DroneWatch: Großbritannien und Frankreich starten Planung für eigene Kampfdrohne

UK AND FRANCE STRENGTHEN DEFENCE COOPERATION

Großbritannien und Frankreich wollen, wie geplant, eine eigene bewaffnete Drohne für beide Länder entwickeln. Eine entsprechende Vereinbarung unterschrieben der britische (Noch-)Verteidigungsminister Philip Hammond und sein französischer Kollege Jean-Yves Le Drian am (heutigen) Dienstag am Rand der Farnborough Air Show. Für die Entwicklung von Technologie und Konzept eines Unmanned Combat Air Vehicle (UCAV) mit den Unternehmen BAE Systems, Dassault Aviation, Thales France, Selex, Rolls Royce and Safran sollen zunächst für eine Machbarkeitsstudie 120 Millionen britische Pfund (gut 150 Millionen Euro) bereitgestellt werden.

Damit zeichnet sich ab, dass es zwei parallele Entwicklungsstränge für eigene europäische Drohnen geben wird. Neben der UCAV-Entwicklung, die Großbritannien und Frankreich angehen wollen, gibt es den Vorschlag der europäischen Unternehmen Airbus Defence&Space, Dassault und Alenia für eine HALE MALE (Medium Altitude Long Endurance-)Drohne mit möglicher Bewaffnungsoption. Auffällig ist zum einen, dass Dassault bei beiden Vorhaben mit im Boot ist. Und zum anderen, dass BAE Systems zufällig… ein bisschen mehr über seinen UCAV-Demonstrator Taranis vor ein paar Tagen mitteilte.

Die Mitteilung des britischen Verteidigungsministeriums im Wortlaut:

15 July 2014

UK AND FRANCE STRENGTHEN DEFENCE COOPERATION

Defence cooperation between the UK and France has been strengthened following agreements signed at the Farnborough Air Show today.

Philip Hammond and Jean-Yves Le Drian agreed to bolster cooperation relating to the acquisition and support of military equipment for both the UK and French Armed Forces.

The agreement follows on from the communiqué that was signed by Prime Minister David Cameron and French President Francois Hollande at RAF Brize Norton in January, which set out plans for closer ties between the two countries.

As part of the deal signed today, the UK and France agreed a £120 million Feasibility Phase with six industry partners  for the joint development of Unmanned Combat Air Vehicle concepts and technologies. They also signed a Memorandum of Understanding on the SCALP/Stormshadow missile programme with MBDA that continues our cooperation on this important cruise missile capability.

Foreign Secretary Philip Hammond said:

“The UK and France are committed to delivering effective military capabilities underpinned by cutting edge technology, developed by strong and capable defence industries. This relationship is essential to how we will operate in the future, by ensuring we can deal with the global defence and security challenges we and our Allies may face.”

’Minister of Defence Jean-Yves le Drian said:
“The arrangement related to Future Combat Air System is an historical opportunity for France and the United Kingdom to shape and sustain in the long term a strong innovative and sovereign combat aircraft industry. With continuation of development of cruise missile SCALP/STORM SHADOW, after signature of the FASGW(H)/ANL contract previously this year, the two nations demonstrated their commitment to sustain the cross-frontier One Complex Weapons industry through inter-dependence for missile sub-systems and secure significant efficiencies on future programmes.”

(Foto: UK MoD/Crown Copyright/MoD News Licence)

34 Gedanken zu „DroneWatch: Großbritannien und Frankreich starten Planung für eigene Kampfdrohne

  1. Die Briten hatten ja vor 1-2 Jahren eine 60 Mio. Pfund schwere UAS Drohnenstudie gestartet, um eine gemeinsame GB/FR Drohne voran zu bringen. Ohne Ergebnis. Jetzt gibt es die gleichen Studien, nur mit noch mehr Firmen, was noch mehr Geld kostet. Die Franzosen werden wohl auch keine zwei Drohnenstudien zahlen. Sieht nicht gut aus für die Airbus Drohne.

  2. UCAV werden nicht benötigt, da Kampfflugzeuge mit Marschflugkörpern wesentlich effizienter sind. Insbesonders weil beides gerade mit sehr hohem Finanzaufwand bei mehreren Streitkräften beschafft wurde/wird (EF, TAURUS / STORM SHADOW / Rafale, SCALP / Grippen, RBS etc.).

    Das ganze ist eine reine Grundfinanzierung um F&E-Kapazitäten im Bereich Kampfflugzeug am leben zu halten („sustain“).

    Der MALE 2020 Ansatz hat zumindest theoretisch Exportpotential. Da sich die USA zu wesentlichen Lockerungen bei ITAR entschließen, wird der potentielle Markt für ein Euro-MALE/ MALE 2020 aber längst gesättigt sein wenn „Europa“ liefern könnte.

