Exercise Watch: Noble Jump, Teil II – die Speerspitze verlegt

Neben den verschiedenen laufenden Großübungen auch mit deutscher Beteiligung im NATO-Nordosten (Saber Strike, BALTOPS), die trotz Bündnisbezug US-geführte Manöver sind, ist auch eine originäre Allianz-Übung mit großer Bedeutung für die NATO angelaufen: Auf dem Truppenübungsplatz Zagan im Westen Polens, kurz hinter der deutschen Grenze, hat in der vergangenen Woche der zweite Teil der Übung Noble Jump begonnen – die Verlegung der neuen NATO-Speerspitze.

Die Very High Readiness Task Force (VJTF) hatte ja bereits im April als ersten Teil von Noble Jump eine Alarmierungsübung (AlertEx) der verschiedenen Truppenteile vor allem aus Deutschland, den Niederlanden und Norwegen durchgeführt; außerdem wurden tschechische CBRN- (wo die Deutschen immer ABC für sagen)-Einheiten alarmiert.

Mit dem laufenden zweiten Teil sollen die Einheiten beweisen, dass sie nicht nur innerhalb von zwei bis fünf Tagen verlegefähig alarmiert werden können, sondern auch tatsächlich verlegen können.

Ein klein wenig gemogelt wird dabei schon. So verlegt die Bundeswehr nicht ihren kompletten deutschen Gefechtsverband für die NATO Response Force (NRF), der ja zusammen mit den Niederlanden und Norwegen eine Interim-VJTF, also eine Ausprobier-Speerspitze stellen soll. Zwar hatte der deutsche Verband, im Kern zwei Kompanien des Panzergrenadierbataillons 371 in Marienberg in Sachsen, plus Aufklärer plus Artillerie plus Sanität plus Logistik plus Pioniere in den vergangenen Wochen auf dem deutschen Truppenübungsplatz Bergen geübt, in Falcon Viking schon zusammen mit den Niederländern und den Norwegern.

Aber nach Polen verlegte nur ein Teil des deutschen Gefechtsverbandes, im Wesentlichen die 2. Kompanie des Bataillons. Das schwere Gerät wie die Marder-Schützenpanzer kam per Bahn (Foto oben), die Truppen wurden eingeflogen.

Ebenfalls zum Teil eingeflogen (aber auch im Straßenmarsch verlegt) wurde das Operations-Hauptquartier der VJTF, das vom 1. Deutsch-Niederländischen Korps in Münster unter dem deutschen Generalleutnant Volker Halbauer gestellt wird. Die Führung der VJTF-Brigade haben die Niederländer, die dafür den Kommandeur ihrer 11 Luchtmobielen Brigade abgestellt haben.

Die Übung hatte am 9. Juni mit dem Befehl zur Verlegung begonnen, das deutsche Gerät ging am 10. Juni auf die Bahn. In Zagan soll die neue Speerspitze der NATO erstmals zusammengeführt werden – und wird sich am 18. Juni in einer großen Show den Big Bosses der NATO, also Generalsekretär und SACEUR, wie auch den Verteidigungsministern der beteiligten Länder vorstellen.

Nachtrag: Das Deutsch-Niederländische Korps legt hier mehr oder weniger laufend Bilder von Noble Jump nach.

… und von dieser Flußquerung gibt’s auch ein Video.

(Fotos: 1. Deutsch-Niederländisches Korps; Matthias Duchscherer, oben; Evert-Jan Daniels, Mitte und Erik Morren, unten)

52 Gedanken zu „Exercise Watch: Noble Jump, Teil II – die Speerspitze verlegt

  1. Vielleicht sollte das BMVg mit (Stich)Tag der Bundeswehr, 12:00 Mittag, eine Übersicht veröffentlichen, wieviel Soldatinnen und Soldaten der BW zu diesem Zeitpunkt weltweit in Einsätzen, einsatzähnlichen Aufträgen, Manöver/Übung, Öffenlichtlichen Veranstaltungen, Bereitschaftsdienst etc. „unterwegs“ waren und eben nicht zu Hause auf dem Sofa die Seele baumeln lassen konnten…….

  2. Erst kriegt man nur zwei Kampfkompanien für die Alarmübung zusammen anstatt drei Kompanien und jetzt wird nur eine statt drei Kompanien verlegt. Der russische Generalstab wird sich vor lachen am Boden kugeln.

    Hat die Nato nur eine Kampfkompanie angefordert oder mogelt die BW um Kosten zu sparen oder fehlt doch Ausrüstung um eine zweite Kampfkompanie(Stichwort Besenstiel) zu verlegen?

  3. Es gibt doch in diversen Schubladen so nette Pläne für den Fall, dass die Nato-Vorwarnzeit ausgerufen wird und man eine zweistellige Anzahl von Divisionen neu aufstellen muss.

    Aufgrund der geänderten Sicherheitslage in der Welt wird man diese Pläne hoffentlich aus der Schublade gezogen haben und ist also gerade dabei, all die notwendigen Beschaffungen an den technischen Stand des Jahres 2015 anzupassen.

