Weitere Baustelle: Problem-Projekt Panzer Puma

An dem Pressegespräch mit Verteidigungsminister Thomas de Maizière zu Rüstungsthemen am (heutigen) Freitagvormittag konnte ich nicht teilnehmen, weil ich unterwegs war – aber was ich dazu lese, finde ich schon bemerkenswert: Zwar sollte es bei dem Gespräch im Wesentlichen um Folgerungen aus dem EuroHawk-Debakel gehen. Spannender scheint mir aber, was der Minister zum Thema des neuen Schützenpanzers Puma zu sagen hatte, immerhin auch eines der Leuchtturmprojekte der Bundeswehr (auch wenn die ursprünglich geplante Zahl von 405 Exemplaren auf nun 350 reduziert wurde). Wie es allerdings mit der Einführung dieses Gefechtsfahrzeugs in die Truppe aussieht, scheint völlig offen, wie der ARD-Kollege Christian Thiels berichtet:

Heute nun verkündete der jetzige und womöglich auch künftige Verteidigungsminister Thomas de Maizière in Berlin, dass es „keine Grundlage für die Übernahme in die Nutzung“ für den „Puma“ gebe. Dies heißt: Der Schützenpanzer wird vorerst nicht in die Bundeswehr eingeführt – zu groß sind die technischen Mängel. Es gebe Probleme mit der mangelnden Stabilität bei Software und Elektronik, bei der technischen Dokumentation, beim Gewicht und mit der eingeschränkten Sicht des Fahrers. (…)
Bis zum Monatsende sollen die Herstellerfirmen Krauss Maffei Wegmann (KMW) und Rheinmetall Nachweise für die Lösung dieser Probleme beibringen. Die Frage, wann der Puma in die Truppe eingeführt werden kann, kann de Maizière derzeit nicht beantworten: „Das ist unklar.“

Allerdings, und das sagte der Minister bei dem heutigen Pressetermin offensichtlich so nicht, heißt das keineswegs, dass es Ende dieses Monats schon Klarheit gibt. Sondern nur, dass da alle Ergebnisse vorliegen sollten – und dann erst ausgewertet werden:

Die integrierte Nachweisführung mit dem Schützenpanzer PUMA dauert noch an und wird planmäßig am 31. Oktober abgeschlossen werden. Daher werden die Ergebnisse aus der Nachweisführung (einschließlich der Einsatzprüfungen) erst zu diesem Termin vollständig vorliegen und können erst dann abschließend bewertet werden. Derzeit findet in den Vereinigten Arabischen Emiraten die Erprobung des Waffensystems unter heißklimatischen und Wüstenbeindungen statt.

schrieb Verteidigungs-Staatssekretär Stéphane Beemelmans bereits Anfang des Monats an den Grünen-Haushälter Tobias Lindner. Und der Staatssekretär machte da schon wenig Hoffnung, dass bis Ende Oktober alle Probleme beseitigt werden könnten:

Wie jedoch bereits im 10. Sachstandsbericht des BMVg zum Projekt Schützenpanzer PUMA an den Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages vom Juni 2013 angekündigt, werden Restpunkte und Sachmängel aus der Nachweisführung noch nicht in vollem Umfang bis zum 31. Oktober erbracht bzw. abgestellt werden können. Nach aktueller Sachlage sind diese im Wesentlichen:

• Bereich Ergonomie/Verstauung: Verifikation des einsatzbezogenen Verstaukonzeptes und Nachweis der Kompatibilität zwischen den Systemen Infanterist der Zukunft – Erweitertes System und Schützenpanzer PUMA,

• Bereich Schutz: vollständiger Abschluss der Qualifikation,

• Bereich Turm: Restpunkte aus der Systemqualifikation Feuerleitung und Bewaffung/Funktionsschießen,

• Bereich Fahrgestell:- Nachweise Transportierbarkeit Bahn/Luft und Gewässerbefahrbarkeit,
– Musterbegutachtung durch den amtlich anerkannten Sachverständigen für die allgemeine Straßenverkehrszulassung der Serienfahrzeuge,
– Restanteile von Mobilitätsprüfung/Fahr-Erprobung