  3. @Rauschebart:
    Verzeihung, ich habe selbst schon mit Drohnen gearbeitet, aber jetzt stoße ich an meine Leistungsgrenzen, insbesondere da ich hier keine Hilfe für Abkürzungen finde:
    UCAV?
    F&E?
    ITAR?
    Das mögen alles ganz normale Abkürzungen sein, aber ich seit 9 Jahren draußen bin
    Würden Sie mir helfen?
    Werferfehler

  4. @ Werferfehler

    UCAV = Unmanned Combat Air Vehicle (steht auch schon oben im Artikel ;))
    F&E = Forschung & Entwicklung
    ITAR = International Traffic in Arms Regulations

    Nun sind Sie wieder drinn! :)

  5. Ich kann ja verstehen, dass man gerade beim Thema Drohnen Deutschland nicht als Möchtegern-Partner mit im Boot sitzen haben will. Wundern müssten sich die Entscheider aber langsam doch.

    Es war mal ein Ansatz einer europäischen Sicherheitsarchitektur, die Rüstungssektoren der europäischen Länder zu verweben. Aktuell muss man feststellen, dass Deutschland immer häufiger außen vor ist. Ich verstehe zwar, dass die anderen Europäer auf einen irrationalen unzuverlässigen oberlehrerhaften deutschen „Partner“ keine Lust mehr haben. Aber als deutscher Verantwortlicher sollte man vielleicht langsam ins Grübeln kommen …

  6. @T.Wiegold:

    Ihre Bewertung der Nachricht teile ich nicht so ganz:
    Bei den zwei Entwicklungssträngen für UAV gehe ich mit. Allerdings sehe ich NICHT MALE2020 als zweiten Entwicklungsstrang. Für mich erscheint MALE2020 als der dritte Aufguss von Talarion. Warum soll die Bundesregierung jetzt plötzlich Geld für ein Konzept bereitstellen, was bereits vor Jahren nur begrenzt sinnvoll war und von (damals) EADS selbst auf Eis gelegt wurde.
    Nun scheint es mit diesem MoU mehr Geld zu geben, aber in der Vergangenheit bestand die Kooperation primär aus großen Ankündigungen, denen wenig Inhalt folgte. Deswegen bin ich noch zögerlich, den Ankündigungen eines gemeinsamen Programms zu vertrauen.

    Ein Blick auf die Kooperationspartner verspricht auch wieder eine maximal-dysfunktionale Struktur des Future Combat Air System (FCAS):
    „Participating companies are Dassault Aviation and BAE Systems for airframe and systems integration; Thales and Selex ES (UK) for sensors and electronics; and Snecma and Rolls-Royce for engine and power systems.“
    Man nehme von beiden Seiten die größten Firmen, bestimme erstmal keinen prime contractor und wundere sich dann, warum es nicht vorangeht… Als hätte man aus dem NH-90-Konstrukt („Wir lassen Konkurrenzfirmen ein gemeinsames Produkt entwickeln.“) nichts gelernt. Natürlich werden sich Thales und Selex jeweils so bedeckt wie möglich halten.

    Meiner Ansicht nach gibt es (bisher) zwei zukunftsfähige Entwicklungsstränge:
    Der eine mit der (nationalen) BAE Taranis, der andere mit der (europäischen) Dassault nEUROn.

    Die Frage ist daher, wie diese beiden Stränge zusammengeführt werden oder ob man doch teilweise zweigleisig weiterfährt. Denn wenn sich F und GB zusammentun, was machen dann insbesondere die nEUROn-Partner Saab und Alenia?
    Gerade Schweden hat mit dem Kockums-Deal gezeigt, dass es seine Rüstungsbasis fast um jeden Preis erhalten möchte.

    Die nEUROn-Entwicklung kann zudem als Beispiel dienen, wie man europäische Kooperation machen kann. Es gibt einen Führungskonzern (Dassault) und alle anderen steuern ihren kompetenten Beitrag (nicht mehr, aber auch nicht weniger) zum Gesamtergebnis bei.

  7. Ergänzung:

    Bei der Frage nach Kooperationen mit britischen Firmen sehe ich zudem das Problem mit der Geheimhaltung sensibler Daten.
    Five Eyes sind immer ein paar zuviel…

  8. Lol man möchte dort weitermachen, wo man bei der Future Offensive Air System Studie aufgehört hat. Nun wieder 150 Mio EUR für ein Haufen bedrucktes Papier, um die Luft-Rüstungsindustrie zu beschäftigen. Sinnvoller wäre es gewesen, die Test- und Entwicklungsprogramme der beiden Klone Taranis und Neuron zusammenzulegen.