    Nehmen wir mal an, man hat nach erster Schockstarre so etwa vor einem Dreivierteljahr mit den Arbeiten angefangen. Dann müssten jetzt langsam die Sondierungsgespräche mit den Industriepartnern abgeschlossen sein und so gegen Spätsommer müsste die Produktion hochgefahren werden. Ende des Jahres müsste dann also die erste neue Ausrüstung in relevanten Mengen in den Depots ankommen und Anfang nächsten Jahres dürften die ersten Verbände neu ausgerüstet werden.

    Ist also davon auszugehen, dass bei „Noble Jump 2016“ auch die Bundeswehr mit moderner Ausrüstung erscheint und dies alles nicht mehr so wie ein Kalte-Kriegs-Reenactment aus dem letzten Jahrtausend ausschaut?

  4. @Closius

    Ganz so schlimm ist es nicht. Die anderen Nationen verlegen auch nur einen Teil der Truppen. Es geht hier nicht darum alle zu verlegen.

    Am Rande:
    Es macht taktisch auch wenig Sinn alle gleichzeitig zu verlegen.
    Stichwort: Erkundungskommando…Vorauskräfte…Hauptkräfte…

    pi

  5. Siehe Aufmacher des threads:
    Die Annahme, ABC-Schutz (DEU) und CBRN- Schutz (NATO) seien inhaltsgleich ist nur bei flüchtiger Berachtung zutreffend. https://bw2.link/oPRwf.
    „Die verfeinerte Unterteilung der „A“-Gefahren in radiologische (R) und nukleare (N) Bedrohungen beschreibt die unterschiedlichen Ausbringungsarten einer radioaktiven Kontamination.
    „Nuklear“ bezeichnet dabei Kernwaffenexplosionen und deren Folgewirkungen sowie radioaktive Stoffe des nuklearen Kreislaufs; „radiologisch“ bezeichnet die weiteren Ausbringungsarten, vorrangig in Form einer radioaktiven Dispersionsvorrichtung (z.B.: ‚Schmutzige Bombe‘).“
    Darüberhinaus geht es nicht mehr nur ausschließlich um Detektion, Identifikaton, Abwehr und/oder Säuberung von klassischen mil Kampfstoffen, sondern auch um industrielle und medizinische Chemikalien die, in großem Maßstab produziert, potenziell Gefahren beherbergen.
    Der Terminus CBRN ist so gesehen zielführender und problembewusster und sollte daher durch Bw eingeführt werden.

  6. @Freiherr vom Stein, da wir nicht die preußischen noch die – erforderlichen – bundesdeutschen Reformen zum Thema haben, erlaube ich mir die Prognose für Noble Jump 2016, same procedure as last year.

  7. „In Deutschland obliegt der ABC-Schutz für militärisches Personal der Bundeswehr (siehe ABC-Abwehr); der ABC-Schutz für die Zivilbevölkerung ist in der Zuständigkeit des Bundesinnenministeriums im Rahmen des Zivilschutzes bzw. der Länder im Rahmen des Katastrophenschutzes (siehe ABC-Dienst). Hierbei wird meistens auf Spezialeinheiten der Feuerwehr und anderer Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (ABC-Züge o.ä.) zurückgegriffen.“
    http://de.wikipedia.org/wiki/ABC-Schutz

    CBRN ist also in Deutschland zuständigkeitsmäßig in ABC-Abwehr (militärisch) plus ABC-Schutz/Dienst (zivil) organisiert. Wenn nun die BW „CBRN“ anstelle von ABC-Abwehr terminologisch einführt, was machen dann der BMI und die Länder/Gemeinden terminologisch in Sachen Katastrophen-/Zivilschutz ?

    Man muß nicht alles verdenglischen……..;-)

  8. Hm, wenn jetzt jeder Halbsatz von mir analysiert und untersucht und bewertet wird…

    Eigentlich habe ich nur sagen wollen: Die Tschechen stellen CBRN-Einheiten. Wäre die Bundeswehr mit dieser Aufgabe betraut, dann hießen sie im deutschen Sprachgebrauch ABC-Abwehr. Besser so?

  9. @Klabautermann
    Mein Blick in die Glaskugel_
    Da „fast“ alles was mit dem anderen deutschen Staat abgewickelt wurde, gefühlt wiederkommt, wird es wohl eine „Zivilverteidigung“ oder ein ganz neues „Heimatschutzministerium“ geben müssen-
    Noch vor der nächsten Wahl, wetten?
    Falls gewünscht, kann ich sogar die Seibert Eklärung schon schreiben – Sie aber sicher auch ;-)

  10. @Freiherr vom Stein | 13. Juni 2015 – 16:07

    [blockquote] Es gibt doch in diversen Schubladen so nette Pläne für den Fall, dass die Nato-Vorwarnzeit ausgerufen wird und man eine zweistellige Anzahl von Divisionen neu aufstellen muss. [/blockquote]

    Eine zweistellige Anzahl von Divisionen? Ohne (für den deutschen Michel konkret greifbare) Bedrohung? Wovon träumen Sie nachts?
    Da muss schon einiges passieren biswir unsere zwei mechDiv verdoppeln. Und daswäre schon ein sehr großer Sprung.
    Und wenn der Puma den Marder ersetzt hat sieht es auch nicht mehr so aus wie in den 80ern. Gerade im Bereich mittlere Fahrzeuge hat sich mMn in den letzten Jahren viel getan auch wenn die Vollausstattung +10% Umlaufreserve wünschenswert wäre.

