Deutscher katholischer Bischof für internationale Schutzzone in Syrien

Von dem Interview, das die Katholische Nachrichtenagentur (KNA) mit dem Trierer Bischof Stephan Ackermann geführt hat, kenne ich bislang nur die Nachrichtenfassung von Radio Vatikan, aber schon das lässt aufhorchen:

Die internationale Gemeinschaft sollte nach Ansicht des Trierer Bischofs Stephan Ackermann in Syrien auf die Einrichtung von Schutzzonen für die Zivilbevölkerung drängen.(…) „Eine humanitäre Intervention ist ernsthaft in Erwägung zu ziehen.“

Nun ist Ackermann nicht nur katholischer Bischof von Trier, sondern auch Vorsitzender der Deutschen Kommission Justitia et Pax. Und damit sozusagen die Stimme der katholischen Kirche in Deutschland für Friedensfragen. Mal sehen, welche Resonanz sein Vorschlag findet. (Vielleicht müsste man auch den kompletten KNA-Text finden.)

Und zur Ergänzungen: Es gibt Meldungen, dass nach französischen Angaben im UN-Rahmen eine Flugverbotszone über Syrien erwogen wird.

Nachtrag: Jetzt habe ich die komplette KNA-Meldung sehen können. Eine zentrale Aussage Ackermanns (ich hoffe sehr, dass dieses Zitat noch im Rahmen des Zulässigen ist …):

Es hieße den Gedanken der Schutzverantwortung unzulässig zu verkürzen, wollte man ihn nur auf die Frage einer militärischen Intervention reduzieren. Die politische Leitfrage ist: Wie können wir einen hinlänglichen Schutz der Zivilbevölkerung gewährleisten? Das kann am Ende in manchen Fällen dazu führen, dass man auch militärische Mittel in Erwägung zieht. Sich aber vorschnell nur noch mit dieser Frage zu befassen, wird dem Ernst militärischer Mittel nicht gerecht, und es verengt den politischen Blick zusätzlich.

Bei aller Vorsicht in der Formulierung: Militärische Mittel sind für ihn danach denkbar.

Zu dem französischen Vorstoß bei den Vereinten Nationen gibt es jetzt eine Reuters-Meldung: France to propose UN Chapter 7 provision on Syria

Nachtrag 2: Der komplette Wortlaut des Interviews mit dem Bischof ist jetzt hier zu finden.

89 Gedanken zu „Deutscher katholischer Bischof für internationale Schutzzone in Syrien

  1. NROs wie Amnesty International sind letztlich auch nur kommerzielle Unternehmen, die davon leben Themen aufzugreifen, die die potentiellen Spender gerade bewegen. Um sie zum Spenden zu bewegen, muß man das behandelte Geschehen moralisch aufladen und Empörung erzeugen, damit der Spender durch die Zahlung von Geld das Gefühl erlangen kann, etwas für das Gute in der Welt getan zu haben. Dieses Gefühl hätte der Spender nicht, wenn Konflikte differenziert und in ihrer ganzen Komplexität und mit allen Fragezeichen und Unklarheiten beschrieben würden. Also kann man solche Darstellungen von Amnesty International auch nicht erwarten.

    Methodisch ist der Bericht von AI dementsprechend fragwürdig. Mit der Vorgehensweise von AI erzielt man stets die gewünschten Ergebnisse. Man stellt z.B. alle vorgetragenen Behauptungen der offensichtlich nicht repräsentativ ausgewählten Gesprächspartner als Fakten dar. Ob und wie die Angaben überprüft wurden, ob es widersprüchliche Angaben gab und inwiefern man sich überhaupt vor Ort bewegen und Gespräche führen konnte und wie man auf die Gesprächspartner aufmerksam wurde bzw. ob und wie man dabei auf Kooperation mit einer der Konfliktparteien angewiesen war, wird nicht erwähnt. Dieser Bericht erinnert mich sehr an ähnliche NRO-Produkte z.B. vor der Kosovo-Intervention 1999, in denen ähnlich simple Weltbilder vertreten und mit ähnlich fragwürdiger Methodik gearbeitet wurde.

    Vor Kritik wähnt man sich dabei immun, denn wer würde es schon wagen, selbsternannte moralische Instanzen wie Amnesty International zu kritisieren oder sich gar so herzlos zeigen, angesichts des unermesslichen Leides der syrischen Zivilbevölkerung (vor allem der Frauen und Kinder), die einen gerechten Kampf für Freiheit, Demokratie und Menschenrechte kämpfen, nach kalten Fakten zu fragen?

