Tanken mit Mandat (Nachtrag: Blauhelme?)

Kampfflugzeuge vom Type Mirage 2000D beim Überführungsflug über Afrika, aufgenommen aus einem Tankflugzeug (Foto: Französische Streitkräfte/EMA)

Überraschend ist es nicht, was Verteidigungsminister Thomas de Maizière der Süddeutschen Zeitung (Donnerstagausgabe) erzählt hat: Deutschland ist bereit, die französischen Streitkräfte bei ihrem Einsatz in Mali mit Luftbetankung zu unterstützen. Diese Absicht hatte sein Ministerium bereits vor knapp einer Woche deutlich gemacht, als die Anfrage der Franzosen in Berlin bekannt wurde.

Eine bisherige Unklarheit hat de Maizière allerdings ausgeräumt: Wenn die Luftwaffe einen Tanker nach Afrika schickt, soll das mit Mandat des Bundestages geschehen. Denn wir würden bei der Luftbetankung so nah an die vom Bundesverfassungsgericht vorgegebene sogenannte Einsatzschwelle kommen, das wir wohl mandatieren sollten. Gegebenenfalls können wir das dann mit dem Mandat für die geplante EU-Ausbildungsmission verbinden, zitiert die Süddeutsche den Minister.

Wie schnell das überhaupt gehen kann, hängt politisch vom Karneval ab, pardon, vom Zeitplan des Bundestages: Die nächste Sitzungswoche des Parlaments findet, auch karnevalsbedingt, erst ab dem 18. Februar statt.Vor einem Mandatsbeschluss ist damit kaum vor Ende Februar/Anfang März zu rechnen. Grundsätzlich politisch umstritten scheint das in Berlin nicht zu sein; mit Ausnahme der Linken scheinen alle Bundestagsparteien bislang bereit, einen solchen Einsatz mitzutragen.

Bis dahin kann die Luftwaffe zusammen mit den Franzosen an der Zertifizierung des Zusammenspiels von deutschen A310 MRTT-Tankern und französischen Jets vom Type Mirage und Rafale arbeiten. Allerdings ist auch eines bereits absehbar: Mehr als eine fliegende Tankstelle werden die Deutschen nicht an den Himmel über Afrika bekommen. Theoretisch gäbe es zwar die Möglichkeit, vier der Fracht-Airbusse mit einem Tankmodul auszurüsten – allerdings auf Kosten der Frachtkapazität für andere Einsätze und vor allem der fliegenden Rettungsstation MedEvac-Airbus, der vor allem für Afghanistan in Bereitschaft gehalten wird.

Nachtrag: Da ist einiges im Fluss, und in nächster Zeit wird noch vieles passieren können. Zum Beispiel ein UN-Mandat für eine Blauhelmtruppe, für die sich auch Frankreich ausspricht, wie Reuters berichtet:

French Defence Minister Jean-Yves Le Drian on Thursday backed the idea of sending a United Nations peacekeeping force into Mali, saying France would play a role in any such plan.
The U.N. Security Council is to begin discussing the possibility of deploying U.N. troops in the stricken West African nation, envoys said of an idea it had previously been uncomfortable with before France’s recent military intervention.

 

16 Kommentare zu „Tanken mit Mandat (Nachtrag: Blauhelme?)“

  • RauscheBART   |   31. Januar 2013 - 9:14

    Der Tanker von dem aus das Foto gemacht wurde ist eine KC-135.

  • Quattromaniac   |   31. Januar 2013 - 9:27

    ja… ist klar.
    Frankreich betreibt elf C-135FR und drei KC-135R.

  • Elahan   |   31. Januar 2013 - 10:29

    Dabei ist alles!…………. mit ohne Plan!

    „Breite vor Tiefe“

  • TomTom   |   31. Januar 2013 - 11:01

    Warum fällt eine so wichtige parlamentarische Debatte wegen der Faschingsfeier einiger weniger aus?
    Dann kann das alles nicht so dringend sein, wenn wir sie wegen einer Kostümparty verschieben.
    Aber die Bw stellt ja auch großflächig die Arbeit ein in den kommenden Wochen…
    Jedes Jahr der gleiche Schwachsinn.

  • Memoria   |   31. Januar 2013 - 11:07

    Mal schauen, ob sich Deutschland an der angedachten Blauhelmmission beteiligen wird.
    Blauhelme sind ja die Guten…

    Ist ja ein interessanter neuer „Dreh“, da man ja bisher eine AU-Mission für zweckmäßig hielt. Nun vielleicht also Blauhelme mit französischem (und ggf. europäischem?) Anteil à la UNIFIL.

  • Christian   |   31. Januar 2013 - 11:40

    Wie peinlich. Deutschland ist so langsam und träge geworden. Bis wir das alles beschlossen haben, ist doch die ganze Show bereits gelaufen.