  11. Herr Wiegold, keine Frage und null Absicht von Kleinkrämei! Nur ist in vielen Hirnen, zumindest des Heeres, kein Augenmerk für die qualitativ umfangreichere Bedrohung erkennbar. Abzulesen auch in Standardbefehlsgebungen zu Ziffer 4 ff. Ursache: für mich eindeutig- ABC macht SKB, – Folge, aus den Augen aus dem Sinn.
    Nichts für ungut also.
    Ein ABC/NBRC-thread bei passender Gelegenheit, das wär auch mal was.
    Gelegenheit? Transport lebender statt abgetöteter Antraxkeime durch U.S, da wird selbst Kim Jong-un nervös und interveniert vor dem Sicherheitsrat.

  12. @Les Grossmann

    Na ja, man muß eben andauernd das Rad wieder neu erfinden….wenn auch nur begrifflich ;-)
    Das ist dann modern und anders, und modern und anders ist attraktiv !

  13. @ Klabautermann
    und nicht die genderchance vergessen,
    ahoi – wir. sind. 60.
    (nur Bundeswehr)

  14. In den vergangenen Tagen hatte jemand bei „Saber Strike“?? gefragt, wie es denn mit STF und Marine so aussieht.
    Antwort meines ‚Gewährsmannes‘, derzeit in Zagan/Polen, Camp Karliki untergebracht in -wörtlich- Eisenbahnwaggons der Wehrmacht:
    – JFST Heer üben im Rahmen der Ausb einmalig mit Marine. Er ist seit 2005 dabei (bei STF), Mann der ersten Stunde, nach ErstAusb kein Training Heer-Mar mehr!!
    – FAC Lw üben 1x/Jahr bei joint warrior/Schottland gemeinsam mit Royal Army/navy/air force
    Also sieht’s etwa im Grundsatz so aus, wie konzeptionell vorgesehen. Zusammenarbeit mit Mar aber sträflich wenig, jedoch hat Mar aktuell wohl durchaus andere Sorgen, wie in sonstigen threads zu lesen steht.
    Ansonsten gäbe es aus Zagan noch Einiges zu berichten, was ich mir aber besser verkneife, um die Verschwiegenheitspflicht nicht zu verletzen.

  15. Man muss auch das Fassungsvermögen eines Übungsplatzes bedenken, gern passt nicht immer alles drauf, was man haben möchte. Und manchmal darf man auch nicht alles machen, was man möchte. Denn trotz Krise usw. gelten die Sicherheitsbestimmungen. Auch in Polen.

  16. @Freiherr vom Stein:
    Das ist sicher ironisch gemeint, oder?

    Wer legt darauf Wert?
    Mit welchem Geld soll das gehen?

    In einem Jahr wird sich nichts ändern.
    Und bei unveränderter Finanzlinie (Eckwerte HH 2016 und FinPlan) wird sich bis zum Ende diesen Jahrzehntes auch nichts Substantielles ändern können (die +4 Mrd. € gehen fast komplett für die Finanzierung der Agenda Attraktivität drauf).

    Man hat ja nicht einmal mehr Geld für den Materialerhalt.

    Auch wenn BM’in, Staatsekretäre und GI der Öffentlichkeit (und dem Parlament?) das Gegenteil verkaufen wollen.

    Bis zum Spätsommer 2017 muss es nach Dynamik und Aufbruch aussehen – darauf kommt es an.

    Einsatzbereitschaft? Das interessiert ja offenbar nicht wirklich jemand.

  17. @ K-P W

    Die deutschen Bezeichnungen für Truppenteile weichen teilweise erheblich vom Nato-Standard ab. Manchmal stecken sicherlich Traditionsgründe dahinter, manchmal scheinen es aber auch politische Gründe zu sei. Vgl. etwa OpKom für PsyOps.

  18. @ Memoria | 14. Juni 2015 – 2:34

    Im Prinzip habe ich versucht, den theoretischen Soll-Zustand zu beschreiben.

    Ihre Beschreibung liegt vermutlich näher am realen Ist-Zustand.

    Blutige Kriege entstehen nicht selten daraus, dass man weder sich noch den Feind kennt und so blind in die Katastrophe rennt. Frieden hingegen sichert man mit bestausgerüsteten waffenstarrenden Streitkräften, mit denen sich niemand anlegen will.

    Aber wir sind ja Weltklasse …

  19. @FvS:
    Meine Darstellung ist sehr nahe an der Realität.
    Politik sollte ja mit dem Betrachten derselben beginnen (Kurt Schumacher).

    Ihr Ansatz folgt natürlich der mehr als 2000 Jahre alten Logik von „Si vis pacem para bellum“ (Plato, Cicero).

    Wenn man sich einmal anschaut auf welchem intellektuellen Niveau durch hochrangige Politiker die flexible response von JFK vorangetrieben wurde oder auch die Nachrüstung durch Helmut Schmidt gedanklich unterlegt war (beide haben sich sehr intensiv mit den theoretischen Grundlagen beschäftigt und Fachbücher als Abgeordnete verfasst), dann merkt man, dass wir in erster Linie kein finanzielles, sondern ein intellektuelles Problem haben. Nicht nur in der Politik, sondern auch in der Ministerialverwaltung und insbesondere in den Streitkräften.

