Attraktivität der Bundeswehr: Fitness je nach Aufgabe?

Muss die Bundeswehr für alle Soldaten (und Soldatinnen) gleiche Anforderungen an die körperliche Leistungsfähigkeit stellen – egal ob sie bei der Kampftruppe unterwegs sind oder vor allem am Computer im Einsatz? Muss sie nicht, findet Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen. Die Ministerin in der Rheinischen Post*:

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hat eine Überprüfung der Eignungsmerkmale für die Bundeswehr angekündigt – als eine Möglichkeit, die Bundeswehr als Arbeitgeber attraktiver zu machen. „Beispiel körperliche Fitness: Es stellt sich die Frage, ob jeder einzelne Soldat und jede einzelne Soldatin, gleich welche Aufgabe sie im Riesenkonzern Bundeswehr ausfüllt, tatsächlich einen langen Marsch mit schwerem Gepäck bewältigen können muss“, sagte von der Leyen der in Düsseldorf erscheinenden „Rheinischen Post“ (Dienstagausgabe). „Da müssen wir eher danach gehen, was eigentlich eine moderne, hochtechnisierte Armee braucht“, betonte die Ministerin. Fitness sei immer gut, ein moderne Armee brauche aber ebenso die Fähigkeit zum vernetzten Arbeiten, soziale Kompetenzen, eine moderne „Unternehmenskultur“ und ausgeprägtes Technikverständnis, betonte von der Leyen. „Für Menschen, die das bei der Bundeswehr einbringen wollen, dürfen wir nicht unnötige Hürden aufbauen.“

Das dürfte, vermute ich, zu ähnlich engagierten Kommentaren wie beim Thema Anzugordnung führen…

Nachtrag 26. März: In der Bundespressekonferenz beantwortete Oberstleutnant Uwe Roth vom Presse- und Informationsstab die Nachfrage nach dem Hintergrund der Ministerinnen-Aussage so:

Zunächst einmal ist es so, dass jeder Soldat eine gewisse Grundfitness haben muss. Es gibt aber bei der Bundeswehr ein breites Spektrum an Tätigkeiten oder Verwendungen und Aufgaben, und für dieses breite Spektrum gibt es auch unterschiedliche körperliche Anforderungen und Voraussetzungen. Sie können zum Beispiel die Anforderung an einen Jet-Piloten, einen Kampfschwimmer oder einen Fallschirmjäger nicht mit der vergleichen, die an einen IT-Spezialisten gestellt wird, der im Bereich des Stabsdienstes oder des Geschäftszimmers eingesetzt ist. Daran wird sich auch zukünftig nichts ändern. Aber wir müssen gucken, ob wir nicht zurzeit Ausschlusskriterien haben, die es einem qualifizierten Seiteneinsteiger vielleicht nicht ermöglichen, bei uns einen Karriereweg zu durchlaufen, weil er vielleicht die vorgegebene Zeit beim 5000-Meter-Lauf um ein, zwei Sekunden verfehlt. Da müssen wir schauen, ob es dort Kriterien gibt, die nicht mehr zeitgemäß oder nicht mehr angebracht sind, damit wir auch solche Leute zu uns bekommen können.

Zusatzfrage: Ich bin alt genug, um mich noch an Zeiten der Wehrpflicht zu erinnern. Da gab es so etwas wie T7, die „Plattfußsoldaten“, die nur für die Schreibstube eingesetzt wurden, um es laienhaft auszudrücken. Wird dann sozusagen diese Tauglichkeitsstufe wiedereingeführt?

Roth: Welche Maßnahmen daraus konkret abgeleitet werden, kann ich Ihnen noch nicht sagen. Aber Sie müssen auch unterscheiden: Das eine ist die körperliche Leistungsfähigkeit und das andere die gesundheitliche Eignung. Da muss man auch differenzieren. Wir werden hier von gewissen Grundstandards nicht abweichen, müssen aber noch einmal schauen, ob es heute irgendwelche Kriterien gibt, die nicht mehr zeitgemäß und nicht mehr angebracht sind, um hier Leute zu uns zu bekommen oder auch zu werben, die wir brauchen: qualifiziertes Fachpersonal. Da müssen wir genau hinschauen.

(* Webseiten deutscher Verlage werden hier in der Regel nicht verlinkt, bei diesem Auszug handelt es sich um eine Pressemitteilung des Verlags.)

