Kündigung im freiwilligen Wehrdienst: Ein Drittel sieht keine Perspektive in der Truppe

In der vergangenen Woche hatte das Verteidigungsministerium eine Bilanz der Meldungen zum freiwilligen Wehrdienst gezogen. Die wichtigste Zahl war schon früher klar gewesen: Knapp ein Viertel der Freiwillig Wehrdienst Leistenden (FWDL), die bis zu 23 Monate zur Truppe gehen, wirft innerhalb der Probezeit in den ersten sechs Monaten hin. Das ist zwar, wie Generalleutnant Norbert Finster, der Abteilungsleiter Führung Streitkräfte, verangene Woche versicherte, ungefähr der gleiche Prozentsatz wie bei zivilen Ausbildungsverhältnissen. Unklar bleibt allerdings, warum die Zahl der vorzeitigen Abbrecher beim ebenfalls mit Aussetzen der Wehrpflicht eingeführten Bundesfreiwilligendienst nur bei 15 bis 20 Prozent liegt.

Interessant sind die zusätzlichen Zahlen, die ich nach dieser Bilanz aus Finsters Abteilung erfragt habe. Die Bundeswehr hatte die vorzeitigen Abbrecher nach ihren Gründen befragt, und knapp 1.000 der ausgegebenen Fragebögen (bei knapp 5.000 Abbrechern) kamen auch zurück. Die möglichen Gründe konnten angekreuzt werden, und Mehrfachnennungen waren möglich:

• Der mit rund 37 Prozent am häufigsten genannte Einzelgrund für den Abbruch war die Entfernung vom Sationierungsort nach zuhause

• Zwar nannten 34 Prozent eine bessere zivilberufliche Alternative als Grund für den Abbruch, also zum Beispiel eine Ausbildungsstelle oder einen Studienplatz, die zu Beginn des freiwilligen Wehrdienstes noch nicht sicher waren. Doch ebenso beklagten auch 34 Prozent eine fehlende Zukunftsperspektive in der Bundeswehr.

Da scheint die Bundeswehr noch nacharbeiten zu müssen – an der Entfernung zum Heimatort lässt sich vermutlich kaum etwas ändern, und auch der zivile Ausbildungsplatz liegt nicht in ihrem Einflussbereich. Wenn aber ein gutes Drittel die fehlende Zukunftsperspektive als Grund nennt – und das ist ja etwas jenseits von Wohlfühlfaktoren wie dem Kasernenton -, scheint in der Struktur dieses Freiwilligen Wehridenstes etwas nicht zu stimmen.

Mehr als die Hälfte, nämlich 51,6 Prozent, der vorzeitigen Abbrecher kommen bereits im ersten Monat zu ihrer Entscheidung. In den Monaten danach liegt der Anteil zwischen sieben und zwölf Prozent – auch nach der Allgemeinen Grundausbildung, wenn der Kurzzeit-Soldat im vierten Monat zu seiner künftigen Einheit kommt, entscheiden sich nur 10 Prozent der Abbrecher.

Interessant ist übrigens, wie viele der jungen Männer und Frauen sich im vergangenen Jahr von vornherein für die Maximaldauer von 23 Monaten entscheiden, nämlich 27,4 Prozent. Im laufenden Jahr meldete sich etwa die Hälfte der Kurzdiener für 23 Monate – allerdings sind darin auch die erfasst, die sich erst nach Dienstatritt für eine längere Zeit entschieden. Insgesamt erklärten im Jahr 2013 rund drei Viertel aller FWDLer ihre Bereitschaft, zwölf Monate und mehr zu dienen. Und damit auch ihre Bereitschaft zu einem Auslandseinsatz.

(Foto: Verteidigungsminister Thomas de Maizière begrüßt am 4.Juli 2011 in der Julius-Leber-Kaserne in Berlin die ersten freiwillig Wehrdienstleistenden – Sebastian Wilke/Bundeswehr via Flickr unter CC-BY-ND-Lizenz)

89 Kommentare zu „Kündigung im freiwilligen Wehrdienst: Ein Drittel sieht keine Perspektive in der Truppe“

  • Kerveros   |   17. Juni 2013 - 20:56

    @Chickenhawk

    Nicht zu vergessen die AMerikaner die alles nehmen und zur Not posthum mit der Staatsbürgerschaft ausstatten… die haben sogar mal in Mazar einem deutschen in ihren Diensten die US-Staatsbürgerschaft verliehen…

  • chickenhawk   |   17. Juni 2013 - 21:10

    @ Kerveros

    Da gibt es aber einen entscheidenden Unterschied: In den USA muss man bereits ein „landed immigrant“ sein, also in der Regel bereits einige Zeit in dem Land leben (volkstümlich auch als Green Card bezeichnet). Der Anreiz ist also nicht, einen gesicherten Aufenthaltsstatus zu erlangen; den hat man nämlich schon.

    Das ist bei der französischen Fremdenlegion ganz anders: Da kann man als Bewohner der inneren Mongolei eines Tages auf die Idee kommen, nach Frankreich aufzubrechen um dort Soldat zu werden (mit der Perspektive, dann in einem EU-Land Aufenthaltsrecht und ggfls. die Staatsangehörigkeit zu erwerben).

