Von der Leyen will neue Groß-Drohnen für die Bundeswehr beschaffen

Gut ein Jahr nach dem Scheitern des Drohnenprojekts EuroHawk der Bundeswehr hat Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen angekündigt, erneut die Beschaffung von großen, hochfliegenden Aufklärungsdrohnen für die deutschen Streitkräfte anzugehen. Dafür sei beabsichtigt, Drohnen des Typs Triton anzuschaffen (Foto oben), die ebenso wie der EuroHawk auf dem unbemannten Flugzeugmuster GlobalHawk des US-Herstellers Northrop Grumman basieren, kündigte die Ministerin am (heutigen) Sonntagabend in der ARD-Sendung Bericht aus Berlin an.

Die Beschaffung der Aufklärungsdrohnen der so genannten HALE-Klasse (High Altitude, Long Endurance – Große Höhe, lange Ausdauer) ist zusätzlich zu den kleineren, optional auch bewaffneten Drohnen mittlerer Reichweite geplant, die von der Leyen vor der Sommerpause angekündigt hatte.

Die Ankündigung der Triton-Beschaffung machte die Ministerin im Zusammenhang mit der Planung, den derzeit eingemotteten EuroHawk zum weiteren Test des Aufklärungssystems an Bord vorübergehend wieder in Betrieb zu nehmen. Das Aufklärungssystem ISIS (Integrated Signal Intelligence System) soll aus seiner Flughöhe von 20 Kilometern Funksignale empfangen und zur Auswertung bereit stellen. Die ISIS-Komponente brauche zur endgültigen Abnahme noch einen Praxistest in großer Höhe, der am besten mit dem EuroHawk durchgeführt werden könnte, sagte von der Leyen in der ARD. Als zweiten Schritt für die Serienreife werden wir ein anderes Flugzeug nehmen, eine Drohne, die heißt Triton.

Mit der ministeriellen Ankündigung sind offensichtlich auch endgültig die Pläne vom Tisch, das Aufklärungssystem in ein bemanntes Flugzeug einzurüsten. Damit wird – nachdem das Bundeswehr-Projekt EuroHawk vor allem an einer beabsichtigten, aber fehlenden Zulassung für das Fliegen im kontrollierten Luftraum über Europa gescheitert war – die Frage interessant, ob das Verteidigungsministerium auch für die unbemannten Triton-Systeme eine solche Zulassung anstrebt oder sich mit zeitweise gesperrten Lufträumen für Start und Landung zufriedengibt. In der beabsichtigten Reiseflughöhe dürfen diese Drohnen fliegen, da der Luftraum dort nicht mehr der Kontrolle unterliegt.

Und noch eine Frage drängt sich auf: Bereits im vergangenen Jahr, nach dem Stopp des EuroHawk, hatte das Ministerium davon gesprochen, dass es noch einige Testflüge geben sollte, um das ISIS-Aufklärungssystem abschließend zu testen. Warum die endgültige Prüfung dieses Systems also nicht bereits damals abgeschlossen wurde, habe ich noch nicht verstanden.

Nachtrag: Der Kollege Falk Steiner vom Deutschlandfunk hat, wie schon in den Kommentaren erwähnt, die Probleme mal gut zusammengefasst, gerade für die, die nicht im Thema drin stecken:

EuroHawk: Rückkehr des Überwachungsdrohnen-Flops?

(Foto: PALMDALE, Calif., May 21, 2013 – Two Northrop Grumman MQ-4C Triton unmanned aerial vehicles are seen on the tarmac at a Northrop Grumman test facility in Palmdale, Calif. Triton is undergoing flight testing as an unmanned maritime surveillance vehicle – U.S. Navy photo courtesy of Northrop Grumman by Chad Slattery)

163 Kommentare zu „Von der Leyen will neue Groß-Drohnen für die Bundeswehr beschaffen“

  • Vtg-Amtmann   |   11. Oktober 2014 - 14:16

    @Global-Hawk_Pilot: Gesetzt den Fall, die weiteren Erprobungflüge für ISIS/SIGINT gehen als neue BMF-25 Mio. €-Vorlage durrch den Haushaltsausschuß des Deutschen Bundestages, wer fliegt denn dann den EuroHawk von den Herren (aus 2011 http://images.flugrevue.de/sixcms/media.php/11/thumbnails/EuroHawk-Piloten-Beale.jpg.2198590.jpg)?

    Oder gilt Anlage 1, Anhang J, „Allgemeine Regeln und Annahmen“ des EuroHawk-Vertrages immer noch, weil der Besitzstand des Vogels noch nicht geklärt ist und wurden bislang auch alle Erprobungsflüge in Manching von US-Piloten geflogen (vgl. den mehr als 1 Jahr alten Bericht in http://www.stern.de/politik/deutschland/sternde-exklusiv-drohnen-verbot-fuer-deutsche-piloten-2018531.html)?