(Foto: Gewässermarsch durch den Fluß Inde – Bundeswehr/Langner via Flickr unter CC-BY-ND-Lizenz)

137 Gedanken zu „Attraktivität der Bundeswehr: Fitness je nach Aufgabe?

  1. „Erneut verfolge ich süffisant, wie hier wieder mal offensichtliche Führungsfehler auf die Schützengrabenebene abgedrückt werden soll. Motto: “Wenn man die Missstände nicht nach oben meldet, dann kann ja die Führungsetage davon nichts wissen”.

    Die Führungsetage weiß sehr wohl, wie gut/ schlecht es um die Verfassung unserer Bw bestellt ist (personell/materiell). Wenn sie glaubt das offensichtliche nicht zu wissen, dann hat sie die verdammte Pflicht sich s_e_l_b_s_t_s_t_ä_n_d_i_g zu informieren (bspw. auch via www/blogs/usw.). Wenn sie es nicht macht/machen will, bzw. daraus keine ehrlichen Konsequenzen ableitet, dann muss sie ausgetauscht werden. Sofort. Ohne wenn und aber.“

    Dies habe ich dann wohl völlig falsch interpretiert. Dachte, dass sei Ihre Replik auf mein:

    „@insider: Warum haben Sie den Eindruck, dass “oben” alles nur rosarot erscheint? Kann das nicht auch daran liegen, dass in ihrem vorbeugenden Fatalismus genau solche Leute wie Sie nicht melden, so wie sie das mal gelernt haben und es Ihre verdammte Pflicht ist? Könnte ja sein…………“

    Wenn Sie etwas anderes meinten, bin ich für Klarstellung dankbar.

  2. Könnte man dann die Bundeswehr nicht auch für motivierte Quereinsteiger 40+ öffnen? Gerade in diesem Alter gibt es manche(n), die (der) gern noch etwas Neues ausprobieren möchte und wenn jugendliche Fitness nicht mehr die Rolle spielt, könnte man auch Spätberufene aus der Wirtschaft aufnehmen, die mit ihren Erfahrungen in anderen „Unternehmen“ eine Bereicherung sein könnten.

  3. Könnte es nicht sein, dass es einen Zwischensoldat zwischen „ich spring aus jeder Höhe ohne Fallschirm ab und schnappe mir die Schweine“ und „ich bin da wo ich gut bin und führe meinen Auftrag aus, auch wenn ich nicht selber draußen bin“ geben könnte?
    Hier geht es im Moment in der Diskussion meiner Ansicht nach immer um Extreme.
    Ich war zum Beispiel so ein Zwischensoldat, körperliche Höchstleistung eher schlecht, aber immer noch gut genug Leute zu führen, und meine Leute kamen alle gesund heim.
    Werferfehler
    Ja, meine Leute und ich waren draußen, und zwar fast jeden Tag,
    WF

  4. @ autostaedterin | 26. März 2014 – 17:16

    Könnte man dann die Bundeswehr nicht auch für motivierte Quereinsteiger 40+ öffnen?

    Die Bundeswehr ist offen für „Quereinsteiger 40+“, nur nicht in allen Bereichen.

  5. @Sachlicher | 26. März 2014 – 17:30

    Wenn das bereits ist, dann ist doch die Diskussion an sich überflüssig, oder? Ich nehme mal an, dass die „älteren“ Quereinsteiger nicht die gleichen Kriterien erfüllen müssen wie ein junger Bewerber ohne berufliche Vorgeschichte?

  6. So schlecht ist die Idee doch gar nicht und das ja immer so hochgelobte USMC, zumindest was Sport angeht, macht das schon länger.
    Ich zitiere mal von der Homepage des USMC (Anm.: Hervorhebung durch mich):

    (…) Special Training Company has the responsibility of rehabilitating injured recruits ; they provide physical conditioning to recruits not meeting the minimum standard, and responsible for any recruits that are on medical hold pending treatment. (…)

    Zusätzlich von der engl. Wikipedia:

    (…) Before arriving at recruit training, all prospective recruits undergo a physical examination by a doctor at a Military Entrance Processing Station. Recruits receive their initial weigh-in during the forming phase. If the recruit is under or over the height and weight standards, the recruit is placed on double rations if underweight or in a „diet“ status if overweight. Recruits on double rations, or „double rat recruits“, are given twice the usual amount of food. Conversely, diet recruits are put on a strict diet composed of fewer calories and lower-fat foods such as baked fish and rice. (…)