  • Andreas Moser   |   17. Juni 2013 - 21:17

    @Thomsen:

    – Mir ist nicht bekannt, daß irgendjemand (außer Ihnen) Art. 45 IV AEUV als Verbot an die EU-Mitgliedsstaaten auslegt, bestimmte Berufe für andere EU-Bürger zu öffnen.

    – Die Polizei in Deutschland übernimmt ausländische Bürger schon lange ins Beamtenverhältnis. In Hessen z.B. seit 1994: http://www.polizei.hessen.de/icc/internetzentral/nav/cf4/cf470ee1-825a-f6f8-6373-a91bbcb63046.htm Kein Problem für den Rechtsstaat, keine Gefahr für die Sicherheit der Nation.

    – Ausländer könnten z.B. in der BW dienen wollen, weil sie in Deutschland leben oder weil sie ansonsten enge Beziehungen an Deutschland haben (z.B. einen deutschen Elternteil, von dem sie aber nicht die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten haben) oder ehemalige Deutsche, die die deutsche Staatsbürgerschaft durch Einbürgerung in einem anderen Staat nach § 25 II StAG verloren haben, sich aber noch für Deutschland interessieren, oder Ehegatten von Deutschen, die sich noch im Einbürgerungsverfahren befinden. Und so weiter.

  • Andreas Moser   |   17. Juni 2013 - 21:26

    @chickenhawk:
    Meine Zeit bei der US-Armee liegt nun schon eine Zeit zurück (2001/2002 als Zivilist beim US Army JAG Corps), aber damals hatte ich als Jurist mit US-Soldaten zu tun, die keine US-Amerikaner waren, keine Green Card hatten, und zum Teil nur ganz kurz in den USA gewesen waren. Ich erinnere mich an einen nigerianischen Soldaten, der sich aus Nigeria für das US-Militär beworben hatte, angenommen wurde, und nach einer kurzen Grundausbildung in den USA in Deutschland zur weiteren Ausbildung stationiert war. Auch aus Puerto Rico waren etliche Soldaten fast unmittelbar nach Deutschland entsandt worden.
    Das US-Staatsbürgerschaftsrecht nimmt dienende Soldaten ausdrücklich von der Erfordernis aus, für eine bestimmte Zeit in den USA zu leben.
    Diese Jungs hielten dann im Irak 15 Monate lang den Kopf für die USA hin, obwohl sie außer einer Kaserne noch nichts von den USA gesehen hatten. Ich glaube nicht, daß sie weniger motiviert waren als die Freiwilligen der BW, und ich sehe keinen Schaden für Deutschland, diese Option zu öffnen (die ja nicht zu einem Anspruch des einzelnen Bewerbers auf Aufnahme führt).

  • Kerveros   |   17. Juni 2013 - 21:27

    @Andreas Moser:

    Prinzipiell ja, ich sehe da allerdings Einschränkungen hinsichtlich der Sicherheitsstufen… aber das kann man ja steuern.

  • Thomsen   |   17. Juni 2013 - 21:39

    @ Moserer:

    „Mir ist nicht bekannt, daß irgendjemand (außer Ihnen) Art. 45 IV AEUV als Verbot an die EU-Mitgliedsstaaten auslegt, bestimmte Berufe für andere EU-Bürger zu öffnen.“

    Mein Staatsrechtsdozent z.B.: Öffentlicher Dienst i.S.dieser Norm ist nur der Kernbereich staatlicher Hoheitsausübung im Bereich der Eingriffsverwaltung (Justiz, Polizei, Militär). Gut, ich präzisiere (nach Sichtung der Unterlagen): restriktive Auslegung im Rahmen dieses Kernbereichs.

    Polizei ist Ländersache.

    Und zu dem dritten von Ihnen angesprochenen Punkt: bei aller ernsthafter Erwägung, aber wie hoch schätzen Sie das Rekrutierungspotential diese Ausnahmen der Ausnahmen ein, wenn schon „reguläre“ Bewerber wenig Interesse zeigen? Da werden dann – im Fall der Fälle – wieder ein paar medienwirksam dazustellende Fälle dabei sein, mit denen man sich dann rühmen kann, das war´s dann aber auch.

  • Kerveros   |   17. Juni 2013 - 21:41

    @Chickenhawk:

    abgesehen von den greencard deals in der Vergangenheit… aktuell von offiziellen Seiten der US-Regierung:

    „Non-citizens are eligible to enlist in the military but can not be commissioned. A non-citizen that is eligible to join the military must meet certain requirements: (1) Have an Alien Registration Receipt Card (stamped I-94 OR I-551 Green card/INS Form 1-551), (2) Have a bona fide residence established, and (3) Have established a record of the U.S. as their home.“

    I-94 ODER eine greencard, eine Wohnung (3) die als für die Steuer relvante Adresse gilt (2)

