Großbritannien und Frankreich schließen gemeinsamen Wartungsvertrag für A400M (Korrektur)

UK AND FRANCE SUPPORT CONTRACT TO MAINTAIN THEIR A400M TRANSPORTER FLEET

Noch ist der erste neue Transportflieger Airbus A400M für die deutsche Luftwaffe noch nicht geliefert (das soll aber noch im Dezember passieren), noch gibt es keine parlamentarische Zustimmung zum Wartungsvertrag für das neue Flugzeug*, da kommt aus London und Paris eine interessante Meldung: Großbritannien und Frankreich haben, so verstehe ich das, einen gemeinsamen Wartungsvertrag für ihre A400M-Flotte abgeschlossen. Die Mitteilung dazu:

UK AND FRANCE SUPPORT CONTRACT TO MAINTAIN THEIR A400M TRANSPORTER FLEET
The first common in-service support (ISS) contract has been awarded for the initial maintenance and support of the A400M Atlas military aircraft.
The contract has been awarded to Airbus Defence and Space (ADS) by the British MOD’s procurement agency, DE&S, and the French Direction générale de l’armement (DGA) through OCCAR.

The contract covers all lines of maintenance and includes the implementation of spare parts pooling, as well as the establishment of maintenance engineering services to the benefit of both Air Forces.
Defence Minister Philip Dunne said:
“The signature of this joint contract for the support of the A400M Atlas fleet is the achievement of successful British-French discussions over a number of years, and is an important milestone of increasing mutual collaboration at the heart of agreements made under the Lancaster House Treaty for defence and security cooperation.
“The joint support contract is another example of cooperation across a truly multinational programme that will see 170 A400M aircraft delivered to seven partner nations over the coming years.”
The Délégué général pour l’armement Laurent Collet-Billon added:
“The intention is to further expand on early collaboration activities where feasible and value for money in support activities areas. This newly signed joint contract demonstrates added value under the French and British leadership for a common approach for In-Service Support and paves the way for possibly our A400M partners to move forward that way.”

Ich hab‘ mich bislang nicht darum bemüht herauszufinden, warum die beiden Länder einen gemeinsamen Wartungsvertrag abschließen, Deutschland aber einen eigenen. Im Hinblick auf europäische Zusammenarbeit klingt das aber recht interessant. Und nach engerem Zusammenrücken von London und Paris, ohne Berlin.

*Korrektur: In der ersten Fassung hatte ich fälschlich geschrieben, dass der In-Service-Support-Vertrag für die A400M der Bundeswehr noch nicht gebilligt sei. Das war ein Fehler; der Haushaltsausschuss hat den Vertrag in der vergangenen Woche gebilligt.

(Foto: Der erste britische A400M auf der Basis Brize Norton der Royal Air Force am 18.11.2014 – Crown Copyright/MoD News License)

19 Gedanken zu „Großbritannien und Frankreich schließen gemeinsamen Wartungsvertrag für A400M (Korrektur)

  1. Deutschland pennt wie immer in der Verteidigungspolitik.!Außerdem wollen die starken europäischen Nationen aus bekannten Gründen nicht mehr mit dauernd hardernden Deutschen.

  2. So! Wo ist gerade die SPD welche von der europäischen Armee träumt??

    Hier ein Beispiel für einen bilateralen Vertrag, bei dem economie of scale tatsächlich Sinn ergibt.

    Die EU-Armee Träumer träumen aber lieber von Utopia und dem ganz großen Wurf.

    Utopie/Traumtanzerei vs. realpolitischen Pragmatismus

  3. Ich weiß, Erbsenzählerei .. aber müsste es dann nicht eigentlich „COMBINED support contract“ heißen?

  4. (a) UK und Frankreichs Interessen und Verantwortung scheinen doch sehr Aehnlich zu sein. Eine militaerische Kooperation scheint da leichter zu fallen als mit D. Nun die Frage an die Nato-Erfahrenen Soldaten hier: Inwieweit sind militaerische Denkweisen, Doktrinen, Taktiken, Fuehrungsstile kompatibel? (Sie sehen, ich hab da als interessierter Aussenstehender Schwierigkeiten das richtig zu formulieren.) Es wurde hier im Bezug auf das Deutsch-Franzoesische Corps angedeutet, dass die Schwierigkeiten dort nicht nur auf den politischen Rahmen zurueckzufuehren sind, sondern auch auf sehr grundsaetzliche Unterschiede in den Mentalitaeten der beiden Partner. Es waehre sehr interessant, falls das in der Tat zutrift, wenn es jemand ein wenig erlaeutern wuerde.

    (b) Eine These:
    Europaeische Ruestungsprojekte kranken oft daran, dass jede Armee etwas spezielles moechte. Kostensenkungen wurden Aufgrund der kleinteiligkeit nicht erreicht.

