ISIS-Chemiewaffenangriff auf Kurden: USA vermuten Senfgas

Bei einem vermuteten Angriff der islamistischen ISIS-Milizen auf kurdische Kämpfer im Nordirak in dieser Woche wurde nach ersten Einschätzungen von US-Experten der Kampfstoff Senfgas (Lost) eingesetzt. Mehrere US-Medien zitierten am Donnerstagabend (Ortszeit) Beamte aus dem Verteidigungsministerium und den Geheimdiensten, wie der Sender NBC News:

U.S. officials believe the terror group ISIS used chemical weapons in Iraq this week, defense and intelligence officials said Thursday.
The terror group used mustard gas in an attack against Kurdish fighters, two defense officials and an intelligence official told NBC News. (…)

The defense officials said this is the second time ISIS has used chemical weapons — the first occurred in „recent weeks“ in Syria — but they declined to provide more details, citing operational security concerns.

Der mutmaßliche Einsatz chemischer Kampfstoffe war am Donnerstag durch Meldungen der Bundeswehr auch in Deutschland bekannt geworden. In einer Meldung der Abteilung Strategie und Einsatz im Berliner Verteidigungsministerium an Ministerin Ursula von der Leyen war darauf hingewiesen worden, dass von der Bundeswehr ausgebildete kurdische Peshmerga-Kämpfer von der Front zu ISIS über Reizhusten und andere Symptome eines Chemiewaffeneinsatzes geklagt hatten. Zunächst war allerdings der Einsatz von Chlorgas vermutet worden; die Details sollten US-Experten klären.

Der Angriff mit Mörsergranaten hatte sich rund 60 Kilometer entfernt von den deutschen Ausbildungseinrichtungen im Nordirak ereignet; Bundeswehrsoldaten waren nach Angaben des Verteidigungsministeriums nicht betroffen und nicht gefährdet.

(Archivbild Oktober 2014: Bundeswehrsoldaten bilden Peshmerga-Kämpfer am Gewehr G3 aus – Bundeswehr/Sebastian Wilke)

31 Kommentare zu „ISIS-Chemiewaffenangriff auf Kurden: USA vermuten Senfgas“

  • Klaus-Peter Kaikowsky   |   14. August 2015 - 9:19

    Klaus-Peter Kaikowsky | 13. August 2015 – 22:38
    ARD/Tagethemen melden „IS“ – Chlorgasangriff südlich ERBIL gegen Peshmerga. BwAusb in Erbil nicht gefährdet, so die Meldung.

    Offensichtlich eher Lost als Hautkampfstoff und kein Chlorgas als Lungenkampfstoff.
    Kampfgase: Chlorgas, Phosgen, Blau kreuz, Gelbkreuz, Grünkreuz, Buntkreuz, Tränengas, Senfgas (Lost).
    Restbestände von Assad, die der Vernichtung mit U.S. und DEU-Hilfe entgangen sind? Oder ist der „IS“ etwa eigenständig befähigt, Kampfstoffe zu produzieren?
    Im Ersten Weltkrieg fand der erste Einsatz von chemischen Kampfstoffen statt. Dies geschah im August 1914 durch französische Truppen, die erstmals Tränengas gegen deutsche Truppen anwandten.

  • Klaus-Peter Kaikowsky   |   14. August 2015 - 9:30

    Ich erwarte vom BMVg umgehend ABCAufkl-Kapazität nach Erbil zu kommandieren, sofern solche Kräfte nicht ohnehin präsent sind. Das ABC-Abwehrkommando der Bundeswehr (ABCAbwKdoBw) hat die erforderliche Befähigung.
    Angesichts der latenten ABC/NBRC-Bedrohung durch das „Kalifat“, besteht Bedarf ständiger Stationierung von ABCAbw-Befähigung. Das ist Teil von aktivem Schutz der Truppe.

  • T.Wiegold   |   14. August 2015 - 9:31

    @KPK

    Äh, ja, ungefähr so habe ich das oben geschrieben…. ? (Bezog sich auf Ihren ersten Kommentar)

  • Thomas Melber   |   14. August 2015 - 9:50

    @KPK
    Wo sollte die CBRN-Recce-Komponente (z.B. „Spür-FUCHS) stationiert werden? Sollte ggf. noch ein TEP mitgeschickt werden?