    I-94 ist das Ding, was man im Flugzeug ausfüllt…

    Ohne green card kann ich nur im untersten Dienstgrad beitreten und erstmal keine höhere Laufbahn einschlagen… jenseits dessen aber…

    http://www.usimmigrationsupport.org/military.html

  • Insider   |   17. Juni 2013 - 21:55

    @Kerveros
    Man braucht gar nicht innerlich kündigen, Dienst nach Vorschrift reicht schon ;-)
    Nein mal im Ernst.
    So schlecht wie im Moment habe ich die Stimmung in der Truppe in meinen 26 Jahren noch nicht erlebt. Und das geht durch alle Dienstgradgruppen. Ich saß letzte Woche mit sechs Zeitsoldaten beim Frühstück. Von diesen sechs, haben 5 ihre Dienstzeit verkürzt. Ist auch kein Wunder ,denn alles was man an gewachsenen Strukturen hatte ist völlig zerschlagen worden. Welcher Truppenteil ist denn schon mehr als ca. 3-5 Jahre alt, ohne eine Veränderungen der StAN oder der Unterstellungsverhältnisse. Wer sich ein Stimmungsbild machen möchte dem empfehle ich das Neuausrichtungsforum im IntranetBw. Ich glaube wenn man morgen jedem die Wahl lassen würde zu gehen, wären die Kasernen morgen abend leer. Und diese Stimmung bekommen auch die “ Neuen“ mit, machen sich ihr Bild und gehen dann lieber wieder.
    Zumal für die meisten Mannschaftsdienstgrade der Routinedienst beim Bund keine Herausforderung oder Anspruch bietet. Meistens endet man doch im Gezi, in einem Büro beim ZgFhr oder als Kraftfahrer. Zumindest ausserhalb der Kampftruppe.

  • chickenhawk   |   17. Juni 2013 - 21:58

    @ Andreas Moser

    Nach den mir vorliegenden Informationen ist das so nicht möglich.

    Der einzige denkbare Fall, bei dem ein Nicht-Staatsbürger der USA in das Land einreist und sofort Soldat wird könnte theoretisch auftreten, wenn er vorher am Diversity Visa program („Greencard Lotterie“) teilgenommen hat. Oder natürlich, er zählt zu einer anderen Einwandererkategorie (mit entsprechend lautendem Visum, z. B. Familienzusammenführung) und verpflichtet sich direkt nach der Einreise.

    Aber nur mit dem Ziel in die USA einreisen zu wollen mit dem Ziel, dort Soldat zu werden, geht definitiv nicht. Vor allem während des Irak-Krieges berichteten ja auch in Deutschland einige Publikationen über das Phänomen der Green-Card-Soldaten, natürlich mit dem Narrativ: „Schaut her, die verschlagenen Amis, ködern arme Teufel aus Lateinamerika, um sie in ihren Kriegen zu verheizen“.

    Bei Puerto Rico ist der Fall anders gelagert; Einwohner von Puerto Rico haben einen Status, welcher dem von amerikanischen Staatsangehörigen praktisch gleichgestellt ist. Sie haben auch amerikanische Reisepässe und können sich unbeschränkt überall in den USA niederlassen.

    Es es richtig, dass Militärangehörige bevorzugt und schneller eingebürgert werden. Viele Green-Card-Inhaber erwerben aber ihr ganzes Leben lang nie die amerikanische Staatsangehörigkeit. Vorteile gibt es evtl. im Einwanderungsrecht beim sogen. „Sponsorn“ von Familienangehörigen für deren Einwanderung in die USA.

  • chickenhawk   |   17. Juni 2013 - 22:01

    @ Kerveros | 17. Juni 2013 – 21:41

    Das ist keine offizielle Seite der US-Regierung, sondern ein windiger Geschäftemacher.

  • Kerveros   |   17. Juni 2013 - 22:15

    @chickenhawk:

    was die Seite nageht: korrekt… grade nichts besseres um Thema gefunden… es gibt aber definitiv Programme ohne Greencard.. sogar für Asylbewerber

    https://my.goarmy.com/info/form/GetBrcFormRedirectByUrl.do?url=/info/mavni

    das ist zum Beispiel eines für Spezialisten, aber ähnliche Deals gibt es imemr mal wieder und auch für weniger qualifiziertes Personal

  • Jack Reacher   |   17. Juni 2013 - 22:21

    Verständlich.
    Als ich vor 13 Jahren meinen W10 in der Gegend antreten durfte wo heute 600 Seelendörfer zweifelhafte Berühmtheit erlangt haben, war ich sicher auch nicht begeistert.
    Die AGA war ziemlich fordernd und dürfte einem heutigen Rekruten wie die Ausbildung beim USMC vorkommen ;)
    10 Monate Kasernenschläfer war auch kein Geschenk. Ich kann mir schon vorstellen das junge Leute heutzutage auf freiwilliger Basis keine Lust auf sowas haben.

    Meiner Meinung nach hätte man die BW endlich mal richtig reformieren müssen, und zwar ungeachtet der „Truppe in der Fläche“.
    Ganze Brigaden sollte man möglichst Grossstadtnah (60-100km) bündeln und den Soldaten dort eine Persektive geben die bis zum Dienstzeitende reicht.

  • chickenhawk   |   17. Juni 2013 - 22:33

    @ Kerveros

    Da geht es aber um eine ganz exotische Ausnahmeregelung, um bestimmte Ausländer mit Spezial-Kenntnissen zu gewinnen. Aktuell sind das wohl vor allem Leute mit Sprachkenntnissen, die für den Krieg gegen den Terror Relevanz haben. Gerade bei diesem Interessentenkreis wird man sich die Bewerber aber vorher ganz intensiv anschauen.

    Im übrigen ist da aber auch von „legal aliens“ die Rede.