    Die Kooperation wird wie bereits beim FOAS zu nichts führen, weil zum einen die Visionen, zum anderen der Bedarf fehlt.

    Die Industrie würde gerne mit einer MALE das Rad neu erfinden, und sich mit einem ausgelutschten System, das es bereits von der Stange zu kaufen gibt, und ohne verkaufsförderndes Alleinstellungsmerkmal ein wenig Kohle sichern. -> überflüssig, einfach von der Stange kaufen: Heron TP, Reaper usw.

    Zukunftsträchtiger wäre da eine richtige Kampfdrohne, wie man das auch bereits bei FOAS angedacht hatte: Stealth, Supercruise, usw. Aber wozu? Bedarf ist keiner da. Klar, man wird Lügen, das ein solches System billiger in Beschaffung und Unterhalt sei, aber das glaub ich hinten und vorne nicht. Eine solche Drohne würde wohl nur zum Bomben von Bodenzielen gut sein, und das nichtmal besonders effektiv, aufgrund der geringen Waffenlast (Waffenschacht).

    Zwecks Verkaufsförderung wird man natürlich auf Computersimulationen verweisen, nach denen XXL-Tarnkappeneigenschaften zwingend notwenig seien, um ein modernes IADS mit annehmbaren Eigenverlusten zu zerdrücken. Das allein soll dann den Kauf einer Single-Role-Stealthdrohne rechtfertigen. Das typische GIGO-Argument eben.

    Die 150 Mio hätte man wohl besser in Hardkill-Systeme, automatische Objekterkennung, High-Speed-Datenlinks und integrierte Datenverarbeitung für Bodenfahrzeuge investiert. Das Geld wäre dort kriegsentscheidender angelegt, für was konkretes, und nicht nur bedrucktes Papier.

    Der technische Vorteil der NATO ist im Bodenkampf geringer, als in der Luft. Die chronische Fortschrittsverweigerung bei allen Heeren hat daran auch seinen Anteil. Luftfahrttechnik ist einfach „sexier“, sodass man gerne mit dem High-Tech-Argument unbedarften das Geld aus der Tasche ziehen kann. Aber ich schweife ab.

    Gruß vom Segelboot, der aus dem LuR-Bereich kommt

  9. @K.B. u. Segelboot:
    Das Interessante an den beiden Themen FCAS und MALE2020 ist aus meiner Sicht: Ist MALE2020 ein sinnvoller Zwischenschritt zwischen Reaper/ Heron TP und FCAS ein sinnvoller Zwischenschritt?

    Denn das UCAV FCAS soll ja Tornado, EF, etc ab 2035 ablösen.

  10. BAE hat mit MANTIS doch genau diesen Zwischenschritt ohne großes Aufheben bereits abgearbeitet und kann sich jetzt auf TARANIS konzentrieren.
    Warum soll auf der anderen Seite nicht nEUROn der Vorgänger eines einsatzfähigen UCAVs werden, sondern ein Modell das einen technologischen Rückschritt bedeuten würde?

    Aber vielleicht kann Rich dazu mehr sagen (insb. zum Verhältnis MANTIS – TARANIS).

  11. @SunTzu:

    Ich sehe das ähnlich wie sie. Allerdings muss derzeit noch nichts sinnvoll zusammengeführt werden. Das wird frühestens in 3-4 Jahren geschehen. Dann aber dringend.

    Ich denke es geht den beiden Ländern lediglich um Arbeitsplatzerhalt bei der eigenen Industrie. Gleichzeitig hoffen bei durch öffentliches präsentieren ihrer Arbeiten einen Vorteil bei einem möglichen gemeinsamen europ. Projekt zur Tornado Nachfolge zu erlangen.

    Bzgl. strategischer Positionierung haben die Franzosen es drauf.

    @Segelboot:

    Kein Fähigkeitsbedarf? Wir reden hier von einem Waffensystem für den Zeitraum 2035 – 2075. Ob die mit dem System einhergehenden Fähigkeiten benötigt werden ist glaube ich recht schwer zu sagen. Ob die Plattform nur eine Rolle wahrnehmen kann würde ich ebenfalls bezweifeln. Glaubhaft machen der eigenen Verteidigungsbereitschaft (Abschreckung) würden einige Nato-Partner sicherlich weiterhin hoch priorisieren. Da der Hauptauftrag der Bw immer noch Landes und Bündnisverteidigung ist, sollte man über die strategische Bedeutung solcher Projekte wie FCAS nicht vorschnell urteilen.

  12. @Sun Tzu: Zustimmung, das hatte ich ja auch schon bei Eufi-Themen angesprochen.

