Neues A400M-Problem: Keine Luftbetankung von Hubschraubern?

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Das Bild oben, dass eine A400M-Transportmaschine bei der Luftbetankung von Hubschraubern zeigt, ist von der Herstellerfirma Airbus Defense&Space ausdrücklich als Photomontage gekennzeichnet. Wie es scheint, aus gutem Grund: Angeblich, so berichtet ein französisches Fachmagazin, plant Frankreich trotz seiner Beschaffung von A400M den Kauf von Hercules C-130J-Flugzeugen aus den USA, um sie als Tanker für Helikopter einzusetzen – weil die Konstruktion der A400M die Luftbetankung für Drehflügler gefährlich mache.

Aus dem Bericht des Fachblattes Air&Cosmos:

Suite à l’abandon de la capacité de ravitaillement en vol d’hélicoptères de l’A400M, le ministère de la défense va passer commande pour des C-130J américains.
C’est la conséquence directe des déboires du programme A400M, qui n’aura pas la capacité de ravitaillement en vol pour hélicoptères. Le délégué général pour l’armement Laurent Collet-Billon l’avait révélé durant la présentation des résultats de la DGA, estimant qu’en raison des turbulences des hélices de l’A400M, la procédure est trop dangereuse pour ravitailler les hélicoptères.

Zusammengefasst: Da die A400M nicht über eine Fähigkeit zur Luftbetankung von Hubschraubern verfügt, überlegt das Verteidigungsministerium die Bestellung von amerikanischen C-130J-Flugzeugen. Das ist eine direkte Folge von Rückschlägen/Fehlern im A400M-Programm. Die durch die Propeller der Maschine ausgelöstet Turbulenzen machten die Luftbetankung von Hubschraubern zu gefährlich.

Da ist natürlich ein gewisser Widerspruch zum Werbetext von Airbus:

Refueling any Type of Aircraft and Helicopter
The A400M is the only Tanker which can refuel the entire range of probe-equipped military aircraft at their preferred speeds and altitudes. This is because it can fly both at the low speeds and low altitudes typically used to refuel helicopters (roughly 110 knots and 5000 feet)(, as well as at higher speeds and altitudes of about 290 knots kt and altitudes around 25,000 ft which are typically used for refuelling of fast jets, such as fighters or large aircraft (such as the C295, C-130 Hercules, Eurofighter, F/A-18 Hornet or Rafale,) or even another A400M for buddy refuelling. To do so, the A400M receiver is equipped with a refuelling probe mounted above the cockpit. This increases the range and enduration of the A400M. The probe can easily be removed when it is not needed.

Nach Angaben der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (Link aus bekannten Gründen nicht) erklärte Airbus, an der Zertifizierung für die Luftbetankung von Hubschraubern werde gearbeitet.

Nachtrag: Das Problem mit der Luftbetankung von Hubschraubern war im Februar in Frankreich schon mal gemeldet worden (und von einem Leser auch hier in den Kommentaren aufgegriffen worden, dann aber leider wieder untergegangen…)

Nouvelle déconvenue pour l’A400M, il ne ravitaillera pas en vol les hélicoptères
Pour le délégué général pour l’armement, Laurent Collet-Billon, il faut désormais oublier la mission de ravitaillement en vol des hélicoptères par l’A400M pourtant prévu dans les spécifications. Trop dangereux pour les hélicoptères, qui sont par définition des appareils instables a-t-il précisé, en raison des turbulences des hélices contracycliques de l’A400M, dont un exemplaire sera exposé la semaine prochaine au salon Aero India en Inde à Bangalore.

(Dazu bereits aufgelaufene Kommentare aus anderen Threads verschiebe ich hierher.)

Nachtrag zum Thema A400M, nicht zur Luftbetankung: Die – bislang einzige – deutsche A400M hat erfolgreich ihren ersten echten Transportflug nach Afrika absolviert:


(Direktlink: https://youtu.be/NQtQHkYG2vg)

(Foto: A400M refueling EC725 Caracal- Photomontage – Airbus Defence&Space Pressefoto)

110 Kommentare zu „Neues A400M-Problem: Keine Luftbetankung von Hubschraubern?“

  • T.Wiegold   |   06. April 2015 - 21:02

    @wacaffe

    Zwei spontane Gedanken dazu:

    was einem an komponenten fehlt kauf man auf dem weltmarkt. den soll es ja geben. – so wie die Turbine der A400M?

