Zahlen, Zahlen, Zahlen: Elf Milliarden Euro fürs Afghanistan-Engagement

Dingo_MatSchleuse_MeS_20131222

Das bevorstehende Jahr 2014 wird das Jahr, in dem für die deutsche Öffentlichkeit der Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr endet (auch wenn nach wie vor die mögliche ISAF-Nachfolgemission Resolute Support mit bis zu 800 Soldaten auf dem Programm steht) – und so wird es auch das Jahr der Debatten über Kosten und Sinn des Engagements am Hindukusch werden. Kurz vor dem Jahreswechsel kommen heute zwei Zahlenpakete, die nicht so überraschend sind, aber Einfluss auf diese Diskussionen haben werden: Die Gesamtkosten des deutschen Engagements in Afghanistan belaufen sich bislang auf gut elf Milliarden Euro. Und die Zahl der Disziplinarverfahren wegen Alkoholmissbrauchs im deutschen Feldlager in Masar-i-Scharif haben sich innerhalb eines Jahres verdoppelt. Da empfiehlt sich doch ein genauerer Blick.

Die Gesamtkosten von elf Milliarden Euro für das deutsche Engagement am Hindukusch, unter das die Rheinische Post (Link aus bekannten Gründen nicht) heute unter Berufung auf die Zahlen mehrerer Ministerien berichtet, sind nicht nur die Kosten für den Bundeswehreinsatz. Die betrugen gut acht Milliarden Euro seit Anfang 2002 – und waren vom Verteidigungsministerium im August dieses Jahres schon mal aufgelistet worden (mit dem damaligen Stand, zum Jahresende etwas höher). Die übrigen rund drei Milliarden Euro kamen vom Auswärtigen Amt (gut eine Milliarde) und vom Entwicklungsministerium (etwa zwei Milliarden Euro).

Das muss man so betonen, weil vermutlich in der politischen Diskussion sehr schnell damit argumentiert werden wird, dass der Bundeswehreinsatz in Afghanistan elf Milliarden Euro gekostet hätte – und das ist nach den Zahlen schlicht falsch. Andererseits, auch das wird gerne vergessen, sind in diesen Zahlen immer nur die einsatzbedingten Zusatzkosten enthalten. Von einer Vollkostenrechnung ist das weit entfernt, denn die Eh-da-Kosten (so was wie der Sold der Soldaten muss auch ohne Einsatz gezahlt werden und ist damit eh da) sind darin natürlich nicht enthalten. Jenseits dieser Berechnungsmodalitäten bleibt natürlich interessant, dass die höchsten Zusatzkosten für den militärischen Einsatz in Afghanistan in den Jahren 2011 und 2012 anfielen – vor allem wegen der Ausgaben für Infrastruktur zu einer Zeit, als der Zeitplan für das Ende der ISAF-Mission bereits absehbar war.

Die Ausgaben des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung für Afghanistan seit 2002 würden mich auch im Detail interessieren; leider habe ich auf der BMZ-Webseite dazu keine Gesamtübersicht finden können. Aber vielleicht wird das ja noch geliefert – und ich vermute, dass da auch Ausgaben außerhalb der von Deutschland kommandierten ISAF-Region Nord zu finden sind, zum Beispiel die unter der SPD-Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul geplanten Projekte in Uruzgan.

Und noch zur anderen Zahl, die auch in den Debatten eine Rolle spielen wird: Die Disziplinarmaßnahmen wegen Verstoßes gegen die befohlenen Regelungen zum Konsum
alkoholischer Getränke bei der Bundeswehr in Afghanistan. Dazu gab’s eine (noch nicht vom Bundestag veröffentlichte) Antwort auf eine Kleine Anfrage der Linkspartei, über die heute die taz berichtet (Link aus bekannten Gründen nicht); das Verteidigungsministerium hat dazu den Wortlaut der Anfrage und der Antworten veröffentlicht, aus dem diese Tabelle stammt:

Alk-missbrauch_AFG_28dec2013

Ja, das ist eine Verdoppelung in MeS. Insgesamt für Afghanistan war der Anstieg von 27 auf 33 39 – was schon weniger knallig klingt. Und gemessen an der Gesamtzahl von gut 4.000 Soldaten… nun ja, das muss jeder selber bewerten.