    @Memoria: Ob es ein sinnvoller Zwischenschritt ist hängt davon ab was sie damit machen wollen. In Afrika oder sonstwo Moslemterroristen jagen? Nun, dann eine MALE-Drohne mit Ausdauer, aber bitte mit Bumm-Bumm. In richtigen Kriegen sterben die Dinger aber recht schnell. Als Kompromiss könnte man sie getarnt bauen, erhöht aber Beschaffungs- und Unterhaltskosten. Besser wäre m. E. eine billige Propellermaschine für CAS, ein richtiges Ackerflugzeug, das überall starten u landen kann, und A400M transportabel ist. Die könnten sich durch extremen Tiefflug auch in richtigen Kriegen gegen die Logistik des Gegners nützlich machen, und seine Panzer an der Front beharken. Mit Zwei-Frau-Besatzung und IR-Kuppel am Unterrumpf könnten die Stiefel am Boden auch orientiert u informativ unterstützt werden. So ein Ackerflugzeug mit MG/MK u Bomben kostet vlt 5 Mio, also nur 1/10 einer MALE oder eines KaHubSchrb -> mehr Masse an der Front.

    @Woody: Sie verwechseln Theorie u Praxis. Praktisch wird die fette Taube, auch F-35 Just So Failed (JSF) genannt, bei den Briten gegen 2020 zulaufen. Zusammen mit den Eufis, welche gut 30,35 Jahre halten, kann so bis 2040-2050 der Bedarf gedeckt werden. Die Franzosen können mit der Rafale bereits alles abdecken, und das bis locker 2040-50.

    Das Deutschland aus intellektueller Faulheit die Tornados mit ASSTAs stützt, und gleichzeitig die Eufi-Bestellungen kürzt ist natürlich Fatal, aber auch nicht mein persönliches Problem. Wenn man systematisch in Presse und Politik das Flugzeug bekämpft muss man sich eben überlegen, was nach dem Tornado kommt. Eufi mit HARM und Taurus und modernem (dh digitalem, mit HDTV und HDR) Recce-Pod hätte die Aufgabe problemlos erledigen können. So steht man eben allein im Wald. Wer schießt Anti-Radar-Raketen, wenn der Tornado reif für die Schrottpresse ist? Wer wirft Taurus? Eine Antwort auf diese Frage hab ich von der Bw bis heute nicht gehört.

    Die Frage nach der Kampfdrohne ist deshalb müßig. Wenn man bei der Luftwaffe/Politik/Medien/Bw-Planung keine Ahnung vom Krieg hat, und sich auch nicht mit der Frage beschäftigen möchte, wo man wie und warum mit was wann Krieg führen will.

    Die strategische Bedeutung solcher Projekte läßt sich recht schnell sagen: Bedrucktes Papier hat keine. So lange nichts greifbares entsteht, auf das man aufbauen könnte, ist die Studie Geldverschwendung. Ich will innovative Prototypen sehen, und neue Technologien. Das ganze wird aber wie andere Studien zuvor ein wenig Brainstorming auf Kosten des Steuerzahler sein.

    Gruß vom Segelboot

  13. Noch als kleine Zusatzinfo der britische Minister Philipp Hammond ist durch den heutigen Cabinet Reshuffle zum Außenminister befördert worden

  14. @segelboot : Sie sind ja schon wieder voll bei L.I.S.A sowie deren Eitelkeiten und Ahnungslosigkeiten. Design bei Beate Use zählt, egal ob aus Israel oder USA. Reine Frage der Tagesforrm und damit eher der Situationkomik..
    :-)

  15. @Segelboot: Dass GB und FR da jetzt gerade so öffentlichkeitswirksam agieren ist mir ja auch nicht begreiflich. Aus genau den von Ihnen benannten Gründen. Ich kenne die genauen Arbeitspakete nicht, glaube jedoch nicht an substanzielle Fortschritte durch die Kooperation.

    Die deutsche Positionierung wird sich in der nächsten Zeit ergeben.

  16. @Segelboot

    Zustimmung und wer die Lufthoheit hat, kann Bomben, Taurus, Harm uvm auch aus einem P3C Nachfolger oder dem A400m werfen.

  17. “ Wenn man systematisch in Presse und Politik das Flugzeug bekämpft muss man sich eben überlegen, was nach dem Tornado kommt. “

    Der Eurofighter kann den Tornado eigentlich nicht ersetzen. Das ist inzwischen wohl auch in der LW angekommen, weswegen dieser bis 2030+ (!) in Dienst bleiben soll. Aus der LW hörte ich vor kurzem wieder, dass die Aufgaben des Tornados zukünftig durch Drohnen wahrgenommen werden sollen. Soviel also zur realistischen Zukunftsplanung der Luftwaffe. Traurig, wieder Drohnen als Allheilmittel unter völliger Überschätzung dieses Waffensystemes.

