Patriot-Batterien an die türkisch-syrische Grenze – vielleicht aus Deutschland?


Abgefeuerte Patriot-Rakete (Foto: U.S. Army Photo, Frank Trevino)

Bereits in der vergangenen Woche hatte es die ersten Meldungen gegeben, die Türkei wolle ihre NATO-Partner um die Stationierung von Patriot-Flugabwehrsystemen an der türkisch-syrischen Grenze bitten. Im Laufe des heutigen Tages gab es dazu verschiedene widersprüchliche Nachrichten – und klar scheint bislang nur zu sein, dass es kein formelles Ersuchen der Türkei an die NATO gibt. Aber inoffiziell wird verhandelt. Auch mit Deutschland, wie die ARD berichtett:

Nach Informationen des ARD-Hörfunkstudios in Brüssel verhandelt die Regierung in Ankara mit Deutschland und mehreren anderen NATO-Mitgliedern über die „Patriot“-Stationierung.

Die vorangegangenen heutigen Meldungen waren aus der Türkei gekommen; allerdings waren die Angaben recht uneinheitlich. Außenminister Ahmet Davutoğlu hatte erklärt, die NATO bereite sich auf einen solchen Patriot-Einsatz vor; Dagegen dementierte Premierminister Recep Tayyip Erdoğan, dass es eine Anfrage gebe. Allerdings war wiederum dieses Dementi merkwürdig:

Prime Minister Recep Tayyip Erdoğan told reporters yesterday in Indonesia that Turkey had no plans over the Patriot deployment. “We do not have any plans to pay money to procure Patriots.”
Later in the day, however, Foreign Minister Ahmet Davutoğlu was quoted to be saying NATO was preparing to deploy Patriot missiles on Turkish soil. However, the report was later denied by the Foreign Ministry. Erdoğan said Turkey had not made any request to deploy the missiles. His comments came after a senior Turkish Foreign Ministry official said Turkey planned to make an “imminent” request to NATO for the missiles to be deployed along its border with Syria.

Der Sache am nächsten kommt wohl der Tweet eines US-Kollegen:

State Dept: No formal request of NATO for Patriots, but we’re looking at the full range of things to ensure Turkey remains safe and secure.

… wobei das Schüsselwort hier wohl no formal request sein dürfte. Was ja inoffizielle Anfragen eben nicht ausschließt.

Die Zahl der NATO-Staaten, die über dieses Flugabwehrsystem verfügen, ist übrigens begrenzt: wenn mein Überblick stimmt, haben die USA, Deutschland und die Niederlande Patriot-Batterien. Und die Griechen. Die dürften allerdings für einen Einsatz in der Türkei nicht so recht infrage kommen.

 

12 Kommentare zu „Patriot-Batterien an die türkisch-syrische Grenze – vielleicht aus Deutschland?“

  • Andreas   |   07. November 2012 - 23:11

    Dabei wäre es doch für das griechiche Defizit gut, Patriots zum Höchstpreismzu verkaufen…

  • Xstar   |   08. November 2012 - 1:46

    Was will Ankara damit? Gegen Granatbeschuss ist Patriot ungeeignet.
    Normalerweise sehe ich Flugabwehr immer als eine geeignete Komponete um Verbündeten zur seite zur stehe.
    Jedoch glaube ich immer noch das uns da größeres bevor steht.

  • Ben   |   08. November 2012 - 7:27

    Die Türkei will keine Patriot Raketen, die möchte die Nato in ihren Angriffskrieg gegen Syrien einbinden. Sind die Patriots angekommen, werden schnell neue Forderungen gestellt. Die Türken haben einen Krieg angefangen, und jetzt ist ihnen ihr Krieg zu teuer geworden.