• Bereich Klimatauglichkeit: Klimakammerversuche zur Nachqualifikation eines verbesserten Heizkonzeptes,

• Bereich Systemprüfungen: Restanteile zum vollständigen Nachweis der elektromagnetischen Verträglichkeit,

• Bereich Logistik: Vervollständigung und qualitative Verbesserung der logistischen Unterstützungsmittel für das Waffensystem (z.B. Internes Prüfsystem sowie Interaktive Technische Dokumentation)

Immerhin: Die Abstellung der Sachmängel ist eine vertraglich geschuldete Leistung aus dem Serienvertrag, für die dem öffentlichen Auftraggeber keine Mehrkosten entstehen, heißt es in Beemelmans Schreiben. Es sollte also zumindest nicht teurer werden. Aber ich stolpere auch über ein Wort im letzten Satz des Staatssekretärs: Derzeit (Hervorhebung von mir, T.W.) liegen keine formalen Gründe für einen Rücktritt der Bundeswehr vom Vertrag vor.

(Archivfoto Krauss-Maffei Wegmann)

122 Kommentare zu „Weitere Baustelle: Problem-Projekt Panzer Puma“

  • Memoria   |   23. Oktober 2013 - 12:41

    @Koffer:
    Zum Rückwärtsfahren – hat ja der Einsatz gezeigt, dass Rückwärtsfahren weit unterschätzt wird…. Mit tragischen Folgen.
    Zur Rückschaukamera: Tolle Fischaugenoptik – nur leider nicht nachtsichtfähig.

    Vom Einsatz her denken?

  • der_andere   |   23. Oktober 2013 - 12:57

    Irgendwie sind alle neuen Fahrzeuge schlecht und früher war alles besser?!?

    – Unimog MSS/MSA? darf bei uns in der Einheit gemäß Anweisung/Info vom Schirrmeister nur mit „aktivem Beifahrer“ (= entsprechender Führerschein, Einweisung in’s Fahrzeug) gefahren werden. Außerdem stehen da noch einige weitere Vorgaben im Fahrzeugschein bzw. gerätebegleitender TDv oder sepziellen Anweisungen.
    Ob sich immer daran gehalten wird weiß ich nicht…
    – Bei rückwärtsfahren ohne direkte Sicht hinters Fahrzeug ist gemäß der mir bekannten Vorschriften schon bisher ein Sicherungspfosten oder Einweiser gefordert. Betrifft also eingentlich jeden LKW, wobei sowieso von der Möglichkeit auf den Beifahrer zu verzichten (kann der Kommandeur erlauben und in den FA eintragen lassen) sehr selten gebrauch gemacht wird.
    Im zivilen bräuchte ich eigentlich auch eine eingewiesen Person beim rückwärtsfahren…
    – Eine Eintragung zum Überschreiten der Lenk- & Ruhezeiten und unangeschnalltem (Bedienung MG-Lafette) gabe ich bisher in den Fahraufträgen auch nicht gesehen – wer würde auch sowas machen???

    Ansonsten wird auch gerne wieder von der eierlegenden Wollmilchsau geträumt. Manch einer will hier anscheinend einen Wolf, mit der Absitzstärke/Innenraumgröße eines Fuchs und der Waffenanlage und Geländegängigkeit eines Marder.
    Geht nur leider nicht, entweder hat man halt gepanzerte Radfahrzeuge oder man nimmt einen ‚richtigen‘ Kettenpanzer. Eine große Waffenanlage (>=20mm) mit entsprechender Sensorik und ‚besetztem‘ Turm und einen Funktionsraum mit min. 6 Sitzplätzen und geschützt bekommt man leider nicht auf Wolf (Nutzlast 0,5/0,7t) oder Unimog. Da brauchst halt 3 oder 4 Achsen und die brauchen die entsprechende Gesamtlänge und die…