    Das Heer schaut wie der Hase vor der Schlange auf die VJTF, aber eine echte Auseinandersetzung mit der hybriden Kriegsführung findet nicht statt.

    Angeblich ist der Begriff hybride Kriegsführung in Strausberg nicht gerne gesehen…

  20. „In bath with the Grenadiers“ – und das erste was man in der Bilderstrecke sieht ist ein PiPz Dachs der 2./PzPiBtl 701 aus Gera.
    Ist es nicht mal beim Deutsch-Niederländisches Korps möglich eine Bilderstrecke korrekt und sinnig zu betiteln?!

    [blockquote]klabautermann | 13. Juni 2015 – 15:36
    Vielleicht sollte das BMVg mit (Stich)Tag der Bundeswehr, 12:00 Mittag, eine Übersicht veröffentlichen, wieviel Soldatinnen und Soldaten der BW zu diesem Zeitpunkt weltweit in Einsätzen, einsatzähnlichen Aufträgen, Manöver/Übung, Öffenlichtlichen Veranstaltungen, Bereitschaftsdienst etc. „unterwegs“ waren und eben nicht zu Hause auf dem Sofa die Seele baumeln lassen konnten…….[/blockquote]

    ???
    Gehört nun mal zum Beruf Soldat.
    Wir machen ja auch kein Extra Fass auf weil Millionen andere Arbeitnehmer am Wochenende arbeiten.

  21. Klaus-Peter Kaikowsky | 14. Juni 2015 – 8:05

    „German tanks roll back into Poland“ titelt die „Sunday Times“ in bekannter, britischer Manier.

    Die Sunday Times ist da etwas langsam, deutsche Panzer rollten in Form des PzBtl 64 bereits anno 2002 / 2003 wieder in Swietoszow ;-)

  22. @ Klaus-Peter Kaikowsky | 13. Juni 2015 – 17:03

    Siehe Aufmacher des threads:
    Die Annahme, ABC-Schutz (DEU) und CBRN- Schutz (NATO) seien inhaltsgleich ist nur bei flüchtiger Berachtung zutreffend.

    Mit Verlaub, an Ihren Ausführungen sind ca. 15 Jahre Entwicklung in diesem Bereich vorbeigegangen.

    Im Bereich des Katsatrophenschutzes, das führen Sie korrekt aus, haben zivile Feuerwehren, Katastrophenschutzeinheiten und Bundespolizei CBRN-Fähigkeiten aufgebaut. Es obliegt nun der (zivilen) Leitung -aufsteigend: Landrat bzw. entsprechend, Innenminister Bundesland, Innenminister Bund- im Falle einer Katastrophe die Lage mit zivilen Kräften oder auch (!) mit Unterstützung von Bundeswehrkräften zu beherrschen.

    Btw: chemical-biological-radiological-nuclear als terminus technicus in dieser Reihenfolge formuliert wurde, weil es sich vom Eintreff-Wahrscheinlichsten zum Unwahrscheinlichsten ableitet.

    Die Fähigkeiten der ABC-Abwehr der Bundeswehr kennt nach wie vor die ABCAbwehr aller Truppen, die das Heer sehr wohl abbildet (fragen Sie @ koffer, wie beliebt das ist und welchen Sackstand man damit unter Umständen hat in seiner als professionell zu geltenden Truppengattung).

    Gewechselt zur SKB ist die qualifizierte ABCAbwehr und das „Drumherum“, was das Kommando vollkommen treffend so darstellt:

    Das ABC-Abwehrkommando der Bundeswehr entwickelt die konzeptionellen Grundlagen für die ABC-Abwehr der Bundeswehr, bildet die ABC-Abwehrkräfte der Bundeswehr aus und stellt diese für Einsätze bereit.

    Die Kräfte mit qualifizierter Befähigung des ABC-Abwehrkommandos der Bundeswehr klären im Einsatz – auch großräumig und geschützt – ABC-Kampfstoffe und vergleichbare industrielle Gefahrstoffe auf, führen die Dekontamination und Desinfektion von Personal, Material und Infrastruktur durch, unterstützen in der Schädlingsbekämpfung und in der Trinkwasseraufbereitung. Die Auswertung der ABC-Lage, die ABC-Vorhersage sowie die ABC-Abwehrberatung der Kommandeure und Stäbe runden das Leistungsprofil ab.

    bitte nicht den wiki-Artikel nehmen, sondern: http://www.kommando.streitkraeftebasis.de/portal/a/kdoskb/!ut/p/c4/04_SB8K8xLLM9MSSzPy8xBz9CP3I5EyrpHK94uyk-OyUfL2S1KKixNK0dL3EpOTEpHKgEFASmV2ampRaVJpXrF-Q7agIAHwNoys!/

    Sie mögen sich am Begriff ABC-Abwehr aufreiben wollen, allein: im Bereich CBRN – Kompetenz und – Abwehrfähigkeit ist das ABC-Abwehrkommando der Bundeswehr absolut im Bilde, und mit Ausnahme der üblichen haushälterischen Problemstellungen im Bereich Rüstung/ Personal auch befähigt – konzeptionell allemal.

    Ihre Annahme, dass im Bereich der ABCAbwehr aller Truppen keine „R“-Kompetenz vorhanden ist, ist nicht richtig. Wenngleich das Strahlenspür- und Verstrahlungsmeßgerät (SVG) 2 dafür vorgesehen und wohl noch nicht überall eingeführt, so ist das mittels (uraltem) SVG 1 nicht unmöglich. Die Dekontamination ist similar zu „N“.