  2. In dieser ethischen Grundsatzdebatte gibt es offenbar kein falsch oder richtig. Ist der Bürgerkrieg politisch oder militärisch zu LÖSEN? Erlaubt es unser Menschenbild, zuzuschauen? Ich weiß es wirklich nicht. Mir scheint, wir haben die „Wahl“ zwischen 2 Haufen Sch… Fragt sich ggf., welcher mehr stinkt.

    Was u.a. passiert, wenn (in diesem Fall gemäßigte) Islamisten ans Ruder kommen, zeigt diese Meldung aus Ägypten:

    http://obristlink.wordpress.com/2012/05/05/umstrittener-gesetzesentwurf-in-agypten-erlaubt-moslems-sex-mit-einer-leiche/

  3. Auch in China werden ethnische Minderheiten wie Tibeter oder Uygueren unterdrückt, verfolgt und getötet. Die traurige Spitze mit den meisten Hinrichtung pro Jahr führt ebenfalls China mit ca. 8000 Menschen pro Jahr an.

    http://www.droits-de-lhomme.ch/menschenrechtsverletzungen/menschenrechtsverletzungen-in-china/

    und die Liste auf dieser Erde ist noch länger. Wollen/können wir das mit militärischen Mitteln ändern? Machen wir es durch ein Eingreifen schlimmer? Greift das Ausland nicht schon ein? Wird durch die Destabilisierung der Sicherheitsorgane nicht genau das gefördert? Was ist daran Propaganda (Fall Kuweit)?

  4. Eine andere Sichtweise von führenden Kirchenleuten wird in einem Artikel der New York Times vom 31.05.2012 beleuchtet:

    Russian Church Is a Strong Voice Opposing Intervention in Syria

    http://www.nytimes.com/2012/06/01/world/europe/russian-church-opposes-syrian-intervention.html?_r=1&pagewanted=all

    Darin wird der stellvertretende Vorsitzende der Abteilung für internationale Kirchenbeziehungen des Moskauer Patriarchats wie folgt zitiert:

    Only bloody chaos will result from shortsighted attempts to plant, in a biblical region, political models from a different civilizational matrix, without taking into account the worldview and values that have shaped peoples’ lives for centuries and millennia,” he said. “Forming foreign policy without accounting for the religious factor could lead to a catastrophe, to the deaths of thousands and millions.

    Interessant ist auch diese Passage:

    But Metropolitan Hilarion of Volokolamsk, chairman of the patriarchate’s department of external church relations, did not ask for money. The issue of “Christianophobia” shot to the top of the church’s agenda a year ago, with a statement warning that “they are killing our brothers and sisters, driving them from their homes, separating them from their near and dear, stripping them of the right to confess their religious beliefs.” The metropolitan asked Mr. Putin to promise to protect Christian minorities in the Middle East.

    “So it will be,” Mr. Putin said. “There is no doubt at all.”

    The request was one that plunged deep into geopolitics, since Christian minorities are aligned with several of the governments that have faced popular uprisings. The statements on “Christianophobia” amount to a denunciation of Western intervention, especially in Egypt and Iraq, which lost two-thirds of its 1.5 million Christians after the fall of Saddam Hussein.

  5. Sehr viele Menschen werden sterben wenn wir eingreifen und wenn der Westens nichts unternimmt ebenfalls. Also kann das für mich kein Grund sein Geld zu verbrauchen und Soldaten zu gefährden. Daher müssen wir uns fragen, wollen wir Assad oder wollen wir eine sunnitische (gemäßigte oder radikale) Regierung in Syrien an der Macht sehen. Wenn der Westen die Sunniten an die Macht bombt kann dann der Westen seinen Einfluss in dem Land erhöhen bzw mit wem wird dann die neue Regierung kooperieren?
    Vorallem müsste man dann die Schwächung des Irans in die Kalkulation einbeziehen.

    Sollte man nun zur Aufffassung gelangen, dass eine sunnitische Regierung für den Westen mehr Vorteile hat als Assad, dann lasst die Flugzeuge starten.