  • Thomas Melber   |   11. Oktober 2014 - 17:27

    WELT Online bringt einen Artikel über die Alternative zum EURO HAWK:

    „Dieser Business-Jet soll der neue Euro Hawk werden“

  • Vtg-Amtmann   |   11. Oktober 2014 - 19:21

    @Thomas Melber: Aur den ersten Blick ein fast spektakulärer Ansatz von ESG und IAI-Elta, denn die Flugbereitschaft fliegt ja Global 5000, auf den zweiten weniger:

    1.) Ein wahlweises Ein-, Um- und Rückrüsten des ELTA AISIS auf die Global 5000 der Flugbereitschaft ist nicht möglich, denn die Sensorik erfordert massisve Eingriffe in die Druckkabine sowie ganz erhebliche Modifikationen und Verstärkungen der Tragflächen für die Aussenlaststationen.

    2.) Ein Mischbetrieb (wahlweise bemannt oder unbemannt) ist für den Global 5000 nicht vorgesehen, jedoch beim RQ 37 Gulfstream-G550…

    3.) ESG ist nicht Entwicklungsbetrieb und auch keine Certificated Aircraft Maintenance Organization (CAMO) für Global 5000. Man wäre auf IAI angewiesen und Tel Aviv (Isreal) ist nicht gerade ums Hauseck.

    4.) Die RUAG in Wessling-Oberpfaffenhofen ist dagegen Entwicklungs- & Herstellerbetrieb sowie CAMO für Global 5000 und hat auch an den Global 5000 der Bw die ganzen Modernisierungsmaßnahmen, insbesondere den kompletten Cockpitumbau, vorgenommen.

    5.) Die RUAG ist ebenso Entwicklungs- & Herstellerbetrieb sowie CAMO für Gulfstream G 550 und hat alle Umbauentwicklungen, Umbaumaßnahmen und -Modifikationen an der G550 D-HALO samt umfangreicher Tests und Erprobungen sowie die EASA-Zulassung als Höhenforschungsflugeug durchgeführt. Also geht man brsser gleich auf G 550.

    6.) Hinsichtlich Reichweiten, (Entwicklungs- ) Kosten, Zulassung (Risiken), Zeitplan, Nutzwerten und Wirtschaftlichkeit erscheint die Global 5000-Lösung dewegen nicht bis zum Ende durchdacht.

    7) Der reine Zukauf eines IAI-ELTA AISIS-3100-Systems und damit eine rein nationale G 550-Lösung erscheint von Wirtschaftskreisläufen und Wertschöpffungsprozessen, als auch im laufenden Betrieb über den kompletten life Cycle daher gegenüber einer ESG-ELTA-Lösung mittels Global 5000 als überlegen.

    8.) Für den MALE-Bereich liegt dem BMVg und auch dem Verteidigungsausschuß ein Expertenbericht vor, welcher eindeutig nachweist und zwar am Beispiel PREDATOR / REAPER, daß UAS und UCAS im Betrieb aufwändiger und teurer sind als entsprechende bemannte Systeme. Z.B. Anzahl und personeller Umfangs der vorzuhaltenden GAPs.

    9.) Zu den erforderlichen vehementen Eingriffe in die Struktur des Lfz sehe man sich bitte die Home-Page zur D-HALO exakt an (vgl.http://www.halo.dlr.de/9.

    10.) Ergänzend sehe man bitte in http://www.directupload.net/file/d/3772/6fcrzuom_jpg.htm

    11.) Die max.Dienstgipfelhöhe von Global 5000 und G-550 gleichen sich trotz der unterschiedlichen Performance-Data beider LFZ „exakt aufs Fuss“. Das liegt nicht etwa an der ähnlichen Konzeption beider LFZ, sondern an den exakt gleichen Tragflächenprofilen dieser Hochleistungs-Bizz-Jets. Die 15.545 m sind die flugphysikalisch kritsche Grenze. Natürlich kann man mit Spezialprofilen noch höher, aber die Physik hat ihre Grenzen und man erkauft sich dadurch erhebliche Einbußen in den Geschwindigkeits und Grenzbereichen, eben auch dem „Delta zwischen cA_Cruise und cA_stoll“..

  • MikeMolto   |   11. Oktober 2014 - 20:52

    @ Vtg-Amtmann | 11. Oktober 2014 – 19:21

    q, eben auch dem “Delta zwischen cA_Cruise und cA_stoll”..uq

    Meinem Sie ’stall‘?
    Gruss MM

  • Vtg-Amtmann   |   11. Oktober 2014 - 21:24

    @Mike Molto: Natürlich ist „Stall“ gemeint, war ein Tipp-Fehler.