    Zur Idee mit der leistungsbezogenen Besoldung:
    Sport mag ja aus Sicher der Kampf(unterstützungs)truppe geeignet sein, deren Sold zu erhöhen, im Vergleich zum Rest, aber warum nicht nach Note vom Laufbahnlehrgang? Dann sieht das meiner Erfahrung nach auf einnal ganz anders aus. Führungsunterstützer bekämen dann wohl mehr als Infanteristen.
    Kurz gesagt: Die Idee ist nur aus jeweils subjektiver Sicht brauchbar und widerspricht genau so dem Prinzip der Kameradschaft und dem Kampf der verbundenen Waffen wie dieses unsägliche „Drinnie“ und „Draussie“, das auch ignoriert, das die einen nicht ohne die anderen könnten, auch wenn es viele gerne so sehen (würden).

    Abschließend sei noch gesagt, dass ich nicht einmal Ex-SaZ kenne, die über den BFD ihr Informatikstudium durchgeführt haben bzw. dies noch tun, die wieder zurückkehren würden.
    Das liegt u.a. an der, verglichen mit der Privatwirtschaft, miesen Bezahlung, der geringeren Freiheit und den starren Hierarchien, die das in diesem Bereich notwendige kreative Arbeiten unmöglich machen.
    Bei Notfallmedizinern und Spezialkräften gibt es Verpflichtungsprämien und/oder Zulagen, ließe sich damit auch für den IT-Bereich umsetzen.

  7. @ autostaedterin | 26. März 2014 – 17:41

    Wenn das bereits ist, dann ist doch die Diskussion an sich überflüssig, oder?
    Nein.

    Ich nehme mal an, dass die “älteren” Quereinsteiger nicht die gleichen Kriterien erfüllen müssen wie ein junger Bewerber ohne berufliche Vorgeschichte?
    Wie in der Privatwirtschaft: eine pauschale Aussage ist nicht möglich, es kommt darauf an.

    @ Someone: So etwas ähnliches sollte (und hätte) das Zulagensystem regeln (können).

  8. Mal abseits vom Sport. Wenn ich für einzelne Bereiche Spezialpersonal suche dann muss ich das auch gezielt ausschreiben und entsprechend einstellen und ausbilden. Das macht man meiner Meinung nach zur Zeit nicht. Wir haben genug Studierte die überhaupt nichts von ihrem Studienwissen im täglichen Dienst nutzen. Was nützt mir ein Elektroingenieur als KpChef nur weil er eine „Verwendungsbreite“ haben muss. Wenn ich sein Wissen nutzen möchte, muss ich ihn entsprechend einsetzen und dann sollte er auf diesem Dienstposten bei entsprechender Leistung auch ggf. bis zum Laufbahnziel gefördert werden können.
    Wenn ich mich selber als Beispiel nehme. Ich wurde als KfzMechaniker eingestellt habe beim Bund meine Meisterausbildung gemacht und wurde danach nie mehr als KfzMechaniker eingesetzt. Was hat mir und der Bundeswehr diese Ausbildung jetzt gebracht ? Warum werden junge frisch ausgebildete Hubschrauber Piloten direkt am Ende ihrer Ausbildung „entpflichtet“ und danach irgendwo eingesetzt ohne auch nur eine Stunde zu fliegen ? Wer plant so etwas?

  9. @autostaedterin

    Jeder Bewerber muss den BFT erfüllen, genauso jeder SaZ in seinem ersten Dienstjahr das DSA bestehen muss (und möglichst jedes Jahr bestehen sollte). Bis zur Ebene GI :D
    Wobei das ja aufgrund der Altersabstufung kein Problem ist: http://www.blsv.de/fileadmin/user_upload/pdf/pdf_mittelfranken/DOSB_Poster_Zielerfuellung_2014_A3_Erwachsene_WEB.pdf
    Ich kenne auch einige OA Ende 20, es ist also möglich.

    ABER: Anstelle immer neue „Rekrutierungspools“ zu suchen weil man zu viele Leute aus den alten verprellt hat, ist eben nur die zweitbeste Lösung. Besser wäre mal, die Standards halten und Leistung zu fordern und damit zu werden.

    Was mir noch zur dezentralen Rekrutierung einfällt (bzw. Nachwuchswerbung):
    http://www.youtube.com/watch?v=f1C2MsuIWV0 Ja es ist von WDD. Aber über einen Verband. MMn das beste „Werbevideo“ der BW, es zeigt dass man auch Anspruch hat und Leistung bringt und dass man den Job macht weil man Soldat / Falli werden will. Nicht weil die Kaserne eine KiTa hat.