    Eine Europaeische Armee scheitert daran, dass man sich nicht Abstimmen kann was man damit eigentlich will, und was diese darf. Das ist durchaus Verstaendlich: Man kann gut Nachvollziehen das z.B. Frankreich Interessen und auch Verantwortung im ehemaligen Machtbereich hat. Ebenso wie der Parlamentsvorbehalt und die Abwesenheit von offen formulierten nationalen Interessen in D im Blick auf die Geschichte nachvollziehbar ist.

    Koennte ein Loesungsansatz sein Material und Personal zu trennen? Eine Europaeische Organisation die z.B. Flugzeuge beschafft und wartet, diese werden dann von den nationalen Streitkraeften bemannt und eingesetzt. Dabei bleibt das Risiko der Soldaten voellig unter nationalem Einfluss. Das Risiko des Materialverlusts dagegen wird auf mehrere Staaten verteilt.

  5. @ sd

    was tommies und le frog angeht.

    auf der strategischen meta ebene herrscht weitgehende übereinkunft was mentalitäten und weltanschauliche schemata angeht. wenn es da zum dissens kommt ist das nur darauf zurückzuführen, das zwei psychomental identische akteure aus unterschiedlicher perspektive das gleiche problem angehen.

    das hat zur folge das diese konflikte letztlich relativ unproblematisch sind. man weiß woran man ist, versteht sich. anders mit sicherheitspolitisch unzurechnungsfähigen wie Germania anno 2014.

    Im taktisch operativen bereich (führungsprinzipien etc.) gibt es sicherlich zwei gefestigte militärische Ordnungssysteme mit gesundem selbsterhaltungstrieb, was einer kooperation vermutlich nicht immer zuträglich ist. ;-)

  6. Die Kooperation gibt es ja schon seit längerem – erneuert 2010. Dabei wirde auch beschlossen, ein gemeinsames Brigade-Äquivalent als expeditionary force und ein HQ aufzustellen (übrigens vier Jahre her).

    Papier ist wohl auch da geduldig. Die letzen gemeinsamen Aktionen gingen ja etwas daneben – Libyen (fehlende Durchhaltefähigkeit und Fähigkeiten) und Suez (Einspruch der Amerikaner und der Sowjets).

  7. @ sd | 08. Dezember 2014 – 20:10

    Bei all diesen europäischen Einigungsprozessen muss man sich die Philosophie ansehen, wie die Dinge zusammengefügt werden.

    Unsere aktuellen Politiker sind Anhänger der Grundsteintheorie. Man ist der Meinung, man soll und kann recht unterschiedliche Dinge einfach zusammenpacken, dann wird das schon automatisch zusammenwachsen und anschließend ein harmonisches europäisches Haus ergeben. Die Geschichte lehrt zwar, dass von außen zusammengefügte und nicht von sich aus zusammengewachsene Volksgruppen dann gern mal Bürgerkriege veranstalten, aber derart historisch strukturelles Denken ist heute out.

    Will man also europäische Streitkräfte, so packt man multinationale Corps zusammen und hofft, dass diese dadurch schon irgendwie automatisch zusammenwachsen.
    Will man eine europäische Währung, schmeißt man einfach unterschiedliche Volkswirtschaften mit unterschiedlichen Gesetzen in einen Topf und hofft … O.K. dass ist bereits widerlegt, funktioniert nicht, starke Volkswirtschaften machen die schwächeren platt und die unterschiede schaukeln sich auf … aber die Eurokrise ist ja angeblich gelöst. ;-)

    Ich halte die Grundsteintheorie für ziemlichen Unfug und halte die Krönungstheorie für richtig und sinnvoll. Am Ende eines Anpassungs- und Einigungsprozesses kann eine gemeinsame Armee (oder Währung) stehen, nicht an dessen Anfang. Mit den Niederländern scheint es zu laufen, da sind die Unterschiede auch nicht so groß, ein gemeinsames Corps war eher die Krönung der Gemeinsamkeiten. Mit den Franzosen … lassen wir das Thema und halten uns an die offiziell gewünschten Sprachregellungen.

    Solange z.B. beim Fluggerät ideologisch motiviert ein europäisches Entwicklungsprogramm gestartet wird, anschließend aber wegen zahlreicher nationaler Sonderwünsche doch wieder Versionsvielfalt dabei rumkommt, konterkariert sich das selbst. Würde man den Gedanken einer europäischen Armee ernst nehmen, hätte man mit dem EATC eine echte europäische Transporter-Luftwaffe geschaffen, die dann z.B. auch zentral alle A400M abnehmen, betreiben und warten würde. Aber da kommen dann wieder nationale Egoismen bzw. der berechtige Glaube, dass eine EU-Armee ja ein netter Traum ist, für seine Realisation aber noch Generationen benötigen wird. Solange will man seine militärischen Fähigkeiten dann doch lieber auf solidem nationalem Fundament bauen, statt auf wohlklingend- tönernen europäischen Grundsteinen. Für den Fall, dass der Russe wieder mal Ärger macht, ist das wohl auch besser so …

    [Irgendein Begriff in diesem Kommentar hat den Spam-Filter ausgelöst; tut mir leid. T.W.]