    Nachtrag:

    Zu den Voraussetzungen im einzelnen:

    http://www.defense.gov/news/mavni-fact-sheet.pdf

  • Koffer   |   17. Juni 2013 - 22:40

    @chickenhawk
    „Bei Puerto Rico ist der Fall anders gelagert; Einwohner von Puerto Rico haben einen Status, welcher dem von amerikanischen Staatsangehörigen praktisch gleichgestellt ist. Sie haben auch amerikanische Reisepässe und können sich unbeschränkt überall in den USA niederlassen.“

    Um das nochmals zu präzisieren (aber das ist für die Diskussion hier ansonsten ohne Bedeutung ;) ), sie SIND US-amerikanische Staatsbürger.

    Puerto Rico hat zwar als „Region“ nicht die gleichen Rechte wie ein Bundesstaat der USA, aber die Einwohner haben die gleichen Rechte und Pflichten.

    Wenn ein Puerto Ricaner in einen der „richtigen“ Bundesstaaten umzieht hat er übrigens auch das normale Wahlrecht… (nur in Puerto Rico hat er es nicht, aber das liegt nicht an ihm, sondern an dem Wohnort außerhalb eines „richtigen“ Bundesstaates).

    Früher nannte man so etwas eine Kolonie ;)

    Aber das klingt ja in Bezug auf die USA böse…

  • Kerveros   |   17. Juni 2013 - 22:41

    @chickenhawk:

    siehe mein letztes Posting…

    und ‚legal aliens‘ brauchen nicht unbedingt eine greencard.

    Und, hätten Sie das Dokument da in Gänze gelesen:
    “ Those holding critical skills physicians, nurses, and certain experts in language“

    Nicht nur Leute mit Sprachkenntnissen, sondern auch Ärzte und Krankenschwestern… und MAVNI ist wie gesagt nicht das einzige derartige Programm.

    Wir müssen im übrigen jetzt nicht noch die nächsten 20 Posts mit dem Versuch verbringen, dass Sie mir (vergeblich) versuchen zu beweisen, dass man zwingend eine GreenCard benötigt, um den US-Streitkräften beizutreten.
    Die Bedingungen wurden zwar nach 2001 verschärft, aber Bedarf schafft Gelegenheit, wie man an solchen Programmen unschwer erkennen kann.

  • Kerveros   |   17. Juni 2013 - 22:48

    @chickenhawk:

    und jenseits der etablierten Programme mal eine Forderung der Republikaner vom letzten Jahr..nicht unbedingt ernst zu nehmen, aber unterhaltsam:

    „Republican presidential candidate Mitt Romney’s campaign office said that it is Romney’s policy that “young” illegal aliens who join the U.S. military should be able to remain in the United States and attain legal permanent residency status, but that Romney is otherwise sticking by his previously stated position that all illegal aliens must return to their home countries.“

    Wenn man mal die Fremdenlegion heranzieht wäre bei einer ähnlichen Idee für Einwanderer in Deutschland zumindest mal für die sprachliche Basisunterrichtung gesorgt ;)

  • jetflyer   |   17. Juni 2013 - 23:52

    Nebensächlich, aber I-94 wird seit kurzem nicht mehr ausgefüllt. Hatte mich auch überrascht.

    Ich finde nicht, dass es wichtig ist welche Regelungen andere Länder treffen. Wir sollten unseren eigenen Weg finden.

    Was ich jedoch nicht nachvollziehen kann ist, dass „wir“ uns noch beharrlich weigern diese Optionen überhaupt in Betracht zu ziehen und z.B. mit dem besonderen Treueverhältnis argumentieren.
    Dieses besondere Treueverhältnis sehe ich zwar auch, verbinde es aber nicht unbedingt mit einem deutschen Ausweis und bin mir sicher, dass qualifizierte Nicht-Deutsche zumindest genauso gut treu dienen werden. Vielleicht dienen diese gerade wegen dem Anreiz einer deutschen Staatsbürgerschaft ein wenig gewissenhafter?!

    Ich habe keine Lösung wie eine solche Regelung aussehen soll, aber ich finde es fatal, diese Möglichkeit mit einer müden Handbewegung vom Tisch zu wischen.

  • ACE   |   18. Juni 2013 - 8:22

    @schnuckel
    „Ich denke der Kündigungsschutz bei den Berufssoldaten ist aber auch ein zweischneidiges Schwert. Ein Berufssoldat mit >25 Dienstjahren ist zwar praktisch nicht kündbar, leider hat er aber auch kaum noch eine Chance sich selber in die freie Wirtschaft umzuorientieren.
    Hier führt die Nachversicherung der Bundeswehr auf Grundlage des deutlich niedrigeren Bruttolohnes zu empfindlichen Einbußen in der später mal zu erwartenden Rente, insbesondere im Vergleich mit der relativ frühen und durchaus attraktiven Pension.“

    Dies könnte sich bald ändern, auch wenn das „Gesetz über die Gewährung eines Altersgelds für freiwillig aus dem Bundesdienst ausscheidende Beamte, Richter und Soldaten“ erst mal im Vermittlungsausschuss gelandet ist. Hier wird eine Möglichkeit eröffnet werden, die manchem Berufssoldaten ein vorzeitiges Ausscheiden versüßen könnte … wenn man ihn denn lässt und nicht mit seltsamen Begründungen festhält …

  • SU(FA)   |   18. Juni 2013 - 8:30

    Schon übel… das schlimmste war die Abschwaffung der Wehrpflicht, damit fing alles an. Durch die Wehrpflicht bin ich selber zur BW gekommen, vorher habe ich auch nie daran gedacht. Hätte ich die Möglichkeit gehabt, wäre ich bestimmt auch binnen der ersten 3 Monate AGA gegangen, aber durch die Wehrpflicht war es ja meine Pflicht durchzuhalten und jetzt bin ich SAZ12. Ich habe während meiner Wehrpflicht noch weitere Kameraden getroffen den es genau so ging, darunter Abiturienten, Realschüler und Hauptschüler, alle in einem Bot und 1/3 (nach meiner Schätzung) haben sich weiterverpflichtet. Sei es als SAZ4 oder 12, Fw, Uffz, Mannschafter oder Offz.