  10. @Hans
    Meines Wissens DSA ablegen nicht bestehen. Zum BFT, was kann denn noch einfacher sein als 5sek an einer Stange zu hängen, 11x10m in 60s zu laufen und 1000m in 06:30min.
    Das schaffe ich auch wenn ich ein Jahr lang keinen Sport mache und wer es nicht schafft sucht sich einen der es unterschreibt. Papierlage ist wichtig.

  11. Noch mal an Hans

    Schönes Fallschirmjäger Video. Wird nur leider nie im Deutschen Fernsehen gezeigt werden weil sich das niemand traut. Ich stelle mir schon den Aufschrei der Bevölkerung vor wenn das zwischen Carglass und Seitenbacher Werbung gesendet wird. Da doch lieber “ Nicht jeder bei uns trägt Uniform“ ( Das hat nichts mit geringer Wertschätzung des Zivilpersonals zu tun)

  12. Dicke sind doch meist irgendwie gemütlicher und lustiger. Das kann bei der Führung der eigenen Truppe genauso von Vorteil sein wie beim Verhandeln mit den Paschtunen.

  13. Die Bw steht zum ersten Mal seit Jahrzehnte vor mehr Soldaten , den keiner weiß wie wegen der Ukraine Morgen die BW Soldaten Braucht Natürlich nicht so groß wie im Kalten Krieg , högst wahrscheinlicher auch kleiner als BW in den 80er Hatte
    Aber mit JG Soldaten wird kaum gefunden den die Gesellschaft Fastfood und vor dem Computer Sitz wird nicht die Neue Infanterie Generation Geboren und wenn wir mehr Soldaten Brauchen sollte man weiter entwickeln von die Best Sportliche in Einheiten zu Integrierbar Möglichkeiten und dennoch anreize in Jg Einheit hinein kommen das kann erreicht werden das da bessere posten gibt als in den anderen Einheiten

  14. @Alarich: Sry, aber versuchen Sie bitte (!!!!!!!!) die Rechtschreibung so umsetzen, dass man Sie auch versteht. Dann ist mir Ihre Fitness für den Moment egal.

  15. Ich finde eines ist doch klar:

    Wie bekomme ich mehr motivierte, sportliche Soldaten, egal in welchem Bereich?

    Mit mehr Geld. Für mich stellt das die einzige wirkliche praktikable Lösung dar. Alles andere führt zu einem unübersichtlichen hin und her. Natürlich sollte dann auch wirklich ernst gemacht werden, d.h. wirkliche Leistungsüberprüfung mit empfindlichen (monetären) Strafen, wenn die Leistung nicht dem Niveau entspricht für das man bezahlt bzw. eingestellt wurde.

  16. @grimnir17: Sehe ich nicht so. Ein Bewusstsein für Fitness und eine gesunde Ernährung muss jeder aus sich selbst heraus entwickeln. Da kann kein Berater oder Chef daher kommen und das von außen aufzwängen. Vielmehr geht es darum zu verstehen, dass einem Belastungen leichter fallen, wenn man fit ist. Geld bringt da gar nichts. Außer man hübscht die Katinenküche damit auf.

  17. @Magnus:

    Ja ich gebe ihnen ja grundsätzlich recht und das entspricht auch meiner persönlichen Meinung und Einstellung, aber es ist doch nunmal so, dass viele es nicht so sehen. Was fehlt ist da die Erziehung, wenn die innere Motivation fehlt. Fitness als Grundbestandteil des soldatischen Berufes zu vermitteln sollte von Anfang an erfolgen und sich nahtlos in jedem Bereich durchziehen. Auch der IT-ler der vor seinem Rechner hockt braucht Ausgleich in Form von physischer Bewegung und diesem sollte man das auch beibringen, wenn er es nicht verstehen will.

  18. @grimnir17: Ja und ja und ja. Ich bin ganz bei Ihnen. Unser beider Ansatz wird aber schwer umzusetzen sein, weil einfach die Grundlagen und die Multiplikatoren zur Erweiterung fehlen. So würde es dann darauf hinauslaufen, dass wir beide uns über die Verbesserungen des Trainings unterhalten, bei der Umgebung jedoch auf Befremdung stoßen.