(Foto: Dingos zum Abtransport in der Materialschleuse im Camp Marmal, Dezember 2013)

78 Gedanken zu „Zahlen, Zahlen, Zahlen: Elf Milliarden Euro fürs Afghanistan-Engagement

  1. @cosmo | 29. Dezember 2013 – 10:54

    Der Frauenanteil in der BW soll also auch wegen eines „ausgleichenden“ Effektes im Einsatz erhöht werden? Oder denke ich da zu ketzerisch?

  2. @Elahan:
    Laut Washington Post verzichtete COMISAF darauf eine eigene Stellungnahme zu dieser NIE abzugeben.
    Regierungsvertreter in Washington glauben zudem die Nachrichtendienste wurden die Leistungsfähigkeit der ANSF unterschätzen.
    Der „surge“ hatte unterm Strich nicht den erwünschten Erfolg.
    Nun bleibt halt nur noch: Pfeifen im Wald.

    Man will sich in Kabul und Washington – aber auch in MeS und Berlin – gar nicht mehr mit der Realität beschäftigen.

    History reloaded:
    http://www.foia.cia.gov/collection/vietnam-collection

  3. @ Cosmo:
    Kleiner Änderungsvorschlag meinerseits:
    „Gib keinen Befehl, den du nicht durchsetzen kannst.“
    Ein Grundsatz, der mich in den letzten 3 Jahrzehnten einige Male vor gösseren Problemen bewahrt hat. Der Verstoss gegen diesen Grundsatz öffnet Ungehorsam, Disziplinlosigkeit und Verlust von Vertrauen in Führung Tür und Tor.

  4. O.T.
    Zum Stichwort Zahlen, Zahlen, Zahlen
    Heute Bericht in Spiegel online: Beschwerde-Rekord: Bundeswehrreform frustriert Soldaten. 5061 Eingaben und Prozentzahlen. Warum in die Ferne schweifen, liegen doch die eigenen Probleme so nah.

  5. @Simulant:
    Und was sagt uns die Erteilung und unterschiedliche Um- und Durchsetzung des „2-Dosen-Befehls“ dann über die Führungskultur in der Bundeswehr?

  6. Zum Alkohol: Wie regeln zB die Franzosen das im Einsatz?
    Anlässlich des Abzugs des 110 RI aus Donaueschingen war auch über die kulturellen Unterschiede als Gründe zu lesen: FRA Offiziere trinken in der Offzmesse Wein zum Mittag, DEU Offze sitzen in der Truppenküche und trinken Wasser / nichtalkoholische Getränke. (Link aus bekannten Gründen nicht)

    Zu den Kosten: Dem vielen was bereits richtigerweise gesagt wurde möchte ich aber entgegenhalten, dass die BW, auch wenn dies natürlich nicht Ziel des Einsatzes war, ihre Erfahrungen hat machen müssen und sich zB die Fahrzeuge in den letzten 12 Jahren bedeutend weiterentwickelt haben. Wären wir auch ohne ISAF dahin gekommen? Der Einsatzbereitschaft zumindest bis zur KpEbene tat dies sicher gut.
    Bitte nicht falsch verstehen, ich meine nicht dass es notwendig ist Kriege zu führen aber 60 Jahre ohne Kampferfahrung wirken sich dennoch immer auf die Fähigkeiten aus. Leider nicht immer positiv…

  7. Will jetzt nicht OT wandern. Aber es geht ja auch ein bisserl um die Durchsetzung von Befehlen und dem damit verbundenen Vertrauen in der Führung.