    Und: kann der IS die 60km in die „Etappe“ in einem Kommandounternehmen durchstoßen sofern er nicht schon im Raum ist?

  • Klaus-Peter Kaikowsky   |   14. August 2015 - 9:57

    @Thomas Melber | 14. August 2015 – 9:50
    Zu ABCAbw wage ich mich mangels wirklicher Kompetenz nicht vor. Vllt kann hier jemand Anderes zutreffende Aussagen anstellen.
    Sicher ist m.E. nur, dass hinsichtlich Aufkl und Schutz der Tr Maßnahmen erforderlich sind.
    Presseerklärungen, Motto „alles gut“ glaube ich speziell bei ABC nicht.
    Niemand aus den Medien hat die notwendige Kompetenz.

  • JuliettFoxtrott   |   14. August 2015 - 10:45

    @K-P K:
    das ABCAbwKdo hat diese Fähigkeiten und Schutz muss sein. Sollten wir nicht zusätzlich dafür Sorge tragen, dass die Peschmerga und andere „Gewillte“ die notwendige Ausrüstung und Ausbildung bekommen, um damit umzugehen? Habe gestern Abend mehrere aktuelle youtube´s gesehen. Dort (an der „HKL“) fehlt Munition, taktische Infanterieausbildung, Nachtseh- und -kampfausstattung sowie Präzisions- und Scharfschützenbewaffnung (7,62 und cal50.). Damit würde es etwas ruhiger aus Richtung IS werden und sicherer für die Peschmerga…

  • Klaus-Peter Kaikowsky   |   14. August 2015 - 11:31

    @JuliettFoxtrott
    Gehe davon aus, Peshmerga kriegen alles, was verbraucht/gewünscht wird/wurde.
    Wie bei allem Neuen, Ausb bis zur Stufe „Beherrschen“ braucht Zeit, was auch eine Frage der Anzahl der AusbTeams ist. Und die sind nur begrenzt verfügbar!
    https://bw2.link/tUcnb
    Die Liste enthält Erforderliches, oder? Selbst ABCAbwAusStg ist dabei, hoffentlich auch entsprechende Ausb.

  • Sachlicher   |   14. August 2015 - 12:15

    @ Klaus-Peter Kaikowsky | 14. August 2015 – 9:19
    Bitte die Klassifizierungen beim CWÜ (und BWÜ) nachlesen-soll bitte keine Belehrung, nur ein Hinweis sein- bzw. in der Vorschrift zur ABC-Abwehr aller Truppen (Nummer spare ich mir).

    Reizstoffe im Sinne CS-GAS ist genau so klassifiziert: Reizstoff. Und als solcher ist er für das Vorliegen von Voraussetzungen für eine Kriegspartei einsetzbar. Um es kurz, dafür aber juristisch ungenau, zu machen: das Gefechtsfeld größflächig damit einzunebeln ist unzulässig, für Riot & Control Aufgaben zulässig.

    Reizstoff im Sinne von „Pfefferspray“ ist obgrund des enthaltenen,zwar künstlich hergestellten aber natürlich vorkommenden, z.B. in der Paprika,Wirkstoffes Capsid umstritten (eine sehr gute Diskussion bot die Wehrrecht dazu an, ich verlinke nicht um Thomas Wiegold nicht in Schwierigkeiten diesbezüglich zu bringen), da das BWÜ keine Ausnahme zulässt bzw. „Reizstoff“ nicht kennt. Hier streitet man aber noch.

    Ansonsten zu Ihrer Frage: es ist Aufgabe der Kommandeure vor Ort eine Beurteilung der ABC-Lage durchzuführen bzw. durchführen zu lassen. Das wissen diese und das kann man auch.

    Zur Ausstattung: die Schutzausstattung (ABC-schutzmaske, usw.) ist wirkungsmächtig genug, gerade die Luftwaffe zeichnete (zeichnet?) sich darin aus, ihr Personal sehr ordentlich daran geschult zu haben. Wie belastend aber der Aufenthalt bei ABC-Bedingungen außerhalb ABC-Schutzbelüfteter Einrichtungen bei diesem Klima sein dürfte, weiß jeder.