  8. wow … bis zurück nach Suez wäre ich jetzt nicht gegangen ;-) …

    Letztendlich rücken die beiden ja alle Jahre enger zusammen und machen große Gesten und Worte, ich erinnere mich noch an 1998, damals Saint Malo:

    http://news.bbc.co.uk/2/hi/uk_news/politics/227598.stm

    Letztendlich kommt dabei aber auch nicht viel mehr imho heraus, als die sonstige übliche innereuropäische kooperation.

    Was ich beim Nachlesen bemerkt habe:

    „Airbus Military has also proposed a joint French / UK ISS proposal for a further support arrangement in November 2012.“

    http://www.airforce-technology.com/news/newsairbus-military-french-a400m-service-support

    Also … tiefer hängen? Ich habe zu wenig Durchblick um da irgendetwas draus zu schließen – schon gar nicht deswegen jetzt Utopisten zu bashen …

  9. Was ich mir dazu noch zusammenreime …

    Rolls-Royce hat in Bristol investiert um dort das TP 400 zu warten.

    Bristol = alter Sitz von Bristol Siddeley Engines Ltd = seit 1968 Merger mit Rolls-Royce

    Rolls Royce hat ein altes Joint Venture mit Turbomeca (seit 1968)

    Turbomeca gehört seit 2001 SNECMA, bzw seit 2005 SAFRAN (SNECMA + SAGEM) …

    SNECMA + Rolls-Royce = 56% Europrop

    und Bristol und SNECMA, die haben ja schon die Triebwerke für die Concorde zusammen gebaut.

    Also: Für mich nix Neues. Nur Uraltes.

  10. DEU hat mit FR eine Ausbildungskooperation im Lfz techn und fliegerischen A400M Bereich.
    Im log Bereich haben wir eine andere Situation als FR und GB…wir haben SASPF und Manching :-)

  11. @wacaffe & Freiherr von Stein
    Danke fuer die Antworten.

    @wacaffe:
    „Im taktisch operativen bereich (führungsprinzipien etc.) gibt es sicherlich zwei gefestigte militärische Ordnungssysteme mit gesundem selbsterhaltungstrieb, was einer kooperation vermutlich nicht immer zuträglich ist. ;-)“

    Hat sich das auf fr- uk oder fr – de bezogen, oder auf alle?

    @FvS
    Naja, bei aller nachvollziehbaren Kritik gerne Grundsteine zu legen, wenn man es nicht anfaengt gibts halt auch nix zu Kroenen. Laufen solche Kroenungen mit kleineren Nachbarn nicht eher in das in Berlin beliebte Konzept der „Anlehnung“? [Oder ist das (hoffentlich) seit TdM Resort-Wechsel passé?]

  12. @ sd | 09. Dezember 2014 – 0:18

    Bleiben wir im Bild des Baus eines europäischen Hauses.
    Wer direkt nach der Grundsteinlegung mit Sippe, Kumpels und allen, die sonst so zur Hausgemeinschaft gehören sollen, in den noch nicht mal fertigen Rohbau einzieht, der wird erhebliche Probleme sowohl mit der Zufriedenheit der Bewohner, als auch mit dem Baufortschritt bekommen, da sich Bauleute und Bewohner gegenseitig behindern. Der Vorteil ist natürlich: Die Politik kann verkünden, man sei eingezogen …

    Wer erst nach Fertigstellung des Hauses der Krönungstheorie folgend die Räume tatsächlich bezieht, hat eine wesentlich höhere Sicherheit, dass die Hausgemeinschaft funktioniert und die Bewohner nicht ob der Härten des Lebens im Rohbau nach und nach wieder ausziehen und hinterher steht nur eine Ruine da.

    Im Hause Europa beobachten wir mit den aufkeimenden antieuropäischen Parteien die ersten „Auszüge“ aus dem Hause Europa. Im Sinne der europäischen Idee eher suboptimal.

  13. „The contract covers all lines of maintenance“ – Wer führt die Maintenance für das Flugzeug durch? Wird Line- und Base-Maintenance von der Bundeswehr und auch den anderen Luftwaffen extern vergeben? Das wird doch wohl nicht vollständig so sein?
    Insofern, um welche Maintenance-Leistungen geht es eigentlich neben spare parts pooling und engineering-support?