    Am Beispiel der Sonnenbrillen- und Elektrorollerdiskussion, die wir hier kürzlich geführt haben:
    Mittlerweile ist die Lage so, dass Deutsche (Uniformiert und Zivil) keinen Elektroroller fahren dürfen. Die Amerikaner fahren trotzdem mit rum. Also scheint es da auch offensichtlich double standards – der Killer jeder Glaubwürdigkeit – zu geben.
    Weiß jemand mehr?

    Dann noch eine Frage ins Forum: Gibt es wirklich sowas wie therapeutischen Alkohol, der auch im Einsatz den Betroffenen verschrieben werden kann? Ich meine jetzt nicht Hustensaft.

  8. @all

    Die Beschwerden, die beim Wehrbeauftragten landen, und was er als nötige Konsequenz daraus sieht, ist hier in der Tat ein wenig OT. Sollte wohl einen neuen Thread dazu aufmachen…

  9. @CRM-Moderator

    „… Also Schluss mit der Scheinheiligkeit. Wahrnehmung der Realitäten. Wenn Regeln, dann solche, die auch durchsetzbar sind und versuchen sich ab und an der Lebensrealität zu orientieren. Soldaten sind Menschen wie du und ich!“

    Endlich etwas Realistisches in dieser Diskussion! Danke dafür!

    Die Kameraden die hier die 2-Dosen-Regelung als zu hoch anprangern, hätten mal in den Einsätze auf dem Balkan dabei gewesen sein müssen! Was da so „verputzt“ wurde war wirklich unglaublich! Insofern sind wir bei dem Thema schon sehr weit vorwärts gekommen.
    Man merkt bei den ganzen Diskussionen hier sehr deutlich, dass ein echtes Mentalitätsproblem herrscht.
    Auf dem Gebiet auf dem ich tätig bin (Fliegerei), herrscht de facto sowieso ein Alkoholverbot wenn man ehrlich ist. Allerdings wird von uns so viel Eigenverantwortung und Entscheidungen gefordert, dass wir im Einsatz nicht immer auf einen Befehl warten (Auftragstaktik) oder sogar gezwungen sind einen nicht auszuführen, im Extremfall sogar einen des Präsidenten, wenn wir der Meinung sind, dass dieser zu gefährlich ist. Da ist es dann schwierig demjenigen auf der anderen Seite den Umgang mit seiner „Freizeit“, wenn man denn im Einsatz davon überhaupt sprechen kann, zu reglementieren. Um die Frage gleich zu beantworten, ich mag kein Bier;-)!
    Anders sind die Verbände wo, ähnlich den US-Streitkräften, ein Befehl nicht diskutiert oder in Frage gestellt, sondern ausgeführt wird (Befehlstaktik). Da ist alles einfach zu „regeln“. Die beiden Lager, wer auch immer sich wozu zählt, wird man nie unter einen Hut bekommen.
    Zurück zu den eigentlichen (großen?) Zahlen. Ich finde die Zahl 11 Milliarden gar nicht so extrem, wenn man überlegt, dass die 4-wöchige Hochwasserkatastrophe im Sommer, „mal eben“ Schäden in Höhe von 8 Milliarden, verursacht hat, die sicher nicht eingeplant waren. Oder man denke mal an den europäischen „Rettungsschirm“!
    Es ist halt immer eine Frage der Betrachtung. Wie sagt man bei uns immer: „…wenn man überlegt was ein Flugzeugträger kostet…!“
    Ich denke, die Diskussion die als nächste geführt werden wird, ich meine die Meldung des Wehrbeauftragten von heute, wird sicher noch interessanter.
    Es würde mich auch interessieren ob unsere neue „Chefin“ hier auch Informationen sammelt. Beteiligen wird sie sich anonym sicher nicht…, oder doch…?