  19. http://www.das-parlament.de/2011/48/Beilage/004.html

    In dem Zusammenhang stellt sich mir eine Frage:

    Hat oder verliert die ‚BW den Kontakt zur Gesellschaft?
    Passt ihr Anforderungsmodell noch mit aktuellen Lebenswunschmodellen der Gesellschaft überein bzw ist sie für genügend unterschiedliche Gruppen noch attraktiv oder akzeptabel?

    Nebenbei sind ihre Qualifikationswünsche sinnvoll?

  20. 65000 Schueler ohne Abschluss

    ohne jetzt das Wort Kadettenanstalt in den Mund nehmen zu wollen…

    3 Jahre Lehre beim Bund dazu Quali oder mehr…wenn der Schueler Freiraum braucht…geht Onkel HFw mit 5000m laufen.

    Und das ganze unter qualifizierter Begleitung von Diplompaedagogen und Lehrern…

    frueher haben alle LKW Fuehrerschein gemacht heute dann eben den Quali.

  21. @Soenke Marahrens

    „…wie soll ich mit dem Ansatz einen Menschen trainieren der schon vor der BW kaum sport in seiner Freizeit gemacht hat? Nach dem “Anstrengenden”(hust) Dienst wärend der ersten Wochen des Lehrgangs macht dieser Soldat sicher auch keinen Sport mehr.“

    In der Stammeinheit sehe ich nicht dass der Dienstgrad(hier Fw) noch vom ZgFhr oder sogar KpChef an die Hand genommen wird und dieser ihn zum Sport antreibt, idR steht dann da „Sport in Neigungsgruppen“ oder ähnliches auf dem Dienstplan und ein Dienstgrad der die Neigung hat nicht gern Sport zu treiben wird dann dementsprechend auch dort weniger Sport machen als für ein effektives trainieren nötig ist. Traurig aber Realität, und der Anteil mag gering sein aber diese leute kommen damit durch und da liegt der Fehler im System.

    Ich war 2012 bei Ihnen auf Lehrgang, auch dort gab es Soldaten die es geschafft haben nur das minimum an Sport zu machen, denn auch dort gab es „Neigungsgruppen“. Das ist auch bitte nicht als Vorwurf zu verstehen, es ist heute einfach aufgrund der Erwachsenenbildung so. Aber dann muss ich wenigstens zu anfang bei den AGA-ähnlichen Lehrgängen etwas mehr abverlangen dürfen damit wenigstens irgendwann mal in der Dienstzeit der Soldat sportlich gefordert und gefördert wird, ob er will oder nicht.

    MkG A.Fischer

  22. „Aber wir müssen gucken, ob wir nicht zurzeit Ausschlusskriterien haben, die es einem qualifizierten Seiteneinsteiger vielleicht nicht ermöglichen, bei uns einen Karriereweg zu durchlaufen, weil er vielleicht die vorgegebene Zeit beim 5000-Meter-Lauf um ein, zwei Sekunden verfehlt. Da müssen wir schauen, ob es dort Kriterien gibt, die nicht mehr zeitgemäß oder nicht mehr angebracht sind, damit wir auch solche Leute zu uns bekommen können.“

    Q. e. d.

    Lückenfüllen.

    Kenner der Materie können sich ausmalen, was dann beim Vergleichsgruppenranking los sein wird, wenn der „qualifizierte Seiteneinsteiger“ dann besser beurteilt wird gegenüber den „Standardausgebildeten“, die noch auf die Allheilkraft eines bestandenen DSA bei der Beurteilung vertrauen.

  23. Tja… der Nachtrag legt nicht eben nahe, dass man da irgendwie ein Konzept hätte. Das klingt leider mal wieder nach Olympiamedallie im Rudern.

    Zum Thema Attraktivität und wie selbige zu steigern ist:

    Ich glaube man muss hier klar unterscheiden, um welches Personal es geht. Wenn man top motivierte Kampftruppe braucht, dann fischt man in völlig anderen Gewässern, als etwa bei der Suche nach Spezialisten aus technischen Berufen. Noch einmal anders sieht es bei den hochspezialisierten Berufen aus, wie Piloten, Ärzte etc.

    Bei Mannschaften für die Kampftruppe sind Konzepte wie Qualifizierung, Schulbildung etc. sicher eine gute Idee, auch wenn so etwas auch gesellschaftlich begleitet werden muss. Schneidige Rekrutierung ala US Truppen wird zurzeit nur politisches Gefecht und wenig Ergebnis bringen. Dennoch wäre der Ansatz die Bundeswehr als soziale Aufstiegsoption zu etablieren unumgänglich… da muss man nur mal andere Berufsarmeen anschauen.