    Ich drücke es bewusst so aus:
    Sollte man keine eigenen Fähigkeiten zur qualifizierten ABC-Aufklärung, Dekontamination und Einrichtungen des medizinischen ABC-Schutz haben bzw. vertraglich darüber über Dritte verfügen vor Ort, so ist kein schlechter Zeitpunkt, sich darüber Gedanken zu machen.

    Man sollte sich nichts vor machen: Chlorgas, noch viel mehr: S-Lost Lagen beherrscht man nicht zu 100%. Aber es ist in der Bw/NATO (und nur auf dieser Ebene lässt sich in der Zukunft ABC-Abwehr noch bedarfsgerecht planen und abbilden meiner Ansicht nach-aber auch diesen Ball habe ich nur aufgenommen, weil die Bw ihn bereits spielt) genug Know-how und Fähigkeit (materiell und personell) vorhanden, um alles menschenmögliche unternehmen zu können.

    P.S.: ob cbrn oder ABC-Abwehr, ich verwende es hier gleichberechtigt der Einfachheit halber

    Und: Infanteristen können ABC-Abwehr aller Truppen ausbilden, sie können das im Regelfall sogar sehr gut – wenn auch nur mit langen Zähnen :) Die Peshmerga sind auch hier in guten Händen.

  • Thomas Melber   |   14. August 2015 - 12:40

    Ausbilden – ja, aber die Masken müssen ja auch angepaßt und auf Dichtigkeit / Sitz überprüft werden (u.a. Bart!).

    Und Chlorgas ist sowieso ein Thema für sich, zumindest war es das in der Vergangenheit.

  • Unreal   |   14. August 2015 - 12:44

    Die Masken anpassen und mittels Portacount prüfen ist absolut kein Hexenwerk, selbst wenn der Träger einen Vollbart besitzt.

  • Sachlicher   |   14. August 2015 - 13:04

    @ Thomas Melber | 14. August 2015 – 12:40
    Unreal beantworte alles-klar gehört Anpassung zur Ausbildung bzw. Herstellung der Gefechtsbereitschaft.

  • BlueLagoon   |   14. August 2015 - 13:05

    Im letzten Jahrtausend war der Punkt „Maskenbrecher“ immer wieder ein Thema, wenn ich mich recht erinnere.

    Und heute ?

  • Unreal   |   14. August 2015 - 13:15

    Maskenbrecher?
    Also eine mit „Flüssigkeit“ gefüllte Maske?
    Bei der M2000 kein Problem, da an der Unterseite die Abluft ist und der Sabber somit größtenteils rausgeatmet wird.
    Bei der M65A2 bleibt drin was drin ist.

  • KlausK   |   14. August 2015 - 14:44

    @kpk

    Der erste Kampfstoff Einsatz im I.WK erfolgte durch deutsche Truppen bei Ypern – deshalb „Yperit“! Ich glaube 1917.
    Tränengas ist Spielzeug.

  • Klaus-Peter Kaikowsky   |   14. August 2015 - 15:06

    @KlausK
    Stimmt, das mit Ypern. Nur fällt eben Tränengas unter „Kampfstoffe“‚ wenn auch harmlos.

    „Im Ersten Weltkrieg kam es zum ersten Einsatz von chemischen Kampfstoffen im August 1914 durch französische Truppen, die Xylylbromid – ein für die Pariser Polizei entwickeltes Tränengas – gegen deutsche Truppen einsetzten.“
    https://de.m.wikipedia.org/wiki/Chemische_Waffe#Erster_Weltkrieg

  • Klaus-Peter Kaikowsky   |   14. August 2015 - 15:27

    Nachdenkliche Betrachtung in Die Welt/Debatte zu YPERN?

    Zweierlei Gedenken auf den Feldern von Flandern

    „… Die europäische Erzählung von der Versöhnung der Gegner über Gräber hinweg, symbolisiert durch Helmut Kohl und François Mitterrand, die vor dem Mahnmal für die Gefallenen in Verdun Händchen halten – hier in Ypern wird sie nicht zelebriert. …“

  • klabautermann   |   14. August 2015 - 15:39

    Na ja, jetzt laufen natürlich schon wieder Meldungen durchs Netz, dass nach US-Expertenmeinung die „was-auch-immer“-Reiz-/Giftgas Granaten wohl aus „Assad-Beständen“ stammen. Hm, da hab ich noch einen:
    http://www.spiegel.de/politik/ausland/irak-dschihadisten-erbeuten-chemiewaffenlager-a-980021.html
    und das:
    https://www.cia.gov/library/reports/general-reports-1/iraq_wmd_2004/chap5_annxB.html

    Vielleicht hätten die US die Muthanna-Anlage doch sorgfältiger entsorgen sollen…aber, es ist ja bequehmer auf Assad zu deuten….