    Sinnvoll wäre es mal eine Studie in Auftrag zu geben, ob es langfristig nicht kostengünstiger wäre einen Tornado 2.0 zu entwickeln. Neubau mit diversen Änderungen und zB reduzierter Signatur.

    “ Wer schießt Anti-Radar-Raketen, wenn der Tornado reif für die Schrottpresse ist? Wer wirft Taurus? “

    SEAD ist in der LW eh kaum noch existent und wird keine Zukunft mehr haben.

  18. @Segelboot u. K.B.:
    Da sind wir wieder mal beim Thema Kriegsbilder.
    Bezogen auf UAV und UCAV stellt sich mir die Frage:
    Hat ein System, das in seiner Leistung zwischen Reaper/ Heron TP (Turboprop) und Taranis/ Neuron (Stealth) angesiedelt ist, einen Platz in einem hybriden Kriegsbilder (denn der sog. „richtige Krieg“ ist eben auch unwahrscheinlich)?
    Ein System, das deutlich agiler als die aktuellen Systeme ist, aber deutlich früher verfügbar und preiswerter als ein UCAV ist?

    Aus meiner Sicht kann man diese Frage auch mit ja beantworten, wenn es eine abgestimmte Gesamtplanung (bemannt/ unbemannt) gibt und das System echte Vorteile zu aktuellen „Motorsegler“-Systemen aufweist. Mantis war eben auch nur ein Reaper-Derivat, daher war das Interesse beim Kunden recht gering.

    Das Thema L.I.S.A. wiederum muss man anhand zukünftiger Szenare mit modernen Gunship-Überlegungen (C27J u. C295) abgleichen.

    Für Alldas müsste man aber in der Bundeswehr noch den Anspruch haben eine echte Armee zu sein.
    Aber dieser Anspruch scheint mir immer mehr zu verschwinden.

  19. @xyz

    Zustimmung, der Tornado ist als Jagdbomber gegen einen Feind auf Augenhöhe entwickelt worden. Er ist gegen EMP gehärtet und kann ggf ohne Funkverbindung, im Tiefstflug, sehr langsam oder sehr schnell, bei relativ geringem Kraftstoffverbrauch mit 4 Tonnen Zuladung seinen Auftrag erfüllen. Dabei ist er in der Lage ohne GPS seine Wirkmittel metergenau ins Ziel zu bringen.

    Was könnte der erst leisten, wenn die Anbaugeräte, Triebwerke, Avionik und Cockpit auf dem neusten Stand wären. Die Zelle und das Flugwerk sind fast perfekt und Einsatz/ABDR fähig.

  20. Wen überrascht dieser Artikel denn wirklich?
    Das sich zwei Länder zusammenschließen, um eine Drohne zu entwickeln, wirft ein bezeichnendes Bild auf die europäische Rüstungsindustrie!
    Um konkurrenzfähig und rechtzeitig in den Markt zu stoßen, hätten sich die technologisch führenden Firmen vor 10 Jahren zusammenschließen müssen, aber das war vor 10 Jahren genauso ein Wunschdenken, wie jetzt.
    Wer gedacht hat, dass die Probleme bei Tiger, Eurofighter und A400 zu einem Lerneffekt geführt hätten, wird bitter enttäuscht: genau das Gegenteil ist der Fall!

  21. Zur Einordnung der britischen UCAV-Pläne ein Überblick über die britische Planung:
    http://www.aviationweek.com/farnborough-2014/uk-gears-typhoon-enhancements

    Der Tornado Gr4 steht kurz vor dem Nutzungsende, EF Tranche 1 ist bald nur noch Ersatzzteillager.

    Ab 2019 sollen nur noch EF Tranche 2/ Tranche 3 und F-35 genutzt werden.

    Als Nachfolge ist das UCAV ab 2035 geplant (ähnliche Zeitlinien ergeben sich in Frankreich mit Rafale).

    In Deutschland wiederum plant man bis 2035 mit Tornado und Eurofighter (aber deutlich längere Nutzung der Tranche 1 und eingeschränkte Tranche 2 und 3).

