Kabinett verlängert Patriot-Einsatz in der Türkei – mit Überzeugungsbrief an Abgeordnete

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Das Bundeskabinett hat am (heutigen) Mittwoch, wie erwartet, den Einsatz deutscher Patriot-Flugabwehrstaffeln im Süden der Türkei verlängert. Das Mandat muss jetzt noch vom Bundestag gebilligt werden. Die Mission, mit der im NATO-Auftrag die Südgrenze des Mitgliedslands Türkei vor möglichen (Raketenangriffen aus dem Nachbarland Syrien geschützt werden soll, wurde bislang gemeinsam von Deutschland, den USA und den Niederlanden bestritten – aus einem einfachen Grund: Nur diese drei Länder verfügen über Patriot-Systeme in der nötigen Konfiguration, mit den neuesten Flugkörpern vom Typ PAC3 gezielt Raketen abzuschießen.

Zwei Dinge sind bei dieser Mandatsverlängerung auffällig: Zum einen hatten die Niederlande bereits im vergangenen Jahr angekündigt, dass sie sich aus dem Einsatz Active Fence Turkey zurückziehen wollen, weil sie das mit ihrem Material und Personal nicht mehr durchhalten. Anstelle der beiden niederländischen Batterien rückt jetzt eine spanische Einheit nach (Foto oben beim Beginn der Verlegung am 29. Dezember) – allerdings verfügen, so mein Kenntnisstand, die Spanier gar nicht über Patriot in der für PAC3 nötigen Konfiguration. Sind also gar nicht auf die Aufgabe als Raketenschutzschild spezialisiert…

Und zum anderen: Für die Verlängerung des Mandats haben Außenminister Frank-Walter Steinmeier und Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen Anfang der Woche noch mal eigens in einem gemeinsamen Brief an die Bundestagsfraktionen geworben. Nicht zuletzt, um aufkommende Kritik auch in den Koalitionsreihen zu besänftigen. Aus dem Schreiben, das Augen geradeaus! vorliegt, ein paar zentrale Passagen:

Die türkische Regierung hat bislang besonnen auf Zwischenfälle an der syrisch-türkischen Grenze reagiert und von militärischen Alleingängen abgesehen. Die Verstärkung der Integrierten NATO-Luftverteidigung in der Türkei ist eine ausschließlich defensive Maßnahme, die verhindern soll, dass sich der Konflikt von Syrien auf die Türkei ausweitet. Gleichzeitig bleibt die Türkei über den Einsatz „Active Fence“ in den ordnungspolitischen Rahmen der Allianz eingebunden. (…)
Die Rahmenbedingungen der beabsichtigen Verlängerung des Einsatzes bleiben unverändert:- Der Einsatz bleibt rein defensiv und trägt nicht zur Unterstützung einer Flugverbotszone bei. (…)
– Die deutschen Feuereinheiten PATRIOT und ihr Bedienungspersonal bleiben dem SACEUR unterstellt. Das Handeln der Bündnispartner ist damit weiterhin in den politischen Ordnungsrahmen der Allianz eingebunden.
– Eine Verlegung von AWACS-Flugzeugen in die Türkei ist auch künftig weder geplant noch absehbar. Gleichwohl werden deutsche Soldatinnen und Soldaten wie bisher zur Erstellung eines Luftlagebildes im Rahmen von AWACS-Flügen im Bündnisgebiet eingesetzt.

Das macht schon klar, wo interne Opposition – vor allem in SPD-Reihen? – befürchtet wird: Vor allem die bisweilen aufkommende Vermutung, dass eine Flugverbotszone im Norden Syriens eingerichtet wird, die dann auch von den deutschen Flugabwehrsystemen überwacht und durchgesetzt werden müsste.

(Foto: Ministerio de Defensa de España)

 

 

35 Gedanken zu „Kabinett verlängert Patriot-Einsatz in der Türkei – mit Überzeugungsbrief an Abgeordnete

  1. @Memoria
    Wenn das Ministerium schon schreibt dass wegen der Priorität des Einsatzes in der Türkei die dortigen Einheiten primär versorgt werden, und dies Auswirkungen auf die übrigen Einheiten hat, dann dürfte es für den Klarstand in der Heimat mit dem Patriot Einheiten schwarz aussehen…..