    Für qualifiziertere Bewerber zählen aber wieder andere Dinge. Da wäre eine bessere Durchlässigkeit dringend nötig. Wenn jemand tatsächlich die Bundeswehr langfristig als sein Ding betrachtet, dann sollte man Wege aufzeigen, die motivieren. Eine Karriere vom Schützen, über Stabsgefreiten, Unteroffizier, Oberfeldwebel, bis zur Gruppe der Hauptleute ist für eine Armee im Einsatz nicht nur irgendwie logisch, sondern vor allem ein Motivationsschub. Sicher geht das irgendwie vielleicht auch heute schon, aber das kann man sicher auch deutlich besser… Und damit mein ich nicht ein automatisches Durchwinken, sondern einfach immer eine Tür, die sich bei entsprechender Leistung im Einsatz oder Friedensdienst dann tatsächlich auch öffnet. Da ist viel Umdenken erforderlich. Aber gerade wenn man sich erfahrene Fachdiener ansieht, die mal als Schrauber oder LKW Fahrer angefangen haben, versteht man vielleicht was ich meine.

    Und bei den Hochqualifizierten oder gar Experten, da sollte man wirklich mal überlegen eine Karriereleiter zu entwickeln, die diese Berufsgruppen auch langfristig attraktiv macht und nicht nur als Sprungbrett zu verstehen ist, mit dem man die Fachlaufbahnen verlässt. Das wäre z.B. auch im Bereich der Rüstung ein Schritt nach vorn. Die Idee SaZ12 in die Beamtenlaufbahn zu bringen war schon der richtige Ansatz. Aber das kann auch ohne Ablegen der Uniform gehen, dass man Wissen nutzt und nicht verschwendet.

    Generell ist aber das alles nur möglich, wenn die Idee einer cleveren Personalführung auch mal umgesetzt wird. Die Mittel wären eigentlich schon da. Der Bereich Personal im Ministerium mag etwas unbeweglich sein und die Gesichter im neuen Personalamt vielleicht die gleichen sein… Die Strukturen wären aber da. Z.B. mit einem Ausbildungszentrum in Mannheim.

    dM hatte das seinerzeit auch betont, wie wichtig es ist, das Personal zu entwickeln und nicht nur davon auszugehen, dass die Leute schon kommen. Ich hoffe das hat UvdL mit auf dem Übergabezettel gehabt. So richtig klingt das bislang nur nicht danach.

  24. Hm, zählt Madame von der Leyens Aussage nicht schon fast als eine Art Wehrkraftzersetzung der offiziellen Art? Natürlich gibt es wahnwitzige Fitness-Lockerungen und Ausnahmen schon seit längerer Zeit in der Bundeswehr, aber jetzt können sich Moppel und Co. sogar schon auf Frau IBuK persönlich beziehen, wenn nicht das Vaterland, sondern der eigene Speck verteidigt werden muss.

    Theoretisch gesehen bedeutet dies auch, dass eine Armee fitter, beweglicher und gesünder ist, je weniger modern und technisiert sie aufgestellt ist – zumindest aus dieser neuzeitlichen deutschen Sicht. Man sollte also problemlos eine steigende Verfettung der Truppe seit dem Ersten Weltkrieg beobachten können.

    In diesem Sinne würde ich mir von Herzen einen Neuanfang mit Ausgangslage Dritte-Welt-Niveau sehnlichst herbeiwünschen. „Weniger ist mehr“ bekommt da eine völlig neue Bedeutung, hihi.

  25. @ drd | 26. März 2014 – 22:22

    D’accord.
    Als ich an der OPZ war, waren wir zu Ende fast ausschließlich Soldaten, die bestanden hatten und das lag nicht einmal am Sporttest. Aber die Angebote an OFw und HptFw war lachhaft. Wenn da dann drei verschiedene Truppengattungen stehen, jeder gerne in seiner bleiben möchte und sich dann ergibt, dass die Einplanungen zwar genau diese drei Truppengattungen betrafen, aber für jeweils einen anderen Soldaten, dann ist das lachhaft.
    Die Flexibilität der OPZ/PersABw bewirkte dann, dass nun alle drei im BFD sind.
    Motivation at it’s best!