  14. @ gento

    Line-Maintenance, also die Wartung und Instandsetzung auf dem Flugfeld muss von Soldaten betrieben werden, sonst müsste man die Wartungsfirma in jeden Auslandseinsatz, bzw. bei einem Flugbetrieb von einem ausländischen Stützpunkt aus, mitnehmen.

  15. Georg | 11. Dezember 2014 – 9:28
    @ gento

    Line-Maintenance, also die Wartung und Instandsetzung auf dem Flugfeld muss von Soldaten betrieben werden, sonst müsste man die Wartungsfirma in jeden Auslandseinsatz, bzw. bei einem Flugbetrieb von einem ausländischen Stützpunkt aus, mitnehmen.

    Ist das so? Ich denke spontan nicht, dass das mittlerweile ein Problem darstellt (vgl. Leasing HERON 1?). Ob das kategorisch ausgeschlossen wird sollte ja in den ISS Verträgen geregelt sein, oder? [Ah, rhetorische Frage] :) Sind diese denn für Deutschland schon geschlossen?

    Zimdarsen | 08. Dezember 2014 – 23:02
    DEU hat mit FR eine Ausbildungskooperation im Lfz techn und fliegerischen A400M Bereich.
    Im log Bereich haben wir eine andere Situation als FR und GB…wir haben SASPF und Manching :-)

    Bzgl. des „log Bereiches“:
    Ist SASPF für A400M denn relevant bei der Einführung und für den späteren Betrieb? Oder wird (anfangs) auf eine Industrielösung zurückgegriffen? Ich verstehe ehrlich gesagt die Relevanz zur Abgrenzung nicht :(
    Was ist an Manching so toll bzw. deutschspezifisch? Auch das verstehe ich (bitte um Verzeihung) nicht. Bin mal dort gewesen, war aber relativ „tote Hose“… Die Anbindung an die A9 war gut ;) [die letzten beiden Sätze waren ironischer Herkunft]

    Wie schaut es bei anderen Waffensystemen mit internationalen Verträgen aus? Ist da ein Trend zu erkennen (German free)? Wenn ja, inwiefern äußert sich dieser? Kann man (wenn ja) fundiert die Beweggründe für etwaige Tendenzen nennen?

  16. @Chris Topf

    SASPF ist für alle Bw Luftfahrzeuge relevant (Ausnahme Flugbereitschaft).
    Wenn das IT-Bordbuch nicht passt, dann steht der Vogel und Ersatzteile gibt es auch nur über eine Buchung im Netz.

  17. Zimdarsen | 11. Dezember 2014 – 22:18
    @Chris Topf

    SASPF ist für alle Bw Luftfahrzeuge relevant (Ausnahme Flugbereitschaft).
    Wenn das IT-Bordbuch nicht passt, dann steht der Vogel und Ersatzteile gibt es auch nur über eine Buchung im Netz.

    Ist das so? Oder wird das auf Grund der Tatsache, dass die Daten im IT-System nicht als „urkundlicher Nachweis“ deklariert wurden (vgl. Kenndatenblatt des Lfz, insbesondere Eurofighter mit seinem elektronischen Bordbuch… Wer hat das noch? A400M?) übergangen? D.h. Im Papier steht „klar“ aber die Maschine fliegt, auch wenn (falls dies so passieren sollte. Kann mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit eintreten ;) ) im IT-System „nicht klar“ steht? Wer übernimmt da die Verantwortung im Falle des Falles? Der Pilot?
    Zusammengefasst: inwiefern habe ich die „Relevanz“ zu verstehen?

    Bei den Ersatzteilen werde ich hellhörig (vgl. Medienmeldungen von letztens, als die Bw kurz nicht „einsatzbereit“ gewesen sein soll)! Habt Ihr (sorry!) nicht Probleme Ersatzteile zu besorgen? Inwiefern habe ich die Äußerung „gibt es nur über das Netz“ zu verstehen?

    Lustiger Weise finde ich vor allem das „IT-Borbuch“ interessant. Schon alleine aus zulassungsrelevanten Beweggründen heraus. Ach, immer dieses #Neuland

  18. @Chris Topf

    Es geht noch viel weiter als nur Dokumentation und Ersatzteilbuchung. Das Bodenbetreuungssystem (Engineering Support System, ESS) wurde dieses Jahr ausgeliefert werden. Das ESS ist die Schnittstelle für den Austausch von Wartungsdaten mit dem Flugzeug, der Analyse von Luftfahrzeug- und Triebswerksdaten sowie Strukturbelastungen und der Interpretation von Fehlerinformationen der Bordelektronik des Eurofighter.

Kommentare sind geschlossen.