  2. Könnte es sein, dass es sich bei diesem Einsatz um ein richtiges bündnispolitisches Signal handelt (Loyalität mit der Türkei, egal was Erdogan für einen Quatsch redet …), in einem technisch/sachlich inzwischen überflüssigen Einsatz, da die Bedrohung wohl weggefallen ist?

    Gibt es die Fähigkeiten, gegen die dieses System schützt, in Syrien überhaupt noch?

    Aber es gilt: Solange sich die Türkei bedroht fühlt (Betonung auf: fühlt!!!), wird sie von Nato-Partnern mit entsprechenden Fähigkeiten, die die Türkei selbst nicht hat, geschützt.

  3. So können nun die Islamisten von der Türkei aus weiter unter dem Schutz der deutschen Luftabwehr an dem Aufbau ihres islamischen Staates und der Zerstörung des sekularen Syriens arbeiten.

    Macht ja richtig Sinn der Einsatz /satire

  4. @P. Rombach:
    Sehe ich ebenso. Wenn man das mit anderen Antworten vergleicht, dann ist das schon der Wink mit dem Zaunpfahl. Wenn man schon die OPEVAL nicht mehr durchführen kann…
    Im Klartext heißt die Antwort:
    Wenn es sein muss, dann noch ein Jahr, aber dann Pause und genug Geld für den MatErh.

    Aber für MatErh hat man ja gerade 2016 wohl nicht viel Platz.
    Aber bald kommt ja dann TLVS…

  5. @Memoria:

    und von mir wieder einmal der obligatorische Hinweis auf die Konzeption der Bundeswehr, die die Durchhaltefähigkeit dieser Einzelbefähigung der Luftwaffe auf 12 Monate festschreibt. Effektiv sind wir also ohnehin schon weit jenseits aller selbst gesetzten Grenzen der Durchhaltbarkeit angekommen…

    Die Niederländer sind da etwas konsequenter.

    @T.W.:

    brauchen die Spanier ja auch nicht. Patriot kann auch mit Config 2+ TBM abfange. Die Vorteile der PAC 3 müssten dann ggf. durch einen Mehraufwand an Raketen der GEM-Typen kompensiert werden. Die Fähigkeit wurde mit PAC 3 nur optimiert, nicht geschaffen.

  6. @Kerveros: Wieviele dieser Monate passen in eine zivile Arbeitswoche? Nur, damit ich mir das als Laie konkreter vorstellen kann….

  7. @Kerveros:
    Schon klar, dass die konzeptionelle Grenze 12 Monate war.
    Die Abnutzungserscheinungen werden wohl eher potentiell als linear ansteigen.

    Ob man nächstes Jahr aufhören will?
    Oder wartet man wieder ab? Und dann ist es leider (wieder) zu spät?

  8. Botschaft ist klar – Arbeitsbeschaffung Patriot Nachfolge (kauft mehr Aktien von… ), mehr nicht.
    Kein System hier, kein Kasernenverfall?
    Außer, wenn ich drin bin kann ich auch mehr „Patrioten“ (Dienste) einbringen?
    Würde ich so machen. bin aber auch nicht drin.

  9. @Spanier
    Die Spanier müssen trotzdem erst einmal Ausrüstung nachkaufen um ihre PATRIOT-Systeme im NATO-Verbund einsetzen zu können (es fehlt das ICC, soweit ich mich erinnere).

    @MatE
    Viel schlimmer als der Mangel an Mitteln für die Nutzung ist die enorme Wartezeit für einige Ersatzteile (2 Jahre+), die dazu führen könnte, dass Systeme hier in Deutschland ausgeschlachtet werden müssen um die in der Türkei im Betrieb zu halten.

    @TLVS
    2025 kommt das dann ganz bestimmt um PATRIOT rechtzeitig abzulösen …

  10. @Steffen:
    Natürlich sind Ersattzteile oft Langläuferteile. Aber wenn ich kein Geld habe, kann ich gar nicht bestellen – dann ist auch egal wie die Lieferzeiten sind. Gerade weil die Lieferzeiten so lange sind, sollte man möglichst schnell Maßnahmen ergreifen – aber genau das Gegenteil passiert derzeit allgemein beim MatErh. Nach der ganzen Aufregung rund um die Einsatzbereitschaft.
    Wenn ich es richtig verstanden habe, werden bereits Systeme in Deutschland „ausgeschlachtet“. Aus dem Grund haben die Niederläner den Einsatz auch beendet:
    Das Material war am Ende.

    Der Punkt ist bei uns eigentlich auch erreicht, aber das will man wohl nicht hören.