    Und dann gibt’s halt auch noch sowas wie den bestimmungsgemäßen Einsatz. Sowohl auf der unteren Ebene (der Fennek ist kein Panzerwagen) als auch in den Planungsstäben.
    Unsere Inst-Grp (in Zugstärke) hat als kleinstes Fahrzeug einen LKW 2t (mit Tankanlage), Führungsfahrzeug ist da öfters der 5t-LKW mit dem GrpFhr als Fahrer und mit ausgeliehenem SEM…

  • Cynic2   |   23. Oktober 2013 - 13:13

    @ Memoria
    Das tiefere Problem ist wohl eher, dass die Einsatzerfahrung AFG derzeit in der Truppe zum Maß aller Dinge erhoben wird und Teile der Infanterie daher gar nicht mehr ohne Fahrzeuge kämpfen wollen, weil sie sich daran gewöhnt haben, dass das Fahrzeug ohnehin immer dabei ist. Aus diesem Blickwinkel kann man dann verstehen, dass gefragt wird, warum auf dem großen gepanzerten Auto eigentlich so eine kleine Waffe drauf ist. Und die Infanterieschule unterstützt das mit ihrem „Mutterschiff-konzept“ ja auch zu einem gewissen teil. Kritisch wird es, wenn die Infanterie irgendwann selbst glaubt, dass sie ohne Fahrzeugunterstützung nicht mehr kämpfen kann. Da hilft dann auch keine Sprungausbildung mehr, um Selbstbewusstsein zu stärken.

  • Alarich   |   23. Oktober 2013 - 20:11

    Nein das Hauptproblem ist das Jäger nur noch die Fallis und Gebirge BV 206 BTL sind
    292 und 291 sind eigentlich nur noch MotGren Btl und keine Richtigen JG in diesem Sinne mehr
    Jäger war nur für Schwieriges Gelände gedacht oder im Gebirge wo keine an Truppe hin kommt dafür sehr gut gerüstet
    Wie Fallsi dazu da sind den Überaschenden Einsatz und auf Panzerunterstützug warten, so lange durchhalten
    Aber durch Unzwegmässiges Einsparen kam die AK heraus das die BW eben hat,
    So der DINGO ist kein für den Kampfeinsatz Fahrzeug sondern ein Transport Fahrzeug
    Aber der DINGO denk ich der wird doch in einiges kommen in der Unterstützung der Kampftruppen
    ( Aufklärung , Transport, Gefechtsstand und so weiter )
    Boxer ist nicht Schrot ich denke MK 30 wird kommen und einige andere Ausführungen ( GIS; ABC, Schwerer Aufklärer und so weiter )
    Und die USA überlegen die Fallis auch auf Strayker um zu rüsten und es wird der Lastenfallschirm schon getestet
    Puma mit 6 Gren. kommen nach den Berechnungen doch nicht weit 3 Puma besser wie 2 GMC
    3x 6 =18 PzGren im Halbzug davon müssen wieder 3-6PzGren die Fahrzeuge sichern eher 6
    Dann Bleiben Gerade noch 12 Man Übrig im Halbzug davon einer mit MG 4 ein G 28 dann sind wir bei 10 1xUf = 9 2 PzFaust = 7 sind1x Leichte GM W die ja schon angedacht ist zum 6Hauskampf Übrig wo wieder andere Aufgaben auf die Zukommen
    2x US SPz = 18 Mann die Brauchen nur 3 Man Absicherung mit Reserve 6 Mann = da bleiben immer noch 12 Mann Übrig
    4 SPz PzGren hat aber nur der BW PzGren Zug und keine & PzGren und im Einsatz hat er 5 dann beliben für den 2ten Halbzug kaum noch was Übrig
    Und für den Häuserkampf haben wir GMW 40 und Leichte Mörser noch nirgends dabei
    Die werden dann in Extra Fahrzeuge benötigt

  • Bang50   |   23. Oktober 2013 - 20:58

    PzGren – kämpfen primär von ihren SPz. und im Verbund mit KPz. – absitzen tun sie nur ungern.