  • Thomas Melber   |   14. August 2015 - 15:42

    @Unreal
    Maskenbrecher heißt, daß Kampfstoff durchkommt, hier: Filter schützt nicht gegen Chlorgas.

    Dafür gibt es Industriefilter (hat z.B. die Feuerwehr).

  • Primitivus   |   14. August 2015 - 15:57

    Über einen dezidierten Anteil von ABCAbwAusb für die in DEU auszubildenden Peshmerga wird bereits konkret nachgedacht. Wahrscheinlich ist eine Abordnung spezieller Ausbilder von der ABC-Schule aus Sonthofen zur jeweiligen Ausbildung in DEU. Allerdings umfasst diese Ausbildung eben keine ABC-Spezialisten, die mit der DEU qualifizierten Befähigung vergleichbar wäre, sondern nur „nebenamtliches“ Personal an DEU Ausrüstung, die ich als nicht mehr zeit- und bedrohungsgerecht einstufen würde.
    Zunächst ist eine qualifizierte CBRN-Beratungskompetenz vor Ort von Nöten um besser einschätzen zu können, mit welchen sinnvollen Aufwand das vorhandene Risiko durch weitere ABCAbwFähigkeiten vor Ort minimiert werden kann. Der Fuchs ist natürlich immer eine Option, aber eben nur eine von Vielen und nicht für jedes Szenar die Geeignetste.

  • Primitivus   |   14. August 2015 - 16:03

    @Thomas Melber
    Präziser wäre die Wirkungsweise etwas anders beschrieben. Die verfügbaren Filter schützen je nach Konzentration der freigesetzten Substanz in der Umgebungsluft unterschiedlich lange bevor es zu einem „Durchbrechen“ kommt.
    Allerdings werden vorzugsweise Maskenbrecher eingesetzt, die eine starke bis unerträgliche Juckwirkung einsetzten lassen, die dann dazu führt, dass Masken nicht mehr wirkungsvoll bzw gasdicht getragen werden. Weitere toxische Beimischungen (z.B. HCN) zum Maskenbrecher erledigen dann den traurigen Rest.

  • Unreal   |   14. August 2015 - 19:05

    @Thomas Melber
    Asche auf mein Haupt..
    Laut Kassel sind unsere Filter Kombinationsfilter, welche gegen die klassischen „Maskenbrecher“ und auch Chlor schützen, diese wurden auch an die Kurden weitergegeben.

  • kato   |   14. August 2015 - 20:41

    Eine kurze Anmerkung aus Sicht eines ex-ABCAbw-Soldaten:

    Was die Meldung wohl eher verdeutlicht, ist die Entfernung der HKL in gerade mal doppelter Artilleriereichweite.

    Eine Verlegung eines TEP (Pers) würde – unter anderem deswegen – wenig Sinn machen. Aufgrund der Lage würde dieser faktisch an Arbil gebunden sein, wo entsprechende stationäre Infrastruktur eh vorhanden ist. Dazu gibt das Mandat eine Verlegung in entsprechendem Umfang wohl eher nicht her.

    Sinnvoll wäre eine Ausbildung von Peshmerga als ABC/SE-Personal, ggf. bis auf Kompanieebene runter, auch als Spürtrupp einzusetzen. Mit klassischer Handspürausstattung, nicht mit Fuchs. Mit einem entsprechend fortgebildeten Sani-Trupp an der Seite. Und ganz bestimmt nicht ausgebildet durch Infanteristen.

  • Klaus-Peter Kaikowsky   |   15. August 2015 - 19:49

    @kato
    Prima, endlich mal ABCAbw-Sachverstand, (den ich nicht habe).
    Fragen
    – wie muss ein ABCAbw-Ausb-Team gegliedert sein
    – wie lange muss solch ein Eins dauern
    – wieviel Mann können in welchem Zeitraum einsatzbereit gemacht werden?

