Frankreich jetzt Teil der gemeinsamen NATO-Luftverteidigung

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Sechs Jahre nach der Rückkehr Frankreichs in die militärischen Strukturen der NATO ist das Land jetzt auch in die gemeinsame Luftverteidigung des Bündnisses eingebunden. Seit dem (heutigen) Mittwoch ist die französische Luftwaffe zum Schutz des Luftraums über dem Gebiet der Allianz Teil des NATO Integrated Air and Missile Defence System (NATINAMDS).

Allerdings mit einer Besonderheit: Aufgrund der geographischen Aufteilung in Europa zwischen den Luftraumzentralen (Combined Air Operations Centre, CAOC) für den Norden in Uedem bei Kalkar in Deutschland und für den Süden in Torrejon in Spanien ist Frankreich, als einziges Land in diesem System, an zwei solcher Operationszentralen angeschlossen.

Aus der Mitteilung des NATO Air Command in Ramstein:

After thorough preparation and planning, jointly and effectively coordinated between the French and NATO Headquarters, France agreed to declare its assets eligible for NATO Air Policing duties over the French airspace and neighboring countries as of 01 June 2015. After a short period of time, necessary to update and implement the required operational and tactical baseline documentation, French airspace has been included in the NATO Integrated Air and Missile Defence System (NATINAMDS) as of 10 June, essential to NATO’s air and missile defence policy and the cornerstone to the Alliance’s collective defence.

NATO assumes responsibility for monitoring airspace over the SACEUR’s area of responsibility. For the airspace over France, this responsibility is shared between Allied Air Command’s two Combined Air Operations Centres (CAOCs). The first, CAOC Uedem, located in Germany monitors all Northern NATO airspace including the north of France; and, likewise, CAOC Torrejon, located in Spain, monitors Southern NATO airspace including the south of France. This split is unique to NATO allies and demonstrates the special relationships and interoperability shared across the Alliance. This integration across Allied Air Command and the coordination between France and the CAOCs reflects emerging air command control capabilities for the Alliance’s collective defence mission.

Der stellvertrende Kommandeur des NATO Air Command, der französische Generalleutnant Dominique de Longvilliers, würdigte die Integration als einen wichtigen Schritt für die Allianz, die jetzt im Frieden nahtlos den Luftraum zwischen Spanien und Norwegen und vom Atlantik bis zur Ostgrenze der Türkei überwache. Bereits am heutigen Vormittag sei ein französischer Abfangjänger vom Typ Mirage 2000 auf Befehl aus Uedem zu einem Übungsflug aufgestiegen. Die Maschine der Alarmrotte sei innerhalb von zehn Minuten in der Luft gewesen und habe nach einer Viertelstunde ihr Übungsziel erfolgreich abgefangen.

(Foto: Armee de l’Air)

 

23 Gedanken zu „Frankreich jetzt Teil der gemeinsamen NATO-Luftverteidigung

  1. 1966 veranlasste De Gaulle die französischen Streitkräfte sich aus der integrierten Militärorganisation zurückzuziehen, um Frankreich unabhängig, von vor allem U.S. Einfluss zu machen. In der Folge begann der zügige weitere Ausbau der Force de Frappe und das NATO-HQ musste Fointainebleau verlassen und residiert sei 1967 in Brüssel.
    Das Frankreich nun endgültig zu voller Integration in die Kommandostruktur, ausgenommen die Atomstreitkräfte, zurückkehrt, ist lange überfällig. Frankreich hat allerdings spätestens seit Libyen 2012/13 anerkennen müssen, dass es mit der Selbständigkeit nicht so weit her ist. Die „Grande Nation“ zehrt halt immer noch von großer Vergangenheit, und das gilt für viele Politikfelder.
    Jenseits dessen bedeutet dies allerdings auch, dass französischer Einfluss im HQ steigen wird, da nicht eben zweitrangige DP mit FRA Generalen besetzt sein werden. Und welche Nation muss DP Räumen?
    Hoffentlich ergibt sich auch unmittelbar Positives für unsere Arbeit in den deutschen Kommandobehörden insofern, als dass FINABEL „ehrenvoll‘ beerdigt wird, war eh nur ein französisches Feigenblatt für nicht real exerzierte Unabhängigkeit von NATO.

  2. Die Franzosen haben sicherlich den Ernst der Lage erkannt und hängen wie immer die Fahne in den Wind.

    Außerdem ist die „Grande Nation“ ziemlich pleite und ich glaube die Lage ihrer Armee ist mindestens so erbärmlich,wie die unserer Bundeswehr.