    Aber zurück zur Tagesordnung:

    a) Das fängt ja schon gut an, mit Block 40 (wozu auch TRITON BAMS und die AGS-GlobalHawk gehören). Mal kurz eine kleine Erprobungsverschiebung auf das 3te Quartal 2015 mangels Verfügbarkeit von Testflug-Resourcen (vgl. Eintrag 02 October 2014 in http://insidedefense.com/index.php?option=com_customproperties&view=show&tagId=9&Itemid=424)

    b) Und beinahe als Treppenwitz „Boeing, Northrop Talk Up Competing JSTARS Proposals, September 18, 2014 (in http://jameskilgore.org/author/jameskilgore/“, Nortrop-Grumman hat als sein Trägersystem für das zukünftige JSTARS ausgerechnet den Gulftstream G550 aufgrund seiner eindeutigen (entwicklungs-) technischnen und wirtschaflichen Überlegenheiten ausgeguckt.
    Ob UvdL und bestimmte hohe Herren der Lw samt stromlinienförmiger Anhänger überhaupt wissen, mit welchem Floh im Ohr der Ministerin derart mit dem GlobalHawk TRITON gehandelt wird?

  • Memoria   |   12. Oktober 2014 - 8:16

    Die Fehlerkultur und vdL:
    http://www.spiegel.de/politik/deutschland/euro-hawk-nachfolger-aktenvernichtung-im-verteidigunsministerium-a-996672.html

    Wie schon so oft hier gesagt:
    Die Leitung ist so ahnungslos – das zeigt sich exemplarisch an Triton.
    Da ziehen alte Seilschaften weiterhin die Strippen – die Leitung hat aus dem EuroHawk-Untersuchungsausschuss nichts gelernt. Durch das Vorpreschen am letzten Sonntag hat vdL das Thema nun am Bein.

  • Vtg-Amtmann   |   12. Oktober 2014 - 18:32

    @Memoria: Die ganze Eurohawk-/Triton-Phoebie sind m.M.n. nur Hirngespinste einer Lobby, welche die IBUK samt ihrer StSin-Ain nicht durchschaut haben. Insofern unterscheidet diese von ihren Vorgängern nur wenig, sie fahren (noch) nicht das Geld per Schubkarren zum H&L-Lieferanten und zu Nothrop-Grumman bzw. zu deren gemeinsamer Eurohawk-GmbH!

    Wenn man in die beiden hochoffiziellen US-Seiten http://www.seapowermagazine.org/stories/20140924-triton.html und http://www.doncio.navy.mil/chips/ArticleDetails.aspx?ID=4043 hineiensieht, geht mit FOC bei Triton vor 2020+ Garnichts. Da sind eine militärische Europäische Musterzulassung (EDA / MAWA / EMARs), analog zu den professionellen zivilen Sicherheitsstandards EASA CS-23 bzw. CS-25 noch gar nicht dabei.

    Wenn auch – wie der Spiegel schreibt – viele geheime Dokumente zum Komplex HALE-Drohne und EuroHawk-Alternativen im BMVg unter de Mazière und auch unter UvdL vernichtet worden sind, so groß kann denn der Schaden doch nicht sein. Ich gehe mal davon aus, daß viele in der Sache dumme Lobbyisten, Seilschaften und Wasserträger genau ihre eigenen Dummheiten der Vernichtung zugeführt haben, denn die Gelegenheit war nach dem EuroHawk-Untersuchungsausschuß günstig. Was der nicht erfaßt hat, ist nicht mehr existent und den Rest konnte KPMG damit nicht mehr aufdecken.

    Wie kam denn seinerzeit der Schwindel um die AIRBUS-CASSIDIAN-Mappe heraus, die TdM vor seinem Besuch in Manching erhalten hatte und was er nicht wahrhaben wollte? Es waren wohl ein ehemaliger BWB’ler, ein ehemaliger Soldat und ein regionaler Chefredakteur, die das aufdeckten und dem Verteidigungsausschuß zugänglich machten und eben nicht der Herr Selhausen mit seinem Bericht der „Ad-Hoc-Kommision.

    Jetzt fangen genau die früheren Spielchen der übriggebliebenen alten Seilschaften und Strippenzieher bei der neuen IBUK samt Führungsspitze erneut an, auch um von den verbliebenen Fakten des KPMG-Berichts abzulenken. Seine Altlasten und alten Sünden ist ja die alte Lobby in jeglicher Hinsicht los und TDM, SB, RW, TK und CS werden sich nicht im nachhinein zusätzlich in die Pfanne hauen, geschweige denn die überlebenden Seilschaften offenlegen.

