Attraktivität und Alarm: von der Leyen-Pk zum Attraktivitätsgesetz

29.10.14 Von der Leyen stellt Attraktivitätsoffensive der Bundeswehr vor

Nach einigen technischen Schwierigkeiten (als Folge des Serverumzugs) hier die Pressekonferenz von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen zum Attraktivitätssteigerungsgesetz für die Bundeswehr; am (heutigen) Mittwoch vor der Bundespressekonferenz in Berlin:

 

vdL_Attraktivitaet_BPK_29okt2014.mp3     

 

Ein paar Punkte aus der Pressekonferenz:

– (das Attraktivitätsgesetz selbst hatte ich vergangene Woche schon mal vorgestellt)

– In den Meldungen vermutlich aller Kollegen wird sich eine Anspielung darauf finden, dass die Pressekonferenz nach wenigen Minuten unterbrochen werden musste, weil im Haus der Bundespressekonferenz der Feueralarm ansprang. Mit etwa 20 Minuten Verzögerung wurde alles fortgesetzt, spontaner Kommentar der Ministerin dazu: Das sei ähnlich wie bei der Bundeswehr, wo wegen eines Kratzers auf der Windschutzscheibe ein Flugzeug stillgelegt werde. In der Bundespressekonferenz war vermutlich ein defekter Alarmmelder die Ursache.

– Mit dem Gesetz, sagte die Ministerin, werde im Hinblick auf die Bedingungen des Dienstes ein Nachholprozess begonnen, der längst überfällig ist.

– Von der Leyen widersprach Meldungen, die für die Attraktivitätsmaßnahmen anfallenden Kosten – ab 2016 rund 300 Millionen Euro jährlich – seien im Haushalt nicht finanziert: Das Gesetz sei natürlich finanziert, sonst hätte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble das niemals im Kabinett mitgetragen. Mit dem Finanzminister sei außerdem vereinbart, Anfang 2015 die Haushaltsverhandlungen im Hinblick auf die Kosten für den Materialerhalt und den Zulauf neuer Ausrüstung zu beginnen. Unter dem Aspekt, was uns Sicherheitspolitik … Wert ist.

– Mit Außenminister Frank-Walter Steinmeier sei sie sich einig, dass es angesichts veränderter sicherheitspolitischer Herausforderungen neue, gemeinsame Konzepte geben müsse. Im Ministerinnendeutsch: Dass es an der Zeit sein könnte, einen Weißbuch-Prozess wieder zu iniitieren. Das habe sie auch bereits mit der Bundeskanzlerin sowie Bundesinnenminister Thomas de Maiziere und Entwicklungsminister Gerd Müller besprochen. Mit anderen Worten: Die Planungen für ein neues Weißbuch, das erste seit 2006, laufen offensichtlich an.

(Foto: Die Ministerin wähhrend des Feueralarms draußen vor der Bundespressekonferenz – Axel Schmidt/common Lens)

 

 

 

 

 

64 Gedanken zu „Attraktivität und Alarm: von der Leyen-Pk zum Attraktivitätsgesetz

  1. @ Closius

    Weil es in Deutschland eine allgemein Krankenversicherungspflicht gibt, d.h. Voraussetzung für einen Veteran, Einsatzversehrten der Bw ist es, dass er in eine gesetzliche Krankenversicherung aufgenommen wird und der Bund seine Vorerkrankung als Wehrdienstbeschädigung anerkennt. Wie schwer dies bei PTBS und anderen Krankheitsbildern ist, brauche ich vermutlich nicht näher erläutern.

  2. @Georg | 29. Oktober 2014 – 19:00

    Sie haben mit ihrer Analyse recht. Aber das Problem ist systemimmanent. Eine SaZ hat einen mehr oder wenig langen Zeitvertrag. Ein SaZ 12, der sich in einem Alter zwischen 18 und 20 Jahren verpflichtet, ist Anfang 30 wenn er vor sich beruflich neu orientieren muss. Das ist eine andere Situation wie bei einem BS, der – wann auch immer – bei seinem Dienstherrn „in Pension“ geht. Und da die Ausganslagen anders sind, müssen auch die Anreize andere sein.

  3. Wäre schön wenn das Attraktivitätsprogramm jetzt auch auf die zivilen Mitarbeiter der Bundeswehr übernommen wird.
    Eine intakte Bundeswehr (militärischer Anteil) braucht eine leistungsstarke motivierte Verwaltung. Nur so gehts…..