  6. Wer ist eigentlich die deutsche Kommission Justitia et pax ?

    Es sind namhafte Persönlichkeiten darunter, unter anderem der Generalleutnant Schelzig und vorher der Vier-Sterner General Lather.

    http://www.justitia-et-pax.de/de/ueber-uns/kom-vor-ges.shtml?navid=1

    Man muss jedoch die Vorgehensweise von Justitia et Pax verstehen um die Resolution bewerten zu können. Unter der vertretenen General-Prämisse „Gerechtigkeit schafft Frieden“ wäre es nicht zu dem Aufstand in Syrien gekommen. Die nicht alewitschen Gesellschaftsgruppen wollten wohl etwas mehr von den Ressourcen des Landes abbekommen. Statt dessen haben Sie Waffen- und Finanzhilfe vom Ausland bekommen, um gegen die Assad-Regierung zu kämpfen. Wenn jetzt die Grausamkeiten dieses von außen induzierten Krieges an den Tag kommen, dann stellt sich Justita et Pax auf die Seite der geschundenen Menschen, auch wenn die an ihrem Unglück (sprich angezettelter Aufstand) nicht unschuldig sind.

    Wenn man die Äußerungen von Justitia et Pax etwas differenzierter sehen will, dann muss man in deren Archiv schauen.
    Beispielhaft sei hier die Presseerklärung vom 29.03.2011 aufgeführt, wo der Lybienkonflikt eskalierte.

    http://www.justitia-et-pax.de/28032011_PM_Ackermann_Libyen.pdf

  7. Bischof Ackermann sagt es ja selbst, indem er die fehlende Klärung der politischen und militärischen Ziele zwischen den Mitgliedern der internationalen Koalition. Auch die langjährige doppelbödige Politik gegenüber Libyen sowie die mangelhafte Bereitschaft, frühzeitige und energische Signale in einem früheren Stadium gegen die Gewalteskalation in Libyen zu setzen……und dies trifft auch auf Syrien zu!
    Man schaute mal wieder zu wie das Kind langsam in den Brunnen fiel. Wir machen die Sache nicht ungeschehen, wenn wir jetzt noch ein paar hinterher werfen! Wo ist die kluge, vernetzte Sicherheitspolitik der NATO? Jeder macht was er will und verfolgt seine eigenen Interessen und überlegt wie man das Militär für seine Zwecke vor den Karren spannt. Der Eingriff aus humanitären Gründen ist ein Vorwand! ein zerschlagener Staat, mit oder ohne Assad, führt zu noch mehr Opfern unter der Zivilbevölkerung!

  8. @Georg
    „Unter der vertretenen General-Prämisse “Gerechtigkeit schafft Frieden” wäre es nicht zu dem Aufstand in Syrien gekommen. “

    Wie befriedigt man einen Gerechtigkeitsanspruch, der in Alawitentum, Schiitentum und Christentum feindliche Häresien betrachtet?

  9. @Alpha

    Mal eine kurze moralische Frage: sind wir damit also Richter UND Kaufleute ueber Leben und Tod anderer Menschen?

    Auch ich bin ein pragmatischer Mensch, aber hier hoert mein Pragmatismus auf:

    „Sehr viele Menschen werden sterben wenn wir eingreifen und wenn der Westens nichts unternimmt ebenfalls. Also kann das für mich kein Grund sein Geld zu verbrauchen und Soldaten zu gefährden“

    Wieviel darf denn ein Leben kosten, damit SIE bereit sind, IHR Geld zu verbrauchen?

    @LTC007

    Um ihr Bild etwas netter zu beschreibem…. Das Leben ist wie eine Pralinenschachtel, man weiss nie, was man bekommt…. Forest Gump

  10. @ Klabautermann
    Egal wie man zu diesem Thema steht, Karl Wagenfeld als Repräsentant fremdenfeindlicher und rassistischer Anschauungen hier wiederzugeben ist denke ich unpassend.

  11. Wieviel darf denn ein Leben kosten, damit SIE bereit sind, IHR Geld zu verbrauchen?

    Es geht da eher nicht um die Finanzkosten sondern um die Kosten von Menschenleben, eigene und evtl Kollateralschäden, die es bei einem Eingreifen geben wird!

    Wie viele andere Menschenleben darf man auslöschen um wie viele zu retten?