    Jäger – sitzen ab um dann zu Fuß zu kämpfen. Der GTK Boxer Gruppentransporter ist für eine shoot and scoot Taktik konzipiert. Das bedeutet für die Jäger, mit hoher Geschwindigkeit an die Ablauflinie ran – absitzen und Feuerkampf aufnehmen – aufsitzen und ausweichen oder neu ansetzen. Für dieses Einsatzprofil ist ein schwerer Turm eher hinderlich, da die Mobilität des Fahrzeuges reduziert und die Silhouette erhöht wird. Wie genau der GTK im Jagdkampf eingesetzt wird, ist momentan noch Gegenstand intensiver Versuche. Leider schließt sich daran eine primär ideologische Diskussion an, in der herrlich polemisiert werden kann:“ Jäger sind die neuen PzGren light und der GTK braucht richtig Bums!!“, „Nein wir sind Jäger!! Wir sind zu fein um die Mobilität, den Schutz und die vorhandene Feuerkraft des Radpanzers zu nutzen.“

    Fallschirmjäger – sind so dermaßen geil, dass sie keine Mechanisierung und/oder Schutz brauchen. Deshalb setzen sie sich ja auch aus Prinzip nicht in einen Dingo. Man lässt sich lieber die Beine von IED`s wegreißen oder den A… von mechanisierter Infanterie aufreißen –> Ignoranz ist der schnellste Weg ins Grab.

    Zum Glück scheint man in der Schlammzone einen pragmatischeren Umgang zu pflegen.

  • Memoria   |   23. Oktober 2013 - 21:06

    @Bang50:
    „Deshalb setzen sie sich ja auch aus Prinzip nicht in einen Dingo. Man lässt sich lieber die Beine von IED`s wegreißen“

    Insbesondere mit Blick auf den gefallenen HptFw Mischa Meier ein – aus meiner Sicht – völlig unangebrachter Kommentar. Die Verstärkungskräfte in KDZ in 2008 waren völlig unzureichend ausgrüstet (Wolf MSS und ESK Mungo). Das lag jedoch nicht an den Fallis, sondern der Ignoranz in Berlin, Bonn, Potsdam, etc.

    Und seitdem waren viele Fallis in Dingos unterwegs (siehe u.a. Karfreitag 2011).

    Aber auch da mußte erst etwas passieren, bevor etwas passiert.

    Zur Erinnerung:
    Erster IED-Angriff in KDZ auf die Bundeswehr: 2004
    Verlegung einer InfKp nach KDZ 2008:
    Nicht genug geschützte Fahrzeuge vorhanden.

    Die dafür Verantwortlichen haben noch Karriere gemacht und der Minister Jung hat noch öffentlich behauptet HptFw Meier habe das Fahrzeug selbst ausgewählt.

  • Nordlicht   |   23. Oktober 2013 - 21:17

    Die Infanterie ist für Boxer, Dingo und Fuchs nur einer von vielen Bedarfsträgern in der Bw. Alle drei Fahrzeuge werden in der neuen Struktur in den verschiedensten Varianten gefordert bzw. bereits genutzt. Bei allen drei Fahrzeugen wird heute und zukünftig zudem nur eine Minderheit zum Transport von Kampftruppe benötigt. Man sollte die Bewertung der Eignung also nicht alleine hiervon abhängig machen.
    Außerdem sollte man die Stückpreise der Fahrzeuge nicht unberücksichtigt lassen. Die Preisunterschiede zwischen Dingo und Boxer sind erheblich. Für den Preis eines Pumas kann man einen ganzen Zug mit Dingos oder anderen GFF ausstatten.

    @Hans
    Das im Level of Ambition für den Einsatz „im schwierigsten Gelände und unter extremen klimatischen Bedingungen“ festgelegte Kräftedispositiv kann nicht mit Boxer ausgestattet werden, da dieser hierfür nicht geeignet ist. Dies betrifft einen Teil der Gebirgsjägertruppe und der erforderlichen Aufklärungs- und Unterstützungskräfte in anderen Truppengattungen.

