Exercise Watch: Noble Jump, Teil II – die Speerspitze verlegt

Neben den verschiedenen laufenden Großübungen auch mit deutscher Beteiligung im NATO-Nordosten (Saber Strike, BALTOPS), die trotz Bündnisbezug US-geführte Manöver sind, ist auch eine originäre Allianz-Übung mit großer Bedeutung für die NATO angelaufen: Auf dem Truppenübungsplatz Zagan im Westen Polens, kurz hinter der deutschen Grenze, hat in der vergangenen Woche der zweite Teil der Übung Noble Jump begonnen – die Verlegung der neuen NATO-Speerspitze.

Die Very High Readiness Task Force (VJTF) hatte ja bereits im April als ersten Teil von Noble Jump eine Alarmierungsübung (AlertEx) der verschiedenen Truppenteile vor allem aus Deutschland, den Niederlanden und Norwegen durchgeführt; außerdem wurden tschechische CBRN- (wo die Deutschen immer ABC für sagen)-Einheiten alarmiert.

Mit dem laufenden zweiten Teil sollen die Einheiten beweisen, dass sie nicht nur innerhalb von zwei bis fünf Tagen verlegefähig alarmiert werden können, sondern auch tatsächlich verlegen können.

Ein klein wenig gemogelt wird dabei schon. So verlegt die Bundeswehr nicht ihren kompletten deutschen Gefechtsverband für die NATO Response Force (NRF), der ja zusammen mit den Niederlanden und Norwegen eine Interim-VJTF, also eine Ausprobier-Speerspitze stellen soll. Zwar hatte der deutsche Verband, im Kern zwei Kompanien des Panzergrenadierbataillons 371 in Marienberg in Sachsen, plus Aufklärer plus Artillerie plus Sanität plus Logistik plus Pioniere in den vergangenen Wochen auf dem deutschen Truppenübungsplatz Bergen geübt, in Falcon Viking schon zusammen mit den Niederländern und den Norwegern.

Aber nach Polen verlegte nur ein Teil des deutschen Gefechtsverbandes, im Wesentlichen die 2. Kompanie des Bataillons. Das schwere Gerät wie die Marder-Schützenpanzer kam per Bahn (Foto oben), die Truppen wurden eingeflogen.

Ebenfalls zum Teil eingeflogen (aber auch im Straßenmarsch verlegt) wurde das Operations-Hauptquartier der VJTF, das vom 1. Deutsch-Niederländischen Korps in Münster unter dem deutschen Generalleutnant Volker Halbauer gestellt wird. Die Führung der VJTF-Brigade haben die Niederländer, die dafür den Kommandeur ihrer 11 Luchtmobielen Brigade abgestellt haben.

Die Übung hatte am 9. Juni mit dem Befehl zur Verlegung begonnen, das deutsche Gerät ging am 10. Juni auf die Bahn. In Zagan soll die neue Speerspitze der NATO erstmals zusammengeführt werden – und wird sich am 18. Juni in einer großen Show den Big Bosses der NATO, also Generalsekretär und SACEUR, wie auch den Verteidigungsministern der beteiligten Länder vorstellen.

Nachtrag: Das Deutsch-Niederländische Korps legt hier mehr oder weniger laufend Bilder von Noble Jump nach.

… und von dieser Flußquerung gibt’s auch ein Video.

(Fotos: 1. Deutsch-Niederländisches Korps; Matthias Duchscherer, oben; Evert-Jan Daniels, Mitte und Erik Morren, unten)

52 Kommentare zu „Exercise Watch: Noble Jump, Teil II – die Speerspitze verlegt“

  • Zimdarsen   |   20. Juni 2015 - 23:58

    @Klaus-Peter Kaikowsky

    „……Auch und speziell die Negierung von Clausewitz‘ Maxime…..“

    Da müssen sie evtl Clausewwitz nochmal lesen. Natürlich ist Krieg ……..aber ist es deshalb gut, richtig und nachhaltig für Freiheit, Recht und Frieden?

    “ Gibt aber einen, der so denkt und es recht offen praktiziert, Putin.“

    …und was ist ihre Schlussfolgerung?

    „Von deutschem Boden soll nie wieder Krieg ausgehen ( W. Brandt), fein, ist aber leider kein vice versa.“

    Wer behauptet das?

    Willst du den Frieden musst du für den Krieg gerüstet sein!
    Der deutsche Michel zahlt Mrd für die Verteidigung und viele Bw Angehörige geben alles.
    Doch es ist die mili Führung die nichts daraus macht und die Verteidigungsfähigkeit gefährdet.

  • Stu   |   22. Juni 2015 - 2:12

    Hallo,

    bisher bin ich hier nicht in Erscheinung getreten. weil ich mich als interresierter Beobachter dieses Forum gerne gelesen habe, aber was mich z.T. beunruhigt ist, dass der formale Entzug der Befehlshoheit über die Armeen von den einzelnen Staaten auf ein, für mich, US-dominiertes „Bündnis“ übergeht und keiner mehr etwas dabei findet dass man hoheitliche Aufgaben einfach an ein „System“ abgibt.
    Die Weltppolitik ändert sich laufend und ich finde es fahrlässig die hoheitlichen Aufgaben einfach auf ein „system“ zu übertragen bei dem ich mir nie sicher sein kann dass es den Interessen meines Landes dient. Mit der Einwilligung in immer mehr staatlich gemischte Einheiten, unterstütze ich die immer mehr zunehmende Macht der USA und entmündige mich damit selbst und leite die Verantwortung um, Dies kann keine verantwortliche Politik sein!

    MfG

    Stu W