  22. @Sascha Vohwinkel

    „Um konkurrenzfähig und rechtzeitig in den Markt zu stoßen, hätten sich die technologisch führenden Firmen vor 10 Jahren zusammenschließen müssen“

    Das ist doch geschehen:

    Donier Aerodyne 1972:

    Ein unbemannter „flügelloser“ Senkrechtstarter, von A.M. Lippisch konzipiert und von Dornier im Auftrag des Bundesministeriums für Verteidigung (BMVg) entwickelt und gebaut. Der Erstflug fand am 18. September 1972 statt. Die Entwicklung endete nach erfolgreicher Schwebeflugerprobung mit dem Fluggerät Aerodyne E1 am 30. November 1972. Zur Weiterführung dieser Experimentalstudie kam es nicht, weil sich kein Bedarfsträger in der Bundeswehr fand, bzw. weil man die vorgesehen Aufgaben nunmehr mit bemannten Hubschraubern durchführen wollte.

    Egrett 1987:

    Die Taktische Forderung für eine „Luftgestützte Erfassung“ wir am 15.08.1986 durch den Inspekteur Luftwaffe gebilligt und die Entwicklung des neuen Höhenaufklärers „EGRETT“ gestartet. Das neue Projekt ist sowohl für den militärischen als auch für den zivilen Einsatz gedacht, wie z.B. Grenzüberwachung, als fliegende Relaisstelle, Umweltschutz, Drogenbekämpfung, Erderkundung, Verifikation von Abrüstungsmaßnahmen, etc.. Das Flugzeug wird in enger Zusammenarbeit von E-Systems mit der deutschen Grob entwickelt und gebaut. Eine Egrett ist bis 2012 bei der Firma Raytheon Co) für das NASA Airborne Science Program geflogen.

    Minister Rühe hat dieses Projekt, genauso wie den Eurofighter ins Desaster geführt und TdM den EH (beide gehören keiner linken Partei an)

    Barracuda 2006:
    Das deutsch-spanische Rüstungsprojekt wird als unbemanntes Luftfahrzeug bei Cassidian Air Systems im bayerischen Ottobrunn und in Manching entwickelt; das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Stuttgart war an der Entwicklung beteiligt. Große Teile der Struktur sind aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff.

    Luna 1997:
    EMT Entwickelt und baut seit Jahren UAV für die Bw.

    OPALE (Optional Piloted Surveillance and Reconnaissance System) 2007:

    Kooperation Rheinmetall Defence, Dimond Aircraft und der Luftwaffe im Rahmen des Projektes “Trial Quest” beim NATO Manöver Bold Avenger in Oerland/Norway.
    Mit SAR (Synthetic Aperture Radar) und PicoSAR Sensor von Selex OPALE.

    Uvm

    P.S. 40% der Harfang-/Heronbauteile stammen aus Deutschland. Selbst die Grundkonstruktion von den Konstrukteure der Arado Ar 232 über die Noratlas nach Israel gelangt.

    Wir können es und sind gut, man muss nur einen Auftrag erteilen. Was passiert, wenn man in DEU im Rüstungsbereich in Vorleistung geht, kann man bei Cassidian Optronics uvm erfragen.

  23. Wieso Lerneffekt? Da geht es wieder nur um die dicken Arbeitspakete mit Eigenschaften zu sichern, die der Heimische Anbieter scheinbar am besten kann. Danach schaut man, ob man das Gerät ans funktionierend bringt. Wenn man das mit Frankreich zusammen macht, bauen die alles Technik Spielzeug ein, was so Denkbar ist. Ob es funktioniert oder nicht, ist denen egal, den Schrott muss der DE Steuerzahler eh bezahlen.

    Sowohl bei Male2020 als auch bei der GB/FR Drohne dürfte nur die Entwicklung mehr als 4 Mrd. € verschlingen. Wegen den hohen Kosten und den geringen Stückzahlen wird es nur eine EU Drohne geben. Aber wahrscheinlich wird es keine geben. Auch wegen den Ego der Franzosen.

  24. ZDF-Frontal21 von gestern abend „Heimliches Kriegstraining – US-Drohnen in Bayern“ und das seit 2003!

    Lesens- und sehenswert sind dazu http://www.zdf.de/ZDF/zdfportal/blob/34076572/1/data.pdf sowie http://www.zdf.de/frontal-21/themen-der-sendung-vom-15.-juli-2014-abfallgebuehren-usa-spitzelaffaere-billigfisch-pangasius-34048628.html. Nicht nur das der „Luftrechtpapst“ Prof. Dr. Elmar Giemulla sich zum Fall äußert, sondern offenbar hat man auch die Bundesregierung in Sachen US-Drohnen über Deutschland auf „dem linken Fuß“ erwischt.

    Offenbar nicht grundlos wurde die Sendung mit dem Satz anmoderiert „Deutschland ist beim Datenklau zu Diensten, aber auch beim Drohnenkrieg“?!

  25. Mich freut dieser FRA- GBR Antritt, denn so wird es für Airbus D&S sehr schwer werden, die DEU FuT- Töpfe leerzusaugen.

    Nur: was wird aus der Konzernsparte D&S ohne MALE2020?