  10. @MD.
    Die Soldaten im Kongo waren gewiss über den Nutzen von Kondomen und die Risiken im Umgang mit der weiblichen Zivilbevölkerung aufgeklärt, aber offenbar griff diese Aufklärung alkoholbedingt nicht mehr.

    Was Sexualdelikte in Armeen angeht, so scheint Alkoholkonsum in der großen Mehrzahl der Fälle sowohl bei Tätern als auch bei Opfern eine enthemmende Rolle gespielt zu haben. Dies gilt dem Vernehmen nach auch für die Bundeswehr, auch wenn ich hier keine genauen Zahlen kenne. Es scheint zudem Fälle zu geben, in denen z.B. weibliche Opfer sich alkoholbedingt Risiken aussetzten denen sie sich sonst nicht ausgesetzt hätten. In anderen Fällen hätten sich die Opfer für ihr freiwilliges sexuelles Verhalten unter Alkoholeinfluss geschämt und anschließend eine Vergewaltigung unterstellt, ohne das eine solche real vorgelegen habe.

    Was die Prostituierten bei den Franzosen angeht: Zumindest in den Einsätzen, bei denen ich dabei war, scheint es diese bei den Franzosen nicht gegeben zu haben. Es gab zwar Gerüchte über die tatsächliche Funktion bestimmter Sprachmittlerinnen, aber die schienen der überreizten Fantasie mancher Soldaten entsprungen zu sein.

  11. @Akim
    „Allerdings wird von uns so viel Eigenverantwortung und Entscheidungen gefordert, dass wir im Einsatz nicht immer auf einen Befehl warten (Auftragstaktik)“

    Was Sie beschreiben ist NICHT Auftragstaktik, sondern Verwantwortungsfreude.

    Mag für einen Lw-Mann schwierig sein und an seiner Ehre kratzen, aber lesen Sie mal die 100/100 (TF), dann lernen Sie den Unterschied.

    „oder sogar gezwungen sind einen nicht auszuführen, im Extremfall sogar einen des Präsidenten, wenn wir der Meinung sind, dass dieser zu gefährlich ist.“

    Das diese zu gefährlich ist??!?! Ich glaube ich lebe hier im falschen Film! Ein deutscher hat die Pflicht einen Befehl nicht umzusetzen, wenn er eine Straftat ist und das Recht ihn nicht umzusetzen, wenn er gegen seine Würde verstößt oder keinen dienstlichen Zwecke hat.

    „Gefährlichkeit“ ist keine Kategorie! Im Friedensdienst vielleicht für Piloten ein bißchen (wegen der strafrechtlichen Verantwortung als Lfz-Fhr), aber im Einsatz endet dieser Quatsch und dann sind Lfz-Fhr genauso und eineingeschränkt an Befehl und Gehorsam gebunden wie PzKdt, KpChefs und andere auch.

    …Gefährlichkeit…..

    Pfff, da wundere ich mich nicht, wenn im Einsatz manche glauben Befehle seien nur Empfehlungen und würden nur dann gelten wenn sie einem Spaß machen (z.B. Hosengummis, Brillen und Alkohol!).

  12. Zu den Zahlen:
    Für die Zeit von 2002-2009 gab es mal eine grobe Aufschlüsselung der Einsatzbedingten Zustzausgaben: Antwort der Bundesregierung – Kosten der militärischen Intervention in Afghanistan

    @ Akim
    Schöner Einwurf.

    Bei der Einschätzung der Zahlen sollte man vielleich zwei Blickwinkel einnehmen:
    1) Welche Größenordnung ist das insgesamt, kann Deutschland das leisten?
    2) Was kriegt man dafür, ist es das wert?

    1) Und da sind 11 Mrd. €halt schon ein Batzen. Und die sind ja auch nicht gleichmäßig verteilt, sondern die BW-Ausgaben etwa lagen anfangs um 0,3-0,4 Mrd. € im Jahr, und sind gegen Ende dann deutlich angestiegen.
    Nur mal zum Vergleich:
    – Die Bundespolizei hat einen jährlichen Haushalt von 2,5 Mrd. €,
    – die Afghanische Regierung einen eigenen jährlichen Haushalt von 1,8 Mrd. €.