    Außer vielleicht bei den übriggebiebenen Atomwaffen.

  3. Wohl kaum, Jens Schneider. Die Franzosen haben einen modernen Flugzeugträger, Hubschrauberträger, tatsächlich mehrrollenfähige, moderne Kampfflugzeuge mit richtigen Waffen (Rafale, Mirage 2000), Kampfhubschrauber mit richtigen Waffen und Kanone, und setzen dieses Arsenal auch tatsächlich ein. Schau mal, was die Franzosen am persischen Golf, in Lybien und überall in Afrika gemacht haben in den letzten Jahren.

  4. Nicht zu vergessen die „Légion étrangère“, ein vstk infanteristischer Großverband von immerhin ca 7.500 Mann [(Mann (!)], der ständig im Gefecht steht, zuletzt Libyen und Mali mit der OP „Serval“. Die Legion umfasst derzeit neun Rgt, mit Masse Inf- und FSchJgRgt, dabei aber auch zwei PiRgt und ein KavRgt. Die Legion insgesamt ist den SOF zugeordnet und untersteht ausschließlich nationalem Kommando.

  5. Na mal halblang , wenn ich mir diesen lächerlichen Franzosen- Schrott , wie das vbci mit 13 Mann Besatzung und lächerlicher 25 mm Kanone im bemannten Turm , bei gerade einmal 25t Gesamtgewicht anschaue , kann ich nur sagen so etwas ist nur zur Bekämpfung von afrikanischen Sandalenträgern geeignet . Mit Sicherheit ungeeignet zur bekämpfung von russischen Streitkräften im symmetrischen Gefecht der verbundenen Waffen !! Für das Gefecht der verbundenen Waffen ist unser Ansatz mit Leopard A6/A7( hoffentlich bald A7+) , pzh 2000, spz Puma, GTK Boxer, trotz aller Schwächen ( insbesondere nicht mehr vorhandener Heeres – Flugabwehr ) das Maß aller Dinge in Westeuropa ! Frankreich ist und war immer schon überragend im Kampf gegen schwache Gegner ! Ich möchte nicht wissen was bei der erbärmlichen Ausstattung des französche Heeres bei einem Gefecht gegen einen gleichwertigen Feind passiert ! Dann spürt man unter anderem die dünne Panzerung der französchen Fahrzeuge als Soldat unmittelbar!!

  6. @Christian

    „DIe Franzosen haben einen modernen Flugzeugträger“

    Stimmt und wie oft ist er auf Fahrt und Übung?

    „Hubschrauberträger, tatsächlich mehrrollenfähige, moderne Kampfflugzeuge mit richtigen Waffen (Rafale, Mirage 2000), Kampfhubschrauber mit richtigen Waffen und Kanone, und setzen dieses Arsenal auch tatsächlich ein.“

    …und wie lange, mit welcher Durchhaltefähigkeit.

    „Schau mal, was die Franzosen am persischen Golf, in Lybien und überall in Afrika gemacht haben in den letzten Jahren.“

    Was haben sie denn gemacht und mit wessen Unterstützung/Munition.

  7. Manchmal macht’s einfach keinen Spaß mehr. Wenn ich mir den pöbelnden Ton mancher Kommentare anschaue („lächerlicher Franzosen-Schrott“ und ähnliches, das ganze garniert mit zu vielen Ausrufezeichen), dann scheint mir, manche Leute sollten nicht nach dem sechsten Bier kommentieren.

    Abgesehen davon, dass es in diesem Thread um die Luftverteidigung geht und nicht um irgendwelche Einsätze in Afrika: ein Mindestmaß an Sachlichkeit können wir hier wohl alle erwarten.

  8. @gc

    Bevor man irgendwelches militärisches Gerät einer anderen Nation als Schrott bezeichnet sollte, man sich vorher überlegen, für welchen Verwendungszweck diese Fahrzeuge konzipiert worden sind.

    Durch seine koloniale Ausprägung ist FRA auf schnelle und gepanzerte Fahrzeuge angewiesen, siehe hierzu die Kräftedisposition der OP Serval. Der von ihnen als „Schrott“ bezeichnete VBCI hat dort seine Aufgabe durchaus erfüllt.

    Ich würde also davon abraten, hier das Panzerquartett auszuteilen und die Stärke der Panzerung oder die Größe des Kalibers als bestimmende Größe festlegen.

