Niederlande künden Ende ihres Patriot-Einsatzes in der Türkei an

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In der gemeinsamen NATO-Operation Active Fence Turkey haben Deutschland, die USA und die Niederlande Patriot-Flugabwehrsysteme im Süden der Türkei stationiert, die den Bündnispartner vor möglichen Raketenangriffen aus Syrien schützen sollen. Jetzt haben die Niederlande offiziell erklärt, dass sie die Mission verlassen werden: Zum Auslaufen ihres nationalen Mandats im Januar kommenden Jahres werde der Einsatz beendet, teilte die Regierung am (heutigen) Montag dem Parlament und zeitgleich der NATO mit.

Das niederländische Verteidigungsministerium begründete den Ausstieg aus der gemeinsamen Operation vor allem mit internen Gründen ihrer Streitkräfte:

• der Einsatz rund um die Uhr (24/7) hat die Systeme maximal belastet

• durch den kontinuierlichen Einsatz konnten größere Wartungsarbeiten an den Patriot nicht durchgeführt werden

• eine geplante größere Modifikation der Systeme ist nur in den Niederlanden möglich

• das verfügbare Personal wird durch den Einsatz äußerst belastet

Die Argumente einer hohen Belastung von Personal und Material gelten auch für die deutschen Flugabwehrstaffeln. Bereits im Sommer hatte es deshalb Meldungen gegeben, die NATO plane das Auslaufen der Mission Active Fence für Ende 2014, eine offizielle Entscheidung sollte es wohl auf dem NATO-Gipfel Anfang September geben. Mit ihrer heutigen Ankündigung preschen die Niederlande ein wenig vor; allerdings dürften die anderen beiden beteiligten Partner folgen (auch wenn die USA nicht die Probleme der Durchhaltefähigkeit bei Material und Personal haben dürften wie die beiden kleinen Allianzmitglieder).

Der Bundestag hatte die deutsche Beteiligung an der Mission im Dezember 2012 beschlossen, auf Wunsch der Türkei. Die beiden deutschen Staffeln inzwischen – aus Gründen der Personalersparnis – in einer Staffel zusammengefassten deutschen Systeme sind in Kahramanmaraş stationiert, die Niederlande haben ihre Batterien bei Adana und die USA bei Gaziantep aufgebaut. Die drei Nationen sind die einzigen in der NATO, die über diese Flugabwehrsysteme mit der Fähigkeit zur Abwehr ballistischer Raketen verfügen.

Vom deutschen Verteidigungsministerium war zunächst nicht zu erfahren, inwieweit die Ankündigung der Niederlande mit Berlin abgestimmt ist und ob die Bundeswehr ebenfalls in den nächsten Monaten ein Ende dieses Einsatzes plant.

Nachtrag (mit Verspätung): Die Stellungnahme des BMVg dazu vom 26. August:

Die Niederlande haben Deutschland vorab informiert, sich ab Januar 2015 nicht länger an AF TUR beteiligen zu wollen. Die niederländische Regierung hat dies zwischenzeitlich formell beschlossen und am 25. August 2014 das niederländische Parlament und die NATO informiert.
Seitens der NATO wird derzeit der bisherige Einsatz ausgewertet. Über das weitere Vorgehen wird in enger Abstimmung mit der Allianz und den beteiligten Nationen beraten werden.
Für den Fall, dass die NATO eine Fortsetzung des Einsatzes von ACTIVE FENCE Türkei beabsichtigt, wäre Deutschland – vorbehaltlich dazu ausstehender politischer Entscheidungen – grundsätzlich in der Lage, sein bisheriges militärisches Engagement fortzuführen. Das aktuelle Bundestagsmandat für AF TUR läuft  noch bis zum 31.01.2015 (Mandatsobergrenze  400 – derzeit ca. 270 Soldaten)
Der bisherige Einsatz ACTIVE FENCE Türkei ist ein Erfolg. Die Stationierung von defensiven Raketenabwehrsystemen der NATO hat mit dazu beigetragen, ein Übergreifen des syrischen Bürgerkriegs auf die Türkei zu verhindern.

(Foto: Startgerät des niederländischen Patriot-Systems bei Adana – defensie.nl)

15 Kommentare zu „Niederlande künden Ende ihres Patriot-Einsatzes in der Türkei an“

  • Ranger   |   26. August 2014 - 6:50

    Das war irgendwann absehbar. Die nierderländischen PATRIOT-Einheiten wurden ja ähnlich gebeutelt wie die deutschen. Bei den drei verbliebenen deutschen Verbänden ist ja die personelle und materielle Belastung ähnlich hoch. Teilweise liegen zwischen den Einsätzen gerade mal 250 Tage, in denen der vorangegangene Einsatz nachbereitet, der Grundbetrieb (IGF, MatErhalt, PolBil, TMP, §78) wieder aufgenommen, Hochwertübungen duchgeführt und der nächste Einsatz schon wieder vorbereitet wird. Mal schau´n wie sich die Regierung entscheidet…

  • Elahan   |   26. August 2014 - 7:28

    „…eine geplante größere Modifikation der Systeme ist nur in den Niederlanden möglich.“

    Werden auch unsere Modifiziert?
    Gibt es mit der Erfahrung der fehlenden Tiefe Konsequenzen?
    Wie geht es mit Patriot weiter?