    Dazu kommt, dass es sich eben um reine Ausgaben, und nicht wirklich um Investitionen handelt. Volkswirtschaftlich-rechnerisch ist der „Schaden“ eben vergleichsweise groß, weil eben kaum etwas „zurückkommt“ (DIW: Kosten jährlich 3 Mrd. €)

    Das kann Deutschland leisten, aber es ist eben auch kein Peanuts.

    2) Die Frage nach der Wirkung ist doch das, was wirklich wehtut.
    Die Kosten zum Unterhalt von 1000 afghanischen Soldaten liegen unter 0,02 Mrd. € im Jahr. Ein afghanischer Monatslohn liegt irgendwo um 150-250 € im Monat. Die meisten Existenzbedrohenden finanziellen Probleme im ländlichen Afghanistan sind aus der Sicht einer Industrienation Peanuts (vor allem Ernteausfälle und medizinische Grundversorgung).

    Da ist mit weniger Geld und mehr Bevölkerungnähe mehr möglich.

    Und da Deutschland insgesamt nicht gerade beispielhaft. Auch gerade im Bereich Sicherheit. (Und Deutsche Entwicklungshilfe unter Niebel wäre wohl ein eigenes Kapitel wert.)

  13. @Koffer
    Mir ist schon klar, dass es Befehle gibt die jeder Soldat nicht ausführen darf. Die waren auch nicht gemeint! „Landen Sie mal dort“ wäre so einer…, gemäß §3 VVO.
    Aber dann stehen Sie wohl eher hinter der zweiten Art von Gruppe… Kein Problem, ist ja auch zwingend notwendig und bestätigt nur meine Meinung.

  14. Manche Kommentare zum Alkoholmißbrauch hier sind echt weltfremd oder einfach nur unehrlich. In meinem Umfeld ist es völlig normal, dass Unteroffiziere und Offiziere einschl. Kdr im Rahmen eines Beercall oder wie auch immer genannt ihr Dienstabschlußbier trinken. Der gemeinsame Sherry vor Mahlzeiten (auch ausserhalb von Veranstaltungen) gehört auch dazu.
    Ich wurde zu einer Zeit Soldat als im MschftHeim ein Aushang über der Theke angebracht war:
    EIN ! Bier in der Mittagspause ist erlaubt. (Zusatz: Ich diene in Bayern!)
    Im Übrigen sei erwähnt, dass es ohne Probleme möglich ist – wenn man die Sanis gut genug kennt – einen Drink zu mixen….
    Alles andere ist pure schönfärberei. Wo ein Wille ist, ist auch ein Gebüsch!

  15. @Akim
    Ich stehe nicht „in der zweiten Gruppe“, sondern auf der Basis der Gesetze und Befehle der Bundesrepublik Deutschland und da gibt es keine zwei Meinungen zu. Nur gute und schlechte Soldaten…

    Und neben bei Auftragstaktik und Verantwortungsfreude bedeuten nicht, dass man das machen kann was seiner eigenen Meinung nach das richtige ist, sondern das man mit seinen eigenen Mitteln das Erfüllen muß, was die Meinung (der Auftrag) des Vorgesetzten ist.

    Also nicht mehr Freiheit, sondern im Ergebnis sogar weniger Freiheit als nach „Befehlstaktik“!

  16. @Luftwebel
    “ In meinem Umfeld ist es völlig normal, dass Unteroffiziere und Offiziere einschl. Kdr im Rahmen eines Beercall oder wie auch immer genannt ihr Dienstabschlußbier trinken. “

    Das klingt fast so, als gäbe es in Teilen der Bundeswehr befohlenen Alkoholkonsum oder zumindest einen informellen Zwang dazu.