    Die aktuelle Führugsspitze ist zunächst einmal genauso dumm wie die vorherige und solange die „Aktion Triton“ bis zum nächsten Drohnen-Untersuchungsausschuss gut geht, kräht kein Hahn danach, Hauptsache die Gelder sind geflossen und fließen weiter. Genau darauf bzw. auf diese Systemimmanenz fallen UvdL, StSin Dr. K. Suder und der Rest des Spizenteams erneut wieder rein.

    Sich aber einmal darauf zu besinnen, daß es außer dem H&L-Lieferanten und Northrop –Grumman – ja, man hat noch den alten Vertrag mit deren gemeinsamer Tochter EuroHawk GmbH am Backen und weiß nicht so recht was man machen soll, weil dieser Vertrag von vorne bis hinten „Sch ….“ verhandelt worden ist – auch andere Mütter mit schönen Töchtern und das auch noch als Deutsche KMU gibt, ist ja leider viel zu weit gegriffen.

    Man lese nur mal in DIE WELT vom 11.06.2014 „ Grob baut deutschen Aufklärer – auch als Drohne: In den 90ern wollte die Bundeswehr das Aufklärungsflugzeug G 520 beim deutschen Grob Aircraft bestellen. Eine politische Affäre stoppte den Auftrag. Nun baut der Hersteller eine neue Maschine.“

    Und oh Wunder, das Ding ist öleistugsfähig, ist zugelassen und ist ob seiner gesunden Flugzeugstruktur auch als UAV zulassungsfähig und es ist ein bemannter und unbemannter Mischbetrieb möglich.

    Es gehört also auch als Verteidigungsministerin, „Post-Midlife-Model“ und in Sachen Militär eher theoretisch orientierte Medizinerin nicht viel Fantasie dazu, zu erkennen, daß wir bzw. unsere Bundeswehr seit der AMIGO-Affaire bzw. nach dem LAPAS-Projekt im Bereich SIGINT, COMINT und ELINT ziemlich verlassen da stehen, von dem schmalen Spektrum, welches bis 2010 die Brequet-1150-Artlantic abdeckte, einmal abgesehen.

    Ab 2000 und in weiterer Folge nahm dann unter Scharping und dessen Küchenkabinett (GI General Kujat! … welcher eigentlich auch aktuell besser schweigen sollte! ) das EuroHawk-Elend seinen Lauf (… ebenso wie das A400M-Desaster).

    Im Klartext, die Fähigkeitslücken im Spektrum SIGINT, COMINT und ELINT existieren seit Mitte der 1990er und ca. 2020+ soll der Global Hawk-Triton erst FOC sein! Das sind 25 Jahre FKK, die nur noch durch die neueste „FKK-Variante“ von UvdL getoppt werden können. Und das Problem Sense & Avoid gibt es ja auch noch.

    Oh Herr, bitte keine Sündflut, es könnte Unschuldige treffen. Laß aber bitte gezielt Hirn regnen und die Zielkoordinaten kann Dir fast jeder Bundeswehrsoldat und Bürger sagen. Ich sehe da das BMVg in Berlin und Bonn _u__n_d_ den Deutschen Bundestag, denn an allen drei Plätzen gibt es mehr oder auch wenigere, die wissen nicht wovon sie reden und reden damit zu viel.

  • Vtg-Amtmann   |   12. Oktober 2014 - 20:19

    Man lese bei n-tv.de „Sonntag, 12. Oktober 2014 ; Projekt „Triton“ für geheim erklärt Ließ von der Leyen Akten schreddern?“ u.a.:

    „Das Ministerium erklärte, die Einstufung als geheim sei von einem mittlerweile von seinen Aufgaben entbundenen Abteilungsleiter angeordnet worden [… im Dezember 2013 „ohne Begründung“ und durch „mündliche Weisung“]!

    Damit ist doch schon mal wieder alles klar, wie UvdL „plötzlich“ auf Triton kommt, das schnell mal daher plaudert und dies ohne die Konsequenzen überhaupt zu überblicken; oder? Jetzt fehlt nur noch die Benennung von „Ross und Reiter“!