  26. @aufmerksam

    Comat UAV (UCAV) und ISR MALE UAV mit der Option zur Bewaffnung sind zwei verschiedene Projekte.

  27. @Elahan: Bevor Sie in Euphorie ausbrechen: Flugzeuge werden außer Dienst gestellt, wenn:

    >die reparatur untragbar wird. Das war bei der F-111 so, welche zuletzt 180 MMH/FH benötigte. Die Eufis sind bei 9 MMH/FH, die Tornados bei UK glaub ich 27 MMH/FH oderso. Irgendwann macht das Ganze keinen Sinn mehr.

    >Wenn das System nicht mehr konkurrenzfähig ist. Das Problem tritt heute kaum auf, da man meist gefahrlos bombardieren kann. Da sehe ich für die Tornados kein Problem.

    >Wenn die Gefechtsaufgaben das System überflüssig machen. Ein Eufi mit LGB, Recce-Pod und HARM wäre so ein Fall.

    Das Problem ist trotzdem, was nach dem Tornado kommt. Die völlige Missachtung von SEAD und DEAD bei der Bw kommt verschärfend hinzu.

    Aber wahrscheinlich herrscht bei der Bw die Vorstellung, das Kriege per Checkliste gewonnen werden können. SEAD? ECR Tornado – Check! Luftüberlegenheit? Eufi Tranche 1 – Check! Wenn die Stückzahl keine Rolle spielt, und die Einsatzplanung auch nicht. Man ist anscheinden mit dem Sinn eines Mehrzweckkampfflugzeuges völlig überfordert. Der Sinn dahinter ist:

    >In den ersten Tagen eines Krieges benötigt man fast nur Luft-Luft, SEAD/DEAD und Marschflugkörper. Sagen wir: 200 Jäger, 100 SEAD und 20 Cruise-Missile launcher, nur um Zahlen zu nennen.

    >Nach ein paar Tagen ist die gegnerische Luftverteidigung ausgedünnt: Nun benötigt man 100 Jäger, 100 SEAD, 100 Jabos, 20 Recce, wobei je nach Bedrohungslage auch mit gemischter Bewaffnung geflogen wird. Moderne SAMs sind schnell verlegbar, ein HARM-Schuss zur Selbstverteidigung eines Jabos oder Jägers leicht nötig.

    >Nach einiger Zeit ist die Luftbedrohung platt: 10 Jäger, 10 SEAD, 200 Jabos, 40 Recce werden benötigt, denn nun wird die Zielliste abgearbeitet, und die ist lang.

    In den Beispielszenario werden also 200 Jäger, 200 Jabos, 100 Wild Weasel, 40 Recce und 20 Cruise-Missile-Starter benötigt. Zusammen 560 Flugzeuge. Da aber nie mehr als ~300 Maschinen gleichzeitig benötigt werden, kann man statt 550 Spezialisten auch 300 Mehrzweckkampfflugzeuge kaufen, und dasselbe erledigen. Man spart 250 Maschinen, und deren Kosten. Das ist der Gedanke dahinter.

    Aber wie gesagt…ist ja nicht mein persönliches Problem. Der Tornado mag noch adäquat sein, aber irgendwann steht die populistische Beschaffungspolitik eben am Ende der Sackgasse. Und das tritt ein, wenn er in die Schrottpresse muss.

    Gruß vom Segelboot

  28. Was soll man dazu sagen – das ganze ist eine andere politische Farce, die dazu dient die üblichen Firmen zu alimentieren. Wer auf die Idee gekommen ist Selex mit reinzunehmen – keine Ahnung (war wohl ein guter Lobbyist unterwegs). Der Neuron ist was die entwickelten Fertigkeiten betrifft innovativ festgefahren; im Gegensatz zum Taranis, der einige der hier geforderten Elemente (autonomes Verhalten Objekterkennung etc beinhaltet – das muss aber auch gesagt werden hauptsächlich von Qinetiq kommt). Das Hauptziel ist hier eindeutig einen „real international customer“ zu entwickeln; denn Technologieprogramme werden heute fast ausschliesslich nach solchen Kriterien von den Excelschiebern bewerter – auch im den Preis Dassault drin zu haben. Hat man internationales Potenzial gibts mehr Funding; ganz einfach. Und solange die Staaten lamentieren und über ihre Steuergelder weinen anstatt das zu bestellen was ihr Militär braucht und das auch bereit zu finanzieren, wird eben das gebaut was der Excelschieber glaubt, das ein gutes Investment ist und nicht das was militärisch sinnvoll und brauchbar wäre. So einfach ist das.