  • BausC   |   18. Juni 2013 - 8:32

    Was das besondere Treueverhältnis anbelangt, so wird dieses ja auch durch den Eid zementiert. Diesen kann auch jeder Nichtdeutsche leisten. Nur hat ein Eid, in unserer Gesellschaft, überhaupt keine Bedeutung mehr. Unter anderem macht es die Politik auch vor wie man zu einem Eid nicht stehen kann und dennoch nicht belangt wird. Das geht aber eher in eine gesellschaftspolitische Debatte. Es passt aber auch in den Kontext der Mißachtung für die Tätigkeit eines Soldaten. Wer möchte schon gerne einen Beruf ausüben, bei dem man auf seine beruflichen Erfolge nicht stolz sein darf?

  • Dee   |   18. Juni 2013 - 9:07

    Vielleicht kann man auch einen anderen Aspekt aufgreifen. Wie steht es mit der Ausbildungsfähigkeit (analog zur Studierfährigkeit) der Freiwilligen? Kommentator Su(fa) spricht es an. Er musste als Wehrpflichtiger durchhalten und seine Pflichten erfüllen. D. h.., heute: Handy aus,morgens immer früh raus, auch nach durchzechten Nächten, sich Dinge vorschreiben lassen, zu denen man eigentlich null Bock hat…. Wo keine Pflicht ist, brauche ich das auch nicht durchhalten. Es hapert an den einfachen Grundfertigkeiten des Lebens: Regeln einzuhalten. Eigenverantwortung und Verantwortung für andere zu übernehmen.
    Die Abbruchzahlen liegen ja analog hoch wie bei den zivilen Ausbildungsplätzen. Da würde ich die Abbruchzahlen bei der BW nicht überdramatisieren, sondern mich stattdessen fragen, was läuft in den den Jahren zuvor, in der Erziehung falsch, dass Basics, die den Zusammenhalt von Gesellschaft sichern, nicht oder nur schlecht funkionieren. Und dooferweise ist das meine Generation (an Eltern und Lehrern), die irgendwas nur suboptimal geleistet hat.

  • Crosswinds   |   18. Juni 2013 - 9:40

    Ich hätte mich niemals getraut aufzugeben. Alle anderen haben es doch auch geschafft! – und stolz war man im Nachhinein auf das Erreichte (wenn auch teilweise sinnloses mit Schikane durchttränktes Abenteuerspiel). Neugier auf das was noch kommt und Verbundenheit, sowie der Leistungsgedanke hielten mich am Ball. Was man nur nicht hätte machen dürfen, mir zu sehr die Option lassen – diese Freiwilligeneinstellung, wenn ich nicht will, dann muss ich nicht. Jung, naiv, auf der Suche nach Lebenserfahrung und ein bisschen Abenteuer und irgendwie doch ganz schön verloren in der Gegenwart – da war die Bw nur richtig…

    Durch den Wegfall von Druck, Zusammengehörigkeitsgefühl, Stolz auf das Errreichte (auch im gesellschaftlichen Kontext) trudelt der Soldat heutzutage im Reich der Freiwilligkeit durch seinen kleinen Microkosmos. Ohne wirkliche Vorbilder aus dem Bereich der Politik, der Gesellschaft und der Vefassungsorgane und m.E. der wichtigste Punkt, ohne ein direkte Verbunden zu seiner „kleinen Kampfgemeinschaft“.
    Finanzielle Vorteile spielen hierbei m.M.n. eine untergeordnete Rolle (Wer mit ein paar DM als Wehrpflichtiger ausgekommen ist, weiß das).
    Die Kaserne in der Pampa. Na ja, hat jeder schon erlebt, auch nicht weiter schlimm.
    Schlimm dagegen, wenn die Kaserne gegen 16Uhr die Bordsteine hochklappt und die „jungen“ Vorbilder mit 25 aus der Kaserne geworfen werden, obwohl meist genügend Wohnraum innerhalb zur Verfügung steht.
    Schlimm, wenn der Dienst als trister Job ohne Kontinuität gesehen wird und die „alten“ Vorbilder keine andere Wahl haben als dies nach „unten“ zu vermitteln.
    Das passiert, wenn ich der Bundeswehr ihren so oft zitierten „Geist der Truppe“ nehme. Ihr eigentliches Zusammengehörigkeitsgefühl. Durch Verwaltungsakte sie so stark beschneide, dass ich ihre eigentliche „Lebendigkeit“ ausgelebt durch die Soldaten ersticke. Dieser Verlust lässt sich durch den Controller/Verwaltungsbeamten nicht erfassen….