    Aber vielleicht ist es genau das, was wir wollen. Wir quatschen uns zu Tode…

    Effektiv ist das nicht.

  • Nawi   |   31. Januar 2013 - 13:39

    Im Karneval spielt man den anderen vor, was man gerne wäre.
    Also kann doch in der Zeit nicht über Realität entschieden werden, könnte doch falsch interpretiert werden.

  • Ben   |   31. Januar 2013 - 14:16

    „Frankreich betreibt elf C-135FR und drei KC-135R.“

    Die FR Tankerflotte ist auch schon recht überaltert und dazu sind das US Produkte, die selbst in den USA zu Ablösung anstehen. Wahrscheinlich sind zu wenige KC135 Einsatzfähig.

  • TOM   |   31. Januar 2013 - 15:23

    @ Christian: 100% Zustimmung! Ist wie NATO (No Action Talk Only)

  • Franz S.   |   31. Januar 2013 - 15:58

    Der Flickr-Account der Bundeswehr ist wie üblich auf der Höhe der Zeit, heute wurden dort Fotos hochgeladen, die Tornados bei der Luftbetankung zeigen ;-) Immerhin ein Aspekt der Bw-Öffentlichkeitsarbeit, der zeitnah funktioniert.

  • Ben   |   31. Januar 2013 - 17:07

    Soweit ich das ergoogeln konnte, haben die Franzosen auch nur einen Tanker im Einsatz. Die Jets müssen vom Tschad nach Mali und zurück wieder fliegen. Für 2-3 Jets dürfte der A310 MRTT ausreichend sein.

    Die USA und Italien haben auch Tanker angeboten. Vielleicht ist der Einsatz des A310 MRTT am billigsten. Den Sprit werden wohl die Franzosen stellen müssen.

  • Elahan   |   04. Februar 2013 - 13:55

    „Allerdings sei man von einer europäischen Armee noch weit entfernt. Diese sei „eine Taube auf dem Dach“. Das zeigten zum Beispiel die Schwierigkeiten bei der Luftbetankung französischer „Mirage“- und „Rafale“-Jets durch Flugzeuge der Bundeswehr. Dies sei derzeit nicht möglich, da die Einfüllstutzen nicht standardisiert seien.“ TdM 03.02.2013

    Wenn noch nichteinmal der IBUK keine Ahnung hat, was soll man da von unseren Bürgern erwarten!

    P.S.: Zum Zeitpunkt der Anfrage an die NATO waren auch die BRD Tornados nicht zertifiziert! Das Lag nicht an der Technik, sondern an den fehlenden Flugstunden und der Notwendigkeit!
    Breite vor Tiefe!

  • Elahan   |   04. Februar 2013 - 14:22

    „Klar ist ohnehin: Auch mit dem neuen Fähigkeitsprofil werden wir nicht immer alles machen können. Das priorisierte Fähigkeitsprofil setzt deshalb Schwerpunkte – und sagt, wo eine Ausdünnung hinnehmbar ist. Es setzt Prioritäten. Mit Blick auf die Bandbreite möglicher Einsätze wird es jedoch immer auch auf die Fähigkeiten unserer Partner ankommen. Das ist Bündnis und das ist „smart“.“ TdM 22.10.2012 Straußberg

    ….Mali und Luftbetankung gehörten nicht zum Schwerpunkt der Luftwaffe!

  • Elahan   |   04. Februar 2013 - 14:27

    „Ausgehend von der sicherheitspolitischen Analyse haben wir das priorisierte Fähigkeitsspektrum festgelegt.“ 22.10.2012 TdM Straußberg

    Auch da gehörte eine Interventionsunterstützung durch Tanker in Mali nicht dazu!

  • K.B.   |   05. Februar 2013 - 21:18

    Mindestens genauso problematisch ist doch folgende Aussage TdMs im ARD-Interview :

    „… Wir reden von der gemeinsamen Standardisierung von Tankfüllstutzen. Das ist mein tägliches Werk.“

    Wenn das sein tägliches Werk ist, läuft doch irgendwas schief.
    Er muss die Richtung vorgeben. Er muss seinen Kopf frei haben, konzeptionelle Arbeiten zu liefern und die Konzepte seiner Mitarbeiter im internationalen Rahmen zu vertreten.
    Micro-Management widerspricht nicht zuletzt den guten militärischen Führungstraditionen in Deutschland.

  • Tornado   |   05. Februar 2013 - 21:29

    @Elahan

    „… Zum Zeitpunkt der Anfrage an die NATO waren auch die BRD Tornados nicht zertifiziert!…“
    Das ist so nicht korrekt. Deutsche Tornados tanken schon seit Jahren an den A 310 MRTT.