  29. @Rich: SELEX (PIAGGIO + AW + FIN MECANICA) hat einen sehr guten Grund und das ist u.a. das Know-How vom HAMMERHEAD samt Flugführungs- und Missionssystemen. Kombiniert von „vermannt“ und „verdrohnt“, je ob Ferry oder Einsatz. So im Male-Bereich. Im HALE-Bereich geht Gulfstream genau den gleichen Weg! Damit ist man sofort – d.h. schon heute – weltweit einsatzfähig und in 2018 – 2020 rüstet man SENSE & AVIOD nach und ist auch im NONE SEGRATED AIRSPACE dann komplett als U(C)AS operabel! Hinzu kommt, es handelt sich um ausgewachsene Flieger, welche alle schon die Bau-, Prüf- und Zulassungsvorschriften nach FAA/EASA/MAWA- Parts/CS-23 und 25 erfüllen, was erst einmal die anderen Motorsegler ereichen müssen. Wenn man in den zweistrahligen Bereich geht, führt an FAA, EASA und MAWA ohnehin kein weg mehr vorbeim und das ist das zweite Probem neben SENSE & AVOID! Im MALE-Bereich (U(C)AS) sollte man auch ganz schnell über pfiffige Alternativen und Eränzungen wie EGRETT und/oder L.I.S.A. nachdenken. Dann hat man nämlich schnellstens Fähigkeitslücken geschlossen!

  30. @Segelboot

    „die reparatur untragbar wird. Das war bei der F-111 so, welche zuletzt 180 MMH/FH benötigte. Die Eufis sind bei 9 MMH/FH, die Tornados bei UK glaub ich 27 MMH/FH oderso. Irgendwann macht das Ganze keinen Sinn mehr.“

    Wo haben sie diese Zahlen her?
    Der Anstieg der Wartungsstunden hat nichts mit der Zelle eines Lfz zu tun sondern ist abhängig vom Alter der Lfz Ausrüstung, Triebwerk und der Avionik. Lfz altern dann, wenn man sie über ihre Auslegung hinaus belastet, schlecht wartet, oder nicht auf Stand hält.
    Die reine Wartungsstunden sind durch die
    Erfahrung und TAs am Tornado eher gesunken. MES2 und MES3 steigen in ihren Stunden durch die schlechte Planung und Versorgung/Bereitstellung mit Ersatzteilen und Personal.

    Der Anstieg bei der F4 war u.a. Hauptsächlich darin begründet, dass selbst die Verkabelung veraltet war und zu wenige technische Änderungen erfolgten.

    Eines steht in jedem Fall fest, die Flugstunden bei Vollkostenrechnung haben bei den neuen Fightern astronomische Summen angenommen und stehen in keinem gesunden Verhältnis zur Leistung. Manchmal wäre die Messingrandlösung bei der Plattform mit der Goldrandlösung bei den Wirkmitteln evtl besser.

  31. @VTG Amtmann. Aaahha da ist er der Lobbyist ??? Aber Spass beiseite. Nun ist es ja doch so, dass die Fähigkeit an Flugführung und Missionssystem der Selex durchaus BAE selbst auch hat und ich behaupte nun mal, wenn es in Richtung „zweistrahlig“ geht, sehr viel mehr als Selex (z.B. aus den Harrier und Pre-JSF Programmen). Die Entscheidung ist eine politische, zugunsten eines internationalen Konsortiums damit das zukünftige Funding auf breiteren Füssen steht.

    Sieht man einmal davon ab, dass das es wünschenswert gewesen wäre auch zur überführung in die Nutzung nicht nur jedesmal die gleichen Beteiligten zu bedenken (wie sagte Einstein so schoen: „Die Definition von Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten“.) so ist das Vorgehen doch exemplarisch und richtig:

    Man fährt eigenständige und langlaufende Technologieträgerprojekte (wie Taranis), in denen man Zukunftstechnologie und neue Ideen entwickelt und erprobt und koppelt daraus dann schrittweise Konzepte aus, die man – möglicherweise in anderen Kontexten – dann häppschenweise, so wie der Nutzer es verdauen kann in die Nutzung überführt. Insofern ist es normal dass etwa Taranis bereits heute technologisch sehr viel weiter ist, als das was da nun wahrscheinlich aus diesem agreement erwachsen wird. Aber dafür ist es ja auch ein technologieträger … und das wäre für GER vielleicht auch erstrebenswert. Ich hätte mir natürlich gewünscht, dass mehr Taranis Technologie schneller in die Nutzung geführt wird (was in der Konstellation kaum machbar sein wird), aber gut – der Kunde muss es absorbieren koennen. Das Auskoppeln von Teilsystemen wäre vielleicht auch eine Alternative für Ihr offenbar geliebtes LISA projekt ?

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