    Die Bundeswehr muss ja nicht immer gleich jahrzentelange Zukunftsperspektive bieten. Das wird m.E. gerne falsch vermittelt. Als Obergefreiter X werde ich die zivile Gesellschaft nicht mir hundert Zertifikaten überschwemmen. Warum auch.
    Der Hochwassereinsatz war/ist das beste Beispiel, wie der junge Soldat sofort ein Ziel vor Augen hat/hatte. Eine Sinnhaftigkeit in seinem Tun – ich.diene.Deutschland – erkennt und unter Lebenserfahrung abbuchen kann. Ein persönlicher Stolz und persönliche Reife die man ihm nicht nehmen kann. Ganz nebenbei hat er sogar noch was für Deutschland getan…

    Nur freiwillig diese schweißgetriebene Reife erlangen, das halte ich für den Einzelnen, wenn sich die Gesellschaft dabei schon schwer tut, als wahre Herausforderung…

    Vielleicht wird das Pferd wie so oft von hinten aufgezäumt….

  • Elahan   |   18. Juni 2013 - 9:42

    Ein alter Trick, man macht nicht die Tätigkeit attraktiv, sondern sucht sich Menschen die auch den letzten Job noch machen, weil die Not groß ist.

    Das System zu Ende gedacht: Ersetzt alle unsere in abhängiger Beschäftigung stehende Menschen durch andere Staatsbürger und das Land geht ganz den Bach runter. Die Arbeitgeber wird es freuen und in der nächsten Krise haben die arbeitslosen deutschen Bürger gleich ihre Sündenböcke, die an allem schuld sind. Dummerweise werden nicht die verursacher und entscheider belangt (auch die, welche dieses Verfahren vorgeschlagen haben) sondern die Ausländer werden es dann ausbaden müssen.

    Wenn das System Angebot und Nachfrage klappen soll, dann gild dies eben auch im Berufsleben. Das Angebot künstlich durch Zuwanderung hochhalten verzerrt die Gehaltsstruktur schafft Niedriglohnbereiche und macht die Jobs für deutsche Bürger unattraktiv.

    P.S. Man verschiebt das Problem nur auf später, denn die Ausländer bekommen oft deutsche Kinder.

  • huey   |   18. Juni 2013 - 10:10

    Hat jemand einmal eine Übersicht, wie hoch die Azubi-Abbrecher-Quote beispielsweise in den 1980er/1970er Jahren und davor war?

    Es ist müssig, weiterzudiskutieren, falls diese Abbrecherquoten damals ähnlich hoch gewesen sein sollten…(was ich bezweifle, aber nicht beweisen kann).

  • NMcM   |   18. Juni 2013 - 10:39

    @ Jack Reacher:

    Da stimme ich ihnen vollkommen zu!

  • chickenhawk   |   18. Juni 2013 - 11:12

    @ huey | 18. Juni 2013 – 10:10

    In einem Artikel, den ich gefunden habe, wird die Quote der derjenigen, die eine Berufsausbildung abbrachen, für das Jahr 1979 auf 12 % beziffert. In den 80er und 90er Jahren sei diese Zahl dann gestiegen, bis zu einem Höchststand von 25 % Anfang der 90er Jahre.

    In den 50er und 60er Jahren und davor machte längst nicht jeder Schulabgänger eine Berufsausbildung; es gab bei weitem nicht genügend Lehrstellen. Viele fingen direkt an zu arbeiten, was zu Zeiten der Vollbeschäftigung oft auch der finanziell reizvollere Weg war.

    Mein Vater fing (in den 40er Jahren) seine Lehre an, als er 14 Jahre alt war. Damals wurde man erst mit 21 Jahren volljährig. Die Entscheidung, seine Lehre zu schmeißen, hätte er also kaum selbst treffen können. Die Leute machten auch oft Ausbildungen, zu denen sie an sich überhaupt keine Neigung hatten.

    Eigentlich kann man die heutige Situation mit früher nicht vergleichen; die gesellschaftlichen Verhältnisse haben sich grundsätzlich gewandelt.

  • Reservist   |   18. Juni 2013 - 11:41

    Meine two cents zum Thema Kaserne:

    In meinem Wehrdienst 2006/2007 war ich an zwei Standorten stationiert. Varel und Seedorf. Im ersten Standort konnte man gut und gerne behaupten, die Zeit wäre Mitte der 70er stehen geblieben. Von modernen , zeitgemaessen Einrichtungen keine Spur. Notduerftig wurde alles in Schuss gehalten. Aber Attraktivität war da nicht vorhanden.

    Dann Ende November die Schliessung des Standortes und Wechsel nach Seedorf, wo vorher die Hollaender waren.

    Was war das ein Zeitsprung. Modern eingerichtete Stuben, ein Sportgebaeude, was den Namen endliche einmal verdient, mit komplett eingerichtetem Sportstudio , Squash Hallen und sogar Solarium. Die Holländer hatten sogar ein Kino (!) auf dem Gelände. Einem 30m Kletterturm, Kunstrasenplaetzen.

    Kurzum den Hollaendern wurde etwas geboten ! Unseren Vorgesetzten lief damals das Wasserm im Mund zusammen, so etwas hätten sie in ihrer ganzen Dienstzeit nicht gehabt.

    Jetzt mag man wieder in die Kerbe, Klage nicht, kaempf ! schlagen, aber der Vgl. was in anderen Nationen moeglich ist….