  11. @Steffen:

    NATO Verbund brauch man für TBMD nicht unbedingt… wenn da potenziell eine Rakete mit ein x000 km/h runterhagelt, dann braucht man nicht unbedingt Zielzuweisung durch zig Ebenen… für die Zielerfasung ist das eh relativ wenig förderlich.

    @califax:
    0,24 Monate… so ca? ;)

    Die Problematik ist ja relativ einfach berechenbar: wenn ich nur noch ein Geschwader habe und nur noch drei Gruppen, dann kann ich nur 3 Kontingente (a 4 Monate stellen), ergo sind entweder die ersten nach 8 Monaten wieder im Einsatz, was Definitionsgemäß ja nicht sein soll, oder ich klaue mir halt anderswo Personal zusammen.

    Das Problem sind dabei ja nicht einmal unbedignt die Waffensystemspezialisten bei den zwei Staffeln… sondern die Unterstützer.

    Die spannendste Frage für mich bleibt in diesem Fall aber die nach dem Mehrwert dieses Einsatzes über den Aspekt ’show of force‘ hinaus. Für mich ergeben sich angesichts der Zahl der Systeme und der zu schützenden Gebiete nach wie vor die Fragen nach der grundsätzlichen Sinnhaftigkeit des Einsatzes.

  12. Jenseits der mangelnden Durchhaltefähigkeit wissen doch alle AF TUR-Kontingentangehörige und die Führung der Lw, dass der Einsatzzweck längst ausgehöhlt, weil nicht existent ist. Es geht ausschließlich um das bilaterale Verhältnis zur Türkei. Die Führung der Lw hat das gegenüber der Hausleitung des BMVg bereits im Sommer sehr deutlich gemacht und die niederländische Lösung empfohlen. Wollte die Hausleitung, das AA, das BKAmt und dessen nachgeordneter Bereich (als einziger nationaler Profiteur dieses Einsatzes) aber nicht. Ein ziemlich hoher Preis (Einsatzbelastung, Trennungsquote FlaRak, MatErhalt) für ein paar ND-Erkenntnisse aus Syrien…

  13. Wenn Ersatzteile Langläufer sind, dann lege ich mir diese kritischen Teile in genügender Zahl auf Lager!

    Was will die Luftwaffe denn im Not-/Einsatzfall machen, wenn sie noch nicht mal die paar Systeme in Bereitschaft halten kann?

    Frage: da die LW früher viel mehr Systeme viel aktiver als heute betrieben hat: wo sind denn die ganzen Ersatzteile hin????

    Insofern hat der Türkeieinsatz bei absoluter Sinnlosigkeit doch noch einen Sinn: Probleme offenlegen.

  14. @StMarc:
    „Insofern hat der Türkeieinsatz bei absoluter Sinnlosigkeit doch noch einen Sinn: Probleme offenlegen.“

    Nein, selbst der entfällt. Die Probleme waren denkenden Menschen schon vor dem Einsatz klar… und der Rest will/kann sie jetzt und auch in Zukunft nicht verstehen.

    @Tom_Weinreich:
    „Die Führung der Lw hat das gegenüber der Hausleitung des BMVg bereits im Sommer sehr deutlich gemacht “

    Das wäre eine spannende Thematik – gibt es dazu zugängliche Dokumente?

    Die Frage für ist da dann doch die ewig gleiche: was davon ist denn in welcher Form bei Parlament und Fachgremien angekommen, wo dann letzten Endes über die Einsätze entschieden wird?

    Das vom Wehrbeauftragten derlei angemahnt wird ist bekannt und nachvollziehbar.

  15. @StMarc
    einem ehem. Patriot Bediener zufolge war dies (MatE) schon immer recht schwierig bei dem System. Ich denke bis jetzt konnte man es durch kannibalieserte Systeme noch einigermaßen retten.
    Und natürlich Lagerhaltung kostet Geld, aber schauen Sie doch mal wir geben genau solche Fähigkeiten schon sehr lange aus der Hand, inklusive der Befähigung an unseren Mühlen selbst noch was zu tun. Lagerhaltung und Bevorratung gehört zu den Streitkräften wie zum zivilen Bevölkerungsschutz (dort lagert man auch wieder ein…….nachdem man nbun bereits bei zwei Hochwasserkatastrophen dies schmerzlich vermisste)

  16. @P.Rombach
    Absolut richtig: Lagerhaltung kostet Geld – aber gehört bei Streitkräften zur Daseinsfürsorge.