    Und auch wenn solches Verhalten stellenweise akzeptiert werden sollte, so ist es keinesfalls „normal“, sondern sehr bedenklich, gerade weil der Alkoholkonsum als „normal“ und der nüchterne Soldat im Umkehrschluss als anormal gilt.

  17. @Ayar Shawkla | 29. Dezember 2013 – 17:09
    „Das klingt fast so, als gäbe es in Teilen der Bundeswehr befohlenen Alkoholkonsum oder zumindest einen informellen Zwang dazu.“

    Ach, das ist ja überraschend! Natürlich gibt es in männerdominierten Organisationen einen informellen Druck zum gemeinsamen Alkoholkonsum.

    Und das Armee per se männerdominierte Organisationen ersten Ranges sind, wird natürlich auch bei uns „ritualisiert“ Alkohol konsumiert (nach meiner Bewertung allerdings weniger und freiwilliger als früher).

    Aber das ist ja keine neue Erkenntnis, sondern ist glaube ich schon seit Zeiten der Bürgersoldaten der attischen Poleis bekannt.

    Also nichts neues…

  18. @ Koffer
    Natürlich gibt es in männerdominierten Organisationen einen informellen Druck zum gemeinsamen Alkoholkonsum.

    Nö.
    Tatsächlich hab ich mir sogar mal ne Predigt eingefangen, als ich während dem Ferienjob bei ’nem Autozulieferer ein paar Sixpacks alkoholfreies(!) Bier für nach Feierabend mitbrachte. Bier in der Mittagspause wäre da undenkbar gewesen.

    Burschenschaften und Bundeswehr sind eben nicht das Maß aller Dinge.

    Und imho ist das letztlich auch keine Frage von Befehlsarten, sondern von Standards.

  19. @J.R.
    ‚Tschuldigung, aber das entspricht nicht den empirisch erhobenen Belegen über Streitkräfte, Polizei, Feuerwehr etc.

    Die einzige Männerdomäne, die meines Wissens nach nachweislich ohne einen informellen Druck zum gemeinsamen Alkoholkonsum auskommt sind meines Wissens nach die katholischen Männerorden.

    Und nebenbei: Sie meinten „Verbindungen“ nicht „Burschenschaften“, denn A (Burschenschaft) ist nur teilidentisch mit B (Studentenverbindung)!

  20. @ Memoria
    Und was sagt uns die Erteilung und unterschiedliche Um- und Durchsetzung des “2-Dosen-Befehls” dann über die Führungskultur in der Bundeswehr?

    Es zeigt zunächst die Zerissenheit und Unsicherheit in Bezug auf das Festlegen (befehlen) von Regeln im Einsatzland. Es ist halt schwierig, wenn man auf der einen Seite den „Bedingungen des selbstbestimmten und erwachsenen Menschen in Uniform“ Rechnung tragen will und sich andererseits vor den (erwarteten) Folgen eines Totalverbotes fürchtet. Im Ergebnis haben wir dann halt einen Befehl, der im Falle eines Falles alle Türen geöffnet lässt, die soziale Ruhe nicht ernsthaft stört und für alle Vorgesetzten ein Albtraum in Sachen Durchsetzbarkeit darstellt – was aber niemanden stört, so lange nichts ernsthaftes passiert.
    Ich bin mir sicher, diese Praxis ist nicht einmalig und lässt entsprechende Rückschlüsse auf die gesamte Bw, ihren Zustand und auch auf den ihrer inneren Führungskultur zu.

  21. Also das mit dem informellen Druck zum Alkoholkonsum seh ich anders. Das war vielleicht vor 20 Jahren so. Wie überall in der Gesellschaft wird erheblich weniger „dienstlich“ getrunken.
    Dienstschluss und Tschüss. OHG / UHG / Mannheim – was ist das? Gibts das überhaupt noch? Wie heissen denn die zusammengelegten Konstrukte?