  9. In der Tradition von Normandie Niemen sind die Franzosen in der Koalition zurück.
    http://rc230-normandieniemen.com/

    Um bei der Neuausrichtung nicht den Anschluss zu verpassen müssen sie sich zwingend einbringen.

    und zum Thema Einsatz in Afrika….
    ich habe mich auch gewundert warum Frankreich uralte Technik in einen Krieg verlegt, bis ich mir die Einsatzbilder und die Landkarte von Mali mal angeschaut habe

    mein Fazit: bei dieser Technik ist alles sehr spartanisch, fast alles kann selbst repariert werden, die Fahrzeuge kommen überall hin, und trotzen dabei allen widrigen Bedingungen, wenige Ausfälle der Technik ist auch klar ein Vorteil für den Auftrag und für die Soldaten. Dadurch sind natürlich die Kosten überschaubar.

    .

  10. @Elitegärtner3: „In der Tradition von Normandie Niemen sind die Franzosen in der Koalition zurück.“

    ?

    Tradition von Normandie-Niemen? Sind die Russen neuerdings in der NATO?

  11. Man muß sich nur einmal die Temperatur-Toleranz von modernen Halbleiterelementen anschauen und dann versteht man, warum einige Streitkräfte mit so „unmodernem“ Gerät in den Einsatz gehen ;-)

  12. Wenn die Ersatzteil- und Instandsetzungskette gewährleistet wird, ist erprobtes, robustes, einfaches Militärgerät oft besser, günstiger, zuverlässiger als modernes Gerät.
    Eine fliegende Cougar ist evtl eine am Boden stehenden NH90 vorzuziehen.
    Ein funktionierender Gepard wäre besser als ein System Mantis welches nicht vom Hof kommt.
    Wie leistungsfähig ist die taktische Luftverteidigung in EU/NATO – Europa?

  13. @ADLAS-Doe

    es ging mir nur um ein Beispiel einer Zusammenarbeit in einer Militärkoalition,
    ich hätte auch die Franzosen, Polen, Juden, Tschechen und andere nehmen können die auf der Insel in den Reihen der Britischen Armee oder mit ihnen gekämpft haben…

    .

  14. Schon interessant, dass manche nach über dreizehn Jahren asymmetrischer Konflikte mit Beteiligung der Bundeswehr immer noch nicht von dem hohen Ross herabgestiegen sind, von dem aus die auf „afrikanische Sandalenträger“ herabschauen.

  15. Wie ich schon schrieb,sind die Franzosen immer etwas opportunistisch und da die Zeiten auf neuer „kalter Krieg“ stehen ist bei der derzeitigen Sparpolitik die Rückkehr unter das NATO-Dach eine logische Schlußfolgerung.
    Neben starken Kürzungen beim Heer und bei der Marine in Frankreich wird es bei der armee del air auch nur noch 225 Kampfflugzeuge geben( inklusiv aero navale)

    Der Haushalt der „Grande Nation“(Militär) sinkt übrigens unter dem Niveau des deutschen Verteidigungshaushaltes ab.

    Also besinnt man sich in Frankreich auch zwangweise auf eine komplette Rückkehr unter NATO- Kommando(Mit Air-Control Komponenten in D. und SP.)

    Also welcome France again.

  16. Ich möchte mal noch auf die politische Dimension hinweisen. In Frankreich hatten die Rechtspopulisten sehr viele Erfolge in letzter Zeit (gut, auch Misserfolge). Es gibt viele Putinversteher (vielleicht nicht so viele wie bei uns) und erhebliche Distanz gegenüber den USA und der Nato. Die Front National will lieber ein gutes altes Bündnis mit Russland, 19. Jhd.-Style, als die Nato-Mitgliedschaft. Da ist die Rückkehr in Nato-Kommandostrukturen in der Luftverteidigung schon eine Aus- und Ansage. Gemeinsam mit der meldung, dass die beiden Hubschrauberträger endgültig nicht geliefert werden, sind das schon zwei starke Bekenntnisse, nachdem Frankreich lange Zeit ein eher unsicherer Kantonist war gegenüber Freund Wladimir.