    Was mir aber in noch praegender Erinnerung geblieben ist: Nichts durfte benutzt werden bis zum Ende meines Wehrdienstes. Es musst ja noch alles vom TÜV abgenommen werden. Die Kampfsporthalle und Solarien wurden gleich einmal dicht gemacht. Natobahn und Truppenuebungsplatz ebenfalls noch nicht freigegeben.

    Die Hollaender hatten noch ihren eigenen zivilen Sportlehrer im Sportgebaeude : Der kam aus dem Kopfschuetteln nicht mehr heraus.

    Mittlerweile ist der Standort Seedorf, ausgelegt fuer was – 1200 Soldaten, Heimat von mehr als der doppelten oder dreifachen Menge?

  • Cynic2   |   18. Juni 2013 - 14:47

    @ Reservist
    Zu dieser Kaserne ist anzufügen, dass sie für die Soldaten tolle Möglichkeiten bot, die Züge tagsüber aber ohne Mobiltelefon kaum noch führbar waren, weil die Dienstzimmer, Unterkünfte und Arbeitsbereiche über die ganze Kaserne verteilt waren.Über diese Probleme fluchen die Vorgesetzten, die an ein Kompaniegebäude gewöhnt waren, bis heute.

  • Elahan   |   18. Juni 2013 - 16:10

    Die Unterkunftssituation ist in vielen Kasernen eine Katasrophe und nicht mehr zeitgerecht.
    Was für Wehrpflichtige in den 60ern genügte, ist ggf für einen 22 Jährigen SaZ (FwDl) nicht mehr zeitgemäß.

    Die meisten Campingplätze bieten mehr:

    http://www.pianidiclodia.it/mobile/de/einrichtungen/bungalow_maxicaravan.php?id=M3C

    Oder:

    http://www.spiegel.de/fotostrecke/containerdorf-fuer-studenten-in-berlin-plaenterwald-geplant-fotostrecke-95723-tablet.html

    Man muss mal neu denken, wenn man mobil sein will.

  • Insider   |   18. Juni 2013 - 18:22

    @Cynic2
    Das ist doch Normalität in den meisten Kasernen. Die T-Bereiche , Sanitäter, Küche etc. sind in jeder Kaserne etwas disloziert. Oder was soll man den erst auf den Flugplätzen sagen. Das ist eher ein Organisationsproblem.

    @ Elahan
    Ich bin dafür jeden Berufssoldaten bei Ernennung mit einem Wohnmobil auszustatten. Das macht die Unterkunftssituation einfacher und ich brauche keine Zweitwohnung mehr anzumieten, UKV fällt auch weg und Parkplätze gibt es in den Kasernen ja genug. Wäre doch schön so ein Campingplatz im T-Bereich. Und abends beim Grillen mit dem Kommandeur kann man den nächsten Ausbildungstag besprechen ;-))

  • Interessierter   |   18. Juni 2013 - 18:28

    Die Unterkunftssituation in der Bw ist in vielen Standorten eine Katastrophe.

    Ist der Standort attraktiv, sind die Mieten kaum zu bezahlen. Das wohnen in der Kaserne ist möglich, mit entsprechender Leidensfähigkeit. Wenn man aus privaten Gründen seinen Lebensmittelpunkt beibehalten muss und KEIn TG – Empfänger ist, ist das echt kein Geschenk. Kein Internet, kein UMTS-Empfang, einen Heimbetreiber der den Namen nicht verdient, sanitäre Anlagen von Ende der 80er.
    Dann wird man als Ü25 noch vor die Tür gesetzt und darf sein halbes Monatsgehalt für die Pendelei und das Wohnen am Standort ausgeben…tolle Sache… Und bitte kommt jetzt nicht mit „dir wurde doch die UKV zugesagt“ … Es gibt Fälle da geht es einfach nicht mit einem Umzug.

  • John Little   |   18. Juni 2013 - 19:35

    Da kann ich allen meinen Vorrednern nur zustimmen.
    Eine weitere Sache, die mich schon seit laengerem beunruhigt ist, dass die Bindung und damit der Stolz zu einer Truppengattung oder sogar zu einem Btl zu gehoeren im Prizip nicht mehr vorhanden ist. Dies fing mit den OA-Btls und dem Studium als OG an und endete mit der Abschaffung der AGA-Kps in den Btls zu Gunsten von unpersoehnlichen Rekrutenkompanien im Heer oder Ausbildungkompanien der SKB.
    Klar wer braucht schon eine ganze Kp fuer die wenigen Rekruten, aber andererseits schadet ein AGA-Zug im Btl sicher nicht. Die Bindung ist von Beginn an da und man will dazu gehoeren!

  • Insider   |   18. Juni 2013 - 20:45

    Ein weiterer krasser Gegensatz zeigt sich für unseren Nachwuchs wenn mal die Werbewelt der Bundeswehr (Abenteuercamps, Bw Beachen, Werbung via Facebook, Werbespots über „Quantencomputer“ bei Deutschlands grossem Technischen Arbeitgeber etc.) mit dem Ist im täglichen Dienst vergleicht.
    Welcher Mannschafter bekommt schon eine PKI Karte und einen PC und hat Zugriff auf das Intranet. Von Internet irgendwo in der Kaserne mal ganz zu schweigen. Dazu kommt Umgang mit Gerät das teilweise deutlich älter ist wie der Soldat selber. Sportausbildung die sich meistens auf das Ablegen des DSA beschränkt und natürlich In Ermangelung von ausreichenden Ausbildungskapazitäten eine sich dauernd verschiebende Lehrgangsplanung. Ich hatte z.B. einen SaZ4 wo es die Bundeswehr nicht geschafft hat ihn auf einen für seinen Dp notwendigen Lehrgang zu schicken. Und das lag definitiv nicht am Soldaten selber.