  • Sgt. Thrash   |   26. August 2014 - 8:11

    Nachdem die FlaRak jahrelang kaputtgespart und verkleinert wurde, bei MEADS die Kosten plötzlich zu hoch waren, beginnt nun langsam ein Umdenken. Derzeit
    wird auf mehreren Optionen rumgedacht.
    Egal welche auch zum Zuge kommt, die Kosten werden sehr hoch sein. Ob nun PATRIOT bis 2025 erhalten und verbessert wird oder ob ein neues System (TLVS) kommt. Letztlich wäre ein Festhalten an MEADS wohl das kleinere Übel gewesen, aber das war ja nicht gewollt.

  • swenga   |   26. August 2014 - 8:29

    Früher hatte die BW mal 36 PATRIOT-Einheiten, plus HAWK und Roland. Mittlerweile ist HAWK und Roland Geschichte, und es gibt nur noch zwölf PATRIOT-Staffeln. Diese haben zwar gegenüber früher drei Kampfbesatzungen anstatt zwei, aber wie immer beim Personal ist das nur die Sollstärke. Trotz nur zwei Einsatzstaffeln erzeugt AFTUR auf der FlaRak eine immense Last. Meiner Meinung nach wirken da zwei Faktoren: Die Sollstärke einer FlaRak-Staffel kombiniert mit der derzeitigen Personaldeckung ist alles andere als durchhaltefähig. Wir neigen dazu, das Einsatzkontingent speziell im Gefechtsstandsbereich zu „überladen“ (es finden vor Ort keine Verlegungen o.ä. statt), so dass bei vorhandener beschränkter Personaldecke die Wiederholrate für jeden Einzelnen immens ansteigt.

  • mietsch   |   26. August 2014 - 10:26

    Glückwunsch Herr Wiegold,

    heute haben Sie es mit diesem Beitrag in den internen Pressespiegel der 1.PzDiv geschafft!

  • Fred   |   26. August 2014 - 11:00

    Es gibt noch interne Pressespiegel? Wurden die nicht alle mal Verboten bis auf den einen offizielen.

  • A. Horstmann   |   26. August 2014 - 13:06

    Sind von den Niederländern eigentlich auch solche Gängelungen durch die „Gastgeber“ bekannt geworden? Hat es dazu je eine (in-)offizielle aber umfassende Dokumentaion gegeben?

    Oder gibt es irgendwann das Buch „Patrioten in der Türkei – Hintergründe und Härten eines Nato Einsatzes“?

  • KlausK   |   26. August 2014 - 16:22

    Respekt an Frau Jeanine Hennis-Plasschaert für diese Entscheidung, sie scheint die NL Vtdg-Interessen zu kennen!

    Jetzt bin ich mal gespannt, ob vdL auch hierbei rumeiert – Fotos in der Morgenröte bieten sich ja nicht an.

    @TW
    “ die beiden kleinen Allianzmitglieder“ – saugut!

  • Memoria   |   26. August 2014 - 16:30

    Auch da wird wieder rumgeeiert und die Realität verdrängt.
    Wieder mal zeigt ein „kleiner Anlehnungspartner“ wie es gemacht wird.

  • Quino   |   26. August 2014 - 17:06

    A. Horstmann

    In der Bogenschütze (Gemeinschaft der Heeresflugabwehrtruppe e.V.) gab es einen Einsatzbericht von OTL B.M. in der Türkei. Sehr interessant zu lesen.
    (www.gemhflatr.de )

  • Werferfehler   |   26. August 2014 - 17:11

    @ Quino
    Die Seite darf bei mir nicht angezeigt werden, liegt dies an meinen bescheidenen Computerkentnissen, oder was soll mir Error 403 sagen?

  • MikeMolto   |   26. August 2014 - 21:34

    @ Werferfehler | 26. August 2014 – 17:11

    Die seite kommt hoch, der Artikel ist aber nicht zu finden.

  • T.Wiegold   |   27. August 2014 - 8:28

    @all

    Im Nachtrag oben die Stellungnahme des BMVg dazu.

  • Roman   |   28. August 2014 - 13:54

    Auch das ist mal wieder eine Nichtaussage. Zumal die Behauptung, das auch alleine wuppen zu können durchaus kühn ist.