  • T.Wiegold   |   12. Oktober 2014 - 20:45

    Der Vollständigkeit halber hier die Stellungnahme BMVg dazu:

    Stellungnahme BMVg zur Medienberichterstattung „EURO-HAWK / Aktenvernichtung

    Das Bundesverteidigungsministerium weist den Vorwurf mangelnden Aufklärungswillens entschieden zurück. Berichte, die suggerieren, das vorgelegte Rüstungsgutachten schaffe nicht die versprochene Transparenz, weil wesentliche Unterlagen zum Projekt EURO-HAWK zwischenzeitlich als „geheim“ eingestuft gewesen seien, liegen falsch. Die vom Ministerium beauftragten externen Gutachter hatten stets Zugang zu allen notwendigen Informationsquellen. Die jetzige Hausspitze hat die umfassende Veröffentlichung des Vollgutachtens an das Parlament mit den betreffenden Informationen zum Projekt EURO-HAWK sogar erst ermöglicht, indem sie eigens eine Herabstufung von Bezugsdokumenten angeordnet hat, die auf Veranlassung des zu Jahresbeginn von seinen Aufgaben entbundenen ehemaligen Rüstungsabteilungsleiters im Vorjahr noch als „geheim“ klassifiziert worden waren. Sollte es im Zusammenhang mit der im vergangenen Jahr vom ehemaligen Abteilungsleiter angeordneten Einstufung als geheim in unverhältnismäßigem Maße zur Vernichtung von Akten gekommen sein, so wird auch das schonungslos aufgeklärt. Anhaltspunkte dafür, dass durch diesen genau reglementierten Routinevorgang wesentliche Informationen verloren gegangen sein könnten, liegen jedoch auch nach Angaben der Gutachter nicht vor.

    Ansonsten: Hm, vielleicht sollte ich den Thread wirklich zumachen.Irgendwie weiter kommen wir nicht wirklich…

  • Closius   |   12. Oktober 2014 - 21:04

    Herr Wiegold, liegt AG die Langfassung des KPMP Gutachtens vor oder hat die bisher nur der Spiegel, weil dieser sich ja auf die Langfassung beruft mit seinen Vorwürfen der Aktenvernichtung?

  • Vtg-Amtmann   |   13. Oktober 2014 - 12:07

    @T.W. Danke für den Nachtrag und jetzt wird es m.M.n. erst so richtig spannend, weil die weiteren „stillen Aktionen“ gewisser ehem. Herren in drastischer Deutlichkeit aufschwimmen. Sowohl die unnötige bzw. zu hohe Einstufung von Dokumenten zu VS-Geheim und alsdann deren anschließende Vernichtung, weil angeblich nicht mehr von Nöten, sind wohl die höchste Form von vorsätzlicher und widerrechtlicher Intransparenz, welche ein Ministerium gegenüber dem Parlament und dem Staatsbürger praktizieren kann. T-Online.de gibt mit „In von der Leyens Amtszeit: Prüfer: Ministerium vernichtete Akten zu Drohnen-Projekt“ ziemlich exakt den Bericht von DER SPIEGEL wieder.

    Mit der Stellungnahme des BMVg zur jüngsten Berichterstattung (u.a. durch DER SPIEGEL) ist glasklar, welcher „Rüstungsabteilungsleiter“ für die Aktion verantwortlich zeichnete. Allerdings berichtete bereits am 12.02.2014 SPON in http://www.spiegel.de/politik/deutschland/von-der-leyen-vertagt-entscheidung-zu-euro-hawk-drohne-a-953104.html, daß es in der Truppe Überlegungen gibt, die Entwicklung der „Euro Hawk“-Drohne wieder aufzunehmen oder ein sehr ähnliches, in den USA bereits zugelassenes Modell als neuen Träger für die „ISIS“-Technik zukaufen.“ Dies Info soll aber nicht von der Truppe, sondern aus dem parlamentarischen Bereich gestammt haben.

    Man hat also aus der ganzen EuroHawk-Pleite samt Untersuchungsausschuss (der Abschlußbericht erging am 02.09.2013) und den definitiven Hintergründen und Hindernissen in Sachen Zulassung offenbar nichts gelernt bzw. in seiner Belehrungsresistenz nichts lernen wollen. Ganz im Gegenteil, es wurde seitens des BMVg sogar schon ab _2_0_1_2_ – also lange vor Abruch des Eurohawk-Projekts am 14.05.2013 – der Weg vom Regen in die Traufe gesucht, d.h. zum GlobalHawk Block 40 bzw. zum „Triton“. Man muß sich nur einmal den Abschlußbericht des U-Ausschusses herunterladen (Drucksache17/14650) und wird mit den Suchbegriffen „Triton“ insgesamt 7x und „Block 40“ sowie „Global 40“ insgesamt 63 x fündig und sollte dann dort lesen.