  • Vtg-Amtmann   |   23. Oktober 2013 - 21:19

    @Bang50: Mit Verlaub gesagt – egal ob Fehler, oder nicht -, ein geschmackloser Nachruf.

  • Bang50   |   23. Oktober 2013 - 21:28

    @ Memoria – Deshalb die bittere Ironie!! Wenn man nach den Erfahrungen in Afg. immer noch die Mär vom schnellen, zu Fuß kämpfenden Fallschirmjäger verbreitet, für den ein Dingo ein „Angstfahrzeug der Generalität“ ist, dann habe ich dafür nur noch ein Kopfschütteln.

    @Vtg – Amtmann – Ironie muss man erkennen. Wenn manche in der Fallschirmjägertruppe heute noch meinen, man wäre ja viel toller zu Fuß unterwegs in Afg., dann sollte Ihnen das mehr Sorgen machen.

  • Voodoo   |   23. Oktober 2013 - 21:32

    Auch geschütze Fahrzeuge bieten keinen 100% Schutz, siehe 15. April 2010 (und zwar in beiden Vorfällen).

    Und was die angebliche „Pz-Mafia“ in Munster jetzt mit dem GTK zu tun hat, erschließt sich mir nicht wirklich. Als ob die Angst vor einem Boxer mit Turm hätten? Der Trend geht nicht mehr zu Radpanzer > Rest, das sollten die amerikanischen Erfahrungen mit dem Stryker gezeigt haben. Und nur weil Rheinmetall gerade mal mit dem Bild von BOXER+LANCE-Turm prollen, heisst das noch lange nicht, dass das auch toll ist. Man darf nicht vergessen, dass die gerade versuchen, ihr Mittelkaliberkonzept auf Biegen und Brechen an den Mann zu bekommmen.

  • Cynic2   |   23. Oktober 2013 - 21:37

    @Bang50:
    „Fallschirmjäger – sind so dermaßen geil, dass sie keine Mechanisierung und/oder Schutz brauchen. Deshalb setzen sie sich ja auch aus Prinzip nicht in einen Dingo. Man lässt sich lieber die Beine von IED`s wegreißen oder den A… von mechanisierter Infanterie aufreißen –> Ignoranz ist der schnellste Weg ins Grab.“

    1. Meines Wissens wurden geschützte Fahrzeuge durch die Fallschirmjäger in AFG genutzt, sobald diese in ausreichender Anzahl zur Verfügung standen, wie Memoria bereits ausführte. Und wenn die Fallschirmjäger dann ab 2010 ihre geschützten Fahrzeuge zurückließen und abgesessen operierten, übrigens auch im Angriff, ist mir kein Fall bekannt, wo jemandem die Beine weggerissen wurden.

    2. Wenn Sie sagen, dass mechanisierte Kräfte den Fallschirmjägern überlegen wären, weil diese auf Schutz und Mobilität der Fahrzeuge verzichteten, muss es sich wohl um konventionelles Gefecht handeln. Wollen Sie damit behaupten, mit dem Einsatz von ATF DINGO oder GTK Boxer könnte eine Durchsetzungsfähigkeit gegen MechInf mit SPz hergestellt werden?

  • Bang50   |   23. Oktober 2013 - 21:58

    @ Cynic2 – Zitat:“ Meines Wissens wurden geschützte Fahrzeuge durch die Fallschirmjäger in AFG genutzt, sobald diese in ausreichender Anzahl zur Verfügung standen, wie Memoria bereits ausführte..“

    Gott sei Dank! – Sonst hätten wir Verluste in ganz anderen Dimensionen gehabt. Das kann man übrigens aus meinem Beitrag auch herauslesen. Was mir mehr Sorgen macht, dass diese Tatsache anscheinend noch nicht überall angekommen ist.