    Im Bereich B-Abwehr aller Truppen sieht es im Bereich Aufklärung/Detektion, zumindest praktisch, noch etwas dunkel aus. Hier fehlt es nicht an Konzeption und Überlegung, wohl aber an Umsetzung.

    Ergo: C-R-N Lagen dürften die Kameraden aus Marienberg, und nicht nur die, so gut beherrschen, wie das eben geht. Der Ersteinsatz bedingt ja nicht umsonst eine „Lageänderung“, die eine neue Beurteilung der Lage nach sich zu ziehen hat.

    Transport lebender statt abgetöteter Antraxkeime durch U.S, da wird selbst Kim Jong-un nervös und interveniert vor dem Sicherheitsrat.

    Wenn das kontrolliert und gemäß der einschlägigen Vorschriften durchgeführt wird, wird da niemand nervös.

  23. Strausberg und „Sprechverbot“ zu hybrider Kriegführung, kann ich mir durchaus vorstellen. Wenn es keine Antworten gibt, bzw diese äußerst unbequem wären, hilft dann verleugnen?
    Hoffentlich besteht nicht auch noch proaktives Denkverbot.
    Bei SWP (SWP-Aktuell 27, März 2015; Verfasser ein Oberstlt i.G.) zumindest liegt eine Arbeit aus Anlass der 51. Münchner Sicherheitskonferenz vor, Titel: „Hybride Kriegführung. Zur Einordnung einer aktuellen Erscheinungsform des Krieges“.
    Die dort identifizierten Schlussfolgerungen und empfohlenen Handlungsanweisungen sind jedoch geeignet, in Stäben, eigentlich zuvor im BMVg, Kopfschmerzen zu verursachen. Vorbereitet ist niemand, im Westen, wenn RUS das großflächig umsetzen wollen sollte. Bedenklich auch, im geographisch eher überschaubaren Donbas, der Krim, ist es erfolgreich zur Anwendung gekommen, braucht also gar nicht umfassend zu sein.
    In seinem Fazit stellt der Verfasser u.A. fest: „… Der Westen hat dieser Form der Kriegführung bisher wenig entgegenzusetzen. …“

  24. @ Memoria | 14. Juni 2015 – 14:39

    Das Heer schaut wie der Hase vor der Schlange auf die VJTF, aber eine echte Auseinandersetzung mit der hybriden Kriegsführung findet nicht statt.
    Angeblich ist der Begriff hybride Kriegsführung in Strausberg nicht gerne gesehen…

    Das untermauert meinen Eindruck, dass man sich in Strausberg, wie auch in der Leitung der bundesdeutschen Sicherheitspolitik/Streitkräfte in eine intellektuelle Sackgasse begeben hat. Zu lange war man im Freudentaumel ob des (von anderen) gewonnenen kalten Krieges, so dass man verlernt hat, wie Frieden organisiert wird. Genau so wenig, wie man einen Bankraub durch Abschaffung der Polizei verhindert, genau so wenig organisiert man Frieden durch faktische Abschaffung eigener Streitkräfte.

    So schmerzhaft die Erkenntnis ist: Das Fundament für den nächsten Krieg wird in der vorherigen Friedenszeit gebaut – und da waren bundesdeutsche Politiker und gesellschaftliche Gruppierungen in ihrer Kurzsichtigkeit sehr fleißig.

  25. @Sachlicher, danke, hab was gelernt.
    Dann hoffe ich mit Ihnen und uns allen, dass in Bereichen Haushalt, Rüstung, Personal nachgesteuert werden kann. Konzeptionell hat es ja meist gepasst.
    Also, danke für die Nachhilfe.

  26. @Realpolitik:
    Es ist ja eher ein Denkverbot und kein Sprechverbot – zudem ist GenLt Domröse ja nicht Teil des Heeres ist.

  27. @klabautermann

    „Wenn nun die BW „CBRN“ anstelle von ABC-Abwehr terminologisch einführt, was machen dann der BMI und die Länder/Gemeinden terminologisch in Sachen Katastrophen-/Zivilschutz ?“

    Seit 1. April 2014 gelten gemäß Weisung des BMI/BBK neue Begriffe, z.B. auch für die Fahrzeuge des erweiterten Katastrophenschutzes. Zum Beispiel wurde aus einem ABC-Erkundungskraftwagen demnach ein CBRN-Erkundungswagen.

  28. @ Memoria | 14. Juni 2015 – zudem ist GenLt Domröse ja nicht Teil des Heeres ist.
    Den vierten Stern sollten wir General Domröse lassen.

  29. @Memoria | 14. Juni 2015 – 18:18
    Natürlich geschenkt, wollte es nur nicht so stehen lassen.

  30. @Memoria: was meinen Sie mit „nicht Teil des Heeres ist“? Wegen seiner NATO-Verwendung? Zu den Denk- (und Handlungs-) verboten übrigens ein netter, wenn auch nicht sehr tiefgehender Artikel heute bei Welt online.