    Ganz bewußt hatte sich DER SPIEGEL deshalb am 12.02.2014 in seinem Bericht [wohl auf externen Rat] nicht auf ein konkretes Modell festgelegt, sondern nur von einem „sehr ähnlichen Modell“ [zum EuroHawk] gesprochen, es standen ja sowohl die nationale Euro-Hawk-Alternative (RQ-4C-Triton), als auch AGS (RQ-4B Block 40) zulassungsmäßig noch völlig offen im Raum (vermeintlich).

    Ebenso haben sich Bündnis 90/Die Grünen in Frage 37 ihrer kleinen Anfrage vom 18.08.2014 nicht konkret auf einzelne Modelle festgelegt. Und siehe da, in der Antwort des BMVg vom 19.09.2014 wird von StS Grübel auf S. 14 unten, bereits allen Ernstes der „Triton“ konkret benannt. (vgl. http://katja-keul.de/userspace/NS/katja_keul/Dokumente_2014_2/140922_KA_Euro_Hawk_AW.pdf, da noch nicht als BT-DIP aufliegend).

    Daß damit beim DER SPIEGEL und den Mitgliedern des Verteidigungsausschusses (sowohl bei Grün, als auch bei einzelnen der Koalition) und deren Fachberatern sämtliche Alarmglocken läuteten, verwunderte nicht mehr und die KPMG-Kritik in Sachen „Geheim-Einstufung und Dokumentenvernichtung“ machte die Sache nur noch „runder“!

    Daß dann auch noch UvdL am Sonntag den 06.10.2014 vor der Übergabe des KPMG-Berichts im ARD-Interview die “Katze Triton aus dem Sack gelassen hat“, beweißt nur noch zusätzlich, wie unbeholfen und expertiselos die Führungsriege des BMVg derzeit noch ist und wie hilflos man den übernommenen Erbschaften gegenübersteht.

    Die Beemelman’sche, Selhausen’sche und parlamentarische „Lobbyisten-Leiche namens Triton“ ruhte also längst und seelenruhig im Keller des Bendler-Blocks. KPMG und P3 erhielten von der nachgeordneten Ebene selektive Informationen und was die Gutachter von dem vernichteten Geheimmaterial nicht gesehen haben, konnten diese auch schwerlich „ob der Wesentlichkeit dieser Informationen“ beurteilen. Es darf davon ausgegangen werden, daß genau die Dinge vernichtet wurden, die man nicht mehr „sehen und vorzeigen müssen“ wollte bzw. die nicht ins Raster paßten und das können eigentlich nur die Dokumentationen über diejenigen alternative Lösungen gewesen sein, welche dem Vorsatz zu unbequem, wenn nicht gar absolut gefährlich waren.

    Deshalb spricht auch das BMVg – obwohl dies der KPMG-Bericht in seiner Langfassung gar nicht so uneingeschränkt hergeben dürfte – weiter von EuroHawk-, Global-Hawk- und Triton-Lösungen und reitet völlig unbeirrt und sorglos auf einem längst toten Pferd in die vermeintliche Zukunft. Was hat sich denn zulassungstechnisch definitiv bei der Global-Hawk-Serie seit 2011 geändert? Laut und für alle Betroffenen nachvollziehbar hat dies noch keiner gesagt. Der Rest ist gelinde gesagt eine ziemliche Herumlavierei, wenn man die Antworten des BMVg in den BT-Dip komplett liest.

    @T.W.: jetzt fehlt eigentlich nur noch der Auszug bzw. Part „EuroHawk, Alternativen sowie ISIS/SIGINT“ aus der Langfassung des KPMG-Berichts, wie längst bei den großen Medien DER SPIEGEL, DIE WELT, DIE ZEIT und STERN aufliegend.

    Im gleichen Zusammenhang sollte man bei n-tv.de den Bericht vom Donnerstag, 13.02.2014 – also nur einen Tag nach dem Bericht von DER SPIEGEL lesen „Drohne aus der Vergangenheit; SPD erwägt Euro-Hawk-Neustart“. Man könnte fast meinen, Einzelne der Koalition haben binnen knapp 2 Monaten seit Kabinenettbildung (16.12.2013) vergessen, daß der Ltr ML Wolfgang Steiger (WTD 61) und die Prüfgebietsleiterin Frau MinRin Angelika Bauch (BRH) vor dem U-Ausschuss als Zeugen und explizit zur Musterzulassung des EuroHawk ausgesagt haben (vgl. deren Zeugeneinvernahmen im Abschlußbericht (Drucksache17/14650)). Gründen dort also schon die Spuren, wie KPMG geheimnisvoll andeutet, dass „der parlamentarische Raum“ gewünscht habe, den „Triton“ wieder in das Beschaffungsvorhaben aufzunehmen?