    Zitat:“ Wollen Sie damit behaupten, mit dem Einsatz von ATF DINGO oder GTK Boxer könnte eine Durchsetzungsfähigkeit gegen MechInf mit SPz hergestellt werden?“

    Nein, ich behaupte dass Fallschirmjäger ganz massive Probleme bekommen (wenn auf sich gestellt), sobald sie es mit irgendeiner Art von Mechanisierung zu tun bekommen – zum Weglaufen zu langsam und zum Angriff zu schwach. Eine Tatsache die man als Fallschirmjäger immer im Hinterkopf behalten sollte, wenn man dabei ist Mechanisierung zu verteufeln – mit der zumindest das „Wegrennen“ klappt.

  • Cynic2   |   23. Oktober 2013 - 22:17

    @Bang50
    In einem Stabilisierungseinsatz mit erheblicher IED-Bedrohung ist sicherlich eine Ausstattung mit entsprechend geschützten Fahrzeugen sinnvoll. Die auf Luftanlandung konzipierten Fahrzeuge der Fallschirmjäger sind dafür schlicht nicht konzipiert und sollten so auch nicht eingesetzt werden, wenn man es verhindern kann. Eine Ausstattung mit mehrfacher Fahrzeugausstattung für verschiedene Einsatzprofile (schnelle Anfangsoperation, Stabilisierungsoperation) war bislang aber nicht vorgesehen. Die Fähigkeit der Infanterie auch ohne Fahrzeuge kämpfen zu können, muss aber erhalten bleiben, da man sie in anderen Szenarien durchaus braucht bzw. dazu gezwungen ist.

    Zu ihrem zweiten Punkt: Ich denke, dass die Tatsache der größeren Feuerkraft mechanisierter Kräfte in der Truppengattung bekannt ist, auch wenn nicht mehr viele richtige Übungen zum Luftlandekopf durchgeführt werden. Es gab da mal den Grundsatz, dass ein Luftlandekopf binnen 72 Stunden zu entsetzen sei, weil es anschließend kaum noch Sinn machte. Nur bekommen sie Truppe nach einer Luftlandung oder sogar Luftanlandung so schlecht mit gepanzerten Fahrzeugen versorgt. Der luftverlastbare Puma mit dem A400M ändert das ja vielleicht irgendwann und man kann PzGren luftanlanden. ;-)

  • Alarich   |   23. Oktober 2013 - 22:40

    Bang50 | 23. Oktober 2013 – 20:58
    Das ist 70er Jahre, und das was bei der BW schief geht, mit Jg mix das geht in Dörfer
    Aber nicht wie in Europa Stäten
    Lesen Sie die Nachrichten BND Vermutet 200 Deutsche Salefisten in Syrien , also was wollen Sie in den Hochburgen Köln ,Berlin ,Ulm , Ruhrpott in die engen Gassen mit Puma wo die von Oben beschossen werden und selber nicht Ausschwenken kann
    Cynic2 | 23. Oktober 2013 – 22:17
    Das wird nie Funktionieren, deshalb ist das Projekt Puma Luftverladtbar so Intelligent
    Selbst wenn das ginge Fehlt die Luftwaffe die Anzahlbar Transportkapitzität hätte, aber man das ja weggeswpart
    Nein aber eine Sinnvolle Boxer Brig hat man ja nicht beschafft , weil man kein Geld hat

  • Bang50   |   23. Oktober 2013 - 22:51

    @ Cynic2

    Bei einer IED/Minenbedrohung sollte der Infanterist in einem geschützten Fahrzeug sitzen – auch wenn das Fahrzeug nicht unbedingt ein Mobilitätswunder (wie Dingo) oder kein schwer bewaffneter SPz. ist (wie GTK) –> Dingo und GTK hat seinen Sinn, im Zweifel auch für Fallschirmjäger.

    Bei Luftlandungen ohne hohe IED/Minengefahr sollte man zumindest mechanisiert sein (wenn auch ungeschützt) um nicht schon Toyota Pick Up`s zum Opfer zu fallen bzw. vor schwerer Mechanisierung ausweichen zu können.

    Wie immer bestimmt die Lage die notwendige Ausrüstung und nicht ein Dogma. Das ist auch der Grund warum ich an dieser Stelle emotional werde. Dogmen sind anscheinend an manchen Stellen immer noch wichtiger als objektive Lagebeurteilungen.