    Ansonsten, HKL gibt’s im DEU taktischen Sprachgebrauch seit dem 08.Mai ’45 nicht mehr.
    Da es ein multinationaler Eins ist also FLOT, forward line of own troops.
    Das wäre im unsicheren aktuellen Gegenüber von „IS“ und Pesmerga etc jedoch kaum festzulegen, daher als Vorschlag: FEBA, forward edge of the battle area, was eher dem räumlichen Aspekt der Gefechte entspräche. (… limits of a series of areas in which ground combat units are deployed …)

  • kato   |   16. August 2015 - 16:51

    4-6 Wochen Sonthofen, Ausbildung der Ausbilder analog wie in Hammelburg vorgenommen.

    Wenn wir eine FEBA definieren, müßten wir übrigens auch rückwärtige Räume definieren. Bis an die türkische Grenze. Oh My.

  • J.R.   |   16. August 2015 - 16:54

    Die New York Times veröffentlichte letztes Jahr einen sehr umfangreichen Artikel über Chemiewaffen-Funde und -Einsatz während des Irak-Kriegs, vor allem Senfgas und Sarin: „The Secret Casualties of Iraq’s Abandoned Chemical Weapons“

    Der hat sogar eine Karte, in der der „Chemiewaffen-Fundorte“ und „Gebiete unter vollständiger ISIS-Kontrolle“ eingezeichnet sind.

  • Thomas Melber   |   16. August 2015 - 17:18

    @kato
    Es geht ja auch um die Fürsorge zum Wohl des DEU Kontingents dort. Ein TEP ist natürlich eine Eskalation, ich weiß.

    Daß es zu Artilleriebeschuß gekommen ist wäre mir neu, ist aber zukünftig nicht auszuschließen. Zudem: sollte ein TEP nicht eher in der Nähe der zu entseuchenden Truppe sein, um das Verschleppen von Kampfstoff zu minimieren?

    Man sollte auch präzisieren, a) welche Kampfstoffe (KS) von IS bereits eingesetzt wurden (eher Chlorgas als Senfgas), und b) welche eingesetzt werden könnten.

    Senfgas als Hautkampfstoff ist eine ganz andere Hausnummer, bedingt aber quasi einen TEP (ich bin aber kein ABCist).

    Die klimatischen Verhältnisse sind bei der Wirkung von KS natürlich auch zu berücksichtigen.

  • Sachlicher   |   16. August 2015 - 18:27

    @ Thomas Melber | 16. August 2015 – 17:18
    Entgiftung bitte. B-Kampfstoffe ziehen eine Entseuchung nach sich, so weit ist man noch nicht.

    Ihr Hinweis, dass es keine Ausbringung per Artillerie benötigt, ist richtig. Insbesondere bei S-Lost sind aber syrische und alte irakische (sofern noch vorhanden) S-Lost Kampfmittel genau nur so ausbringbar.

    Ihr Hinweis, dass man es bei Chlorgas mit einem nicht sesshaften, bei diesen klimatischen Bedingungen recht zügig verdampfenden Kampfstoff ist ebenfalls richtig – ebenfalls die Relation zu S-Lost, die Sie beschreiben.

    Dazu gibt es umfangreiche Erfahrungen mit S-Lost in dieser Region-der Irakisch-Iranische Krieg und der Einsatz der Iraker gegen Kurden dürften hier neben dem Einsatz von Sarin allgemein bekannt sein.

    Hinzu tritt bei S-Lost neben der toxischen Wirkung auch die Tatsache, dass es hoch karzinogen ist.

    Der Bereich Aufklärung, allerdings nicht die qualifizierte, ließe sich relativ schnell ausbilden – Spürrolle und Kampfstoffspürgerät sind und bleiben wirksame Aufklärungsmittel, mögen sie noch so antiquirt wirken und zum Lächeln bewegen, für eine erste Lagebeurteilung ist das okay- der Bereich Dekontamination, auch auf einfachsten Level Niveau ABC-Abwehr aller Truppen lassen Katos zitierte Zeiträume realistisch erscheinen.