    Äußerst pikant ist ferner, daß am 12.02.2014 der Generalinspekteur Volker Wieker vor dem Verteidigungsausschuss berichtete, daß für jede der vier geprüften Alternativen der vorgegebene Kostenrahmen von maximal 613 Millionen Euro um etwa 200 Millionen Euro übertroffen wird, also mehr als [absolut unglaubwürdige]. 800 Mio. € anfallen würden. Entsprechend erfordere die Auswahlentscheidung des GI nun noch mehr Zeit, als ursprünglich bis Ende März 2014 geplant.

    Na ja, am 12.02.2014 konnte der GI den Artikel vom 11.19.2014 in DIE WELT „Dieser Business-Jet soll der neue Euro Hawk werden“ – samt Budgetrahmen – genauso wenig gelesen haben, wie die KPMG-Gutachter vor Vorlage ihres Berichts am 06.10.2014. Und mit einer „rein deutschen und rundum-sorglos Lösung“ auf Basis G550 / Höhenforschungsflugzeug D-HALO haben sich warscheinlich weder das BAAINBw, der GI, noch das KPMG-Konsortium befaßt?

    Das wäre vielleicht auch zu einfach gewesen? Noch einfacher, hat mal jemand bei der DLR nachgefragt, ob man die Komponenten von ISIS/SIGINT auch auf dem D-HALO final austesten kann? Antwort: Nein, dagegen spricht bereits die latente EuroHawk-Vertragslage zwischen BMVg und der EuroHawk GmbH.

    Nicht umsonst stand am 18.10.2013 in dem von de Maizière veröffentlichen Sachstandbericht, daß die Anwaltskanzlei, welche mit der Prüfung beauftragt wurde, ob Schadensersatzansprüche des Bundes gegen die Hersteller des Euro Hawk bestünden, sich „schwergetan“ und diese festgestellt habe, „dass bei der Entwicklung des Euro Hawk im Wesentlichen lediglich ein Bemühen und kein werkvertraglicher Erfolg geschuldet wurde“. De Maizière sagte auch, er sei selbst beim Studieren des Vertrages überrascht gewesen über „die unklare Zuordnung von Rechten und Pflichten. […]“. Im Klartext, exakt diese externe Gutachtensvergabe und deren Ergebnis, war doch längst das weitere „Kurslinial“ in Sachen Global-Hawk Block 40 und Triton!

    Man kann von TdM halten was man will, aber als „dumm verkaufen“ sollte man ihn nicht, schon gar nicht als Juristen. Simpler Fakt ist, das BMVg schuldet der EuroHawk GmbH noch Gelder und eine Aufrechnungsmöglichkeit aus Schadensersatz gibt es nicht; ergo hat man die Vertragsabwicklung noch am Bein und versucht mit Triton ein Schlupfloch zu finden.

    Und um auch mal bei den weiteren Fakten zu bleiben: Der Kauf und die komplette Umrüstung zum Höhenforschungs-Flugzeug der G 550 D-HALO einschließlich Zulassung erforderte ca. 70 Mio. €. Ein ISIS/SIGINT-System der Serie wird von AIRBUS mit ca. 55 MIo. € veranschlagt und ein alternatives IAI-ELTA AISIS E 3100 dürfte im gleichen Preisspektrum liegen. Dagegen sollen die Fly-Away-Cost (US NAVY-Vertrag) für einen MQ-4C Triton aus der Produktionsserie 131,75 Mio. US $ (= 104,33 Mio. €) betragen. Natürlich sind hiervon die Kosten all derjenigen Systeme abzuziehen, welche durch ISIS/SIGINT ersetzt werden, andererseits fallen für ISIS/SIGINT Anpassungs- und Integrationskosten an. Ursprünglich sollten 5 EuroHawk (darin der FSD enthalten) 1,2 Milliarden Kosten. Zu den aktuellen Programm-, System und Life-Cycle-Cost sehe man bitte in vvvvvv.bga-aeroweb.com/Defense/RQ-4-Global-Hawk.html.

    Es also vor dem 12.02.2014 und damit vor dem Auftritt des GI im Verteidigungsausschuss die realistischen Angebote der Wettbewerber zu EuroHawk-Alternativen der Aktion „Geheime Aktenbereinigung“ zum Opfer gefallen waren, sofern solche Angebote denn überhaupt vom BMVg bei den entsprechenden Herstellern eingeholt worden sind?