    Ich weiß, die Themen wurden so hier schon lange besprochen. Ich wundere mich aber bereits seit über 10 Jahren über die Geschichtsvergessenheit unserer Politiker… Wenn man aber die Themen mal mit anderen Menschen bespricht, wollen die das immer nicht glauben.

  17. @StMarc:
    Man hat doch in den letzten Wochen überdeutlich gesehen wie es läuft:

    Die Generalität hat das Thema jahrelang verschwiegen.
    Als es durch Aktivitäten des Wehrbeauftragten öffentlich wird, wird geschönt unterrichtet.
    Man erzählt ernsthaft (!) man habe halt seit 2010 keine Ersatzteile mehr bestellt.
    Aber deswegen 2015 neue ET kaufen?

    Nein, das ist alles sehr komplex und langwierig…
    Nochmal: Ohne den Wehrbeauftragten, würden diese Leute immernoch schweigen.
    Aber auch die Politik hat im Anschluss versagt, da man auch dort das Thema Einsatzbereitschaft der Streitkräfte offenbar nicht für wichtig erachtet.(siehe Haushaltsberatungen).

    Dieses Mismanagement wird nun immer offensichtlicher werden.
    Beispielsweise bei einer bereits absehbaren Fortsetzung der Kurdenhilfe, werden an anderen Stelle die letzten Reserven aufgelöst werden.

  18. Bin mal Gespannt was wir dann zu den Baltikum Länder sagen ( wenn Sie sagen wir brauchen Schutz vor Russland Raketen )
    wir haben für euch leider nichts mehr

  19. Ja, auch da hat die Neuausrichtung richtig zu geschlagen (zerschlagen) bis hin zur Reduzierung der Werftkapazitäten.

    Aber wer benötigt schon ein dichtes Dach für das europäische Haus ……. nur die Sonne scheint.

  20. Ende der 90er ist das ganze Thema einsatzorientierte Waffensytemlogistik und Ersatzteil-/Munitionsbevorratung durch die SKB-Visionäre von Scharping quasi beerdigt worden.
    Man baute eine logistische Struktur genannt Basislogistik auf, die sich an privatwirtschaftlichen Konzepten a la BMW und IKEA orientierte und wenn die Einsatzlogistiker der TSK Alarm schrien, dann wurden sie als ewig Gestrige und Transormations-/Modernisierungsverweigerer in den Senkel gestellt oder in die Pampa geschickt. Der erste Inspekteur SKB hat mir fast den Kopf abgerissen als ich ihn fragte ob ihm eigentlich der Unterschied zwischen Standardisierung und Schablonierung klar sei.
    Wir hatten ja 10 Jahre Vorwarnzeit für den Vtgs-Fall, Jugoslawien war eigentlich logistische peanuts (wir hatten ja auch noch genügend Fleisch auf den Rippen), Afghanistan war ja nur eine Stabilisierungsoperation, die allenfalls 2-3 Jahre dauern würde etc.
    Die möglichst „wirtschaftliche“ Transformation und Modernisierung der BW zusammen mit der ach so innovativen Industrie (die ja ihre Lagerhaltung auch schon minimiert hatte aus Kostengründen) war Dogma. Munitionsbevorratung und -logistik konnte man leider nicht out-sourcen, also wurden die Bestände/Vorräte runter gefahren und die Depots dicht gemacht. Herstellen der Versorgungsreife kostet verdammt viel Invest und so hat man das einfach aus dem CPM gestrichen.

  21. Patriot als Nike Nachfolger ist ein FlaRak-Systems für mittlere bis große Höhen, da frag ich mich doch wer kümmert sich um den Eigenschutz von den FlaRak-Stellungen, ich sag nur Roland Rad/Kette – Gepard. Kann es sein das die Jungs bei einem Tieffliegerangriff mächtig alt aussehen?