  4. @servant:

    Du bist jetzt aber nicht der Meinung das die Zivil Angestellten auch mehr Geld verdienen sollten, oder?

  5. Mir ist von 4 Kraftfahrer Stellen auf dem TrÜbPl Munster bekannt auf die es mehr als 80 Bewerber gibt…

  6. @Califax

    Einfach mal den Truppenausweis in den USA-Urlaub mitnehmen, hier und da nach „military discount“ Fragen bzw. Ob der military discount auch für „NATO allies“ gilt, sehen und staunen. Absperrungen öffnen sich, Eintrittsgelder entfallen oder halbieren sich, es gibt ne gesonderte Führung oder, oder, oder.

    Bestes Erlebnis war eine Taxi-Fahrt für lau von Downtown Washington D.C. zum Flughafen Dulles, nachdem der Taxifahrer von seiner Zeit bei der „Cav“ in „Swinefurt“ erzählt hat und man ein wenig gefachsimpelt hatte.

    Plötzlich war der taxameter aus, obwohl schon über 50 USD auf der Uhr waren…

  7. @ INteressierter:

    Immerhin gibt es bei uns bei Burger King 10% Rabatt für Soldaten.

  8. @ Schnellmerker | 30. Oktober 2014 – 2:37

    Na immerhin ;-)

    Was denke ich noch viel wichtiger ist, als die rabattierten Euros, ist die damit einhergehende Wertschätzung an allen Ecken und Enden in der Gesellschaft.
    Jedes Kind sieht dauernd, dass man mit Soldaten besonders pfleglich umgeht. Und wer überall Rabatte bekommt, der muss was richtig machen und für die Gesellschaft eine Wert haben …

    In Deutschland ist das dann eher gegenteilig.

  9. @ servant

    Dein Kommentar spricht mir aus dem Herzen.

    Wenn ein Beamter 15 bis 20 Jahre auf eine Beförderung auf A8 oder fast 25 Jahre auf A11 warten muss stimmt etwas im System nicht.

  10. @zivilist

    „Wenn ein Beamter 15 bis 20 Jahre auf eine Beförderung auf A8 oder fast 25 Jahre auf A11 warten muss stimmt etwas im System nicht.“

    Nach dem wir ja dank TdM einen fast atmenden Personalkörper haben, kann sich der Beamte, um die unglaublichen Vorteile der Soldaten zu genießen, freiwillig melden und Soldat werden.

    Hunderttausende Soldaten werden erst gar nicht A8 oder A11 schon mal aufgefallen, dass wir eine Auslese während der Dienstzeit haben und nur die wenigsten weiter kommen oder gar BS werden.

    PS.: Es soll schon unter 30 jährige StFw geben, nach dem sie aus dem ziv Bereich in den mil gewechselt hatten. Das schafft ein BS nie. Der Stress beginnt erst, denn man hat mit der Neuausrichtung und der Aussetzung der Wehrpflicht das System gebrochen/zerstört und nicht konsequent um- und aufgebaut.

  11. @ Elahan
    Hunderttausende Soldaten werden erst gar nicht A8 oder A11 !?!

    Werden oder Wurden ? bei einer Stärke von 185.000 Dienstposten alle unter A8 ?

  12. @ Focusliner

    3 von 4 Soldaten sind Zeitsoldaten. Rechnet man die Zeitoffiziere raus, geschätzt 10000, sind bei einer Stärke von 185 000 Soldaten rund 120 – 130 000 Zeitsoldaten dabei. Diese Zeitsoldaten sind zu geschätzt 95 % unter A8 Hauptfeldwebel.

    Der SaZ 12 Portepeeunteroffizier kann frühestens nach 9 Jahren zum HptFw befördert werden und scheidet nach 12 Jahren aus. Da es aber viele Soldaten in der Mannschaftslaufbahn und Uffz. o.P. gibt, schätze ich mal 95 % der 120 – 130000 Zeitsoldaten sind A7 und niedriger.

  13. Nach der soldatischen Karriere steht den ausscheidenden Soldaten eine durchaus lukrative Karriere in der Bundeswehrverwaltung offen.
    Nur derzeit wird so getan als ob ausschließlich der militärische Anteil gepusht werden muss. Bei der Verteilung des Kuchens sollten die Kollegen der Bundeswehrverwaltung nicht lehr ausgehen.

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