Freiwillige Kurzdiener bei der Bundeswehr: Weiterhin bricht ein Viertel ab

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Gut fünf Jahre nach der Aussetzung der Wehrpflicht bricht weiterhin ein Viertel der Freiwillig Wehrdienstleistenden (FWDL) den Dienst vorzeitig ab. Diese Zahl nannte Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen nach Angaben der Rheinischen Post. Für die Ursache machte die Ministerin die Bundeswehr mit verantwortlich: Die hoch motivierten jungen Leuten wollen bei der Bundeswehr gefordert werden. Da müssen wir uns als Arbeitgeber noch mehr anstrengen.

Die Abbrecherquote von einem Viertel ist nicht neu; schon vor drei Jahren hatte die Bundeswehr feststellen müssen, dass ein Viertel der Männer und Frauen von der Möglichkeit Gebrauch machte, innerhalb des ersten halben Jahres von diesem Kurzdienst zurückzutreten. weiterlesen

Kündigung im freiwilligen Wehrdienst: Ein Drittel sieht keine Perspektive in der Truppe

In der vergangenen Woche hatte das Verteidigungsministerium eine Bilanz der Meldungen zum freiwilligen Wehrdienst gezogen. Die wichtigste Zahl war schon früher klar gewesen: Knapp ein Viertel der Freiwillig Wehrdienst Leistenden (FWDL), die bis zu 23 Monate zur Truppe gehen, wirft innerhalb der Probezeit in den ersten sechs Monaten hin. Das ist zwar, wie Generalleutnant Norbert Finster, der Abteilungsleiter Führung Streitkräfte, verangene Woche versicherte, ungefähr der gleiche Prozentsatz wie bei zivilen Ausbildungsverhältnissen. Unklar bleibt allerdings, warum die Zahl der vorzeitigen Abbrecher beim ebenfalls mit Aussetzen der Wehrpflicht eingeführten Bundesfreiwilligendienst nur bei 15 bis 20 Prozent liegt.

Interessant sind die zusätzlichen Zahlen, die ich nach dieser Bilanz aus Finsters Abteilung erfragt habe. Die Bundeswehr hatte die vorzeitigen Abbrecher nach ihren Gründen befragt, und knapp 1.000 der ausgegebenen Fragebögen (bei knapp 5.000 Abbrechern) kamen auch zurück. Die möglichen Gründe konnten angekreuzt werden, und Mehrfachnennungen waren möglich:

• Der mit rund 37 Prozent am häufigsten genannte Einzelgrund für den Abbruch war die Entfernung vom Sationierungsort nach zuhause

• Zwar nannten 34 Prozent eine bessere zivilberufliche Alternative als Grund für den Abbruch, also zum Beispiel eine Ausbildungsstelle oder einen Studienplatz, die zu Beginn des freiwilligen Wehrdienstes noch nicht sicher waren. Doch ebenso beklagten auch 34 Prozent eine fehlende Zukunftsperspektive in der Bundeswehr. weiterlesen

Mehr BuFDis als FWDLer

Zunächst mal das Positive: Auch nach faktischer Abschaffung der Wehrpflicht und damit ebenso des Zivildienstes gibt es weiterhin Tausende (junge) Menschen, die sich in einem Dienst an der Gemeinschaft engagieren.

Und jetzt mal in die Details nach fast einem Jahr der beiden neuen Institutionen, des Bundesfreiwilligendienstes (BFD) und der Freiwillig Wehrdienst Leistenden (FWDL). Die Wohlfahrtsverbände haben heute Bilanz gezogen, zum Beispiel das Diakonische Werk:

„Das große Interesse am Bundesfreiwilligendienst ist erfreulich und zeigt, wie viele Menschen bereit sind, sich zu engagieren“, betont Diakonie-Präsident Johannes Stockmeier rund ein Jahr nach Start des BFD. Etwa  4.600 BFDler sind bisher in diesem Jahr in den Einrichtungen und Diensten von Diakonie und evangelischer Kirche tätig. Die Erwartungen wurden damit übertroffen. Die Teilnehmerzahlen könnten aber noch deutlich höher sein, wenn es mehr finanzielle Mittel für den BFD gebe, erklärt Stockmeier. Defizite sieht die Diakonie darüberhinaus bei der pädagogischen Begleitung im BFD.
(…)
Diakonie und evangelische Kirche sind mit 4.600 BFDlern in diesem Jahr einer der größten Anbieter des neuen Bundesfreiwilligendienstes. Rund 80 Prozent der BFDler sind jünger als 27 Jahre, nur knapp ein Prozent sind älter als 65. In den östlichen Bundesländern engagieren sich weniger Jüngere, dafür mehr Freiwillige über 27 Jahren als im Westen. Die Abbrecherquote beim BFD in Diakonie und evangelischer Kirche liegt, ebenso wie beim FSJ, unter zehn Prozent.

Zum Vergleich eine Kurzbilanz des Verteidigungsministeriums von Mitte Juni:

Seit Juli 2011 konnten aus ca. 20.000 Bewerbern 12.000 Freiwillige eingestellt werden, von denen wiederum ca. 9.000 weiterhin im Dienst sind.
Um das Ziel zu erreichen, dass 5.000 FWDL im Jahresdurchschnitt ihren Dienstleisten, müssen aufgrund der durchschnittlichen Verpflichtungszeiten (14 – 16 Monate) 4.000 Freiwillige pro Jahr geworben werden. Dies wurde übertroffen.
Für den Dienstantritt 2012 haben wir bisher ca. 1.450 Einplanungen (davon 8% Frauen, Stand z.Juni 2012). Bis zum 1. Juli wird sich die Zahl noch entwickeln. Zusammen mit den Freiwilligen, die im Januar und April 2012 eingestellt wurden, haben wir in 2012 bereits ca. 5.600 FWDL eingestellt. Gehen wir weiterhin von einer Abbrecherquote von ca. 25% aus, verbleiben ca. 4.200 FWDL im Dienst.

Nun weiß ich auch, dass Äpfel und Birnen nicht direkt vergleichbar sind, aber beides Obst ist. Wenn allein Diakonie und Evangelische Kirche im Jahresdurchschnitt etwa so viele BFD-Stellen haben wie die Bundeswehr FWDL, und dazu eine Abbrecherquote von zehn Prozent gegenüber 25 Prozent – kann das so nicht gewollt sein?

Dazu:

bundeswehr.de: Freiwilliger Wehrdienst – Erfahrungen aus der Truppe

tagesschau.de: Ein Jahr Bundesfreiwilligendienst – Nachfrage übersteigt die Erwartungen