    Einen Hinweis auf die Angeleitete Ausbildung -wenn man so möchte postgradual und einsatzvorbereitend- die regelhaft 2 Wochen in Anspruch nimmt und sich wie erwähnt an bereits ausgebildete Spezialisten wendet kann Ihnen einen Hinweis liefern:
    http://www.streitkraeftebasis.de/portal/a/streitkraeftebasis/!ut/p/c4/NYvBCsIwEAX_aDdJRdCbpSJePHjRepE0CXVpm4RtjFD8eNODb2Auw8MHFrzO1OtEwesR79ga2ncfmIfuGWmB2XEmA5rNizIoISuwbsHb-rQOTPAurU7OJyruWafAEAOncS1v5lKALLZCNrXYiP_kd3dUp-1Fqao511eM03T4AXWfhSU!/

    Qualifizierte ABC-Abwehr und medizinischer ABC-Schutz, und das wissen Sie selbst- lassen sich nur durch Absolvieren der entsprechenden Laufbahnlehrgänge erlernen-also von der spezialisierten Mannschaftsausbildung über Fachdienstunteroffizier, Fachdienstfeldwebel hin zur ABC-Abwehroffizierausbildung bzw. Approbation und entsprechender Fachlehrgänge als Mediziner.

    Ist das Niveau ABC-Abwehr/Se, also „spezialisierte“ Kräfte der ABC-Abwehr aller Truppen ausreichend? Die Frage werfen Sie ja indirekt auf.

    Die Frage kann Ihnen nur jemand beantworten, der eine Beurteilung der ABC-Lage durchführte und dabei alle notwendigen Informationen in der Hand hielt. Ich werde Ihnen das folglich nicht direkt beantworten können und wollen.

    Im Grundsatz betrachtet: natürlich nein. Ohne die Leistungsfähigkeit der ABC-Abwehr aller Truppen bei Luftwaffe und Infanterie schmälern zu wollen, muss bitte allen klar sein, dass Dekontamination von S-Lost zwar kein Hexenwerk ist, aber mit Zielvorstellung -und notwendigem Anspruch- alle kontaminerten Luftwaffen- und Infanteriekräfte da auch lebend und schadlos herauszubekommen, dennoch eine sehr anspruchsvolle Aufgabe bleibt. Auch hierzu reicht das Lesen des von mir verlinkten Artikels.

    Ganz allgemein bleibt zu Ihrem Post zu bemerken:
    Es ist in der Tat eine ganz entscheidende Frage, ob die ISIS Kräfte einfach „nur“ einen Chlorgasunfall, z. B. durch Beschuss eines Chlorgaslagers, oder S-Lost-Unfall, z. B. durch unsachgemäße Handhabung von z. B. S-Lost Granaten, herbeiführten oder ob sie S-Lost taktisch einsetzen wollten und es vielleicht sogar richtig gut können (Was, sollten dort Ehemalige der Irakischen Armee mit am Werk sein, nicht ausgeschlossen werden sollte.).

    Ich beantworte die Frage nicht, da ich mich an dieser Stelle nicht befähigt sehe, eine adäquate Beurteilung der Feindlage durchführen zu können-weder bin ich vor Ort, noch verfüge ich über andere Informationen als open source Informationen. Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass die entsprechenden Personen, diese und andere drängende Fragen im Rahmen ihrer Lagebeurteilungen stellten, stellen und auch beantworten.

    P.S.: Inwiefern Türkische ABC-Abwehr- und medizinische ABC-Schutzkräfte hier unterstützen können, ist für mich keine Frage des Wollens. Des Könnens? Nun, zumindest solle bitte keiner sagen, man habe sich nicht, auch im nunmehr bekundeten Zusammenhang, damit beschäftigt:
    http://www.einsatz.bundeswehr.de/portal/a/einsatzbw/!ut/p/c4/LYzBCsIwEET_KNtUUfRm7UXEixeNF9m2awmmSVk3FoofbwKdgYGZBwMPSPb4tT2KDR4d3MG0dt9Mqpk6epL1H5Q5VXxLJOeWiWQmhS-JDLd80ZFqgyfJKeTFpuwZJbAaA4vLJDInomwHptB1pbfrYpH-7c7l8WI25ao-VVcYh-HwBzmvXV8!/

    P.S.: Leider kann ich hier ja nur schreiben. Insofern: Sollten Sie meinen Ton als belehrend empfunden haben, so sehen Sie es mir bitte nach. Ich wollte tatsächlich nur informieren.

  • Thomas Melber   |   16. August 2015 - 18:46

    @Sachlicher
    Gute Ausführungen! Danke für den Hinweis auf „Entgiftung“, manches Mal trifft man aber noch auf den Begriff „Entseuchung“.

