchen ihn zu beanspruchen, den ganzen unterseeischen Rücken dorthin. So fand vor nicht allzulanger Zeit ein Luftlandemanöver mit Fallschirmtruppen dort statt

  7. @Edgar Lefgrün
    Mußte das nicht witterungsbedingt (sehr niedrige Temperaturen) abgebrochen werden?

  8. „Die Russen sind am Pol sehr aktiv, sie versuchen ihn zu beanspruchen, den ganzen unterseeischen Rücken dorthin.“

    das könnnten sie gemäß UNCLOS/SRÜ sogar sofern der kontinentalsockel eine entsprechenden reichweite hat. (neben einigen anderen parametern)

    ob dem so ist übersteigt meine meeresgeologischen kenntnisse, ist aber dem vernehmen nach eher fragwürdig

  9. Laut http://www.latimes.com/world/europe/la-fg-arctic-spy-20150907-story.html kümmern sich U.S.-Dienste erstmals seit Kaltem Krieg um die arktischen Regionen.
    Dann darf durchaus heftiger Nachholbedarf unterstellt werden, da die Russen sicherlich nicht derartig nachlässig gewesen sein dürften.
    Spätestens aufgewacht zu sein scheint D.C., nachdem erstmals fünf chinesische Kriegsschiffe in der Beringstraße Richtung Aleuten aufgeklärt wurden.
    Unverständlich, dass die USA derzeit offensichtlich auf CDN und NOR – Aufklärungskapazitäten zurückgreifen müssen.

  10. @KPK: Sollte dem wirklich so sein, finde ich es nicht unverständlich.
    Sondern vielmehr ein Zeichen dafür, dass auch die USA nicht mehr über unbegrenzte Mittel verfügen und sich ihre Schwerpunkte suchen müssen.
    Und die lagen in der letzten Dekade eben eher in der heißen Wüste als in den Polarregionen.

  11. @TomTom
    Das verwundert in der Tat, die Amerikaner sind doch in Alaska sehr präsent.

  12. Die „Marjata“ ist übrigens ein recht interessantes Schiffsdesign:
    http://www.military-today.com/navy/marjata.htm

    Ansonsten haben auch die Kanadier „eingemottete“ Überwachungskapazitäten reaktiviert:
    http://www.rcaf-arc.forces.gc.ca/en/8-wing/alert.page

    Der Schwerpunkt liegt auf – sagen wir mal – geophysikalischer Aufklärung/Forschung, denn die Geophysik des Polarmeeres ist – egal ob kommerzielle oder militärische Nutzung – der Schlüsselfaktor an sich.

  13. Lesenswertes Interview auf FAZ.de:

    „Kampf um die Arktis – Wer zündelt da am Nordpol?“

    Die Antwort der US-amerikanischen Diplomatin, die zZt auf „Aufklärungstour“ durch Europa ist ( USA haben zZt den Vorsitz im Arktischen Rat) lautet: Niemand zündelt-
    Sehr gute Darstellung der politischen und völkerrechtlichen Zusammenhänge in Sachen Arktik.
    Übereinstimmungen von Antworten der Frau Professor Fran Ulmer mit dem einen oder anderen meiner Kommentare in diesem Faden sind natürlich rein zufällig ;-)

  14. @Thomas Melber | 08. September 2015 – 8:37
    Alaska ist, da U.S Territorium auch nicht im Fokus.
    Der Streit um Einflusszonen/Rechte zur Ausbeutung/Mil Präsenz dreht sich doch ausschließlich um die „freien“ Gewässer rund um den Pol, insbesondere Nordwest- und Nordostpassage.
    Die Festlandssockelzonen, von putinschen Anmaßungen am Pol abgesehen, sind rechtlich unumstritten, oder?

  15. Dazu hatte der klabautermann kürzlich erschöpfend vorgetragen ;-)

    Zusammenfassung: „So einfach isses nich´…“ und „et kommt auffe Definition an“.