    • Südkorea kauft weswegen noch mal Patriot und anderes in den USA, wenn die selber so gut sind?

  • wacaffe   |   06. April 2015 - 21:07

    @ t. wiegold

    ich habe ja nicht gesagt man müsse alles selbst entwickeln.

    Komparativen Vorteil kennen sie ja.

    was man kann und national will macht man selbst. den rest fertigt man national in lizenz oder kauft als ultima ratio commercial off the shelf. (siehe Südkorea mit Patriot)

    voila.

    (den einwurf mit den turbinen verstehe ich nicht so ganz. der irrsinn war soch gerade die eigenentwicklung statt zukauf?)

  • Thomas Melber   |   06. April 2015 - 21:08

    @TW
    Das Problem bei multi-nationalen Projekten ist der jeweilige nationale Anteil, über den man eifersüchtig wacht, sowie daß es eben sehr viele Varianten des Produkts gibt, weil dann jede Nation doch wieder andere Anforderungen stellt.

  • audio001   |   07. April 2015 - 7:10

    re: Thoma Melber

    Da haben Sie völlig recht!- Und auch bei dem A400M wurde mit der internationaler Arbeitsteilung und (heimischen) Arbeitsplätzen bzw. deren Erhalt geworben (man sprach von direkter und indirekter Beschäftigungswirksamkeit für 11.790 Mitarbeiter in Deutschland).- Wer kann da als deutscher Politiker widerstehen?

    Und selbstverständlich wurde die deutsche Politik damit eingelullt, dass man ihr das Projekt durch die Einbindung der deutschen Unternehmen schmackhaft gemacht hat (a la „Wie auch in anderen Programmen ist es natürlich vorgesehen, bedeutende Leistungsanteile an deutsche Unterauftragnehmer und System-/Gerätelieferanten zu vergeben.“ und „Es wird ein besonderes Augenmerk auf die Einbindung der ostdeutschen Industrie gelegt.“ und „Darüber hinaus besteht für deutsche Hersteller generell die Möglichkeit, sich für Unteraufträge anderer A400M-Partner zu bewerben.“)

    So wurde und so wird weiterhin Politik zu Rüstungsprojekten in Deutschland gemacht!- Was in der Umsetzung als Ergebnis dann dabei raus kommt, ist dann schon fast egal!- Denn eine der großen Volksparteien hat in diesen Rüstungsprojekten immer mit entschieden!

    Mit der Konsequenz, dass derzeit die beiden „Großkoalitionäre“ gemeinsam die Frucht ihrer Entscheidungen aus zwei Jahrzehnten des Regierens, den Bürgern im Zusammenhang mit – im Ergebnis und Ablauf – desaströsen Rüstungsprojekten präsentieren dürfen.

    Wieviel Ehrlichkeit im Umgang mit den (desaströsen) Ergebnissen kann man da wohl tatsächlich erwarten?- Ich ergänze: Wenn allein schon die Diskussion des Ergebnisses dazu führt, dass das Totalversagen deutscher Politik(er) deutlich wird?

    Die Kontrolle der Regierung über die zuständige Ausschüsse des Deutschen Bundestages und das „Nicht-Handeln“ der jeweiligen zuständigen Bundesminister (aus CDU/CSU und SPD) mit eingeschlossen …

  • Milliway   |   07. April 2015 - 21:07

    @ audio001 | 06. April 2015 – 17:09

    „Wem sind die aktuellen Angaben des Herstellers für das Operating Weight Empty („OWE“) der A400M-180 bekannt?“

    Der Hersteller macht zur Zeit keine Angaben über seine Produkte !

    Minimum Weight = 90 000 kg
    Maximum Zero Fuel Weight = 109 600 kg
    Auf Seite 12 der TYPE-CERTIFICATE / weitere Infos zu dem „Gewichten“ des A400M !

    http://www.easa.europa.eu/system/files/dfu/EASA-TCDS-A.169_Airbus_A400M-04-17072013.pdf

  • Milliway   |   08. April 2015 - 0:02

    @ audio001 | 07. April 2015 – 7:10

    „….Arbeitsplätzen bzw. deren Erhalt geworben (man sprach von direkter und indirekter Beschäftigungswirksamkeit für 11.790 Mitarbeiter in Deutschland).- Wer kann da als deutscher Politiker widerstehen?-…“

    Die Beschaffung des A400M war eine 100 Prozent lobbygesteuerte Entscheidung.