  • Voodoo   |   23. Oktober 2013 - 23:04

    Ich tippe schwer, dass das an der Sozialisation innerhalb der TrGtg liegt. Anscheinend singt man auf „der Burg“ im südlichen Bayern immer noch: „Panzer[männer] sind ein fauler Haufen, was die fahr´n, das könn´mer laufen.“

  • Cynic2   |   24. Oktober 2013 - 0:04

    @Bang50
    Tatsächlich ist es so, dass nicht die Lage sondern die Einsatzdoktrin die Ausrüstung der Truppe bestimmt. Aus der Einsatzdoktrin werden die Fähigkeitsanforderungen und die Taktiken der Truppengattungen abgeleitet und daraus Anforderungen an die Ausrüstung gestellt. (Wenn die Einsatzdoktrin natürlich Dinge sagt, wie „Initiative erringen“, „offensiv vorgehen“ und „Entscheidung herbeiführen“, die man einfach nicht macht, passen natürlich weder gelernte Taktiken noch Ausrüctung.) Wenn dann eine Lage eintritt, ist zu prüfen, welche Kräfte mit welcher Ausrüstung zum Einsatz bereit stehen und wie geeignet sie dafür sind. Wenn die Lage dann mechanisierte Kräfte erfordert und diese bereit stehen, dann soll man die auch einsetzen und nicht ungepanzerte Infanterie losschicken. Bei der objektiven Lagebeurteilung muss also maßgeblich rauskommen, welche Truppe eingesetzt wird, da die Einsatzspezifische Ausrüstung und entsprechende Ausbildung doch ein Luxus ist, den man sich nur mit deutlichem zeitlichen Vorlauf leisten kann.

    Bei der Luftlandung sind ungeschützte Fahrzeuge (motorisiert) durchaus praktisch und geschützte Fahrzeuge (mechnisiert) wären toll, wenn man sie da hin bekommt. Grundsätzlich geht man bei der Luftlandung oder -anlandung aber von einem operationell oder strategisch wichtigen Objective aus, das genommen und gehalten werden soll. Ein Ausweichen vor mechaniserten Kräften wäre da nicht zielführend und gegen pickups kann sich die Truppe auch ohne Fahrzeuge noch durchsetzen.

  • Alarich   |   24. Oktober 2013 - 0:14

    Italien stellt alle FJG auf IVECO LMV um wie auch die Gebirgsjäger .
    Schweiz stellt die JG und Inf Btl auf Duro III P um
    Warum man eine Leichte JG Zug nicht aufstellen kann mit DINGO 2 HD als Mannschaft Fahrzeug so einer stand ja schon Eurosatoy und Hammelburg versteh ich nicht
    Zudem DINGO nicht viel laufen soll ÖBH bestellte 6 und die wurden schnell Geliefert

  • J.R.   |   24. Oktober 2013 - 8:37

    @ Cinic2
    „Das tiefere Problem ist wohl eher, dass die Einsatzerfahrung AFG derzeit in der Truppe zum Maß aller Dinge erhoben wird“

    Wobei sich da die Frage stellt, ob „Commute to fight“ jetzt wirklich die Lektion ist, die man aus Afghanistan mitnehmen sollte. Den Luxus, dem Gegner nicht wirklich schaden zu wollen, muss man sich auch erstmal leisten können.

    Was den Bundeswehr-Einsatz in Afghanistan angeht, so ist das sicherlich kein „Wettstreit des Willens“ im Sinne von Clausewitz und Kilcullen. Wohl auch aus Sicht der Gegenseite, die eben keinen entschlossenen Kampf gegen die BW führt, sondern diese (zum deutschen Glück) weitgehend ignoriert.

    Da besteht zu befürchten, dass man die eigene „Kunduz ist Krieg“-Berichterstattung glaubt, und annimmt dass es in anderen Konflikten schon nicht mehr deutlich heftiger werden wird.