  31. @klabautermann

    In Schleswig-Holstein heissen die ehemaligen ABC-Züge der Landkreise schon eine gefühlte Ewigkeit Löschzug-Gefahrgut und sind per Definition Einheiten zur Abwehr von CBRN-Gefahren. Die Verdenglischung ist also unlängst eingetreten. Wir wundern und eigentlich, wieso es ‚Löschzug‘ genannt wurde, da es a) mit Löschen praktisch nichts zu tun hat und b) sowieso mindestens 2+ Züge sind… Vielleicht kommen wir ja noch dahin, dass es in Hazardous Materials Unit umbenannt wird und wir dann HazMat auf die Fahrzeuge drucken statt LZ-G…

  32. @Realpolitik:
    Genau das meine ich: Er untersteht nicht dem Kdo Heer.

    Aber wir kommen weit vom Thema ab.

    Mein Punkt:
    Unter anderem im Kdo H will man das Phämomen des hybriden Krieges nicht intellektuell durchdringen. Man arbeitet im kriegstheoretischen Vakuum.

  33. Ich fürchte mit ABC/CBRN ist es – im Kontext von hybrider Kriegsführung – in Deutschland konzeptionell ähnlich gelagert wie bei CyberDefense und Computer Network Ops. Hier muß im Zeitalter der Vernetzten Sicherheit die zivil-militärische Arbeitsteilung in Sachen Innere und Äußere Sicherheit mal heftig hinterfragt werden mit Blick auf ihre Zukunftsfähigkeit…..Hoffen wir also auf das neue Weißbuch ;-)

  34. Am Fahrzeug erkennt man, dass es sich um tschechische Soldaten handelt. Mit Hilfe des Internets findet man dann auch deren (neues) Standardgewehr: CZ 805 BREN.
    Auf dem Foto zu sehen ist die etwas kompaktere Version CZ 805 BREN A2. Mit dem HK 416 hat es aber auch äußerlich nicht allzu viel gemein. Es ist z.B. kein AR-15-Derivat.

  35. Auch die VJTF hat ihre Tradition. Der NLD InspH (GenLt Mart de Kruif) twittert: „1815 waren wir schnelle Eingreiftruppe bei Quatre Bras. Heute sind wir es immer noch, in Polen. Ist das jetzt Innovation oder historisches Verantwortungsbewusstsein?“ Gen de Kruif möchte ich antworten: „continuïteit meneer generaal“.
    Zu Traditionsbewusstsein und der Fähigkeit aus der Geschichte zu lernen, ist im Bällebad Einiges nachzulesen.
    Wer es ausnahmsweise nicht mehr präsent hat, 18.06.1815 Sieg der Alliierten bei Waterloo. Und wir können sagen, wir sind dabei gewesen, mit dem Preußen Blücher.

  36. Bleiben wir doch bei Blüchers „Belle Alliance“.

    Ob wir heute noch mit einer aus Landwehr gebildeten Truppe solche Erfolge erzielen würden, wage ich aber zu bezweifeln. Und zur BW Generalität versus Gneisenau und Blücher möchte ich mich nicht äußern.

  37. „Die Welt-Politik-Ausland“ berichtet ausführlich zum Auftritt der VJTF in Zagan.
    Die deutsch-niederländische Führung wird, zumindest für die DEU Seite als „Kraftakt“ beschrieben.
    Zitat im Auszug.
    ‚… Den Bündnispartnern ist nicht verborgen geblieben, dass die Verantwortung in der Speerspitze für die Bundeswehr ein Kraftakt war. Um die Ausrüstung für die 350 Soldaten stellen zu können, musste das Heer Gerät aus Verbänden in ganz Deutschland zusammenkratzen. Weil die klassische Bündnisverteidigung vor Russlands neuer Aggression in Osteuropa ein Fall für die Geschichtsbücher zu sein schien, hatte die Politik nämlich entschieden, dass die deutschen Streitkräfte keine Vollausstattung mehr benötigten – 70 Prozent der Panzer und anderen schweren Geräts sollten reichen.
    Jetzt reicht es nicht mehr, findet Generalleutnant Bruno Kasdorf. Das Engagement in der Speerspitze habe gezeigt: „Derzeit gelingt uns nur die Aufstellung von bis zu zwei modernen Ansprüchen genügenden Gefechtsverbänden“, schreibt der Inspekteur des Heeres in einer Analyse. [Für nicht Eingeweihte, das sind zwei (!)vstk Btl, es graust mich!!!] Von einer Ausstattung aber, mit der die Bundeswehr die Anforderungen der Bündnisverteidigung dauerhaft erfüllen könne, „sind wir nach wie vor weit entfernt“. …‘ Ende Zitat.

    Jedoch ist es mit der Aufstellung der VJTF nicht getan, es ist lediglich der vergleichbar kostengünstige Start der Herstellung glaubhafter Verteidigungsfähigkeit.
    An diesem Faktum ist beispielhaft EINE Auswirkung des Primats des Politischen auf Sicherheitspolitik in Deutschland abzulesen. Und dass der Zustand der Streitkräfte dem gehandhabten Verständnis von Sicherheitspolitik zwangsläufig nachfolgt, ist nur logisch.
    Jedwede Bedrohung wurde, falls überhaupt, am Hindukusch verortet (kann es eigentlich nicht mehr hören), die Streitkräfte, im SP das Heer, afghanisiert. Die Bedarfe, Fähigkeiten, der Ausrüstungsstand und – eigentlich am wichtigsten – die Ausbildung einer infanteristisch/asymmetrisch geforderten Truppe kann der neuen/alten Bedrohung eben nicht entsprechen.
    Es gibt viel zu tun, zuallererst in den politisch verantwortlichen Köpfen.