  26. @A.Fischer

    seit dem wir DSA und BFT per Dienstplan machen, steht regelmaessig in den Lehrgangskritiken man sei Dienstgrad oder alt genug um Sport alleine machen zu koennen

    ;-),

  27. @Soenke Marahrens

    Ein mir wohlbekanntes Phänomen…… Die Welt hat sich weiter gedreht, auch wenn manch Mitdiskutant offensichtlich wesentlich auf der Ebene der Jägerkompanie im Feld- / Wald. und Wiesenbattalion des deutschen Heeres verwurzelt scheint. Um die geht es aber nicht.

    Wie ich eingangs schon sagte: Brilliante Nebelkerze, das ganze!

  28. Ist das nicht schon beinahe Fatalismus, Defaitismus, „Wehrkraftzersetzung“?^^ Geschimpft wurde bei der Bw schon immer, wohl wie bei jeder Armee; woanders ist das Gras eben auch nicht grüner, nur die Wiesen (Etats) sind vielleicht größer.

    Was gemacht werden muß: eine SWOT-Analyse (strengths, weaknesses, opportunities, threats) und dann ein sog. benchmark – mit anderen Armeen, aber auch anderen (zivilen) Organisationen (wie machen die das? machen die das besser?).

    Davon ab muß die Politik auch klar sagen, was sie denn für Aufgaben / Aufträge für die Bw hat und die Bw muß ehrlich melden, welche Mittel dafür notwendig sind. Und dann wird geschaut, auf was man ggf. verzichten muß oder nur noch als Nukleus (Aufwuchsfähigkeit) behalten kann.

    Gemeinplätze, ich weiß.

  29. Nachtrag: wenn Berichte (bewußt) nicht die tatsächliche Lage wiedergeben, vielleicht sogar stark geschönt sind und Tatsachen unter den Tisch fallen gelassen (verschleiert, verschwiegen) werden, handelt es sich dann nicht um unwahre dienstliche Meldungen?

  30. @Z25: Nennen Sie doch bitte eine einzige der großen Pleiten, Pech und Pannen seit Bestehen der Bw, die nicht teils oder auch komplett auf Führungs-, Organisations- und Informations-Versagen beruhen? Von Einzelereignissen wie Katastrophen und Unfällen, oder auch Extremen im WDO-, WStG- und StGB-Bereich einmal abgesehen. Und auch hier dürften in vielen Fällen vorgenannte Versagen zumindest mittelbar eine Rolle gespielt haben.

    Damit liegt also kein „Totschlag-Argument“ für die Diskussion vor, sondern vielmehr die dann meist peinliche Frage nach „Ursache und Wirkung“ und damit wiederum deren Diskussion? Und um das zu wissen und zu verstehen, muß man nicht auf irgendeiner Wolke im BMVg oder in einem von dessen Ämtern sitzen. Denn dort muß man sich nicht mit dem eigenen Führungsversagen herumärgern, sondern dieses trifft die Ebene der Truppen- und Waffenschulen bis runter zur Jägerkompanie im Feld- / Wald- und Wiesen-Bataillon. Wie war das noch mit dem „Fisch und dem Stinken“?

    Ihr „abgehobenes“ Urteil über so manchen Mitdiskutanten aus der angeblich subalternen Ebene hat m.M.n. einen ziemlichen ’haut goût’, speziell wenn Sie denn einer Führungsebene angehören.

    Versetzen Sie sich doch bitte mal in so manchen Gedanken der angetretenen Mädels und Jungs im Hintergrund des folgenden Bildes; da geht wohl das absolut zu respektierende Argument „fachliche und militärische Führungsqualifikationen“ stehen vor „Fehlfarbe, Seiteneinsteiger, Alter und BMI“, vielleicht doch eher unter (vgl. http://www.sanitaetsdienst-bundeswehr.de/resource/resource/MzEzNTM4MmUzMzMyMmUzMTM1MzMyZTM2MzIzMDMwMzAzMDMwMzAzMDY4Njk2ZTM2NzU2MTY1MzcyMDIwMjAyMDIw/image_popup.jpg)?

  31. Was wollen Sie uns jetzt mit diesem Bild sagen? Die Sanis sind alle ab einem gewissen Alter nicht ganz dünn?

  32. @Z25: Da mögen Sie die Realität treffen, aber Sie wurden zum Thema Führungsversagen u.a. sowie ob Ihres „abgehobenen“ Urteils aus Ihrer offenbaren Führungsebene gefragt.