  22. Aus der BPK vom 07.01.15:

    „Frage: Ich habe zwei Fragen zur Verlängerung des Türkeieinsatzes. Ich möchte die Fragen direkt an den Sprecher des Verteidigungsministeriums richten. Es ist gerade einmal drei Monate her, da hat Ihr Ministerium eingeräumt, dass die Soldaten durch diesen Einsatz an die Belastungsgrenze kämen, weil die vorgesehene Karenzzeit in der Regel gar nicht mehr eingehalten werden kann. Deswegen meine Frage an Sie: Was bedeutet diese Verlängerung für die Soldaten? Wie lange kann die Bundeswehr diesen Einsatz unter diesen Bedingungen noch durchhalten? (…)

    Gerhartz: Zunächst einmal ist das Mandat auf eine maximale Obergrenze von 400 Soldatinnen und Soldaten festgelegt. Derzeit haben wir ca. 250 Soldatinnen und Soldaten dort im Einsatz. Das sind zwei sogenannte Feuereinheiten Patriot. Wir machen das gemeinsam mit den Vereinigten Staaten und auch mit den Niederlanden. Die Niederlande haben angekündigt, dass sie Ende Januar den Einsatz beenden werden. Sie werden nahtlos von den Spaniern abgelöst, auch mit einem Patriot-System.
    Das Mandat ist, wie es der Regierungssprecher gerade schon ganz klar gesagt hat, auf ein weiteres Jahr festgelegt.
    Beim nächsten „90 day review“ – das ist der Zyklus alle 90 Tage – wird vom SACEUR betrachtet: Wie entwickelt sich die Bedrohung weiter? Was ist weiterhin noch sinnvoll? Welche Systeme bringt man hier zum Einsatz? Er ist für Ende Februar/Anfang März vorgesehen. Man muss schauen, was dabei herauskommt. Für uns ist der Einsatz noch leistbar.
    Zu der Frage der Belastung: In allen Einsätzen – egal, ob das Active Fence in der Türkei oder Einsätze im Kosovo oder auch in Afghanistan sind – streben wir den Zyklus an, den Sie gerade schon angesprochen haben, nämlich einen Einsatz von maximal vier Monaten Länge in einem Zeitraum von zwei Jahren. Das erreichen wir auch bei dem überwiegenden Anteil des Personals. Bei über 70 Prozent des Personals, das wir dort im Einsatz haben, also bei ca. 250 Soldatinnen und Soldaten, können wir das sicherstellen.
    Bei einigen Spezialverwendungen ist dies nicht möglich. Die kommen zu einer häufigeren Einsatztätigkeit. Hier können wir aber die Einsatzbelastung entscheidend dadurch verringern, dass wir den Zeitraum splitten; so nennen wir das. Weil diese Kräfte mit dem Szenario gut vertraut sind, ist es möglich, dass sie dann nicht vier Monate in den Einsatz gehen, sondern ca. die Hälfte und dann dementsprechend häufiger. Wir haben die Erfahrung, dass es für das Personal wesentlich besser ist, wenn es häufiger in den Einsatz geht, aber dann maximal acht Wochen statt des Zeitraums von vier Monaten.
    Das heißt für uns: Wir sind aufgrund der Gemengelage des Personals, das wir dort im Einsatz haben, weiterhin durchhaltefähig.“
    http://www.bundesregierung.de/Content/DE/Mitschrift/Pressekonferenzen/2015/01/2015-01-07-regpk.html

    Alles kein Problem. Wenigstens kommt man der Truppe mit dem Splitting entgegen.

  23. @Memoria:

    „Alles kein Problem. Wenigstens kommt man der Truppe mit dem Splitting entgegen“

    Richtig, der Truppe, nicht den Leuten… und das aber auch nur, weil der Grundbetrieb schon so ausgedünnt ist, das die regelmäßig hinzunehmenden ‚Einschränkungen‘ im Grundbetrieb auch schon nicht mehr in der Auswirkung hinnehmbar wären…

  24. Nur so ein paar Gedanken:

    1. Wenn der Einsatz ohnehin symbolisch ist, warum dann die Probleme?
    Schneidet die türkische Seite oder die NATO mit, ob wir das Radar laufen lassen oder nicht? Wer interessiert sich dann dafür, wie qualifiziert die Bedienung der Systeme ist?

    2. Könnte man die Patriots in der Türkei gemeinsam mit den Niederländern betreiben? Wie schrieb ein bekannter deutscher Philosoph: „Was wir alleine nicht schaffen // Das schaffen wir dann zusammen …“

  25. @K.B.:

    „warum dann die Probleme?“

    Weil der Einsatz so gefahren wird, als wäre er sinnvoll… mit allen Konsequenzen.

    Grundsätzlich ist das ja auch gut so – wenn man es sich leisten kann.

  26. @klabautermann

    Danke für die Darlegung.