    So ein Dilemma hatten wir schon beim Luftsicherheitsgesetz

    Verfassungswidrigkeit des § 14 Abs. 3 LuftSiG
    http://de.wikipedia.org/wiki/Luftsicherheitsgesetz
    „Menschliches Leben und menschliche Würde genießen ohne Rücksicht auf die Dauer der physischen Existenz des einzelnen Menschen gleichen verfassungsrechtlichen Schutz“
    Der Einsatz von Militär sollte nur in staatlicher Notwehr geschehen, alles andere macht es nur schlimmer und ein Notwehrrecht läßt sich für die BRD zum Fall Syrien nicht ableiten, da wir ja nicht angegriffen wurden und selbst unsere Interessen nicht verletzt wurden!
    Also ist es gut, wenn man sich bei einem Dilemma, soweit keine eigenen Interessen vorhanden sind, heraushält.
    Die Natur ist grausam und das Leben endet in jedem Fall mit dem Tod!

    P.S. … der Sicherheitsoffensive ist die hohe Zahl der Ertrinkungsfälle in Europa. Pro Jahr verlieren nahezu 40.000 Menschen in europäischen Gewässern ihr …
    und was macht die emörte Öffentlichkeit dagegen? Was ist ihnen eine Menschenleben in der EU wert? Sicherheitspolitik ist eben mehr als militärische Sicherheitspolitik
    http://www.dlrg.de/fileadmin/user_upload/DLRG.de/Ueber_uns/Geschaeftsberichte/Bilanz-PK_2011_Statement_DKW_Pressefassung.pdf

  12. @LTC007

    Was u.a. passiert, wenn (in diesem Fall gemäßigte) Islamisten ans Ruder kommen, zeigt diese Meldung aus Ägypten:

    Welches (offensichtlich) eine totale Falschmeldung war und ein weiteres Zeichen das viele unsere Medien in einem miserablen Zustand sind.

    Hier wird Schritt für Schritt nachverfolgt wie diese Falschmeldung in die Medien kam:

    Anatomy of a Hoax and Media Credulity: The „Egypt Necrophilia Law“ Story

    a story so grotesque, bizarre, and appalling that you’d think no one would believe it without evidence (and there was none) managed to turn up in print media and all over the Internet before a few intrepid souls noticed that there was no credible sourcing to the story. It’s a case study in the down side of instant 24/7 reporting, and it tells us something about the tendency for Western media to believe absolutely anything about Islamists.

  13. Geld oder Leben
    Sicherheit am Bahnsteig

    Was ist uns Leben wert? Milliarden am Hindukusch für die Rüstungsindustrie oder
    für technische Vorrichtungen an Bahnsteigen und Bahnkreuzungen die immer mit dem Hinweis auf die imensen Kosten verwehrt werden!

  14. @DoBra
    Sie bringen da ein mustergültiges Beispiel eines Ad-Hominem-Argumentes, das an die Stelle des inhaltlichen Einwandes einen moralischen Vorwurf gegen den Diskussionsgegner zu setzen versucht. In Deutschland ist solches Fehlverhalten im Zuge des Verfalls der Diskussionskultur leider mittlerweile recht häufig zu beobachten. Würde man diesem „Argument“ folgen, dürfte man auch Kant („Rassismus“), Voltaire („Islamophobie“), Schopenhauer („frauenfeindlich“), Nietzsche ( „Intoleranz“) oder Augustinus („Homophobie“) nicht mehr zitieren.

    Kommt demnächst auch im Rahmen einer Diskussion über die These des „gerechten Krieges“ mit Zitaten von Augustinus und Kant kein Einwand mehr gegen die These als solche, sondern nur noch eine Forderung nach Zitatverboten, weil beide Philosophen nicht gemäß aktueller Politmoral dachten?

  15. Kann mich da noch an die Brutkastenlüge in Kuwait erinnern!
    „Als 1992 die Brutkastenlüge publik wurde und mensch denken mochte, „gebranntes Kind (d.h. in diesem Fall Journalisten und Journalistinnen) scheut das Feuer“, war bereits eine andere PR-Agentur damit betraut, das Image Kroatiens, Bosnien-Herzegowinas und der kosovarischen Opposition zu fördern und die serbische Position in Misskredit zu bringen.
    Der Direktor von Ruder Finn Global Public Affairs, James Harff, erklärte in einem Interview, wie seine PR-Agentur diesen Auftrag anging:
    http://www.miprox.de/Sonstiges/Propaganda_und_Krieg.html