    P.S.: Wieviel Fingerspitzengefühl der PrInfostab des BMVg bei seiner Bildauswahl zum SanDstBw hat, steht auf einem gänzlich anderen Blatt.

  33. Mich würde sehr interessieren ob sich diese aussage nicht nur auf die körperlichen Vorrausetztungen nach dem Eintritt in die Bundeswehr bezieht.

    Ich musste leider die Bundeswehr vor kurzer Zeit verlassen aufgrund einer chronischen neuerkrankung. Aufgrund dessen wurde ich T5 eingestuft und aus dem Dienst entlassen.
    Doch bin ich körperlich noch voll einsatzfähig und belastbar muss mich an sich nur jährlich einer Untersuchung unterziehen.
    Mich hat es sehr mitgenommen das ich nun nicht mehr, in rahmen der Bundeswehr, meinem Land dienen kann obwohl mich diese Krankheit nur minimal einschränkt.
    Ich denke es gibt viele Menschen mit einer ähnlichen Geschichte die gerne über die Bundeswehr dienen wollen und Fachkompetenzen mitbringen. Deswegen frage ich mich warum man diese Menschen ausschließt die bereit sind ihren Dienst zu Leisten. Auch hier sollte nicht einfach Grundsätzlich solche abweisen sondern diese Fälle prüfen und nach einzelfall entscheiden.

    Natürlich ist mir klar das man diese nicht als Kampfschwimmer einsetzten kann aber für inländische Organisationsbereiche der Bundeswehr währen sie genau so gut geeignet wie jeder andere auch.

  34. @Amtmann
    Was soll ich denn auf Ihr zusammengedrexeltes Weltbild noch antworten? Ich verstehe ja nicht einmal, was Sie mir denn nun eigentlich vorwerfen wollen………

  35. Guten Abend zusammen!

    Sehen wir der Realität ins Auge. In Zeiten von FWdL und Personalknappheit scheint mir der Vorschlag unserer Ministerin richtig zu sein. Die Armee benötigt einfach mehr Personal, diese Situation wird sich nicht verbessern sondern in den nächsten Jahren drastisch verschlimmern.
    Leider versteht Frau von der Leyen nicht dass nicht aus jedem Bewerber ein Soldat, geschweige denn ein Führer, gemacht werden kann. Und darunter verstehe ich nicht den Vorzeige-Infanteristen.

    Es wird in dieser Ebene einfach nicht verstanden dass für eine schlagkräftige Armee, es nicht ausreicht Werbespots mit gestellten Bildern auf MTV auszustrahlen.
    Wenn diese Armee auch in Zukunft einsatzfähig bleiben will benötigt sie überdurchschnittlich gutes Personal in ALLEN Ebenen.
    Es darf sich nicht mit dem Rest der keinen Platz gefunden hat begnügt werden.

    Die Abschaffung der Wehrpflicht begünstigt diese Tendenz nur noch. Früher war es eine Pflicht sich eine gewisse Zeit ein Bild von der Armee zu verschaffen. Für viele eine negative, für ein paar andere jedoch der Start einer Zukunft. Heute soll dieser Kontakt von jungen Menschen über Youtube und den Blauen Karriere Truck hergestellt werden. Resultat davon vehement hohe Abbrecherquoten unter Jungen Soldaten.
    Im Vergleich dazu die Wehrpflicht. Neutrale Bewerber ohne Interesse kamen zur Armee, befanden das für sich als interessant und blieben. Diese Kompetenz wird heute verschenkt da diese Menschen direkt ins zivile Berufsleben einsteigen.

    Es wird einfach mal wieder versucht mit Tropfen Waldbrände zu löschen. Das grosse Problem rückt damit nur weiter in den Hintergrund.

    Mir ist klar dass ich mich nicht auf die Einstellung von Übergewichtigen bezogen habe, jedoch ordne ich diese Meldung in meinen Post ein, da es keine Rolle spielt aufgrund welcher Einschränkung der Bewerber nicht tauglich ist.
    Fakt sollte jedoch sein dass sich jeder Bewerber klar sein muss was eine Verpflichtung heutzutage mitbringt. Die Bundeswehr propagiert sich als Einsatzarmee.

    In diesem Zusammenhang sollte sich die Einstellungspraxis von nicht voll psychisch und physisch belastbarem Personal erübrigt haben.

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