    In diesem Zusammenhang spricht auch die Bundestag–Drucksache 18/819 (hddp://dip21.bundestag.de/dip21/btd/18/008/1800819.pdf) – welche am 12.03.2014 dem Vtdg-Ausschuss übermittelt wurde -, Bände und zwar ab Seite 6, Frage 18 bis Seite 7, Antwort auf Frage 19 a: Für Insider ein echtes Highlight, denn da steht „Die Firmen haben die Bewertungen ihrer Plattformen mit Analysen untermauert und an den Hauptauftragnehmer der Studie [IABG] geliefert. Die Beiträge wurden bewertet und in Abschlussberichten niedergeschrieben. Die dedizierten Beiträge der einzelnen Firmen liegen dem BMVg _n_i_c_h_t_ vor.“ (Deutlicher gasgt, dies wurden vernichtet!)..

    Wie bekannt wurde bereits im August _2_0_1_2_ von Beemelmans die IABG mit einer sogen. „Marktsichtung“ beauftragt, deren „Drohnen-Part“ wiederum von der IABG an deren „Unterauftragnehmer“ damals CASSIDIAN vergeben wurde (Das war die von CASSIDIAN selber geschriebene Story zur [zweimotorigen] FEMALE). Der Rest der „Fakten“ beruhte auf dem BAAINBw und BMVg-AIN. Ende Januar 2014 hatte das BAAINBw Vorlagetermin beim Generalinspekteur und als Alternativen wurden ein Passagierflugzeug für Mittelstrecken, ein Business-Jet (Global 5000 oder G550) und eine Drohne für mittlere Flughöhen vorgeschlagen. Daneben war auch von einem „Isralischen Komplettsystem auf Flugzeugbasis (Global 5000))“ unter den Vorschlägen. Es mag das BAAINBw zwar in 2013 Triton vielleicht ehrlicherweise verworfen haben, in Anbetracht der Hintergründe ab 27.12.2013 war aber m.M.n. alles danach nur noch „Tarnen und Täuschen“.

    Sprich, der GI, der Verteidigungsausschuss und auch KPMG bzw. P3 bekamen nur noch das zu Gesicht, was diese zu sehen bekommen sollten. Mit der am 06.02.2014 veröffentlichten Tagesordnung zur 5ten Sitzung des Verteidigungsausschusses am 12.02.20014, war mit Tagesordnungspunkt 9 „Beratung der Berichte des Bundesministeriums der Verteidigung zum Stand des weiteren Vorgehens hinsichtlich der unbemannten Trägerplattform EURO HAWK und zum Aufklärungssystem ISIS“, den besagten beiden Herren eine „Dead-Line“ vorgegeben. Bereits am 20. Februar 2014 wurden Beemelmans und Selhausen von UvdL gefeuert: Damit dürfte spätestens mit Amtsantritt von UvDL einigen Herren der „gluteus maximus“ auf Grundwasser gegangen sein. Freitag der 27.12.2013 passte damit für die „unaufällige Anordnung der Maßnahme“ wie die Faust aufs Auge und auch Beemelmans dürfte davon gewußt haben.

    Man beachte in der Sache bitte auch den AG-Thread „VdL-Brief an die Mitarbeiter: ‘Das ist kein haltbarer Zustand’ ./. T.Wiegold vom 20. Februar 2014. Nachträglich könnte man fast zur Vermutung kommen, daß man sich den ganzen Untersuchungsausschuß hätte sparen können, denn es wurde ja alles schon in 2012 national mit dem Ausgucken des RQ-4C-Triton und bei AGS mit dem RQ-4B Block 40 richtig gemacht und der Rest war nur Wahlkampftheater?

  • Vtg-Amtmann   |   13. Oktober 2014 - 17:09

    Stern.de „Von der Leyen – in den Fängen der Lobbyisten“ Oktober 2014, 12:23 Uhr; Hans-Martin Tillack geht mit der IBUK hart ins Gericht:

    „Inzwischen wissen wir, dass die Prüfer in der bisher vertraulichen Langfassung des Gutachtens etwas ganz anderes angeraten hatten – nämlich höchste Vorsicht. […] Und die KPMG-Leute warnten: Wegen dieser rechtlichen Risiken „könnte eine verbindliche Entscheidung über die Beschaffung des Triton zu einem Verlust der gesamten Investitionskosten führen“.

    Na, da könnte bei 5 nationalen Vögeln und der Beteiligung bei AGS ja Einiges zusammen kommen?!

  • Vtg-Amtmann   |   13. Oktober 2014 - 20:58

    Oh, oh, das Eis ist noch dünner als gedacht: „Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen weist den Vorwurf mangelnder Transparenz in ihrer Amtszeit zurück. Doch neue Details aus einem Gutachten zeigen: Noch Ende Juni [2014] wurde die Geheimhaltung um das Drohnenprojekt „Triton“ ausgedehnt.“
    http://www.spiegel.de/politik/deutschland/bundeswehr-ruestungsprojekt-von-der-leyen-und-die-triton-drohne-a-996875.html