  16. @Orontes
    Ok, vielleicht habe ich mich unglücklich ausgedrückt.
    Ich habe durchaus nichts gegen Zitate an sich, aber dann sollte man diese Zitate in einen passenden Kontex setzen und nicht alle für sich stehen lassen.
    So finde ich es zumindest angemessener, aber das kann durchaus jeder anders sehen.
    Und der Schreiber ist nicht mein Diskussionsgegner, mir ging es nur um die Zeilen eines durchaus fragwürdigen Heimatforschers die so frei im Raum hingen.
    Aber vielleicht bin ich auch inzwischen zu empfindlich geworden was so etwas angeht.
    Ich selber habe mich zu dem Thema nicht geäußert den mit einem einfach schwarz/weiss ist es denke ich nicht getan.

  17. @Elahan
    In dem Zusammenhang vielleicht interessant: Die Zahl der Stellenausschreibungen ziviler Dienstleister, die für US-Streitkräfte „Influence Operations“-Aufgaben durchführen, ist zuletzt gestiegen. Hier ein sehr aktuelles Beispiel:
    http://careers.boozallen.com/job/San-Antonio-Influence-Operations-Analyst%2C-Senior-Job-TX-78201/1899801/
    Normalerweise wird bei solchen Ausschreibungen die gewünschte regionale Erfahrung (z.B. „Middle East“ oder „Central Asia“) erwähnt. Es fällt auf, dass hier kein regionaler Bezug erwähnt wird. Ebenfalls auffällig ist der Bezug zu Luftwaffen-Operationen.

    @DoBra
    Danke

  18. Es ist wirklich ein Jammer, dass keine deutschsprachigen Presseseiten verlinkt werden dürfen. Aber der geneigte Leser suche bitte nach einem aktuellen Artikel von Rainer Hermann in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zum Massaker von Hula.

    Dieses wurde nämlich von sunnitischen Rebellen begangen, wie nunmehr auch durch Zeugenaussagen feststeht. Hermann hat den Ablauf des Geschehens im einzelnen recherchiert.

    Die „Freie Syrische Armee“ und deren verbündete Milizen üben in den von ihnen besetzten Gebieten eine Schreckensherrschaft aus.

    In Syrien kämpfen Schurken gegen Schurken. Dort von außen einzugreifen, kommt dem Versuch gleich, ein brennendes Haus mit Petroleum löschen zu wollen.

  19. @chickenhawk
    Vielen Dank, ein großartiger Beitrag von Rainer Hermann. Großartig deshalb, weil Hermann die richtigen Fragen stellt und nicht dem manipulativen moralischen Druck nachgibt, der durch solche Geschichten offenbar erzeugt werden soll. Auch wenn es noch zu früh sein dürfte, hier endgültige Aussagen zu treffen, so wird doch offensichtlich, dass die unmittelbar nach dem Vorfall erfolgten Darstellungen voreilig waren und sehr wahrscheinlich in manipulativer Absicht getätigt wurden.

    Möglicherweise sollte im Zusammenhang mit den Ereignissen in Hula eine Wiederholung des „Massakers von Racak“ inszeniert werden, das im Fall der Kosovo-Intervention ausschlaggebend für die Begründung der Intervention gegenüber westlichen Bevölkerungen war. Auch damals gingen von Beginn an vorhandene Zweifel an der v.a. von den USA propagierten Version im allgemeinen Empörungsgetöse einfach unter. Diese Methode funktioniert offenbar nicht mehr so gut wie noch 1999, was m.E. ein gutes Zeichen ist.