  • Victor Hugo   |   08. November 2012 - 8:48

    @Ben
    versteh ich nicht, erklären Sie mal.
    Wenn der Bündnisfall eintritt, dann bestimmt nicht von der TÜRKEI allein ausgerufen.
    Sorgen sollte man sich in der Tat machen, inwieweit ISR in die Sache mit hineingezogen wird( wenn es nicht sowieso schon soweit ist (Rebellen versus reg.SYR Panzer auf dem Golan).

  • Berufssoldat   |   08. November 2012 - 10:40

    Ich erklär mal @Victor Hugo.

    NATO Patriot steht in der Türkei.
    Granate aus Syrien trifft Patriotstellung in Türkei.
    KRIEG!!!!!

  • Sgt. Thrash   |   08. November 2012 - 13:05

    @ Berufssoldat

    das glauben Sie doch selbst nicht. Wenn sowas passieren würde, würden erstmal Syrien aufgefordert werden das gefälligst zu lassen, weil sonst….

    In diesen Konflikt sollten wir uns nicht reinziehen lassen.

  • Tom   |   08. November 2012 - 13:40

    Au ja, die NATO und die Türkei brennen darauf, ganz offen und schmutzig Krieg in/gegen Syrien führen zu können. Leider müssen sie noch warten, bis es einen glaubhaften Kriegsgrund gibt. Mann, Mann, Mann.

    Die Gründe warum die Stationierung von Patriots in Erwägung gezogen wird, sind vielschichtig, aber nicht aggressiv:
    – Signal an die eigene Bevölkerung, dass man sie schützt.
    – Warnung an Syrien, dass auch unabsichtliche und unschädliche Grenzverletzungen Konsequenzen haben.
    – Forcierung der bestehenden Forderung nach einer Pufferzone um Flüchtlingen in Syrien eine sichere Aufenthaltsmöglichkeit noch vor Grenzübertritt zu bieten.
    – Lenkung der internationalen Aufmerksamkeit auf dieses Hinterhofproblem der Türkei
    – …

  • Ops   |   08. November 2012 - 13:47

    Die USA lassen auf Wunsch Israels die Türkei die NATO fragen, ob man nicht ein paar Patriots in deren Südosten aufstellen kann, um dann noch etwas mehr Druck auf Iran auszuüben – auch damit es in Syrien etwas leichter geht. Ja, wenn man einen Schwachkopf vom Format echter Transatlantiker dafür in Europa sucht, steht Merkel natürlich ganz oben auf der Liste.

  • Frank   |   08. November 2012 - 14:06

    *- Forcierung der bestehenden Forderung nach einer Pufferzone um Flüchtlingen in Syrien eine sichere Aufenthaltsmöglichkeit noch vor Grenzübertritt zu bieten.*

    Patriot hat Reichweiten von 45 bis 160 km je nach Raketentyp und Ziel.
    Damit deckt sich der Wunsch der Türkei nach einer Flugverbotszone entlang der Grenze doch mit den Fähigkeiten des Systems.

    Nur wer währe in der Lage genug Batterien zur Verfügung zu stellen?
    Eigentlich nur DE oder USA.
    NUR bezweifle ich das ein so offensiv eingesetztes Patriot in DE politisch gewollt ist

  • Florian   |   08. November 2012 - 15:51

    Ich frag mich für was die Patriots überhaubt gebraucht werden? Syriens Luftwaffe ist doch bis auf Export MiG-29 auf Stand 1980.
    Die Türkei hat selber Hawk 21 SAM (laut wiki), zusammen mit den Gdf-003 Kanonen müsste man doch den Luftraum sperren können.

    Einzig gegen Scuds und Konsorten wären PAC-3 sinnvoll. Aber effektiv mit Scuds was treffen hat doch Saddam auch nicht geschafft.

  • markus   |   08. November 2012 - 18:48

    die panik in isreal war aber groß anno dunnemal. sowas kostet auch. monetär und besonders politisch. die kassams treffen auch kaum etwas. unabhängig von ihrer unmittelbaren wirkung üben sie jedoch massiven druck auf jereusalem aus, der knallerei einhalt zu gebieten.