    Ich denke wir können davon ausgehen, daß IS grundsätzlich CBR-fähig ist, schwierig für IS ist ggf. die Ausbringung.

    Und: welches Schutzniveau ist anzustreben?

  • Sachlicher   |   16. August 2015 - 19:03

    @ Thomas Melber | 16. August 2015 – 18:46
    radiological/nuclear-> Entstrahlung
    biological-> Entwesung/Entseuchung
    chemical-> Entgiftung

    Und: welches Schutzniveau ist anzustreben?
    Die Frage kann ich Ihnen nicht beantworten. Ich führt aus, warum nicht. Gerade im Bereich cbrn (ABC-Abwehr) gilt es die Balance zu halten, um einerseits nicht zu dramatisieren und andererseits nicht zu verharmlosen.

    Schon 2013 machte man sich umfassend Gedanken:
    http://www.n-tv.de/politik/Patriots-nicht-gut-geschuetzt-article9910721.html
    Und man macht sie sich noch.

  • kato   |   21. August 2015 - 23:25

    @ Thomas Melber | 16. August 2015 – 17:18

    Eine „Kampfstoffverschleppung“ durch betroffenes Personal ist – bei chemischen Kampfstoffen – eher ein niedriges Risiko. Sesshafter Kampfstoff haftet erst mal, nicht sesshafter ist diesbezüglich eh nicht relevant. Man läßt die Leute ja nicht durchs nächste Dorf laufen und erst mal jedem die Hand schütteln und sie umarmen.

    Im konkreten Einsatzfall – örtlich begrenzter Einsatz von Kampfstoffen – wichtiger wäre die (grobe) Klassifizierung des verwendeten Kampfstoffs, die Eingrenzung betroffenen Gebiets und die Triage betroffenen Personals möglichst zeitnah, durch eingebettete Truppenteile. Weitere Maßnahmen können dann abgesetzt geschehen, also Dekontamination und ggf. Entscheidungen zu Sicherungs- und Sperrmaßnahmen für betroffene Gebiete sowie eingehendere Aufklärung.

    Die Bundeswehr gibt als Zeitraum bei der Personendekontamination von der Ver- bis zur Entgiftung maximal 6 Stunden als operatives Ziel vor. Hiervon sind üblicherweise 3 Stunden für die vorbereitenden Maßnahmen – also Entscheidungsprozesse und Anmarsch – vorgesehen.
    Da – ohne genaue Kenntnis der Lage vor Ort – eher nicht von Massenanfällen auszugehen ist, läßt sich im Zweifelsfall immer noch ein Fahrzeug provisorisch entsprechend auskleiden, zum Transport der betroffenen Personen auch über Distanzen 40-60 km einsetzen und anschließend dekontaminieren.

    Eine Personendekontamination per se ist ein einfacher Prozess. Entkleiden mit Entsorgen potentiell kontaminierter Kleidung; Medizinische Untersuchung durch San-Personal; Entfernung etwaiger Kampfstoffreste auf Haut unter der Dusche (auch psychologischer Faktor…); Wiedereinkleiden. Welcher Kampfstoff dabei eingesetzt wurde ist nur im Rahmen der Medizinischen Untersuchung sowie ggf. dem Einsatz von Dekonmitteln unter der Dusche relevant.
    Dies kann ebensogut in improvisierter lokaler Infrastruktur, etwa Sporteinrichtungen, Schulen oder ähnlichem geschehen, und ist in Hinsicht auf Durchsatzraten traditionell auch vorzuziehen. Mit einem Ausbildungszeitraum weniger Wochen habe ich dabei dann zumindest eingewiesenes Personal, das dies fachgerecht durchführen kann.

    Sollte sich die Lage entsprechend entwickeln und man die Unterstützung in Richtung ABCAbw etwas intensiver ausgestalten wollen könnte man sich erst mal umschauen was man noch an E-Kfz rumstehen hat, die man nicht mehr braucht. Dazu etwa 150 Mann mit einer vollen ATN ABCDekonSdt am HEP70 ausbilden, Zeitraum 3 Monate mit anfänglicher Vollausbildung. Und eine An-124-Ladung Selbstschutzausstattung. Dann wäre man auch für den Massenanfall zumindest auf Brigadeebene voll gerüstet.