  • Thomsen   |   18. Juni 2013 - 21:06

    Welcher Mannschafter BRAUCHT einen Intranetzugang? Vielleicht fehlt mir als Heckklappenviech d.R. da der Horizont, aber die Mannschaften bei uns, die einen benötigten, hatten einen (Stabsverwendung etc.), weil er dienstlich erforderlich war.

  • Insider   |   18. Juni 2013 - 21:34

    Natürlich braucht den nicht jeder. Worauf ich hinauswollte ist, das sich die Bw so supermodern in der Werbung darstellt und damit völlig falsche Erwartungen weckt. Dazu kommt, das wir eine Generation ansprechen die mit dem PC und dem Internet aufgewachsen ist. Und wenn ich mir überlege wieviele Informationen ich mir privat für Ausbildungen zusammengesucht hatte, weil ich auch als Zugführer bis heute noch keinen dienstlichen Internetzugang gehabt habe, dann ist das im 21. Jahrhundert nur noch peinlich.

  • BausC   |   18. Juni 2013 - 21:43

    @Thomsen
    Früher hat das Brot auch nur 50 Pfennig gekostet. Die Zeiten ändern siche eben. Das heist nicht, dass es besser wird aber der normativen Kraft des Faktischen kann sich auch die Bundeswehr nicht verschließen. Abgesehen davon macht sich eine Unsitte breit und nun bin ich eigentlich bei ihnen, Befehle werden oft nicht mehr gegeben sondern genommen. „Steht im Netz“ ist ein häufig gebrauchter Satz, wenn eine Befehlslage erfragt oder erforderlich wird. Was tun wenn das Heckenklappenvieh keinen Intranetzugang hat?
    Ferner ist es oft unerträglich wenn der dienstliche IT Standard Lichtjahre vom persönlichen entfernt ist. Da fällt es schwer den Internet gewohnten Nachwuchs zu motivieren.

  • Interessierter   |   19. Juni 2013 - 9:35

    @BausC

    Teilweise Zustimmung. Viel schlimmer als das „steht im Netz“ finde ich persönlich, das Befehle teilw. garnichtmehr runtergebrochen werden, sondern einfach nur noch mittels „weiterleiten an“ ungefiltert, unausgewertet und ungelesen durchgeschoben werden. Führungsprozess 2.0 eben…

  • Thomsen   |   19. Juni 2013 - 15:42

    @ BausC, 18. Juni 2013 – 21:43:

    „@Thomsen
    Früher hat das Brot auch nur 50 Pfennig gekostet. Die Zeiten ändern siche eben.“

    Das tut nichts zur Sache, wenn ich die Notwendigkeit eines Intranetzuganges aus DIENSTLICHEN Gründen als Maßstab anlege. Wer den braucht, der kriegt ihn. Wer ihn nicht braucht und trotzdem hat, der hockt den ganzen Tag davor und surft in den Weiten des Intranets umher, mit allen erdenklichen Folgen.

    Der Informationsfluss ist eine Führungsaufgabe, aber das ist auch ein Thema für sich.

    Gut, das Thema „Steht im Netz“ ist ein Klassiker, das ist richtig. Streiche Auswerten des Auftrages durch den verantwortlichen Führer, setze Weiterleiten“ der LoNo durch den Geschäftzimmer- bzw. Stabsdienstsoldaten, der Empfänger wird sich schon die für ihn relevanten Infos rauspicken.

    Zum Thema „WLAN“ etc. in der militärischen Liegenschaft schaut das natürlich anders aus. Eigeninitiative regiert da wieder die Welt…

  • Cynic2   |   19. Juni 2013 - 16:19

    @Interessierter
    „Die T-Bereiche , Sanitäter, Küche etc. sind in jeder Kaserne etwas disloziert.“
    Bei den zentralen Funktionsbereichen ist das ja auch hinzunehmen. Ich sprach von den unterschiedlichen funktionalen Bereichen eines einzelnen InfZg: Dienstzimmer ZgFhr u. KpFü, Unterkünfte der Msch, Unterkünfte der Fw, Zugkeller, ZgWaKa, FmKa und Stellfläche der ZgFz verteilt auf sechs bis neun unterschiedliche Lokationen innerhalb der Kaserne.
    Da gibt es Kasernen, in denen ist das auf zwei bis drei Lokationen verteilt und es wird deutlich weniger Zeit für alles gebraucht.

    „Oder was soll man den erst auf den Flugplätzen sagen. Das ist eher ein Organisationsproblem.“
    Naja, zum Glück ist ein InfZg keine fliegende Abteilung. Selbstverständlich ist das ein Organisationsproblem und die Lösung in SEEDORF lautete, dass nahezu alle ständig ihre privaten Mobiltelefone zur Koordination nutzten. So eine Infrastruktur verbrennt aber trotzdem jede Menge Ausbildungszeit. Das ist dann halt der Preis für die funktionale Trennung und die schickeren Unterkünfte.