  20. „Während des Ersten Weltkrieges hat sich Karl Wagenfeld als plattdeutscher Kriegslaientheologe, Kriegspropagandist und Hasslyriker betätigt, was in einer neuen Studie zur westfälischen Kriegsdichtung 1914-1918 ausführlich dargestellt wird.. Dazu gehören auch die plattdeutschen Feldbriefe an die Frontsoldaten: mit Rezepten gegen den Schützengrabenstumpfsinn, heiteren Aufmunterungen, forschen Draufschlag-Sprüchen, „deutschen Pfingstpredigten“, Opferbelehrungen und kriegszielpolitischen Programmen. Den unschlagbarsten „Trost“ der ganzen Reihe enthält das sechste Sammelheft der Feldbriefreihe „An’n Herd“ von 1917 auf den Seiten 54-63. Wagenfeld erzählt den Soldaten im Schützengraben von seiner Bahnrückreise nach einem erhebenden Aufenthalt an der Ostsee. Er hat Halt im „heiligen Köln“ gemacht, dort mit einem wütenden Faustschlag ausgerufen, dass die Feinde den deutschen Rhein nicht bekommen, am Bahnhof Schwerstverwundete gesehen und schließlich eine „Ausstellung für Kriegsfürsorge, Kriegsbeschädigten-Fürsorge, Berufsausbildung und Umbildung“ besucht. Dort gibt es ein „Denkmal der christlichen Liebe“ zu sehen, einen wahren Altar für den versehrten Menschenleib – als Kontrast zur „Kriegskirche des Teufels“. Früher waren „Krüppel“ ohne Arme oder Beine nur eine Last für ihre Mitwelt, doch die Kölner Ausstellung lehrt nun – auch den Dichter – eine revolutionär neue Sichtweise. Modernste Prothesen ermöglichen im Verein mit „Willenskraft und Übung“ fast ein ganz normales Leben. Die futuristische Mensch-Maschine-Symbiose ist schon weit fortgeschritten zu diesem Zeitpunkt. Beim Lesen kommt man aus dem Staunen nicht mehr heraus. Auch halbe Soldatenköpfe sind gar kein Problem mehr …
    Zur historischen Realität der medizinischen und sozialen Staatssorge für die Veteranen von 1914-1918 findet man im Internet so einiges dazu und ebenso Anschauungsmaterial zum Erscheinungsbild überlebender Kriegsopfer mit halben Köpfen oder abgetrennten Gliedmaßen.“

    Wenn deutsche Theologen anfangen über Krieg und deutsche Soldaten/Veteranen etc zu predigen, dann werde ich ganz nervig……

    Wer die geistigen Grundlagen der Prediger für Opfersinn und wider die Sucht nach perönlichem Glück präzise erkunden möchte, dem empfehle ich unbedingt das Buch „Herbert Koch: Der geopferte Jesus und die christliche Gewalt“ (Düsseldorf 2009)

  21. Das Massaker von Hula war Wendepunkt im syrischen Konflikt. Die westliche Öffentlichkeit beschuldigt, gestützt auf die UN-Beobachter, die syrische Armee. Es wurde berichtet, dass die getöteten Zivilisten Alawiten und Schiiten waren. Sie wurden in Taldou, einer Stadt der Ebene von Hula, gezielt von bewaffneten Sunniten getötet, während um die Ortschaft um Straßenkontrollen heftige Gefechte zwischen der regulären Armee und Einheiten der Freien Syrischen Armee stattfanden. Diese Darstellung ist von vielen Medien weltweit aufgegriffen und von vielen als unglaubwürdig verworfen worden.

  22. Forschungsinstitut der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik e.V.
    Rivalitäten und Konflikt zwischen Sunniten und Schiiten in Nahost

  23. Vorweg: „Don’t feed the PsyOps trolls“.

    Interessant jedoch dieser Clip, von den UNSMIS-Beobachtern gedreht und den VN auf YouTube eingestellt:

    http://www.youtube.com/watch?v=SFPVYTmHgjs

    Begleittext zu dem UN-Video:

    „In Homs where increased and intensified fighting is taking place,smoke drift into the sky from buildings and houses hit by shelling. Next the observers traveled to Talbiseh and al-Rastan,north of Homs city. The roads were empty and all shops, garages, health centers were closed. The bridge on the highway between Talbiseh and al-Rastan appeared shelled.
    A Syrian opposition flag – with three stars – draped from the bridge as the smoke and fire continued to burn. UN military observers on patrol to these towns noticed helicopters firing.
    There was fresh blood on corridors and outside some of the houses.The UN patrol team spoke with both side – Syrian army soldiers and oppositions free Syrian army – to try and ascertain the extent of this increased heavy weapons and attacks.“

    Und die UNSMIS-Beobachter geraten in nicht wirklich angenehme Situationen:

    http://www.youtube.com/watch?v=I73EyNw_Pnw

    Dieser Clip wurde von einer Gruppe namens „Free (l)attakia“ eingestellt, die sich auf ihrer Facebook-Seite als Protagonisten der „(The) Syrian Revolution 2011“ bezeichnet.

    https://www.facebook.com/freeattakia2011

    Die relative Hilflosigkeit von uniformierten (und in diesem Fall als Beobachter unbewaffneten) UN-Kräften dargestellt zu bekommen, weckt zumindest in mir Assoziationen zu den Tragödien im Rahmen von UN-Missionen auf dem Balkan (Srebrenica) und in Afrika (Ruanda).