  17. @Felix, all
    Ich hatte in meinem Beitrag (10. Juni 2015-17:43) bereits den Versuch unternommen, die politischen Beweggründe des FRA Schrittes herauszustellen.
    Bin allerdings eindeutig der Auffassung, nicht politische Einsicht der – sozialistischen – Regierung hat die FRA Regierung zu diesem Schritt bewogen, den ich zweifelsfrei begrüße.
    Die Rückkehr ist vielmehr der Einsicht in die finanzielle, weil ökonomisch veranlasste Limitierung der Fähigkeit zu „power projection“ geschuldet. Ein französischer Staat mit deutlich besseren gesamtstaatlich-ökonomischen Daten würde kaum jemals, ohne Anlass äußerer Bedrohung, freiwillig in die NATO-Kommandostruktur gemeinsamer Luftverteidigung zurückkehren. Dazu ist Frankreich tradtionell viel zu sehr auf nationale Größe, Unabhängigkeit in seinen Entscheidungen und Äquidistanz zu den USA ausgerichtet. Was nationale Größe anbetrifft, konzentriert sich die französische SiPo, damit die Verwendung seiner Streitkäfte, auf Aufrechterhaltung des status quo in Nordafrika, seinem früheren Kolonialreich. Französische Ressourcen sind/waren in Libyen und in Mali überdehnt; ohne U.S./NATO-Unterstützung, z.B. beim Targeting, hätte die „air campaign“ gegen Libyen kaum weitgehend reibungslos durchgeführt werden können. U.N.- und EU-Hilfe, dabei auch durch die Bw wurde nicht nur angenommen, sondern sogar erbeten. Zusätzlich ist FRA, seinem außenpolitischen Anspruch folgend, prominent in der Bekämpfung des I.S. eingebunden. In Summe ist FRA mit seinen finanziellen Möglichkeiten die militärischen Ansprüche zu alimentieren, an Grenzen gestoßen.
    Als letztlich bestimmende Größe für den FRA Sinneswandel ist daher die Ukrainekrise einzuordnen. Diesen neuen, nicht erwartbaren Herausforderungen kann FRA nur innerhalb der NATO begegnen. Sogesehen ist nur folgerichtig, in gemeinsame Strukturen zurückzukehren.

  18. @Kalkowsky
    Der Versuch ist leider missglückt! Die französische Entscheidung in die Nato-Strukturen
    zurückzukehren wurde im März 2009 getroffen. Da gab es noch keine Ukrainekrise!
    Sarkozy begründet die Rückkehr in die integrierte Führungsstruktur mit dem Willen, den Einfluss Frankreichs und Europas in dem Bündnis zu stärken.

  19. @Cato, schon richtig, 2009 und der Ex-UMP (jetzt Republicaine) Präsident Sarkozy. Nur ist sechs Jahre lang nichts passiert, ohne Druck von außen. Und der Sozialist Hollande kann es nicht mehr stemmen. Sehe mich bestätigt.

  20. Frankreich hat da eher ein personales als ein fiskalisches Problem.
    Die französischen Streitkräfte haben schlicht und einfach zu wenig Personal, alle nach den einschlägigen manpower/manning-Formeln zu besetzenden Dienstposten in der NATO Command&Force Structure auch qualifiziert (z.Bsp. Sprach- und Verfahrenskenntnis) zu besetzen. Mit jedem * in einem HQ kommt nämlich eine kegelförmige Besetzungsverpflichtung vom Oberst bis zum Stabsgefreiten hinzu; diese Formeln gelten auch, wenn ich nur einen Oberst ins HQ einbringen will. Canada und UK haben da ähnliche Probleme, das ist übrigens der Grund, warum die Anzahl/Verteilung der Sterne bei diesen beiden NATO-Partnern in der letzten Revision des NATO Peacetime Establishment der NCS sich so reduziert/verändert hat. Hinzu kommt die teilweise Dublizierung von Kommandostrukturen EU und NATO (Stichwort Ulm und Münster etc..).
    Die Einzigen, die personell noch immer aus dem fast Vollen schöpfen können, sind die USA und Deutschland.

  21. Meiner Erfahrung nach ist „kegelförmige Besetzungspflicht“ vom Oberst bis zum Stabsgefreiten ungefähr so realistisch wie die Bevölkerungspyramide in Deutschland.
    Von der Dienstgradstruktur her sind die meisten NATO-HQ’s, wie auch die Bundeswehr, ein Spiegelbild der derzeitigen bundesdeutschen Demographie…

  22. Vielleicht sollte man nicht vergessen, dass es eine franz.-deutsche erste Initiative für das heutige EATC gab!. Und zwar schon 1999. Also die Erkenntnis zur Bündelung von Ressourcen schon damals, weit vor den jetzt hier verbreiteten pekuniären Sorgen.

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