    Die 10 Jahre Vorwarnzeit sind sowieso der größte Beschiss. Welcher Politiker wird denn jemals festlegen, dass sie jetzt beginnt und wir jetzt investieren müssen, weil es in 10 Jahren gebraucht wird?

    Eigentlich müsste jetzt mal ein Journalist oder ein Abgeordneter die Bundesregierung offiziell fragen, ob denn mit der Ukraine-Krise und der Aufrüstung in Ru die Vorwarnzeit begonnen hat und wann denn genau – Firlefanz!!!

  27. Neben der außenpolitischen Dimension hat AF TUR natürlich auch eine rüstungspolitische Dimension. Damit bekommt das Thema Luftverteidigung wieder erheblichen politischen und militärischen Aufwind (use it – or loose it). Praktischerweise der perfekte Rückenwind für TLVS. Die Grundsatzentscheidungen werden wohl dieses Jahr erfolgen.

    Das MEADS-Konsortium trommelt weiter: http://defense-update.com/20150107_meads_for_poland_again.html

    Das wird wohl nur deutlich teurer als bisher eingeplant…

  28. @Memoria:

    „Damit bekommt das Thema Luftverteidigung wieder erheblichen politischen und militärischen Aufwind (use it – or loose it).“

    Soweit es mich angeht die perfekte Begründung das Thema bodengebundene LV im Kontext der Bundeswehr zu beenden.

    Wir haben damit exzellent bewiesen, dass wir diese ‚Fähigkeit‘ als solche längst verloren haben. 12 Sätze Aufblasattrappen Patriot dürften einen ähnlichen Effekt haben und deutlich kostengünstiger und personaleffizienter sein ;)

    Wenn der Einsatz eines beweist, dann, dass man für diese Fähigkeit, so man sie denn als solche sinnvoll erhalten will, die FlaRak wieder vergrößern müsste – was nur auf Kosten anderer Bereiche ginge und das widerum wird im aktuellen politischen Klima wohl nicht stattfinden.

    Konsequenterweise also: lose it – und dann bitte Reinvest des Finanz- und Personalvolumens in noch sinnvoll betriebene Bereiche…

  29. Rein politischer Einsatz um Erdogan keinen Vorwand zu liefern, zu sagen, dass die NATO ihn auch im Stich lässt, wenn es beispielweise um Nutzung von türkischen Flugplätzen gegen den IS geht. Assad wird nicht mal einen Kieselstein über die türkische Grenze werfen.

  30. @Kerveros:
    Die politischen (!) Vorzeichen sind wohl andere (die CSU fordert TLVS massiv, zudem gibt es bei CDU u. SPD Befürworter).
    TLVS wird das nächste Großvorhaben – neben Nachfolge EuroHawk, MKS 180, etc..

    Jetzt muss man ja erstmal weiterentwickeln, dann ist eh nach 2017 – also neue Struktur. Dann macht man Tiefe vor Breite und FlaRak wird dann eben eine der „Kernfähigkeiten“ – wie dann die Durchhaltefähigkeit wird, ist dann wohl weiterhin irrelevant.

    Bis 2020 ist der Haushalt völlig überplant.
    TLVS wird hier nochmal zusätzlich erhebliche Verdrängungen herbei führen.

  31. Deutsche verlängern Türkei-Mission. Ist das nötig?

    Der Bundestag will am heutigen Donnerstag über die Beteiligung Deutschlands an der Nato-Mission „Active Fence“ in der Türkei beraten. Die Mission soll bis Ende Januar 2016 verlängert werden. Während die Niederländer sich zurückziehen, will Deutschland weiter mit bis zu 400 Soldaten die Grenze unseres Nato-Partners Türkei zu Syrien sichern. Dazu werden zurzeit zwei Patriot-Einheiten betrieben. In Deutschland gibt es Kritik an der Mission. Ein Pro und Contra von Detlef Struckhof und Wilhelm R. Schreieck.

    http://www.reservistenverband.de/php/evewa2.php?d=1421304084&d=1263915562&menu=0110&newsid=29441

  32. CSU-Politiker hält deutschen Patriot-Einsatz in Türkei für unnötig

    CSU-Verteidigungspolitiker Florian Hahn
    „Wir könnten die Patriot-Raketen abziehen. Unser NATO-Partner braucht weniger unseren Schutz als vielmehr unsere Unterstützung, um Flüchtlinge zu versorgen.“

    BILD via ZEIT-online

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