    [Das ist als Zitat von der Länge her ziemlich an der Grenze; fast schon drüber hinaus… T.W.]

  38. Bei kurzer Rückschau, was sich heute/gestern in Zagan und Umgebung so ereignete, und vor allem wie wichtig es die desinteressierte Öffentlichkeit nimmt, kam ich auf den Spiegeltitel „Bedingt abwehrbereit“ von 1962. Dieser Aufmacher war ja bekanntermaßen Auslöser der Spiegel-Affäre und einer handfesten Staatskrise, bis hin zu ersten Sitzstreiks in Deutschland.
    Ob das damals in Kenntnis der Stärke des WP berechtigt war, will (kann) ich nicht beurteilen.
    Nur hat sich die Öffentlichkeit immerhin aufgeregt, zwar über die Attacke gegen den Spiegel, aber immerhin, es gab Thermik im Blätterwald.
    Heute spricht der InspH offen darüber, dass er mal gerade ZWEI GefVbd auf die Beine kriegt und niemanden regt es auf.
    Warum, teutscher Michel?

  39. [Ironie an] Weil … nun ja … von deutschem Boden nie wieder Krieg ausgehen soll? Willy Brandts Motto ist inzwischen Allgemeingut geworden und wenn dann noch seitens der Politik dafür gesorgt wird, daß man gar nicht erst teilnehmen kann, dann ist das doch pikobello! [Ironie aus]

    Die totale Irrelevanz des Militärischen für die sozio-politische Kultur in Deutschland ist doch schon seit Jahrzehnten mehr als augenfällig. Es gibt keinen gesellschaftlichen „Markt“ für derartige „Dienstleistungen“, dementsprechend auch kein Angebot – Nachfrage – Gleichgewicht, und zwar weder in der Politik noch in den Streitkräften. Die Verschweizerung der politischen Mentalität in Deutschland ist weit fortgeschritten, neutralistisches Denken und Weltabgewandheit die Norm.

  40. @Klaus-Peter Kaikowsky

    „Und wir können sagen, wir sind dabei gewesen, mit dem Preußen Blücher.“

    Ja, wenn Geschichte (immer so einfach wäre) und Realität aufeinandertreffen.Noch heute wird Napoleon von vielen in Europa verehrt!
    Ein Teil der damaligen Bevölkerung auf heutigem BRD Boden gehörte dem Rheinbund an und kämpfte gegen die verhaßten Preußen und eine Generation später gleich nochmal.
    Nur was hat das mit der Gegenwart zu tun?

    Viel, denn die Deutschen haben daraus und aus all den nachfolgenden Kriegen Lehren gezogen……..ob die richtig sind, will ich hier noch beurteilen, jedoch die Frage stellen ob das andere Nationen auch so taten oder ob man weiterhin Krieg als Mittel der Politik betrachtet?

  41. @ csThor | 20. Juni 2015 – 9:28

    Die totale Irrelevanz des Militärischen für die sozio-politische Kultur in Deutschland ist doch schon seit Jahrzehnten mehr als augenfällig.

    Was ich dann aber nicht mehr zusammenkriege, ist die Tatsache, dass unsere Politik seit 1999 sehr großzügig damit ist, Soldaten hier und dahin zu schicken. Gerade SPD und Grüne, die innenpolitisch oft besonders antimilitärisch auftreten, haben dieses Werkzeug der Politik in ihrer Regierungszeit ausgiebig genutzt.

    Würde das einhergehen mit einer breiten gesellschaftlichen Vermittlung und der Organisation von gesellschaftlicher Akzeptanz, könnte man ja noch eine Konsistenz erkennen. Bei unseren Politikern ist aber ein Trend zu erkennen, dass man ohne schlüssiges Konzept und ohne klaren Auftrag Soldaten in einen Einsatz schickt und sich anschließend im Inland in die Demo gegen diesen Einsatz einreiht.

    Diese Schizophrenie krieg ich nicht auf die Kette.

    Die Verdutztheit von (linken) Salontigern, wenn man ihnen darlegt, dass Deutschland faktisch nicht dazu in der Lage ist, notfalls Staatsgewalt gegen äußere Feinde auszuüben, ist schon entlarvend.
    Man inszeniert sich ja so gern pazifistisch, ist gegen Militär, hält Verteidigungsausgaben für überflüssig, macht sich über Soldaten gern lustig, denn sie seien Zivilversager und eigentlich geistig minderbemittelte Bumsköppe.
    All dies möchte man aber bei mediterranem Rotwein in der ruhigen Gewissheit tun, dass da eine allmächtige Bundeswehr ist, die man in Zweifelsfall für alles rufen kann, egal ob Hochwasser, Flüchtlingskatastrophe, Islamisten oder ein irrer Iwan. Wo kommen wir denn hin, wenn da die Stimmung im Mittelmeerurlaub von so prekären Gestalten am Strand gestört wird. Da muss die Bundeswehr doch was gegen tun.
    Deutschland einig Michel- Land! Als rotweintrinkender Bessermensch distanziert man sich natürlich davon, ein deutscher Michel zu sein und erläutert ins seiner selbstwahrgenommen weltgewannten Aufgeklärtheit, Biertrinker seine rechts, Weintrinker links …