  16. @K-P K

    Es geht in Sachen Polarkreis um eine ganze Reihe von internationalen Regelwerken und in diesem Zusammenhang noch offene Fragen. Problem dabei ist, dass die USA – als Anrainer der Arktis die meisten dieser Regelwerke zwar paraphiert, aber nicht ratifiziert haben wie z.Bsp. UNCLOS oder das Festlandsockelabkommen. Das entbindet die US Regierung aber nicht davon, sich an diese Regelwerke in ihrem Verantwortungsbereich zu halten. So gibt es z.Bsp den Polar Code der IMO:
    http://www.spitzbergen.de/2014/11/08/polar-code-imo-richtlinien-schiffsverkehr-in-polarregionen.html
    „Der Polar Code regelt Konstruktion, (Sicherheits-) Ausstattung und Einsatzbereich der Schiffe, Qualifikation der Mannschaft, Such- und Rettungseinsätze und Fragen des Umweltschutzes. Die Umweltschutzregelungen verbieten bspw. das Ablassen von Öl, giftigen und gesundheitsschädlichen Flüssigkeiten, Abwasser und Müll in polaren Gewässern. Ein von Umweltschutzorganisationen gefordertes, generelles Verbot von Schweröl als Fracht oder als Treibstoff konnte nicht durchgesetzt werden. Lokal gilt ein solches Schwerölverbot in der Antarktis bereits seit August 2011 und wurde in mehreren Schritten auch in großen Teilen Spitzbergen eingeführt.“
    Wenn man also in Sachen Polarkreis nicht nur mitreden, sondern maßgeblich Einfluß nehmen will, dann muß man sich eben nicht nur an diese Regelwerke halten, sondern ggflls „mit Beispiel“ voran gehen. Die neuerlichen Aktivitäten der USA/CA in Sachen Polarkreis mit Schwerpunkt Nordwestpassage sind größtenteils darin begründet, dass beide Staaten bei der Umsetzung des einen oder anderen Regelwerkes – wie z.Bsp den IMO-Polar Code – in ihrem Verantwortungsbereich ein wenig geschlafen haben. Das führt z.Bsp. in Sachen Festlandsockelansprüche dazu, dass man den Ansprüchen Rußlands (die ja in jüngster Zeit neue Vermessungsdaten bei der Festlandsockelkommission der VN eingereicht haben) nun keine wissenschaftlich fundierten „Gegenbeweise“ entgegensetzen kann.
    Ein kleines Beispiel für staatliche Verantwortung im Rahmen von Lizenzverkauf zur gewerblichen Nutzung wie z.Bsp. Erdöl/Gas-Exploration ist das Thema Eisberge.
    Der Betreiber einer Bohrplattform muß natürlich immer Schlepper vor Ort haben, um Eisberge abzudrängen, die die Bohrplattform „bedrohen“. Der Staat, der ja vom Verkauf dieser Bohrlizenz ordentlich profitiert und vielleicht sogar Anteile an der künftigen Förderung hält, muß natürlich die Einhaltung der IMO-Regeln seitens der Bohrfirma sicherstellen und natürlich in Sachen großräumige Überwachung der Eisdrift seiner nautischen und. ozeanographischen/metereologischen Beratungs- ,Weisungs- und Schutz-Verantwortung gerecht werden.
    Nicht alles dreht sich um geopolitische Muskelspielchen ;-)
    Niemand zündelt am Polarkreis – auch nicht Putin.

  17. @ Klabautermann
    .
    “ Und die Norweger kümmern sich liebevoll um den westlichen Teil der Nordostpassage….und die Chinesen um den westlichen Teil der Nordwestpassage……echte Arbeitsteilung ;-)
    Braucht jemand einen Kompass ?“

    Ihre compass card hat offenbar zwei West-Hauptstriche? Links und rechts von N?

  18. klabautermann | 11. September 2015 – 12:07
    Herzlichen Dank. Wundere mich nur, dass USA/CDN so gepennt haben sollten. Freund Putin unterstelle ich alles, auch Spielchen am Polarkreis.

  19. @KPK
    ‚wollte sagen, daß die Amerikaner dort bereits seit vielen Jahren (Jahrzehnten) entsprechende Überwachungseinrichtungen betreiben. ’scheint aber in den letzten Jahren (Friedensdividende, anyone?) vernachlässigt worden zu sein.

  20. @K-P K

    Hier noch einmal eine „amtliche“ Übersicht über die von mir so genannten Regelwerke:
    http://www.auswaertiges-amt.de/DE/Aussenpolitik/InternatRecht/Einzelfragen/Arktis/Arktis-Rechtsordnung_node.html
    Im Zusammenhang mit Rußland ist auch NDEP ganz interessant:
    http://ndep.org/about/overview/what-we-do/

    @MikeMolto

    Also der westliche Teil der NO-Passage ist Norwegen und der westliche Teil der NW-Passage ist Alaska…falls ich noch Karte lesen kann. Die Norweger entlasten also die US beim Schnuppern vor Murmansk und die Chinesen entlasten Rußland beim Schnuppern vor Alaska….das meinte ich mit Arbeitsteilung in Sachen Schnuppern.

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