    Absicht…? Honi soit qui mal y pense…?

  24. @Etienne Rheindahlen

    Gerade in NMO hat man jahrzehntelange UN-Instrumentalisierungserfahrung ;-))

  25. Propaganda und Logik in der U.S. Politik.

    U.S. Bolsters Ties to Fighters in Syria

    Am Anfang des Artikels wird die verstärkte Unterstützung der Rebellen durch die USA und Verbündete mit Waffenleferungen und verschlüsselten Sat-Telefonen beschrieben.

    As part of the efforts, the Central Intelligence Agency and State Department—working with Saudi Arabia, Turkey, Qatar and other allies—are helping the opposition Free Syrian Army develop logistical routes for moving supplies into Syria and providing communications training.
    .
    The CIA’s heightened role is seen by some as a sign of growing U.S. seriousness about the military effort against the Assad government. U.S. officials also think that added pressure could force the regime to agree to a cease-fire.

    Schöne Propaganda. Assad hatte sich an den Waffenstillstand gehalten, die Rebellen -wie sie angekündigt hatten- nicht. Als die Rebellen dann immer wieder angriffen und weitere Gebiete (z.B. Rastan) eroberten musste die syrische Armee ja wohl irgendwann zurückschiessen.

    Jetzt aber das Tolle. Die Tatsache das die vom CIA verstärkten Rebellen nun besser kämpfen können muss als Vorwand für eine weitergehende militärische Intervention herhalten:

    The growing instability in Syria is feeding a growing debate inside the Obama administration and allied governments about the potential need to intervene to stop the bloodletting inside Syria.

    These discussions come as senior American, Israeli and Arab officials have said in recent weeks that they are growing increasingly worried that Syria is degenerating into a failed state and that violence inside the country could spill into Iraq, Lebanon, Turkey and Jordan.

    Also:
    a. Feuerwehr schüttet Öl aufs Feuer
    b. „Es brennt lichterloh wir ,müssen löschen!!!“

  26. @b

    die Maya Priester hatten vielleicht doch recht.

    What said the hurricane to the palm-tree ? Hang on to your nuts, baby, this is not an ordinary blow-job !

  27. @Elahan

    hatte gerade eine TelCon mit meiner Tochter, die zZt ein Praktikum bei Spiegel XXX macht….(Magister A. in Geschichte und christlicher Archeologie)….soll ich die mal bitten, mit dem Pabst zu reden ???

    ;-))

  28. @klabauterman

    So bleibt Hoffnung, das wenigstens in der Folgegeneration Auferstehung moeglich ist…. Sie kann ja dann von uns gruessen :-)

  29. Die Terroristen in Syrie haben ein Ultimatum von 1 Tag bekommen, um ihre Waffen niederzulegen und sich zu stellen. Sollten sie dies nicht tun, werde die Armee „den Terroristen mit militärischen Mitteln“ zu Leibe rücken.

  30. @Elahan

    „Die Terroristen in Syrie haben ein Ultimatum von 1 Tag bekommen, um ihre Waffen niederzulegen und sich zu stellen. Sollten sie dies nicht tun, werde die Armee “den Terroristen mit militärischen Mitteln” zu Leibe rücken.“

    Sagt wer? Berichtet wer? Wer stellt wann dieses „Ultimatum“? Eine Quellen- und Datumsangabe wäre hilfreich, oder ? So wirkt Ihr Beitrag ein wenig – hm…hysterisch?

    Und: wie geht denn die syrische Armee gegen die Aufständischen seit Monaten vor, wenn nicht mit „militärischen Mitteln“ ? Polizeiliche Mittel sind das wohl nicht, sofern die Hunderte Berichte zutreffen.

  31. Quellen gibt es zu dieser Meldung viele deshalb kann ich keine einzelne angeben: n-tv, Zeit, news.feed-reader.net…….uvm

    Bitte nicht den Boten schlagen!