  42. @Zimdarsen
    „….oder ob man weiterhin Krieg als Mittel der Politik betrachtet?“
    Ist zwar unbequem, ja geradezu unbeliebt bis negiert in Deutschland, dies als Faktum anzuerkennen, aber nur weil einer Nation die Realitäten dieses Planeten nicht passen, darf (sollte) selbst der „teutsche Michel“ Tatsachen nicht unbeücksichtigt lassen. (Vogel Strauß hilft niemandem).
    Ich sehe dabei übrigens eine wesentliche Führungsleistung für deutsche Politik, den Bürger mit den Unbequemlichkeiten dieser Welt und daraus erwachsenden Konsequenzen ehrlich vertraut zu machen.

  43. @Klaus-Peter Kaikowsky

    Nur weil die Regierung der BRD es nicht so macht wie die anderen, bedeutet es doch nicht, dass man den Kopf in den Sand steckt.

    Wo sind denn unsere Partner in AFG oder im Mittelmeer?
    Krieg ist eben nicht regieren mit anderen Mitteln sondern ein Verbrechen und seit dem Nürnberger Prozess für uns in DEU offensichtlich.
    Eher müsste man heute noch ein paar mehr nach Den Haag zerren.
    USA und Russland haben in den letzten 15 Jahren viel getan um mögliche Kandidaten für Den Haag zu sichern. Auch die Europäer haben sich in Nordafrika nicht mit Ruhm bekleckert.
    Krieg ist nichts besonderes, sondern nur ein größeres, oft staatlich organisiertes Verbrechen.
    Es ist organisierte Gewaltanwendung und muss sich zwingend dem Recht gegenüber verantworten.
    Der Einsatz militärischer Mittel nach 87a kann sich diesem Recht entspannt verantworten, auch unsere Polizei/ Bundespolizei kann dies ohne Probleme tun.
    Deu übernimmt Verantwortung, doch sollte gerade DEU dies auch in Kooperationen in der EU konsequent tun. Leider haben wir in Europa zuwenig Abstimmung im SiPo Bereich und das beste Bsp ist die Neuausrichtung der Bw und das Beschaffungsdurcheinander in Europa.
    Solange Europa nicht in der Lage ist sich zu verteidigen, hängen wir am Tropf der USA und sind nicht souverän und ebenbürtig (siehe Struktur NATO).
    Das ist der eigentliche Skandal.
    Der Bürger zahlt für Verteidigung eine Unsumme und hat Anspruch auf wirkungsvolle SiPo auch mit Militär (zuvorderst mit glaubhafter Abschreckung).
    Noble Jump zeigt der Führung unsere Schwächen, ich hoffe sie werden gemeldet und man lernt daraus.

  44. @ Freiherr vom Stein

    Das kann man unter einem Wort zusammenfassen: Bauernopfer. Die Politik muß sich auf dem internationalen Parkett an ein paar (innenpolitisch unverkäufliche) Regeln halten und dazu gehören auch rhetorische und (leider) praktische Lippenbekenntnisse in Punkto Militäreinsätze.

    @ Klaus-Peter Kaikowsky

    Wenn in Deutschland eines nach 1945 unverrückbares Faktum geworden ist, dann die gesamtgesellschaftliche Ablehnung von Clausewitz‘ Maxime von Militär als Werkzeug der Politik. Gesamtgesellschaftlich gesehen ist die Anwendung militärischer Gewalt ausschließlich für einen eng definierten Zweck akzeptabel: nämlich einen Angriff von außen auf das Staatsgebiet der BRD. Nun war das zu Zeiten des Kalten Krieges identisch mit dem Bündnisfall, doch jetzt ist die NATO Außengrenze eben knapp 1000 Kilometer weiter östlich und schon gibt es die letzte Woche offenbar gewordenen Wahrnehmungsverwerfungen in der öffentlichen Meinung vs das Handeln der politisch Verantwortlichen. In diesem Delta müßte Politik führend und vorangehend aktiv werden – und zwar entweder, indem sie dem Michel reinen Wein einschenkt bzgl der Verpflichtungen die Deutschland aus der NATO Mitgliedschaft erwachsen (inkl. der dadurch anfallenden Zusatzkosten für die Wiederherstellung von Mindeststandards – was eigentlich der Bankrotterklärung der deutschen Politik gleichkäme) oder die Alternativen und deren Kosten aufzuzeigen (NATO Austritt, Glaubwürdigkeitsverlust, evtl wirtschaftliche Folgen etc). Doch aus dieser Richtung kommt nichts, da klebt jeder an seinem Pöstchen und seinem Stuhl und betet dieser Kelch möge an ihm vorbeigehen.

  45. Ja @csThor, ist so. Auch und speziell die Negierung von Clausewitz‘ Maxime. Ändert aber nichts an deren Gültigkeit, und Beachtung im Rest der friedliebenden Völker. Und nochmals ja, Niemand sagt’s seinen Leuten.
    Gibt aber einen, der so denkt und es recht offen praktiziert, Putin. Von deutschem Boden soll nie wieder Krieg ausgehen ( W. Brandt), fein, ist aber leider kein vice versa.

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