    Die AIRTRUCK An-7X war seinerzeit unter Berücksichtigung aller wesentlichen Kriterien
    ( sicherheitspolitisch, militärpolitisch, europolitische, technisch-operativ, finanziell und Industriepolitisch ) eindeutig die bessere Alternative gewesen.
    Ferner war die Wertschöpfung und die Beschäftigungswirksamkeit ungefähr fünf mal so hoch wie beim A400M !

  • Milliway   |   08. April 2015 - 0:09

    @ audio001 | 05. April 2015 – 8:22

    1. Welche Anforderungen an Nutzlast/ Reichweiten wurden eigentlich gem. Vertrag mit dem Hersteller vereinbart?
    2. Gab es zu erfüllende Anforderungen zum Treibstoffverbrauch in Abhängigkeit zu den vereinbarten Flugleistungen?
    3. Was wurde mit dem Hersteller für den Fall vereinbart, dass möglicherweise Anforderungen zu Flugleistungen und Treibstoffverbrauch nicht eingehalten werden (können)?

    Zu.1 Laut Vertrag soll die Zuladung 37 Tonnen betragen oder 1 x Puma (Schützenpanzer) oder 2 x LAV-III oder 1 x GTK !

    Zu.2/3 Es werden Stillschweigend die Anforderungen runter geschraubt, wie z.B. Zuladung nur noch 32 Tonnen und auf zustehende Strafzahlungen wird verzichtet.

    Immerhin beträgt die Verzugsentschädigung 0,02% pro Tag (max. 6%) vom vereinbarten
    Stückfestpreis. Geplant war das wir unsere Maschinen ab 2008 bekommen.

    Ich würde Jetzt die einmalige Chance nutzen und die Bestellung des A400M auf 25 Maschinen reduzieren. Da die geforderte Leistungen wie Luftbetankung von Hubschrauber oder der Transport des Puma (Schützenpanzer) nicht Möglich sind !

  • audio001   |   08. April 2015 - 20:39

    re: Miliway

    Danke für die Hinweise!- In einem Artikel der Aviation Week June 10, 2013 („Pilot Report Proves A400M’s Capabilities“, der link hierzu: http://aviationweek.com/awin/pilot-report-proves-a400m-s-capabilities ) werden als Operating Weight Empty („OWE“) sogar 80.015 kg und als Max Payload 35.585 kg (korrespondiert mit Ihrem Hinweis) angegeben.- Im weiteren enthielt der Artikel übrigens folgende Angaben unter Hinweis auf den Hersteller (Zitat):

    Weights (lb./kg.)
    Max Ramp 311,732/141,401
    Zero Fuel 254,850/115,599
    Operating Weight Empty 176,400/80,015
    Max Payload 78,450/35,585
    Useful Load 135,332/61,386
    Troop Payload — 116 @ 300 lb. 34,800/15,785
    Max Fuel without cargo hold tanks 110,704/50,215
    Payload with Max Fuel 24,628/11,171
    Fuel with Max Payload 56,882/25,802
    Fuel with Troop Payload 100,532/45,601

    D.h. jedoch, reduziert sich das MTOW tatsächlich auf 137.500 kg nach dem EASA TYPE-CERTIFICATE, dann könnten u.U. auch Reichweite (in Abhängigkeit der Nutzlast) nicht mehr den ürsprünglichen Anforderungen (so diese denn überhaupt vertraglich geregelt waren!) übereinstimmen!?- Oder liege ich mit dieser Vermutung falsch?

    Dazu fällt mir dann nur ein!- Bundesrechnungshof: „Bitte übernehmen Sie …“ (Pers. Anmerkung: Die Kontrolle der Regierung (hier der politischen Führung des BMVg) scheint ja seitens des Parlaments bzw. seitenes der zuständigen Ausschüsse nicht mehr richtig zu funktionieren,- oder?)

    PS: Wäre vielleicht noch einmal ein eigenes Thema. oder!? (Nach dem Motto: Was wir bestellt, und was wir (nicht) bekommen haben!?)