  32. Jon Williams von der BBC setzt sich selbstkritisch mit dem Verhalten des Großteils westlicher Medien im Syrienkonflikt am Beispiel des „Massakers von Houla“ auseinander:
    http://www.bbc.co.uk/blogs/theeditors/2012/06/reporting_conflict_in_syria.html

    In the aftermath of the massacre at Houla last month, initial reports said some of the 49 children and 34 women killed had their throats cut. In Damascus, Western officials told me the subsequent investigation revealed none of those found dead had been killed in such a brutal manner. Moreover, while Syrian forces had shelled the area shortly before the massacre, the details of exactly who carried out the attacks, how and why were still unclear. …In such circumstances, it’s more important than ever that we report what we don’t know, not merely what we do. …
    stories are never black and white – often shades of grey. Those opposed to President Assad have an agenda. One senior Western official went as far as to describe their YouTube communications strategy as „brilliant“. But he also likened it to so-called „psy-ops“, brainwashing techniques used by the US and other military to convince people of things that may not necessarily be true.A healthy scepticism is one of the essential qualities of any journalist – never more so than in reporting conflict.

    Die Kritik richtet sich an Medienvertreter, betrifft aber m.E. genauso deutsche Kirchenaktivisten oder Amnesty International, die auf die Behauptungen der Rebellen stets zuverlässig mit der kopfloser Empörung und Parteinahme für die Aufständischen reagieren.

  33. @Elahan

    Nö. Aber der Bote (= Melder…?) sollte doch eine vernünftige Meldung zusammenbringen. Ham wa doch irgendwann mal in der AGA gelernt, oder…?

    Auf Zeit-Online ist nichts zu finden, news-feed-reader.net ist ein „Nachrichten“-Verlinker ohne redaktionelle Überarbeitung (zB Recherche, Cross-Check etc.) und auch die – offensichtlich aus „dpa-Material“ – getextete Meldung auf n-tv (ich zitiere: „Mehrere regierungsnahe Medien melden, die bewaffneten Regimegegner hätten 24 Stunden Zeit, um ihre Waffen niederzulegen und sich den Behörden zu stellen. Sollten sie dies nicht tun, werde die Armee „den Terroristen mit militärischen Mitteln“ zu Leibe rücken. Dies habe die Regierung von Machthaber Baschar al-Assad auch dem Syrien-Sondervermittler Kofi Annan mitgeteilt.“) lässt eine Reihe Fragen offen.

    Welche regierungsnahen Medien? Welcher Amtsträger oder Assad-Beauftragte hat dem UN.-Sondervermittler Annan das in welcher Form mitgeteilt? Hat Assad dies selbst so gesagt, sein Innen- oder Justiz-, vielleicht der Verteidigungsminister oder ein Stabschef…? Wann läuft das Ultimatum aus?

    Sorry, aber ich versuche halt auf Basis exakter und verlässlicher Informationen mir meine Meinung zu bilden. Gerade mit Blick auf PsyOps-Aktionen aller beteiligten bzw. interessierten Seiten…^^

  34. @E.T.
    Daran möchte ich sie auch nicht hindern. Ich habe die Info nicht gewertet und da sie in diesem Blog schreiben, gehe davon aus, dass sie einen Zugang zum www haben :-)

    P.S. Zeit ist nicht Zeit.online

  35. by the way:

    Der Katholische Militärbischof für die Deutsche Bundeswehr und Bischof von Essen, Dr. Franz – Josef Overbeck, bezieht zu den Einlassungen des Vorsitzenden der Deutschen Kommission Justitia et Pax, dem Bischof von Trier, Stefan Ackermann, Stellung.

    Nachzulesen auch dort, wo der Wortlaut des KNA Interviews mit Bischof Ackermann veröffentlicht wurde.

  36. „…..Wo das Wissen um präventive Friedens- und Sicherheitspolitik gering ist und die Schutzverantwortung meist auf die militärische Option verkürzt wird, ist sie damit für viele regelrecht kontaminiert. Das umso mehr, als sowohl beim Kosovo wie beim Afghanistaneinsatz humanitäre und menschenrechtliche Motive und Rechtfertigungen der Startphase im Laufe der Zeit eine massive Ernüchterung erfuhren……“

    Die Schutzverantwortung (Responsibility to Protect) zwischen
    Notwendigkeit, Tücken und Umsetzung –
    Herausforderung für deutsche Sicherheits- und Friedenspolitik
    Winfried Nachtwei, MdB a.D., Münster (Juni 2012)

    http://www.nachtwei.de/index.php/articles/news/1145

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