    Hab mal die Suchmaschine angeschmissen….und siehe da ein sehr aufschlussreiches Dokument in diesem Zusammenhang. Einfach mal lesen….
    http://ohg-boelcke.org/download/Protokoll_Mitgliederversammlung_der_OHG_Boelcke_12042013.pdf

  22. @CRM-Moderator
    „Also das mit dem informellen Druck zum Alkoholkonsum seh ich anders. Das war vielleicht vor 20 Jahren so. Wie überall in der Gesellschaft wird erheblich weniger “dienstlich” getrunken.“

    Sicherlich hat sich gesellschaftliche Situation in den letzten 20 Jahren verändert.

    Die Möglichkeiten des Internet und günstige Fernseher, sowie der geänderte Erlasse dienstliche Veranstaltungen geselliger Art haben hier das ihre dazu beigetragen.

    Dennoch: gerade in der Kampftruppe ist der Zusammenhalt ein wesentliches Element der Kampfkraft. Und dieser Zusammenhalt wird auch heute noch durch gemeinsame Veranstaltungen gestärkt. Private, halb-dienstliche und dienstliche.

    Und das hierbei ein gewisser Druck zum Alkohol besteht ist normal. Nach meiner Bewertung geringer als früher. Und gerade die jungen Fw-Dienstgrade sind auch körperlich nach meiner Wahrnehmung wesentlich leistungsbewußter geworden, so das wöchentliche Besäufnisse schon grad gar nicht mehr in den Trainingsplan passen. Aber wer behauptet es gäbe kein gemeinsames Betrinken mehr, der lebt in einer falschen Welt.

    Und warum sollte es überhaupt so sein, das gehört nun einmal auch dazu. Die Streitkräfte sind nun einmal kein Mädchenpensionat ;)

  23. @ J.R. und andere -Richtig, ich möchte es nochmal umformulieren, „Was hat uns das ganze gebracht“ und würde es uns schlechter gehen (uns was fehlen) wenn wir es nicht gemacht hätten???
    Meine Persönliche Meinung-Nein, uns würde nichts fehlen, im gegenteil-wir hätten mindestens (ich habe meine, wahrscheinlich leider berechtigten, Zweifel) 11 Mrd mehr.Gut die Bündnispartner würden uns für blöde halten weil wir nicht mitgespielt haben….darf das der Grund sein?
    Ich war 3mal da in Camp-Marmal und es ist sicherlich die Ausnahme das sich welche „richtig abschießen“ trotzdem wird ganz ordentlich Alcohol vernichtet. Ich wäre für ein Verbot aber wie umsetzen, das ist hier die Frage?
    Das Piloten keinen Alcohol trinken -12 h vor dem Dienst ist ja selbstverständlich, wie auch Ärzte und eigentlich alle; ich glaub da ganz Feste dran………ich bin jahrelang mitgeflogen…ich weiß es……..

  24. Nein das kann man auch nicht sagen
    Taktisch gab es sehr vielen Änderungen, Fahrzeugtechnik wurde auch weiter gefordert
    Versagen war die Politik und ein Rotstift der willkürlich gezogen wurde das Fähigkeiten gar nicht möglich war.
    Auch Russland passt sich in Tschetschenen Krieg an und baute seine Armee um.
    Wen Geld da gewesen wäre hätte man schneller reagieren gekonnt
    Politischer Mut dann hätte Amis nicht Einsätzen müssen, um den Deutschen Zusammen Bruch zu Verhindern
    Und eine Erkenntnis wenn es mit Russland weiter eskaliert , dann haben wir ein Problem den Ausrüstung wird fehlen und auf Politiker kann man sich nicht Verlassen

  25. @Koffer

    Dafür hat seine Majestät ihn zum Stabsoffizier gemacht, das er weiß, wann er nicht zu gehorchen hat!

    Ich wuesste nicht wer die Autorität hätte , unangemessene Risiken zu legitimieren?