  • Frank   |   24. Oktober 2013 - 21:19

    Hier wird sich ja bisweilen darüber beschwert, dass der GTK Boxer über seine Funktion als Truppentransporter auch als Kampffahrzeug genutzt wird und das er dafür ABER viel zu schwach ist.

    Meiner Meinung nach ist das eine Fehlinterpretation, in denke im Szenaria Afg hat sich gezeigt, das zu Bekämpfung von Insugents nicht unbedingt ein Vollwertiger Spz von nöten ist.

    Ein schwerer Radpanzer als, leichter Radschützenpanzer umfunktioniert tut es anscheinen auch noch. Wenn er bzw. die Beteiligte Truppen durch Panzer Grenadiere mit SPz falls erf. verstärkt werden.

    Dies liegt wohl an dem im Vergleich überproportionalen Schutz, der trotzdem guten Mobilität, und der Unter Schutz bedienbaren FLW mit einer optonischen Ausstattung, von der man in früheren Fahrzeugen der Jäger w.z.B. dem Fuchs nur träumen konnte und die so bis dahin auf taktischer ebene nur den Aufklärungskräften, Spz und Kpz zur Verfügung standen.

    Damit zeigt der Boxer seine Vielseitigkeit.

    In Szenarien, in denen der Boxer zu groß ist steht heute eine breite Palette an kleinere, dafür aber auch noch hoch GESCHÜTZTEN Fahrzeugen zu Verfügung.

    Schwerer bewaffnete Boxer müssen dagegen erst einmal, sinnvoll begründet werden, denn dass was der kann, kann der Puma eben auch besser.
    Anders währe dass, wenn man sagen könnte, dass der Boxer schwimmfähig währe und somit einen relevanten Mobiliätsvorteil verbuchen könnte, z.B. als Anlandungs-Fahrzeug für eventuelle Strandmeistereinheiten, wie dass z.B. mit einem Patria APC möglich währe. Dies ist aber wohl nicht geplant, bzw. nie auch nur angedacht.

    Auch ist zu beachten, so schrecklich viel Infanterie hat die Bundeswehr nicht, die Infanterie muss „Mehrrollenfähig“ denken um in Zukunft das Aufgabenspektrum deckeln zu können. Die Rufe nach zusätzlichen Infanteriebataillonen, waren bis zur Reform X+n ja noch laut, sind in Anbetracht der aktuellen Personaldebatte aber eher obsolet.

    Das ist aber ein Thema was sich durch alle Tsk zieht, und programmatische Ansätze wie der nach seinen Möglichkeiten und nicht auf Dogmata ausgerichtete Einsatz des Boxer ist nicht mehr als Sinnvoll.

  • Koffer   |   24. Oktober 2013 - 23:34

    @diba
    „Zulage und Image“???
    Neidkomplex, oder was?

    @Memoria
    Das Rückwärtsfahren ist in der Tat wichtig, aber das Problem der Zulassung des GTK in Verbindung mit der Taktik und dem Kommandantensitzbist, dass man DREI Fahrer und ZWEI Dienstgrade braucht. Wenn die Gruppe abgesessen ist und das Fhz im Wagenhalteplatz aufgrund einer taktischen Lageänderung bewegt werden muss, dann geht das auch nur, wenn einer der beiden DGrad zurück geblieben ist!

    Ganz gefährliche Kombination von Friedensbestimmungen, darauf ausgerichtetem hinteren Kampfraum und einer sich deswegen anbahnenden Änderung der Taktik!

    @Bang50
    plonk

  • diba   |   25. Oktober 2013 - 8:12

    @Koffer:
    nö, in meiner Gehaltsklasse komm ich auch ohne diese Zulage zurecht ;-)
    Hab mich nur leider wieder mal auf das Niveau der Diskussion in ein paar Teilen hier runterziehen lassen. Ansonsten hab ich nix gegen die mit dem bordeauxroten Barett. Die haben, neben ihrer Arroganz wenigstens Leistung und Disziplin zu bieten. Das kann in der Kombination nicht jeder PzGren und noch weniger die Kameraden am Berg bieten.