  • NMWC   |   08. April 2015 - 21:16

    @audio
    Um das auch mal grundsätzlich in den Raum zu stellen.
    Wissen Sie denn ganz ganz genau was wir bestellt haben? Wissen Sie wie die FFF ausgesehen hat? Wissen Sie wie die technische Antwort (hier in aller Kürze mal Spec genannt) ausgesehen hat? Wissen Sie welche weiteren Dokumente vereinbart worden sind? Welche Vorschriften wurden vereinbart/festgelegt? Wissen Sie welche Änderungswünsche im laufenden Projekt (also Änderungsanträge die vereinbart werden) durch wen gefordert und von allen beteiligten Seiten abgesegnet worden sind?
    Der Artikel weiß es ganz bestimmt nicht, außer die Autoren hätten Zugang zu sämtlichen Projektunterlagen. Und aus den KPMG Sachen oder dem Bericht des Rüstungsboards können Sie das auch nicht ablesen.

    Wenn Sie Ihre Fragen diesbezüglich ausrichten würden wäre das Bild etwas differenzierter. Welches war die funktionale Forderung zu Punkt X. Welches war die technische Spezifikation zu Punkt X. Was würde vertraglich festgelegt zu Punkt X. Zu welchem Zeitpunkt und durch wen wurden zu Punkt X Änderungsanträge eingebracht und zu wann durch wen mit entsprechenden Auswirkungen auf den Ursprungszustand und Terminplan angenommen.
    Das heißt nicht, dass es hier in diesem Blog zufriedenstellende Antworten erhalten würden. Aber bei dem Punkt Funktionale Forderungen, Spezifikation, zu nutzende Vorschriften und Änderungswünsche wird schnell klar, das es mehr gibt als nur die böse Industrie. Und alles was im Vertrag festgehalten ist, wurde vorher durch alle Seiten im Rahmen eine Definitionsphase gemeinsam erarbeitet, geprüft und schlussendlich vereinbart.
    Nur um mal zum Thema „Was wir bestellt und was wir (nicht) bekommen haben?“ ein paar Grundlagen zu erwähnen.

  • audio001   |   09. April 2015 - 6:33

    re: NMWC

    Danke für Ihren Kommentar!

    Sie treffen „den Nagel auf den Kopf“!- Denn die Frage ist doch (s. auch mein Hinweis im Kommentar gestern!), was ist „überhaupt vertraglich geregelt“ worden?

    Insoweit wäre es doch (eigentlich!) ein Einfaches dieses darzustellen.- Mithin auch ein folgerichtiges Vorgehen, ggf. mögliche Abweichungen (vom ursprünglich vertraglich Geregelten) transparent zu machen und die damit verbundenen Konsequenzen für die Finanzierung des Rüstungsprojekts aufzuzeigen und schlüssig zu begründen!

    Es geht hier mitnichten um „die böse Industrie“ (diese darf sich zweifelsfrei in Gewinnmaximierung versuchen;- was aber nicht heißt, dass man/frau bedingungslos deren Interessen als Besteller/verantwortliche(r) PolitikerIn folgen darf!).

    Es geht im Kern allein um die Frage, ob das Handelns des BMVg in Sachen Beschaffung bzw. Rüstungsprojekte angemessen und im Sinne des Steuerzahlers ist!?

    Nachsatz: Es scheint immer wieder vergessen zu werden, dass die Bundesregierung bzw. die einzelnen Ressorts in ihrem Handeln bestimmten Regularien zur Wirtschaftlichkeit (ihres Handelns) unterliegt!- Und diese scheinen – meine persönliche Ansicht – bei Rüstungsprojekten manchmal nicht so im Fokus zu stehen, wie man sich dieses als Bürger, mithin als Souverän in diesem Land, wünschen würde!

    Und der zweifelsfrei desaströse Ablauf und die Abwicklung der derzeitig lfd. Rüstungsprojekte macht doch deutlich, dass offensichtlich „simple basics für Beschaffungsvorhaben“ auf Seiten des Bestellers keine Beachtung gefunden haben!

    Dass die gewollte „Intransparenz“ ( zu vertraglich Regelungen und zur Finanzierung und ggf. damit verbundenen Abweichungen) gegenüber der Öffentlichkeit diesem – meiner persönlichen Ansicht nach – „nicht immer angemessenen wirtschaftlichen Handeln Vorschub zu leisten vermag, darüber dürfte es eigentlich keine zwei Meinungen geben!

    Also, laßt uns Transparenz schaffen!- Und hierbei ist das Rüstungsprojekt „A400M“ mit den tatsächlich realisierten Flugleistungen, Reichweiten/Nutzlast und den zu erwartenden Betriebskosten mit Sicherheit nicht außen vor …