  26. @ThoDan
    Genau so ist es!
    http://www.zeit.de/1997/09/Wissen_wann_man_nicht_gehorcht/seite-1

    @Koffer
    Die Kampftruppe die ich kenne, hat keinen informellen Druck auf kollektive Besäufnisse. Im Gegenteil: Kommandoabende wurden lieber umgangen, um „nicht schon wieder mit den selben Napfnasen rumzuhängen zu müssen“. Also mussten „Anwesenheitsbefehle“ geschrieben werden. Das gab dann natürlich wieder Probleme mit Freistellung vom Dienst und Ruhezeitenregelungen… ;o) Kurz: Man ist heuztzutage auch auf Kommandos in seiner Freizeit nicht mehr ortsfest. Geld für Mietwagen/Taxen ist vorhanden.
    Das mit dem Mädchenpensionat habe ich jetzt einfach mal überlesen.

    Generell:
    Natürlich feiert die Vergleichsgruppe der 18-30 jährigen gerne. Zivilisten und Uniformträger. Nur es wird heute anders getrunken, genauso wie sich heute soziale Netzwerke anders definieren, als vor 20 Jahren…Einfach mal den obigen Link der Mitgliederversammlung der OHG „Boelcke“ lesen. Echter Traditionsverband. Da kommen noch nicht mal 1/4 der Mitglieder zur Versammlung. Es findet sich kein 2. Vorsitzender. Der Komo will Geld für einen „Geschwadermarsch“ (ROFL) und bekommt sein Anliegen gerade so durch. 2. Vorsitzender will auch keiner machen und der Vorstand hätte gerne eine Aufwandspauschale in der Satzung verankert. An Veranstaltungen scheint auch keiner mehr teilzunehmen. Usw. usw. Das liest sich wie ein Sterbeprotokoll!

    DAS ist die Realität in einem deutschen Traditionsgeschwader, was allein durch die räumliche Lage starke Verwurzelungen in die Generalität hat!

    Ich weiß, es gibt nicht „die eine Bundeswehr“, aber ich habe manchmal das Gefühl, dass Einige die Realitäten nicht (er)kennen wollen. Oder vielleicht dich aktive Dienstzeit ein bisserl länger her ist (kein Vorwurf und keine Anmassung meinerseits).

  27. Zum Thema Alkoholkonsum:
    Kurz nachdem wir im Kosovo von Zelten in Gebäude umzogen und Legoland tschüss sagten, haben wir auf unserer 6 Mann Stube im Schnitt eine Flasche Jack Daniels am Tag vernichtet. Zu meiner Zeit hatten wir Einsatzzeiten von neun und mehr Monaten im Jahr, Freunde, Freundinnen, Frauen, Kinder, Eltern und ich könnte noch eine Menge mehr aufzählen, entfremdeten sich von uns und die drei tollen Vor, Während und Nach dem Einsatz Broschüren bereiteten und nicht auf Minenopfer, Selbstmorde, Herzinfarkte, die ersten Schüsse in unsere Richtung, das erste mal die Waffe auf einen Menschen richten, Autounfälle und permanent dröhnende Aggregate vor. Niemand hat uns darauf vorbereitet weil uns in Deutschland niemand darauf vorbereiten konnte.
    Man kann keine 20-25 jährigen einer Extremsituation aussetzen und erwarten das diese sich kein Ventil suchen! Unser Chef sagte dazu nur „Lieber mit Alkohol im Bett als mit einem Loch im Kopf im Kühlhaus“.
    Ich bin froh das mir Afghanistan erspart geblieben ist, hoffe aber für jeden Soldaten der heute noch in den Einsatz geht, dass ein Teil der 8 Milliarden Euro auch in die Ausbildung/Vorbereitung der Soldaten gesteckt wird. Vielleicht lässt dann auch irgendwann der Alkoholkonsum im Einsatzland nach.

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